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Full text of "Mémoires de l'Académie impériale des sciences de St.-Pétersbourg"

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MEMOIRES 


DE 


TOME  XXXI 


(Avec  11  planches) 


SAINT-PÉTERSBOliRG,  1887. 

Commissionnaires  de  rAcadéraie  Impériale  des  sciences: 

à  Sl.-Pétorebours:  à  Riga:  à  Leipzig: 

MM.  Eggers  et  C"^  et  J.  Glasounof;  M.  N.  Kymmel;  Voss'  Sortiment  (G.  Haessel) 


Prix.  7  Roub].  70  Сор  =  25  Mk.  60  Pl. 


s  5^ 


Novembre,  1S87. 


Imprimé  par  ordre  de  l'Accidémie  Impériale  des  sciences. 

C.  "Vessél 0 fsk y ,  Secrétaire  perpétuel. 


Imprimérie  de  l'Académie  Impériale  des  sciences. 
Vass.-Ostr.  9'  ligne,  Aï  12. 


TABLE  DES  MATIÈRES 

DU  TOME  XXXV. 


,m  1. 

Untersuchungen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroene.  Von  /tifred  \'Oii  6rut§climid. 

49  pages. 

Xo  2. 

Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  im  Zoologischen  Museum  der  Kaiserlichen  Akademie 
der  Wissenschaften  zu  St.  Petersburg.  Von  Dr.  /%Іежаііс!еР  Strauch.  (Mit  1  lithogra- 
phischen Tafel)  72-bII  pages. 

X9  3. 

Bestimmung  der  Constante  der  Praecession  und  der  eigenen  Bewegung  des  Sonnensystems.  Von  liUdwig: 
Struve.  34  pages. 

Л?  4. 

Die  Blutgefässkeime  und  deren  Entwickelung  bei  einem  Hühnerembryo.  Von  Dr.  JH.  Uskow.  (Mit 
2  Kupfertafeln)  48  pages. 

5. 

Beschreibung  einiger  Vogelbastarde.  Von  Theodor  PIe§ke.  (Mit  1  Tafel)  8  pages. 

Жо  6. 

Das  türkische  Sprachmaterial  des  Codex  Comanicus.  Mauuscript  der  Bibliothek  der  Markus-Kirche  in 
Venedig.  Nach  der  Ausgabe  des  Grafen  Kuun  (Budapest  1880).  Von  Dr.  IV.  RadSoff. 
7  Ч-  132  pages. 


,m  7. 

Weiteres  über  das  Anwachsen  der  Absorptionscoefficienten  von  CO^  in  den  Salzlösungen.  Ton  I.  Se- 
tschenow.  32  pages. 

8. 

Zur  Geschichte  der  kaukasischen   Türe   (capra  caucasica   Güld.   und  capra  cylindricornis  Blyth). 
Von  £ug'.  Bücliner.  (Mit  2  phototypischen  Tafeln)  27  ^••a.ges. 

ЛЬ  9. 

Die  Dampfteusionen  der  Lösungen.  Von  fvustav  Tammann.  (Mit  5  Tafeln)  172  pages. 

Жо  10  ET  DERNIER. 


Diluviale  europäisch-nordasiatische  Säugethierfauna  und  ihre  Beziehungen  zum  Menschen.  Von  Johannes 
IVcp.  H'oldricli»  II H- 162  pages. 


MÉMOIRES 

DE 

l'ACADÉMIE  IMPÉRIALE  DES  SCIENCES  DE  ST.-PÉTERSBOURG,  ѴІГ  SÉRIE. 

 Tome  XÏIY,  W  \.   

UNTERSUCHUNGEN 

ÜBER  DIE  GESCHICHTE 

DES 

KÖNIGREICHS  OSROËNE. 


VON 

^Vlf'recl  Л01І  Oiitsclxiiiid, 

CoiTespondirendeüi  Mitgliede  der  Akademie. 


{Lu  le  29  астй  18S6.) 


St.-PÉTERSBOURG,  1887. 

Commissionnaires  de  l'Académie  Impériale  des  sciences: 
St.-Pétersbourg:  Riga:  Leipzig: 

M.  Eggers  et  C'^  et  J.  Glasounof;     '        M.  N.  Kymmel;  Voss' Sortiment  (G.  Ha  esse  1.) 

Prix:  45  Кор.  =  1  Mrk.  50  Pf. 


Imprimé  par  ordre  de  l'Académie  Impériale  des  sciences. 

C.  Vessélofsky,  Secrétaire  perpétuel. 


Imprimerie  de  l'Académie  Impériale  des  sciences 
Vass.-Ostr.,  9  ligne,  .^12. 


LITEEATUß. 


Literatur, 


R.  Reineccius,  Historia  Julia,  III  (Helmstädt  1597,  fol.)  p.  280—284.  (Aelteste,  sehr 
vollständige  Stellensammlung.) 

J.  S.  Assemanus,  Bibliotheca  Orientalis,  I  (Rom  1719,  fol.)  p.  417  —  423.  (Erste 
Publication  der  Königsliste  des  Dionysios  von  Tell-mahrê  mit  einem  gelehrten  Com- 
mentar,  der  freilich  darin  fehlgeht,  daß  er  die  chronologischen  Widersprüche  des 
Chronisten  mit  sich  selbst  durch  Zahlenänderungen  zu  heben  sucht.) 

Th.  S.  Bayer,  Historia  Osrhoena  et  Edessena  ex  numis  illustrata,  Petersburg  1734, 
4.  p.  32 — 207.  (weitschweifig  und  ohne  Kritik,  —  wie  denn  die  zur  Ausgleichung  der 
Widersprüche  zwischen  den  Classikern  und  Dionysios  ersonnene  Ausflucht,  daß  Abgar 
ein  dynastischer  Name  sei,  ein  Einfall  Bayer's  ist:  aber  als  reiche  Materialien- 
sammlung ist  sein  Buch  noch  immer  brauchbar,  natürlich  mit  Ausnahme  der  numis- 
matischen Partien.) 

Fr,  Wise,  Nummorum  antiquorum  scriniis  Bodlejanis  reconditorum  catalogus,  Oxford  1750, 
fol.  Epistola  ad  v.  cl.  Joannem  Masson  de  nummo  Abgari  regis,  p.  299  —  310.  (be- 
handelt die  späteren  Zeiten  des  edessenischen  Reichs  mit  einer  kritischen  Methode, 
die,  auch  abgesehen  von  der  Zeit  des  Schreibers,  volle  Anerkennung  verdient.) 

J.  Eckhel,  Doctrina  numorum  veterum,  III  (Wien  1794,  4.)  p.  511 — 516.  (hat  trotz 
des  noch  sehr  unvollständigen  Materials  auch  für  die  edessenische  Münzkunde  die 
kritische  Grundlage  geschaffen.) 

E.  Q.  Visconti,  Iconographie  Grecque,  Paris  1808,  fol.  N.  Ausg.  ^)  III  (Mailand  1826,  8.) 
p.  45 — 57.  T,  II,  4 — 12.  (in  dem  eigentlich  numismatischen  Theile  hat  er  eine 


1)  Nach  dieser  bin  ich  genöthigt  zu  citieren. 

Mémoires  de  rAcad.  Imp,  des  sciences.  Vllme  Serie. 


1 


2 


Alfeed  von  Gutschmid, 


weniger  glückliche  Hand  gehabt  als  sonst,  seine  historischen  Erläuterungen  sind  aber 
auch  hier  brauchbar.) 

T.  E.  Mionnet,  Description  de  médailles  antiques ,  V  (Paris  1811,  8.)  p.  613—625. 
Supplément  VIII  (Paris  1837,  8.)  p.  409— 414.  (Vollständigster  Münzkatalog,  fast 
ausschließlich  auf  das  Cabinet  de  France  und  die  gedruckte  Literatur  basiert;  die 
Irrthümer  Visconti 's  sind  berichtigt  worden,  aber  das  im  Supplément  neu  Hinzuge- 
kommene beruht  im  Wesentlichen  auf  Sestini's  Descrizione  delle  medaglie  del  Museo 
Hedervariano,  weshalb  davor  zu  warnen  ist.) 

Ch.  Lenormant,  Trésor  de  numismatique  et  de  glyptique.  Numismatique  des  Rois  Grecs 
(Paris  1849,  fol.),  p.  130— 134.  Pl.  LXE,  8—18.  LXIH,  1  —  15.  (Die  schraffierten 
Abbildungen  geben  anscheinend  ein  treues  T3ild  von  dem  Zustande,  in  welchem  die 
Münzen  erhalten  sind,  die  Brauchbarkeit  des  beschreibenden  Textes  hat  aber  durch 
die  zahllosen  Druckfehler  in  der  griechischen  Schrift  schwer  gelitten;  die  einge- 
flochtenen historisch-numismatischen  Untersuchungen  verdienen  als  der  einzige  ernst- 
hafte Versuch,  in  die  Iconographie  der  edessenischen  Könige  Licht  zu  bringen  und  die 
verschiedenen  Abgare  gehörig  auseinanderzuhalten,  die  vollste  Beachtung.) 

J.  Saint-Martin,  Fragments  d'une  histoire  des  Arsacides,  I (Paris  1850,  8.)  p.  103 — 162. 
(Betrachtungen  über  die  ältere  Geschichte  des  edessenischen  Reichs,  auch  ohne  das 
kritiklose  Hineinarbeiten  der  Erzählungen  des  Moses  von  Khoren  völlig  unbrauchbar.) 

W.  M.  Leake,  Numismata  Hellenica.  Kings  and  dynasts  (London  1854,  4.),  p.  39 — 40. 
(Beschreibung  der  Münzen  seiner  jetzt  im  Fitzwilliam  Museum  in  Cambridge  befind- 
lichen Sammlung.) 

W.  Scott,  Notice  of  some  royal  coins  of  Mesopotamia.  Numismatic  Chronicle  XVIII 
(London  1856,  8.)  p.  1—26.  PI.  n«  1  —  6.  (Erste  Veröffentlichung  und  Entzifferung 
der  aramäischen  Münzlegenden  nebst  historischen  Erläuterungen,  eine  solide,  grund- 
legende Arbeit.) 

V.  Langlois.  Numismatique  de  l'Arménie  dans  l'antiquité.  Paris  und  London  1859,4. 
p.  48  —  82.  PL  IV — VI.  (als  das  Werk,  das  die  meisten  Abbildungen  von  Münzen, 
sämmtlich  aus  dem  Cabinet  de  France,  gibt,  nicht  ohne  Werth,  freilich  so  flüchtig 
compiliert,  daß  sogar  die  Scott'sche  Arbeit  übersehen  worden  ist;  die  geschichtlichen 
Abschnitte,  welche  das  dilettantische  Gepräge  der  übrigen  Schriftstellerei  ihres  Ver- 
fassers nicht  zu  verleugnen  vermögen,  sind  nicht  zu  brauchen.) 

R.  A,  Lipsius,  Die  edessenische  Abgar-Sage,  Braunschweig  1880.  92  SS.  8.  (hat  die 
vielverzweigte  legendarische  Ueberlieferung  zuerst  kritisch  untersucht  und  auf  diesem 
Gebiete  Ordnung  geschaffen;  geschichtlich  wichtig  ist  der  Nachweis,  daß  die  Abgar- 
sage  zum  guten  Theil  ein  Reflex  ist  der  wirkUchen  Bekehrung  des  späteren  Abgar  zu 
Anfang  des  3.  Jahrhunderts.) 


Unïeesuchungen  über  die  Geschichte  des  Königeeichs  Osroëne. 


3 


Die  Königsliste  des  Dionysios  von  Tell-mahrê. 

Das  Verzeichniß  der  Könige  von  Edessa  ist  uns  in  der  776  n,  C.  verfaßten  Chronik  Die Ueberüe- 
des  Syrers  Dionysios  von  Tell-raahrê  erhalten  und  mit  dieser  zugleich  in  der  neuerlich  Köoigfifste 
erschienenen  lateinischen  Uebersetzung  von  Siegfried  und  Geizer  weiteren  Kreisen  zu- "^^^ ^'2?у?'°^ 

^  "  von  Tell- 

gänglich  gemacht  worden.  Da  jedoch  diese  Uebersetzung  sich  gerade  in  Bezug  auf  den  be-  mahrê. 
treffenden  Abschnitt  in  Folge  verschiedener  hier  untergelaufener  Versehen  als  Grundlage 
für  weitere  Untersuchungen  wenig  eignet,  so  glaube  ich  auf  den  Dank  der  Mitforscher 
rechnen  zu  können,  wenn  ich  eine  vor  längerer  Zeit  mir  von  meinem  Freunde  Nöldeke 
mitgetheilte  Uebersetzung  der  wichtigen  Urkunde  hier  veröffentliche.  Diejenigen  Jahre 
Abraham's,  die  nicht  unmittelbar  mit  den  die  edessenische  Königsreihe  betreffenden  Angaben 
verknüpft  sind,  habe  ich  in  Klammern  gesetzt,  da  man  in  diesen  Fällen  nicht  wissen  kann, 
ob  der  Synchronismus  ein  genauer  oder  ein  bloß  annähernder  sein  soll.  Die  Königsliste  ist 
zuerst  publiciert  worden  von  Jos.  Assemani,  Bibl.  Orient.  I,  417  ff.,  dann  in  der  Ausgabe 
des  Dionysios  von  Tullberg.  Die  Differenzen  Beider  sind  nicht  unerheblich,  und  es  schien 
mir  von  Wichtigkeit,  hier  zu  voller  Gewißheit  zu  gelangen.  Herr  Professor  Ignazio  Guidi 
in  Rom  hat,  einer  Bitte  von  mir  mit  gewohnter  Liebenswürdigkeit  entsprechend,  die  große 
Güte  gehabt,  säramtliche  Stellen,  an  denen  jene  Beiden  auseinandergehen,  einer  Nachver- 
gleichung  zu  unterziehen.  Dieselbe  bestätigt,  zwei  (freilich  sehr  wichtige)  Ausnahmen  abge- 
rechnet, die  Sorgfalt  der  Tullberg 'sehen  Arbeit;  doch  war  die  Handschrift,  als  Assemani 
sie  benutzte,  noch  besser  erhalten.  Ueber  ihren  heutigen  Zustand  schreibt  mir  Guidi: 
«Unglücklicherweise  sind  in  der  letzten  Zeit  die  schadhaften  Blätter  des  Codex  mit  vegeta- 
bilischem Papier  verdeckt  worden,  was  dazu  dient,  die  Handschrift  besser  zu  erhalten,  aber 
die  Lesung  derselben  doppelt  schwer  und  unsicher  machte.  Eine  jüngere  Hand  hat  am 
Rande  Verschiedenes  ergänzt;  Tullberg  nennt  sie  zu  p.  68,  3  «schwerlich  syrisch».  Diese 
Ergänzungen  sind  nach  Guidi's  Mittheilungen  theils  in  Sertâ,  theils  in  nachgeahmtem  Es- 
trangëlâ  geschrieben,  aber,  da  die  zu  p.  68,  3  aus  dem  einen  Schriftcharakter  in  den 
andern  übergeht,  von  Einer  und  derselben  Hand.  Er  äußert  anläßlich  einer  dieser  Margi- 
nalnoten  (der  zu  p.  66,  18)  die  gleichen  Bedenken  wie  Tullberg  und  bemerkt  über  sie  im 
Allgemeinen:  «Sicher  sind  sie  sehr  viel  jünger  als  der  Rest  des  Manuscripts,  die  Schrift  ist 
jene  häßliche  Nachahmung  des  Estrangëlâ,  die  man  auf  den  Titeln,  u.  s.  w^  ganz  junger 
Codices  sieht.  Ich  würde  nur  schwer  daran  gelicn  zu  glauben,  daß  Assemani  selbst  sie  in 
die  Handschrift  geschrieben  haben  sollte:  immerhin  will  ich  es  aussprechen  als  bloßen  Ver- 
dacht, und  als  niclits  mehr».  Es  läßt  sich  wenigstens  das  feststellen,  daß  Assemani  diesen 
Anschriften  als  etwas  Gegebenem  gegenüber  steht:  er  will  —  sehr  mit  Unrecht  —  die  Re- 
gierungsjahre Abgar's  П.  ändern,  und  die  Regierung  Ma'nu'sV.  hat  er  stillschweigend  um- 
gestellt und  das  Jahr  Abraham's  geändert,  woraus  doch  soviel  hervorgeht,  daß  er,  sollte 

1* 


4 


Alpeed  von  Gutschmid, 


er  wirklich  der  Schreiber  sein,  in  jenen  Randnoten  nicht  eigene  Combinationen,  sondern 
Varianten  einer  Handschrift  gegeben  hat.  Aber  p.  418,  n"  VIIL  beruft  er  sich  auf  «Diony- 
sius in  margine»  ausdrücklich,  die  jüngere  Hand  ist  folglich  älter  als  Assemani,  und  da 
dieser  nach  seiner  eigenen  Angabe  (Bibl.  Orient,  iï,  98  f.)  die  Handschrift  im  Marien- 
kloster von  Skete  zuerst  entdeckt  hat,  diese  aber  theilweise  auf  ausgelöschte  ältere  kop- 
tische Schrift  geschrieben,  also  sicher  in  Aeg}'pten  entstanden  ist,  so  scheint  es  auf  den 
ersten  Blick,  als  könnten  die  Ergänzungen  nur  von  einem  syrischen  Mönch  in  der  nitrischen 
"Wüste  herrühren.  Indeß  ist  es  denkbar,  daß  Assemani,  die  Wichtigkeit  dieser  Königs- 
liste erkennend,  sie  durch  die  Hand  eines  Europäers  im  Orient  aus  einer  Handschrift,  die, 
ihm  selbst  nicht  zugänglich  war,  hat  ergänzen  lassen.  Welches  auch  der  Ursprung  jener 
Marginalnoten  sein  mag,  für  die  Echtheit  der  in  ihnen  niedergelegten  Nachrichten,  auf  die 
es  hier  allein  ankommt,  lassen  sich  zum  Glück  zwei  Entlastungszeugnisse  beibringen:  der 
19,  König  heißt  in  den  Akten  des  h.  Sharbil  (bei  Cure  ton,  Ancient  Syriac  documents 
p.  41)  Abgar  der  Siebente,  eine  Zahl,  die  nur  herauskommt,  wenn  der  von  der  jüngeren 
Hand  bezeugte  8.  König  Abgar  bar  Abgar  mitgezählt  wird,  und  die  Angabe  über  die  Re- 
gierung Ma'nu's  V.  wird  wenigstens  insoweit  bestätigt,  als  nicht  nur  die  Lehre  Addai  des 
Apostels  p,  32  (31)  von  einem  Sohne  Abgar's  Ma'nu  als  mit  dem  Vater  zugleich  bekehrt 
weiß,  sondern  auch  der  Text  der  Chronik  unter  dem  J.  2067  als  Vorgänger  des  17.  Königs 
einen  Ma'nu  bar  Abgar  nennt. 


Die  Königs-       Aus  der  Chronik  des  Dionysios,  herausgegeben  von  Tullberg. 

liste  nach 
Nöldeke's 

Ueber-  pg  ß5-)  a/o  1880  Abr.  ward  König  über  Edessa  der  erste  König  Orhâi  bar  Hewjâ  5  Jahre, 
und  nach  seinem  Namen  wurde  Orhâi  genannt.  Sie  fiengen  an  Olympias  161.  und  hör- 
ten auf  Olympias  249. 

Pg.  66)  [a/o  1884.]  (es  sollte  heissen:  a/o  1888.)^'  In  dem  Jahre  ward  König  über  Edessa 
'Abdii  bar  Maz'iir  7  Jahre. 

a/o  1894  starb  der  König  von  Edessa  und  König  ward  Ph'radasht  bar  Gëbar'û 
5  Jahre. 

a/o  1900  ward  König  über  Edessa . . ,  (am  Rande:  Bakrû  bar  Ph'radasht)^*  3  Jahre 
und  nach  ihm  Bakrû  bar  Bakrû  20  Jahre. 


1)  In  demselben  Jahre  wie  die  Vertreibung  des  Ptole- 
mäos  und  der  Untergang  des  Antiocbos,  die  nach  Hiero- 
nymus beide  1888  Abr.  erfolgten. 

2)  «Die  Worte  Bakrû  bar  Ph'radasht  am  Rande  von 
neuerer  Hand»  Tullberg.  «Der  Text  läßt»  —  schreibt 
mir  Guidi  —  «keine  Lücke;  die  nachgetragenen  Worte 


sind  in  einem  häßlichen  Sertâ  geschrieben,  und,  was  da- 
bei sonderbar  ist,  nicht  bloß  iu  häßlichen,  sondern  auch 
dünnen  Schriftzügen  und  solchen,  die  schwerHch,  so 
scheint  es  mir,  im  Orient  geschrieben  sind,  sondern  viel- 
mehr mit  einer  europäischen  Feder». 


Unteesuchungen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne. 


Pg.  67)  [a/o  1928.]"  Und  über  Edessa  ward  König  МаЧш  4  Monate  und  nach  ihm  Abgar 
Pêqâ  25  Jahre  und  9  Monate. 

[a/o  1937.]^'   Und  Abgar  tödtete  den  Bakrû  und  herrschte  allein  23  Jahre 
und  5  Monate. 

Pg.  68)  (am  Rande:  und  es  ward  König  über  Edessa  Abgar  bar  Abgar  15  Jahre.) 

a/o  1960  starb  der  König  von  Edessa  und  die  Edessener  waren  ohne  Herren 

1  Jahr  wegen  des  Streites  aus  Sucht  nach  der  Herrschaft.   Und  danach  ward  König 

über  sie  Ma'nû,  der  AUâhâ  genannt  ward,  18  Jahre  und  5  Monate. 

a/o  1980  starb  der  König  von  Edessa  und  ward  König  Paquri  5  Jahre. 
Pg.  69)  a/o  1985  starb  Paquri  und  ward  König  Abgar  3  Jahre,  und  nach  ihm  ward  König 

Abgar  Summâqâ  3  Jahre. 
Pg.  71)  a/o  1990  ward  König  über  Edessa  Ma'nû,  der  Saphlùl  genannt  ward,  18  Jahre 

und  7  Monate.*' 
Pg.  114)  (am  Rande:  [a/o  2015.]  Ma'nü  bar  Ma'nü  6  Jahre.)^' 
Pg.  122  — fehlt  pg.  116)  (am  Rande:  [a/o  2020.]  Ma'nü  bar  [Abgar]  7  Jahre.)''' 


1)  So  die  Hs.  nach  Tullberg,  übereinstimmend  mit 
Eusebius,  der  den  gleichzeitigen  Anfang  der  2.  Regie- 
rung des  Ptolemäos  VIII.  in  dieses  Jahr  setzt;  «wenn 
schon  die  Schrift  nicht  sehr  deutlich  ist,  so  scheint  es 
doch  sicher,  daß  der  Codex  1928  hat»Guidi.  1918  Asse- 
mani,  wohl  durch  Conjectur. 

2)  SoTullberg,  wasGuidi  sicher  stellt.  1934  Asse- 
mani,  wie  nach  Tullberg  auch  zu  lesen  möglich  ist, 
aber  in  Widerspruch  mit  Eusebius,  der  den  gleichzeitigen 
Regierungsantritt  des  Ptolemäos  X.  1937  setzt. 

3)  Die  ЛVorte  stehen  nach  Tullberg  von  einer  neu- 
eren, schwerlich  syrischen,  Hand  am  Rande  ohne  irgend 
ein  Verweisungszeichen;  die  Richtigkeit  seiner  Angaben 
bestätigt  Guidi,  welcher  hinzufügt,   daß   ein  Theil 

der  Randbemerkung  (die  Worte:  ^СЯю)  ^|  ^1sé,Ld|o 
î,^^|)  in  einer  schlecht  gerathenen  und  unsicheren 
Nachahmung  von  Estrangelâ,  der  andere  Theil  (die 
Worte:     сіл      \.iJL3  '—*)         Sertâ,  wie 

die  Margiaalaote  S.  G6,  geschrieben  ist.  Assemani  hat 
die  Worte  auf  das  J.  1944  Abr.  bezogen. 

4)  So  Tullberg;  Guidi  bemerkt:  «der  Codex  scheint 
18  J.  7  Mon.  zu  haben».  28  J.  7  Mon.  Assemani,  wohl 
durch  Conjectur. 

5)  «2018  Abr.  Königward  über  EdessaMa'nû  barMa'nù 
6J. »Assemani.  Hierzu  bemerktTullberg:  «Quae  miror 
me  in  Cod.  non  iuvenisse«.  Aber  Guidi  schreibt  mir  :  «Nach 
Beendigung  der  Erzählung  von  den  Weisen  aus  dem  Mor- 
genlande steht  im  Codex  ein  Verweisungszeichen,  welches 


am  Rande  wiederholt  ist  vor  den  in  der  That  am  Rande 
stehenden  Worten:  о  j  >  '  *  пл  QJ_L1d. 
Diese  Worte  sind  von  neuerer  Hand  und  in  nachgeahm- 
tem Estrangelâ.  Die  Form  des  Zahlzeicheus  ist  genau 
Gl  statt  c\,  aber  die  kleine  Verschiedenheit  rührt  von 
der  Gattung  der  Estrangelâ-Schrift  her,  die  eben  nach- 
geahmte ist.  Die  Worte     ukOlîo]     ^|     y  ^  '■^j  sind 

weder  jetzt  zu  erkennen,  noch  scheint  es,  daß  sie  je  in 
der  Handschrift  vorhanden  gewesen  sind.  Auch  die  Be- 
ziehung der  Notiz  auf  2018  scheint  willkürlich».  Sie  steht 
zwar  vor  dem  J.  2019,  gehört  aber  vielmehr  unter  das 
im  Vorhergehenden  zuletzt  genannte  Jahr  2015  Abr. 

6)  Pg.  122  Tullb.  fehlt  wenigstens  EiuBlatt  der  Hand- 
schrift, welches  die  Ereignisse  der  Jahre  2050  —  2065 
Abr.  enthielt.  Assemani  hat  Folgendes:  «A/o  2061  starb 
Abgar,  König  von  Edessa,  und  ward  König  sein  Sohn 
Ma'nü  7  Jahre».  Tullberg  bemerkt  hierzu:  «quae  eti- 
am  in  Cod.  nullus  inveni»,  hat  also  die  Stelle  in  jener 
Lücke  vermuthet.  Die  Sache  verhält  sich  aber  wesentlich 
anders,  worüber  Guidi  mir  Folgendes  mittheilt:  «Fol. 
25  V.  (der  Rückseite  des  Blattes,  auf  dessen  Vorderseite 
die  auf  Ma'nü  IV  bezügliche  Notiz  steht)  finden  sich  am 

Rande  die  Worte:  Y    V*-^*  |  •••    '-^    OJ-llD,  und 

zwar  mit  einem  Zeichen,  das  ihnen  ihren  Platz  im  Texte 
Tullberg's  p.  116,1.  17  zwischen  dem  Regierungsantritt 
des  Archelaos  und  dem  Auftreten  Jehuda  des  Galiläers 
anweist.  Welches  AVort  auf  5.Э  folgte,  ist  jetzt  nicht  mehr 
zu  erkennen,  und  auch  der  Rest  ist  von  sehr  schwieriger 


6 


Alfred  von  Gutschmid, 


Pg.  117)  а/о  2024  ward  König  über  Edessa  Abgar  Ukkâmâ,  der  vertrieben  war'),  37  Jahre 
und  1  Monat. 

Pg.  120)  a/o  2046  sandte  Abgar,  König  von  Edessa,  einen  Brief  an  Christus  in's  Land  von 
Jerusalem, 

Pg.  122)  a/o  2067  starb  Ma'nû  bar  Abgar,  König  von  Edessa,  und  ward  König  sein  Bruder 
Ma'nû  14  Jahre. 

Pg,  129)  a/o  2081  starb  Ma'nû,  König  von  Edessa  und  ergriff  die  Herrschaft  Abgar  bar 
Ma'nû  20  Jahre. 

Pg.  148)  a/o  2101  ward  König  über  Edessa  Abgar  bar  îzat  6  Jahre  und  9  Monate. 

a/o  2106  starb  Abgar,  König  von  Edessa,  und  wegen  der  Sucht  nach  der  Herr- 
schaft stimmten  sie  nicht  einem  Haupte  zu  und  so  blieben  sie  im  Streit  2  Jahre,  und 
danach  ergriff  die  Herrschaft  îlur-)  Pharnataspat  3  Jahre  und  10  Monate. 

Pg.  151)  a/o  2113  ward  König  über  Edessa  Pharnataspat  10  Monate  und  nach  ihm  Ma'nû 
bar  îzat  1 6  Jahre  und  8  Monate. 

Pg.  153)  a/o  2130  ward  König  über  Edessa  Ma'nû  bar  Ma'nû  24  Jahre  und  gieng  hinüber 
zum  römischen  Lande. 

Pg,  156)  a/o  2154  ward  König  über  Edessa  Wâ'il  (^^o)  bar  Sahrü  2  Jahre  und  nach  ihm 
ward  König  Ma'nû  bar  îzat^),  nachdem  er  vom  römischen  Lande  zurückgekehrt  war, 
12  Jahre.  Die  Summe  aber  seiner  ganzen  Regierung  ist  36  Jahre,  ohne  die,  in  denen 
er  im  römischen  Lande  war. 

a/o  2169  ward  König  über  Edessa  Abgar  bar  Ma'nû  35  Jahre. 

Pg,  159)  [a/o  2203].  Und  über  Edessa  ward  König  Abgar  Severos  mit  seinem  Sohne  1  Jahr 
und  7  Monate  und  nach  ihm  ward  König  Ma'nû  sein  Sohn  26  Jahre. 

Pg.  162)  a  'o  2232  war  eine  üeberschwemmung  in  Edessa  von  dem  Flusse,  der  von  der 
Westseite  der  Stadt  in  sie  hineintritt.  In  eben  dem  Fluß,  der  Daiçân  {^^i)  heißt. 


Lesung,  und  es  nimmt  nicht  Wunder,  daß  Tullberg 
ihn  nicht  wahrgenommen  hat.  Die  Worte  sind,  wie  die 
anderen  der  Vorderseite,  in  nachgeahmtem  Estrangclâ 
geschrieben».  Hieraus  ergibt  sieb,  daß  Assemani  still- 
schweigend eine  Umstellung  vorgenommen,  das  Jahr  Abra- 

ham's  geändert  und  die  Anfangsworte  y.^lo|o  ZjL* 

frei  ergänzt  hat;  der  Vatersname  war  vielleicht  schon 
zu  seiner  Zeit  unleserlich.  Der  Blattverlust  in  der 
Handschrift,  der  mit  einer  Blätterverheftung  in  Verbin- 
dung steht,  dürfte  schon  vor  Assemani  vorhanden  ge- 
wesen sein. 

1)  ^j^Zji  Cod.,  wozu  Guidi  bemerkt:  «Diese  un- 
genaue Orthographie  für  ^ÄwiZj  ist  in  ähnlichen  Fäl- 
len in  der  Handschrift  des  Dionysios  nicht  selten,  und 


ich  entsinne  mich  ihr  sonst  begegnet  zu  sein».  Auch 
Tullberg    hat    Add.   p.   30  das  Richtige  gesehen. 

roS>M/-|i  (der  geheilt  wurde)  Assemani  durch  Con- 
jectur. 

2)  Das  jam  Schlüsse  von  )a!ii^  ist  zweifelhafter u li- 
ber g).  Assemani  hat  dafür  >^аі5оІ2  (von  Edessa). 
Guidi  bemerkt  darüber:  aDer  Zustand  des  Codex  macht 
es  unmöglich,  das  Wort  5abi-»  oder  ,^аі5оІ2  zu  lesen; 
ich  glaube  in  Wahrheit  eine  Spur  von  Оіі.л  zu  seh(n, 
vermag  aber  nichts  Sicheres  oder  zum  Mindesten  sehr 
Wahrscheinliches  zu  sagen». 

3)  Schreibfehler  wohl  für  Ma'nû  bar  Ma'nû  barizat. 


Untersuchungen  über  me  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne. 


7 


gab  es  in  der  Nacht  schwere  Wassergüsse.  Und  während  Jedermann  schlief  und  ruhig 
und  still  in  seinem  Hause  war,  drang  der  Fluß,  bis  an  den  Rand  gefüllt,  ein  (in  die 
Stadt);  aber  die  Ausgänge  an  der  östlichen  Mauer  wurden  ihm  versperrt  von  der  Masse 
des  Mitgeschwemmten  (Holzes,  Unrathes,  etc.),  das  er  von  den  Bergen  und  den  großen 
Straßen  mitführte;  so  wandte  sich  die  Fluth  zurück,  und  während  Jedermann  zu 
Bette  lag  und  schlief,  drang  das  Wasser  zu  ihnen  ein  durch  Thüren  und  Fenster,  und  sie 
ertranken  auf  ihrem  Lager,  (pg.  163)  Und  die  Häuser,  welche  aus  Lehm  und  aus 
Luftziegeln  gebaut  waren,  wurden  naß  und  fielen  zusammen  und  verschütteten  ihre 
Besitzer,  und  sie  wurden  Gräber  für  ihre  Bewohner.  So  ward  erfüllt  die  Weissagung, 
die  da  sagt:  «ihre  Gräber  sind  ihre  Häuser  auf  ewig))^).  Es  ertranken  darin  (im 
Strome,  bez.  durch  den  Strom)  mehr  als  2000  Menschen  und  viel  Vieh.  Da  die  Fluth 
nun  aber  stark  ward  wider  die  Mauer,  riß  diese  plötzlich,  sank  ein  und  ward  von 
(eigentlich  «vor»)  dem  Wasser  fortgerafft.  Und  sie  (die  Fluth)  führte  auch  die  Stadt 
gefangen  fort  (so  wörtlich)  und  brachte  Alles  hinaus,  was  der  Wasserguß  überdeckt 
hatte:  Leichen  von  Menschen  und  Vieh,  große  Dinge  und  glänzende  Geräthe  und 
Alles,  was  auf  den  großen  Straßen  und  in  den  Buden  der  Stadt  ist.  Sie  führte  auch 
die  Gärten  gefangen  fort  und  die  Häuser  und  Dörfer  und  alle  Habe"),  die  vor  ihr  lag, 
nämlich  auf  der  Ebene  von  Edessa  und  Harrän.  Man  konnte  sehen,  wie  zurecht  ge- 
machte Betten  darin  schwammen,  und  es  traf  sich  wohl,  daß  man  auch  die  Leute 
(«ihre  Herren»)  noch  darin  sah. 
Pg.  163)  [a.  2233.]  Hier  hörte  auch  das  Reich  der  Edessener  auf,  welches  gedauert  hatte 
352  Jahre,  und  sie  wurden  den  Römern  von  hier  an  unterthan. 

Die  Regierungszeiten  der  Könige  sind  bald  in  Jahren  und  Monaten,  bald  in  vollen  Fehlerhafte 
Jahren  gegeben;  es  ergibt  sich  schon  hieraus,  daß  wir  es  hier  nicht  mit  einem  eigentlichen  der  Könlgf- 
Königskanon  zu  thun  haben.  Die  Summe  der  überschüssigen  Monate  beläuft  sich  auf  5  Jahre  c^^onik  de^s 
2  Monate,  und  bei  aller  Nachlässigkeit,  mit  der  die  Königsliste  unter  den  Jahren  Abra-  Dionysios. 
ham's  eingetragen  ist,  ergibt  sich  doch  soviel  mit  Sicherheit,  daß  diese  Zahl  eingerechnet 
werden  muß,  um  die  Gesammtsumme  von  352  Jahren  herauszubekommen.  Jene  Nachläs- 
sigkeit besteht  darin,  daß  die  Regierungswechsel  sehr  oft  1  —  2  Jahre  zu  früh  oder  zu  spät 
angesetzt  sind;  eine  Weile  wird  dann  dem  einmal  begangenen  Fehler  entsprechend  weiter- 
gerechnet, bis  er  bemerkt  und  berichtigt  wird,  worauf  wieder  nach  Kurzem  ein  neuer 
Fehler  vielleicht  der  entgegengesetzten  Richtung  in  die  Rechnung  kommt.  Einen  andern 
Ursprung  haben  die  größeren  Abweichungen  bei  Abgar  L  und  Ma'nu  V.  Hinsichtlich  der 
Anfänge  sowohl  der  Regierung  Abgar's  L  im  Jahre  1928,  als  seiner  Alleinherrschaft  im 
Jahre  1937  Ahr.  liegt  eine  Verwechselung  mit  Abgar  П.  vor:  dort  ist  fälschlich  mit  den 
15  Regierungsjahren  des  letzteren  statt  mit  den  25,  die  der  Gesammtdauer  Abgar's  L 


1)  «Ps.  49,  11».  Nöldeke. 


2)  «Das  Wort  steht  besonders  vom  Vieh».  Nöldeke. 


8 


Alfeed  von  Gutschmid, 


zukommen,  zurückgerechnet,  hier  für  die  23  Jahre  seiner  Alleinherrschaft  fälschlich  das 
Todesjahr  Abgar's  II.  statt  seines  eigenen  als  Endpunkt  genommen,  —  Versehen,  die  übri- 
gens einen  weiteren  Beweis  für  die  Authenticität  der  Angaben  der  jüngeren  Hand  liefern. 
Wenn  ferner  Ma'nu's  V.  Regierungsantritt  unter  dem  Jahre  2020  (oder  genauer  nach 
2020  und  vor  2022)  Abr.  zwischen  Ma'nu  IV  und  Abgar  V.  angemerkt  ist,  obgleich  dort 
für  seine  7  Jahre  kein  Platz  ist,  so  hat  Assemani  den  Grund  augenscheinlich  richtig  in 
einer  Umstellung  erkannt  und  ihm  mit  Benutzung  einer  Angabe  des  Textes,  der  zunächst 
nach  Abgar  V.  einen  2067  Abr.  gestorbenen  Ma'nu  bar  Abgar  nennt,  wieder  seine  ursprüngliche 
Stelle  nach  diesem  Abgar  angewiesen.  ^War  einmal  die  Verschiebung  eingetreten,  so  ergab 
sich  die  falsche  Antrittszeit  um  2020  (genau  2021)  Abr.  von  selbst,  indem  von  dem  als 
ungefährem  Anfangsjahr  des  vorhergehenden  Königs  Ma'nu  IV.  angenommenen  Jahre  2015 
Abr.  mit  dessen  6  Regierungsjahren  einfach  weiter  gezählt  wurde.  Mit  voller  Klarheit  ergibt 
sich  aus  dieser  Art  der  Einträge,  daß  die  Datierungen  durch  Rechnung  gefunden  sind,  die 
von  den  Regierungsjahren  ausgegangen  ist;  höchstens  liegt  die  Möglichkeit  vor,  daß  dem, 
der  die  Rechnung  anstellte,  einzelne  feste  Punkte  gegeben  waren.  Der  Nutzen  einer  solchen 
Rechnung  beruht  für  uns  im  Wesentlichen  nur  darin,  daß  sie  eine  Contrôle  in  Bezug  auf 
Schreibfehler  und  den  Einzelposten  eine  größere  Sicherheit  gewährt.  Wenn  die  Gesammt- 
summe  nur  342  Jahre  2  Monate  beträgt,  so  gewahrt  man  mit  Hilfe  der  Datierungen  bald, 
daß  der  Fehler  in  der  Mitte  der  Liste,  nach  der  Regierung  Ma'nu's  III.  steckt:  Assemani 
wollte  dadurch  abhelfen,  daß  er  dessen  Regierung  auf  28  Jahre  7  Monate  erhöhte;  da  aber 
der  von  ihm  verkannte  Zusatz  bei  Abgar  V.  «der  vertrieben  war»  eine  vorhergegangene 
erste  Regierung  desselben  voraussetzt,  so  ist  es  vielmehr  angezeigt,  den  Ausfall  eines  Lemma's 
«Abgar  Ukama  10  Jahre»  zwischen  Ma'nu  III  und  Ma'nu  IV.  anzunehmen.  Bei  der  Wieder- 
herstellung der  Zeitrechnung,  wie  sie  Dionysios  auf  Grund  der  ihm  vorliegenden  Königsliste 
hätte  geben  sollen,  ist  von  uns  die  Mitte  des  in  Edessa  gebrauchten  Seleukidenjahrs,  also 
das  Frühjahr,  als  Ausgangspunkt  genommen  worden,  nicht  als  ob  wir  der  Meinung  wären, 
damit  das  Ursprüngliche  getroffen  zu  haben  (vielmehr  handelt  es  sich  hier  in  der  Hauptsache 
um  eine  rein  conventioneile  Chronologie),  sondern  weil  so  die  Abweichung  von  den  aus- 
drücklich angegebenen  Jahren  Abraham's  nie  2  Jahre  übersteigt,  die  Meinung  des  Chro- 
nisten demnach  so  am  Treuesten  wiedergegeben  zu  werden  scheint.  Es  liegt  kein  Grund 
vor,  ein  anderes  Reductionsverhältuiß  als  das  normale  bei  Eusebius  vorauszusetzen,  nach 
welchem  man  die  Jahre  Abraham's  von  2017  abzuziehen  hat,  um  Jahre  vor  Christi  Geburt, 
2016  von  den  Jahren  Abraham's,  um  Jahre  nach  Christi  Geburt  zu  erhalten. 


Berichtigung 
der  Dionysi- 
sctieii  Rech- 


Liste  der  Könige  von  Edessa. 


Abr.  berichtigt        v.  Chr. 


nung. 


reg.  5  J.  —  M.  a.  1880.  1880  oder  137. 
»     7  »  —  »   »(1884).  1885    »  132. 


1.  Orhai  bar  Hewjä  , 

2.  'Abdû  bar  Maz'ûr 


Untersuchungen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne. 


9 


Abr.  berichtigt.        v.  Chr 

3.  Ph'radasht  bar  Gëbar'û   reg.  5  J.  —  M.  a.  1894.  1892  oder  125. 


4.  (Bakrû  I.  bar  Ph'radaslit)   

>)  3 

)  — 

«  b)  1900.  1897 

)  120. 

5.  Bakrii  II.  bar  Bakru  allein 

)>    17  ) 

)  4 

„  /  „    —  1900 

)  117. 

6.  Bakrû  II.  neben  Ma'nû  1. 

)  4 

»  b)  (1928).  1917  ) 

100. 

7.  Bakrû  II.  neben  Abgar  I.  Pêqâ 

»  2 

>  4 

n  }„    1917 

,  100. 

Abgar  I  allein 

»  23 

)  5 

»   »  (1 937).  1920 

,  97, 

8.  (Abgar  II.  bar  Abgar 

»    15  ) 

» ) »      ?      1943  ) 

)  74. 

Interregnum 

n       1  ) 

»  \»  1960.  1958  ) 

)  59, 

9.  Ma'nû  II.  AUâhâ 

),    18  ) 

)  5 

),  |))    1959 

)  58. 

10.  Paqurî 

»     5  > 

»   »  1980.  1978 

)  39, 

11.  Abgar  III. 

»     3  ) 

»  \  »  1985.  1983  ) 

>  34. 

12.  Abgar  IV.  Summâqâ 

»     3  ) 

„  j  „    —  1986 

)  31. 

13.  Ma'nû  III.  Saphlûl 

»    18  ) 

)  7 

»    »  1990.  1989 

>  28. 

14.  (Abgar  V.  Ukkâmâ 

»    10  ) 

),  )  2007 

>  10. 

n.Chr. 

15.  Ma'nû  IV.  bar  Ma'nû  

»  6 

)  — 

»  )«(2015).  2017 

1. 

Abgar  V.  Ukkâmâ  zum  2.  Mal  .  . 

»  37 

)  1 

>)   »  2024.  2023 

7. 

16.  (Ma'nû  V.  bar  Abgar 

»     7  ) 

— 

)>  )»(2020).  2060 

)  44. 

17.  Ma'nû  VI.  bar  Abgar       .  . 

»    14  ) 

— 

»    ))  2067.  2067 

.  51. 

18.  Abgar  VI.  bar  Ma'nû 

»    20  > 

)  — 

))   >)  2081.  2081 

>  65. 

19.  Abgar  VII.  bar  îzat 

»  6 

)  9 

»   »  2101.  2101 

>  85. 

Interregnum  .... 

»  2 

»  \  n  2106.  2108 

)  92. 

20.  îlu(r)  Pharnataspat  

»  3 

)  10 

ni»    —  2110 

)  94. 

21.  Pharnataspat   

)  10 

))  b)  2113.  2114 

)  98. 

22.  Ma'nû  VII.  bar  îzat  

»    16  > 

)  8 

))  |).    —  2115 

>  99. 

23.  Ma'nû  VIII.  bar  Ma'nû  

«  24 

»    »  2130.  2131 

)  115. 

24.  Wâ'il  bar  Sahrû  

»  2 

»  b)  2154.  2155 

)  139. 

Ma'nû  VIII.  zum  2.  Mal 

12 

)>)»    —  2157 

)  141. 

25.  Abgar  (IX.)  bar  Ma'nû  allein      .  .  . 

»  35 

»    »  2169.  2169 

>  153. 

26.  Abgar  Severos  und  sein  Sohn   

»     1  ) 

)  7 

»  b)(2203).  2204 

)  188. 

27.  Ma'nû  IX.  bar  Abgar  

»    26  ) 

>  j  »    —     2206  . 

)  190. 

»(2233).  2232  ) 

216. 

Summe:  (27  Könige)  352  Jahre  (2  Monate). 


Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences.  ѴПшѳ  Serie. 


10 


Alpeed  von  Gutschmid, 


Die  legendarische  Ueberlieferung. 

Die  legeuda-        Ѵоп  einheimischer  sowohl  als  von  griechischer  Seite  fließen  uns  ziemlich  reichlich  le- 

riscliG  Ueber- 

lieferung.  gendarische  Quellen  zu,  deren  historische  Ausbeute  (wenigstens  die  directe)  gleich  Null  ist, 
die  aber  nicht  unbeachtet  bleiben  dürfen,  weil  sie  die  Liste  der  edessenischen  Könige  zur 
Voraussetzung  haben  und  mehrfach  Synchronismen  bieten,  welche  um  Jahrhunderte  älter 
sind  als  die  Angaben  des  Dionysios  von  Tell-mahrê.  Zu  diesen  nicht  streng  historischen 
Nachrichten  müssen  auch  die  des  Procopius  gezählt  werden  ;  dieselben  tragen  zwar  eine  der 
sonstigen  Art  des  Historikers  entsprechende  politische  Färbung,  sind  aber  doch  ganz  abhän- 
gig von  der  Abgarlegende,  die  von  ilim  bereits  mit  der  Stadtchronik  von  Edessa  verbunden 
-■    vorgefunden  worden  ist. 
Osroës  und         Procop.  Pers.  I,  17  p.  85  (Dind.  )  hat  dieselbe  Angabe  wie  Dionysios,  daß  Osroëne^) 
nach  Osroës  benannt  sei,  der  vor  Alters  in  diesem  Lande  regiert  habe,  als  die  Leute  dort  mit 
den  Persern  (d.  i.  Parthern)  verbündet  waren.  Ihr  gegenüber  steht  die  abweichende  Angabe 
der  syrischen  «Lehre  Addai  des  Apostels»  p.  49  (47)  ed.  Phillips,^)  welche  des  Grabmals 
derer  vom  Hause  des  Arju  gedenkt,  der  Ahnherren  des  Vaters  des  Königs  Abgar. 
Der  Vater         Der  König,  der  an  Christus  geschrieben,  von  ihm  ein  Antwortschreiben  erhalten  haben 

^Abgar.'^^  und  nach  der  Himmelfahrt  von  Thaddäos  oder  Addai  getauft  und  vom  Aussatze  geheilt  wor- 
den sein  soll,  heißt  schon  in  der  ältesten  Quelle,  Euseb.  H,  E.  I,  13,  nach  sicheren  Spuren 
der  Ueberlieferung'')  in  den  Eingangswortenseines  Briefs  Abgaros  üchama,  nach  der  Lehre 
des  Addai  in  demselben  Zusammenhange  p.  3  (4)  Abgar  Ukamâ  (der  Schwarze).  Die  arme- 
nische Uebersetzung  (bei  Langlois  I,  318)  hat  dies,  sei  es  durch  Verlesen,  sei  es  weil  sie  An- 
stoß daran  nahm,  daß  der  König  sich  selbst  mit  einem  von  seinem  schwarzen  Aussatze 
entlehnten  Beinamen  genannt  haben  sollte,  durch  Abgar  Sohn  des  Arsham  ersetzt.  An  einer 
anderen  Stelle  (p.  1  (1)  =  Langl.  I,  317)  heißt  er  König  Abgar  Sohn  des  Königs  Ma'nu, 
in  Uebereinstimmung  mit  Dionysios.  Vom  armenischen  Texte  der  Lehre  hängt  Moses  von 
Khoren  ab,  wenn  ihm  П,  24  Abgar's  Vater  Ardsham  oder  Arsham  heißt,  den  gewisse 
Syrer  Manov  nännten  ;  außerdem  scheint  er  noch  eine  Königsliste  gekannt  zu  haben,  nach 


1)  Die  richtigen  Formen  finden  sich  "Оррк  bei  Isidor. 
Charac.  1  (Müller,  Geogr.  Gr.  min.  I,  246),  Orrheui  auf 
einer  Inschr.  bei  Muratori  II,  p.  665,  n"  1,  'Oppo-^vv^  bei 
Steph.  Byz.  V.  BcxTvat,  Arabes  Oroei  bei  Plin.  N.  II.  V  §. 
85.  VI  §.  25.  129  (dagegen  hat  die  Arabum  gens  qui  Ar- 
rhoei  vocantur  et  Vandani  VI  §.  117  mit  ürhai  nichts 
zu  schaffen). 

2)  Inderarmenischenüebersetzungbei  Langlois,  Col- 


lection des  historiens  de  l'Arménie  I,  325  ist  zugleich  mit 
dem  Tode  des  Addai,  den  sie  vielmehr  wegziehen  läßt, 
auch  dieser  damit  in  Verbindung  stehende  Zug  getilgt 
worden. 

3)  'Aßvapo?  o^X  hj-'^  TOTrdtpxv);  codd.  Paris.  1431.  Mar- 
cian.  339;  Abgarus  Uchaniae  filius  toparcha  Rufin.  I, 
15:  nachgewiesen  bei  Lipsius,  Die  edessenische  Abgar- 
Sage  S.  15. 


Untersuchungen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne.  1 1 

welcher  er  ihn  (II,  25)  20  Jahre  regieren  läßt,  wohl  eine  Abrundung  der  18  J.  7  Mon. 
bei  Dionysios  und  somit  eine  Grarantie  dafür,  daß  diese  Zahl  richtig  überliefert  ist. 

Unsere  älteste  Quelle  setzt  den  Briefwechsel  in  das  Jahr  340  (des  Reichs  der  Grie-  Die  Zeitbe- 
chen), wenn  schon  in  einigen  Handschriften  sowohl  des  Eusebius  als  des  Rufinus  schüch-  des'verkehrs 
terne  Versuche  gemacht  worden  sind,  das  Jahr  (3)43  hineinzucorrigieren.  Eben  dieses  Jahr '^'^1^^^^^^^'"'* 
343  steht  in  der  Lehre  des  Addai  11.  cc.  im  syrischen  Texte,  während  der  armenische  340 
bewahrt  hat.  Ihre  Angabe  p.  3  (3)  =  Langl.  I,  317,  daß  Abgar's  Bote  Mittwoch,  den  12. 
Nisan  mit  Christus  zusammengetroffen  sei,^)  darf  nicht  als  ein  solarer,  auf  das  Jahr  30  n.  C. 
führender  Charakterismus  angesehen  werden,  wie  dies  allerdings  vielleicht  die  Meinung 
des  Dionysios  von  Tell-mahrê  (p.  120  ed.  Tullb.)  gewesen  ist,  wenn  er  Abgar  seinen  Brief 
an  Christus  im  Jahre  2046  Ahr.  nach  Jerusalem  senden  läßt;  vielmehr  ist  jene  Datierung, 
da  der  Vorfall  Christi  Tod  unmittelbar  vorhergehend  gedacht  ist,  einfach  abstrahiert  aus 
dem  Tage  der  Kreuzigung  Freitag,  den  14.  Nisan.  Das  Datum  340  ist  das  ursprüngliche,  der 
älteren  kirchlichen  Tradition,  welche  die  Passion  in  das  Jahr  29  setzt,  entsprechende;  erst 
später  wurde  die  Wirksamkeit  Christi  auf  Erden  von  1  auf  3  Jahre  oder  etwas  mehr  oder 
weniger  erhöht,  was  in  diesem  Falle  den  Anlaß  gab,  das  Jahr  343  Gr.  =  32  n.  C.  an  die 
Stelle  zu  setzen^).  Da  die  für  das  Zusammentreffen  von  Abgar's  Boten  mit  Christus  ange- 
gebenen Jahre  also  nur  ein  anderer  Ausdruck  für  Christi  Todesjahr  sind,  so  ist  es  kein 
Wunder,  daß  sie  in  demselben  Grade  auseinandergehen,  wie  die  Berechnungen  des  letzteren. 
Sehr  bestimmt  ist  dieser  Zusammenhang  ausgedrückt  in  den  nestoriauischen  Acta  S.  Maris, 
1  (p.  12  ed.  Abbeloos),  die  sonst  völlig  von  der  Lehre  des  Addai  abhängen,  deren  Datierung 
aber  durch  die  Worte  ersetzen:  «nach  Ablauf  von  15  Jahren  der  Regierung  des  Tiberius 
Cäsar,  als  bereits  ihrem  Ende  sich  zuneigten  die  3  Jahre  des  Waltens  des  Herrn  Jesu  un- 
ter den  Menschen»,  somit  in  der  gleichen  Weise  wie  die  verschiedenen  Texte  ihrer  Quelle 
der  älteren  Tradition  die  neuere  zur  Seite  stellend.  Der  «Hingang  unserer  Frau  Maria»  in 
der  von  W.  Wright  im  Journal  of  sacred  literature  and  biblical  record  1865  veröffentlich- 
ten Recension  p.  8  (5)  scheint,  da  er  einen  die  Bestrafung  der  Juden,  die  Christum  gekreu- 
zigt, anregenden  Brief  Abgar's  an  den  Kaiser  Tiberius  im  Tishrin  II.  des  Jahres  345  in 
Jerusalem  eintreffen  läßt,  für  den  Verkehr  des  Königs  mit  Christus  das  vorhergehende 
Jahr  angenommen  zu  haben.  Gregor  Abû'lfarag  gibt  hierfür  im  syrischen  Chronicon  p.  51 
f.  (48  f.)  das  19.  Jahr  des  Tiberius  an,  was  der  Rechnung  des  Eusebius  entspricht  und  so 
gut  wie  das  Jahr  344  Gr.  auf  das  Jahr  33  n.  C.  hinauskommen  würde;  in  dem  etwas  aus- 
führlicheren Abschnitte  der  Historia  compendiosa  dynastiarum  p.  112  (71)  stellt  er  aber  ne- 
ben das  19.  Jahr  des  Tiberius  das  Jahr  342  =  31  n.  C.  Endlich  im  Chronicon  ecclesias- 
ticum  III,  1  p.  11  (edd.  Abbeloos  et  Lamy),  wo  er  nestoriauischen  Quellen  folgt,  setzt  er 


1)  Aus  derLehi'e  des  Addai  ist  das  Datum,  aber  ohne  j      2)  Den  Nachweis  gibt  Lipsius,  Die  edessenische 
den  Wochentag,  übergegangen  in  die  Acta  S.  Maris,  2    Abgar-Sage,  S.  24. 
(p.  15  ed.  Abbeloos).  | 

2* 


1 2  Alpeed  von  Gutschmid, 

das  mit  Christi  Todesjahr  zusammenfallende  Jahr  der  Bekehrung  Abgar's  durch  Addai  der 
altkirchlichen  Ansicht  gemäß  in  das  30.  Jahr  nach  der  Himmelfahrt  (es  hätte  heißen  sol- 
len: nach  der  Incarnation)  unseres  Herrn,  das  ist  das  15.  des  Kaisers  Tiberius,  Dieselbe 
Verwechselung  mit  dem  30.  Jahre  nach  der  Himmelfahrt  unseres  Herrn  hat  der  nesto- 
rianische  Historiker  Mârî  ben  Sulaiman  bei  Assemani,  Bibl.  Orient.  Ш,  2  p.  XI  mit  dem 
merkwürdigen  Zusätze,  Addai  sei  nach  Edessa  gekommen,  wo  er  den  Abgar  bekehrte  und 
heilte,  «unter  dem  Königthum  des  Afrâhât  ben  Afrâhât  er-Rohâwi».  Ich  denke,  hier  hat 
sich  ein  leichter  Schreibfehler  ^)  eingeschlichen  und  es  war  der  2  v.  C.  —  4  n.  C.  regie- 
rende PhrahatesV.,  Sehndes  PhrahatesIV.,  als  parthischer  Oberkönig  genannt,  der  frei- 
lich ein  Zeitgenosse  nicht  der  Himmelfahrt,  sondern  der  Geburt  Christi  gewesen  ist.  Zur 
Gewißheit  wird  diese  Vermuthung  durch  die  Quelle,  aus  der  Mârî  geschöpft  zu  haben  scheint, 
die  kürzlich  bekannt  gewordenen  Acta  S.  Maris,  17  (p.  48  ed.  Abbeloos),  nach  welchen  zu 
der  Zeit,  da  der  Heilige  in  das  Land  Babel  kam,  Aphrahat  der  Sohn  Aphrahat  des  Parthers 
in  Seleucia  und  Ktesiphon,  den  Städten  von  Bêth  Armajê  regierte.  Seltsamer  Weise  er- 
scheint dann  in  derselben  Schrift  c.  26  (p.  66)  neben  ihm  Artaban  als  in  Ktesiphon  und 
Gouchai  herrschend:  vermuthlich  ist  die  Regierung  des  Phrahates  V.  der  künstlich  für  den 
angeblichen  Jünger  Christi  Mârî  ausgerechnete  Synchronismus,  die  des  letzten  Partherkö- 
nigs Artabanos  V.  aber  der  Zeitpunkt  des  geschichtlichen  Eindringens  des  Christenthums 
in  Bêth  Armajê^). 

Bestimmung  Deutlicher  ist  ein  Synchronismus,  der  im  syrischen  Texte  der  Lehre  des  Addai  walir- 
"^und^Endef  scheinlich  gleichzeitig  mit  der  Veränderung  des  ursprünglichen  Jahres  der  Griechen  besei- 
^Re<^ierung^  ^^S^  wordeu  ist,  sich  aber  mit  diesem  zugleich  in  der  armenischen  Uebersetzung  bei  Langlois 
nach  der  Le- 1,  317  erhalten  hat:  nach  dieser  erfolgte  im  Jahre  340  der  Griechen,  unter  der  Regierung 

gende. 

des  Kaisers  Tiberius  und  des  Königs  Abgar  bar  Ma'nu,  im  32.  Jahre,  am  12.  Tishri  I.,^) 
die  erste  Sendung  des  letzteren  nach  Jerusalem.  Demnach  wäre  Abgar  König  geworden  im 
Jahre  309,  wenn  die  Regierungsjahre  den  Kalenderjahren  gleich  gesetzt  waren,  oder  308 
der  Griechen,  wenn  sie  vom  Tage  der  Thronbesteigung  gerechnet  waren  ^),  Herbst  4/3  oder 


2)  Dies  ist  der  aus  dem  Mon.  Ancyr.  V,  54  bekannte 
wahre  Name  des  sonst  mit  einer  Vei-kleinerungsform 
Phrahatakes  genannten  Herrschers. 

3)  Nach  dem  ältesten  Geschichtsschreiber  der  nesto- 
rianischen  Kirche  Mârî  ben  Sulaiman  starb  Papa,  der 
Vorgänger  des  chronologisch  sieber  stehenden  Shem'ûn 
bar  Çabo'ê,  im  Jahre  326  und  war  70  -»-  12  Jahre  im  Amte, 
eine  unmögliche  Zahl,  die  ganz  aussieht  wie  gemacht  um 
eine  Lücke  zu  überbrücken;  die  angeblich  33jährige 
Amtszeit  des  Mârî,  der  nach  den  Akten  Papâ's  unmit- 
telbarer Vorgänger  war,  fiele  demnach  zwischen  211  — 
244,  eine  Zeit,  in  der  seine  Thätigkeit  wenigstens  ge- 


schichtlich möglich  ist:  und  damals  herrsf-hten  wirklich 
in  Babylonien  zwei  Partherkönige  neben  einander,  Vo- 
lagases  V.,  Sohn  des  Volagases  IV.,  und  sein  Bruder  Ar- 
tabanos. 

4)  So  list  das  syrische  Original;  der  Armenier  hat 
Trê ,  was  nach  stehender  Gleichung  den  Tishri  IL  bedeu- 
tet, vermuthlich  durch  ein  bloßes  Versehen. 

5)  Wo  die  einzig  bekannte  Datierung  die  nach  Jahren 
der  Könige  ist,  ist  die  erste  Rechnung  die  allein  mög- 
liche, wo  dagegen  neben  den  Königsjahren  eine  feste 
Aera  seit  lange  in  üebung  ist,  wie  dies  in  Edessa  mit  der 
Seleukidischen  Aera  der  Fall  war,  ist  die  zweite  Rechnung 
ebenso  gut  statthaft.  ' 


ÜNTEESUCHÜNGEN  ÜBER  DIE  GESCHICHTE  DES  KÖNIGEEICHS  OSROËNE. 


13 


Herbst  5/4  V.  Chr.  Geb.  Aus  dieser  Stelle  der  armenischen  Lehre  des  Addai  hat  Mos.  Choren. 
II,  26  geschöpft,  wenn  er  die  von  Lucas  erwähnte  allgemeine  Schätzung,  d.  Ii.  Christi  Geburt,  in 
das  2.  Jahr  des  Abgar  setzt.  Aus  einer  Königsliste  gibt  er  ihm  (II,  33)  38  Jahre,  welche  den  37  J. 
1  Mon.  des  Dionysios  entsprechen.  Nach  der  Lehre  des  Addai  p.  48  (46)  starb  Addai  noch 
bei  Lebzeiten  Abgar's  an  einem  Donnerstag,  den  14.  Ijâr,  ein  in  den  Acta  S.  Maris,  5 
(p.  21)  wiederholter  Charakterismus,  der  auf  das  Jahr  45  n.  C.  passt:  und  so  haben  es  die 
nestorianischen  Historiker  verstanden,  von  denen  ""Amr  ben  Mattâ  (bei  Assem.  III,  2 
p.  XIII)  denselben  14.  Ijâr  als  Todestag,  12  J.  und  einige  Mon.  als  die  Dauer  seiner  Pre- 
digtangibt; Mârî  ben  Sulaiman  (ebend.  III,  2  p.  XI)  sagt,  12  Jahre. 

Was  abgesehen  von  der  Anlehnung  an  die  edessenische  Königsliste  in  der  Abgarsage  Reminis- 
sonst  noch  an  die  Geschichte  anklingt,  sind  verdunkelte  Erinnerungen  aus  der  Zeit  der  Juli-  deV'zdt^der 
sehen  Kaiser,  die  in  der  Lehre  des  Addai  p.  39  (38)  =  Langl.  I,  324  seltsam  genug  in  '^^.'-д^,!" 
der  Weise  zusammengeschoben  sind,  daß  Gajus  und  Claudius  als  Mitkaiser  des  Tiberius  und 
in  verschiedenen  Hauptstädten  residierend  gedacht  sind,  wie  das  seit  Diocletianus  üblich  war. 
Der  Aufstand  der  Spanier,  den  dieselbe  Schrift  p.  38  (37)  =  Langl.  I,  324  als  Grund  an- 
gibt, warum  die  von  Tiberius  geplante  Bestrafung  der  Juden  für  ihren  an  Christus  began- 
genen Frevel  hinausgeschoben  worden  sei,  ist  die  Erhebung  Galba's  in  Spanien  gegen  Nero, 
die  in  der  That  einen  solchen  Einfluß  auf  die  Niederwerfung  des  jüdischen  Aufstands  ge- 
habt hat.  Der  Statthalter  von  Syrien  Sabines  bar  Eustorgis,  der  Epitropos  des  Kaisers,  wie 
er  in  der  Lehre  des  Addai  p,  1  (2)  =  Langl.  I,  317  in  Uebereinstimmung  mit  dem  Hingang 
unserer  Frau  Maria  bei  Wright  p.  9  (6)  heißt,  oder  Marinos  Sohn  des  Storg,  wie  Mos. 
Choren.  II,  30  ebendaselbst  gelesen  hat,^)  kann  nichts  Anderes  sein  als  SaßTvoc;  5  а-тратг)- 
yoç;  wenn  ihn  eine  andere  Stelle  derselben  Lehre  des  Addai  p.  38  (37)  =  Langl.  I,  324 
Olbînos  der  Hyparch  (arm.  ВеГапоз  der  Eparcli)  nennt,  so  weist  dies  auf  eine  griechische 
Vorlage  hin,  in  der  OABINOC  aus  CABINOC  verlesen  war.  Dieser  Mann  ist  schwerlich  ein 
anderer  als  der  aus  Jos.  A.  J.  XVII,  10,  1.  B.  J.  II,  3,  1  bekannte  Sabinus,  Epitropos  des 
Kaisers  in  Syrien,  welcher  als  der,  der  den  Anlaß  zur  ersten  Erhebung  der  Juden  gegen 
Rom  im  Jahre  4  v.  C.  gegeben,  in  jüdischen  Kreisen  besonders  bekannt  sein  mußte. 

Der  einzige  reale  Hintergrund  der  legendarischen  Erzählungen  von  Abgar  Ukamâ  ist  Der  Reflex 

der  Bekeli- 

der  Reflex  der  historischen  Bekehrung  Abgar's  IX.  zum  Christenthum;  Lipsius,  Die  edesse-  rungsge- 
nische  Abgar-Sage  S.  8  fif.  hat  sich  für  diesen  Beweis  in  erfolgreicher  Weise  der  von  ihm  ^  gar'g*^/''' 
mit  Recht  als  authentisch  in  Anspruch  genommenen  Nachricht  der  Lehre  des  Addai  p.  52 
(50)  =  Langl.  I,  325  (und  daraus  im  Martyrium  desBarsamjâ  bei  Cureton  p.  72)bedient, 
daß  Palut  (arm.  Befot),  angeblich  der  2.  Nachfolger  des  Addai,  vom  Bischof  Serapion  von 
Antiochia  (190  —  212)  ordiniert  worden  sei.  Seinen  Nachweisen  von  Spuren  dieser  späteren 


1)  Ebenso  im  armenischen  Texte  bei  Langl.  I,  325,  i      2)  Sabines  und  Marinos  lassen  sieb  in  armenischer 
obgleich  da  der  Tod  des  Addai  in  einen  Weggang  ver-    Majuskelschrift  leicht  verwechseln, 
wandelt  worden  ist.  I 


14 


Alfred  von  Gutschmid, 


Zeit  in  der  Sage  von  Abgar  darf  vielleicht  noch  hinzugefügt  werden,  daß  seine  mit  ihm  zu- 
gleich bekehrte  Mutter  in  der  Lehre  des  Addai  p.  9  (9)  =  Langl.  I,  319  Agustin  genannt 
wird,  was  nicht  wohl  etwas  Anderes  als  Аиуоио-туіѵ  sein  kann,  vom  Armenier  also  richtig 
mit  Augusta  wiedergegeben  worden  ist;  dieser  für  die  Zeit  des  Abgar  Ukaraâ  unmögliche 
Name  gehört  in  die  Reihe  der  von  Abgar  IX.  und  seiner  Familie  geführten  Namen  Severus, 
Antoninus  u.  s.  w,  und  ist  wohl  von  dem  für  einen  Eigennamen  genommenen  Titel  der  Julia 
Domna  entlehnt.  Auch  die  Erzählung  des  Procop.  Pers.  II,  12  p.  206  f.  (Dind.)  von  dem 
Toparchen  Augaros  von  Edessa  und  seinem  Besuche  in  Rom  beim  Kaiser  Augustus  gehört 
hierher;  er  sei  ein  überaus  kluger  Mann  gewesen,  Augustushabe  deshalb  ein  solches  Wohl- 
gefallen an  ihm  gefunden,  daß  er  ihn  gar  nicht  wieder  in  seine  Heimath  habe  entlassen 
wollen;  nur  durch  ein  eigenthüraliches  von  der  Beobachtung  der  Thiere  im  Circus  herge- 
nommenes Gleichniß  sei  es  ihm  gelungen,  die  Erlaubniß  zur  Rückkehr  zu  erhalten,  beim 
Abschied  habe  ihm  Augustus  das  Geschenk  eines  Hippodrom's  für  die  Stadt  Edessa  gemacht; 
es  habe  sich  dies  mit  Augaros  zugetragen  vor  seiner  Krankheit,  die  später  von  Christus  ge- 
heilt ward.  Die  Situation  ist  eine  für  die  Zeit  des  Abgar  ükamä  unmögliche;  von  dem  Christ 
gewordenen  Abgar  IX.  aber  wissen  wir  aus  Gass.  Dio  LXXIX,  16,  daß  er  unter  Severus 
nach  Rom  kam  und  mit  großem  Pomp  dahin  geleitet  wurde.  Sobald  wir  nur  den  Namen  Seve- 
rus an  die  Stelle  des  Augustus  setzen,  wird  Alles,  was  Prokop  erzählt,  einfach  geschichtlich. 
Was  Mos.  Choren.  II,  28  von  einer  Reise  sagt,  die  Abgar  7  Jahre  vor  seinem  Briefverkehr 
mit  Christus  nach  Persien  unternommen  habe,  um  die  Eintracht  im  Arsakidenhause  wie- 
derherzustellen, scheint  seiner  römischen  Reise  nachgebildet  zu  sein;  denn  Moses  erfindet 
zwar  viel,  aber  nicht  leicht  etwas,  ohne  sich  an  anderweit  Überliefertes  anzulehnen. 
Abgar,  Wenn  Jo.  Malalas  II  p.  203  (Ox.)  das  Castell  Abgersaton  in  Osroëne  von  Abgar,  dem 

Abgersaton.  ТорагсЬеп  der  Stadt  der  Osroëner,  erbaut  sein  läßt,  so  ist  wohl  wegen  des  Anklangs  an  den 
Titel,  den  sich  Abgar  ükamä  in  dem  Briefe  an  Christus  beilegt,  eben  an  diesen  zu  denken: 
woraus  freilich  noch  nicht  folgt,  daß  die  üeberlieferung  geschichtlich  ist. 
Der  abtrün-        Die  älteste  Quelle,  Eusebius,  hat  den  Widerspruch,  in  welchen  sich  die  legendarische 

dèr Abgar  Bekehrung  des  Abgar  ükamä  zu  der  historischen  Abgar's  IX.  setzt,  unvermittelt  bestehen 
uach  der    lassen;  aber  schon  die  Lehre  des  Addai  p.  51  (49)=rLangl.  I,  325  weiß  zu  erzählen,  daß 

edesseaischen  '  x  ч     /  о  7 

Sage.     manche  Jahre  nach  dem  Tode  des  Abgar  einer  seiner  rebellischen     Söhne,  der  vom  Glau- 
ben abgefallen  war,  dem  von  Addai  zu  seinem  Nachfolger  im  Amte  eingesetzten  Aggai  (im 


1)  Mit  glücklicher  Intuition  hat  schon  Wise,  Nummo- 
rum  Bodlejaiiorum  catalogus  p.  307dasEi<  htige  getroffen. 

2)  Die  armenische  Übersetzung  hat  dies  wohl  richtig 
von  einer  Auflehnung  gegen  Gottes  Gesetze  verstanden. 
Als  «abtrünnig»  faßt  es  auch  Nöldeke,  der  mir  Folgen- 
des schreibt:  "Der  Zusammenhang  scheint  mir  den  Sinn 
der  Rebellion  gegen  den  Vater  auszuschließen  . . .  Bei 


Cureton  (AncientSyriacdocuments,p.22)könnte  das«who 
was  not  obedient  to  peace»  zu  der  anderen  Auffassung 

verleiten,  aber  die  Lesart  \хлЛ  «Friede»,  welche  er  hat, 

ist  gewiß  nicht  sogut  wie  Phillips'  «Wahrheit», 

das  oft  gleich  тг'ктти;,  «christlicher  Glaube»,  steht». 


Untersuchungen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne. 


15 


Armenischen  gleichfalls  Addai  genannt)  die  Beine  habe  brechen  lassen,  daß  er  auf  der  Stelle 
den  Geist  aufgab.  Von  dem  armenischen  Texte  der  Lehre  hängt  Mos.  Choren.  II,  34  ab. 
Die  nestorianischen  Quellen,  Salomo  von  Baçra  bei  Cureton,  Ancient  Syriac  documents 
p.  163  und  Gregor  Abû'lfarag'  imChron.  eccles.  III,  1  p.  11  (edd.  Abbeloos  etLamy)stim- 
men  mit  der  Lehre  des  Addai  genau  überein.  Weder  diese  noch  irgend  eine  andere  Quelle 
nennt  den  Sohn  da,  wo  seine  Abtrünnigkeit  erwähnt  wird,  mit  Namen,  und  Moses  spielt  nur 
Versteck,  wenn  er  sagt,  er  habe  Ananun  geheißen:  Ananun  bedeutet  nämlich  im  Armeni- 
schen «namenlos»  ^).  Es  lag  aber  nahe,  daß  dabei  an  den  in  der  Lehre  des  Addai  p.  32 
(31)  =  Langl.  I,  322  allein  mit  Namen  genannten  Sohn  Ma'nu  gedacht  und  von  Späteren 
Anstoß  daran  genommen  wurde,  daß  die  betreffende  Verheißung  des  frommen  Abgar,  er  wolle 
von  jetzt  an  Christum  verehren,  er  und  Ma'nu  sein  Sohn,  nicht  eingetroffen  sei,  und  so  finden 
wir  denn  in  der  Airiyri<Tiç  des  Constantinus  Porpli}a'ogennetus  über  das  nicht  von  Menschen- 
händen gemachte  Christusbild  und  seine  Überführung  von  Edessa  nach  Constantinopel  (in 
Gallandi's  B.  PP.  XIV,  125)  und  daraus  bei  G.  Cedrenus  (I  p.  311  Bonn.),  daß  der  Sohn 
Abgar's  Erbe  des  Reichs  und  der  Frömmigkeit  seines  Vaters  gewesen  und  erst  dessen 
Sohn  in's  Heidenthum  zurückgefallen  sei.  Weder  der  älteren  noch  der  jüngeren  Version 
liegt  etwas  Anderes  zu  Grunde  als  das  Bestreben,  jenen  Widerspruch  zwischen  Sage  und 
Geschichte  auszugleichen.  An  sich  braucht  auch  in  der  Angabe  des  Prokop  Pers.  I,  12 
p.  209  (Dind.),  Abgar's  Sohn  und  Nachfolger  sei  ein  ruchloser  Tyrann  gewesen  und  aus 
Furcht,  von  den  Römern  zur  Rechenschaft  gezogen  zu  werden,  zu  den  Persern  abgefallen, 
etwas  Weiteres  nicht  gesucht  zu  werden:  war  einmal  die  legendarische  Beziehung  Abgar's 
zum  römischen  Reiche  angenommen,  so  ließ  sich  diese  mit  der  unleugbaren  Thatsache,  daß 
Edessa  erst  durch  den  Krieg  des  L.  Verus  aus  parthischen  in  römische  Hände  übergieng, 
nur  so  vereinigen,  die  Erzählung  konnte  sich  auch  ohne  irgend  einen  thatsächiichen  Hinter- 
grund von  selbst  bilden.  Es  kann  jedoch  nicht  wohl  Zufall  sein,  daß  der  letzte  König  von 
Edessa,  von  dem  sich  nachweisen  läßt,  daß  er  ein  Sohn  des  zum  Christenthum  übergetrete- 
nen Abgar  IX.  gewesen  ist,  nach  der  Schilderung  des  Cassius  Dio  (Exc.  Vales.  p.  746)  wirk- 
lich einer  der  grausamsten  Tyrannen  war,  und  so  werden  wir  anzuerkennen  haben,  daß  hier 
eine  historische  Rerainiscenz  aus  der  ersten  Zeit  nach  der  wirklichen  Einführung  des  Chri- 
stenthums in  Edessa  hineingespielt  hat. 

Schon  der  Originaltext  der  Lehre  des  Addai  scheint  etwas  davon  zu  wissen,  daß  auch  Addai's  Mis- 
andere  christliche  Gemeinden  des  Ostens  den  Apostel  als  Stifter  für  sich  in  Anspruch  nah-  Marty- 
men,  diese  Tradition  aber  der  edessenischen  zu  Liebe  absichtlich  in  den  Hintergrund  gerückt  'i"™  '^^^^^ 

'  ^         °  anderen 

ZU  haben;  nur  so  wird  p.  37  (35)  ==  Langl.  I,  323  ^)  der  Hinweis  darauf,  daß  Nersê  (arm.  Sagen. 
Nerseh),  der  König  der  Athurojê,  womit  wohl  im  eigentlichsten  Sinne  die  Adiabener  gemeint 


1)  Hierauf  hat  mich  einer  meiner  Zuhörer,  Herr  Dr.  N. 
Karamianz  aus  Schemacha,  aufmerksam  gemacht. 

2)  Was  Mos.  Choren.  П,  33  hat,  stammt  aus  dem  ar- 


menischen Text  der  Lehre,  aher  versetzt  mit  mancherlei 
Zuthaten  eigener  Erfindung. 


16 


Alfeed  von  Gütschmid, 


sind,  lebhaft  gewünscht  habe,  den  Addai  bei  sich  zu  sehen,  sich  aber  dann  mit  Abgar's 
Schilderung  der  durch  ihn  in  Edessa  geschehenen  Wunder  begnügt  habe,  für  uns  ver- 
ständlich. Für  eine  seinen  Landsleuten  besonders  wichtige  Gestalt  der  Sage  hat  der  arme- 
nische Uebersetzer  durch  planmäßig  au  seiner  Vorlage  vorgenommene  Aenderungen  in  der 
Lehre  des  Addai  Platz  geschafft.  Statt  in  Edessa  zu  sterben  geht  Addai  bei  ihm  weg  nach 
den  Ländern  des  Ostens  und  Assyrien,  um  da  das  Christenthum  zu  predigen  und  Kirchen  zu 
bauen  (I  p.  324),  und  erleidet  durch  die  Bewohner  des  Ostens  den  Märtyrertod  (I  p.  325). 
Auch  Gregor  Abü'lfarag  im  Chron.  eccl.  III,  1  p.  11  (edd.  Abbeloos  et  Lamy)unddiene- 
storianischen  Historiker  lassen  den  Addai  in  den  Orient  gehen  und  dort  das  Christenthum 
predigen;  Mârî ben Sulaiman  bei  Assem.  III,  2  p.  XI  sagt,  er  habe  erst  durch  seinenSchü- 
1er  Aggai  Neçîbîn,  Qardâ  und  Bâzabdâ,  dann  in  Person  die  Länder  des  Orient's  Hazah, 
el-Mauçil  und  Bâgermâ  bekehrt,  'Amr  ben  Mattâ  bei  Assem,  III,  2  p.  XIII  nennt  als  das 
Missionsgebiet  des  Addai  Neçîbîn,  el-Mauçil,  Hazah  und  Fârs  und  kennt  zwei  von  ihm  ge- 
stiftete Kirchen  zu  Kafar  'Cfzel  im  Lande  Hazah  und  zu  Arzan.  Sie  alle  indeß  lassen  dann, 
mit  einer  Concession  an  die  edessenische  Sage,  den  Addai  nach  Edessa  zurückkehren;  dem 
Armenier  war  offenbar  vielmehr  das  Martyrium  die  Hauptsache.  Dieses  erfolgte  nach  dem 
syrischen  Stücke  von  den  72  Aposteln  (bei  Cureton  p.  110)  im  Lande  der  Çophanojê^)  im 
Schlosse  Agel  (Agil)  durch  Severos  Sohn  Abgar's,  oder,  wie  Salomo  von  Baçra  (bei  Cure- 
ton p.  163)  den  Namen  verlesen  hat,  Herodes  Sohn  Abgar's.  Beides  ist  in  syrischer  Schrift 
leicht  zu  verwechseln.  Im  Grunde  ist  dies  dasselbe  Martyrium  wie  das  des  Aggai  durch  den 
abtrünnigen  Sohn  des  Abgar  in  der  Lehre  des  Addai,  nur  mit  verändertem  Local  und  eben- 
deshalb vielleicht  auf  eine  andere  Person  übertragen;  denn  von  Neuem  schimmert  hier  ein 
Reflex  aus  dem  Zeitalter  des  geschichtlichen  Abgar  IX.  durch:  sein  Sohn  und  Nachfolger  ist 
jener  Severus  Abgarus,  der  auf  den  Münzen  als  Zeitgenosse  des  Antoninus  Caracalla  er- 
scheint. Wahrscheinlich  ist  er  nicht  Christ  gewesen  wie  sein  Vater:  einen  solchen  würde  die 
Legende  schwerlich  zum  Urheber  eines  erdichteten  Martyrium's  gestempelt  haben.  Wenn 
Salomo  a.  a.  0.  den  Thaddai  zu  einer  von  Addai  verschiedenen  Person  macht  und  auch  ihn 
von  Herodes  bar  Abgar  umgebracht  und  in  Edessa  begraben  werden  läßt,  so  ist  das  nichts 
als  ein  ungeschickter  Versuch,  die  sophenische  und  die  edessenische  Tradition  mit  einan- 
'der  auszugleichen.  Außer  Sophene  erhob  aber  noch  eine  andere  armenische  Gegend  An- 
spruch darauf,  die  Grabstätte  des  Apostels  zu  besitzen.  Nach  Mos.  Choren.  II,  34  gieng 
Thaddäos  von  Edessa  bei  Lebzeiten  des  Abgar  weg  zu  Sanatruk,  dem  Sohne  der  Ôdê,  einer 
Schwester  des  Letzteren,  der  in  Armenien  regierte:  er  wurde  von  ihm  zum  Christenthum 
bekehrt,  fiel  aber  wieder  ab  und  bereitete  dem  Thaddäos  und  seinen  Begleitern  in  der 
Landschaft  Shawarshan  ^)  den  Märtyrertod.  Moses  beruft  sich  hierfür  ausdrücklich  auf 
den  Bericht  von  Vorgängern. 


1)  Die  entsprechende  Form  Swtpavvjvi^  hat  Arrian  bei  1  2)  Später  Artaz  genannt,  die  Ebene  südöstlich  vom 
Steph.  V.  2шфг)Ѵ75.  I  Berge  Ararat. 


Unteesuchüngen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne. 


17 


Auch  eine  andere  Angabe  des  Moses,  daß  der  Sohn  des  Abgar,  der  in  Edessa  re-  Die  Weiter- 
gierte,  gestorben  sei,  indem  eine  Marmorsäule  seines  Palastes  auf  ihn  fiel  und  ihm  die  Beine  ErzäMungs-^ 
zerschmetterte,  wie  er  einst  dem  Aggai  gethan  (II,  35),  tritt  nicht  aus  dem  Rahmen  legen-  ^oses  von 
darischer  Fabulierung  heraus,  die  gern  in  solcher  Weise  die  Vorsehung  Vergeltung  üben  läßt,  so.  кьогеп. 
daß  sie  recht  wohl  für  einen  späteren  Schößling  auf  dem  Stamme  der  alten  Tradition  gelten 
darf.  Das  Folgende  entzieht  sich  jedoch  aller  Contrôle:  Sanatruk  habe  sich  hierauf  aufge- 
macht und  die  Stadt  Edessa  und  die  Schätze  des  Königs  von  den  Einwohnern  gegen  das 
eidliche  Versprechen,  ihren  Glauben  nicht  anzutasten,  ausgeliefert  erhalten,  habe  aber  sei- 
nen Eid  gebrochen  und  alle  Söhne  des  Abgar  mit  der  Schärfe  des  Schwertes  geschlagen 
(II,  35);  Nisibis  habe  er  wieder  aufgebaut  und  sei  nach  30jähriger  Regierung  auf  der  Jagd 
durch  einen  Pfeilschuß  umgekommen,  wie  er  einst  seiner  frommen  Tochter  Sandukht  ge- 
than hatte  (II,  36),  hierauf  sei  Eruand  König  von  Armenien  geworden  und  habe  die  Kinder 
des  Sanatruk  ausgerottet  (II,  37);  von  den  Römern  beschützt  habe  er  ihnen  Mesopotamien 
mit  Edessa  abgetreten  (II,  38)^'.  Historische  Nachrichten,  die  Moses  aliein  gibt,  sind  immer 
von  vornherein  verdächtig;  daß  jedoch  hier  nicht  Alles  Erfindung  ist,  ersieht  man  daraus, 
daß  auch  das  Stück  vor  dem  Sebêos  bei  Langl  I,  195  von  einem  Palaste  des  Königs  Sana- 
truk in  seiner  Residenz  Nisibis  weiß,  und  dies  kann  nicht  der  im  letzten  Drittel  des  2. 
Jahrhunderts  regierende  Sanatrukes  gewesen  sein,  zu  dessen  Zeit  Nisibis  den  Römern  ge- 
hörte. Ferner  ist  Eruand  (d.  i.  persisch  Arvanda)  nicht  verschieden  von  !Vp[3avov]c;  so  hieß 
der  Sohn  Abgar's  VII  von  Edessa,  der,  vom  Vater  auTrajanus  geschickt,  vor  dessen  Augen 
Gnade  fand  und  seinen  Vater  bestimmte,  dem  Kaiser  in  Person  seine  Unterwerfung  anzu- 
zeigen (Gass.  Dio  LXXV,  21);  dieser  verwandelte  hierauf  im  Jahre  115  Mesopotamien  in 
eine  römische  Provinz. 

Dieser  Abgar  wird  ausdrücklich  «der  Siebente»  genannt  in  den  Acten  des  Sharbil  bei  Die  Zeit  Ab- 
Cureton,  Ancient  Syriac  documents  p.  41;  in  ihnen  geschieht  auch  des  älteren  Abgar,  der  nachrk-n 
an  Christum  glaubte,  Erwähnung,  in  cod.  В  mit  dem  Zusätze,  daß  er  der  Vater  des  Vaters  ^s°ij!|rbu'^^ 
jenes  späteren  Abgar  gewesen  sei  (ebend.  p.  43.  180):  dies  würde  völlig  auf  Abgar  VI  pas- 
sen, beruht  also  möglicher  Weise  auf  einer  A'^erwechselung  mit  diesem.  Im  Eingang  der 
Acten  (p.  41)  wird  das  15.  Jahr  des  Trajanus  und  das  3.  iVbgar's  VII  dem  Jahre  416  nach 
Alexander  gleichgesetzt,  und  auf  dieses  letztere,  also  das  Jahr  105  n.  C,  passen  die  Cha- 
rakterismen Dienstag,  8.  Nisan  (p.  42),  Dienstag,  2.  îlul  (p.  49)  und  Freitag,  5.  Tlul(p.  61). 
Die  Zeitbestimmungen  416  der  Griechen  und  15.  Jahr  des  Trajanus  kehren  wieder  in  dem 
mit  den  Acten  des  Sharbil  eng  zusammenhängenden  Martyrium  des  Barsamjâ,  vermehrt  durch 
das  Consulat  des  Commodus  und  Cerealis,  das  freilich  nicht  dem  Jahre  105,  sondern  dem 
folgenden  entspricht.  Größer  ist  die  Diiferenz  in  Bezug  auf  das  15.  Jahr  des  Trajanus, 


1)  Dass  dies  zur  Zeit  des  Vespasianus  und  Titus  ge-  |  neter,  werthloser  Synchronismus, 
schehen  sei,  ist  natürlich  ein  erst  von  Moses  ausgerech-  | 

Mémoires  de  ГДсай.  Imp,  des  sciences.  Vllme  Série. 


18 


Alfred  von  Gutschmid, 


welches  vielmehr  das  Jahr  112  n.  C.  ist.  Wahrscheinlich  ist  das  Jahr  nach  Alexander  aus 
diesem  erst  durch  Kechnung  gefunden  worden,  bei  welcher  Alexander  II,  unter  dessen  Re- 
gierung die  Aera  der  Griechen  beginnt,  für  Alexander  den  Großen  genommen  und  als  Epoche 
der  Aera  sein  Tod  angesehen  worden  ist:  Irrthümer,  die  in  späteren,  namentlich  jüdischen, 
Quellen  nicht  selten  sind.  Vom  Herbst  305  ab  gezählt  ist  das  416.  Jahr  das  Jahr  Herbst 
III /Herbst  112,  was  stimmt.  Wenn  am  4.  September  112,  Sharbîl's  Todestage,  das  3. 
Jahr  Abgar's  VII  lief,  so  lief  sein  erstes  Jahr  vom  1.  Oct.  109  /  30.  Sept.  110  oder,  wenn 
vom  Tage  der  Thronbesteigung  angerechnet  war,  vielleicht  schon  vom  Sept.  109. 
Eiue  Kemi-        Außer  der  Nennung  des  edessenischen  Königs  ist  die  einzige  Erinnerung  aus  der  Tra- 
der Zeit  janischen  Zeit  in  diesen  Acten  der  p.  45  genannte  Lusauîâ  (Lusjanâ  cod.  В.)  oder,  wie  er 
Trajans.   .^^  Martyrium  des  Barsamjâ  p.  63  ЬеШ,  Lusjanos,  der  Richter  des  Landes,  von  dem  Shar- 
bîl  verhört  wurde,  bei  der  Leichtigkeit,  mit  der  die  Gentilia  und  die  von  Gentilien  abgelei- 
teten Cognomina  bei  Späteren  vertäuscht  werden,^)  schwerlich  ein  Andrer  als  Trajan's  Feld- 
herr Lusius  Quietus,  von  dem  das  aufständische  Edessa  erstürmt,  zerstört  und  verbrannt 
wurde  (Gass.  Dio  LXVIII,  30). 
Der  Reflex         Im  Uebrigen  ist  von  Lipsius,  Die  edessenische  Abgar-Sage,  S.  9  f.  schlagend  nachge- 

der  Vcr- 

folgung  des  wiesen  worden,  daß,  was  diese  Acten  von  wirklichem  GeschichtsstolF  enthalten,  vielmehr  in 
Decms.  ^-^  ^eit  der  Verfolgungen  des  Decius  oder  Valerianus  gehört;  denn  Barsamjâ  heißt  sowohl 
in  den  Acten  des  Sharbil  p.  61,  als  im  Martyrium  des  Barsamjâ  p.  71  Zeitgenoß  des  rö- 
mischen Bischofs  Fabianus  (236  —  250),  und  damit  stimmt  es,  daß  er  in  der  edesseni- 
schen Bischofsreihe  von  dem  durch  Serapion  von  Antiochia  ordinierten  Palut  an  als  dritter 
aufgeführt  wird  (Martyrium  desBarsamjâ  p.  72).  Wenn  Lipsius  wegen  der  Erwähnung  eines 
Toleranzedictes,  das  der  Verfolgung  ein  Ziel  setzte,  in  der  letztgenannten  Quelle  p.  70 
mehr  an  die  Valerianische  zu  denken  geneigt  ist,  so  gehört  doch  Fabianus  in  die  des  De- 
cius, und  jenes  Edict^)  wird  erlassen  von  Olusis,  dem  obersten  Hyparchen,  dem  Vater  der 
Kaiser,  unter  welchem  der  Verfasser  doch  wohl  Volusianus,  den  Mitregenten  der  Kaiser 
Gallus  und  Hostiiianus,  hat  verstanden  wissen  wollen;  auch  ist  nicht  zu  unterschätzen  die 
Leichtigkeit,  mit  der  Traditionen  von  Decius  auf  Trajanus  übertragen  werden  konnten,  da 
der  volle  Name  des  Ersteren  Trajanus  Decius  war. 


1)  Jo.  Malalas  bietet  hinreichende  Beispiele  hierfür.  |  Diocletiauischeu  Verfolgung  sein. 

2)  In  Wahrheit  wird  es  eine  Reminiscenz  aus  der  I 


ÜNTEESUCHUNGEN  ÜBEE  DIE  GESCHICHTE  DES  KÖNIGEEICHS  OsEOËNE.  19 


Die  geschichtlichen  Nachrichten. 

Nach  dem  (539  n.  C.  geschriebenen)  Chronicon  Edessenum  n°  1  bei  Assem.  I,  388  Der  Reichs- 
fiengen  die  Könige  von  Edessa  zu  regieren  an  im  Jahre  180  Gr,  (132  v.  C.),  5  Jahre  später  Arjaw. 
als  nach  Dionysios.  Mit  unserer  Kenntniß  der  sonstigen  politischen  Lage  verträgt  sich  Bei- 
des. Um  das  Jahr  139  vi^ar  Mesopotamien  noch  Seleukidisch,  wenn  auch  bereits  Tummel- 
platz unbotmäßiger  Gewalthaber  (Diod.  exc.  Escur.  25),  aber  128  oder  wenig  später  mach- 
ten die  Skj^then  einen  Einfall  in  Mesopotamien  als  ein  zum  Arsakidenreiche  gehöriges  Land 
(Joannes  Antioch.  fr.  66,  2  ap.  Miiller.  IV,  561).  Orhai  bar  Hewjâ,  «der  Sohn  der  Schlange», 
wie  Dionysios  und  Prokop  den  ersten  König  nennen,  kann  trotz  der  singulären  Schreibung 
nichts  Anderes  sein  als  der  Eponym  von  ürhai  und  charakterisiert  sich  hierdurch  sowohl, 
als  durch  seine  für  einen  Autochthonen  angemessene  Abkunft  als  eine  mythische  Person.^) 
Schlecht  aber  paßt  dazu  seine  Regierung  von  nur  5  Jahren  und  in  so  später  Zeit.  Es  ist 
daher  aller  Grund  anzunehmen,  daß  das  Ursprüngliche  die  Lehre  des  Addai  mit  ihrem  Arju 
bewahrt  hat,  der  durch  den  im  Namen  etwas  anklingenden^)  Eponymen  Orhai  von  seinem 
Platze  verdrängt  worden  ist.  Der  Name  q.»5|  ist  iranisch  und  entspricht  wahrscheinlich  dem 
Zendischen  Airjava  ;^)  ein  kappadokischer  oder  armenischer  Satrap  APIAO  (C)  kommt  vor 
auf  einer  Münze  bei  Friedländer  in  A.  v.  Sallet's  Zeitschr.  f.  Numism.  VII  S.  229. 
Taf.  IV,  8. 

Der  Name  des  zweiten  Königs  'Abdii  «ist  dagegen  unzweifelhaft  arabisch       'J^'^  Arabisciie 
und  der  seines  Vaters  Maz'ûr  wird  es  auch  sein,  da  die  Form  mafûl  im  Aramäischen  nicht  ^^'^der'^^* 
üblich  ist».*)  Von  den  Königen  der  nun  folgenden  Dynastie  tragen  der  erste Phradasht  einen  ^i[|n"^e'^ 
sicher  iranischen  Namen,  ^)  die  folgenden  beiden  Bakru  einen  sicher  arabischen  ;  da  ein  ira- 
nischer Name  bei  einem  parthischen  Unterkönig,  auch  wenn  er  andrer  Herkunft  war,  nicht 
auffällt,  dagegen  sich  nicht  füglich  annehmen  läßt,  daß  Parther  arabische  Namen  geführt 
haben  sollten,  so  werden  auch  diese  Fürsten  für  Araber  zu  halten  sein.  Der  Name  Göbar'u, 
welchen  Phradasht's  Vater  führt ,  ist  in  dieser  Gestalt  weder  im  Iranischen  noch  im  Semiti- 


1)  Diese  Bemerkung  rührt  von  Nöldeke  her. 

2)  Nöldeke  schreibt  mir  über  Arju:  «Die  Lesart 
steht  ziemlich  sicher,  da  Curetou  p.  21  ebenso  hat  wie 
Phillips;  Entstellung  aus  лаі5|  liegt  schon  deshalb 
fern,  da  jeder  Abschreiber  den  Stadtnameu  kannte». 

3)  Prof.  Geldner  hatte  die  Güte  mir  folgende  Aus- 
kunft zu  ertheilen:  «Ѵіі^  ist  gleich  Airjava  oder  Airju. 
Im  Zeud  kommt  als  Eigenname  vor  Airjava,  d.  i.  Nach- 
komme des  Airju  ;  Airju  selbst  ist  nicht  nachzuweisen, 
aber  sicher  zu  erschließen:  der  Zend.  Manushc'ithra 
Airjava,  Nachkomme  des  Thraètaona  [Farvardin-jasht 


29,  131  im  Avesta,  übers,  von  Spiegel  III,  13G],  ent- 
spricht dem  neup.  Minoc'ehr,  Sohu  des  Erag',  Enkel  des 
l'eridùn». 

4)  Worte  Nöldeke's. 

5)  «nÎL?TlQ  ist  gleich  Pehlevî  Fradakhshto,  im  Bun- 
dehesh  und  anderen  Büchern  [vgl.  West  zu  Bund.  29,  5 
in  seinen  Pahlavi  texts  transi.  I,  117,  n.  7]  als  Eigen- 
name vorkommend;  ein  Patronymicum  davon  ist  Zeud. 
Fradhâkhshti  [Farvardin-jasht  29,  138  bei  Spiegel  III, 
137]».  Mittheilung  von  Prof.  Gcldner. 

3* 


20 


Alfred  von  Gutschmid, 


sehen  möglich,^)  am  Nächsten  kommt  aber  doch  arab.  Gabbâr:  unter  den  Phylarchien  der 
skenitischen  Araber  westlich  vom  Euplirat  nennt  Strab.  XVI  p.  753  eine  des  Gambaros  im 
Süden  von  Apameia.  Diese  Dynastie  wurde  verdrängt  durch  die  fester  wurzelnde,  in  wel- 
cher die  Namen  Manu  und  Abgar  abwechseln,         ist  ein  gut  arabischer  Name  wie 
ebenso  j^^],  'Äßyapo;  (auf  Münzen  und  auf  Inschriften  bei  Wadd.  1984  f.  2046.  2454) 
=       ^  Auch  dies  ist  ein  noch  zu  Muhammed'sZeit  mehrfach  vorkommender  Name;  Einen 
findet  man  in  Wüstenfeld's  Register  zu  den  genealogischen  Tabellen  [Abg'ar  b.  Gabir, 
S.  37].  Noch  häufiger  ist  das  Diminutiv »  ^).  Für  die  frühe  Zeit,  in  der  die  von  Ma'nu  I 
gestiftete  Dynastie  in  Edessa  zur  Herrschaft  gelangte,  ')  läßt  sich  daraus  auch  für  sie  wohl 
mit  Sicherheit  auf  arabische  Abstammung  schließen,  wie  denn  von  da  ab  überhaupt  in  der 
ganzen  edessenischen  Königsreihe  von  parthischen  Eindringlingen  abgesehen  kein  einziger 
Träger  eines  sicher  nicht  arabischen  Namens  nachweisbar  ist. 
Armenische        Araber  geboten  in  Edessa  schon  vor  dem  Wechsel  in  der  Oberherrschaft  über  Meso- 
über  Meso-  potamien,  welche  zwischen  den  Jahren  88  und  86  v.  C.*)  aus  den  Händen  der  Parther  in 
potamicD.  die  des  Tigranes  von  Armenien  übergieng  (Trogns  prol.  41;  Strab.  XI  p.  532),  und  kein 
Zusammenhang  findet  statt  mit  der  Uebersiedlung  von  zahlreichen  Stämmen  skenitischer 
_  Araber  in  größere  Nähe  und  bis  an  den  Amanos,  welche  Tigranes  zur  Hebung  des  Kara- 
wanenhandels vornahm  (Plut.  Luc.  21;  Plin.  N.  H.  VI  §  142).  Im  Laufe  des  Feldzugs  ge- 
gen Tigranes  69  v.  C.  schlug  Lucullus  durch  seinen  Legaten  Sextilius  kurz  vor  der  Belage- 
rung von  Tigranokerta  die  Phylarchen  der  Araber  in  Osroëne,  welche  dem  Tigranes  zu 
Hilfe  kamen  (Plut.  Luc.  25;  Rufus  Festus  brev.  14). 
Abgar  II.         Als  Pompejus  in  Armenien  eindrang,  benutzten  die  Parther  im  Vertrauen  auf  die 
Verbindung,  in  die  sie  mit  ihm  getreten  waren,  die  Bedrängniß  des  Tigranes  im  Jahr  66 
zur  Wiedereroberung  Mesopotamien's  (wie  sich  aus  Gass.  Dio  XXXVI,  45,  verglichen  mit 
XXXVII,  5;  XXXVI,  51  ergibt).  Dem  mit  ihnen  geschlossenen  Vertrage  zuwider  ließ 
Pompejus  den  Afranius  im  Winter  65/64  durch  Mesopotamien  nach  Syrien  ziehen;  auf  die- 
sem Marsche- kam  Afranius  vom  Wege  ab  und  gerieth  durch  Winterkälte  und  Mangel  an 
Lebensmitteln  in  große  Noth,  aus  der  ihn  nur  die  Hilfe  der  Einwohner  von  Karrhä  rettete 
(Gass.  Dio  XXXVII,  5).  Damals  muß  es  auch  gewesen  sein,  wo  der  Fürst  von  Edessa  in 


1)  Nöldeke  schreibt  mir:  «Gebar 'û  sieht  seines— û 
wegen  arabisch  aus  ;  aber  es  gibt  keine  Wurzel  ^'^22- 
Bei  Gobryas  (das  damals  auch  wohl  schon  verschollen 
war)  befremdete  das  'Ê.  Die  Form  des  Namens  ist  schwer- 
lich intact». 

2)  Worte  Nöldeke's. 

3)  «Zu  viel  —  schreibt  mir  Nöldeke  —  darf  man 
auf  eine  Reihe  arabischer  Namen  nicht  geben.  In  Pal- 
myra  wechseln  in  denselben  Familien  arabische  und 
aramäische  Namen:  die  arabischen  aristokratischen  Fa- 
milien (die  wohl  seit  dem  Verfall  des  S^leuciden-Reicbs 


mächtig  geworden  waren)  nahmen  also  oft  einheimische. 
Namen  an  und  die  einheimischen  arabische». 

4)  Im  Jahre  88  intervenierte  noch  der  Arsakide  Mi- 
thridates  II  bei  der  Belagerung  von  Beröa  (Jos.  A.  J. 
XIII,  14,  3);  86  wurde  Tigranes  auf  den  Thron  von  Sy- 
rien gerufen,  dessen  Erlangung  ohne  den  vorherigen  Be- 
sitz von  Mesopotamien  undenkbar  ist  (Just.  XL,  1,  4.  2, 
3,  an  welchen  Stellen  sämmtliche  Handschriftenzwischen 
18  und  17  Jahren  schwanken,  die  Zahl  17  aber  nach  Mit- 
theilungen Rühl's  doch  die  bessere  Bezeugung  für  sich 
zu  haben  scheint). 


Untersuchungen  über  die  Geschichte  des  KöNiaREiciis  Osroene. 


21 


freundliche  Beziehungen  zu  den  Römern  trat:  er  erhielt  Gnadenbeweise  von  Porapej'us  und 
wurde  Verbündeter  der  Römer  (Plut.  Grass.  21;  Gass.  Dio  XL,  20).  Er  heißt  bei  Dio 
Aüyapoc;  о  'Oupo-rivôç,  und  denselben  Namen  in  der  Form '/V^ßapo;  gibt  ihm  ein  neuentdeckter 
und  ungebeuer  überschätzter  cod.  Matrit.  saec.  XIV.  des  Plutarch  ^),  der  zu  einer  in- 
terpolierten Textesrecension  gehört,  welche  schon  dem  Verfasser  der  Pseudo-Appianischen 
Parthika  vorgelegen  hat;  Letzterer  sagt'Axßapoc.  Dagegen  haben  alle  übrigen  Handschrif- 
ten des  Plutarch  cpùAap^oç  Apotßtov  'Aptàp^Yiç  оѵо[ла,  und  es  begreift  sich,  wie  dies  in  Folge 
einer  Reminiscenz  aus  dem  vielgelesenen  Dio  in  'Ayßapo^,  nicht  aber,  wie  und  warum  der 
aus  der  Legende  genügend  bekannte  Name  in  das  seltene  'Apta[j.v7](;  corrigiert  werden 
konnte;  an  eine  bloße  Verschreibung  wird  kein  Verständiger  denken.  Beide  Namen  haben 
recht  wohl  von  derselben  Person  neben  einander  geführt  werden  können:  die  A^erbindung 
arabischer  und  parthischer  Namen  im  edessenischen  Königshause  ist  urkundlich  bezeugt.^) 
Iranisch  nämlich,  also  von  den  Parthern  überkommen,  ist  'Ѵріа[лѵѵ];  unzweifelhaft.^)  Einen 
dritten  Namen  hat  er  in  den  auf  Livius  zurückgehenden  Quellen:  Mazzares  (cod.  Naz.  saec. 
IX.)  oder  Mazares  (cod.  Bamb.  saec.  IX.)  Syrus  bei  Flor.  III,  11,  7,Mazzarus  (codd.  Goth. 
saec.  IX,  Paris,  saec.  X.,  Bamb.  saec.  XL,  Vindob.  saec.  XII.)  oder  Mazorus  (codd.  Vindob. 
saec.  IX.,  Paris,  saec.  XL)  bei  Rufus  Festus  brev,  17.  Es  ist  dies  augenscheinlich'  derselbe 
Name,  den  der  Vater  des  zweiten  Königs  von  Edessa  führt,  und  wir  werden  in  Mazzares 
wohl  den  Vertreter  der  Banù  Maz'ûr  und  hierin  den  Namen  des  Stammes  zu  erkennen  ha- 
ben, dem  das  damals  regierende  Königshaus  angehörte.  Dieser  Mann,  der  von  den  Feldzügen 
des  Pompejus  her  als  Freund  der  Römer  galt,  unterstützte  das  Heer  des  Grassus,  als  dieser 
im  Frühjahr  53  in  Mesopotamien  einrückte,  reichlich  mit  Geld,  kam  in  Person  zu  dem 
Feldherrn  und  gewann  dessen  Vertrauen  so  vollständig,  daß  er  ihn  zum  Mitwisser  aller 
seiner  Pläne  machte.  Unsere  Quellen^)  lassen  ihn  diese  an  die  parthischen  Feldherren Sure- 
nas  und  Silakes  verrathen,  mit  denen  er  durchweg  im  Einverständniß  gehandelt  habe,  und 
sind  darin  einstimmig,  daß  er  dem  Grassus  den  Rath  gab,  den  Marsch  den  Euphrat  stromab 
aufzugeben  und  den  nächsten  Weg  quer  durch  die  Ebene  Mesopotamien's  einzuschlagen, 
und  ihnen  dann  auf  diesem  als  Führer  diente.  Nach  Plutarch  ritt  er  unmittelbar  vor  der 
Katastrophe  von  Karrhä  (a.  d.  VII  Jd.  Junias,  nach  dem  damaligen  Stande  des  römischen 
Kalenders  etwa  6.  Mai  53)  unter  einem  nichtigen  Vorwande  von  dannen;  nach  Dio,  den 
jedoch  das  völlige  Stillschweigen  des  ausführlicher  berichtenden  Plutarch  widerlegt,  be- 
gleitete er  die  Römer  in  die  Schlacht  und  fiel  ihnen  während  derselben  mit  den  Osroëncrn 
in  den  Rücken.  Nach  der  Ghronologie  desDionysios  regierte  zwar  im  Jahre  64  ein  Abgar  II, 


1)  Bei  Graux  in  der  Revue  de  philologie  V,  23. 

2)  «Abgar  Phrabates  filius  rex  principis  Orrhenoru». 
Inscr.  ap.  Mur.  II  p.  665,  n°  1. 

3)  Im  kappadokiscben  Königsbause,  in  welchem  der 
Name  'AptajAvr);  besonders  häufig  ist,  ist  er  sicher  Ver- 


kürzung aus  altpers.  Arijârâraua;  vergl.  Ktesias  bei  Pliot. 
cod.  72  p.  38  b  5  Bekk. 

4)  Plut.  Grass.  21—22.  Gass.  Dio  XL,  20—23.  Flor. 
III,  11.  Rufus  Fest.  brev.  17. 


22 


Alfked  von  Gutschmid, 


aber  53  ein  von  ihm  verschiedener  König,  Ma'nu  II;  ihre  Unhaltbarkeit  ist  hierdurch  nach- 
gewiesen. Die  nächste  von  ihm  unabhängig  überlieferte  Datierung  ist  die  der  Thronbestei- 
gung Abgar's  V,  welche  die  armenische  Lehre  des  Addai  6  oder  7  Jahre  später  setzt  als 
Dionysios.  der  für  sie  das  Jahr  10  v.  C.  angibt.  Lassen  wir  die  vom  Anfang  des  Reichs  bis 
dahin  aus  den  Regierungszeiten  sich  ergebende  Summe  von  127  J.  5  Mon.  mit  der  Edes- 
senischen  Chronik  von  132  statt  mit  Dionysios  von  137  v.  C.  an  laufen  und  rechnen  die 
Jahre  als  voll,  so  füllen  sie  die  Zeit  bis  4  v.  C.  genau  aus;  es  kann  also  kaum  einem  Zweifel 
unterliegen,  daß  damit  für  diese  Periode  die  echte  Zeitrechnung  wiederhergestellt  ist.  Die 
Regierung  Abgar's  II  fällt  dann  in  die  Jahre  68 — 53,  und  jeder  Anstoß  ist  beseitigt. 

SyDcbro-  Man  erkennt  nun  auch,  daß  die  edessenische  Königsliste  zwei  bemerkenswerfche  Syn- 
d№°pàrtM*  chronismen  aufweist^  die  nicht  zufällig  sein  dürften.  Erstens  den  Dynastiewechsel,  welcher 

sehen  Ge-  (Jen   ersten  sicher  arabischen  König  'Abdu  bar  Maz'ur  auf  den  Thron  brachte,  127 

schichte,  die 

sich  aus  der  V.  C.  mit  der  Erschütterung  der  parthischen  Herrschaft  durch  den  Einfall  der  Skythen  in 
Zeitrechnung  Mesopotamien.  Zweitens  das  Ende  der  Regierung  Abgar's  II  und  den  Beginn  eines  1  jäh- 
ergeben.  j,jggjj  interregnum's  53  v.  C.  im  Jahre  der  Schlacht  bei  Karrhä.  Abgar  war  der  Verräther, 
den  die  Römer  in  Fällen  selbstverschuldeten  großen  Mißgeschicks  immer  gesucht  und  ge- 
funden haben:  daß  er  dem  Crassus  den  verhängnißvollen  Rath  hinsichtlich  der  Richtung 
seines  Marsches  gegeben  hat,  ist  sicher  geschichtlich,  aber  der  Gedanke  lag  nahe  genug, 
zumal  da  der  Weg  keineswegs,  wie  von  römischer  Seite  vorgespiegelt  wird,  durch  eine  baum- 
und  wasserlose  Sandwüste  führte,  und  so  thörig  es  von  dem  römischen  Feldherrn  war,  den 
Rath  zu  befolgen,  der,  der  ihn  gab,  braucht  darum  noch  nicht  eine  verrätherische  Absicht 
dabei  gehabt  zu  haben.  Vielmehr  liegt  nichts  näher  als  die  Annahme,  daß  die  Parther  nach 
dem  Siege  den  Abgar  wegen  seiner  Verbindung  mit  den  Römern  entthront  haben. 
Paquri.  Eine  Unterbrechung  der  einheimischen  Herrschaft  durch  einen  Parther  scheint  der 

Name  Paquri  anzudeuten,  der  nach  der  berichtigten  Zeitrechnung  zwischen  34 — 29  in  der 
Königsreihe  erscheint.  Dionysios  verzeichnet  unter  dem  Jahre  1980  Abr.  (37  v.  C.)  aus 
Josephus  Folgendes:  «Und  in  dem  Jahre  zogen  Paquri  und  Barzaphron,  der  Heerführer, 
nach  Syrien,  und  fülirten  den  Hyrkanos  und  den  Phasa'êl,  Herodes'  Bruder,  gefangen  fort» 
und  hat,  wie  man  aus  seiner  Berechnung  der  Zeit  des  Herodes  sieht,  das  Ende  des  Reichs 
der  Juden  mit  Antigonos  wie  Eusebius  in  das  Jahr  1983  Abr.  (34  v.  C.)  gesetzt;  daß  der 
Untergang  des  Pakoros  kurz  vor  dem  seines  Schützlings  Antigonos  erfolgte,  mußte  er  aus 
Josephus  wissen.  Wenn  also  der  edessenische  Paquri  bei  Dionysios,  zwar  nicht  nach  seinen 
nachlässigen  Anschriften,  wohl  aber  nach  seiner  Gesammtberechnung,  von  19-78  (39)  — 
1983  (34)  regiert,  so  ist  es  klar,  daß  er  ihn  und  den  parthischen  Königssohn  für  identisch 
gehalten  hat,  und  wir  lernen  hiermit  den  Grund  kennen,  warum  er  die  ganze  Zeitrechnung 
um  5  —  6  Jahre  hinaufgerückt  hat.  In  Wahrheit  muß  der  edessenische  Paquri  eine  von  dem 
parthischen  verschiedene  Person  sein;  denn  nach  der  richtigen  Zeitrechnung  kam  dieser 
schon  38  um,  vier  Jahre  früher  als  der  andre  in  Edessa  König  wurde.  Möglich,  aber  frei- 
lich niclit  beweisbar,  wäre  seine  Gleichsetzung  mit  dem  königlichen  Mundschenken  Pakoros, 


ÜNTEESUCHUNGBN  ÜBER  DIE  GESCHICHTE  DES  KÖNIGBKICHS  OSEOËNE. 


23 


durch  den  sein  prinzliclier  Namensvetter  zu  Pfingsten  40  v.  C.  den  Antigenes  in  Jerusalem 
einsetzen  ließ  (Jos.  A.  J.  XIV,  13,  3  ff.  B.  J.  I,  13,  1  tf.). 

Die  nächste  Erwähnung  eines  edessenischen  Herrschers  findet  sich  bei  Isidor  von  Cha-  Ma'nu  iii 
rax,  der  in  den  Mans.  Parth.  §.  1  (bei  Müller,  Geogr.  Gr.  min.  I,  246)  an  der  Straße  von  von  Chaiax. 
Zeugma  nach  Seleukeia,  rechts  von  Kopata  У]  iv  Ватосѵ/]  (d.  i.  im  Syrischen  vielleicht  q'rîthâ 
de  Batnân)^'  und  bevor  man  an  den  Fluß  Baliclia  kommt,  ein  Castell  mit  einer  Quelle  auf- 
führt, 'Mocvouooppot  Aùuprj^^  (A.  Mavvouoppa  Аииру]р  В.),  worin  nur  Màvvou  'Oppoabu  Aùup. 
stecken  und  ein  diesem  gehöriger  Ort  gemeint  sein  kann.  Isidor")  wurde  von  Augustus  in 
den  Orient,  um  da  Alles  zu  beschreiben,  vorausgeschickt,  als  bestimmt  war,  daß  sein 
Adoptivsohn  Gajus  Cäsar  nach  Armenien  gehen  und  die  parthischen  und  arabischen  Ange- 
legenheiten ordnen  sollte  (Plin.  N.  H.  VI  §.  141).  Die  Verhältnisse  in  Armenien  hatten 
sich  zu  verwirren  begonnen  seit  dem  Tode  des  Tigranes  III  im  Jahre  6  v.  C,  und  Augustus 
hatte  damals  den  Tiberius  nach  Armenien  bestimmt,  der  sich  jedoch  dem  Auftrage  entzog 
und  nach  Rhodos  gieng.  Daran,  dem  Gajus  Cäsar  die  Angelegenheit  zu  üoertragen,  konnte 
Augustus  erst  von  dem  folgenden  Jahre  an  denken,  in  welchem  er  ihn  in's  öffentliche  Leben 
einführte;  gewiß  aber  hat  er  die  Sache  in's  Auge  gefaßt  lange  bevor  die  Intervention  der 
Parther  in  Armenien  im  Jahre  1  v.  C.  ein  unmittelbares  Einschreiten  der  Römer  nöthig* 
machte  und  Gajus  in  Folge  davon  nun  wirklich  in  den  Orient  gieng.  Die  von  Isidor  während 
seiner  Bereisung  des  Orients  eingezogenen  Erkundigungen  beziehen  sich  also  auf  die  Jahre 
5  —  1  v.  C.  Nach  der  Chronologie  des  Dioitysios  war  Ma'nu  III  schon  10  v.  C.  todt  und 
Ma'nu  IV  wurde  erst  1  n.  C.  König;  dagegen  ist  mit  dem  von  der  armenischen  Lehre  des 
Addai  gegebenen  Synchronismus,  nach  welchem  Manu  III  erst  4  v.  C.  starb,  der  wün- 
schenswerthe  Einklang  hergestellt. 

Die  nächste  Erwähnung  eines  edessenischen  Fürsten  ist  die  bei  Tac.  Ann.  XII,  12. 14  Abgar  v. 
aus  dem  Jahre  49  n.  C.  Damals  schloß  sich  Acbarus,  welcher  König  der  Araber  genannt 
wird,  ^)  den  parthischen  Großen  an,  welche  den  römischen  Schützling  Meherdates  als  Ge- 
genkönig gegen  Gotarzes  aufgestellt  hatten,  und  erschien  mit  ihnen  zu  seiner  Einholung  in 
Zeugma;  er  bewirthete  ihn  dann  viele  Tage  lang  in  seiner  Hauptstadt  Edessa  und  erreichte 
damit,  daß  kostbare  Zeit  verloren  gieng.  Dann  begleitete  er  ihn  mit  seinem  Contingente  auf 
dem  Marsche,  der  in  ungünstigster  Jahreszeit,  als  der  Winter  begann,  durch  Armenien  an- 
getreten wurde.  Als  man  über  Arbela  hinaus  und  in  der  Nähe  des  feindlichen  Heeres  ange- 
langt war,  wußte  Gotarzes  einer  Schlacht  auszuweichen  und  gewann  durch  Agenten  unter 
anderen  Verbündeten  des  Meherdates  auch  den  Acbarus,  daß  er  verrätherischer  Weise  mit 
der  edessenischen  Heeresmacht  abzog,  was  die  Niederlage  des  Meherdates  zur  Folge  hatte 
(Anfang  50).  Nach  Dionysios  war  auf  Abgar  Ukamâ  schon  im  Jahre  44  Ma'nu  V  gefolgt; 


1)  Vermuthung  von  Nöldeke. 

2)  Isidorumist  Verbessei'ung  Bernhardy's  zum  Dio- 
nys. Perieg.  p.  496  für  Dionysium. 


3)  Es  läßt  sich  kaum  bezweifeln,  daß  eine  Kunde  von 
dem  bekannten  arabischen  Worte  akbar,  «groß»,  die  fal- 
sche Namensform  hervorgerufen  hat. 


24 


Alfked  von  Gutschmid, 


aber  wiederum  bewährt  sich  die  in  der  Lehre  des  Addai  vorausgesetzte  Synchronistik,  in- 
sofern diese  den  Abgar  das  Jahr  45  um  einige  Zeit  überleben  läßt.  Wir  hatten  gesehen, 
daß  der  Anfang  der  ersten  Regierung  des  Abgar  ükamä  vom  Jahre  10  in  das  Jahr  4  v.  C. 
zu  bringen  ist;  rücken  wir  nach  derselben  Proportion  seine  2.  Regierungsperiode  herab,  so 
fällt  diese  zwischen  die  Jahre  13  —  50  n.  C,  und  Alles  ist  in  Ordnung.  Wahrscheinlich  ist 
derselbe  Herrscher  unter  dem  Könige  Abgar  dem  Großen  zu  verstehen,  von  Avelchem  der 
größere,  in  der  edessenischen  Ueberschwemmung  vom  Nov.  201  zerstörte  Palast  den 
Namen  trug,  dessen  die  auf  jene  bezügliche  Urkunde  im  Cliron.  Edessenum  n°  8  beiAssem. 
I,  390  gedenkt.  Zwar  hat  der  zur  Zeit  derselben  regierende  Abgar  nach  den  Münzen  in 
der  That  diesen  Beinamen  geführt,  es  scheint  mir  aber  unmöglich,  daß  er,  wäre  wirklich 
ein  und  derselbe  gemeint,  in  dem  unmittelbar  vorhergehenden  Präscript  nur  als  König  Ab- 
gar Sohn  des  Königs  Ma'nu  und  dann  in  der  Urkunde  selbst  immer  nur  einfach  als  König 
Abgar  hätte  bezeichnet  werden  können:  es  muß  sich  um  einen  gefeierten  älteren  König 
desselben  Namens  handeln. 
Die  Aus-  In  diese  Zeit  gehören  die  geographischen  Angaben  des  Plinius,  welche  dem  Gebiete 

"osi-oënischea  der  Arabes  Oroei  eine  Ausdehnung  geben,  die  es  vorher  und  nachher  nicht  gehabt  hat.  Es 
Reichs,  erstreckt  sich  längs  des  Euphrat  3  Schönen  lang  gegenüber  von  Kommagene  (N.  H.  V. 
§.  85)  und  umfaßt  die  Städte  Edessa,  das  ehedem  Antiochia  hieß,  Kallirrhoë,  so  von  einer 
Quelle  genannt,  und  Karrhä  (V  §.  86).  Die  Karrhener  waren  zur  Zeit  des  Feldzugs  des 
Crassus  eine  autonome  Gemeinde  und  sind  es  wieder  nach  dem  Friedensschluß  desL.  Verus 
mit  den  Parthern  (Münzen  bei  Eckhel,  D.  N.  V.  III,  507).  Sie  mögen  ihre  Autonomie  ver- 
loren haben,  nachdem  sie  den  ihnen  von  den  Parthern  53  v.  C.  zum  Zwingherren  gesetzten 
Andromachos  mit  seiner  ganzen  Familie  lebendig  verbrannt  hatten  (Nikolaos  von  Damas- 
kos  fr.  88  bei  Müller  III,  418).  Sehr  auffällig  ist  eine  andere  Angabe  des  Plinius  (N.  H. 
VI  §§.  125.  129),  die  Arabes  Oroei  erstreckten  sich  östlich  bis  Adiabene,  von  dem  sie 
der  Tigris  trenne.  Nisibis,  das  demnach  implicite  in  ihr  Gebiet  eingeschlossen  wird,  war 
zur. Zeit  des  Feldzugs  des  Lucullus  armenisch.  Artabanos  III  riß  es  um  37  n.  C.  von  Ar- 
menien los  und  schenkte  es  dem  Könige  Izates  von  Adiabene  (Jos.  A.  J.  XX,  3,  2).  Die  spä- 
teren Erwähnungen  der  Stadt  aus  der  Zeit  der  Kriege  Corbulo's  62  (Tac.  Ann.  XV,  5) 
und  Trajan's  115  (Gass.  Dio  LXVIII,  23)  geben  ihre  politische  Stellung  zwar  nicht  direct 
zu  erkennen,  lassen  sich  aber  am  Besten  mit  der  Annahme  vereinigen,  daß  sie  von  jener 
Zeit  an  bei  Adiabene  geblieben  ist:  Trajanus  hatte  schon  vor  dem  Uebergang  über  den  Ti- 
gris mit  Adiabenern  zu  kämpfen  (Gass.  Dio  LXVIII,  22),  und  der  Zusammenhang  der  Be- 
gebenheiten schließt  wenigstens  die  Zugehörigkeit  von  Nisibis  zu  Osroëne  bestimmt  aus.  Die 
Richtigkeit  der  Nachricht  des  Plinius  wird  hierdurch  äußerst  fraglich:  ich  vermuthe,  daß  er 


1)  Die  IdentificieruEg  von  Kallirrhoë  mit  Edessa  ver-  1  sprung,  dagegen  könnte  es  recht  wohl  der  griechische 
dankt  lediglich  einem  üebersetzungsfehler  ihren  Ur- 1  Name  des  von  Isidor  genannten  Aùupv)^  sein. 


ÜNTEKSUCHUNGEN  ÜBER  DIE  GESCmCHTE  DES  KÖNIGREICHS  OSROËNE. 


25 


den  geographischen  Begriff  von  Adiabene,  wonach  es  im  Westen  vom  Tigris  begrenzt  wird, 
dem  von  seiner  Quelle  (vielleicht  den  Memoiren  des  Corbulo)  gemeinten  politischen  Begriffe, 
kraft  dessen  es  westlich  bis  Nisibis  reichte,  fahrlässiger  Weise  substituiert  hat.  Dagegen  liegt 
kein  Grund  vor  zu  bezweifeln,  daß  die24Millien  westlich  von  Nisibis,  64  Million  östlich  von 
Resaina  gelegene^)  Stadt  Mannakarta  von  einem  edessenischen  Könige  Namens  Ma'nu  ge- 
gründet ist,  worauf  ihr  Name  deutlich  hinweist.  Es  bietet  sich  von  selbst  die  Vermuthung 
dar,  daß  die  Ausdehnung  des  osroënischen  Kleinstaats  über  Karrhä  und  bis  in  die  Nähe  von 
Nisibis  mit  der  Regierung  Ma'nu's  II  (nach  der  berichtigten  Zeitrechnung  52 — 34  v.  C.) 
in  Verbindung  zu  bringen  ist,  der  den  von  den  kurz  vorher  verstorbenen  Königen  Phrahates 
III  von  Parthien  und  Tigranes  II  von  Armenien  entlehnten  Beinamen  «der  Gott«  nicht  bloß 
geführt,  sondern  auch  in  der  Chronik  behalten  hat. 

Das  Chron.  Edessenum  erwähnt  n"  4  bei  Assem.  I,  389,  daß  sich  im  Jahre  400  Gr.  Abgar  vi. 
(89  n.  C.)  König  Abgar  ein  Grabmal  erbaute.  Nach  Dionysios  regierte  allerdings  damals 
Abgar  VII,  aber  erst  seit  4  Jahren:  und  an  so  etwas  pflegen  die  Menschen  eher  am  Ende, 
als  am  Anfang  ihrer  Laufbahn  zu  denken.  Wenden  wir  die  Rectificierung  von  -t-  6  Jahren 
an,  die  sich  bisher  immer  bewährte,  so  fällt  das  Ereigniß  unter  Abgar  VI  (71 — 91),  18  Jahre 
nach  seinem  Antritt,  2  Jahre  vor  seinem  Tod:  ein  völlig  angemessenes  Verhältniß. 

Als  Trajanus  im  Spätherbst  113  nach  Antiochia  kam,  um  von  dort  aus  den  Parther-  Abgar  vii; 
krieg  zu  eröffnen,  schickte  Augaros,  der  Phylarch  von  Osroëne,  eine  Gesandtschaft  an  ''^мІ^зоро-"^ 
ihn,  die  Geschenke  überbrachte  und  sein  Land  dem  Kaiser  zur  Verfügung  stellte,  obgleich 
er  es  erst  kürzlich  für  eine  große  Summe  von  Pakoros  käuflich  erworben  hatte;  selbst  kam 
er  nicht,  um  sich  nicht  den  Parthern  gegenüber  zu  compromittieren  (Gass.  DioLXVIII,  18. 
Suid.  s.  vv.  (^ulixpyjiç.  (Ьѵу]ТУ)ѵ).    Auch  als  Trajanus  im  folgenden  Jahre  im  westlichen  Ar- 


1)  Steph.  s.  V.  Mavvâxapxa  begnügt  sich  mit  der  Be- 
zeichnung TtoX«;  Apaß'ia;;  die  genaue  Lage  und  die  Iden- 
tität mit  dem  Orte,  der  in  der  Tab.  Peutinger.  XI,  E. 
Macharta  heißt,  ergibt  sich  aus  dem  Cosmogr.  Ravennas 
II,  13.  Dieser  schreibt  Manacarta,  übereinstimmend  mit 
dem  cod.  Rehdig.  des  Stephanos:  Mdcvo;  haben  auch  In- 
schriften aus  demHauran,  eine  von  Langl ois,  Numisma- 
tique de  l'Arménie,  p.  61  angefülirte  und  eine  andre,  wel- 
che Nöldeke  mir  nachweist,  bei  Waddington  2046. 

2)  Ueber  die  Feldzüge  Trajan's  im  nordwestlichen 
Mesopotamien  in  den  Jahren  114  und  115  hat  Suidas 
eine  lange  Reihe  von  Bruchstücken  erhalten,  von  denen 
zwei  ausdrücklich  aus  Arrian  citiert  werden,  alle  übri- 
gen aber  sich  mit  Wahrscheinlichkeit  aus  dessen  Par- 
thischer  Geschichte  herleiten  lassen;  da  sich  keines 
derselben  in  Müll  er 's  Fragmentsammlung  vorfindet,  so 
dürfte  es  nicht  überflüssig  sein  sie  hier  zusammenzu- 
stellen : 

ФиХархѵ)<;.  3u|j.ßaXXEi  тш  Траіаѵш  ■кер\  Аиуарои, 
Mémoires  de  TAcad.  Imp.  des  sciences.  ѴПтв  Série. 


o;  v]v  'OirpoYivîjç  x'^P'^?  SuvaffTY)ç'  oû'çTtsp  cpuXapxou;  (so 
A.  V.)  ôvojAaÇouutv  ot  èxeivv],  ort  xoc\  xà  x^'^P'''-  ofJtwv 

"Av.  'Apptavo'ç"  xai  av  rfiri  a.<f>Xyßc/.i  aùxiv  тѵарі  ßa<7()i£a 
(so  verbessere  ich  für  (іаоіХеш;),  si  [лу]  èSsSoixet  Пар- 
Зои;. 

'QvY)Tvî.  Ксс'.  тг)ѵ  Х'^Р*-^  б7Г(трея£іѵ  Tpaiavà)  Aù'- 
уароѵ,  xai7t£p  арті  (so  verbessere  ich  für  öxi)  шѵ/)тѵ)ѵ 
£X  Пахорои  à'xet  Xajiwv  тгоХАйѵ  хР'ОІ^<'-''^^ѵ  xal  тоито 
à(7[A£vto  (so  Beruhardy  für  àc7|j.svcoç)  тЛ  (іаиіХеГ  у'.- 
ѵетаі. 

"Ахра.  'Нх£  Ttapà  (iaaiXsa  (so  verbessere  ich  für 
PafftXswç)  Trat;  'Ау(іарои  (so  A.)  xaXoç  xai  [хгуа;  xa't  ev 
ü'ipa  i'xpa. 

'EXXoßta.  0  Ы  Tpalavo;  Хеу^'  Aùyàpou  Trato'r 
„М£|і.фор.а'і  ae  öxi  |л.ѵ]  Trpoffîlev  vjxe;  тгар'  щі  сиатра- 
Tsuffcov  xa's  тшѵ  ■кб^іш  ffUfj.p^eTaaxi^a'wv  (so  Bernhardy 
für  (7и[Л[Л£таах,<"ѵ),  xa\  етг'с  TöSe  av  у^Зеох;  тйѵ  eXXoß'ttov 
тоитшѵ  то  ET£pov  (jou  . a7roCT7ta!jat[j.f"  £фафа[Л£ѵоі;  оцха. 

4 


26 


Alpked  von  Gütschmid, 


menien  erschienen  war  und  dort  die  Huldigungen  aller  Nachbarfürsten  entgegennahm,  ver- 
mied es  Augaros  sich  persönlich  einzufinden,  schickte  aber  seinen  in  der  Blüthe  der  Jugend 
stehenden  Sohn  Arbandes  an  den  Kaiser,  dessen  Liebling  er  bald  wurde  (Suid.  s.  vv.  axpa. 
äXXößta).  Erst  als  Trajanus  Ende  114  den  Rückweg  nach  Syrien,  um  dort  zu  überwintern, 
über  Edessa  nahm,  kam  ihm  Augaros  vor  die  Stadt  entgegen,  ihm  250  Streitrosse  mit  eben 
so  vielen  Panzern  für  Rosse  und  Reiter  und  60000  Pfeilen  als  Geschenk  darbringend;  der 
Kaiser  begnügte  sich  damit,  drei  Panzer  anzunehmen,  ertheilte  ihm  in  Folge  der  Verwen- 
dung seines  Sohnes  Verzeihung  und  bestätigte  ihn  im  Besitze  der  Herrschaft,  zumal  er  bei 
seinen  Unterthanen  beliebt  war.  Er  wurde  von  da  an  ein  Freund  des  Trajanus  und  bewir- 
thete  diesen  in  Edessa  (Gass.  Dio  LXVIII,  21.  Suid.  s.  vv.  "ESso-a.  ато  ч)и[л.ой).  Auf  dem 
Feldzuge  des  Jahres  115  machte  Agbaros  den  Rathgeber  des  Kaisers  und  lenkte  seine  Waf- 
fen gegen  Sporakes,  den  Phylarchen  von  Anthemusia,  der  sich  zu  kommen  geweigert  hatte  ; 
beim  Herannahen  des  römischen  Heeres  entfloh  derselbe  (Gass.  Dio  a.  a.  0.,  Suid.  s.  vv. 
Tipo  epyou.  О'^у]у7]сгоѵтаі.  aïoKoç).  Ein  anderer  Dynast  unterwarf  sich  zum  Schein  dem  Tra- 
janus, brach  ihm  aber  dann  die  Treue  und  gieng  auf  und  davon  zu  Mannos(Suid.  s.  v.  ЬгЪо;,). 
So  hieß  der  Phylarch  des  Edessa  benachbarten  Arabien's,  der  sich  auch  nicht  im  kaiserli- 
chen Lager  eingefunden  und  dem  König  Mebarsapes  von  Adiabene  ein  Hilfscorps  geschickt 
hatte,  das  von  den  Römern  gänzlich  aufgerieben  worden  war;  als  in  der  Folge  ein  Friedens- 
gesuch von  ihm  eintraf,  hielt  der  Kaiser  es  nicht  für  aufrichtig  und  schickte  den  Lusius 
Quietus  gegen  ihn,  vor  dessen  Ankunft  er  nach  Adiabene  entwich.  Lusius  nahm  darauf  Sin- 
gara  und  die  Nachbarschaft  ohne  Kampf  in  Besitz  (Gass.  Dio  LXVIII,  21.  22.  Suid.  s.  v. 
imytip'quuv).  Dieser  Hannos  vonSingara,  dessen  Name  dem  edessenischen  Fürstengeschlecht 
eigenthümlich  ist,  könnte  der  Bruder  des  Abgar  gewesen  sein,  der  nach  Dionysios  später 
den  Thron  von  Edessa  bestiegen  hat.  Rufus  Festus  brev.  20  und  Eutrop.  VIII,  3  erwähnen 
die  Unterwerfung  erst  der  Osroëner  und  Araber,  hierauf  der  am  oberen  Tigris  wohnenden 
Garduener  und  Marcomeder,  und  dann  erst  die  der  Landschaft  Anthemusium;  vielleicht 
erfolgte  also  die  Vertreibung  des  Sporakes  erst  zu  Ende  des  Eeldzugs  von  115  auf  dem 


Tou  wxôç  Tou  Ітероо'  tS  Ы  y]v  а[Афш  та  сЬта  т£тріг)ілеѵа, 
ха\  г\  aiJ-cpoTv  ХР*^^*  èvwxia  è^Y)pTï)[Aevoc. 

"E  Se  (Г  ос  (so  A.  V.),  TtoXt;  Sup'iai;-  si?  г)Ѵ  афіхоілеѵсі) 
ТраѴаѵй  ÛTiavTtâî^et  тгро  т^;  ttoXswç  Аиуаро?  тотгои;  те 
Süp'  аушѵ  v'  xai  g'  xat  toÙ;  хатафрахтои;  âojpaxa; 
iTTTteuffi  xa\  toTç  l'Ttirotç  v'  xa\  a'  xai  [iéX-/)  é?axiff|i.upia. 
'0  Sè  TpaVavoç  треТ;  Xaßcüv  дшраха;  таХХа  |и[А7іаѵта 
aùxov  s'xeiv  èxéXeuffev. 

'Атго  ^u!J.oG.  'Етгеі  Se  oùx  атго  3u|jlo3  у]ѵ  aùxoTç  à'p- 
Xwv  ô  "Aß^apoi;. 

'AtcoSÉov.  Toffov  Sè  aTtoSstv  tou  Vf]^  Tï£7topi(T!J.ev/)v 
ï^Sï]  аитш  ХЙІ  атго  -{ivouc.  тгроаѵіхоиітаѵ  ßantXetav  acpe- 
Xéffdai. 


Про  epYou.  Ty)v  ітгорахои  x'^P''-^  хата^хеТѵ  тоТ; 
on'koiç  тгро  epYOu  etvai  eXeye. 

'Х^Г)^-/]ао^гс/л.  О  Sè  Tpaiavi;  è^eXauvei  (I)ç  km  tï)V 
'Av^êjjLoua'iav  ут)ѵ  іш  та6т-^ѵ  yàp  xai  "A^ßapoi;  ûçy)- 
угХто  levât. 

StoXoç.  ^тгораху);  (so  V.)  jj-adcov  тоѵ  (jtoXov  ßaotXe- 
w<;  £7г\  TY)V  aÛTOÛ  (so  für  аитои  nach  v.  2тгоросхіі;)  етгі- 
хратеіаѵ  YS'VojJ.svov  ефиуеѵ. 

Ae^toç.  'Apptavoç"  —  ö  Sè  тгара  Маѵѵоѵ  (so  V.)  атге- 
Xojpvjffe,  Se^ia;  те  Tcapaßa?,  aç  ßocffiXet  eScoxe,  xai  opxouç 
тгатѵісга;,  oûç  шр.о<т£. 

'Етгіх£'Р^<^£'Ѵ-  "ЕуркфЕѵ  етпх^'Р^'^^''^  цеХХеіѵ  тоТ; 
2i-fYapoti;  xat  етгі  TÙiSe  тгеіАтгеіѵ  тте^ои;  атгохршѵтаі;. 


UnTEKSÜCHUNGEN  über  die  GESCmCHTE  DES  KÖNIGEEICHS  OSEOENE. 


27 


Rückmarsch  nach  Syrien.  Mesopotamia  wurde  in  demselben  Jahre  von  Trajanus  für  Rom  in 
Besitz  genommen  (vergl.  Dierauer  in  В üdinger 's  Untersuchungen  zur  römischen  Kaiser- 
geschichte I,  166  f.).  Während  aber  der  Kaiser  nach  der  Unterwerfung  Baby lonien's  schwer- 
lich vor  dem  Spätsommer  des  Jahres  116  eine  Seeunternehmung  in  den  persischen  Meer- 
busen machte,  erhoben  sich  in  seinem  Rücken  alle  unterworfenen  Völker  und  vertrieben 
oder  erschlugen  die  römischen  Besatzungen;  Trajanus  schickte  von  Babylon  aus,  wo  er  die 
Nachricht  hiervon  erhielt,  den  Lusius  und  Maximus  gegen  die  Aufständischen,  der  Letztere 
wurde  geschlagen  und  fiel,  Lusius  aber  errang  große  Erfolge,  gewann  Nisibis  wieder,  er- 
stürmte, zerstörte  und  verbrannte  Edessa  (Gass.  Dio  LXVIII,  30).  Wenn  Gregor  Abü'lfa- 
rag  in  der  Hist.  dyn.,  p.  121  (76)  und  im  syrischen  Chron.,  p.  57(54)  unter  dem  4.  Jahre 
Hadrian's  das  Ende  des  Reichs  von  Edessa  anmerkt,  das  von  da  an  durch  römische  Statt- 
halter regiert  worden  sei,  so  meint  er  damit  den  damals  erfolgten  Eintritt  der  unmittelbaren 
römischen  Herrschaft;  nur  hat  sich  die  Notiz  bei  ihm  um  eine  Olympiade  verschoben.  Von 
Abgar  ist  nicht  weiter  die  Rede  ;  er  mag  in  dem  Aufstande  als  Römerfreund,  vielleicht  auch 
erst  bei  der  Katastrophe  seiner  Hauptstadt  umgekommen  sein.  Der  parthische  Oberkönig  Pa- 
koros,  welchem  Abgar  die  Krone  verdankte,  starb  spätestens  im  Jahre  421  Graec.  =  Herbst 
109  I  Herbst  110,  aus  welchem  die  erste  sichere  Münze  seines  Nachfolgers  Osroës  ist  (Percy 
Gardner,  TheParthian  coinage,  p.  54);  die  Verleihung  muß  also,  da  sie  im  Jahre  113  noch 
neu  war,  ganz  zu  Ende  seines  Königthums  erfolgt  sein.  Dionysios  hat  während  dieser  ganzen 
Zeit  die  Regierungen  zweier  Ma'nu,  deren  Grenze  das  Jahr  115  bildet;  es  kann  aber  keinem 
Zweifel  unterliegen,  daß  der  Zeitgenosse  Trajan's  vielmehr  Abgar  ѴП  bar  îzat  ist,  den  der- 
selbe Dionysios  schon  im  Jahre  92  hat  aufhören  lassen.  Da  dessen  Regierung  nur  6  J.  9 
Mon.  dauerte,  so  ergibt  sich,  daß  Anfang  und  Ende  derselben  durch  die  authentischen  An- 
gaben der  griechisch-römischen  Quellen  ziemlich  genau  bestimmt  werden,  und  es  kann 
nicht  mehr  zweifelhaft  sein ,  daß  der  Synchronismus  in  den  Acten  des  h.  Sharbîl,  nach 
welchem  Abgar  ѴП  im  Jahre  1.  Oct.  109  |  30.  Sept.  110  oder  doch  frühestens  im  Septem- 
ber 109  den  Thron  bestiegen  hat,  der  ursprüngliche  ist:  er  mag  von  November  109  bis 
August  116  regiert  haben. 

Vor  ihm  ist,  wie  man  sieht,  eine  1 8  jährige  Unterbrechung  der  edessenischen  Königs-  Spuren  einer 
reihe.  Unter  diesen  Umständen  erlangt  eine  früher  erwähnte  Nachricht  des  Moses  von  КЬо-^неггзсЬагГ 
ren  von  einer  um  diese  Zeit  erfolgten  Eroberung  Edessa's  durch  König  Sanatruk  Bedeu-  Etiessa. 
tung,  einen  Schwestersohn  des  Abgar,  der  als  König  von  Armenien  und  Urheber  des  daselbst 
erfolgten  Martyrium's  des  Thaddäos  bezeichnet  wird;  das  einzige  wenigstens  einigermaßen 
Sicherstehende  ist  aber,  daß  er  seine  Residenz  in  Nisibis  hatte,  das  damals  adiabenisch  war, 
und  nach  Assyrien  verlegen  auch  die  anderen  Quellen  Missiousthätigkeit  und  Tod  des 
Thaddäos.  Ich  möchte  also  vermuthen,  daß  zugleich  mit  der  Grabstätte  des  Apostels  auch 
der  in  der  Legende  mit  ihm  verknüpfte  König  Sanatruk  durch  die  späteren  Armenier  von 
Adiabene  nach  Armenien  versetzt  worden  ist  und  daß  Edessa  von  91  —  109  eine  Depen- 
denz  des  adiabenischen  Reichs  gebildet  hat.  Eine  gewichtige  Stütze  für  diese  Annahme  bie- 


28 


Alfeed  von  Gutschmid, 


tet  der  Umstand,  daß,  als  Edessa  wieder  eigene  Könige  erhält,  der  erste  derselben,  Abgar 
VII,  bei  Dionysios  ein  Sohn  des  îzat  heißt,  also  durch  den  Namen  seines  Vaters  zum  adia- 
benischen  Königshause  gehört. 
Die  römische  Nach  ihm  folgt  ein  Interregnum  von  2  J.,  dann  eine  Regierung  des  îlur  Pharnata- 
imï Païthî- sP^t  3  J.  10  Mon.  und  eine  des  Pharnataspat  (ohne  Beisatz)  10  Mon.  In  die  Jahre  92— 
maspates.  99  eingespannt,  wie  es  die  Zeitrechnung  des  Dionysios  will,  sind  diese  Ansätze  für  uns  gleich- 
giltig  und  uncontrolierbar;  sie  gewinnen  aber  sofort  eine  unerwartete  Bedeutung  und  erhal- 
ten ihren  Commentar  in  dem,  was  wir  über  die  Zeitgeschichte  wissen,  sobald  man  sie  vom 
Endjahre  Abgar's  VII  116  an  rechnet.  Das  Interregnum  116  —  118  erklärt  sich  dann  von 
selbst  als  die  Zeit  der  römischen  Occupation.  Nachdem  Trajanus  am  7.  August  117  gestor- 
ben war,  räumte  Hadrianus  mit  den  übrigen  biroberungen  seines  Vorgängers  auch  Mesopo- 
tamien und  machte  den  Euphrat  wieder  zur  Grenze  gegen  das  Partherreich  (Spartian.  Hadr. 
5.,  Eutrop.  Л^ІІІ,  6.,  Rufus  Festus,  brev.  20);  den  von  Trajanus  über  die  Parther  zum  Kö- 
nig gesetzten  Parthamaspates  ^)  gab  er,  einsehend,  daß  derselbe  seine  Stellung  zu  behaupten 
außer  Stande  sei,  den  Nachbarvölkern  zum  König  (Spartian.  a.a.O.).  Es  liegt  auf  der  Hand, 
daß  dies  derselbe  Name  ist  wie  der  Pharnataspat  der  edessenischen  Königsliste,  nur  im 
Munde  der  Syrer  leicht  verändert:^)  wir  werden  die  Nachbarvölker  getrost  für  die  Bewoh- 
ner Edessa's  und  des  umliegenden  Gebietes  erklären  dürfen.  Die  Königsliste  hat  sogar  zwei 
Pharnataspat  nach  einander,  den  ersten  mit  dem  vorausgeschickten  räthselhaften  Doppel- 
namen îlur  (oder  ähnlich).  Wahrscheinlich  aber  ist  dieser  Pharnataspat  nicht  von  dem  fol- 
genden verschieden  und  hier  war  ein  Nebenkönig  von  ihm  genannt,  so  daß  in  jenem  Worte 
ein  entstellter  Name,  etwa  Jalud,  nebst  einem  wa  stecken  dürfte.  Nöldeke  schreibt  mir: 
«;qL.a,  job^j  sind  mir  nicht  als  Eigennamen  bekannt,  was  aber  wenig  beweisen  würde,  da 
wir  echt  aramäische  Namen  nicht  in  großer  Anzahl  kennen.  Jallûd  wäre  theoretisch  als  Ei- 
genname denkbar;  auch  ein  arabisches  (von  Vi^J)  ist  ganz  möglich.  Waddington  n*'2061 
ist  ein  Name  'laÀôoou  (Gen.),  der  freilich  jls^.  und  verschiedenes  Andere  sein  kann».  Partha- 
maspates regierte  also  in  Edessa  erst  anscheinend  neben  einem  arabischen  Gegenkönig  von 
118 — 12 2,  dann  allein  bis  123,  in  welchem  Jahre  die  frühere,  116  gestürzte  Dynastie  in  der 
Person  des  Ma'nu  VII  bar  îzat  wieder  an  das  Ruder  gelangte.  Dies  ist  nun  aber  gerade  das 
Jahr,  ^)  in  welchem  Hadrianus  einen  drohenden  Partherkrieg  durch  mündliche  Verhandlun- 


1)  Пар{>ар.а(Т7і:атг)і;  (Gass.  Dio  LXVIII,  30)  oder  Пар- 
0£р.а(7тсато;  (Arrianus  bei  Jo.  Malalas  I,  p.  352.  357  Ox.) 
ist  der  richtige  Name  des  Sohues  und  Gegenkönigs  des 
Osroës;  Spa'rtianus,  der  ihn  Sarmatosiris,  d.  i.  Farmato- 
siris,  nennt,  hat  ihn  mit  seinem  längst  verstorbenen  Vetter 
Parthamasiris  verwechselt. 

2)  Der  Name  ist  wohl  aufzufassen  als  altpers.  Fra- 
tamâçpapatish,  «Herr  der  vordersten  Rosse».  Prof.  Geld- 
ner theilt  mir  darüber  Folgendes  mit:  «ІЗООЛЛО 


könnte  etwa  sein  Zend  hvarenaühat-aspa-paitish ,  Herr 
glänzender  Rosse,  wie  altpers.  açbara  so  viel  ist  wie  aç- 
pabara,  altpers.  farna  entspricht  dem  Zend  hvarenaiih. 
In  diesem  Falle  wäre  vielleicht  zu  lesen  Pharnadaspates. 
Wenn  aber  Г1арЭа[ла(7ігат-/)і;  richtiger  ist,  dann  steckt 
darin  altpers.  fratama,  der  erste». 

3)  Vergl.  J.  Dürr,  Die  Reisen  des  Kaisers  Hadrian, 
S.  48. 


Unteesüchüngen  übee  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne. 


29 


gen  beilegte  (Spartian.  Hadr.  12),  und  die  Verrauthung  liegt  nahe,  daß  der  Kaiser  sich  da- 
mals zu  der  Concession  verstanden  hat,  den  Parthamaspates,  der  als  Beherrscher  des  Grenz- 
landes Osroëne  eine  bleibende  Drohung  für  den  Partherkönig  war,  von  dort  zu  entfernen. 

Die  griechischen  Münzen,  auf  denen  Visconti  Köpfe  und  Legenden  des  Kaisers  Hadri-  Apokryphe 
anus  und  eines  angeblichen  Abgaros  Mannos  zu  erkennen  meinte,  gehören  vielmehr  einem  der  Zeit 
Zeitgenossen  des  Antoninus  Caracalla  (Mionnet  V,  622),  die,  welche  Bayer  dem  Hadrianus 
und  Abgaros  gab,  haben  ebenso  wenig  mit  jenem  Kaiser  etwas  zu  schaffen  und  rühren  viel- 
leicht von  dem  Abgaros  her,  der  unter  Gordianus  lebte  (Scott  im  Num.  Chron.  XVIII,  p. 
19).  Derartige  Münzen  mit  Bildern  der  römischen  Kaiser  sind  für  diese  Zeit  wegen  der  da- 
maligen staatsrechtlichen  Stellung  Edessa's  schon  von  vorn  herein  verdächtig. 

Eine  gründliche  Aenderung  erhielten  ihre  Beziehungen  zu  Parthern  und  Römern  erst  Mesopo- 
durch  den  Krieg  des  L.  Verus  gegen  die  Parther.  Die  Römer  drangen  1G3  in  Mesopota-  '  durcii 
mien  ein;  Fronto  epp.  ad  Verum  II,  l,p.  121  (Naber)  führt  die  Einnahme  von  Dausara  (in  röJiS! 
der  Gegend  von  Edessa)  und  Nikephorion  zugleich  mit  der  von  Artaxata  auf,  welche  in 
jenes  Jahr  fällt.  Weiterer  Kriegsereignisse  gedenkt  aber  dieser  im  Jahre  164^)  geschriebene 
Brief  nicht,  die  Eroberung  Mesopotamien's  ist  also  erst  164  vollendet  worden.  "Wir  wissen, 
daß  Edessa  von  den  Römern  belagert  wurde  (Lucian.  de  conscrib.  bist.  22);  damals  war  es, 
wo  die  Bewohner  von  Edessa  die  hineingelegte  partiiische  Besatzung  tödteten  und  die  Stadt 
den  Römern  übergaben  (Proc.  Pers.  II,  12,  p.  209  Dind.).  Auch  Nisibis  hielt  eine  Belage- 
rung aus,  in  Folge  deren  eine  Pest  ausbrach  (Lucian.  a.  a.  0.  15).  Die  Beendigung  des  Par- 
therkriegs erfolgte  erst,  nachdem  die  Römer  über  den  Tigris  gegangen  und  in  Babylonien 
eingedrungen  waren,  im  S.Jahre  des  L.  Verus  =1G5  (Chronicon  Edessenura  n"  7  bei 
Assem.  I,  390,  in  Uebereinstimmung  mit  Capitolin.  Ver.  7  und  den  Münzen)^'.  Durch  den 
Friedensschluß  gieng  Osroëne  in  die  römische  Clientel  über. 

Folgen  wir  der  Chronologie  des  Dionysios,  so  wären  alle  diese  Veränderungen  an  der  Wa'n. 
edessenischen  Königsreihe  spurlos  vorübergegangen,  während  er  für  eine  frühere  Zeit  mehr- 
fache Umwälzungen  innerhalb  derselben  zu  verzeichnen  hatte.  Ma'nu  VIII  bar  Ma'nu  gieng 
nach  24  jähriger  Regierung  (angeblich  115  — 139)  hinüber  zum  römischen  Lande,  und  Kö- 
nig ward  über  Edessa  Wa'il  bar  Sahru  2  Jahre  (139, — 141).  Es  war  wohl  ein  Araber;  über 
den  Namen  schreibt  mir  Nöldeke:  «Wal  oder  vielmehr  Wa'il,  Obatkoc,  Wadd.  2496,  auf 

Sinai-Inschriften  ^Nl,  ist  arabisch  =  "Jj)^  ;  warum  nicht  оЬ.]о  mit  о ,  ist  mir  räthselhaft, 
da  dem  "  des  classischen  Arabisch  in  dieser  Sprache  о  zu  entsprechen  pflegt.  Sahrû  ist  selt- 
sam ;  das  о  deutet  auf  arabische  Herkunft,  aber  in  der  aramäischen  Schreibung  dieser  alten 
arabischen  Namen  kommt  sonst  kein  Semkath  vor  :  am  Ende  entstellt».  Dann  ward  nach 
Dionysios  Ma'nu  VIII  wieder  König,  nachdem  er  von  römischen  Lande  zurückgekehrt  war, 


1)  Mommsenim  Hermes  VIII,  214. 

2)  üeber  die  Chronologie  dieses  Kriegs  vergl.  Lu- 
cian. de  conscr.  bist.  30  und  die  sorgfältigen  Nach- 


weise bei  E.  Napp,  De  rebus  imperatore  M.  Aurelio  An- 
tonino  in  Oriente  gestis  (Bonn  1879),  p.  26  fF. 


30 


Alfred  von  Gutschmid, 


12  Jahre  (141 — 153).  Von  Wa'il  nun  gibt  es  Kupfermünzen,  publiciert  und  entziffert  von 
W.  Scott  im  Numismatic  Chronicle  XVIII  (1856)^'.  Sie  zeigen  auf  der  Av.  einen  unbe- 
deckten männlichen  Kopf,  kurz  gelockt  und  mit  kurzem  Bart,  nach  links,  vor  und  hinter 
dem  Kopfe  die  aramäische  Legende  malka  Wâ'il,  und  um  das  Ganze  einen  Kranz.  Auf  der 
ßev.  hat  die  eine,  p.  2.,  PI.  I,  1 — ^3,^)  die  Seitenansicht  eines  Tempels  mit  zwei  Säulen,  an 
der  Front  ein  Stern  von  drei  Strahlen,  innerhalb  des  Tempels  ein  breiter  viereckiger  Ge- 
genstand auf  einem  Tisch,  zu  beiden  Seiten  eine  undeutliche  aramäische  Legende;  die  an- 
dre dagegen,  p.  3.,  PI.  I,  4,  zeigt  auf  der  Rev.  die  nach  links  gekehrte  Büste  eines  Parther- 
königs mit  einer  kegelförmigen  Kappe,  die  anscheinend  mit  Strahlen  besetzt  ist,  hinter  dem 
Kopfe  ein  В  (die  Nummer  der  2.  Münzstätte,  nach  der  auf  den  Arsakideumünzen  vom  Jahre 
78  n.  C.  an  üblichen  Bezeichnungsweise)  Der  Partherkönig  ist  unzweifelhaft  Volagases  III 
(Nov.  148 — 191),  wie  man  sich  aus  der  Vergleichung  z.B.  mit  der  Tetradrachme  desselben 
bei  Percy  Gardner,  The  Parthian  coinage,Pl.  VII,  8  überzeugen  kann;  somit  ist  die  Münze 
des  Wa'il  zwischen  148  —164  geprägt  und  die  Zeitrechnung  des  Dionysios  urkundlich  wi- 
derlegt. Dagegen  stimmt  Alles,  wenn  man  von  dem  zuletzt  gewonnenen  festen  chronologi- 
schen Punkte,  der  Regierung  Abgar's  VII,  einfach  weiter  rechnet;  dann  fällt  die  erste  Re- 
gierung des  Ma'nu  VIII  zwischen  139  — 163,  die  des  Wa'il  zwischen  163 — 165,  sie  be- 
ginnt also  unter  Volagases  III,  der  seinen  Vorgänger  als  unzuverlässig  vertrieben  und  ihn 
eingesetzt  haben  wird,  als  eine  parthische  Besatzung  nach  Edessa  gelegt  wurde;  und  endigt 
mit  dem  Friedensschlüsse. 
Manu  VIII  Auch  von  Ma'nu  gibt  Scott  eine  Kupfermünze  p.  20.,  PI.  I,  5 — 6:  Av.  Bartloser  (?  das 
Parthe^rn!  ^^*'  ^  abgebildete  Exemplar*)  zeigt  ganz  deutlich  kurzen  Kinnbart,  Backenbart  und,  wie  es 
scheint,  auch  Schnurbart)  männlicher  Kopf  nach  rechts  mit  einer  kegelförmigen,  perlenbesetz- 
ten Kappe  und  dem  Diadem  darüber;  Rev.  Aramäische  Legende  Ma'nii  malkâ  in  zwei  Li- 
nien quer  über  das  Feld.  Scott  hat  (a.  a.  0.,  p.  24)  ganz  richtig  bemerkt,  daß  die  Münzen 
mit  aramäischen  Legenden  in  eine  Zeit  gehören,  wo  Edessa  nicht  unter  römischer  Clientel 


1)  Nöldeke  hat  mir  die  Richtigkeit  der  Scott'schen 
Lesungen  durchaus  bestätigt.  Er  schreibt:  «Die  Legen- 
den von  Wâ'il  zeigen  die  ganz  charakteristischen  Zei- 
chen des  Estrangélâ,  d.  h.  der  edessenischen  Schrift. 

Solch  ein  ^  (Alaph)  und  Gn(He)kommt  anderswo  kaum 
vor,  auch  das  geneigte  C\  (Uebergang  zu  o)  ist  charak- 
teristisch, und  nichts  ist  un-edessenisch  ....  Nr.  5 

weicht  ab:  die  Buchstaben  von  ,    ,       stehen  ganz  iso- 

liert.  Aber  auf  Nr.  G,  welche  dieselbe  Inschrift  hat,  ist 
Alles  uno  tenorc  geschrieben,  und  hat  durchaus  edcsse- 
uische  Typen.  Ich  zweifle  deshalb  auch  nicht,  daß  5  da- 
hin gehört». 


I  2)  Die  Nummern  im  Texte  sind  verschieden  von  de- 
nen auf  der  Tafel:  n^  1.  la.  Ib.  2.  3b.  3  des  Textes  =  PI. 
I,  1.  2.  3.  4.  5.  6. 

3)  Vergl.  A.  de  Longpérier,  Mémoires  sur  la  chrono- 
logie et  l'iconographie  des  rois  Parthes  Arsacides,  p.  121. 

4)  Ein  ähnliches,  aber  falsch  gelesen,  gibt  Mionnet, 
Suppl.  VIII,  410,  nO  57  nach  Sestini,  ein  drittes  Mion- 
net a.  a.  0 ,  n°  58,  Lenormant,  Numismatique  des 
rois  Grecs,  p.  ISO.,  Pl.  LXII,  8  und  Langlois,  Numis- 
matique de  l'Arménie,  p.  66.,  Pl.  IV,  1  aus  dem  Cabinet 
de  France;  die  ersteren  Beiden  haben  die  Schriftzeichen 
für  lateinische  gehalten  und  ergötzlicher  Weise  als  MAN. 
(Ca)  ES.  FIL.  gedeutet,  Langlois  hat  wenigstens  die 
Identität  mit  der  von  Sestini  beschriebenen  Münze 
erkannt. 


Untersuchungen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroene. 


31 


stand,  erklärt  aber  die  Münze  des  Ma'nu  für  später  als  die  des  Wa'il,  sowohl  wegen  des 
Stils  als  wegen  des  Schriftcliarakters,  der  sich  dem  gewöhnlichen  syrischen  mehr  nähere,  und 
hält  es  für  möglich,  daß  sie  während  der  Erhebung  der  Osroëner  gegen  Pescennius  Niger  ge- 
prägt sei.  Allein  daß  damals  ein  Abgar  regierte,  steht  durch  die  Münzen  hinlänglich  fest;  ich 
halte  es  für  unmöglich  die  Münze  später  zu  setzen  als  164,- und  vermag,  wo  es  sich  um  klei- 
nere Zeiträume  handelt,  derartigen  Bedenken  der  Numismatiker  nur  geringes  Gewicht  bei- 
zumessen, um  so  mehr  da  ein  anderer  Fachmann,  Lenormant  (Numismatique  des  rois  Grecs, 
p.  130),  ein  andres  Exemplar  derselben  Münze,  ohne  eine  Ahnung  von  ihrer  Bedeutung  zu  ha- 
ben, des  Gepräges  wegen  für  viel  älter  als  die  edessenischen  Königsmünzen  aus  der  Zeit  der 
Antonine  erklärt  hat:  das  Relief  trete  stärker  hervor  und  die  Arbeit  sei  feiner  und  cor- 
recter.  Der  Kopf  ist  bisher  für  den  des  Münzherrn  gehalten  worden,  aber  die  Tiara  ist  die- 
selbe wie  die  parthische,  und  es  ist  mindestens  ebenso  wahrscheinlich,  daß  es  der  Kopf  des 
Großkönigs  ist;  in  diesem  Fall  könnte  es  sich  nur  um  Volagases  II  handeln  (reg.  zum  2. 
Mal  von  112  bis  Nov.  148),  dessen  Porträt  (z.  B.  auf  der  Drachme  beiPercy  Gardner,  PI. 
VII,  5)  allein  unter  den  Arsakiden,  die  in  Betracht  kommen  könnten,  einige  Aehnlichkeit 
aufweist,  und  dann  wäre  bewiesen,  daß  die  Münze  während  der  ersten  Regierung  desMa'nu 
geprägt  worden  ist. 

Die  Annahme,  daß  Ma'nu  nur  das  Bild  des  parthischen  Oberherren  auf  seine  Münzen  Ma  nu  viii 

uuter  den 

hat  setzen  lassen,  empfiehlt  sich  durch  die  Analogie  der  griechischen  Silber  münzen  des  Kö-  Kömern. 
nigsMannosPhiloromäos  oder,  wie  auf  den  meisten  geschrieben  ist,  cp[Xopw[j.atc (belMionnet 
V,  614, ff.).  Dieser  hat  auf  die  Averse  derselben  die  Namen  und  Köpfe  des  M.  Aurelius, 
der  jüngeren  Faustina,  des  L.  Verus  und  der  Lucilla  gesetzt,  auf  die  Reverse  seinen  Na- 
men und  verschiedene  Embleme,  aber  nie  sein  Bild.  Visconti,  Iconographie  Grecque,  III, 
49  hat  diese  Münzen,  weil  ihre  Fabrik  von  der  der  edessenischen  Münzen  verschieden  sei, 
Edessa  absprechen  wollen  und  diesen  Mannos  vermuthungsweise  nach  Aträ  verwiesen;  aber 
Aträ  hat  nie  mit  dem  römischen  Reiche  in  Verbindung  gestanden,  höchstens  ließe  sich  an 
Singara  denken,  wo  unter  Trajanus  ein  Mannos  vorkommt:  die  Abweichung  erklärt  sich 
genügend  aus  der  Verschiedenheit  der  Zeit  und  daraus,  daß  es  Gelegenheitsmünzen  sind, 
die  nach  der  Bemerkung  Eckhel's  (D.  N.  V.III,  513)  in  Metall,  Gewicht,  Fabrik  und  Ty- 
pen vollkommen  einer  Reihe  ähnlicher  Silbermünzen  gleichen,  die  mit  den  Namen  und  Köpfen 
derselben  Personen  des  kaiserlichen  Hauses  und  außerdem  noch  des  Commodus  und  auf  der 
Reverse  mit  den  Aufschriften  'Yîcàp  vUy]ç  'Pwfxatcov,  'T-èp  vtxv]^  ^шѵ  xupîwv  S£[5!acri;cov  und  ähnli- 
chen in  Mesopotamien  geprägt  worden  sind.^)  Lenormant,  der  an  dem  edessenischen  Ursprünge 
jener  Münzen  festhält,  vermuthet  ansprechend  (Numismatique  des  rois  Grecs,  p.  131),  daß 
sie  das  Werk  eines  geschickten  Künstlers  sind,  der  mit  Verus  nach  Asien  gekommen  war. 
Es  liegt  kein  Grund  vor,  sie  der  zweiten  Regierungsperiode  des  Ma'nu  bar  Ma'nu  abzuspre- 


1)  Vergl.  Eckhel,  D.  N.  V.  III,  520  f.,  Mionnet  V,  638  fi.,  Suppl.  VIII,  418. 


32 


Alfeed  von  Gutschmid, 


chen.  Die  Münzen  des  Hannos  Philoromäos  sind,  da  sie'  auch  die  Lucilla  als  Augusta  und 
Gemahlin  des  Verus  nennen,  jünger  als  das  Jahr  164,  in  welchem  sie  dieses  wurde,  und 
können  alle  zwischen  164  und  169,  in  welchem  Jahre  Verus  starb,  geprägt  sein;  jene  an- 
dere Classe  mesopotamischer  Münzen,  von  der  Eckhel  sehr  wahrscheinlich  vermuthet,  daß 
ihre  Prägung  von  eben  diesem  Mannos  veranlaßt  worden  sei,  beginnt  ebenfalls  nach  164,  da 
sie  die  Lucilla  Augusta  nennt  und  dem  M.  Aurelius  den  erst  in  diesem  Jahre  angenomme- 
nen Titel  Armeniacus  gibt,  muß  aber  mindestens  noch  bis  177  fortgesetzt  worden  sein,  da 
sie  dem  Commodus  den  Titel  Augustus  gibt,  den  er  erst  in  diesem  Jahre  erhielt. 
Abgar  unter        In  derselben  Zeit,  wo  Ma'nu  bar  Ma'nu  in  Edessa  regierte,  ist  nun  aber  auch  ein  Ab- 

Antoninus 

Pius,  gar  bezeugt.  Capitolin.  Ant.  P.  9  sagt  von  Antonmus  Pius:  «Abgarum  regem  ex  orientis 
partibus  sola  auctoritate  deduxit»;  unmittelbar  vorher  war  erwähnt,  daß  die  Briefe  des  Kai- 
sers den  Partherkönig  von  der  Eroberung  Armenien's  zurückgeschreckt  hätten,  gleich  dar- 
auf, daß  er  Rechtshändel  zwischen  den  Königen  entschieden,  sowie,  daß  er  dem  Parther- 
könig die  Rückgabe  des  von  Trajanus  erbeuteten  Thronsessels  abgeschlagen  habe.  Wahr- 
scheinlich bildet  auch  die  Entfernung  des  Abgar  einen  Zwischenfall  der  Verwicklungen  mit 
dem  Partherreiche,  die  im  Februar  155  durch  eine  persönliche  Zusammenkunft  zwischen 
Antoninus  Pius  und  Volagases  III  beigelegt  wurden.  Dionysios  läßt  zwar  einen  Abgar  bar 
Ma'nu  von  153 — 188  regieren,  es  ist  aber  zur  Genüge  gezeigt  worden,  daß  seine  Synchro- 
nistik  für  diese  Zeit  völlig  unhaltbar  ist:  Abgar  kann  nur  ein  Gegenkönig  des  Ma'nu  bar 
Ma'nu  gewesen  sein.  A'^ielleicht  hatte  er  von  Syrien  aus  einen  Versuch  gemacht,  sich  in  Os- 
roëne  festzusetzen,  und  wurde,  um  die  Ausgleichung  mit  den  Parthern  nicht  zu  erschweren, 
von  Antoninus  Pius  veranlaßt,  es  freiwillig  zu  räumen. 
Abgar  VIII  Später  erscheint  ein  Abgar,  allem  Anscheine  nach  derselbe,  auf  einigen  seltenen  grie- 
'^'^^uS^^'^  einsehen  Münzen.  Freilich  die  Münzen  eines  Königs  Abgaros  mit  dem  Kopfe  des  M.  Aure- 
L.  Verus.  j.jjg^  ^^^1^  ^^^y  Legenden,  die  auf  diesen  bezogen  worden  sind,  welche  Patin  (Numi  impp., 
p.  192),  Belley  (in  der  Hist.  de  l'Acad.  R.  des  Inscr.,  XXV  =  1759,  p.*87),  Visconti 
(Iconographie  Grecque,  III,  48),  Leake  (Numismata  Hellenica.  Kings  and  dynasts,  p.  39) 
veröffentlicht  haben,  erweisen  siclj  sämmtlich  bei  näherer  Prüfung  vielmehr  als  Münzen 
eines  Abgaros  und  Commodus.  Von  der  Patin'schen  hatte  schon  Mionnet  V,  614  es  ver_ 
muthet,  von  der  Visconti'scheu  im  Suppl.  VIII,  409  es  nachgewiesen,  hinsichtlich  der, 
welche  nach  Belley  im  Pariser  Cabinet  des  médailles  sein  soll,  schreibt  mir  Herr  E.  Ba- 
belon,  daß  dieses  keine  derartige  Münze  besitzt,  wohl  aber  Münzen  mit  dem  Kopfe  des 
Commodus  und  dem  eines  Abgarus  in  ziemlicher  Anzahl,  üeber  die  in  der  Leake'schen 
Sammlung,  welche  sich  gegenwärtig  im  Fitzwilliam-Museum  in  Cambridge  befindet,  theilt 
mir  Herr  Percy  Gardner,  M.  A.,  vom  British  Museum  gütigst  folgendes  Resultat  einer 


1)  A^ergl.  WaddingtoD,  Mémoire  sur  la  chrono-  |  de  l'Acad.  des  Inscr.  XXVI,  1  (18G7),  p.  260  £f. 
logie  de  la  vie  du  rhéteur  Aelius  Aristide  in  den  Mém.  I 


Unteesuchüngen  übee  die  Geschichte  des  Königeeichs  Oseoetshb. 


33 


sorgfältigen  Prüfung  mit:  «Ich  erkenne  auf  der  Av.  CY/'TOK  KO  und  den  Kopf  des  Com- 
modus;  Rev.  АВГАР>/ОС  ВА/СІЛвѴС,  Kopf  des  Abgarus.  Diese  Münzen  sind  so  schlecht 
ausgeführt,  daß  beides  Legende  und  Porträt  ungenau  sind.  Doch  das  КО  auf  der  Averse 
scheint  der  Anfang  des  Namens  des  Commodus  zu  sein,  und  der  Kopf  ist  genau  wie  der 
Kopf  dieses  Kaisers  auf  einigen  Münzen  des  British  Museum».  Herr  Gardner  war  zugleich 
so  freundlich,  mir  zum  Beweise  für  die  Richtigkeit  seiner  Erklärung  einen  Gypsabguß  der 
Münze  zu  schicken.  Ebenso  wenig  bestehen  die  Münzen  von  Abgarus  und  M.  Aurelius  und 
Abgarus  und  L.  Verus,  welche  Arneth,  Synopsis  I,  p.  77  als  im  Kais.  Münzcabinet  in  Wien 
vorhanden  anführt,  die  Probe;  Herr  Dr.  A.  v.  Domaszewski  schreibt  mir  darüber:  «die 
Deutung  ...  ist  ganz  unsicher,  da  von  der  Aufschrift  nichts  erhalten  und  die  Köpfe  ganz 
abgerieben  sind;  der  sog.  M.  Aurel  ist  vielleicht  ein  Commodus».  Auch  die  Pariser  Münze, 
auf  der  Visconti,  Iconographie  Grecque,  ПІ,  49  den  Abgarus  und  L.  Verus  hatte  erkennen 
wollen,  ist  von  Mionnet,  Suppl.  VIII,  409  vielmehr  als  eine  des  Abgarus  und  Severus  erkannt 
worden.  Aber  Scott  gibt  an  (p.  22),  er  besitze  eine  Abgarus-Münze,  welche  sicher  den  Kopf 
des  Verus  zeige,  wenn  schon  sie  schlecht  geprägt  sei  und  die  Legenden  fehlten;  man  konnte 
mir  nicht  sagen,  wo  sie  sich  jetzt  befinden  mag.  Gegen  die  von  Patin,  Numi  impp.,  p.  207 
beschriebene,  auf  der  Av.  mit  dem  Kopf  des  L.  Verus  nach  rechts,  auf  der  Rev.  dem  Kopfe 
des  Abgarus  mit  der  Tiara  nach  rechts  und  der  Legende  АВГАРОС.  BACIAGYC ,  konnten, 
so  lange  das  Exemplar  nicht  wieder  zum  Vorschein  gekommen  war.  Bedenken  erhoben 
werden,  wie  dies  in  derThat  von  Mionnet,  V,  614 geschehen  ist.  Vielleicht  ist  sie  identisch 
mit  einer  im  Pariser  Cabinet  des  médailles  befindlichen  Münze,  welche  Belley  in  der  Hist. 
de  l'Acad.  R.  des  Inscr.  XXV,  87,  vermuthlich  etwas  frei,  so  beschreibt:  Av.  Kopf  des 
Verus  und  die  Legende  A.  OYHPOC;  Rev.  Kopf  des  Abgarus  und  die  Legende  АВГА- 
РОС В.  Auf  meine  Anfrage  theilte  mir  Herr  E.  Babelon  gütigst  mit,  daß  das  Cabinet 
de  France  in  dei*  That  folgende  Münze  des  L.  Verus  mit  einem  Abgarus  besitzt,  freilich 
sehr  schlecht  erhalten  und  nur  in  Einem  Exemplar  : 

Av.  OYMPOC.  Unbedeckter  Kopf  des  L.  Verus,  nach  rechts. 
Rev.  АВГА[РОС].  Kopf  des  Abgarus  nach  rechts,  mit  der  Tiara. 

/Е. 

Herr  Babelon  neigt  mehr  dahin ,  hier  Verus  als  Severus  zu  erkennen,  und  schreibt 
mir:  «auf  alle  Fälle  sind  die  Buchstaben  CC  —  schlechterdings  nicht  zu  sehen,  die,  wenn 
sie  vorhanden  gewesen  sind ,  ihren  Platz  unter  dem  kaiserlichen  Brustbilde  gehabt  haben 
müßten».  Er  hatte  zugleich  die  Güte,  mir  einen  Siegellackabdruck  der  Münze  zu  über- 
senden ,  den  ich ,  da  ich  nicht  die  genügende  numismatische 
Erfahrung  besitze  und  es  mir  am  hiesigen  Orte  an  Hilfsmitteln  ш 
zur  Vergleichung  fehlt,  Herrn  A.  von  Sallet  in  Berlin  zur  ^ 
Prüfung  vorgelegt  habe.  Dieser  nun  spricht  sich  noch  entschie-  ^ 
dener  in  dem  gleichen  Sinne  aus.  Er  schreibt  mir:  «Die  Pariser  Münze  halte  ich  sicher 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  dos  sciences.  Vllme  Serie.  5 


34 


Alfeed  von  Gutschmid, 


für  Veras.  Ich  lese  -VHPOC  und  vielleicht  noch  С  (SsßacrTÖc;),  zum  Ce  ist  kaum  irgend 
ein  Platz.  Außerdem  ist  aber  der  Kopf  so  ausgesprochen  der  des  Verus,  nicht  des  Severus 
.  .  .  Charakteristisch  für  Verus  ist  der  runde  Kopf  mit  den  eng  anschließenden  Haar- 
löckchen,  die  spitze,  gebogene  Nase  und  die  oben  über  der  Stirn  liegenden,  etwas  vorragenden 
krausen  Haare.  Auch  die  Größe  der  Münze  (die  genau  mit  den  Stücken  des  Commodus 
stimmt)  spricht  für  Verus».  Der  Freundlichkeit  des  Herrn  von  Sali  et  verdanke  ich  noch 
folgenden  Nachweis  aus  dem  Bulletin  des  sehr  tüchtigen  Münzhändlers  Hoff  mann  (er- 
schienen in  den  sechziger  und  siebziger  Jahren  ohne  Datum  auf  dem  Titel  ,  später  in  er- 
neuertem Abdruck,  etwa  1877,  ebenfalls  ohne  Datum): 

«Nr.  1171.  OYHPOC  Tête  laurée  de  L.  Vérus  à  droite. 
В/.  АВГА  . . .  Tête  d'Abgare  à  droite. 

Ж. 

Médaille  indubitable,  quoique  Mionnet  ait  prétendu  qu'il  n'en  existait  point». 

Hiernach  kann  nicht  wohl  länger  bezweifelt  werden ,  daß  wirklich  ein  Abgar  unter 
L.  Verus  König  von  Edessa  gewesen  ist;  wegen  der  großen  Seltenheit  seiner  Münzen  kann 
er  es  aber  nur  kurze  Zeit  gewesen  sein ,  und  zwar ,  da  Ma'nu  bar  Ma'nu  zum  zweiten  Mal 
12  Jahre  regiert  hat,  vor  ihm  und  nach  Wa'il  bar  Sahru. 
Abgar  IX         Wir  hören  hierauf  von  den  Osroënern  zunächst  wieder  im  Jahre  194 ,  wo  sie  mit  den 

nach  den 

Historikorn;  Adiabenern  vereint  Mesopotamien  gegen  Pescennius  Niger  insurgierten ,  verschiedene  in 
Ziehungen  römischen  Händen  befindliche  Castelle  einnahmen,  die  Besatzungen  niedermachten  und 

un/uebeT-  ^^^i^^is  belagerten;  nach  Niger's  Tode  schickten  sie  an  Septimius  Severus  Gesandte  mit 
gang  zum  Geschenken  und  suchten  diese  Vorgänge  so  darzustellen ,  als  hätten  sie  nur  in  seinem  In- 

Christen-  ^  ' 

thum.  teresse  gehandelt ,  machten  aber  keine  Miene  die  eroberten  Castelle  zu  räumen  und  ver- 
langten sogar  die  Zurückziehung  der  noch  übrigen  römischen  Besatzungen  (Gass.  Dio,  exc. 
Ursin.  p.  413);  Severus  unternahm  hierauf  im  Jahre  195  einen  Feldzug  nach  Mesopotamien, 
währerid  dessen  er  sein  Hauptquartier  in  Nisibis  nahm  und  durch  seine  Feldherren  Late- 
ranus ,  Candidus  und  Laetus  die  Aufständischen  zur  Unterwerfung  brachte  (Gass.  Dio, 
LXXV,  2  nach  Xiphilinus).  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  daß  diese  im  Einverständniß  mit 
den  Parthern  und  von  ihnen  unterstützt  vorgegangen  waren  ^),  und  so  erklärt  sich  der 
Spartian.  Sever.  18  und  Victor  Caess.  20,  14  gemeinsame  Irrthum,  Severus  habe  Abgarus 
den  König  der  Perser  besiegt.  Als  in  der  Folge  die  Parther  während  des  Kriegs  zwischen 
Severus  und  Albinus  Mesopotamien  überschwemmten ,  blieben  die  Osroëner  den  Römern 
treu,  und  als  Severus  wegen  des  Partherkriegs  198  ein  zweites  Mal  in  Mesopotamien  er- 
schien, nahm  —  so  erzählt  wenigstens  Herodian.  III,  9^)  —  der  König  der  Osroëner  Au- 


1)  Vergl.  Spartian.  Sever.  9  und  die  Münzen  bei  1  2)  Bei  der  gewohnten  Leichtfertigkeit  dieses  Schrift- 
Eckhel,  D.  N.  V.  VII,  172.  |  stellers,  der  hier  die  Hauptereignisse  des  mesopotami- 


ÜNTEESUCHUNaEN  ÜBER  DIE  GESCHICHTE  DES  KÖNIGEEICHS  OsEOËNE.  35 

garos  zum  Kaiser  seine  Zuflucht,  lieferte  seine  Söhne  als  Geiseln  aus  und  stellte  zahlreiche 
Bogenschützen  zu  den  Auxilien.  In  der  That  finden  wir  Angehörige  der  edessenischen 
Königsfamilie  später  in  Rom  wohnend  und  das  osroënische  Contingent  im  Chattenkriege  214 
in  der  Begleitung  des  Antoninus  (Gass,  Dio  LXXVII,  14).  Abgar  gewann  die  Gunst  des 
Severus  in  hohem  Grade  und  ward,  als  er  nach  Rom  kam ,  mit  einem  Pomp  dahin  geleitet, 
der  an  die  Romreise  des  Tiridates  unter  Nero  erinnerte  (Gass.  Dio  LXXIX,  16).  Es  kann 
dies  nicht  ѵюг  dem  Jahre  202  geschehen  sein,  vielleicht  gerade  in  diesem,  in  w^elchem  die 
Decennalien  des  Kaisers  und  die  Vermählung  seines  Sohnes  Antoninus  (Garacalla)  mit  der 
Plautilla  mit  besonderer  Pracht  gefeiert  wurden.  Das  Glironicon  Edessenum  gibt  n*'  8  bei 
Assem.  I,  390  ff.  den  urkundlichen  Bericht  über  eine  im  Jahre  513  unter  der  Regierung 
des  Severus  und  der  Regierung  Königs  Abgar ,  Sohns  des  Königs  Ma'nu ,  im  Monate 
Tishrin  II.  (November  201)  erfolgte  verheerende  Ueberschwemmung  in  Edessa  und  die  von 
dem  Könige  zum  Schutze  der  Einwohner  gegen  künftige  ähnliche  Unglücksfälle  erlassenen 
Verfügungen  aus  dem  edessenischen  Archive;  ungleich  farbloser  ist  die  Beschreibung 
derselben  Wassersnoth  bei  Dionysios.  Da  bei  dieser  Gelegenheit  der  (später  zum  Unter- 
schied der  größere  genannte)  königliche  Palast  verwüstet  worden  war,  unternahm  Abgar 
den  Bau  eines  Winterpalastes  in  dem  Stadttheile  Tèbarâ;  das  Ghronicon  Edessenum  (n"  9 
bei  Assem.  I,  393)  verzeichnet  die  Vollendung  dieses  Baues  unter  dem  Jahre  517  Gr. 
(206  n.  G.),  Als  zerstört  wird  auch  die  Kirche  der  Christen  erwähnt;  die  Fassung  der 
Urkunde  schließt  jedoch  die  Annahme  aus ,  daß  das  Ghristenthum  in  Edessa  damals  schon 
Staatsreligion  gewesen  ist^).  Es  bestätigt  sich  dadurch  (ier  aus  der  früher  mitgetheilten 
Erzählung  des  Procopius  über  Abgar  Ukamâ  zu  ziehende  Schluß ,  daß  die  Bekehrung 
dieses  späteren  Abgar  zum  Christenthum  erst  nach  seinem  Besuche  in  Rom  erfolgt  ist. 
Mit  Beziehung  auf  diese  Bekehrung  nennt  Africanus  (bei  Sync.  p.  676,  13.  Euseb.  Chron. 
2235  Ahr.)  den  Augaros,  «einen  Namensvetter  des  alten  Augaros»,  einen  ehrwürdigen 
Mann  (tepov  avopa).  Africanus  hielt  sich  zu  den  Zeiten  König  Abgar's  am  edessenischen 
Hofe  auf  und  war  mehrfach  Zeuge  einer  von  des  Königs  Sohne  Mannos  gemachten  Schieß- 
probe, welche  die  theoretische  Möglichkeit  beweisen  sollte,  daß  ein  Pfeil  in  24  Stunden 
20000  Stadien  weit  fliegen  könnte,  zu  der  es  besonders  geübter  Bogenschützen  bedurfte. 
Als  einen  solchen  schildert  er  diesen  Mannos  und  erzählt,  wie  derselbe  einst  einem  Bären, 
der  auf  die  Jagdgesellschaft  losgieng,  mit  zwei  Pfeilschüssen  beide  Augen  ausschoß;  er 
habe  dies,  fügt  Africanus  hinzu,  selbst  mit  erlebt,  nicht  an  der  Jagd  theilnehmend,  sondern 


sehen  Feldzugs  der  Jahre  195 — 196  in  den  zweiten  gegen 
die  Parther  seihst  198—201  geführten  Krieg  einge- 
schachtelt hat,  ist  freilich  die  Möglichkeit  nicht  ausge- 
schlossen, daß  mit  dem  ganzen  Abschnitte  von  тгроітгфиуе 
BÈ  aùxÇ  an  bis  ttqv  te  x<^pav  Хе-/]Хатѵі(та<;  auch  diese 
Episode  in  den  ersten  Feldzug  gehört. 


1)  Die  erste  Kunde  von  dem  Bestehen  christlicher 
Gemeinden  in  Osroëne  und  den  dortigen  Städten  knüpft 
sich  an  ihre  Betheiligung  an  dem  um  192  durch  den 
römischen  Bischof  Victor  hervorgerufeneu  Paschastreit 
(Euseb.  H.  E.  V,  23,  4). 

5* 


36 


Alfeed  von  Gutschmid, 


als  Zuschauer  nebenherreiteud  (Gest.  29,  p.  300,  ed.  Thevenot).  Der  ganze  Zusammen- 
hang der  Stelle  läßt  die  Worte  des  Africanus,  er  habe  den  Mannos  jene  Schußprobe 
gelehrt,  als  äußerst  befremdlich  erscheinen;  wahrscheinlich  sind  sie  entstellt  und  für 
itoXkoLxic,  Tietpao-avToc;  èfxoQ  и(рѵіуу)(та[л.£ѵои  ist  tu.  tt.  S6p[ji.ou  Ofp.  zu  schreiben:  Syrmos  der 
Skythe  war  vorher  unter  denen  genannt,  die  die  Sache  versucht  hätten,  Africanus  selbst 
sah  diesen  Syrmos  eine  Probe  erstaunlicher  Fertigkeit  im  Treffen  auf  ihn  abgeschossener 
Pfeile  ablegen  ^).  Auch  ein  anderer  christlicher  Gelehrter,  der  aus  Edessa  selbst  gebürtige 
Bardesanes  (Bardaiçân),  war  in  seiner  früheren  Zeit  mit  Augaros,  dem  Dynasten  der 
Edessener ,  einem  sehr  gottesfürchtigen  und  wissenschaftlich  gebildeten  Manne  (àvSpt  ôatw- 
татсо  xat  Аоу^сотатсо) ,  befreundet ,  unterstützte  ihn  in  seinen  Bestrebungen  und  nahm  An- 
theil  an  seinen  Studien  (Epiphan.  adv.  haereses  LVI,  1,  ed.  Dindorf.  II,  p.  528).  Das  aus 
der  Schule  des  Bardesanes  hervorgegangene  «Buch  von  den  Gesetzen  der  Länder»  in  Cure- 
ton's  Spicilegium  Syriacum,  p.  20  (31)  theilt  uns  mit,  daß  Abgar,  nachdem  er  Christ  ge- 
worden war ,  denen ,  die  sich  der  ïhar'athâ  zu  Ehren  entmannten ,  auch  die  Hände  abzu- 
hauen befahl  und  so  das  Aufhören  des  Unfugs  im  Gebiete  von  ürhai  durchsetzte. 
Der  letzte  Dieses  etwas  summarische  Verfahren  würde  an  sich  ganz  gut  zu  dem  Bilde  stimmen, 
^аГЕшк*^  welches  Cassius  Dio  (Exc.  Vales.,  p,  746)  von  dem  letzten  Abgar  entwirft:  sobald  —  heißt 
"nach  deu^  es  bei  diesem  —  Abgaros ,  der  König  der  Osroëner ,  einmal  über  seine  Landsleute  Herr 
Historikern,  geworden  war ,  gab  es  keine  noch  so  arge  Grausamkeit ,  die  er  nicht  an  den  Angesehensten 
unter  ihnen  verübte  ;  unter  dem  Vorwande ,  er  wollte  sie  zwingen ,  die  Sitten  der  Römer 
anzunehmen ,  mißbrauchte  er  thatsächlich  seine  Gewalt  über  sie  in  maßloser  Weise.  An- 
scheinend gab  die  Unzufriedenheit  über  die  Tyrannei  dieses  Abgar  den  Anlaß  zu  seinem 
Sturze.  Antoninus  hatte  dem  Augaros  trüglich  die  Meinung  beigebracht ,  er  käme  zu  ihm 
wie  zu  einem  Freunde  ^),  bemächtigte  sich  unversehens  seiner  Person  und  warf  ihn  in 
Ketten,  worauf  er  das  nunmehr  königslose  Osroëne  in  seine  Gewalt  brachte  (Gass.  Dio 
LXXVII,  12  nach  Xiphilinus).  Die  Erzählung  des  Jo.  Zonaras  XII,  12  (II,  p.  561,  ed. 
Pin  der.),  er  habe  den  Augaros  zu  sich  gelockt  und  nach  seiner  Ankunft  gefesselt,  ließe 
sich  an  sich  damit  vereinigen ,  wahrscheinlich  aber  hat  Xiphilinus  hier  den  ursprünglichen 
Wortlaut  des  Dio  bewahrt  und  Zonaras  diesen  einfach  mißverstanden,  Antoninus  kam  215 
nach  Syrien  und  Aegypten ,  in  Mesopotamien  erschien  er  erst  216  wegen  des  Parther- 
kriegs und  brachte  den  Winter  216|217  in  dem  bereits  römischen  und  zu  einer  Kolonie 
erhobenen^)  Edessa  zu;  halten  wir  uns  also  an  die  Worte  des  Xiphilinus,  so  muß  der 


1)  Die  Stelle- ist  auch  sonst  mehrfach  verdorben:  für 
evayxapou  той  fiaatXéojç  schreibe  еті'  'AtPipou  т.  ß.;  nach 
ejjiou  (Supjjwu)  ъфѵ]^-'](іа!і.£ѵои  ist  ein  Punkt  zu  setzen 
und  für  To^oT-<];  oüxw  Ssivoç  y)v  zu  verbessern  т.  oùroç 
oû'xci)  S.  у)ѵ;  dann  £7rtOY)[j.£vü)v  Sè  тсаѵтсоѵ  en;  фиуо?  xàç 
ôSou;  für  7:xoï)|j.£vcûv  Sè  тгаѵхшѵ  х^;  ср.  x.  ô.,  endlich 
ßXsTrouffav  für  ßXeirouua. 


2)  'Н7га.х-/))сш;  y^P  •  .  •  Аиуароѵ  ш;  Sv)  irapà  фіХоѵ  aù- 
хоѵ  rjjcsiv. 

3)  Der  Kolonialmünzen  von  Edessa  mit  Bild  und 
Namen  des  Antoninus  Caracalla  sind  nicht  ganz  wenige; 
vergl.  Mionnet  V,  601  ff.,  Suppl.  VIII,  399  ff.  Vor  der 
Münze  beiSestini,  Descriptio  numorum  veterump.  550, 
die  angeblich  den  Titel  КОЛ  .  M  .  еДбССА  mit 


Untersuchungen  über  die  GEScmcHTE  des  Königreichs  Osroëne. 


37 


Sturz  des  Abgar  im  Jahre  216  erfolgt  sein,  und  zwar  nach  dem  Aufbruch  aus  den  Winter- 
quartieren, aber  vor  dem  Monat  Mai,  da  die  Sache  vor  der  Gefangennahme  der  armenischen 
Königsfamilie  erzählt  wird;  aus  Gass.  Dio  LXXVIII ,  27  aber  wissen  wir,  daß  die  Frau 
des  armenischen  Königs  von  Antoninus  (f  8.  April  217)  11  Monate  lang  gefangen  gehalten 
wurde.  Eine  Bestätigung  gewährt  Eusebius ,  der  aus  Africanus  die  Regierung  des  Abgar 
in  Edessa  unter  n"  2235  im  armenischen,  2234  im  lateinischen  Texte  verzeichnet;  denn  da 
diese  Jahre  nach  der  von  193  n.  C.  an  für  die  Aera  Abraham's  geltenden  Gleichung  den 
Jahren  217  und  216  n.  C.  entsprechen,  so  kann  damit  nur  die  Epoche  von  Abgar's  Re- 
gierungsschluß gemeint  sein.  Das  Richtige  hat  hier  der  Text  des  Hieronymus  bewahrt. 
Aus  den  Worten  des  Epiphanius  folgt,  daß  der  Tod  dieses  Abgar  vor  den  Zeiten  des 
Antoninus  Elagabalus,  der  218  Kaiser  wurde,  erfolgt  ist').  An  beiden  Stellen  ist  der  Christ 
gewordene  Abgar  gemeint ,  von  dem  so  viel  feststeht ,  daß  er  einen  Sohn  Namens  Mannos 
hatte;  urkundlich  ist  gesichert,  daß  der  201  regierende  König  Abgar  Sohn  eines  Königs 
Ma'nu  gewesen  ist ,  und  den  christlichen  Abgar  von  dem  Zeitgenossen  und  Günstlinge  des 
Severus  zu  trennen  liegt  nicht  der  geringste  Grund  vor.  Anders  steht  die  Sache  in  Bezug 
auf  den  Abgar ,  dessen  Tyrannei  und  Sturz  durch  Antoninus  uns  Dio  erzählt.  Worte  wie 
die  von  diesem  gebrauchten  [гиибу]  атга^  £ухрату]с  тйѵ  білофбХсоѵ  èyâvsTo)  passen  sehr  schlecht 
auf  einen  König,  dessen  Regierung  schon  mehrere  Decennien  gewährt  hatte.  Hier  liegt 
eine  Schwierigkeit  vor,  zu  deren  Hebung  es  außer  den  schriftlichen  noch  weiterer  Hilfs- 
mittel bedarf. 

Zum  Glück  sind  die  numismatischen  Denkmäler  aus  dieser  Zeit  sehr  reichlich.  Ein  Abgar  ix 

auf  den 

'Apyapoc;  раотХгис;  erscheint  auf  Kupfermünzen  neben  dem  Kaiser  Commodus  :  auf  diesen  Münzen, 
wird  er  meistens  Commodus  schlechthin  genannt,  und  zwar  lassen  sich  auf  denselben  nicht 
weniger  als  vier  verschiedene  Gepräge  des  Kopfes  des  Kaisers  unterscheiden  (Mionnet  V, 
616  f.);  auf  Einer  Münze,  bei  der  ausdrücklich  bemerkt  wird,  der  Kaiser  erscheine  auf  ihr 
leicht  bärtig ,  Abgar  unbärtig ,  heißt  er  Commodus  Antoninus ,  wie  er  sich  in  den  Jahren 
180 — 191  nannte  (Mionnet,  Suppl.  ѴПІ,  410,  n''  59),  auf  einer  andern  mit  seinem  früheren 
Vornamen  L,  Commodus,  den  er  191  wieder  annahm  und  bis  an  seinen  Tod  192  beibehielt 
(Eckhel,  D.  N.  V.  HI,  514).  In  der  aus  der  Knobelsdorff'schen  Sammlung  in  das  Ber- 
liner Münzcabinet  gekommenen  Kupfermünze ,  welche  die  Köpfe  des  Pescennins  Niger  und 
des  Abgar  mit  der  Legende  П.  АВГАРОС  .  .  .  zeigen  soll  (Sestini,  Lottere  VI,  p.  83  f., 
T.II,  1)^',  ist  trotz  der  Beistimmung  von  Pinder  (Die  antiken  Münzen,  S.  282)  mit  W.  Scott 


Bild  und  Namen  des  Commodus  verbinden  soll,  hat 
schon  Visconti,  Iconogr.  Gr.  III,  57  gewarnt. 

1)  Epiphanius  sagt  nach  Erwähnung  des  Verkehrs 
des  Bardesanes  mit  Abgar  :  8f/ipxe(i£  p.£v  |j.STa  тг)ѵ  èxe'tvou 
T£XeuTï]v  à'xp!  тшѵ  хро'^'^^  'Avtojv'ivou  Ka'idapoç,  où  xoö 
Eù(j£[ioQi;  хаХои[Л£ѵои,  aX\^  xoû  Où-i^pou.  Daß  mit  dieser 
verkehrten  Bezeichnung  nicht  Caracalla,  sondern  Ela- 


gabalus gemeint  ist,  ergibt  sich  aus  Porphyrios  тері 
Ztuyo;  bei  Stob.,  ecl.  phys.  I,  3,  56  (I  p.  37  ed.  Meiueke). 
Die  Verwirrung  mag  daraus  entstanden  sein,  daß  auch 
Caracalla  die  Namen  Antoninus  Pius  führte,  Elagabalus 
aber  eigentlich  Varius  hieß. 

2)  Seltsamer  Weise  hat  eine  bloße  Zerstreutheit 
Sestini's  den  ersten  Anstoß  dazu  gegeben,  die  Münze 


38 


Alpeed  von  Gutschmid, 


imNumismatic  Chronicle  XVIII  (1856),  p.  22  f.  vielmehr  eine  Münze  des  Severus  und  Abgar 
zu  erkennen ,  und  der  Zuname  des  letzteren  als  Rest  von  [CG]  П.,  d.  i.  SsuTifAtoc,  aufzu- 
fassen. Zahlreich  sind  die  Kupfermünzen  eines  Abgar  aus  der  Zeit  des  Septimius  Severus, 
die,  soweit  sie  abgebildet  oder  genauer  beschrieben  sind,  sämmtlich  das  Brustbild  des  Königs 
bärtig  zeigen.  Auf  der  großen  Mehrzahl  derselben  nennt  sich  der  König  einfach  АВГА- 
POC  ВАСІЛеѴС.  Auf  einer,  die  Eckhel,  D.  N.  V.  III,  514  nach  Wise  beschreibt,  heißt' 
er  Л.  АІЛ  (loç)  Cen  (TtpitoO  АВГАРОС,  auf  einer  bei  Mionnet  V,  620,  n"  147  ВАС.  Д. 
АІЛ.  СеП.  АВГАРО.,  und  auch  zwei  von  Leake,  p.  40  aufgeführte  scheinen  zu  ВАС 
(il.  Ht)  П.  АВГАРОС  und  (ACki)  О.  ССП.  АВГАРО.  ВА.  ergänzt  werden  zu  müssen; 
eine  andre  bei  Mionnet  V,  620,  n°  146  nennt  ihn  ВАС  (fleuç)  Л.  АІЛІОС.  АВГАРОС 

С  {fKiiixioq) ,  in  welchem  Sinne  wohl  auch  die  Legende  von  n*^  142  (  АВГАРОС.  С.) 

zu  ergänzen  ist^).  Auf  einer  bei  Mionnet  V,  620,  n°  148  betitelt  er  sich  BACIA.  МЕГ. 
АВГАРОС,  auf  einer  anderen  ebendas.,  n^*  145  BACIACVC.  AIA  (toç)  С  {tmiiiioç).  МС- 
ГАЛОС  (sic).  АВГАРОС.  Alle  diese  Münzen  haben  auf  der  Averse  den  lorbeerbekränzten 
Kopf  des  Severus,  nur  auf  drei  bei  Mionnet  V,  621,  n°  149 — 151  ist  Severus  barhaupt 
dargestellt,  woraus  Mionnet  den  wenn  auch  nicht  zwingenden^),  doch  wahrscheinlichen 
Schluß  zieht,  daß  es  Consecrationsmünzen  sind,  also  nach  Severus'  Tode  (4.  Febr.  211) 
geprägt;  die  Legende  der  Reverse  ist  stets  fehlerhaft,  und  zwar,  wenn  wir  die  verschiedenen 
Exemplare  gegenseitig  ergänzen:  ЛвсЛРОС.  ЛОО*),  wie  die  Abbildungen  der  Münze 
n"  149  bei  Visconti,  Iconogr.  Gr.,  Tab.  II,  6  und  Lenormant,  Numismatique  des  rois 
Grecs,  Pl.  LXIII,  2,  oder  ЛСІО,  wie  die  bei  Langlois,  Numismatique  de  l'Arménie, 
Pl.  V,  9  hat;  der  Letztere  will  darin  p.  76  verstümmeltes  АВГАРОС  (ß)  ACI  (kiu)  С  er- 
kennen ,  vielleicht  bedeuten  aber  die  räthselhaften  Buchstaben  ф)  ACI  (kiuç)  О  (pp  y]vcüv). 
Visconti ^')  und  Lenormant'')  haben  nach  dem  Vorgange  vonEckheF)  denAbgaros  unter 
Commodus  und  den  Zeitgenossen  des  Severus  wegen  der  Gleichheit  der  Gesichtszüge  iden- 
tificiert  ;  einen  noch  schlagenderen  Beweis  dafür  liefern  die  Namen  des  Letzteren,  von  denen 
L.  Aelius  zu  Ehren  des  Commodus,  der  sich  in  den  Jahren  191 — 192.  und  nur  in  diesen. 


auf  Pescennius  zu  beziehen:  er  glaubte  nämlich  in  der 
abgeriebenen  Umschrift  der  Averse  ЕЛВІОС  zu  er- 
kennen (die  Tafel  weist  keine  Spur  davon  auf)  und  sah 
darin  einen  der  Namen  des  Pescennius,  während  es  viel- 
mehr das  Gentile  des  Pertinax  ist. 

1)  Eckhel,  D.  N.  V.  III,  514.  Visconti,  Iconogr. 
Gr.  III,  p.  51.,  Tab.  II,  8.  Mionnet  V,  617  ff.,  Suppl.  VIII, 
411  f.  Lenormant,  Numismatique  des  rois  Grecs,  p.  131 
f.,  Pl.  LXII,  13—17.  LXIII,  1.  Leake,  Numismata  Hel- 
lenica,  p.  39  f.  Langlois,  Numismatique  de  l'Arménie, 
p.  71.  72  ff.,  Pl.  IV,  5.  6.  9—14.  V,  1—8. 

2)  Nach  einer  Andeutung  bei  Lenormant,  Numis- 
matique des  rois  Grecs,  p.  133  sind  die  betreffenden 
Münzen  des  Cabinet  de  France  schlecht  erhalten 


3)  Vergl.  Eckhel,  D.  N.  V.  VIII,  361.  363.  467. 

4)  Nicht  OOY,  wie  Visconti,  Mionnet  und 
Lenormant  lesen,  indem  sie  die  Buchstaben  links  als 
nach  Innen  gekehrt  auffassen;  es  verstößt  dies  gegen  die 
auf  allen  edessenischen  Münzen  eingehaltene  Kegel,  daß 
die  Legenden  rechts  oben  oder  links  unten  beginnen, 
auf  Averse  und  Reverse  an  der  gleichen  Stelle,  daß  die 
Schrift  nach  Außen  gekehrt  ist  und  daß  rings  herum 
gelesen  wird. 

5)  Iconogr.  Gr.  III,  50. 

6)  Numismatique  des  rois  Grecs,  p.  133. 

7)  D.  N.  V.  III,  514. 


Unteesuchungen  über  die  Geschichte  des  КошавЕіснв  Osroëne. 


39 


so  nannte,  Septimius  zu  Ehren  des  Severus  (also  zwischen  194 — 211)  angenommen  ist.  Alle 
numismatischen  Autoritäten  sind  ferner  darin  einig,  bloß  Einen  Abgaros  unter  Severus  an- 
zunehmen, nur  Langlois  (Numismatique  de  l'Arménie,  p.  73)  behauptet  mit  großer  Zuver- 
sicht, die  Münzen  PI.  V,  3 — 9  rührten  von  einem  anderen  Abgaros  her,  als  dem,  welchem 
die  PI.  IV,  5  —14.  V,  1.  2  abgebildeten  gehören  :  dieser  sei  ein  Greis  mit  einer  fast  geraden 
Nase ,  jener  habe  viel  jüngere  Züge ,  seine  Nase  sei  stark  gekrümmt  und  das  Auge  mehr 
offen.  Auch  Lenormant  (Numismatique  des  rois  Grecs,  p.  133)  hatte  mit  Bezug  auf  die 
von  ihm  PI.  LXIII ,  1  veröffentlichte  Münze  ähnliche  Differenzen  gegenüber  den  sonstigen 
Abgarbildern  constatiert,  sich  aber  schließlich  dahin  entschieden,  daß  es  sich  hier  nur  um  eine 
Eigenthümlichkeit  des  Gepräges  handle.  Schon  der  Umstand  sollte  stutzig  machen,  daß  auf 
den  Münzen  der  von  Langlois  einem  jüngeren  Abgaros  gegebenen  Kategorie  auch  der 
Kopf  des  Kaisers  Severus  einen  von  dem  sonstigen  verschiedenen  Charakter  trägt ,  was 
schon  Mionnet  im  Hinblick  auf  die  Münze  V,  620,  n''  144  (=  Langlois  PI.  V,  3)  aus- 
drücklich bemerkt  hat.  Definitiv  entscheidet  gegen  Langlois  die  von  Imhoof-Blumer, 
Porträtköpfe  auf  antiken  Münzen,  S.  82.,  Taf.  VI,  15  aus  seiner  Sammlung  abgebildete 
Münze,  die  nur  ein  besser  erhaltenes  Exemplar  der  eben  genannten  ist  :  neben  dem  Namen 
des  Kaisers  ЛОѴК.  CG  (ouripoç)  hat  sie  den  vollen  des  Königs,  ВАС.  Л.  АІЛ.  ССП.  АВ- 
ГАРОС,  beweist  also,  daß  dieser  angebliche  jüngere  Abgaros  nicht  verschieden  ist  von  dem, 
der  schon  unter  Commodus  regierte.  Den  prunkhaften  Titel  «großer  König»  (in  welchem 
das  Mtyakôç  völlig  wie  ein  Eigenname  behandelt  ist)  kann  Abgar  nur  der  Gunst  des  Severus 
verdankt  haben;  nach  sonstigen  Analogien  aus  der  Kaiserzeit ^)  ist  anzunehmen,  daß  er  ihn 
in  Folge  der  Einverleibung  irgend  eines  Nachbarreiches  in  das  seinige  angenommen  hat.  Da 
die  Legende  Severos,  den  Sohn  des  Abgar,  zu  Agel  in  Sophene  walten  läßt,  so  darf  man  in 
diesem  Nachbarreiche  vielleicht  Sophene  erkennen.  Daraus,  daß  die  Urkunde  über  die 
Ueberschwemmung  vom  November  201  sich  sowohl  ira  Präscript,  wie  im  Text  nur  des  ein- 
fachen Titels  König  Abgar  bedient,  ist  zu  folgern,  daß  die  Rangerhöhung  später  fällt  ;  daß 
der  darin  erwähnte  «größere  Palast  Abgar 's  des  Großen»  nicht  von  dem  damaligen  Besitzer, 
sondern  nur  von  einem  älteren  Gründer  den  Namen  haben  kann,  ist  bereits  früher  bemerkt 
worden. 

Von  dem  gleichen  Gepräge  wie  die  Münzen  des  Abgar ,  Zeitgenossen  des  Commodus  Abgar  ix 
und  Severus,  sind  zwei  Kupfermünzen  bei  Eckhel,  D.  N.  V.  III,  511.  Die  eine  hat  auf  der  "''aul deï ^ 
Averse  den  bärtigen ,  mit  kegelförmiger  Tiara  bedeckten  Kopf  des  Königs  nebst  der  Um- 
Schrift  АВГАРОС.  ВАСІЛеѴС,  auf  der  Reverse  einen  anderen  Kopf  mit  schwachem 
Barte,  mit  einer  ähnlichen  Tiara  bedeckt,  nebst  der  Umschrift  MANNOC.  ПА1С.  Die 
andre  hat  dieselben  Köpfe ,  nur  ist  der  des  Mannos  unbärtig  ;  die  Legenden  lauten  BA  .  .  . 
АВГАРО  .  und  AAANNOC.  Die  Abbildung  der  ersten  Münze  beiLanglois,  Numismatique 


1)  Agrippa  I  von  Judäa,  Antiochos  IV  von  Kommagene. 


40 


Alfeed  von  Gutschmid, 


de  l'Arménie,  p.  77.,  Pl.  V,  12  zeigt  die  Tiara  des  Königs  mit  Stern  und  Halbmond 
geschmückt,  die  des  Sohnes  ohne  diese  Zierrath,  und  auf  keiner  von  beiden  führt  letzterer 
den  Königstitel.  Da  Stil  und  Fabrik  diese  Münzen  in  die  Zeit  des  Abgar ,  welcher  Christ 
wurde,  verweisen,  so  erläutern  sie  und  das  Zeugniß  des  Africanus  sich  wechselseitig. 
Abgar  X  auf  Eine  selbständige  Prägung  des  Mannos  existiert  nicht,  und  es  ist  die. reinste  Willkür, 
den  Münzen.  Mionnet  V,  622  f.,  n«  153  -155.,  Suppl.VIII,  412  f.,  n«  67—68  ihm  alle  edesseni- 
schen  Königsmünzen  aus  der  Zeit  des  Antoninus  Caracalla  (die ,  wie  immer,  Kupfermünzen 
sind)  zugetheilt  hat.  «Das  Cabinet  de  France»  —  schreibt  mir  Herr  E.  Babelon,  der  mir 
auch  hier  wieder  seinen  werthvollen  Beistand  lieh  —  «besitzt  an  Münzen,  die  Caracalla  und 
_  einen  König  von  Edessa  zeigen ,  vier  Stück.  Auf  allen  vier  befindet  sich  die  unzweifelhafte 
Aufschrift  АВГАРОС.  Auf  drei  dieser  Münzen  ist  der  Kopf  des  Abgarus  unbärtig,  auf  der 
vierten  ist  er  bärtig».  Die  letztere  (n''  67),  abgebildet  bei  Lenormant,  Numismatique  des 
rois  Grecs,  p.  131.,  Pl.  LXH,  18  und  Langlois,  Numismatique  de  l'Arménie,  p.  78.,  Pl. 
V,  11 ,  hat  die  Umschrift  АВГАРОС.  ВАСІЛб.  Von  den  anderen  hat  n«  68  die  Legende 
 АВГАРОС  in  entstellten  Buchstaben,  nM53  АВГАРОС  in  rück- 
läufiger Schrift.  Dieselbe  Erscheinung  kehrt  wieder  auf  einer  Münze  bei  Laake,  Numis- 
mata  Hellenica,  p.  40,  die  noch  rückläufiges  .  COYH  .  АВГАРО  ....  erkennen  läßt;  sie 
ist,  obgleich  der  Herrscher  auf  ihr  vielleicht  einen  schwachen  Bart  hat,  nur  als  ein  besser 
erhaltenes  Exemplar  der  gleichen  Münze  anzusehen.  Die  Aufschrift  von  n''  154  lautet  nach 
Visconti,  der  sie  zuerst  veröffentlichte  (Iconogr.  Gr.  Ш,  p.  47.,  PI.  П,  4),  .  POYMASA  , 
was  er  sehr  unglücklich  als  'А[Зуарои  Màvvou  ^ocmXi(àç  deutete,  .  .  OYMA9A  nach  Le- 
normant, Numismatique  des  rois  Grecs,  p.  132.,  Pl.  LXIH,  3  (ebenso  Mionnet);  die  Ab- 
bildung bei  Langlois,  Numismatique  de  l'Arménie,  p.  78.,  Pl.  V,  10  zeigt  aber  statt  des 
P  nur  den  unteren  Theil  einer  Rundung ,  von  dem  angeblichen  M  nur  die  beiden  Seiten- 
striche ,  von  dem  vermeintlichen  A  nur  den  ersten  Längenstrich ,  so  daß  das  Ganze  wohl 
.  eOYHABr  ....  zu  lesen  ist.  Die  andre  Münze  bei  Leake,  Numismata  Hellenica,  p. 
39  f.  hat  die  Legende  CCOY  ....  РОС;  auf  ihr  ist  der  Herrscher  bartlos.  Das  genauere 
Wissen  über  beide  jetzt  im  Fitzwilliam-Museum  in  Cambridge  befindliche  Münzen  verdanke 
ich  den  Gypsabdrücken ,  die  mir  die  Gefälligkeit  des  Director's,  Herrn  Ch.  Waldstein, 
verschafft  hat,  und  einem  Gutachten  Herrn  Percy  Gardner 's,  dem  dieselben  vorgelegen 
haben.  Mit  Hilfe  der  Münzen  des  Fitzwilliam-Museum  hat  der 
letztere  eine  bisher  unsichere  Münze  des  British  Museum ,  von 
welcher  durch  seine  Güte  ein  Siegellackabdruck  in  meinen  Händen 
ist,  als  eine  Abgarus  und  Caracalla  gehörende  festgestellt  : 

Av.  АИТШІІ  Kopf  des  Caracalla,  nach  rechts. 

Rev.  CeOYH  Bartloser  Kopf  des  Abgarus  nach  rechts,  unter  einer  Tiara. 

Der  edessenische  König  ist  hier,  wie  Herr  Gardner  betont,  noch  deutlicher  ohne  Bart, 
augenscheinlich  durchaus  ein  Knabe.  Endlich  gehört  hierher  eine  von  Sestini,  Descriptio 


Untersuchungen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne. 


41 


numorum  vetemm  p.  553  beschriebene  Münze  (=  Mionnet,  n'^  155),  welche  .  

СеОЛЬОС   hat;  da  das  Ainslie-Musenm,  in  welchem  sie  sich  befand,  zerstreut 

worden  ist,  so  läßt  sich  nicht  sagen,  ob  das  Bild  des  Herrschers  bärtig  oder  unbärtig  war, 
was  Sestini  leider  anzugeben  unterlassen  hat.  Es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  daß 
der  volle  Name  des  Fürsten  C60YHP0C  АВГАРОС  gelautet  hat.  Die  meisten  Numisma- 
tiker geben  diese  Münzen  ohne  Unterschied  einem  einzigen,  von  dem  unter  Severus  ver- 
schiedenen Abgar;  Lenormant  (Numismatique  des  rois  Grecs,  p.  133)  bemerkt  jedoch, 
daß  die  Züge  des  bärtigen  Abgar  unter  Antoninus  auf  der  Münze  des  Cabinet  de  France, 
wenngleich  sie  weniger  scharf  schienen  als  die  des  Abgar  unter  Severus,  doch  ganz  ver- 
schieden seien  von  denen  des  unbärtigen  Abgar  unter  Antoninus,  hält  also  den  ersteren  für 
Eine  Person  mit  dem  Abgar  unter  Severus,  und  macht  dafür  auch  den  sehr  jugendlichen 
Kopf  des  Antoninus  auf  seiner  Münze  geltend.  Mitregent  des  Vaters  kann  er  freilich  nicht 
mehr  gewesen  sein,  da  die  Nennung  eines  Mitglieds  der  kaiserlichen  Familie  außer  dem  re- 
gierenden Kaiser  auf  den  Kupfermünzen  der  osroënischen  Könige  ohne  Beispiel  ist.  Dagegen 
kann  man  Lenormant  (p.  134)  nur  beipflichten,  daß  die  Gesichtszüge  des  anderen  Abgar 
unter  Antoninus  die  eines  sehr  jungen  Mannes  sind.  Zurückhaltender,  im  Wesentlichen  jedoch 
auf  dasselbe  hinauslaufend,  lautet  die  mir  von  Herrn  Babelon  ertheilte  Auskunft:  «Auf 
beiden  Exemplaren  (der  Münze  des  Cabinet  de  France,  welche  АВГАРОС  BA...  und 

MANNOC  ПАІС  verbindet)  sind  der  Vater  und  der  Sohn  bärtig  und  gleichen  sich  sehr  

Der  bärtige  Kopf  der  Abgaros-Münze  n°  67  ist  dem  des  Mannos  ziemlich  ähnlich,  ich  finde 
aber,  daß  er  ebenso  sehr  dem  Kopfe  des  Abgaros,  Vaters  des  Mannos,  gleicht.  Ueber  die 
drei  Münzen,  wo  der  Kopf  des  Königs  unbärtig  ist,  bekenne  ich  nichts  entscheiden  zu  kön- 
nen; denn  auf  barbarischen  und  schlecht  erhaltenen  Münzen,  wie  die  sind,  um  die  es  sich 
handelt,  ist  es  sehr  schwierig,  einen  unbärtigen  Kopf  mit  einem  bärtigen  zu  vergleichen: 
ich  finde  an  diesem  unbärtigen  Bilde  keine  Aehnlichkeit  weder  mit  einem  Abgaros  noch 
mit  dem  bärtigen  Bilde  des  Mannos.»  Hier  führen  uns  die  besser  erhaltenen  englischen 
Münzen  weiter.  Herr  Percy  Gardner,  dessen  sachverständigen  Rathes  ich  mich  hierbei 
wieder  zu  erfreuen  hatte,  schreibt  mir:  «Leake  scheint  mir  die  Münzen  richtig  gele- 
sen zu  haben;  und  es  ist  ganz  klar,  daß  der  Kopf  des  Abgarus  auf  diesen  Münzen  ju- 
gendlich ist.  Der  Kopf  auf  den  Münzen  des  Severus,  deren  das  British  Museum  viele 
hat,  ist  von  einem  durchaus  anderen  Charakter  und  trägt  einen  vollen,  buschigen  Bart;» 
indem  er  sodann  darauf  hinweist,  daß,  während  der  Abgarus  der  Münzen  des  Severus  und 
Commodus  '^amkzùç  heißt,  der  Abgarus  auf  Caracalla's  Münzen  den  Namen  Severus  führt, 
kommt  er  zu  dem  Schlüsse:  «Als  Niimismatiker  würde  ich  niclit  anstehen  anzunehmen, 
daß  der  Abgarus  des  Caracalla  ein  jugendlicher  Nachfolger  des  Abgarus  des  Severus  ist.» 
An  die  Beobachtung,  daß  der  junge  König  auf  der  einen  Leake'schen  Münze  vielleicht 
einen  schwachen  Bart  hat,  auf  den  anderen  zwei  englischen  Münzen  sicher  bartlos  ist,  fügt 
er  die  Worte:  «Indessen  scheint  mir  kein  genügender  Grund  für  die  Annahme  da  zu  sein, 
daß  verschiedene  Personen  dargestellt  sind.  » 

,  Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences.  Vllme  Serie.  6 


42 


Alfeed  von  Gutschmid, 


гіепІ^йпІеГ  коппеп  also  das  aus  den  Münzen  gewonnene  Ergebniß  dahin  zusammenfassen, 

und  inschrif-  dass  sie  für  die  letzte  Periode  des  osroenischen  Reichs  mit  überwiegender  Wahrscheinlich- 
keit drei  Regierungen  bezeugen:  1)  die  eines  Л.  AtXtoç  SeTcTtpoç  Меуа? 'Aß yapoç ,  längere 
Zeit  vor  191  und  noch  einige  Zeit  nach  211,  2)  eine  dieses  Abgaros  und  seines  Sohnes 
Hannos  als  Mitregenten  oder  Thronfolger,  3)  die  eines  jugendlichen,  von  dem  anderen  ver- 
schiedenen S£.ouy]poc; 'Aßyapog,  etwas  nach  211  und  vor  217.  Nun  ist  uns  in  Rom  die  grie- 
chische in  elegischem  Versmaß  verfaßte  Grabschrift  eines  im  Alter  von  26  Jahren  verstor- 
benen Abgaros  erhalten,  ihm  gesetzt  von  seinem  Bruder  Antoninos,  denen  weiland  König 
Abgaros  Erzeuger  war  (C.  J.  Gr.  n^  6196).  Antoninus,  der  Name,  welchen  Kaiser  Septi- 
mius  Severus  seinem  Sohne  beilegte,  weist  fast  mit  Nothwendigkeit  auf  einen  Sohn  desjeni- 
gen Abgar  von  Edessa  hin,  der  sich  selbst  jenem  Kaiser  zu  Ehren  Septimius  nannte,  näm- 
lich dessen,  der  sein  Zeitgenosse  und  Unterkönig  war:  der  Abgaros  Vater  und  Sohn  der 
Inschrift  vergleichen  sich  also  ganz  von  selbst  mit  Abgaros  n"  1  und  3  der  Münzen,  und 
die  Altersverhältnisse  passen  vollständig.  Lenormant  hat  dagegen  eingewendet,  daß  Ab- 
garos Sohn  auf  der  Inschrift  nicht  König  genannt  werde;  dies  beweist  aber  gerade  dafür: 
auf  keiner  der  Münzen,  die  ihm,  dem  unbärtigen  Abgaros,  sicher  gehören,  ist  der  Königs- 
titel beigefügt,  so  daß  hohe  Wahrscheinlichkeit  dafür  spricht,  der  Vater  habe  ihm  so  gut, 
wie  dem  ihm  auf  Münzen  beigesellten  Hannos,  den  Königstitel  vorenthalten.  Unsere  Be- 
ziehung des  inschriftlicheu  Zeugnisses  wird  bestätigt  durch  das  der  Legende,  daß  der 
Christ  gewordene  Abgar  einen  Sohn  Namens  Severos  gehabt  habe. 
der^AÏgîS  Vergleichen  wir  nun  mit  dem  bisher  Festgestellten  die  Angaben  des  Dionysios  von 
desDionysiosXelimahrê.  Ihm  zufolge  regierten:  Ma'nu  bar  Ha'nu,  nachdem  er  vom  römischen  Lande 

über  die  letz- 
ten Köuige.  zurückgekehrt  war,  12  J.  (141 — 153),  Abgar  bar  Manu  35  J.  (153 — 188),  Abgar  Se- 
veros mit  seinem  Sohne  1  J.  7  Hon.  (188  —  190),  Ma'nu,  sein  Sohn,  26  J.  (190—216). 
Die  Synchronistik  erweist  sich  wieder  auf  den  ersten  Blick  als  unhaltbar,  das  Endjahr 
2233  Abr.  (=  217),  welches  er  selbst  angibt,  oder  2232  Abr.  (=216),  auf  welches  als 
das  in  der  Quelle  angenommene  der  Zusammenhang  seiner  Datierungen  führt,  beruht  aber 
auf  richtiger  Ueberlieferung.  Lassen  wir,  da  es  feststeht,  daß  der  letzte  König  ein  Abgar 
war,  in  diesem  Jahre  die  Regierung  nicht  des  Ma'nu,  für  die  kein  Platz  ist,  sondern  die 
des  Abgar  Severos  mit  seinem  Sohne  endigen  und  berechnen  die  Regierungsjahre  von  da 
.  an  aufwärts,  so  erhalten  wir  für  den  Anfang  des  Abgar  bar  Ha'nu  das  Jahr  179  oder  180. 
Und  dafür,  daß  Dionysios  wirklich  eine  derartige  Angabe  vorgefunden  hat,  liegt  ein  stum- 
mes Zeugniß  bei  ihm  selbst  vor:  die  große  Ueberschwemmung  in  Edessa  setzt  er  in  das 
Jahr  2232  Abr.  (=216),  — ganz  falsch,  da  für  dieselbe  das  Jahr  513  der  Griechen 
(201/202  n.  C.)  urkundlich  feststeht.  Der  Fehler  erklärt  sich  unter  der  Voraussetzung, 
daß  in  seiner  Quelle  dafür  das  24.  Jahr  des  Königs  Septimius  Abgarus  angegeben  war,  er 
aber  statt  dessen  irrthümlich  vom  Anfange  des  Kaisers  Septimius  Severus  rechnete,  der 
nach  seiner  Rechnung  2208  Abr.  die  Regierung  angetreten  hatte.  Die  ursprüngliche  Zeit- 
rechnung läßt  sich  also  in  folgender  Weise  reconstruieren :  Ha'nu  bar  Ha'nu  zum  2.  Mal 


Unteesuchüngen  über  die  Geschichte  des  Königeeichs  Oseoëne. 


43 


12  J.  167  —  179,  Abgar  bar  Ma'nu  35  J.  179  —  214,  Abgar  Severos  mit  seinem  Sohne 
1  J.  7  Mon.,  nach  dem  früher  Bemerkten  etwa  September  214  —  April  216.  Vor  Ma'nu 
bar  Ma'nu  klafft  eine  Lücke  von  2  Jahren  (165 — 167),  in  der  gerade  noch  Platz  für  den 
durch  Münzen  bezeugten  Abgar  unter  Verus  ist;  wahrscheinlich  ist  der  Ausfall  durch  das 
Vorausgehen  der  ebenfalls  2  jährigen  Regierung  des  "Wa'il  veranlaßt  worden.  Die  so  wie- 
derhergestellte Chronologie  befindet  sich  in  vollster  Uebereinstimmung  mit  der  edesseni- 
schen  Urkunde,  die  201  einen  Abgar  Sohn  des  Königs  Ma'nu  regieren  läßt,  mit  der  rö- 
misch-griechischen Ueberlieferung  und  mit  den  Münzen.  Einige  Schwierigkeit  macht  aber 
noch  die  Genealogie  der  letzten  Könige,  Scheinbar  freilich  stimmt  es  sehr  gut  zusammen, 
daß  von  Dionysios  nach  Abgar  bar  Ma'nu  unter  Antoninus  Caracalla  ein  Abgar  Severos 
genannt  wird,  wo  auf  den  Münzen  ein  neuer  König  in  der  Person  des  Severos  Abgaros  auf- 
tritt, und  scheinbar  ist  nichts  einfacher  als  hier  die  numismatisch  bezeugte  gemeinschaft- 
liche Regierung  eines  Abgaros  und  seines  Sohnes  Mannos  wieder  zu  finden,  an  welchen  letz- 
teren zu  denken  auch  der  Zusammenhang  bei  Dionysios  nahe  legt.  Aber  nur  scheinbar  : 
auch  abgesehen  von  der  Verschiedenheit  der  Porträts  kann  der  jugendliche  Severos  Ab- 
garos unmöglich  schon  Vater  eines  regierungsfähigen  Sohnes,  geschweige  denn  des  bärti- 
gen Mannos,  gewesen  sein,  als  Vater  des  letzteren  kann  nur  an  den  vor  Abgar  Severos 
aufgeführten  Abgar  bar  Manu  gedacht  werden.  Dieser  muß,  da  Dionysios  fortfährt  «und 
nach  ihm  ward  König  Ma'nu  sein  Sohn»,  auch  im  vorhergehenden  Satze  Subject  und  die- 
ser in  irgend  einer  Weise  zerrüttet  sein:  das  Richtige  läßt  sich  durch  Umstellung  eines 
einzigen  Wortes  herstellen,  indem  wir  schreiben  «und  über  Edessa  ward  König  Abgar  mit 
seinem  Sohne  Severos^)  1  Jahr  und  7  Monate»;  damit  fällt  auch  der  Anstoß  weg,  daß 
der  Sohn  sonst  gegen  die  Gewohnheit  des  Dionysios  namenlos  bleiben  würde. 

Fassen  wir  zusammen,  was  die  Vergleichung  der  Münzen  und  Inschriften  mit  den  an- Endcrgebniß 
derweitigen  Nachrichten  für  die  letzten  Zeiten  des  osroënischen  Reichs  ergibt.  Der  Christ  Geschichte 
gewordene  Großkönig  L,  Aelius  Septimius  Abgarus  setzte  in  seinen  letzten  Jahren  das^^j^^g'^p^f^^g^*^ 
Bild  seines  ältesten  Sohnes  Mannos  mitunter  neben  dem  seinigen  auf  die  Münzen,  ihn  da- 
durch als  Thronerben  bezeichnend,  jedoch  ohne  ihm  den  Köuigstitel  zu  gewähren;  das 
eigentliche  Currentgeld,  das  Bild  und  Namen  des  römischen  Kaisers  und  des  edessenischen 
Königs  verbindet,  kennt  keinen  anderen  Münzherrn  als  den  Abgar.  Im  Jahre  214  trat  an 
seine  Stelle  sein  jüngerer  Sohn  Severus  Abgarus,  dessen  Bild  und  Name  auf  der  Current- 
raünze  selbstständig  neben  Antoninus  Caracalla  erscheint;  mag  auch  der  Rücktritt  des  Va- 
ters (wie  das  bei  Abdankungen  orientalischer  Herrscher  meistens  der  Fall  ist)  kein  ganz 
freiwilliger  gewesen  sein,  so  hat  sich  doch  der  Sohn  des  Königstitels  enthalten  und  damit 
seine  Regierung  als  eine  bloße  Mitregentschaft  angesehen  wissen  wollen,  und  als  solche 
verzeichnet  sie  Dionysios.  Dieser  jugendliche  Fürst  ist  es,  von  dem  Cassius  Dio  sagt,  er 
habe  sich  gleich  nach  seiner  Thronbesteigung  als  einen  grausamen  Despoten  gezeigt,  und 


1)  Einfach  Severos  uomit  ilm  auch  dio  Legeude. 


6* 


44 


Alfeed  von  Gutschmid, 


wiederum  bewährt  sich  die  Treue,  mit  welcher  diese  geschichtliche  Zeit  in  der  Abgarle- 
gende  reflectiert  wird,  in  der  Angabe  des  Procopius,  daß  der  von  Abgar's  Söhnen,  der  ihm 
in  der  Regierung  folgte,  der  ruchloseste  aller  Menschen  gewesen  sei  und  gegen  seine  Un- 
terthanen  viel  gefrevelt  habe.  Derselbe  Severus  Abgarus  ist  es,  der  216  von  Antoninus  ge- 
fangen und  in  Fesseln  geworfen  wurde;  wahrscheinlich  tlieilte,  wie  das  gleich  darauf  bei 
dem  armenischen  Könige  der  Fall  war,  die  ganze  Familie,  Vater  und  Bruder,  sein  Loos. 
Ob  der  ältere  Abgar  wie  sein  Leidensgefährte,  der  armenische  Vologäsos,  in  der  Gefangen- 
schaft umgekommen  oder  was  sonst  aus  ihm  geworden  ist,  wissen  wir  nicht,  nur  das,  daß 
er  218  schon  todt  war.  Seinen  Sohn  Severus  Abgarus  finden  wir  später  in  Rom,  wo  er, 
anscheinend  wenige  Jahre  nach  dem  Vater,  starb,  überlebt  von  seinem  Bruder,  der  sich 
auf  der  von  ihm  herrührenden  griechischen  Inschrift  Antoninus  nennt. 
Ma'nfi  IX         Noch  bleibt  die  26-jährige  Alleinherrschaft  des  Ma'nu,  Sohns  des  älteren  Abgar,  zu 
ritniaikümg,gj,j,j„^g^  Übrig,  die  augenscheinlich  für  Dionysios  zum  Anlaß  geworden  ist,  die  ganze  edes- 
senische  Zeitrechnung  um  so  viel  zurückzuschieben.  In  dem  zur  römischen  Kolonie  ge- 
machten Edessa  ist  für  sie  kein  Raum;  anderseits  ist  aber  auch  nicht  abzusehen,  wie  sie 
durch  bloßes  Mißverständniß  in  die  Liste  des  Dionysios  hätte  Eingang  finden  können:  ich 
denke,  die  Quelle  rechnete  legitimistisch  nicht  bis  zum  Ende  des  edessenischen  Reichs,  son- 
dern bis  zum  Ende  des  letzten  überlebenden  Fürsten,  der  in  Edessa  Herrscherrecht  aus- 
geübt hatte.  Danach  würde  die  Titularregierung  des  Ma'nu  die  Jahre  216 — 242  ausfüllen. 
Es  ist  mir  übrigens  wahrscheinlich,  dass  dieser  Ma'nu  von  dem  in  Rom  lebenden  Antoni- 
nus der  Inschrift  nicht  verschieden  gewesen  ist. 
Vorüberge-        Noch  Ein  Mal  sollte  das  osroënische  Königthum  wieder  aufleben.   Im  Jahre  241 
îierhersteb  überschwemmte  der  Perserkönig  Ardashir,  nachdem  Karrhä  und  Nisibis  schon  vorher  in 
iimg  des  ggjj-jg  Hände  gefallen  waren,  mit  seinem  bald  darauf  an  seine  Stelle  tretenden  Sohne  Shâ- 

üeichs  unter  °  ' 

Abgar  ХГ.  pür^)  ganz  Mesopotamien  und  bedrohte  sogar  Antiochia;  Gordianus  III  zog  im  Jahre  242 
gegen  die  Perser  zu  Felde,  und  damals  muß  es  gewesen  sein,  daß  er  einen  Sprossen  des 
alten  Königsstammes  wieder  in  Osroëne  als  König  einsetzte;  in  welchem  Verhältnisse  die 
römische  Kolonie  Edessa,  die  auch  während  der  Regierung  Gordian's  Münzen  mit  Bild  und 
Namen  von  ihm  und  seiner  mit  ihm  241  vermählten  Gemahlin  Tranquillina  geprägt  hat^), 
zu  der  neuen  Herrschaft  gestanden  hat,  wissen  wir  nicht,  da  uns  diese  ganze  Episode  nur 
aus  Münzen  bekannt  ist.  Es  sind  Kupfermünzen,  wie  die  der  früheren  Könige^).  Sie  haben 
ausnahmslos  auf  der  Averse  Bild  und  Namen  des  Gordianus,  auf  der  Reverse  das  Bild  des 
Königs  mit  der  Umschrift  АВГАРОС  ВАСІЛбѴС  und  haben  sehr  verschiedenartige  Typen. 


1)  Dies  folgt  aus  den  Worten  des  kaiserlichen  Brie- 
fes bei  Capit.  C4nrdiani  c.  27:  et  reges  Persarum  et  leges, 
und  danach  ist  c.  2G  zu  schreiben:  et  vicit  Sapore  Per- 
sarum rege  summoto  post  Artaxerseu,  et  Antiochiam  re- 
cepit  für  summoto.  et  post  Artaxansen  et  A.  r. 

2)  Mio n net  V,  611  f.  Suppl.  YIII,  407  f. 


3)  Eckhel,  D.  N.  V.  III.  516.  Mionnet  V,  623  if. 
Suppl.  VIII,  413  f.  Lenormant,  Numismatique  des  rois 
Grecs,  p.  132,  Pl.  LXIII,  4— 15.  Leake,  Numismata  Hel- 
lenica,  p.  40.  Langlois,  Numismatique  de  l'Arménie, 
p.  79  fif..  Pl.  V,  13-17.  VI,  1—9. 


Untersuchungen  übek  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroëne. 


45 


Unter  diesen  sind  zwei  besonders  wichtig.  Die  eine  dieser  Münzen^)  hat  auf  der  Averse 
Bild  und  Namen  des  Kaisers,  auf  der  Reverse  mit  der  Umschrift  AYTOK  .  ГОРДІАМОС . 
АВГАРОС  BACIA6YC  die  Beiden  stehend  einander  zugekehrt,  der  Kaiser  mit  Strahlen- 
krone und  Paludamentura,  in  der  Linken  die  Weltkugel,  in  der  Rechtén  eine  Rolle  (nach 
Lenormant  die  Mappa  consularis)  haltend,  der  König  mit  der  diademierten  Tiara,  kurzem 
Rock  und  weiten  Hosen,  die  Linke  am  Griffe  des  umgegürteten  Akinakes,  in  der  Rechten 
eine  Krone  emporhaltend.  Die  andere^)  hat  wieder  auf  der  Averse  Bild  und  Namen  des 
Kaisers,  auf  der  Reverse  mit  der  Legende  AYTOK  .  ГОРДІАМОС  .  АВГАРОС  BACIAGYC 
den  Kaiser  mit  Lorbeerkranz  und  Toga,  auf  der  Sella  curulis,  die  auf  einem  Suggestus 
steht,  thronend,  in  der  Linken  einen  Speer,  die  Rechte  dem  Könige  entgegenstreckend, 
der  vor  ihm  steht,  mit  Tiara,  Rock  und  Hosen,  die  Linke  am  Akinakes,  in  der  Rechten 
dem  Kaiser  eine  kleine  Victoria  hinhaltend.  Beide  Medaillen  stellen  offenbar  die  Huldi- 
gung des  neu  investierten  Königs  dar.  Von  besonderem  Interesse  ist  ein  Exemplar  der  zwei- 
ten (Mionnet  V,  625,  n"  166,  abgebildet  bei  Langlois  p.  81,  PI.  VI,  8),  an  welchem 
der  Kopf  einer  die  Stadt  Edessa  vorstellenden  Frau  mit  Schleier  und  Mauerkrone  als 
Contremarque  auf  das  Kaiserbild  der  Averse  gedrückt  ist:  nach  Langlois'  richtiger  Be- 
merkung ist  diese  Abstempelung  bei  Gelegenheit  der  definitiven  Einziehung  des  osroëni- 
schen  Reichs  erfolgt.  Aus  der  Häufigkeit  der  Münzen  des  letzten  Abgar  folgert  Eckhel 
(D.  N.  V.  III,  516),  daß  die  Herrschaft  desselben  eine  ziemlich  lange  gewesen  sein  müsse. 
Sicher  hat  sie  wenigstens  2  Jahre  gewährt,  schwerlich  aber  hat  sie  Gordian's  Tod  um  ein 
Nennenswerthes  überdauert;  es  gibt  keine  Münze  Abgar 's,  die  nicht  Bild  und  Namen  Gor- 
dian's trüge.  Obgleich  Gordianus  Karrhä  und  Nisibis  wiedergewonnen  und  namhafte  Er- 
folge über  die  Perser  davongetragen  hatte,  schloß  doch  sein  Nachfolger  Philippus  gleich 
nach  seiner  Ermordung  244  einen  Frieden  mit  Shâpùr,  durch  den  ihm  Mesopotamien  und 
Armenien  preisgegeben  wurden.  Damit  war  die  osroënische  Schöpfung  Gordian's  annulliert; 
und  wenn  schon  die  Bedingungen  des  Friedens  in  der  Folge  unausgeführt  blieben^),  so  ist 
doch  jene  Consequenz  desselben  nicht  rückgängig  gemacht  worden. 

König  Abgar  kehrte  nach  Rom  zurück.  Dies  ergibt  sich  aus  einer  daselbst  gefunde-r>ie  römische 
nen  Inschrift  bei  Muratori  II,  p.  665,  n"  1,  die  uns  zugleich  den  vollen  Namen  und  die  oar's  xi. 
Verwandtschaftsverhältnisse  des  letzten  Königs  kennen  lehrt.  Es  ist  eine  Grabschrift, 
die  Abgar  Phrahates  filius  rex  principis  Orrhenorü  seiner  Gemahlin  Hodda  gesetzt  hat. 
In  dieser  Nebeneinanderstellung  drückt  augenscheinlich  princeps  etwas  Geringeres  aus  als 
rex;  der  Königstitel  kommt  nur  dem  letzten  Abgar  zu,  der  Fürstentitel  seines  ungenannten 


1)  Bei  Eckliel  a.  a.  0.  imcl  Mionnet  V,  624,  n«  164; 
abgebildet  beiVisconti,  Iconogr.  Gr.  III,  p.55  f.,  Tab.  II, 
12.  Lenormant  a.  a.  0.,  PI,  LXIII,  14.  Langlois  p.  81, 
PI.  VI,  6. 

2)  Bei  E  с  к  h  e  1  a.  a.  0.  und  M  i  0  n  n  e  t  V,  625,  no  105  — 


167.  Suppl.  VIII,  413,  nO  69.  70,  abgebildet  bei  Lenor- 
mant a.  a.  0.,  PI.  LXIII,  15.  9.  Langlois  p.  81,  PI.  VI, 
7.  8. 

3)  Vergl.  Jo.  Zonar.  ХП,  19  (II,  p.  583  ed.  Pin  der). 


46 


Alfeed  von  Gütschmid, 


Vaters  paßt  vortrefflich  auf  den  Ma'nii,  der  nach  den  Münzen  zwar  Mitregent  oder  desig- 
nierter Thronfolger  seines  Vaters  Abgar  gewesen  war,  aber  den  Königstitel  nicht  geführt 
hatte.  Osroëne  ist  nach  jener  vorübergehenden  Wiederhèrstellung  seiner  alten  Dynastie 
von  da  an  stets  im  unmittelbaren  Besitze  Ronrs  geblieben. 


Uebersicht 
der  Münzab- 
bildungen iii 
den  neueren 
Hauptwerken. 


tibersiclit  der  NüDzabbilduii^^en  in  den  neueren  Hauptwerken,  geordnet  nach  IHionnet's 

Katalog.  ') 


Mionnet. 

Scott. 

Lang  lois. 

Lcnormant. 

Visconti. 

Wa'il  unter  den  Parthern. 

1. 

2.  3. 
4. 

Ma'nu  unter  den  Parthorn. 
Suppl.  58.        I  5. 


Mannos  unter  Verus. 


112. 
114. 
115. 


Abgaros  unter  Commodus, 

117. 
118. 
119—122, 


Abgaros  unter  Severus 

123. 
124. 
125. 
126. 


IV,  1. 


IV,  2. 
IV,  3. 
IV,  4. 


I       IV,  7. 

I   ■    IV,  8. 


IV,  6. 
IV,  9. 


LXII,  8. 


LXII,  9. 


LXII,  10. 
LXII,  11. 


II,  7. 
II,  5. 


1)  Eine  solche  Concordanz  ist  von  Lcnormant  gc-  1  in  dieselbe  eingeschlichen.  Die  von  Mionnet  aus  älte- 
geben  worden,  es  haben' sich  aber.mehrfache  Verseheu  |  reu  Druckwerken  entlehnten  Nummern  lasse  ich  aus.  • 


Untersuchungen  übek  die  Geschichte  des  Königeeichs  Osroëne. 


47 


jVI  1 0 11 11 0 1. 

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aug  о:ь. 

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V  iscoiiti. 

— 

— 

LXII,  13. 

— 

— 

— 

• — 

II,  8. 

127. 

IV,  10. 

— 

— 

128. 

— 

LXII,  15. 

— 

129. 

IV,  5. 

— 

— 

130. 

IV,  11. 

— 

— 

— 

— 

LXIII,  1. 

— 

131. 

- — 

— 

' — 

133. 

IV,  12. 

— 

—  ' 

— 

V,  2. 

— 

— 

134. 

— 

— 

— 

135. 

V,  1. 

— 

— 

136—137. 

— 

— 

■ — 

— 

IV,  13. 

— 

— 

138. 

IV,  14. 

LXII,  17. 

1  о  J . 

V,  5. 

— 

— 

141. 

V,  6. 

142. 

Z 

V,  7. 

LXII,  16. 

— 

143. 

V  8. 

144. 

v',  3. 

— 

— 

V,  4. 

LXII,  14, 

145.  147. 

149. 

V,  9. 

LXIII,  2. 

II,  6. 

150—151. 

Abgaros  und  Mamios. 

152.            1    .    .    .  . 

1       V,  12. 

1     LXII,  12. 

1        П,  9. 

Abgaros  unter  Caracalla. 

Suppl.  67.        1    .    .    .  . 

V,  11. 

LXII,  18. 

- 

Severos  Abgaros  unter  Caracalla. 

Suppl.  68. 

153. 

154. 

•      •      •  • 

V,  10. 

LXIII,  3. 

II,  4. 

Abgaros  unter  Gordianus. 

V,  13. 

156. 

V,  14. 

LXIII,  4. 

48 


Alfeed  von  Gütschmid, 


Mionuet. 

Scott. 

Lauglo  is. 

L  e u orm an  t. 

Visconti. 

157. 

V,  15. 

LXIII,  5. 

LXIII.  6. 

VI,  2. 

LXIII^  7. 

158. 

VI,  3. 

LXIII,  8.  , 

159. 

VI,  4. 

LXIII,  10. 

— 

160. 

VI,  1. 

V,  16. 

161. 

V,  17. 

LXIII,  11. 

II,  11. 

•  162. 

VI,  5. 

LXIII,  12. 

163. 

VI,  9. 

LXIII,  13. 

164. 

VI,  6. 

LXIII,  14. 

II,  12. 

165. 

VI,  7. 

166. 

VI,  8. 

167. 

LXIII,  15. 

Suppl.  70. 

LXIII,  9. 

L?ste'del-Kö-  Bericlitife^te  Liste  der  Könige  von  Osroëne. 

nige  von  Os-  V.  C. 

1.  Arjaw   5  J.  —     132-  127. 

2.  'Abdù  b.  Maz'ûr   7  J.  —  127—120. 

3.  Phradasht  b.  Gèbar'ù   5  J.  —  120—115. 

4.  Bakrû  I  b.  Phradasht   3  J.  —  115—112. 

5.  Bakrû  II  b.  Bakrû  allein   17  J.  4  M.  112—  94. 

6.  Bakrû  II  und  Ma'nû  I  vom  Stamme  der  Baim  Maz'ûr   —  4M.  94. 

7.  Bakrû  II  und  Abgar  I  der  Stumme                                     2J.  4M.  94—  92. 

Abgar  l  allein   23  J.  5  M.    92-  68. 

8.  Abgar  II  Ariamnes  b.  Abgar   15  J.  —      68 —  53. 

Parthische  Herrschaft   IJ.  —      53—  52. 

9.  Ma'nû  II  der  Gott   18  J.  5  M.    52—  34. 

10.  Paquri   5  J.  —      34—  29. 

11.  Abgar  III   3  J.  —      29—  26. 

12.  Abgar  IV  der  Rothe   3  J.  -      26—  23. 

13.  Ma'nû  III  die  Osterluzei  1)   18  J.  7  M.    23-  4. 


1)  «Saphlûl  bedeutet  Aristolochia».  Nöldeke. 


Untersuchungen  über  die  Geschichte  des  Königreichs  Osroene. 


49 


V.  c.    ü.  c. 

14.  Abgar  V  der  Schwarze  (der  Große)  b.  Ma'nû  10  J.    —       4—  7. 

u.  C. 

15.  Ma'nû  IV  b.  Ma'nù   6  J.    —  7—13. 

Abgar  V  wieder  '  37  J.    IM.  13—50. 

16.  Ma'nù  V  b.  Abgar   7  J.    —      50—  57. 

17.  Ma'nû  VI  b.  Abgar  14  J.    —      57—  71. 

18.  Abgar  VI  b.  MaWi  20  J.    —      71—  91. 

19.  (?)  Sanatruk,  König  von  Adiabene  18  J.    —  91—109. 

20.  Abgar  VII  b.  îzat   6  J.  9  M.  Nov.  109— 

Aug.  116. 

Römische  Herrschaft   2  J.    —  116—118. 

21- J^'ûdund  ^    3  J.  lOM.  118-122. 

22.  Phratamâspat  b.  Husrawj 

Pliratamâspat  allein   —  10  M.  122— 123. 

23.  Ma'nû  VII  b.  îzat   16  J.    8  M.  123—139. 

24.  Ma'nù  VIII  b.  MaWi   24  J.    —  139—163. 

25.  Wâ'il  b.  Sabril   2  J.    —  163—165. 

26.  Abgar  VIII   2  J.    —  165—167. 

Ma'nû  VIII  Philoromaios  wieder   12  J.    —    167 — 179. 

27.  L.  Aelius  Septimius  Abgar  IX  der  Große  b.  Ma'nû  allein.  ,  .  35  J.    —    179  —  214. 

28.  Abgar  IX  und                 \  1  J.  7  M.  Sept.  214— 
Severus  Abgar  X  b.  Abgar  }  Apr.  216. 

Dauer  des  Reichs  unter  28  Königen  347  Jahre. 

29.  (Antoninus)  Ma'nû  IX  b.  Abgar,  Titularkönig   .  26  J.    —    216  —  242. 

30.  Abgar  XI  Phrahates  b.  Ma'nû,  wiederhergestellt   2  J.    —    242  —  244, 


Mémoires  del'Atad.  Imp.  des  sciences.  Vlliue  Serie, 


MÉMOIRES 

DE 

l'ACADÉMIE  IMPÉRIAIE  DES  SCIENCES  DE  ST.-PÉTERSBOIRG,  ѴІГ  SÉRIE. 
Tome  HXV,  W  2. 

BEMERKUNGEN 

ÜBEE  DIE 

GECKONIDEN- SAMMLUNG 

IM  ZOOLOGISCHEN  MUSEÜM 

m  шштш  АШЕііЕ  m  шш%иш  в  st,  штшк 

VON 

Dr.  y^Iexander  S^traiicli. 

Mit  1  lithographischen  Tafel. 
(Lu  le  27  mai  1886.) 


St.-PETERSBOURG,  1887. 

Commissionnaires  de  l'Académie  Impériale  des  sciences: 
St.-Pétersbourg:  Riga:    .  Leipzig: 

M.  Eggers  et  C"'  et  J.  Glasouuof;  M.  N.  Kymmel;  Voss'  Sortiment  (G.  Ilaessel). 

Prix:  70  Кор.  =  2  Mrk.  30  Pf. 


Ііііргішб  par  ordre  de  l'Académie  Impériale  des  sciences. 
Mars  1887.  C.  Vessélofsky,  Secrétaire  perpétuel. 


Imprimerie  de  l'Académie  Impériale  des  sciences 
Vctss.-Ostr.,  9  ligne,  №  12. 


Das  Erscheinen  der  von  Herrn  G.  A.  Boiilenger  bearbeiteten  neuen  Auflage  des 
Catalogue  of  Lizards  in  the  British  Museum  ist  ohne  Zweifel  von  allen  Herpetologen  mit 
Freuden  begrüsst  worden  und  gewiss  mit  Recht,  denn  durch  diese  Arbeit  hat  die  systema- 
tische Herpetologie  einen  bedeutenden  Schritt  vorwärts  gemacht.  Herr  Boulenger,  der 
sich  in  wenigen  Jahren  durch  seine  capitalen  Arbeiten  den  Kuf  eines  der  ersten  Herpetolo- 
gen der  Gegenwart  erworben  hat,  ist  in  der  beneidenswerthen  Lage,  nicht  bloss  die  reich- 
ste, sondern  auch  die  wissenschaftlich  bedeutendste  Reptilien-  und  Amphibien-Sammlung 
zu  seiner  Disposition  zu  haben,  daher  eher  als  irgend  ein  Anderer  im  Stande,  die  zahl- 
reichen Gattungen  und  Arten,  welche  besonders  J.  E.Gray  im  Laufe  seines  langen  Lebens 
nach  Exemplaren  eben  dieser  Sammlung  aufgestellt  und  meist  sehr  kurz,  oft  sogar  unge- 
nügend charakterisirt  hat,  auf  ihren  Werth  zu  prüfen,  und  mit  welcher  Sachkenntniss  und 
Gewissenhaftigkeit  er  diese  Arbeit  ausgeführt  hat,  davon  legen  die  beiden  zur  Zeit  erschie- 
nenen Bände  des  Catalogs  ein  beredtes  Zeugniss  ab.  Die  Beschreibungen  Boulenger's 
sind  zwar  kurz,  aber  ganz  vorzüglich  abgefasst,  die  Literatur  ist,  so  weit  sie  bei  seinem 
Zwecke  in  Betracht  kam,  in  mehr  als  ausreichender  Weise  berücksichtigt,  die  Zahl  der 
Arten  und  besonders  der  Gattungen  ist  auf  das  gehörige  Maass  reducirt,  kurz  die  Arbeit 
ist  in  jeder  Hinsicht  musterhaft  und  man  kann  dem  British  Museum  nur  Glück  dazu  wün- 
schen, dass  es  für  seine  reichen  Schätze  einen  so  kenntnissreichen  und  unermüdlichen  Be- 
arbeiter gefunden  hat.  Wenn  es,  wie  nicht  zu  bezweifeln  ist,  Herrn  Boulenger  gelingt, 
den  noch  ausstehenden  letzten  Band  in  ähnlicher  Weise  zu  bearbeiten,  wie  die  beiden  be- 
reits vorliegenden,  so  wird  sein  Catalog  ohne  Widerrede  den  Beginn  einer  neuen  Epoche 
in  der  systematischen  Saurologie  bezeichnen.  Denn  jetzt  schon,  wo  erst  zwei  Bände  vorlie- 
gen, welche  die  15  ersten  Familien  enthalten,  ist  Jedem  die  Möglichkeit  geboten,  das  ihm 
zur  Disposition  stehende  Material  aus  diesen  Familien  genau  zu  bestimmen,  die  etwa  vor- 
handenen neuen  Arten,  deren  sich  sicherlich  in  jeder  grösseren  Sammlung  eine  Anzahl 
finden  wird,  zu  erkennen,  resp.  zu  beschreiben  und  so  das  Seinige  zum  Weiterausbau  des 
Systems  beizutragen.  Aber  eine  ungleich  wichtigere  Bedeutung  erlangt  der  Catalog  noch 
dadurch,  dass  er  eine  sichere  Grundlage  für  zoogeographische  Untersuchungen  abgiebt, 
welche  letzteren  bekanntlich  nur  dann  wirklichen  Werth  haben,  wenn  sie  auf  ein  in  syste- 
matischer Beziehung  genau  und  kritisch  gesichtetes  Material  begründet  sind. 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences  Vllme  Serie.  1 


De.  a.  Steauch, 


Wie  es  jedoch  auf  Erden  überhaupt  nichts  Vollkommenes  giebt,  so  hat  auch  der 
Boulenger'sche  Catalog  seine  Mängel  und  Fehler,  die  aber  freilich  im  Vergleiche  zu  der 
ganzen  Arbeit  nur  geringfügig  sind  und  auch  leicht  beseitigt  werden  könnten.  Während  in 
demselben  nämlich  die  Gattungen  und  Arten  ganz  vorzüglich  charakterisirt  sind,  ist  die 
Charakteristik  der  Familien  durchaus  ungenügend,  da  sie  fast  ausschliesslich  auf  osteolo- 
gische  Merkmale  basirt  und  folglich  für  die  Determination  absolut  unbrauchbar  ist.  Da  der 
Hauptzweck  des  ganzen  Werkes,  wie  Dr.  Günther  in  einer  dem  ersten  Bande  vorausge- 
schickten Notiz  ausdrücklich  hervorhebt,  mit  darin  besteht,  die  Bestimmung  der  in  dem- 
selben behandelten  Arten  zu  ermöglichen  oder  zu  erleichtern,  so  hätten  bei  der  Charakte- 
ristik der  Familien,  gleich  in  der  Uebersicht  über  dieselben  im  ersten  Bande,  solche  Merk- 
male angegeben  werden  müssen,  die  nicht  bloss  au  skeletirten,  sondern  auch  an  intacten 
Exemplaren  sichtbar  sind.  Statt  dessen  begnügt  sich  Herr  Boulenger,  abgesehen  von  der 
Zunge,  ausschliesslich  mit  osteologischen  Merkmalen  und  obendrauf  noch  fast  nur  mit  sol- 
chen, deren  Untersuchung  zum  mindesten  eine  theilweise  Blosslegung  des  Schädels  erfor- 
dert und  nicht  etwa  durch  einen  einfachen,  das  Object  wenig  oder  gar  nicht  beschädi- 
genden Hautschnitt  bewerkstelligt  werden  kann.  Wie  soll  denn  unter  solchen  Umständen 
Jemand,  der  nicht  Herpetolog  von  Fach  ist,  eine  Eidechse  bestimmen?  Zunächst  muss 
er  doch  wissen,  zu  welcher  der  vielen  Familien  sie  gehört,  und  das  kann  er  bei  der 
von  Herrn  Boulenger  gegebenen  Eiutheilung  nur  dann  erfahren,  wenn  er  das  Object 
selbst  der  Untersuchung  opfert,  oder  doch  wenigstens  in  sehr  eingreifender  Weise  beschä- 
digt; dazu  wird  sich  aber  nicht  Jeder  leicht  eutschliessen,  zumal  wenn  es  sich  um  eine 
seltene  Art  oder  gar  um  ein  Unicum  handelt.  Mir  scheint  es  daher  ein  arger  Missgriff  von 
Seiten  Boulenger's,  dass  er  bei  Charakteristik  der  Familien  nur  osteologische  Merkmale 
benutzt,  alle  übrigen  aber,  mit  alleiniger  Ausnahme  der  Zunge,  geradezu  geflissentlich 
vermieden  hat,  und  es  wäre  daher  nicht  bloss  wünschenswert!!,  sondern,  wenn  der  Catalog 
seinem  Zwecke  vollkommen  entsprechen  soll,  geradezu  unerlässlich,  dass  am  Schlüsse 
der  Arbeit  eine  neue  Uebersicht  über  die  Familien  gegeben  würde,  in  welcher  neben  den 
osteologischen,  auch  die  andern,  äusserlich  wahrnehmbaren  Merkmale  berücksichtigt 
wären. 

Osteologische  Merkmale  haben  sicherlich  ihren  unbestreitbaren  Werth,  dürften  meiner 
Meinung  nach  in  der  Systematik  aber  nur  dann  in  den  Vordergrund  gestellt  werden,  wenn 
sie  mit  anderen,  äusserlich  sichtbaren,  wenn  auch  scheinbar  ganz  unwesentlichen  Organisa- 
tionseigenthümlichkeiten  Hand  in  Hand  gehen,  also  gewissermaassen  das  bestätigende  Mo- 
ment für  diese  letzteren  bilden,  und  dass  ein  solcher  Connex  in  vielen,  ja  wahrscheinlich 
in  den  meisten  Fällen  besteht,  geht  schon  aus  dem  Umstände  hervor,  dass  ein  grosser  Theil 
der  von  Boulenger  fast  ausschliesslich  auf  osteologische  Merkmale  basirten  Familien 
genau  mit  den  Familien  zusammenfällt,  welche  auch  früher,  wo  der  Knochenbau  nur  in  zwei- 
ter Linie  in  Betracht  gezogen  wurde,  nach  anderen  Merkmalen  unterschieden  worden  sind. 
Wo  hingegen  ein  solcher  Zusammenhang  zwischen  dem  Knochenbau  und  den  übrigen  Orga- 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


3 


nisationsverhältnissen  nicht  bestellt,  oder  wenigstens  nocli  nicht  nachgewiesen  ist,  haben  die 
verborgenen  osteologischen  Charaktere  für  die  Systematik  nur  eine  untergeordnete  Bedeu- 
tung, verdienen  zum  mindesten  in  keiner  Weise  den  Vorzug  vor  den  äusserlich  sichtbaren 
Merkmalen,  die  man  z.  B,  dem  Bau  der  Zunge,  der  Form  und  Befestigungsweise  der  Zähne 
und  namentlich  der  Beschaffenheit  des  Hautskelets  entlehnt  hat.  Ausserdem  kann  ich  aber 
auch  nicht  umhin,  zu  bemerken,  dass  mir  gegenwärtig  der  Zeitpunkt  noch  keineswegs  ge- 
kommen zu  sein  scheint,  wo  man  das  System  der  Eidechsen  ausschliesslich,  oder  doch  vor- 
zugsweise auf  osteologische  Merkmale  begründen  könnte,  denn  dazu  ist  noch  ein  viel  zu 
geringer  Theil  dieser  Thierformen  auf  den  Knochenbau  untersucht  und  man  ist  demzufolge 
beständig  auf  Analogismen  angewiesen  und  in  die  Nothwendigkeit  versetzt,  Verhältnisse  zu 
supponiren,  deren  factisches  Bestehen  noch  mehr  als  zweifelhaft  ist.  Ein  solches  Verfahren 
widerspricht  aber  ganz  entschieden  dem  Geiste  der  Systematik,  denn  bisher  sind  лѵіг  ge- 
wohnt gewesen,  jedes  Merkmal,  das  wir  zur  Unterscheidung  irgend  einer  Gruppe  benutzen 
wollten,  erst  an  allen,  oder  doch  möglichst  vielen  Formen  auf  seinen  Werth  und  seine  Be- 
ständigkeit zu  prüfen,  was  bei  osteologischen  Merkmalen  schon  desshalb  nicht  angeht,  weil 
zur  Zeit  kaum  ein  Zehntel  aller  bekannten  Eidechsen-Arten  auf  das  Skelet  untersucht  ist. 

Aber  auch  ganz  abgesehen  von  diesen,  so  zu  sagen,  practischen  Gesichtspunkten, 
glaube  ich  kaum,  dass  das  von  Boule nger  proponirte  System  allgemeinen  Anklang  finden 
wird,  denn  dazu  ist  es  viel  zu  künstlich,  trägt  den  im  Allgemeinhabitus  ausgesprochenen 
Verwandtschaften  der  Saurier  so  gut  wie  gar  keine  Rechnung  und  leidet  an  dem  grossen 
Fehler,  dass  die  einander  coordinirten  Gruppen  in  systematischer  Beziehung  keineswegs 
gleichwerthig  sind.  Herr  Boulenger  tlieilt  die  Ordnung  der  Saurier,  die  er  im  Sinne  Gün- 
ther's  (d.  h.  mit  Auschluss  der  Gattung  Hatteria)  auffasst,  nach  dem  Bau  der  Zunge  und 
einigen  dem  Schädel  entnommenen  osteologischen  Merkmalen  zunächst  in  2  Unterordnun- 
gen, Lacer^m  Vera  mit  flacher  und  EJiijÉoglossa  mit  wurmförmiger,  also  drehrunder  Zunge, 
von  denen  die  2*"  Unterordnung  aber  nur  eine  einzige  Familie,  Chamaeleontidae,  enthält.  Die 
Unterordnung  Lacertilia  vera  wird  alsdann,  wiederum  nach  der  Beschaffenheit  der  Zunge 
und  der  Form  des  Schlüsselbeins  in  3  nicht  mit  besonderen  Namen  belegte  Gruppen  einge- 
theilt,  nämlich  1)  in  solche,  deren  Zunge  glatt  oder  mit  zottigen  Papillen  bekleidet  und  de- 
ren  Schlüsselbein  am  proximalen  Ende  öhsenförmig  (loopshaped)  erweitert  ist,  2)  in  solche, 
deren  Zunge  glatt  oder  mit  zottigen  Papillen  bekleidet,  deren  Schlüsselbein  am  proximalen 
Ende  aber  nicht  erweitert  ist,  und  endlich  3)  in  solche,  deren  Zunge  mit  imbricaten,  schup- 
penförmigen  Papillen  bekleidet  ist,  oder  schräge  Falten  zeigt  und  deren  Schlüsselbein  am 
proximalen  Ende  erweitert,  meist  öhsenförmig  erscheint.  Zu  der  1*'°  dieser  Gruppen  rech- 
net er  nur  2  Familien,  Oechonidae  und  EublepJiaridae^  die  2^^  Gruppe  umfasst  10  Familien, 
nämlich  Uroplatidae,  Pygopodidae,  Agamidae,  Iguanidae,  Xenosauridae,  Zonuridae,  Angui- 
dae,  Aniellidae,  Helodermatidae  und  Varanidae,  und  die  3*'  Gruppe  endlich  zerfällt  in  folgende 
8  Familien  Xantusiidae,  Tejidae,  AmjMsbaenidae,  Lacertidae.  GerrJiosauridae,  Scincidae, 
Anelytropidae  und  Bibamidae. 

1* 


4 


De.  a.  Steauch, 


Zunächst  mussich  bemerken,  dass  sich  die  3  namenlosen  Gruppen,  in  welche  Boulen- 
ger  seine  Unterordnung  Lacertilia  vera  eintheilt,  genau  genommen,  nur  auf  2  reduciren, 
da  nur  die  Beschaffenheit  der  Zungenbekleidung  wirklich  ein  durchgreifendes  Merkmal  ab- 
giebt,  die  Form  des  Schlüsselbeines  dagegen  in  systematischer  Beziehung  schon  desshalb 
nur  einen  ganz  untergeordneten  Werth  haben  kann,  weil  dieses  Organ  mitsammt  dem  gan- 
zen Schultergerüst  bekanntlich  allen  demjenigen  Eidechsen  entweder  ganz,  oder  doch  so  gut 
wie  ganz  fehlt,  die,  wie  z.  B.  die  Pygopodidae,  Aniellidae,  Anelytropidae  und  Dibamidae, 
keine  Vorderextremitäten  besitzen.  Aber  auch  das  der  Zungenbekleidung  entlehnte  Unter- 
scheidungsmerkmal ist  in  so  fern  nicht  ganz  durchgreifend,  als  sowohl  bei  den  Xenosauri- 
den,  als  auch  bei  den  Änguiden  nur  die  Basis  der  Zunge  mit  Zotten  bekleidet  ist,  die  Spitze 
dagegen  genau  ebensolche  imbricate  schuppenförmige  Papillen  zeigt,  wie  sie  beiden  For- 
men der  dritten  Gruppe  Regel  sind.  Ferner  ist  es  mir  nicht  gelungen,  zu  eruiren,  welchem 
Princip  Herr  Boulenger  bei  Bestimmung  der  Reihenfolge  für  die  einzelnen  Familien  seiner 
Unterordnung  Lacertilia  vera  gefolgt  ist,  und  was  ihn  z.  B.  bewogen  hat,  die  Familie  Py- 
gopodidae, deren  Repräsentanten  bekanntlich  keine  Vorderextremitäten  und  folglich  auch 
kein  Schlüsselbein  besitzen,  gerade  zu  der  Gruppe  mit  einfacher,  am  proximalen  Ende  nicht 
erweiterter  Clavicula  zu  rechnen  und  zwischen  die  Familien  Uroplatidae  und  Agamidae  zu 
stellen,  zu  denen  sie  doch  auch  nicht  die  geringste  Verwandtschaft  zeigt.  Ebenso  ist  auch 
die  Stellung  der  Familie  Aniellidae  zwischen  den  Anguiden  und  Helodermatiden  kaum  zu 
rechtfertigen,  denn  wenn  die  Anielliden  auch  durch  den  Habitus  und  die  Beschuppung  mit 
einzelnen  Formen  der  Anguiden  übereinstimmen,  so  bieten  sie  doch  genau  dieselbe  Ueber- 
einstimmung  auch  mit  den  Pygopodiden  dar  und  im  Bau  des  Schädels  weichen  sie  von  allen 
Familien  der  2*'"  Gruppe  durchaus  ab  und  zeigen  namentlich  durch  den  Mangel  der  Colu- 
mella  cranii  und  des  knöchernen  Interorbitalseptums  die  grösste  Verwandtschaft  mit  den 
Dibamiden  und  AmpMsbaeniden,  denen  diese  Knochen  gleichfalls  fehlen.  Da  Boulenger 
seine  Familien  hauptsächlich  durch  osteologische ,  dem  Bau  des  Schädels  entlehnte  Merk- 
male, namentlich  durch  die  An-  oder  Abwesenheit  der  beiden  Knochenbrücken,  des 
Arcus  postorbitalis  und  des  Arcus  frontotemporalis  (postfronto-squamosal  arcli),  so  wie 
durch  das  Vorhandensein  oder  Fehlen  der  knöchernen  Ueberdachung  der  Fossa  supratem- 
poralis  cliarakterisirt  hat,  so  sollte  man  annehmen,  dass  diese  Verhältnisse  bei  Bestim- 
mung der  Reihenfolge  der  Familien  maassgebend  gewesen  sind,  doch  ist  das  keineswegs 
durchweg  der  Fall,  denn  in  der  2*'°  seiner  namenlosen  Gruppen  beginnt  die  Reihe  der  Fami- 
lien mit  den  Uroplatiden  und  Pygopodiden,  deren  Schädel  durch  den  Mangel  der  beiden 
Knochenbrücken  ausgezeichnet  ist,  darauf  folgen  die  Agamiden,  Iguaniden  und  Xenosauriden 
bei  denen  die  genannten  Knochenbrücken  vorhanden,  die  Fossa  supratemporalis  aber  nicht 
knöchern  überdacht  ist,  dann  die  Zonuriden  und  Anguiden  mit  ausgebildeten  Knochen- 
brücken und  knöchern  überdachter  Fossa  supratemporalis,  darauf  die  Anielliden,  bei  denen  wie- 
der die  Knochenbrücken  fehlen,  dann  die  Helodermatiden,  mit  vollständigem  Arcus  postor- 
bitalis, aber  ohne  Arcus  frontotemporalis  und  endlich  die  Varaniden,  bei  denen  gerade  um- 


Bemeekungen  übee  die  Gbckoniden-Sammlung  u,  s.  w. 


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gekehrt  der  Arcus  frontotemporalis  vorhanden,  der  Arcus  postorbitalis  aber  unvollständig 
ist,  und  denen  ebenso,  wie  selbstverständlich  auch  den  beiden  vorhergehenden,  die  knöcherne 
TJeberdachung  der  Fossa  supratemporalis  fehlt.  Ganz  ähnlich  steht  es  auch  um  die  Reihen- 
folge der  Familien  in  der  3*'"  Gruppe.  Hier  macht  die  Familie  der  Xantusiiden  den  Anfang, 
bei  welcher  der  Schädel  beide  Knochenbrücken  und  eine  knöchern  überdachte  Fossa  supra- 
temporalis besitzt,  dann  folgen  die  Tejiden  mit  ausgebildeten  Knochenbrücken,  aber  ohne 
knöcherne  Ueberdachung  der  Schläfengrube,  darauf  die  AmpMsbaeniden  mit  niedrig  ent- 
wickeltem Schädel,  an  welchem  die  Knochenbrücken  fehlen,  alsdann  die  Lacertiden  und  Gerrlio- 
sauriden,  deren  Schädel  ebenso  gebildet  ist,  wie  derjenige  der  Xantusiiden,  d.  h.  beide 
Knochenbrücken  und  das  Knochendach  über  der  Fossa  supratemporalis  besitzt,  darauf  die 
Scinciden,  welche  im  Schädelbau  wieder  mit  den  Tejiden  übereinstimmen,  indem  bei  ihnen 
die  beiden  Knochenbrücken  wohl  vorhanden  sind,  die  UeberdachuDg  der  Schläfengrube  aber 
fehlt,  und  endlich  die  Anelytropiden  und  Dibamiden,  deren  Schädel  ebenso  niedrig  entwickelt 
ist,  wie  derjenige  der  ÄmpMsbaeniden,  und  weder  die  Knochenbrücken,  noch  das  Knochen- 
dach zeigt.  Wie  man  sieht,  sind  auch  bei  ausschliesslicher  Berücksichtigung  des  Schä- 
delbaues durchaus  keine  zwingenden  Gründe  vorhanden,  die  Familien  in  der  von  Boulen- 
ger  proponirten  Ordnung  auf  einander  folgen  zu  lassen,  im  Gegentheil  auch  die  osteologi- 
schen  Merkmale  sprechen  entschieden  gegen  diese  Reihenfolge,  denn  es  kann  doch  keinem 
Zweifel  unterliegen,  dass  es  z.  B.  viel  natürlicher  und  richtiger  gewesen  wäre,  wenn  Bou- 
1  enger  die  Familie  der  ÄmpMsbaeniden  an'sEnde  seiner  3*""  Gruppe,  hinter  die  Dibamiden 
gestellt  hätte,  mit  denen  sie  im  Schädelbau  nicht  bloss  durch  die  Abwesenheit  der  Colu- 
mella  cranii,  sondern  auch  durch  den  Mangel  des  knöchernen  Septum  interorbitale  überein- 
stimmt. Diese  Reihenfolge,  bei  welcher  die  heterogensten  Foi-men  einander  genähert  und 
die  verwandtesten  von  einander  getrennt  werden,  ist  somit  durchaus  unnatürlich  und  muss 
unbedingt  durch  eine  andere  ersetzt  werden,  in  welcher  die  einzelnen  Familien  nach  den  im 
Schädelbau  ausgesprocheneu  Verwandtschaften  gruppirt  sind;  wenn  man  nun  dabei  von  der 
in  systematischer  Beziehung  ganz  unwesentlichen  Form  des  Schlüsselbeines  absieht  und 
statt  der  Bekleidung  die  Form  der  Zunge  in  Betracht  zieht,  so  lässt  sich  die  von  Boulenger 
aufgestellte  recht  complicirte  Eintheilung  mit  dem  bisher  geltenden,  ungleich  einfacheren 
Eidechsensystem  ganz  ohne  allen  Zwang  in  Einklang  bringen. 

Was  nun  das  bisher  geltende  Eidechsensystem  anbetrifft,  so  ist  im  Laufe  der  Jahre, 
dank  den  Arbeiten  der  älteren  Herpetologen,  besonders  M.  C.  Duméril's,  Wiegmann's 
undBibron's  die  Ordnung  der  Saurier  in  eine  Anzahl  natürlicher,  meist  schon  auf  den  ersten 
Blick  erkennbarer  Gruppen  eingetheilt  worden,  die  zwar  von  den  verschiedenen  Autoren 
nicht  immer  in  der  gleichen  Umgrenzung  aufgefasst,  im  Grossen  und  Ganzen  aber  doch 
adoptirt  worden  sind.  Diese  Eintheilung,  die  ursprünglich  in  Wiegmann's  Herpetologia 
mexicana  und  in  der  Erpétologie  générale  proponirt  worden  ist,  aber  nachträglich  mancherlei 
Abänderungen  und  Verbesserungen  erfahren  hat,  ist  zwar  später  in  ihrem  ganzen  Umfange 
nirgends  eines  Genaueren  dargelegt  worden,  dennoch  war  die  Mehrzahl  der  Herpetologen, 


6 


Dr.  a.  Strauch, 


freilich  mit  Ausnahme  der  Engländer,  so  zu  sagen  stillschweigend,  übereingekommen,  unter 
den  Eidechsen  11  besondere  Gruppen  zu  unterscheiden,  denen  man  die  Bedeutung  von 
Familien  beilegte  und  die  man  mit  den  Namen  Chamaeleonida,  Geckonida,  Agamida,  Jguanida, 
Helodermatida,  Varanida,  Ämelvida,  Lacertida,  Chalcidida,  Scmcida  und  Amphisbaenida  be- 
zeichnete. Von  diesen  1 1  Familien,  die  sich  durch  den  Bau  der  Zunge,  die  Befestigungsweise  der 
Zähne  und  namentlich  durch  die  Beschaffenheit  der  äusseren  Hautbedeckungen  von  einander 
unterscheiden,  hat  Boulanger  nicht  weniger  als  7,  nämlich  die  Chamaeleonida,  Agamida, 
Jguanida,  Helodermatida,  Varanida,  Lacertida  und  Amphisbaenida  genau  in  der  bisher  all- 
gemein angenommeneu  Umgrenzung  adoptirt.  Die  Familie  der  Ameividen  stimmt  gleichfalls 
fast  vollständig-  mit  den  Ttjidae  des  Boulenger'schen  Systems  überein  und  der  ganze  Un- 
terschied zwischen  beiden  besteht  nur  darin,  dass  Boulenger  zu  seinen  Tejidae  ausser  den 
mit  Cercosaiira  verwandten  Formen,  die  man  unter  dem  Namen  Cercosaurida  als  besondere 
Tribus  zusammenfassen  könnte,  noch  die  Genera  Tretioscincus,  MicroUepharus  und  Gymnoph- 
thahmis  hinzuzieht,  die  ihrer  äusseren  Erscheinung  nach  zu  den  Scinciden  gehören  und  bisher 
auch  stets  zu  dieser  Familie  gerechnet  worden  sind. 

Die  so  überaus  natürliche  Familie  der  Geckoniden  theilt  Boulenger  in  3  besondere 
Familien,  Geckonidae,  EiMepharidae  und  JJroplatidae,  die  ausschliesslich  auf  osteologische, 
z.  Th.  nur  an  skeletirten  Exemplaren  sichtbare  Merkmale  begründet  sind.  Die  Geckoniden 
(im  Sinne  Boulenger 's)  besitzen  am  proximalen  Ende  öhsenförmig  erweiterte  Schlüsselbeine, 
amphicoele  Wirbel  und  paarige  Scheitelbeine,  die  EiMephariden  gleichfalls  öhsenförmig 
erweiterte  Schlüsselbeine,  aber  procoele  Wirbel  und  ein  unpaares  Scheitelbein,  und  die  Vro- 
platiden  stimmen  in  der  Form  der  Wirbel  und  in  der  Zahl  der  Scheitelbeine  mit  den  Gecko- 
niden überein,  haben  aber  einfache,  am  proximalen  Ende  nicht  erweiterte  Schlüsselbeine 
und  ein  einfaches  Nasenbein.  Was  zunächst  à.\Q  Eiélephariden  anbetrifft,  so  ist  das  einfache 
Parietale  schwerlich  von  grosser  Bedeutung,  da  dieser  Knochen  bei  ihnen  in  der  Jugend 
ohne  Zweifel  gleichfalls  paarig  sein  und  erst  später  durch  Verwachsen  einfach  werden  wird, 
dagegen  verdienen  die  procoelen  Wirbel  allerdings  volle  Berücksichtigung  und  würden  auch 
ein  gutes  Unterscheidungsmerkmal  abgeben,  wenn  mit  Bestimmtheit  festgestellt  wäre,  dass  alle 
von  Boulenger  zu  den  Geckoniden  gerechneten  Formen  auch  wirklich  amphicoele  Wirbel 
besitzen.  Das  steht  aber  noch  keineswegs  fest,  denn  wenn  es  auch  kaum  einem  Zweifel  unter- 
liegen kann,  dass  bei  allen  typischen  Geckoniden  die  Wirbel  amphicoel  sind,  so  fragt  es  sich 
immerhin  noch,  ob  die  aberranten  Formen,  wie  namentlich  iVe^Arwws,  Ghondrodactylus,  Rhjn- 
choedura  und  Tercdoscinciis  nicht  am  Ende  auch  in  der  Form  der  Wirbel  abweichen,  denn 
untersucht  ist  keine  dieser  Formen  auf  den  fraglichen  Punkt  und  so  lange  der  directe  Be- 
weis dafür  noch  aussteht,  wird  es  immerhin  erlaubt  sein,  die  Form  der  Wirbel  in  Frage  zu 
stellen,  zumal  die  Eublephariden  in  ihrer  äusseren  Erscheinung  ungleich  weniger  von  den 
Geckoniden  abweichen,  als  z.  B.  die  ОдХіищем  Nephrurusunà  Teratoscincus.  Freilich  giebt  es 
noch  ein  zweites  Merkmal,  durch  welches  sich  die  Eublephariden  von  den  Geckoniden  unter- 
scheiden, nämlich  die  klappenförmigen  Augenlider,  nur  muss,  wenn  man  dieses  Merkmal  in 


Bemeekungen  über  die  Geckoniden-Sammlüng  u.  s.  w. 


7 


den  Vordergrund  stellen  will,  die  Gattung  Aelurosaiirus,  deren  Namen  Boulenger  später 
in  Äelurascalabotes  verändert  hat,  aus  der  Familie  der  Geckoniden  entfernt  und  in  diejenige 
der  EuUephariden  gestellt  werden,  weil  bei  den  dazugehörigen  Arten,  wie  Boulenger  selbst 
angiebt,  die  «eyelids  well  developed,  connivent»  sind.  Da  ausserdem  die  Gattung  Äelurasca- 
labotes auch  in  der  Beschaffenheit  der  Krallen  vollkommen  mit  der  Euble2)hariden-Gatt\mg 
Goleonyx  übereinstimmt,  indem  bei  beiden  die  Krallen  in  eine  aus  2  grossen  Schuppen  ge- 
bildete, von  oben  her  durch  eine  dritte  schmale  Schuppe  gedeckte  Scheide  zurückgezogen  werden 
können,  so  zweifle  ich  auch  keinen  Augenblick  daran,  dass  sie  wirklich  zu  äen  Eîiblepliariden 
gehört,  und  bin  fest  überzeugt^  das^,  wenn  es  erst  einmal  möglich  sein  wird,  ein  Skelet  von 
Äelurascalabotes  zu  untersuchen,  die  "Wirbel  sich  gleichfalls  als  procoel  erweisen  werden. 
Nimmt  man  nun  an,  dass  die  Form  der  ЛѴігЪеІ  stets  mit  der  Beschaffenheit  der  Augenlider 
Hand  in  Hand  geht,  was  nach  den  bisherigen  Erfahrungen  mehr  als  wahrscheinlich  ist,  so 
lassen  sich  die  Geckoniden  und  Eublepliariden  durch  diese  beiden  Merkmale  sehr  gut  und 
sicher  von  einander  unterscheiden,  dennoch  glaube  ich  nicht,  dass  man  sie  als  selbstständige 
Familien  gelten  lassen  kann,  da  sonst  die  Gleichwerthigkeit  der  Familien  überhaupt  gestört 
wird.  Die  Eublepliariden  stimmen  nämlich  sowohl  im  Habitus,  als  auch  in  der  Beschaffenheit 
der  Hautbedeckungen  und  in  der  Bildung  der  Zehen  so  vollkommen  mit  den  Geckoniden 
überein,  dass  man  sie,  genau  genommen,  nur  für  aberrante  Geckoniden  ansehen  kann,  und 
demzufolge  halte  ich  es  für  richtiger,  beide  genannten  Gruppen  als  besondere  Tribus  einer 
einzigen  Familie,  весіот(іа,  aufzufassen.  Während  Boulenger 's  Familie  û.qy  Eublepliariden, 
wenn  auch  nicht  als  Familie,  so  doch  als  besondere  Tribus  aufrecht  erhalten  werden  kann, 
muss  die  Familie  der  üroplatiden  einfach  eingezogen  und  mit  der  Familie  der  Geckoniden 
vereinigt  werden.  Diese  neue  Familie  enthält  nur  die  eine  Gattung  Uroplatus^  die  bekannt- 
lich auf  den  sonderbaren  6'ecÄ;o  fimbriatus'ë>c\\T\Q\d.  aus  Madagascar  begründet  ist  und  dess- 
halb  aus  der  Familie  Geckonida  entfernt  wird,  weil  bei  der  genannten  Art,  —  die  beiden 
anderen  Arten  sind  auf  das  Skelet  noch  gar  nicht  untersucht,  —  das  Schlüsselbein  am  proxi- 
malen Ende  nicht  erweitert  und  das  Nasenbein  einfach  ist.  Das  einfache  Nasale  hat  eben  so 
wenig  systematischen  Werth,  wie  das  einfache  Parietale  der  Eublepjhariden,  hier,  wie  dort, 
wird  der  betreffende  Knochen  bei  jüngeren  Individuen  sicherlich  paarig  sein,  und  es  bleibt 
also  nur  die  nichterweiterte  Clavicula  übrig,  die  allein  genügen  soll,  einen  Saurier  zum  Ty- 
pus einer  besonderen  Familie  zu  erheben,  der  in  seiner  ganzen  übrigen  Organisation  ein 
Geckonide  und  dabei  der  Gattung  Ptyodactylus  so  nahe  verwandt  ist,  dass  ein  grosser  Theil 
der  Autoren  ihn  einfach  als  Art  dieser  Gattung  aufgefasst  hat.  Will  man  auf  diese  Weise 
jeder  auch  noch  so  geringen  Eigenthümlichkeit  im  Knochenbau  gleich  den  Werth  eines  Fa- 
milienmerkmals beilegen,  so  müsste  man  consequenter  Weise  z.  B.  auch  die  Gattung  Braco 


1)  Annals^and  Mag.  Nat.  Hist.  5  sei'.XVI  (1885),  p.  387.  j  der  Familie  der  Theriodonten  veibrauclit  ist  und  daher  iu 
Hier  ist  bemerkt,  dass  der  Namen  Aélurosaurus  bereits   Äelurascalabotes  abgeändert  werden  muss. 
im  Jahre  1881  von  Owen  für  einen  fossilen  Saurier  aus  | 


8 


De.  a.  Steauch, 


aus  der  Familie  der  Ägamiden  aussondern  und  zum  Typus  einer  besonderen  Familie  er- 
heben, da  bei  den  Arten  dieser  Gattung  bekanntlich  die  6  vorderen  Paare  der  falschen  Rip- 
pen verlängert  sind  und  als  Stützen  einer  besonderen  Flughaut  dienen;  ja  dieses  letztere 
Verfahren  liesse  sich  sogar  noch  leichter  motiviren,  denn  die  verlängerten  Rippen  haben  eine 
bestimmte  physiologische  Bedeutung,  sie  stützen  und  entfalten  die  Flughaut,  welche  ihrer- 
seits wieder  auf  die  Lebensweise  der  Draconen  influirt,  während  das  Schlüsselbein  wohl 
immer  dieselbe  Function  haben  dürfte,  mag  es  nun  am  proximalen  Ende  öhsenförmig  er- 
weitert sein  oder  nicht.  Ich  glaube  daher,  dass  Boul enger  der  Form  der  Clavicula  eine  in 
systematischer  Beziehung  viel  zu  grosse  Bedeutung  beilegt,  denn  daraus,  dass  der  Sternal- 
apparat  bei  den  BatracJiiern  ein  vortreffliches  Eintheilungsmerkmal  abgiebt,  folgt  noch 
keineswegs,  dass  dieser  Apparat  auch  bei  den  Sauriern  deiiselben  Werth  haben  muss,  im 
Gegentheil  mir  scheint  gerade  die  Gattung  TJroplatus  den  besten  Beweis  dafür  zu  liefern, 
dass  die  Form  der  Clavicula  bei  den  Eidechsen  gar  keinen  systematischen  Werth  hat,  da 
einander  so  nahe  verwandte  Formen,  wie  die  Genera  Ptyodactylus  und  Uroplatus,  in  dieser 
Beziehung  differiren,  ganz  abgesehen  davon,  dass  es  überhaupt  schon  misslich  ist,  bei  Ein- 
theiluDg  einer  Thiergruppe  ein  Organ  zum  hauptsächlichsten  Unterscheidungsmerkmal  zu 
erheben,  welches,  wie  es  hier  der  Fall  ist,  einem  nicht  unbeträchtlichen  Theile  dieser  Gruppe 
gänzlich  fehlt. 

Die  Familie  der  Chalcididen  ferner,  über  deren  Umgrenzung  die  Ansichten  der  ver- 
schiedenen Autoren  von  jeher  am  meisten  auseinandergegangen  sind,  theilt  Boulenger  in 
vier  Familien  Zonuridae,  Anguidae,  Xantusiidae  und  GerrJiosauridae,  von  denen  die  zweite 
aber  sehr  heterogene  Elemente  enthält  und  aus  einer  Vereinigung  der  Gattungen  Gerrlio- 
notus  und  OpMsaunis  (mit  Einschluss  der  Genera  Pseudojms,  Dopasia  und  Hyalosaurus)  mit 
den  sogenannten  dqdoylossen  Scinciden  entstanden  ist.  Die  Gründe,  welche  Boulenger  be- 
wogen haben,  so  verschiedenartige  Formen,  wie  z.B.  den  bekannten  S holtopusik (PsewtZopMs 
Pallasii)  und  die  gemeine  Blindschleiche  {Anguis  fragilis)  in  ein  und  dieselbe  Familie  zu 
vereinigen,  sind  theils  im  Schädelbau,  theils  und  hauptsächlich  aber  in  der  Beschaffenheit 
der  Zunge  zu  suchen.  Der  Schädel  dieser  Thiere  besitzt  die  beiden  Knochenbrücken  und  eine 
knöchern  überdachte  Fossa  supratemporalis  und  die  Zunge  zeigt  in  ihrem  grösseren  basalen 
Theile  fadenförmige  Papillen,  während  ihre  schwach  ausgerandete  Spitze  mit  kleinen  flachen 
Schüppchen  bekleidet  ist,  wobei  ausserdem  noch  diese  beiden  Theile  der  Zunge  durch  eine 
mehr  oder  weniger  deutlich  ausgebildete  Querfalte  geschieden  erscheinen.  So  vollkommen 
nun  diese  von  Boulenger  unter  dem  Namen  Anguidae  vereinigten  Formen  im  Bau  des 
Schädels  und  der  Zunge  mit  einander  übereinstimmen,  ebensosehr  differiren  sie  in  der  Be- 
schaffenheit der  Hautbedeckungen,  denn  während  bei  den  Gattungen  Gerrhonotus  und  Ophi- 
saurus  die  Haut  des  Rumpfes,  ebenso  wie  bei  den  Zomiriden  und  Gerrhosauriden,  mit  Quer- 
ringeln von  Schuppen  bekleidet  ist,  zeigt  sie  bei  den  Diploglossiden  genau  dieselben  imbri- 
caten  und  im  Quincunx  angeordneten  Schuppen,  die  für  die  Scinciden  so  charakteristisch 
sind.  Ich  glaube  daher  der  bisher  ganz  allgemein  adoptirten  Ansicht,  dass  nämlich  die  Di- 


Bemekküngen  über  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


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ploglossiden  zu  àenScinciden  gehören,  beitreten  zu  müssen,  und  schlage  vor,  die  Familie  der 
Anguiden,  die  schon  Boulanger  selbst  je  nach  der  An-  oder  Abwesenheit  der  Seitenfalte 
in  zwei  nicht  besonders  benannte  Abtheilungen  scheidet,  in  zwei  Gruppen,  Gerrhonotida  mit 
einer  Seitenfalte  und  Diploglossida  ohne  Seitenfalte,  zu  theilen  und  die  letzteren  zu  den 
Scinciden  zu  stellen.  "Was  nun  die  vier  Familien  anbetrifft,  in  welche  Boulenger  die  Chal- 
cididen  eintheilt,  so  stimmen  dieselben  im  Bau  des  Schädels,  der  die  beiden  Knochenbrücken 
und  das  Knochendach  über  der  Fossa  supratemporalis  besitzt,  vollkommen  überein  und 
unterscheiden  sich  von  einander  hauptsächlich  durch  die  Bekleidung  der  Zungenoberfläche: 
die  Zomiriden  haben  eine  durchweg  mit  zottenförmigen  Papillen  bekleidete  Zunge,  bei  den 
Gerrhonoüden  (Boulenger'  s  Anguiden  mit  Seitenfalte)  ist  dieses  Organ,  wie  schon  bemerkt, 
theils  mit  Zotten,  theils  mit  Schüppchen  bekleidet  und  die  Xantusiiden  und  Gerrhosauriden 
endlich  besitzen  eine  Zunge,  die  an  der  Spitze  schuppenförmige  Papillen,  an  der  Basis  dagegen 
schräge,  gegen  die  Mittellinie  convergirende,  einander  mehr  oder  weniger  deckende  Falten 
zeigt.  Die  Bekleidung  der  Zunge  ist  also  allerdings  recht  verschieden,  die  Form  dieses  Or- 
gans dagegen  bei  allen  nahezu  dieselbe,  denn  alle  haben  eine  kurze,  wenig  protractile  und 
an  der  Spitze  schwach  ausgerandete  Zunge;  zieht  man  nun  hierzu  noch  in  Betracht,  dass 
auch  bei  allen  die  Schuppen  des  Kumpfes,  sie  mögen  gross  und  schildförmig,  oder  klein  und 
kornförmig  sein,  stets  in  deutliche  Querringel  angeordnet  sind,  so  wird  mau  die  Ansicht  der 
älteren  Autoren,  welche  die  Repräsentanten  dieser  4  Familien  unter  dem  Namen  der  Ghal- 
cididen  oder  Wirtelschleichen  in  eine  einzige  Familie  vereinigt  haben,  nicht  ganz  unbegründet 
finden.  Dass  Boulenger's  Zomriden,  Gerrlionotiden  (Anguiden  mit  Seitenfalte),  Xantu- 
siiden und  Gerrhosauriden  zu  einander  eine  grössere  Verwandtschaft  zeigen,  als  zu  den 
übrigen  Familien,  unterliegt  keinem  Zweifel  und  daher  glaube  ich,  dass  es  auch  richtiger 
sein  dürfte,  sie  als  Tribus  einer  einzigen  Familie  aufzufassen,  statt  ihnen  die  Bedeutung  selbst- 
ständiger Familien  beizulegen. 

Die  Familie  der  Scinciden  endlich,  deren  Repräsentanten  von  den  Engländern  so  tref- 
fend als  «fish-scaled  lizards»  bezeichnet  werden,  ist  unter  allen  Eidechsenfamilien  bekannt- 
lich diejenige,  in  welcher  die  grösste  Mannich  faltigkeit  der  Formen  beobachtet  wird,  indem 
hier  alle  üebergänge  von  der  typischen  vierfüssigen  Eidechsenform  bis  zur  fusslosen  Schlei- 
chenform vertreten  sind.  Neben  der  mehr  oder  weniger  gestreckten,  oft  geradezu  schlangen- 
förmigen  Gestalt  des  Rumpfes  sind  es  namentlich  die  Extremitäten,  welche  den  grössten  und 
mannichfaltigsten  Abänderungen  unterliegen,  denn  wir  treffen  hier  nicht  bloss  vierfüssige, 
zweifüssige  und  fusslose  Formen  an,  sondern  auch  die  Zahl  der  Finger  und  Zehen  variirt 
zwischen  5  und  0,  und  zwar  in  den  mannichfachsten  Combinationen.  Ebenso  wie  in  der 
Körperform  und  in  der  Zahl  und  Ausbildung  der  Extremitäten  variiren  diese  Eidechsen  auch 
im  Schädelbau  und  diesem  letzteren  Umstände  hauptsächlich  ist  es  auch  zuzuschreiben,  dass 
Boulenger  sie  in  nicht  weniger  als  6  selbstständige  Familien  vertheilt  hat.  Die  höchste 
Entwickelung  im  Schädelbau  bieten,  wie  ich  schon  zu  bemerken  Gelegenheit  hatte,  die  Diplo- 
glossiden  (Boulenger's  Ли^мШе  ohne  Seitenfalte)  dar,  indem  ihr  Schädel  sowohl  die  beiden 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences  ѴПтв  Se'rie.  2 


10 


Dr,  a.  Strauch, 


Knochenbrücken,  als  auch  die  knöcherne  üeberdachung  der  Fossa  supratemporalis  besitzt, 
alsdann  folgen  die  Scinciden  Boulenger' s ,  an  deren  Schädel  zwar  die  beiden  Knochen- 
brücken vorhanden  sind,  aber  das  Knochendach  über  der  Fossa  supratemporalis  fehlt,  uächst- 
dem  die  Fygopodiden  und  Änelytropiden  mit  einem  Schädel  ohne  Knochenbrücken  und  selbst- 
verständlich auch  ohne  Knochendach,  und  endlich  die  Änielliden  und  Lïbamiden  mit  ganz 
niedrig  entwickeltem  Schädel,  an  dem  nicht  bloss  die  Knochenbrticken,  sondern  auch  die  Co- 
lumella  und  sogar  das  knöcherne  Interorbitalseptum  fehlen,  die  also  im  Schädelbau  voll- 
kommen mit  den  AmpMsbaeniden  übereinstimmen.  Trotz  aller  dieser  Verschiedenheiten  in 
der  Körperform,  in  der  Ausbildung  der  Extremitäten  und  im  Schädelbau  zeigen  diese  Thiere 
dennoch  eine  nicht  zu  läugnende  Verwandtschaft  zu  einander,  die  sich  in  der  Beschaffenheit 
der  äusseren  Hautbedeckungen  documentirt:  die  Haut  aller  dieser  Eidechsen  ist  nämlich 
mit  Schindelschuppen,  d.  h.  mit  dachziegelförmig  über  einander  gelagerten,  nach  Art  der 
Fischschuppen  im  Quincunx  angeordneten  Schuppen,  bekleidet  und  dabei  so  ausserordentlich 
charakteristisch,  dass  man  diese  Thiere  auf  den  ersten  Blick  zu  erkennen  vermag.  Diese 
üebereinstimmung  in  den  äusseren  Hautbedeckungen  ist  В  oui  enger-  natürlich  auch  nicht 
entgangen,  er  betrachtet  sie  aber  als  «superficial  appearance»,  mir  dagegen  scheint  sie  in 
systematischer  Beziehung  ungleich  wichtiger  zu  sein,  als  die  Differenzen  im  Knochenbau, 
die  am  Ende  doch  nur  in  einer  graduellen  Verkümmerung  des  Schädels  bestehen,  und  ich 
glaube  daher,  dass  es  viel  natürlicher  sein  dürfte,  diese  von  Boulenger  weit  auseinander- 
gerissenen Formen,  wie  bisher,  unter  dem  Namen  Scincida  in  eine  Familie  zu  vereinigen 
und  den  6  Familien  Boulenger's  höchstens  den  Werth  von  Tribus  beizulegen. 

Schliesslich  bleibt  noch  Boulenger's  Familie  Xenosauridae  übrig,  welche  bekanntlich 
auf  eine  einzige  Art,  den  zuerst  von  Peters  im  Jahre  1861  genauer  beschriebenen,  höchst 
sonderbaren  Xenosaurus  fasciatus  aus  Mexico  begründet  ist;  diese  Eidechse  erinnert  durch 
die  Beschuppung  der  Oberseite  von  Kopf  und  Rumpf  an  die  Geclioniden,  durch  diejenige  der 
Unterseite  und  des  Schwanzes  an  die  Varaniden  und  Helodermatiden,  stimmt  im  Schädelbau 
und  in  der  Befestigungsweise  der  Zähne  mit  den  Igmniden  überein  und  besitzt  eine  Zunge, 
welche  der  Zunge  der  Änguiden  (Gerrhonotiden  und  Biploglossiden)  sehr  ähnlich  ist,  verbindet 
also  Charactere  sehr  differenter  Familien,  lässt  sich  aber  trotzdem  in  keine  dieser  Familien 
ohne  Zwang  einreihen  und  muss  daher  als  Typus  einer  selbstständigen  Familie,  Xenosaurida, 
aufgefasst  werden,  welche,  wie  schon  Peters  bemerkt,  das  Bindeglied  zwischen  den  Igm- 
niden und  Helodermatiden  bildet. 

Nach  dem  im  Vorstehenden  Gesagten  würde  sich  also  die  sehr  complicirte  Eintheilung 
Boulenger's  mit  dem  früheren  Eidechsensystera  in  folgender  Weise  combiniren  lassen: 


1)  Berliner  Monatsberichte  1861  p.  454. 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlüng  u.  s.  w. 


11 


I.  Rhipto^lossa. 

1.  Familie  Chamaeleonida. 

II.  Pachyglossa. 

2.  Familie  Qeckonida. 

1.  Tribus  Qeckonida  s.  str. 

2.  »  Eublepharida. 

3.  Familie  Agamida. 

4.  »  Igmnida. 

5.  '»  Xenosaurida. 

6.  »      Heioder  matida. 

III.  Lepto^lossa. 

7.  Familie  Varanida. 

8.  »  Tejidä. 

9.  »     Lacertida.  ^ 

10.  »  CJialcidida. 

1.  Tribus  Zonurida, 

2.  »     Gerrhonotida  (Boulenger's  Anguidae  mit  Seitenfalte). 

3.  »  Xantusiida. 

4.  »  Gerrhosaurida. 

11.  Familie  Scincida. 

1.  Tribus  Diploglossida  (Boulenger's  Anguidae  ohne  Seitenfalte). 

2.  »     Scincida  s.  str. 

3.  »  Pygopodida, 

4.  »  Anelytropida. 

5.  »  AnieUida. 

6.  »  Dibamida. 

12.  Familie  Ampliisbaenida. 

Eine  genauere  Begründung  der  obigen  Eintheilung  liegt  ausserhalb  des  Planes  meiner 
Arbeit,  auch  könnte  ich  eine  solche  zur  Zeit  kaum  geben,  theils  weil  dazu  sehr  eingehende 
Studien  erforderlich  sind,  die  zu  machen  ich  noch  keine  Zeit  gehabt  habe,  theils  auch  weil 
der  letzte  Band  von  Boulenger's  Catalog  noch  nicht  erschienen  und  mir  also  der  Bestand 
der  6  letzten  von  ihm  adoptirten  Familien  nicht  näher  bekannt  ist.  Ich  behalte  mir  daher 
eine  genauere  Auseinandersetzung  des  im  Vorstehenden  angedeuteten  Systems  für  eine  spä- 
tere Gelegenheit  vor  und  wende  mich  nunmehr  zu  dem  eigentlichen  Gegenstande  dieser  Ar- 
beit, zu  der  Familie  der  Gechoniden. 

Als  mir  im  Frühjahr  1885  der  erste  Band  von  Boulenger's  Catalogue  of  Lizards  in 
die  Hände  kàm,  entstand  in  mir  natürlich  der  lebhafte  Wunsch,  das  Werk  nicht  bloss  näher 

2* 


12 


De.  a.  Strauch, 


kennen  zu  lernen,  sondern  es  auch  auf  seinen  Werth  und  seine  Brauclibarkeit  an  den  Ob- 
jecten  selbst  zu  prüfen.  Zu  diesem  Zwecke  machte  ich  mich  im  Beginn  der  Sommerferien 
an  eine  Revision  unserer  Eidechsensammlung  und  begann  dieselbe  mit  der  Familie  der  Gecko- 
mc^ew,  theils  weil  diese  Familie  bei  Boulenger  die  Reihe  der  Eidechsen  eröffnet,  theils  und 
hauptsächlich  aber  auch  desshalb,  weil  gerade  unter  unseren  Geckoniden  eine  Anzahl  von 
Arten,  namentlich  aus  der  Gattung  Hemidactylus,  vorhanden  war,  deren  genauere  Bestim- 
mung mir  bis  dahin  nicht  recht  hatte  gelingen  wollen.  Die  Arbeit  ging  so  rasch  vorwärts, 
dass  sie  in  wenigen  Wochen  beendet  war,  und  hat  mir  sehr  viel  Vergnügen  bereitet,  denn 
ich  muss  gestehen,  dass  ich  in  meiner  mehr  als  fünfundzwanzigjährigen  Praxis  kaum,  jemals 
ein  Buch  mit  solcher  Befriedigung  benutzt  habe,  wie  diesen  Boulenger'schen  Catalog.  Die 
Revision  ergab  das  Resultat,  dass  wir  im  Ganzen  122  verschiedene  Arten  von  Geckoniden 
in  637  Exemplaren  besitzen,  welche  letzteren  in  456  Gläser  auseinandergelegt  und  unter 
ebenso  vielen  Nummern  in  den  Generalcatalog  der  Reptiliensammlung  eingetragen  sind. 
Unter  diesen  122  Arten  fanden  sich  nicht  weniger  als  13  ganz  neue,  so  wie  eine,  die  zwar 
bereitsvormehralsöO  Jahren  von  Wiegmann  unter  dem  Namen  Gymnodactylus  Eversmanni 
kurz  characterisirt,  aber  später  gänzlich  in  Vergessenheit  gerathen  war;  diese  letztgenannte 
Art  Hess  sich  in  keine  der  von  Boulenger  adoptirten  Gattungen  einreihen,  so  dass  ich  sie 
zum  Typus  einer  neuen  Gattung,  Ptemdactylus,  erheben  musste,  und  aus  dem  gleichen  Grunde 
habe  ich  auch  für  eine  der  ganz  neuen  Arten  ein  neues  Genus,  Cnemaspis,  creiren  müssen. 
Aber  auch  unter  den  bereits  bekannten  Arten  fanden  sich  hin  und  wieder  Exemplare,  die 
nicht  ganz  mit  den  vorhandenen  Beschreibungen  übereinstimmten,  und  da  ich  glaubte,  dass 
eine  kurze  Besprechung  solcher  Exemplare  für  die  genauere  Kenntniss  der  betreffenden  Ar- 
ten nicht  überflüssig  sein  würde,  so  entschloss  ich  mich  statt  einer  einfachen  Beschreibung 
der  neuen  Arten,  einen  Catalogue  raisonné  unserer  ganzen  Geckoniden-Sammlung  zu  ver- 
öffentlichen. Diese  Sammlung  ist  zwar  nicht  gerade  besonders  reich,  gehört  aber  immerhin 
zu  den  bedeutenderen  und  daher  dürfte  ein  Catalog  derselben  auch  nicht  ganz  ohne  In- 
teresse sein. 

Bevor  ich  aber  an  die  Aufzählung  der  in  der  academischen  Sammlung  vorhandenen 
Geckoniden- Arteu  gehe,  möchte  ich  mir  noch  einige  Bemerkungen  über  die  von  Boulenger 
adoptirten  Gattungen,  so  wie  namentlich  auch  über  die  Reihenfolge,  in  welcher  er  diese 
Gattungen  aufführt,  erlauben  und  brauche  wohl  nicht  erst  zu  bemerken,  dass  ich  unter  dem 
Namen  Geckonida  nicht  bloss  die  gleichnamige  Familie  Boulenger's,  sondern  auch  seine 
Familien  Eublepharidae  und  Uroplatidae  zusammenfasse. 

Was  zunächst  die  Gattungen  anbetrifft,  so  ist  es  kein  geringes  Verdienst  Boulenger's, 
dass  er  die  übergrosse  Zahl  derselben  auf  das  gehörige  Maass  reducirt  hat,  nur  glaube  ich. 


1)  Da  ich  die  Zahl  der  Exemplare  in  ein  und  demselben 
Glase  höchstens  mit  6  uotirt  habe,  in  einzelnen  Gläsern 
aber  weit  mehr  Exemplare  enthalten  sind,  so  ist  die  Ge- 
sammtzahl  der  Exemplare  in  Wirklichkeit  grösser,  als 


sie  hier  angegeben  ist.  Um  solche  Gläser  mit  mehr  als 
6  Exemplaren  auszuzeichnen,  habe  ich  sowohl  im  General- 
catalog, als  auch  in  dieser  Arbeit  hinter  die  Zahl  6  ein 
■+■  gestellt. 


Bemerkungen  Овен  die  Geckoniden-Sammlüng  и.  s.  w. 


13 


dass  er  dabei  in  zwei  Fällen  etwas  zu  weit  gegangen  ist  und  Genera  vereinigt  hat,  die  con- 
sequenter  Weise  hätten  getrennt  bleiben  müssen.  So  zieht  er  die  Gattung  Peripia  ein  und 
vereinigt  sie  mit  der  Gattung  Gehjra^  obwohl  bei  den  Arten  der  ersteren  die  Hypodactyl- 
schilder  getheilt  und  zweizeilig,  bei  denen  der  letzteren  dagegen  ganz,  d.  h.  ungetheilt,  und 
einzeilig  angeordnet  sind.  Hier  wird  also  der  Beschaffenheit  der  Hypodactylschilder  nicht 
der  Werth  eines  generischen  Merkmals  beigelegt,  während  es  doch  sonst  immer  geschieht, 
denn  wodurch  anders  unterscheiden  sich  z.B. die  beiden  von  Boulenger  adoptirten  Genera 
Phyllopems  und  Hemidadylus  von  einander,  wenn  nicht  dadurch,  dass  bei  der  einzigen  Art 
des  ersteren  die  Hypodactylschilder  einfach  und  einzeilig,  bei  den  Arten  von  Hemiclactyhis 
dagegen  getheilt  und  zweizeilig  sind.  Genügt  die  Differenz  in  der  Beschaffenheit  der  frag- 
lichen Schilder  in  dem  einen  Falle  zur  Aufstellung  zweier  selbstständigen  Genera,  so  erfor- 
dert es  die  Consequenz,  dass  ihr  auch  in  dem  anderen  Falle  der  gleiche  Werth  vindicirt 
werde,  und  desshalb  glaube  ich,  dass  die  Gattung  Peripia  wieder  restituirt  werden  muss, 
um  so  mehr,  als  Boulenger  bei  seinem  Verfahren  doch  genöthigt  ist,  seine  Gattung  б^е/г^га 
in  zwei  Gruppen,  mit  doppelten  und  einfachen  Hypodactylschildern,  zu  trennen.  Ganz  ähn- 
lich verhält  es  sich  auch  mit  den  Gattungen  Бм№0^»м5  \mà  Alsophylax,  die  Boulenger  unter 
dem  letzteren  Namen  zusammengezogen  hat,  denn  bei  Bumpus  sind  die  Queriamellen  an  der 
Unterseite  der  Finger  und  Zehen  mit  sehr  deutlichen  Tuberkeln  versehen  und  erscheinen 
am  Vorderrande  gezähnelt,  bei  Alsopliylax  dagegen  sind  sie  sowohl  auf  der  Fläche,  als  auch 
am  Rande  durchaus  glatt;  diese  beiden  Gattungen  unterscheiden  sich  von  einander  also  ge- 
nau durch  dasselbe  Merkmal,  wie  die  Genera  Stenodactylus  und  Ptempus,  und  da  Bou- 
lenger diese  letzteren  adoptirt  hat,  so  müssen  consequenter  Weise  Bunopus  Also- 
phjlax  als  gesonderte  Gattungen  aufgefasst  werden. 

In  Betreff  der  Reihenfolge,  in  welcher  Boulenger  die  Gattungen  aufführt,  muss  ich 
bemerken,  dass  mir  dieselbe  eine  ganz  willkürliche  zu  sein  und  den  in  der  Zehenbildung 
ausgesprochenen  Verwandtschaften  der  einzelnen  Formen  nicht  in  allen  b'ällen  genügende 
Rechnung  zu  tragen  scheint.  Schon  der  Umstand,  dass  er  die  Reihe  der  Gattungen  in  seiner 
Familie  Geckonidae  mit  den  aberranten  Formen  beginnt,  dürfte  kaum  zu  rechtfertigen  sein, 
da  es  doch  einmal  angenommen  und  auch  ganz  natürlich  ist,  die  typischen  Formen  voran 
zu  stellen  und  die  aberranten  erst  am  Schlüsse  folgen  zu  lassen.  Es  fragt  sich  nun,  welche 
Formen- als  die  typischen  anzusehen  sind  und  da  giebt,  wie  ich  glaube,  die  Zehenbildung 
den  nöthigen  Aufschluss.  Bekanntlich  zeichnen  sich  die  Geckoniden  durch  eine  grosse  Man- 
nichfaltigkeit  in  der  Form  und  Bekleidung  der  Finger  und  Zehen  aus  und  lassen  sich  hier- 
nach in  zwei  grosse  Gruppen  eintheilen,  nämlich  in  Arten  mit  erweiterten  Fingern  und  Ze- 
hen und  in  solche,  bei  denen  diese  Organe  einfach,  d.  h.  nicht  erweitert  sind.  Unter  den 
ersteren  giebt  es  wiederum  Formen,  bei  welchen  die  Finger  und  Zehen  in  ihrer  ganzen  Länge 
erweitert  sind  und  solche,  bei  welchen  sich  die  Erweiterung  nur  auf  einen  Theil  der  genannten 
Organe  beschränkt,  und  zwar  ist  es  bald  die  Basis,  bald  die  Spitze,  welche  die  Erweiterung 
zeigt.  Die  am  meisten  typischen  Geckonen  würden  hiernach  also  diejenigen  sein,  bei  welchen 


14  Dr.  a.  Steauch, 

die  Finger  und  Zehen  in  ihrer  ganzen  Länge  erweitert  sind,  und  mit  ihnen  müsste  auch  die 
Reihe  beginnen;  diesen  würden  sich  dann  die  Formen  anschliessen,  bei  welchen  . die  Finger 
und  Zehen  nur  theilweise  erweitert  sind,  und  zwar  zuerst  diejenigen,  bei  welchen  der  grös- 
sere Theil  der  genannten  Organe  erweitert  ist,  also  die  Formen  mit  an  der  Basis  erweiterten 
Fingern  und  Zehen,  da  bei  diesen  nur  das  Endglied  an  der  Erweiterung  nicht  Theil  nimmt, 
darauf  müssten  die  Formen  folgen,  bei  denen  sich  die  Erweiterung  auf  das  Endglied  der  Fin- 
ger und  Zehen  beschränkt,  und  endlich  diejenigen  mit  einfachen,  nicht  erweiterten  Fingern 
und  Zehen,  an  welche  sich  schliesslich  die  aberranten  Formen  anreihen  müssten.  Diese  durch- 
aus natürliche  und  auch  bereits  von  Duméril  und  Bibron  adoptirte  Reihenfolge  hat  Bou- 
lenger  verworfen  und  seine  Familie  GecJconidae,  wie  aus  der  Bestimmungstabelle  der  Gat- 
tungen zu  ersehen  ist,  in  1 1  besondere  Gruppen  eingetheilt.  Die  3  ersten  dieser  Gruppen 
enthalten  die  aberranten  Formen,  so  wie  diejenigen,  bei  welchen  die  Finger  und  Zehen  gar 
nicht  erweitert  sind,  die  beiden  folgenden  den  grössten  Theil  der  Arten  mit  an  der  Spitze 
erweiterten  Fingern  und  Zehen,  in  die  6.  Gruppe  stellt  er  Arten  mit  der  ganzen  Länge  nach 
erweiterten  Fingern  und  Zehen,  in  die  7.  dagegen  diejenigen,  bei  welchen  die  genannten 
Organe  nur  an  der  Basis  erweitert  sind,  die  8.  und  9.  Gruppe  enthalten  wiederum  Arten 
mit  vollständig  erweiterten  Fingern  und  Zehen,  in  der  10.  vereinigt  er  Formen  mit  sehr 
verschiedenartiger  Zehenbildung,  die  mit  einander  aber  darin  übereinstimmen,  dass  ihnen 
durchweg  die  Krallen  fehlen,  und  die  11.  Gruppe  endlich  enthält  wiederum  Arten  mit  an 
der  Spitze  erweiterten  Fingern  und  Zehen,  bei  denen  aber  die  Krallen  in  eine  sich  seitwärts 
öffnende  Scheide  zurückgezogen  werden  können.  Diese  Anordnung  ist  nun  nicht  bloss  un- 
natürlich, da  dabei  einander  sehr  nahe  verwandte  Arten  weit  auseinandergerissen  werden, 
sondern  hat  auch  noch  den  grossen  Nachtheil,  dass  sie  die  Determination  der  Gattungen  un- 
nützer Weise  erschwert,  indem  man  beim  Bestimmen  immer  alle  1 1  Gruppen  consultiren 
muss,  was  bei  einer  dichotomisch  angeordneten  Tabelle  natürlich  wegfällt.  Ich  glaube  da- 
her, dass  die  Reihenfolge,  welche  die  Verfasser  der  Erpétologie  générale  adoptirt  haben, 
ungleich  natürlicher  ist,  und  habe  den  Versuch  gemacht,  eine  dichotomisch  angeordnete  Ta- 
belle zur  Bestimmung  der  Gattungen  zu  entwerfen,  in  die  ich  auch  die  4  bei  Boulenger 
fehlenden  Genera  {Peripia,  Cnemaspis,  Bunopus  und  Ptenodactylus)  aufgenommen  habe,  und 
welche  anzeigen  wird,  in  welcher  Reihenfolge  ich  die  57  gegenwärtig  bekannten  Geckoniden- 
Gattungen  aufzuführen  vorschlage. 

Dicliotomisclie  Tabelle  zur  Bestimmung  der  Geckoniden-Gattungen. 

Die  Augenlidei- 

I.  rudimentär,  ringförmig,  oder  häufiger  nur  das  obere  entwickelt  (1.  Tribus  Geckonida  s.  str.). 
Die  Finger  und  Zehen  sind 
A)  erweitert,  und  zwar 

1)  in  ihrer  ganzen  Länge.  Die  Querlamellen  an  ihrer  Unterseite 

a)  sind  getheilt,  d.  h.  in  2  Reihen  angeordnet.  Die  Krallen  retractil   -1.  Thecadactylus. 

b)  sind  einfach  oder  einreihig;  die  Krallen 

a)  fehlen  ganz.  Die  Pupille 

-b)  rund   2.  Phelsuma. 

H— h)  vertical   3.  Pachydactylus. 

ß)  sind  vorhanden,  und  zwar 


Bemeeküngen  übek  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


15 


7])  nur  an  gewissen  Fingern,  resp.  Zehen,  nämlich 

z)  am  3.  und  4.  Finger,  resp.  Zehe   4.  Tarentola. 

zz)  am  2.-5.  Finger,  resp.  Zehe,  so  dass  nur  der  Daumen  und  die 

Innenzehe  krallenlos  sind   5.  Homopholis. 

7]ï))  an  allen  5  Fingern  und  Zehen.  Die  Oberseite  des  Kumpfes  ist 
x)  mit  Schuppen  bekleidet,  die 

s)  imbricat  angeordnet  sind   6.  Geckolepis. 

ss)  neben  einander  liegen   7.  Eurydactylus. 

xx)  granulirt   8.  Aeluronyx. 


2)  nur  theilweise,  nämlich 

a)  an  der  Basis,  so  dass  das  Endglied  comprimirt  erscheint.  Dieses  comprimirte 
Endglied  sitzt 

a)  an  der  Spitze  des  erweiterten  Theiles,  welcher  au  der  Unterseite  mit 
X)  einer  einzigen  Reihe  von  Lamellen  bekleidet  ist.  Das  comprimirte 
Endglied  ist 

ïj)  sehr  kurz.  Am  Daumen  und  an  der  Innenzehe 

z)  fehlt  das  comprimirte  Endglied  und  auch  die  Kralle.  Die 
Extremitäten 

s)  mit  einem  sehr  deutlichen  Hautsaum  versehen.  An 
den  Rumpfseiten 

-h)  ein  sehr  entwickelter  Hautsaum,  eine  Art  von 


Flughaut   9.  Ptychozoou. 

-H-f-)  nur  eine  schmale  Hautfalte   10.  Luperosaurus. 

ss)  ohne  Hautsaum   11.  Gecko. 

zz)  ist  das  comprimirte  Endglied  mit  der  Kralle  vorhanden,  u. 

ebenso  beschafl'en,  wie  an  den  übrigen  Fingern  u.  Zehen. .  12.  Rhacodactylus. 
fjf])  lang  und 

-+-)  bildet  mit  dem  erweiterten  Theil  einen  Winkel   13.  Hoplodactylus. 

-t—t-)  liegt  mit  dem  erweiterten  Theile  in  einer  Ebene   14.  Naultinus. 

X  X)  zwei  Reiben  von  Lamellen  bekleidet  ist.  Der  Daumen  und  die  In- 
nenzehe sind 

T))  wohlentwickelt,  aber  krallenlos   15.  Lepidodactylus. 

T)T))  ganz  rudimentär.  Die  Pupille 

s)  rund.  Die  Kralle  au  dem  rudimentären  Daumen,  resp.  In- 
nenzehe 

z)  sehr  klein,  kaum  deutlich   16.  Lygodactylus. 

zzj  stark  und  sehr  deutlich   17.  Microscalabotes. 

SS)  vertical   18.  Spath  oscalabotes. 

ß)  auf  der  Mitte  des  erweiterten  Theiles,  tritt,  so  zu  sagen,  aus  demselben 
hervor.  Daxmien  und  Inneiizehe 

-b)  rudimentär,  doch  trägt  die  letztere  eine  wohlentwickelte  Kralle  19.  Perochirus. 
-t—i-)  wohlentwickelt.  Das  comprimirte  Endglied 

z)  fehlt  am  Daumen  und  an  der  Innenzehe;  diese  letzteren 
s)  sind  an  der  Unterseite  ebenso  mit  Querlamellen  versehen, 
wie  die  übrigen  Zehen  und  Finger.  Die  Lamellen 

X)  durch  eine  Mittelfurche  getheilt   20.  Peripia. 

X  X)  durchaus  ungetheilt  und  einzeilig   21.  Gehyra. 

ss)  tragen  an  der  Unterseite  je  eine  runde  Platte  22.  Aristelligei'. 


zz)  ist  an  allen  Fingern  und  Zehen  vorhanden.  Der  erweiterte 
Zehentheil  an  der  Unterseite 

■f))  mit  einer  einfachen  Reihe  von  Querlamellen  bekleidet.  23.  Phyllopezus. 
ïjT))  mit  einer  doppelten  Reihe  von  Querlamellen  bekleidet. 
Die  Oberseite  des  Rumpfes 
x)  mit  grossen,  dacbziegelförmig  gelagerten  Schuppen 

bekleidet.  Ohröffnung  verdeckt  24.  Teratolepis. 

xx)  mit  kleineu  Schuppen  \щй  Tuberkeln  bekleidet. 

Ohröffnung  frei  '25.  Hemidactylus. 

Ъ)  an  der  Spitze.  Die  Erweiterung  an  der  Unterseite 
a)  mit  Lamellen  versehen,  welche 

H-)  eine  fächerförmige  Anordnung  zeigen.  Der  nicht  erweiterte  Theil 
der  Finger  und  Zehen  an  der  Unterseite 

s)  mifr  Querlamellen  bekleidet   26.  Ptyodactylus. 

ss)  mit  Schuppen  bekleidet   27.  Uroplatus. 

-I  ■  I  ■)  einfach  der  Quere  nach  gerichtet  sind.  Diese  Lamellen  sind  an 
ihrem  Hinterrande 

z)  mit  feinen  Franzen  versehen,  wie  gefilzt   28.  Dactychilikion. 

zz)  glatt,  ohne  Franzen  oder  Zähnchen   29.  Rhoptropus. 

ß)  mit  Platten  versehen  und  zwar 

X)  findet  sich  an  jeder  Zehe  eine  einzige  solche  Platte  '  30.  Sphaerodactylus. 

X  X)  sind  an  jeder  Zehe  zwei  solcher  Platten  vorhanden,  die  neben  ein- 
ander liegen  und  durch  eine  Längsfurche  getrennt  sind.  Die  nicht 
erweiterten  Glieder  der  Finger  und  Zehen  sind 


16 


Dr.  a.  Steauch, 


s)  alle  gleich  beschaffen  und  an  der  Unterseite  mit  Querlamel- 
len oder  Tuberkeln  versehen.  Krallen 

г)  fehlen  durchaus   31.  Ebenavia. 

zz)  sind  vorhanden.  Die  Querlamellen  an  der  Unterseite  der 
Finger  und  Zehen  sind 

tq)  einfach  und  überhaupt  klein.  Das  erweiterte  End- 
glied der  Finger  und  Zeheu  ist  auf  der  Oberseite 
-f-)  mit  grossen  Schuppen  bekleidet,  die  von 

denen  der  übrigen  Glieder  sehr  abweichen.  '32.  Phyllodactylus. 
-ни-)  mit  kleinen  Schuppen  bekleidet,  die  denen 

der  übrigen  Glieder  vollkommen  gleichen.  33.  Diplodactylus. 
Tiif))  paarig,  mit  Ausnahme  der  hinteren,  d.  h.  proximalen.  34.  Oedura. 
ss)  in  so  fern  ungleich,  als  auf  dem  vorletzten  Gliede  der  4  äus- 
seren Finger  und  Zehen  sich  ein  Paar  ebensolcher  Platten 

befindet,  wie  auf  dem  erweiterten  Endgliede   35.  Calodactylus. 

B)  nicht  erweitert  oder  höchsteus  an  der  Basis  in  so  feru  scheinbar  erweitert,  als  das 
Basalglied  gegen  die  stark  comprimirteu  distalen  Glieder  beträchtlich  absticht.  Die 
Unterseite  der  Finger  und  Zehen  mit 
1)  Querlamellen  bekleidet.  Die  distalen  Glieder  der  Finger  und  Zehen 

a)  viel  schmäler,  als  das  Basalglied,  da  sie  mehr  oder  weniger  stark  comprimirt 
sind.  Die  Klauen  liegen  zwischen 
a)  drei  Schildchen,  einem  kleinen  oberen  und  zwei  grossen  infero-lateralen.  36.  Heteronota. 
ß)  zwei  Schildcheu,  einem  kleinen  oberen  und  einem  sehr  grossen  unteren, 
das  rinuenförmig  gebogen  ist.  Die  Innenseite  der  Unterschenkel 

-+-)  mit  einer  Längsreihe  grosser,  in  die  Quere  gezogener  Schilder 


bekleidet   37.  Cnemaspis. 

-H-i-)  wie  gewöhnlich  beschuppt.  Die  Pupille  ist 
Yj)  rund.  Der  Schwanz  ist 

г)  drehrund  oder  selbst  abgeflacht,  aber  nie  comprimirt. .  88.  Gonatodes. 

гг)  sehr  deutlich  comprimirt  mit  scharfer  Oberkante   39.  Pristurus. 

Y^ïj)  vertical.  Der  Schwanz 

X  )  von  gewöhnlicher  Form,  conisch  und  sehr  fragil  ....  40.  Gymnodactylus. 
X  X)  von  der  Basis  an  sehr  dünn  und  nicht  fragil  41.  Agamura. 


Ъ)  ebenso  breit,  wie  das  Basalglied  u.  nicht  comprimirt.  Die  Zehen  an  den  Seiten 
a)  ganzrandig,  d.  h.  nicht  gefranzt;  ebenso  auch  die  Finger.  Die  Querla- 
mellen an  der  Unterseite  der  Finger  und  Zehen 

X)  glatt  und  am  Vorderrande  nicht  gezähnelt.  Die  Oberseite  des 
Rumpfes 


s)  mit  dachziegelförmig  gelagerten  Schuppen  bekleidet  42.  Homonota. 

SS)  mit  Koruschuppen  und  Tuberkeln  bekleidet   43.  Alsophylax. 

X  X)  mit  deutlich  vorspringenden  Tuberkeln  bekleidet  und  am  Vor- 
derrande gezähnelt   44.  Bunopus. 

ß)  mit  deutlichen  Frauzen  versehen.  Die  Finger  an  den  Seiten 

■+■)  gleichfalls  mit  deutlichen  Franzen  versehen     45.  Ptenodactylus. 

-ы-)  ganzrandig,  oder  sehr  undeutlich  gefranzt.  Die  Querlamellen  an 
der  Unterseite  der  Finger  und  Zehen 

/i)  gekielt  und  am  Vorderrande  deutlich  gezähnelt   46.  Stenodactylus. 

/  /)  nicht  gekielt  und  mit  so  feinen  Tuberkeln  besetzt,  dass 

sie  fast  glatt  erscheinen   47.  Ptenopus. 

2)  kleinen  Schuppen  oder  Körnchen  bekleidet.  Finger  uud  Zeheu  an  den  Seiten 

a)  gefranzt.  Die  Unterseite  derselben  mit 

a)  kleinen,  zugespitzten,  imbricaten  Schuppen  bekleidet   48.  Ceramodactylus. 

ß)  mit  feinen  Granulationen  versehen   49.  Teratoscincus. 

b)  ganzrandig,  d.  h.  ohne  Franzen.  Die  Haut  an  der  Unterseite  der  Vorder-  uud 
Hinterfüsse 

-f-)  von  gewöhnlicher  BeschÄffenheit,  d.  h.  nicht  polsterartig  aufgetrie- 
ben. Die  Krallen 

a)  fehlen   50.  Colopus. 

ß)  sind  vorhanden   51.  Rhynchoedura. 

-*--*-)  polsterartig  aufgetrieben.  Die  Krallen 

z)  fehlen   52.  Chondrodactylus. 

zz)  sind  vorhanden  ."   53.  Nephrurus. 

II.  wohlentwickelt,  klappenförmig  (2.  Tribus  Eublepharida).  Die  Unterseite  der  Finger  u.  Zehen 

a)  granulirt  ■   54.  Psilodactylus. 

b)  mit  Querlamellen  besetzt.  Die  Krallen 

1)  deutlich  sichtbar,  nicht  retractil   55.  Eublepharis. 

2)  nicht  sichtbar,  sondern  in  einer  Scheide  versteckt,  die  aus  2  grossen  breiten  Seit- 
lichen und  einer  schmalen  oberen  Schuppe  besteht.  Die  distalen  Phalangen 

a)  comprimirt  56.  Aeluroscalabotes. 

ß)  nicht  comprimirt,  sondern  genau  so  beschaffen,  wie  die  basalen   57.  Coleonyx. 


BeMEEKUNGEN  über  die  GECKONIDEN-SAMMLUNa  U.  S.  W. 


17 


Verzeichuiss  der  im  zoologischen  Museum  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften 
aufgestellten  Geckoniden^). 

1.  Thecadactylus  rapicauda  Houtt. 

Thecadactylus  rapicaudus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  III. 

323.  Fundort?  Hr.  Parreyss  1839. 

324.  Surinam.  Dr.  Krauss  1858. 

325.  Guyana.  Berliner  Museum  1857. 
2691.  Neu-Granada.  Hr.  Erber  1870. 
7160.  Yucatan.  Hr.  Boucard  1886. 
7173.  Chiriqui.  Hr.  Boucard  1886. 

2.  Phelsuma  Cepedianum  Merr. 

Phelsima  ceiKdiamm  Boulenger.  Catal.  I,  p.  211. 

322.  Isle  de  France.  Hr.  Parreyss  1838. 

2819.  Isle  de  France.  Hr.  Erber  1870. 

5632.  Mauritius.  British  Museum  1880. 

6438.  Madagascar.  Hr.  Umlauff  1885. 

6439.  Madagascar.  Hr.  Umlauff  1885. 

6440.  Madagascar.  Hr.  Umlauff  1885. 

Die  beiden  Exemplare  von  Isle  de  France,  so  wie  die  drei  von  Madagascar  stammenden, 
haben  die  für  diese  Art  charakteristischen,  (in  Spiritus)  gelblich  rothen  Zeichnungen,  bei 
dem  Stück  J\»  5632  dagegen  sind  dieselben  so  undeutlich,  dass  es  auf  den  ersten  Blick  oben 
ganz  einfarbig  erscheint  und  nur  jederseits  2  helle  Längsstreifen  zeigt,  von  denen  der  obere, 
der  weniger  deutlich  ist,  an  der  Schulter  zu  beginnen  scheint  und  sich  auch  auf  die  vordere 
Schwanzhälfte  ausdehnt,  während  der  untere,  der  viel  deutlicher  und  weiss  gefärbt  ist,  unter 
dem  Ohre  beginnt  und  sich  bis  in  die  Leistengegend  hinzieht,  nur  au  der  Insertionsstelle 
des  Oberarmes  unterbrochen. 

3.  Phelsuma  Guenthêri  В  oui. 

Phelsuma  Guentheri  Boulenger.  Catal.  I,  p.  213. 

5947.  Mauritius.    Hr.  G.  Schneider  1882. 

5948.  Mauritius.  Hr.  G.  Schneider  1882. 
6403.  Mauritius.    Dr.  E.  Riebeck*  1885. 


1)  Bei  allen  Exemplaren,  die  dem  Museum  als  Ge-  1  allen  meinen  früheren  Arbeiten,  den  Namen  des  Gebers 
schenke  zugegangen  sind,  habe  ich  auch  hier,  wie  in  I  durch  einen  *  ausgezeichnet. 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences  ѴПте  Série.  3 


18 


Dr.  a.  Strauch, 


Die  drei  Exemplare  im  British  Museum  besitzen  keine  Epidermis,  wesshalb  Boulen- 
ger  die  Färbung  und  Zeichnung  nicht  hat  angeben  können.  Unsere  drei  Stücke  sind  auf 
der  Oberseite  dunkelbleigrau  und  ziemlich  dicht  schwarz  gesprenkelt,  auf  der  Unterseite 
schmutzig  weiss,  nur  an  der  Kehle  leicht  grau  gesprenkelt.  Das  Weibchen  (JV?.  6403)  zeigt 
"sonst  keine  Zeichnungen,  bei  den  Männchen  dagegen  sieht  man  jederseits  an  der  Schläfe 
zwei  etwa  parallele,  schwarze  Linien,  die  am  Hinterrande  der  Orbita  beginnen  und  schräge 
nach  hinten  und  innen  gegen  den  Nacken  ziehen.  Bei  dem  kleineren  Männchen  (№  5948) 
vereinigt  sich  jede  dieser  Binden  mit  der  entsprechenden  der  andern  Seite  unter  spitzem 
Winkel  und  es  entstehen  dadurch  auf  dem  Nacken  und  Halse  zwei  mehr  oder  weniger  re- 
gelmässige Chevrons,  bei  dem  grossen  Männchen  dagegen  lässt  sich  nur  der  vordere  dieser 
Chevrons  einigermaassen  deutlich  erkennen,  der  hintere,  der  aus  der  Vereinigung  der  je- 
derseitigen  unteren  Binde  entsteht,  fehlt  hier  durchaus.  Auf  dem  Scheitel  bilden  die  schwar- 
zen Sprenkel  mehr  oder  weniger  deutliche  Vermiculationen,  die  bei  dem  Weibchen  gleich- 
falls kaum  angedeutet  sind.  Unser  grosses,  vorzüglich  conservirtes  Männchen  {Ш  5947)  hat 
eine  Totallänge  von  240  Mm. 


5502.  Madagascar.   Hr.  H.  Schilling  1879. 

6674.  Madagascar.   Linnaea  1885. 

6675.  Madagascar.   Linnaea  1885. 

6.  Phelsuma  lineatum  Gray. 
Fhelsuma  lineatum  Boulenger.  Catal.  I,  p.  216,  pl.  XVIII,  f.  1. 
3843.  Madagascar.  Hr.  Gerrard  1874. 


4.  Phelsuma  madagascariense  Gray. 


Phelsuma  madagascariense  Boulenger.  Catal.  I,  p.  214. 


6404. 
6405. 
6676. 
6677. 


Insel  Nossi-bé.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 
Insel  Nossi-bé.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 
Madagascar.     Linnaea  1885. 
Madagascar.     Linnaea  1885. 


5.  Phelsuma  laticauda  Boettg. 
Phelsuma  laticauda  Boulenger.  Catal.  I,  p.  215. 


7.  Pachydactylus  Bibronii  Smith. 


Pachydactylus  Bibronii  Boulenger.  Catal.  I,  p.  201. 


648. 
649. 
5296. 


Otjimbingae. 
Otjimbingue. 
Calvinia  District. 


Berliner  Museum  1868. 
Berliner  Museum  1868. 
Berliner  Museum  1879. 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  ü,  s.  w. 


19 


8.  Pachydactylus  capensis  Smith. 
PachydaQtylus  capensis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  202. 

6939.  Capland.   British  Museum  1886. 

9.  Pachydactylus  ocellatus  Oppel. 

Pachydactylus  ocellatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  205. 

321.  Fundort?  Kunstkammer  (2  Ex.). 
5400.  Capland.    Hr.  S.  Braconnier  1879. 

10.  Pachydactylus  maculatus  Smitli. 
Pachydactylus  maculatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  206,  pl.  XVI,  f.  4. 

6940.  Capland.   British  Museum  1886. 

Gattung  Tarentola  Gray. 

Bei  seiner  Vorliebe  für  osteologische  Merkmale  liatBoulenger  die  Arten  dieser  Gat- 
tungin zwei  Gruppen  eingetheilt,  je  nachdem  einOs  supraorbitale  vorhanden  ist  oder  nicht. 
Da  er  aber  unterlassen  hat,  anzugeben,  wie  man  die  An-  oder  Abwesenheit  dieses  Knochens 
erkennen  kann,  ohne  das  Object  zu  lädiren,  so  muss  ich  von  diesem  Merkmale  absehen, 
schon  a,llein  desshalb,  weil  ich  mir  nicht  das  Kecht  anmaasse,  Unica  der  Sammlung  behufs  der 
Determination  irgendwie  zu  beschädigen,  sobald  eine  solche  auch  sonst  noch  zu  bewerkstel- 
ligen ist.  Und  dass  man  die  Tarentola- Arten  auch  ohne  Berücksichtigung  dieses  osteologi- 
schen  Merkmals  von  einander  unterscheiden  kann,  unterliegt  keinem  Zweifel,  sind  doch 
alle  von  Boulenger  in  dieser  Gattung  aufgeführten  Arten  auch  früher,  ehe  dieses  Merkmal 
entdeckt  war,  gut  und  sicher  von  einander  unterschieden  worden.  Sicherlich  ist  die  Einfüh- 
rung dieses  osteologischen  Merkmals  auch  der  Grund  dafür,  dass  Boulenger  drei  liierher- 
gehörige Arten,  nämlich  Tarentola  americana  Gray,  Tarentola  cubana  Ptrs.  und  Tarentola 
clypeata  Gr  а  j,3Lh  caiot  sufficiently  well  established  to  enter  the  System»  nicht  in  seine  Synop- 
sis aufgenommen,  sondern  nur  in  einer  Anmerkung  kurz  charakterisirt  hat.  Da  mir  nun 
zwei  Eidechsen  vorliegen,  welche  in  diese  Gattung  gehören  und  welche  ich,  da  ich  sie  mit 
keiner  der  bisher  beschriebenen  Arten  identificiren  kann,  für  neu  halten  muss,  so  gebe  ich 
hier  eine  dichotomische  Tabelle  zur  Bestimmung  der  11  mir  bekannten  Arten  dieser  Gat- 
tung, wobei  ich  natürlich  das  von  Boulenger  eingeführte  osteologische  Merkmal,  als  für  die 


20 


De.  a.  Steauch, 


Bestimmung  nicht  geeignet,  bei  Seite  gelassen  habe.  Die  1 1  Arten  unterscheiden  sich  von 
einander,  wie  folgt: 

Das  Hinterhaupt 
I.  einfach,  ohne  Querleiste.  Der  Vorderrand  der  Ohröffnung 
A)  ganz,  d.  h.  nicht  gezähnelt.  Die  Dorsaltuberkeln 

1)  sehr  deutlich  gekielt.  Die  polygonalen  Tuberkeln  auf  der  Ober- 
seite des  Kopfes  sind 

a)  stark  gewölbt,  aber  ohne  Spur  eines  Kieles.  Die  Rückentu- 
berkeln sind 

a)  gruppenweise  angeordnet,  indem  jeder  grosse  Tuber- 
kel noch  von  einem  Kranze  kleinerer  umgeben  ist .  .  .  facetana. 
ß)  durchaus  isolirt,  dabei  aber  sehr  dicht  gedrängt  ....  neglecta. 

b)  flach,  aber  deutlich  gekielt   angusticeps. 

2)  glatt  oder  doch  nur  sehr  undeutlich  gekielt.  Der  Schwanz  auf 
der  Unterseite 

a)  leicht  convex  mit  gerundetem  Seitenrande.  Die  Rückentu- 
berkeln bilden 

a)  12  Längsreihen.  Das  Mentale  etwa  doppelt  so  lang, 
als  in  der  Mitte  breit.  Die  Kehlschuppen  sind 

-+-)  viel  kleiner,  als  diejenigen  auf  dem  Hinter- 


haupte  Delalandii. 

-I — h)  fast  so  gross,  wie  diejenigen  auf  dem  Hinter- 
haupte ,   ephippiata. 

ß)  16  Längsreihen.  Das  Mentale  ist  etwa  drei  mal  so  lang, 

wie  in  der  Mitte  breit  ,  gigas. 

Ъ)  abgeflacht  mit  scharfem  Seitenrande   senegalensis. 

B)  gezähnelt.  Die  Rückentuberkeln  * 

a)  glatt  und  mehr  oder  weniger  gewölbt;  ihre  Beschaffenheit  auf 
dem  Rumpfe  ist 

1)  ein  verschiedene,  indem  sie  auf  der  Rückenmitte  linsenför- 
mig und  schwach  convex,  an  den  Flanken  aber  conisch  zu- 
gespitzt sind   aegyptiaca 

2)  eine  durchaus  gleiche  und  dabei  stehen  sie'  sehr  dicht  ge- 
drängt   americam. 

b)  sehr  stark  gekielt  und  in  20  Längsreihen  angeordnet  ........  ciibana. 

II.  von  einer  erhabenen  Querleiste  begrenzt   clypeata. 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  ü.  s.  w. 


21 


1 1.  Tarentola  facetana  Aldrov. 

Tarentola  mauritanica  Boulenger.  Catal.  I,  p.  196. 

326.  Süd-Europa.  Dr.  Schinz  1837. 

327.  Algerien.  Dr.  Guyon  *  1862. 

328.  Algerien.  Dr.' Guyon  *  1862. 

329.  Sicilien.  Hr.  Parreyss  1842. 

330.  Umgegend  der  Stadt  Alger.  Dr.  Strauch  *  1861. 

331.  Umgegend  der  Stadt  Alger.  Dr.  Strauch*  1861. 

332.  Umgegend  der  Stadt  Alger.  Dr.  Strauch*  1861.  (4  Ex.) 

333.  Umgegend  der  Stadt  Alger.  Dr.  Strauch*  1861.  (4  Ex.). 

334.  Umgegend  der  Stadt  Alger.  Dr.  Strauch*  1861. 

335.  Umgegend  der  Stadt  Alger.  Dr.  Strauch*  1861. 

336.  Umgegend  der  Stadt  Alger.  Dr.  Strauch*  1861. 

337.  Griechenland.  Dr.  Bartels*  1830. 

338.  Sicilien.  Hr.  Parreyss  1843. 

339.  Sicilien.  Dr.  Strauch*  1861. 
3395.  Nizza.  Dr.  Strauch*  1872. 
4964.  Toulon.  Hr.  F.  Lataste  1878. 

5467.  Castellamare.  Hr.  N.  Tulinow*  1879.  (2  Ex.) 

5875.  Constantine.  Dr.  Staudinger  1882. 

6034.  Nizza.  Dr.  J.  von  Bedriaga  1883.  (2  Ex.) 

6302.  Palermo.  Hr.  Grohmann  1835. 


12.  Tarentola  neglecta  n. 

5376.  Batna.  (Algerien)  Hr.  Deyrolle  1879. 


Fig.  3  u.  4. 


Diese  Art  ist  im  Habitus  der  Tarentola  Delalandü  D.  et  B.  sehr  ähnlich,  unterschei- 
det sich  von  derselben  aber  durch  die  deutlich  gekielten,  z.  Th.  sogar  triedrischen  Rücken- 
tuberkeln, die  sehr  dicht  gedrängt  stehen  und  in  der  Mitte  des  Rückens  14  reguläre  Längs- 
reihen bilden.  Ferner  sind  bei  ihr  die  Subraentalschilder  genau  so  angeordnet,  wie  bei  Ta- 
rentola ephippiata  O'Shaughn.,  von  welcher  letzteren  sie  aber  sowohl  durch  den  Habitus,  als 
auch  durch  die  gekielten  Rückentuberkeln  und  namentlich  durch  die  kleinen  Guiarschuppen, 
die  kleiner  sind,  als  diejenigen  auf  dem  Occiput,  leicht  unterschieden  werden  kann. 

Die  Schnauze  ist  so  lang,  wie  der  Zwischenraum  zwischen  der  Ohröffnung  und  der 
Orbita.  Das  Rostrale  ist  etwa  doppelt  so  breit,  wie  hoch;  jederseits  9  Supralabialia,  von 
denen  die  letzten  sehr  klein  sind.  Das  Mentale  etwa  doppelt  so  lang,  wie  in  der  Mitte  breit, 
und  am  Hinterrande  nicht  halb  so  breit,  wie  am  vorderen.  9—10  Infralabialia  jederseits. 
Die  Submentalia  jederseits  in  der  Zahl  3  vorhanden,  von  denen  das  innerste  lang  ist  und 
mit  dem  1 .  Infralabiale  in  Contact  steht,  während  die  beiden  äussern  viel  kleiner  erschei- 
nen und  durch  eine  Reihe  noch  kleinerer  Schildcheu  von  den  Infralabialen  getrennt  sind. 


22 


De.  a.  Steauch, 


Die  Ohröffnung,  etwa  halb  so  lang,  wie  der  Durchmesser  der  Orbita,  ist  schmal,  vertical  ge- 
stellt und  am  Vorderrande  nicht  gezähnelt.  -Das  Nasenloch  liegt,  wie  bei  allen  Tarentola- 
Arten,  zwischen  dem  1.  Supralabiale  und  3  Nasalen,  nicht  zwei,  wie  Boulenger  wohl  im 
Versehen  angiebt.  Die  Oberseite  des  Kopfes  ist  mit  grossen  polygonalen  Tuberkelschuppen 
bekleidet,  die  sehr  gewölbt  sind,  aber  nicht  die  Spur  eines  Kieles  zeigen;  auf  der  Schnauze 
sind  diese  Tuberkelschuppen  nicht  grösser,  als  auf  dem  übrigen  Kopfe,  wohl  aber  stärker 
gewölbt.  Die  Oberseite  des  Rumpfes  und  der  Extremitäten  mit  sehr  feinen,  ziemlich  flachen 
Kornschuppen  bekleidet,  zwischen  denen  grosse  Tuberkeln  eingestreut  sind,  welche  sehr 
deutlich  gekielt,  stellenweise  sogar  triedrisch,  erscheinen  und  auf  der  Mitte  des  Rumpfes 
14  fast  ganz  reguläre  Längsreihen  bilden.  Diese  Tuberkeln  sind  durchaus  isolirt  und  dabei 
so  dicht  an  einander  gedrängt,  dass  die  sie  trennenden  Zwischenräume,  wenigstens  in  der 
Mitte  des  Rückens,  viel  schmäler,  als  die  Tuberkeln  selbst  erscheinen.  Jederseits  im  Nacken 
findet  sich  eine  Längsreihe  von  3 — 4  conischen  Tuberkeln,  von  denen  jeder  an  der  Basis 
von  einem  Kranze  grösserer  Schuppen  umgeben  ist.  Die  Kehlschuppen  sind  klein,  die  Bauch- 
schuppen beträchtlich  grösser  und  dabei  leicht  imbricat  angeordnet.  Die  vordere  Hälfte  des 
Schwanzes  zeigt  deutliche  Ringel,  die  oben  aus  etwa  5 — 6  hinter  einander  liegenden  Quer- 
reihen von  Schuppen  bestehen  und  von  denen  jeder  an  seinem  Hinterrande  ausserdem  noch 
anfangs  6,  später  4  grössere  rückwärts  gerichtete,  deutlich  gekielte  Tuberkeln  trägt.  Die 
Farbe  des  ganzen  Thieres  ist  einfach  gelblich  weiss,  ohne  die  geringste  Spur  von  Zeichnungen. 

Maasse.  Totallänge  95  Mm.;  Länge  des  Kopfes  13  Mm.,  des  Rumpfes  30  Mm.,  des 
Schwanzes  52  Mm. 

Das  eben  beschriebene  Exemplar  und  dasjenige  der  nächstfolgenden  Art  habe  ich  von 
Hrn.  Dey  rolle  in  Paris  als  aus  der  Gegend  von  Batna  in  der  Algérie  stammend  gekauft, 
kann  also  für  die  Richtigkeit  der  Fundortsangabe  nicht  einstehen,  habe  aber  auch  keinen 
Grund  an  derselben  zu  zweifeln,  da  die  übrigen  Reptilien,  die  ich  zugleich  kaufte,  nur  sol- 
chen Arten  angehören,  welche  in  der  Algérie  einheimisch  sind. 

13.  Tarentola  angusticeps  n.  sp.  Fig.  1  u.  2. 

5375.  Batna  (Algerien).   Hr.  Deyrolle  1879. 

Während  alle  bisher  bekannten  Arten  dieser  Gattung  sich  durch  einen  verhältniss- 
mässig  grossen  und  namentlich  in  der  Temporalgegend  sehr  breiten,  so  zu  sagen,  aufgetrie- 
benen Kopf  auszeichnen,  besitzt  diese  Art  einen  eher  kleinen  und  an  den  Schläfen  durchaus 
nicht  aufgetriebenen  Kopf.  Am  nächsten  ist  sie  der  Tarentola  negleda  verwandt,  mit  welcher 
sie  sowohl  in  der  Anordnung  und  Beschaffenheit  der  Dorsaltuberkeln,  als  auch  der  Submen- 
talschilder  übereinstimmt,  lässt  sich  aber  sehr  leicht  von  ihr  unterscheiden,  und  zwar  nicht 
bloss  durch  den  völlig  anders  geformten  Kopf,  sondern  namentlich  auch  durch  die  Kopf- 
schuppen, die  bei  ihr  sämmtlich  auffallend  flach  und  zugleich  sehr  deutlich  gekielt  sind. 

Die  Schnauze  ist  ziemlich  breit,  stumpf  zugerundet  und  so  lang,  wie  der  Zwischenraum 


Bemeekungen  übee  die  Geckoniden- Sammlung  u.  s.  w. 


23 


zwischen  der  Ohröffnung  und  der  Orbita.  Das  Rostrale  ist  etwa  doppelt  so  breit,  wie  hoch; 
neben  demselben  stehen  jederseits  8  Supralabialia,  von  denen  die  letzten,  wie  gewöhnlich, 
klein  sind.  Das  Mentale  sehr  lang,  etwa  doppelt  so  lang,  als  in  der  Mitte  breit,  und  am 
Hinterrande  kaum  halb  so  breit,  wie  am  Vorderrande.  Jederseits  7 — 8  Infralabialia.  Die 
Submentalia  genau  so  gebildet,  wie  bei  der  vorigen  Art,  d.  h.  nur  das  jederseitige  innerste 
dieser  Schilder  steht  mit  dem  ersten  Infralabiale  in  Berührung,  während  die  beiden  äusseren 
durch  eine  Reihe  kleiner  Schildchen  von  den  Unterlippenschildern  getrennt  sind.  Uebrigens 
ist  diese  Anordnung  an  dem  mir  vorliegenden  Exemplar  nur  auf  der  rechten  Seite  normal, 
auf  der  linken  dagegen  stösst  auch  das  mittlere  der  3  Submentalia  mit  einem  Theile 
seines  Yorderrandes  an  das  zweite  Infralabiale.  Die  Ohröffnung  kaum  halb  so  lang,  wie  der 
Durchmesser  der  Orbita,  schmal,  vertical  gestellt  und  am  Vorderrande  nicht  gezähnelt.  Die 
Oberseite  des  Kopfes  mit  grossen  polygonalen  Schuppen  bekleidet,  die  sehr  flach  sind  und 
deren  jede  einen  sehr  deutlichen,  wenn  auch  gerade  nicht  sehr  hohen  Längskiel  trägt.  Diese 
Schuppen  sind  überall  gleichgross,  ausgenommen  die  Supraorbitalregion,  wo  sie  deutlich 
grösser,  aber  ebenso  gekielt  sind.  Die  Oberseite  des  Körpers  und  der  Extremitäten  ist  mit 
flachen  feinen  Schuppen  bekleidet,  zwischen  denen  grosse,  stark  gekielte,  fast  triedrische 
Tuberkeln  eingelagert  sind,  welche  auf  der  Rückenmitte  12  recht  reguläre  Längsreihen 
bilden  und,  wie  bei  der  vorigen  Art,  dicht  gedrängt  stehen.  An  jeder  Seite  des  Nackens  findet 
sich  gleichfalls,  wie  bei  der  vorigen  Art,  eine  Längsreihe  von  vier  Tuberkeln,  die  an  der 
Basis  von  einem  Ringe  grösserer  Schuppen  umgeben  sind.  Die  Kehlschuppen  sind  nicht  besonders 
klein  und  werden  von  den  imbricaten  Bauchschuppen  nur  um  das  Doppelte,  höchstens  um 
das  Dreifache  an  Grösse  übertroffen.  Der  Schwanz  ebenso  beschuppt,  wie  bei  der  vorigen  Art. 

Die  Grundfarbe  ist  ein  schmutziges  "Weisslichgelb,  auf  der  Unterseite,  wie  gewöhnlich, 
einfarbig,  ohne  alle  Zeichnungen.  Auf  der  Oberseite  des  Kopfes  findet  sich  jederseits  eine 
schmale  bräunliche  Temporalbinde,  die  sich  auch  auf  den  vorderen  Theil  des  Rumpfes  fort- 
setzt, und  noch  mehrere  gleichfalls  bräunliche  Längslinien,  die  theils  auf  der  Schnauze, 
theils  auf  dem  Interorbitalspatium,  theils  auf  dem  Hinterhaupte  liegen.  Rumpf  und  Schwanz 
sind  sehr  undeutlich  der  Quere  nach  hellbräunlich  gebändert,  jedoch  sind  diese  Querbinden 
nur  auf  dem  Schwänze  einigermaassen  deutlich,  während  auf  dem  Rumpfe  nur  bei  bestimmter 
Beleuchtung  leise  Spuren  derselben  zu  sehen  sind. 

Maasse.  Totallänge  80  Mm.;  Länge  des  Kopfes  11  Mm.,  des  Rumpfes  28  Mm.,  des 
Schwanzes  41  Mm. 

14.  Tarentola  Delalandii  Dum.  et  Bibr. 
Tarentola  delalandii  Boulenger.  Catal.  I,  p.  199. 

3056.  Santa  Cruz.  (Teneriffa).  Wiener  Museum  1868. 

4201.  Fundort?  Kaiserl.  Botanischer  Garten*  1851. 

4202.  Fundort?  Kaiserl.  Botanischer  Garten*  1851.(3  Ex.) 
5353.  Teneriffa.  Pariser  Museum  1879. 


24 


Dr.  a.  Steauch, 


Die  4  Exemplare,  deren  Fundort  ich  als  unbekannt  angegeben  habe,  fanden  sich  in 
einer  ziemlich  grossen  Flasche,  welche  die  Aufschrift  «Caucasus»  trug  und  dem  Museum 
vom  Kaiserlichen  Botanischen  Garten  hieselbst  im  Jahre  1851  eingeschickt  worden  war. 
Diese  Flasche,  die  allem  Anscheine  nach  im  Museum  früher  nicht  geöffnet  worden  war,  ent- 
hielt neben  ganz  gewöhnlichen  kaukasischen  Arten,  wie  Coronella  austriaca  Lsrnr.,  Ablabes 
collaris  Ménétr.,  Tropidonotus  natrix  L.,  Tropidonotus  hydrus  PalL,  Zamenis  Bavergieri 
Ménétr.,  Lacerta  muralis  Ьшг.,  Lacerta  viridis  Petiv.,  Fseudopus  Pallasii  Opp.,  Stellio 
caucasiusYtichw.,  Euprepes  princepsFiichw.,  auch  ein  Exemplar  der  Vipera  xanthina  Gra,y 
(№  1054),  einen  kleinen  Gongylus  mit  schwarzer  Unterseite,  die  4  in  Rede  stehenden  G'ecÄo- 
nen  und  2  Exemplare  einer  Lacerta-Art,  die  ich  für  neu  hielt,  da  mir  eine  ähnliche  aus 
dem  Russischen  Reiclie  nicht  bekannt  war.  Da  nun  die  Vipera  xanthina  Gray  in  der  Folge 
wirklich  im  Kaukasus  gefangen  worden  ist  und  ich  im  Berliner  Museum  Exemplare  des 
schwarzbäuchigen  Gongylus,  die,  wenn  ich  nicht  irre,  vom  Grafen  Minutoli  aus  Persien 
mitgebracht  worden  sind,  gesehen  hatte,  so  zweifelte  ich  nicht  an  der  Richtigkeit  der  Fund- 
ortsangabe und  trug"  die  4  Gechonen  bis  auf  Weiteres  als  neue,  der  Tarentolä  Delalandii 
D.  et  B.  äusserst  nahe  verwandte  Art  mit  der  Fundortsangabe  «Caucasus»  in  den  General- 
catalog  ein.  Neuerdings  jedoch  habe  ich  mich  durch  directen  Vergleich  nicht  bloss  über- 
zeugt, dass  diese  vermeintlich  neue  Art  durchaus  mit  Tarentolä  Delalandii  D.  et  B.  über- 
einstimmt, sondern  auch  gefunden,  dass  die  Lacerta,  die  ich  für  neu  hielt,  weiter  nichts,  als 
eine  in  der  Färbung  und  Zeichnung  leicht  abweichende  Form  von  Lacerta  Galloti  D.  et  B. 
ist,  und  da  sowohl  Tarentolä  Delalandii  D.  et  В.,  als  auch  Lacerta  Galloti  D,  et  B.  auf  Mà- 
dera  und  Teneriffa  einlieimisch  sind,  ihr  Vorkommen  im  Kaukasus  also  mehr  als  zweifel- 
haft sein  dürfte,  so  bin  ich  zu  dem  Schlüsse  gekommen,  dass  in  der  fraglichen  Flasche  durch 
irgend  einen,  nicht  näher  zu  erklärenden  Umstand,  Objecte  von  verschiedenen  Fundorten 
unter  einander  gemengt  gewesen  sein  müssen.  Ich  sehe  mich  daher  genöthigt,  den  Fundort 
der  in  Rede  stehenden  4  Exemplare  für  unbekannt  zu  erklären,  zumal  es  mir  auch  neuer- 
dings nicht  gelungen  ist,  zu  eruiren,  von  wem  der  Kaiserliche  Botanische  Garten  die  eben 
besprochene  Flasche  erhalten  hat. 


15.  Tarentolä  aegyptiaca  Cuv. 
Tarentolä  annularis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  197. 


340.  Aegypten.  Dr.  Clot-Bey*  1842. 

341.  Aegypten.  Dr.  Clot-Bey  *  1842. 

342.  Aegypten.  Dr.  Clot-Bey*  1842. 

343.  Aegypten.  Dr.  Clot-Bey*  1842. 

344.  Aegypten.  Dr.  Clot-Bey*  1843.  (2  Ex.). 
6  303.  Aegypten.  Dr.  Clot-Bey*  1843.  (jung.). 


BeMEEKUNGEN  ÜBEE  die  GECKONroEN-SAMMLUNG  U.  S.  W. 


16.  Aeluronyx  seychellensis  Dum.  et  Bibr. 
Aeluronyx  seychellensis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  193. 

5401.  Insel  Mahé.   Hr.  S.  Braconnier  1879.. 

17.  Ptychozoon  homalocephalum  Creveldt. 

Ptychozoon  homalocephalum  Boulenger.  Catal.  I,  p.  190. 

359.  Sumatra.  Hr.  Parreyss  1842. 

4496.  Insel  Engano.  Dr.  Winkel  *  1876. 

4535.  Westküste  von  Sumatra.  Dr.  Winkel*  1876. 

18.  Gecko  verticillatus  Laur. 

Gecko  verticillatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  183. 

345.  Philippinen.  Dr.  Mertens  1829.  (3  Ex.) 

346.  Timor.  Hr.  Temminck  1835. 

347.  Timor.  Hr.  Temminck  1835. 

348.  Timor.  Hr.  Parreyss  1842. 

349.  Philippinen.  Hr.  Cumming  1843. 

350.  Java.  Hr.  Werlemann  1842. 
2641.  Fundort?  Hr.  Umlauff  1870.  (jung.) 

4789.  Ost-Indien.  Hr.  H.  Schilling  1877.  (2  Ex.  jung.) 

5745.  Kedong  Djati  (Java).  Dr.  Winkel*  1881. 

5746.  Kedong  Djati  (Java).  Dr.  Winkel*  1881. 

5934.  Luzon.  Hr.  G.  Schneider  1882. 

5935.  Luzon.  Hr.  G.  Schneider  1882. 
5976.  Soerabaya  (Java).      Dr.  Fischer*  1883. 

6406.  Java.  Dr.  E,  ßiebeek*  1885.  (2  Ex.) 

6407.  Java.  /       Dr.  E.  Riebeck*  1885. 
66  91.  Java.  Hr.  Jouslain*  1885. 
6692.  Java.  Hr.  Jouslain  *  1885. 
6854.  Saigon.  •  Mag.  J.  Poljakow  1885. 


19.  Gecko  vittatus  Houtt. 


Geclco  vittatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  185. 


351.  Amboina. 

352.  Amboina. 

353.  Amboina. 
4493.  Amboina. 
4732.  Neu  Guinea. 


Hr.  G.  Frank  1858. 
Hr.  G.  Frank  1858. 
Hr.  Parreyss  1839. 
Dr.  Winkel*  1876. 
Hr.  G.  Frank  1877.  (2  Ex.) 


Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences  ѴПшѳ  Série. 


26 


Dr.  a.  Strauch, 


4733.  Neu  Guinea. 

4734.  Neu  Guinea. 

4735.  Neu  Guinea. 

4736.  Neu  Guinea. 

4737.  Neu  Guinea. 
5284.  Neu  Guinea. 

5671.  Ternate. 

5672.  Ternate. 
5828.  Araboina. 

6414.  Neu  Britanni 

6415.  Neu  Britanni 


Hr.  G.  Frank  1877. 

Hr.  G.  Frank  1877. 

Hr.  G.  Frank  1877. 

Hr.  G.  Frank  1877. 

Hr.  G.  Frank  1877. 

Dr.  Miklucho-Maclay*  1876. 

Dr.  Fischer*  1880. 

Dr.  Fischer*  1880.  (2  Ex.) 

Dr.  Staudinger  1882.  (2  Ex.) 
1.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 
I.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 


20.  Gecko  bivittatus  Dum.  et  Bibr. 
Qecko  vittatus  var.  bivittatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  186. 

650.  Pelew-Inseln.  Museum  Godeffroy  1868. 

651.  Pelew-Inseln.  Museum  Godeffroy  1868. 
3834.  Australien.  Hr.  Gerrard  1874. 
4268.  Australien.  Hr.  H.  Schilling  1876. 

Peters  und  Marquis  Doria  haben  diese  Art  bekanntlich  für  eine  blosse  Varietät  des 
Gecko  vittatusUoutt.  erklärt  und  werden  dazu  sicherlich  hinreichende  Gründe  gehabt  haben, 
dennoch  glaube  ich,  dass  man  beide  Arten  auseinanderhalten  muss,  da  die  so  überaus  cha- 
rakteristische Zeichnung  des  Gecko  vittatus  Houtt.  bekanntlich  ausserordentlich  constant 
und  zugleich  völlig  verschieden  ist  von  der  zwar  variabelen,  aber  bis  zu  einem  gewissen 
Grade  dennoch  constanten  Zeichnung  des  Gecko  bivittatus  D.  et  B. 


21 .  Gecko  monarchus  Schlg. 
Gecko  monarchus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  187. 

354.  Amboina.  Hr.  G.  Frank  1858. 

355.  Amboina.  Hr.  G.  Frank  1858. 

3545.  Philippinen.  Hr.  Salmin  1872.  (2  Ex.) 

3546.  Philippinen.  Hr.  Salmin  1872. 
4603.  Goenang  Sitolie  (Pub  Nias).  Dr.  Winkel*  1876. 
4677.  Koeti  auf  Bornep.  Hr.  Salmin  1877. 
5312.  Malacca.  Berliner  Museum  1879. 


22.  Gecko  japonicus  Dum.  et  Bibr. 
Gecko  japonicus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  188. 

356.  Pekin.   Dr.  A.  v.  Bunge  1833. 

357.  Pekin.    Dr.  A.  v.  Bunge  1833. 

358.  Pekin.   Dr.  A.  v.  Bunge  1833.  (2  Ex.) 


Bemeekungen  übee  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


27 


5466.  Tsche-fu.    Hr.  F.  Lataste  1879. 
6246.  Nagasaki.  Mag.  J.  Poljakow  1883. 
6304.  China.       Dr.  K.  Kessler  1880.  (2  Ex.) 

23.  Rhacodactylus  auriculatus  Bavay. 
Rhacodadylus  auriculatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  179. 

5402.  Neu  Calédonien.  Hr.  S.  Braconnier  1879. 

24.  Rhacodactylus  ciliatus  G  u  ich  en. 

Bliacodadylus  ciliatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  180. 
1106.  Neu  Calédonien.   Hr.  Boucard  1869. 

An  unserem,  sonst  sehr  schön  erhaltenen  Exemplar  fehlt  leider  der  so  seltsam  geformte 
Schwanz  und  es  besitzt  statt  dessen  nur  eine  conische  Warze  von  einigen  Mm.  Länge;  über- 
haupt muss  dieses  Organ  ausserordentlich  leicht  abbrechen,  denn  Bavay  hat  unter  8  Exem- 
plaren, die  er  in  Händen  gehabt,  nur  ein  einziges  mit  intactem  Schwänze  gefunden. 

25.  Hoplodactylus  maculatus  Boul. 
Hoplodactylus  maculatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  171,  pl.  XIV,  f.  1. 
1103.  Australien.    Hr.  Boucard  1869. 

26.  Hoplodactylus  anamallensis  Günther. 

Hoplodactylus  anamallensis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  175,  pl.  XIV,  f,  2. 
6942.  Tinevelly.    British  Museum  1886. 

27.  Lepidodactylus  aurantiacus  Bedd. 
Lepidodactylus  aurantiacus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  164,  pl.  XIII,  f.  4. 
6944.  Shevaroys.    British  Museum  1886. 

28.  Lepidodactylus  lugubris  Dum.  et  В  ihr. 

Lepidodactylus  lugubris  Boulenger.  Catal.  I,  p.  165. 

3870.  Gesellschafts-Inseln.  Museum  Godeffroy  1874.  (2  Ex.) 

5685.  Ternate.  Dr.  Fischer*  1880.  (2  Ex.) 

6421.  Neu  Britannien.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 

6427.  Tarowa  (Gilberts-Inscln).  Dr.  E.  Riebeck*  1885.  (5  Ex.) 

6428.  Jaluit  (Marschalls-Inseln).  Dr.  E.  Riebeck*  1885.  (3  Ex.) 

6429.  Jaluit  (Marschalls-Inseln).  Dr.  E.  Riebeck*  1885.  (3  Ex.) 

4* 


28 


De,  a.  Strauch, 


29.  Lepidodactylus  cyclurus  Günther. 

Lepidodactylus  cyclurus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  167,  pl.  XIII,  f.  6. 
1104.  Neu  Calédonien.    Hr.  Boucard  1869. 

30.  Lygodactylus  capensis  Smith. 
Lygodactylus  capensis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  160. 

698.  Otjimbingue.    Berliner  Museum  1868. 

31.  Lygodactylus  picturatus  Ptrs. 
Lygodactylus  picturatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  161. 

6975.  Witu.    Linnaea  1886.  (3  Ex.) 

I  • 

32.  Peripîa  mutilata  Wiegm. 
Gehyra  mutilata  Boulenger.  Catal.  I,  p.  148. 

612.  Cuba.  Dr.  Strauch*  1861. 

è56.  Pegu.  Hr,  Cutter  1868. 

3792.  Ceylon.  Hr.  Gerrard  1874. 

4471.  Java.  Dr.  Winkel*  1876.  (Ex.  mit  3  Schwänzen.) 

4777.  Fundort?  Hr.  H.  Schilling  1877. 

5388.  Singapore.  '         Hr.  Deyrolle  1879. 

5647.  Seychellen.  British  Museum  1880. 

5687.  Ternate.  Dr.  Fischer*  1880. 

6673.  Salanga.  Linnaea  1885.  (2  Ex.) 

6856.  Saigon.  Mag.  J.  Poljakow  1885.  (2  Ex.) 

7126.  Newera  Ellia  (Ceylon).  Hr.  G,  Schneider.'  (3  Ex.) 


652.  Rockhampton. 
3632.  Rockhampton. 
3875.  Port  Bowen. 
5059.  Queensland. 
6069.  SQd-Australien. 
6409.  Süd-Australien. 


33,  Peripia  variegata  Dum.  et  Bibr. 

Gehyra  variegata  Boulenger.  Catal.  I,  p.  151, 

Museum  Godeffroy  1868. 
Hr.  Salmin  1873. 
Museum  Godeffroy  1874. 
Museum  Godeffroy  1878. 
Hr.  G.  Schneider  1883.  (2  Ex.) 
Dr.  E.  Riebeck*  1885. 


Bemeeküngen  übee  die  Geckoniden-Sammlüng  ü.  S.  "W. 


29 


34.  Gehyra  oceanica  Lesson. 
Géhyra  oceanica  Boulenger.  Catal.  I,  p.  152. 

608.  Viti-Lewu.  Museum  Godeffroy  1868. 

609.  Cuba.  Dr.  Strauch*  1861. 

610.  Cuba.  Dr.  Strauch*  1861. 

611.  Cuba.  Dr.  Strauch*  1861. 
3868.  Tongatabu.  Museum  Godeffroy  1874. 
5525.  Océanien.  Hr.  H.  Schilling  1879. 

6422.  Neu  Britannien.  Dr.  E.  Riebeck*  1885.  (2  Ex.) 

6423.  Neu  Britannien.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 
6430.  Jaluit  (Marschalls-Inseln).   Dr.  E.  Riebeck  *  1885. 

Die  3  Exemplare  aus  Cuba,  so  wie  das  cubanische  Stück  von  Peripia  mutilata'Wiegm. 
habe  ich  im  Jahre  1861  von  dem  bekannten  Entomologen  Herrn  Sallé  in  Paris  als  aus  Cuba 
stammend  gekauft.  Ob  Herr  Sallé  sie  selbst  gefangen  oder  aus  zweiter  Hand  erhalten  hat, 
ist  mir  nicht  bekannt,  jedoch  unterliegt  es  wohl  keinem  Zweifel,  dass,  falls  dieselben  wirklich 
in  Cuba  erbeutet  sein  sollten,  sie  dorthin  durch  Schiffe  verschleppt  sein  müssen,  wie  das  ja 
mit  Gechonen  nicht  selten  geschieht. 


35.  Gehyra  vorax  Girard. 
Gehyra  vorax  Boulenger.  Catal.  I,  p.  153. 

607.  Viti-Lewu.  Museum  Godeffroy  1867. 

5653.  Insel  Vaté  (N.  Hebriden).  British  Museum  1880. 

5654.  Insel  Vaté  (N.  Hebriden).  British  Museum  1880. 

5655.  Insel  Vaté  (N.  Hebriden).  British  Museum  1880. 


36.  Gehyra  Fischeri  n.  sp.  Fig.  5  u.  6. 
5688.  Ternate.   Dr.  Fischer*  1880. 

Diese  neue  Art  unterscheidet  sich  von  ihren  Gattungsgenossen  auf  den  ersten  Blick  durch 
den  Besitz  einer  ziemlich  breiten,  dünnen  Hautduplicatur,  die  jederseits  etwa  an  der  Hinterecke 
des  Unterkiefers  beginnt,  sich  längs  den  Seiten  des  Körpers  hinzieht,  sowohl  den  Vorder-, 
als  auch  der  Hinterrand  der  Extremitäten  besäumt  und  genau  so  beschaffen  ist,  wie  die 
Duplicatur,  welchehei Hemidactylns 2^atyurus  Schneid,  an  den  Seiten  des  Rumpfes  zwischen 
den  Vorder-  und  Hinterextremitäten  vorhanden  ist.  Der  Kopf  im  Verhältniss  zum  Körper 
auffallend  gross,  etwa  um  die  Hälfte  länger,  als  hinten  breit,  und  leicht  abgeflacht.  Die 
Schnauze  läager  als  der  Zwischenraum  zwischen  der  Ohröffnung  und  dem  Hinterrande  der 
Orbita,  etwa  um  ein  Viertel  länger  als  der  Durchmesser  der  Orbita.  Das  Inter orbital spatium 
fast  plan,  auf  der  Mitte  der  Schnauze  dagegen  findet  sich  eine  sehr  deutliche  Vertiefung 


30 


De.  a.  Steauch, 


von  länglicher  Form.  Das  Nasenloch  ziemlich  gross,  zwischen  dem  Rostrale,  dem  Supra- 
labiale primum  und  5  besonderen  Nasalschildern,  von  denen  das  innerste  am  grössten  und 
von  dem  gleichnamigen  Schilde  der  andern  Seite  durch  ein  ziemlich  grosses  polygonales 
Schildchen  getrennt  ist.  Das  Auge  gross,  die  Supraorbitalregion  sehr  convex.  Die  Ohr- 
öffnung rundlich,  klein,  nicht  viel  mehr  als  doppelt  so  gross,  wie  das  Nasenloch,  Das  Ro- 
strale, etwa  doppelt  so  breit,  wie  hoch,  bildet  ein  fast  rechtwinkliges  Viereck  und  zeigt  in 
der  Mitte  seines  hinteren  oder  oberen  Randes  eine  undeutliche  Längsspalte.  Neben  dem- 
selben finden  sich  jederseits  14 — 15  Supralabialia,  von  denen  die  letzten  sehr  klein  sind.  Das 
Mentale  klein,  fünfeckig,  jederseits  von  ihm  gleichfalls  14  —  15  Infralabialia.  Acht  Submen- 
talia,  von  denen  die  beiden  innersten  an  einander  grenzen  und  beträchtlich  grösser  sind, 
als  die  übrigen.  Hinter  diesen  noch  eine  Querreihe  grösserer  irregulärer  Schildchen,  von 
denen  gleichfalls  die  beiden  innersten  beträchtlich  grösser  sind,  als  die  übrigen.  Der  Körper 
kurz,  gedrungen  und  leicht  abgeflacht,  auf  der  Oberseite  convex,  auf  der  unteren  ganz  plan. 
Die  Extremitäten  gleichfalls  kurz  mit  stark  erweiterten,  durch  deutliche  Interdigitalmem- 
branen  verbundenen  Zehen.  Die  Querlamellen  an  der  Unterseite  der  Zehen  sind  zwar  ganz, 
zeigen  aber  einen  mehr  oder  weniger  deutlichen,  kurzen  und  seichten  Längseindruck.  Jederseits 
etwa  in  der  Höhe  der  Hinterecke  des  Unterkiefers  beginnt  eine  Hautduplicatur,  welche,  wie 
schon  bemerkt,  sowohl  den  Vorder-,  als  auch  den  Hinterrand  der  Extremitäten  besäumt,  sich 
längs  der  ganzen  Seite  des  Rumpfes  hinzieht  und  an  der  Hinterseite  der  Hinterextremitäten 
besonders  stark  entwickelt  ist.  Die  Oberseite  des  Kopfes,  Rumpfes  und  der  Extremitäten  ist 
mit  rundlichen,  ziemlich  stark  convexen  Kornschuppen  bekleidet,  die  auf  dem  Hinterkopfe 
sehr  fein,  sonst  aber  überall  ziemlich  von  gleicher  Grösse  sind.  Die  Schuppen  an  der  Unter- 
seite des  Kopfes  sind  sehr  fein  und  neben  einander  liegend,  die  Bauchschuppen  dagegen 
imbricat  und  etwa  dreimal  grösser.  Anal-  und Femoralporen  sind  in  der  Zahl  35  vorhanden 
und  bilden  zwei  bogenförmige  Reihen,  die  in  der  Mittellinie  des  Körpers  unter  spitzem 
Winkel  zusammenstossen.  Der  abgebrochene  und  reproducirte  Schwanz  ist,  abgesehen  von 
der  reproducirten  Spitze,  leicht  abgeflacht,  auf  der  Oberseite  mit  einer  seichten  Längsfurche 
versehen  und  am  Seitenrande  abgerundet.  Die  Bekleidung  seiner  Oberseite  besteht  aus  Korn- 
schuppen, die  kaum  gewölbt  und  kleiner  sind,  als  die  Rumpfschuppen,  und  an  der  Unter- 
seite ist  er  mit  subimbricaten  Schuppen  bekleidet,  die  in  den  mittleren  Längsreihen  grösser 
sind,  als  in  den  seitlichen. 

Die  Färbung  der  Oberseite  aller  Theile  ist  chocolatebraun  mit  dunkleren  Vermiculationen, 
die  auf  dem  Rumpfe  und  den  Extremitäten  deutlicher  sind,  als  auf  dem  Kopfe;  die  Unter- 
seite ist  schmutzig  weiss  und  zeigt  auf  Hals  und  Kehle  einen  ausgesprochen  bräunlichen  Ton, 

Maasse.  Totallänge?  Länge  des  Kopfes  18  Mm,;  des  Rumpfes  45  Mm,;  des  Schwanzes? 

Ich  habe  mir  erlaubt,  diese  Art  zu  Ehren  des  Herrn  Dr.  Fischer,  Gesundheits-Offi- 
ciers  l'*"'  Classe  auf  Ternate  (später  in  Soerabaya  auf  Java),  zu  benennen,  der  unserem  Museum 
eine  überaus  reiche  Collection  zoologischer  Objecte  von  Ternate  und  Neu  Guinea  zum  Ge- 
schenk gemacht  hat. 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


37.  Hemidactylus  frenatus  Dum.  et  Bibr. 
Hemidactylus  frenatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  120. 


631.  Fundort? 

632.  Java. 

633.  Philippinen. 

634.  Pegu. 

635.  Pegu. 

3399.  Pioquinto  (Corea). 
3417.  Ceylon. 
5686.  Ternate. 
6420.  Neu  Britannien. 
6857.  Saigon. 


Kunstkamraer. 

Hr.  Parreyss  1839. 

Hr.  Cumming  1843. 

Hr.  Cutter  1868. 

Hr.  Cutter  1868. 

Dr.  L.  V.  Schrenck  1855. 

British  Museum  1872. 

Dr.  Fischer*  1880.  (2  Ex.) 

Dr.  E.  Riebeck*  1885. 

Mag.  J.  Poljakow  1885. 


38.  Hemidactylus  mabouia  Moreaii. 
Hemidactylus  mabouia  Boulenger.  Catal.  I,  p.  122. 

619.  Fundort?  Kunstkammer. 

620.  Bahia.  Hr.  Luschnath  1842. 

621.  Bahia.  Hr.  Luschnath  1842. 

622.  Rio  Janeiro.  Hr.  J.  Wosnessensky  1843. 

623.  Rio  Janeiro  Hr.  J.  Wosnessensky  1843. 

624.  Fundort?  Hr.  Brandt. 

625.  Fundort?  Hr.  Drege. 

626.  Fundort?  Kunstkaramer. 

627.  Cuba.  Berliner  Museum  1868. 

628.  Cuba.  Berliner  Museum  1868. 

629.  Cuba.  Berliner  Museum  1868, 
2655.  Zanzibar.  Hr.  Wessel  1870. 
4799.  West-Africa.  Hr.  H.  Schilling  1877. 
5088.  St.  Thomas.  Kopenhagener  Museum  1878. 
5507.  Madagascar.  Hr.  H.  Schilling  1879. 
6042.  Nossi-Bé.  Hr.  G.  Schneide  r  1883.  (2  Ex.) 
6431.  Nossi-Bé.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 

39.  Hemidactylus  fasciatus  Gray. 
Hemidactylus  fasciatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  124,  pl.  XI,  f.  4. 

5300.  Accra  (West-Africa).  Berliner  Museum  1879. 

40.  Hemidactylus  Bocagii  Beul. 

Hemidactylus  bocagii  Boulenger.  Catal.  I,  p.  125. 
653.  Gabon.    Hr.  Salmin  1868. 


32 


De.  a.  Strauch, 


41.  Hemidactylus  turcicus  L. 


Uemidadylus  turcicus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  126. 


618.  Dalmatien. 

2821.  Insel  Syra. 

2822.  Insel  Syra. 
3149.  Stadt  Alger. 
3682.  Hyères. 


Hr.  Parreyss  1837. 


Hr.  J.  Erber  1870.  (2  Ex.) 
Hr.  J.  Erber  1870.  (3  Ex.) 
Dr.  Strauch*  1861. 


Dr.  M.  Bogdanow*  1873. 
Dr.  C.  B.Klunzinger  1878. 
Linnaea  1885.  (2  Ex.) 


4826.  Koseir. 
6672.  Creta. 


6983.  Insel  Sardinien.  Linnaea  1886. 

Das  Exemplar  Ш  4826,  das  nicht  besonders  gut  erhalten  ist,  weicht  zwar  durch  die 
sehr  schwach  triedrischen  Tuberkeln  und  die  im  Ganzen  etwas  kürzeren  Zehen  von  den 
übrigen  ab,  dennoch  kann  es  nicht  zu  Hemidactylus  sinaitus  Boul.  gezogen  werden,  weil 
das  Rostraischild  an  der  Begrenzung  des  Nasenlochs  Theil  nimmt. 

42.  Hemidactylus  Brookii  Gray. 
Hemidactylus  ЪгооЫі  Boulenger.  Catal.  I,  p.  128. 

6968.  Sklavenküste.  Linnaea  1886.  (2  Ex.) 

6969.  Sklavenküste.  Linnaea  1886.  (2  Ex.) 


43.  Hemidactylus  Gleadowil  Murray. 
Hemidactylus  gleadowii  Boulenger.  Catal.  I,  p.  129. 


614.  Fundort?  Hr.  Dupont. 

615.  Fundort?  Hr.  Dupont.  (2  Ex.) 

616.  Pegu.  Hr.  Cutter  1868. 

617.  Pegu.  Hr.  Cutter  1868. 
3416.  Ceylon.  British  Museum  1872. 
6392.  Ceylon.  Dr.  E.  Riebeck  *  1885. 
6395.  Ceylon.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 

7125.  Newera  Ellia  (Ceylon).  Hr.  G.  Schneider  1886.  (2  Ex.) 


44.  Hemidactylus  maculatus  Gray. 
Hemidactylus  maculatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  132. 
3814.  Anamallay-Gebirge.    Hr.  Gerrard  1874. 


Bemeekungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


33 


45.  Hemidactylus  triedrus  Daud. 

Hemidactylus  triedrus  Bouleuger.  Catal.  I,  p.  13; 


613.  Fundort?  Dr.  Mertens  1829. 

3809.  Ost-Indien.  Hr.  Gerrard  1874. 

5609.  Ceylon.  British  Museum  1880. 

5610.  Ceylon.  Britisli  Museum  1880. 
6394.  Ceylon.  Dr.  E.  Riebeck*  1885. 
7123.  Neweva  Ellia (Ceylon).  Hr.  G.  Schneider  1886 


46.  Hemidactylus  depressus  Gray. 

Hemidactylus  depressus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  134. 

654.  Ceylon.  Hr.  Higgins  1868. 

6929.  Ceylon.  Hr.  W.  Schlüter  1886. 

7124.  Newcra  Ellia.    Hr.  G.  Schneider  1886. 


47.  Hemidactylus  Leschenaultii  Dum.  et  Bibr. 
Hemidactylus  leschenaultii  Boulenger.  Catal.  I,  p.  136, 

3827.  Birma.       Hr.  Gerrard  1874. 
6393.  Ceylon.      Dr.  E.  Riebeck*  1885. 
6945.  Malabar.    British  Museum  1886. 


48.  Hemidactylus  Coctaei  Dum.  et  Bibr. 

Hemidactylus  coctaei  Boulenger.  Catal.  I,  p.  137. 


3804.  Calcutta.  Hr.  Gerrard  1874. 

4184.  Hardwar.  Wiener  Museum  1876.  (2  Ex.) 

4185.  Calcutta.  Wiener  Museum  1876.  (2  Ex.) 
6305.  Calcutta.  Wiener  Museum  1876. 


49.  Hemidactylus  flavoviridis  Ruepp. 

Hemidactylus  flavoviridis  Rueppell.  N.  Wirbeith.  Faun.  Abyss.  Rept.  p.  18,  tab.  VI,  f.  2. 
Hemidactylus  Coctaei  Klunzinger.  Zeitsch.  d.  Gesellsch.  f.  Erdkunde  in  Berlin,  1878,  p.  94. 

4819.  Koseir.    Dr.  C.  B.  Klunzinger  1878. 

4820.  Koseir.    Dr.  C.  B.  Klunzinger  1878. 

4821.  Koseir.    Dr.  C.  B.  Klunzinger  1878. 


Unsere  drei  Exemplare  sind  von  Dr.  Klunzinger  in  seinem  Aufsatze  «Zur  Wirbel- 
tbierfauna  im  und  am  Rothen  Meer»  unter  dem  Namen  Hemidactylus  Coctaei  D.  et  B.  auf- 

Ыетоігѳз  de  l'Aead.  Imp.  des  sciences  Tllme  Serie.  5 


34 


De.  a.  Steauch, 


geführt  worden  und  vielleicht  mit  Recht,  denn  dieselben  stimmen  in  allen  Beziehungen  mit 
den  Beschreibungen  der  letztgenannten  Art  überein.  Ein  directer  Vergleich  mit  den  mir 
zu  Gebote  stehenden  Exemplaren  von  Hemidactylus  Codaei  D.  et  B.  ergab  gleichfalls  eine 
fast  vollständige  Uebereinstimmung  und  die  einzigen  Differenzen,  die  ich  gefunden  habe, 
beschränken  sich  darauf,  dass  der  Schwanz  bei  Hemidactylus  flavoviridis  Ruepp.  noch  be- 
trächtlich stärker  flachgedrückt,  an  den  Seiten  fast  scharfkantig  ist  und  der  Rumpf  etwas 
gestreckter  erscheint,  als  bei  Hemidactylus  Coctaei  D.  et  B.  Da  nun  der  Hemidactylus  flavo- 
viridis Ruepp.  meines  Wissens  bisher  nur  in  der  Küstenstrecke  von  Abyssinien  und  bei  Ko- 
seir  am  Rothen  Meer  gefunden  worden  ist,  so  könnte  es  leicht  sein,  dass  wir  es  hier  mit 
verschleppten  Exemplaren  von  Hemidactylus  Coctaei  D.  et  B.  zu  thun  haben,  jedoch  bedarf 
diese  Vermuthung  noch  der  Bestätigung  und  bis  eine  solche  erfolgt,  wird  man  beide  in 
Rede  stehenden  Arten  in  Anbetracht  des  verschiedenen  Fundorts  und  der  oben  angegebenen, 
freilich  sehr  geringfügigen  und  obendrauf  noch  vagen  Differenzen  als  verschieden  ansehen 
müssen. 


50.  Hemidactylus  Bowringii  Gray. 
Hemidactylus  bowringii  Boulenger.  Catal.  I,  p.  139,  pl.  XII,  f.  2. 

655.  Pegu.  Hr.  Cutter  1868. 

4181.  Sikkim.  Wiener  Museum  1876. 

4182.  Sikkim.  Wiener  Museum  1876.  (3  Ex.) 
4776.  Fundort?  Hr.  H.  Schilling  1877. 

51.  Hemidactylus  Garnotii  Dum.  et  Bibr. 
Hemidactylus  garnotii  Boulenger.  Catal.  I,  p,  141. 
630.  Fundort?  Kunstkammer, 


52.  Hèmidactylus  platyurus  Schneid. 
Hemidactylus  platyurus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  143. 

636.  Philippinen.  Dr.  Mertens  1829. 

637.  Philippinen.  Dr.  Mertens  1829. 

638.  Philippinen.  Hr.  Cumming  1848. 
3534.  Celebes.  Hr.  Salmin  1872.  (2  Ex.) 
4064.  Penang.  Wiener  Museum  1875.  (4  Ex.) 
4676.  Koeti  (Bornéo).  Hr.  Salmin  1877. 

4934.  Bangkok.  Hr.  Salmin  1878. 

5403.  Celebes.  Hr.  S.  Braconnier  1879. 

6413.  Penang.  Dr.  E.  Riebeck*  1885.  (2  Ex.) 

6855.  Saigon.  Mag.  J.  Poljakow  1885. 


Bemeekungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  ü.  s.  w. 


35 


53.  Ptyodactylus  gecko  Hasselq. 
Ftyodactylus  lobatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  110. 

Hr.  Keitel  1868. 
Hr.  Keitel  1868. 
Dr.  C.  B.  Klunzinger  1878. 
Dr.  C.  B.  Klunzinger  1878. 
Dr.  C.  B.  Klunzinger  1878. 
Hr.  Deyrolle  1879. 

54.  Uroplatus  fimbriatus  Schneid. 

Uroplafes  fimbriatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  237. 

Pariser  Museum. 
Hr.  S.  Braconnier  1879. 
Hr.  G.  Schneider  1882. 
Hr.  G.  Schneider  1883. 

55.  Sphaerodactylus  elegans  Reinh.  et  Ltitken. 

SpJiaerodactylus  elegans  Boulenger.  Catal.  I,  p.  220. 

821.  Port-au-Prince.    Dr.  Jacger  1829.  (5  Ex.) 
3392.  Cuba.  Geber  ? 

7142.  Cuba.  Hr.  A.  Boucard  1886. 

56.  Sphaerodactylus  punctatissimus  Dum.  et  Bibr. 

Sphaerodactylus  pimctatissimus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  220 

699.  Port-au-Prince.    Dr.  Jaeger  1829. 

700.  Port-au-Prince.    Dr.  Jaeger  1829.  (2  Ex.) 

57.  Sphaerodactylus  glaucus  Соре. 
Sphaerodactylus  glaucus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  221,  pl.  XVIII,  f.  3. 

4292.  Fundort  ?    Hr.  H.  Schilling  1876. 

58.  Sphaerodactylus  torquatus  n.  sp. 

3268.  Mazatlan.    Hr.  Salmin  1871.  (3  Ex.) 

Zunächst  mit  Sphaerodactylus  glaucus  Соре  verwandt,  mit  dem  er  die  kleinen,  nicht 
gekielten  Rumpfschuppen  und  das  massig  grosse  Rostraischild  gemein  hat,  von  dem  er  sich 

5* 


657.  Aegypten. 

658.  Aegypten. 

4822.  Koseir. 

4823.  Koseir. 

4824.  Koseir. 
5374.  Batna. 


659.  Madagascar. 
5398.  Madagascar. 
5916.  Marovare. 
6043.  Nossi-Bé. 


36  De.  a.  Strauch, 

aber  durch  den  viel  gestreckteren  Kopf,  die  gestrecktere,  mehr  zugespitzte  Schnauze  und 
die  verschiedene  Färbung  und  namentlich  Zeichnung  unterscheidet. 

Die  Schnauze  unbedeutend  länger,  als  der  Zwischenraum  zwischen  Ohröffnung  und 
Orbita.  Die  Ohröffnung  klein  und  ausgesprochen  horizontal  gestellt.  Das  Rostrale  von 
massiger  Grösse,  genau  so  beschaffen,  wie  Boulenger  es  auf  Tafel  XVIII,  Fig.  3  von  Spliaero- 
dactylus  glaucus  Соре  abgebildet  hat.  Jederseits  6  Supralabialia,  die  letzten  sehr  klein. 
Das  Mentale  gross,  bedeckt  die  Spitze  des  Unterkiefers  und  besitzt  einen  leicht  bogen- 
förmigen Hinterrand;  zu  jeder  Seite  desselben  stehen  6  Infralabialia,  von  denen  die  3  vor- 
deren sehr  gross,  die  3  hinteren  dagegen  sehr  klein  sind.  Zwei  grosse  neben  einander 
liegende  Submentalia  und  hinter  denselben  3  etwas  kleinere  in  einer  Querreihe;  hinter  diesen 
letzteren  noch  2  oder  3  Querreihen  von  Schildchen,  die  successive  an  Grösse  ab-,  an 
Convexität  aber  zunehmen  und  so  allmählich  in  die  Kornschuppen  der  Kehle  übergeben. 
Das  Augenlid  hat  in  der  Mitte  seines  Oberrandes  einen  kleinen,  nach  hinten  gerichteten 
Dorn.  Die  Oberseite  aller  Theile  mit  kleinen  flachen  Schuppen  bedeckt,  die  auf  dem  Hinter- 
kopfe besonders  klein,  kornförmig  sind.  Die  Kehlschuppen  sind,  wie  schon  bemerkt,  klein 
und  convex,  die  Bauchschuppen  dagegen  plan,  etwa  doppelt  so  gross,  wie  die  Rücken- 
schuppen, und  dachziegelförmig  gelagert. 

Die  Oberseite  zeigt  auf  hellem  bräunlichgelbera  Grunde  braune  Vermiculationen,  die 
auf  dem  Kopfe  in  der  Längsachse  des  Thiers  verlaufen,  während  sie  auf  dem  Rumpfe  mehr 
der  Quere  nach  gerichtet  sind.  Die  Oberseite  des  Halses  ist  mit  einem  weissen,  breit  schwarz 
gerandeten  Halsbande  versehen,  d.  h.  es  finden  sich  daselbst  drei  gleichbreite  Querbinden, 
eine  vordere  schwarze,  die  vor  der  Schulter  liegt,  eine  mittlere  weisse,  welche  die  Schulter 
berührt,  und  eine  hintere  schwarze,  welche  hinter  der  Schulter  liegt  und  in  die  Achselhöhle 
lierabsteigt.  Der  Schwanz  ist  bei  den  beiden  grösseren  Exemplaren  reproducirt  und  erscheint 
fast  einfarbig  bräunlich  gelb,  da  die  braunen  Verm^iculationen  daselbst  nur  andeutungsweise 
vorhanden  und  sehr  vereinzelt  sind.  Bei  dem  kleinen  Stück  dagegen,  dessen  Schwanz  viel 
länger  und  sehr  dünn  ausgezogen,  also  augenscheinlich  nicht  reproducirt  ist,  zeigt  er  in 
seinem  Enddrittel  ähnliche  Zeichnungen,  wie  sie  nach  Boulenger  bei  SpJiaerodactylus  glaucus 
vorkommen.  Die  äusserste  Spitze  ist  nämlich  weiss,  vor  derselben  findet  sich  ein  breiter 
schwarzbrauner  Ringel,  dann  folgt  nach  vorn  ein  schmaler  weisser  und  darauf  wieder  ein 
breiterer  braunschwarzer  Ringel;  vor  diesem  Ringel  sieht  man  auf  der  Oberseite  in  gleichen 
Abständen  noch  mehrere  weisse  Flecken,  die  mehr  oder  weniger  deutlich  braun  gesäumt 
sind  und  nach  der  Schwanzbasis  zu  immer  undeutlicher  werden.  Die  Unterseite  aller  Theile 
ist  sehr  hell  bräunlichgelb. 

Maasse.  Totallänge  49  Mm.;  Länge  des  Kopfes  —  8  Mm.;  des  Rumpfes —  21  Mm.;  des 
Schwanzes  —  20  Mm.  Bei  dem  kleinen  Exemplar,  dessen  Schwanz,  wie  schon  bemerkt, 
nicht  reproducirt  ist,  beträgt  die  Länge  dieses  letzteren  etwas  mehr,  als  diejenige  von  Kopf 
und  Rumpf  zusammengenommen. 


Bemeekungen  über  die  Geckoniden-Sammlüng  u.  s,  w. 


37 


59.  Sphaerodactylus  Copei  Steind. 
Spîiaerodactylus  copii  Bou lenger.  Catal.  I,  p.  225. 

4780.  Süd-Amerika?    Hr.  H.  Schilling  1877.  (2  Ex.) 
5319.  Cuba.  Berliner  Museum  1879. 

Die  3  Exemplare,  von  denen  das  aus  Cuba  als  Sphaerodactylus  notatus  Baird  einge- 
schickt war,  stimmen  mit  der  von  Dr.  Steindacliner  gegebenen  Beschreibung  vollkommen 
überein,  während  sie  von  der  В  ou  lenger 'sehen  Diagnose  in  so  fern  abweichen,  als  die 
Bauchschuppen  auch  nicht  die  geringste  Spur  eines  Kieles  zeigen. 

60.  Sphaerodactylus  anthracinus  Соре. 
Sphaerodactylus  anthracinus  Bou  lenger.  Catal.  I,  p.  225. 

4781.  Fundort?    Hr.  H.  Schilling  1877.  (3  Ex.) 
7143.  Cuba.         Hr.  A.  Boucard  1886. 

Unsere  Exemplare  sind  noch  bunter,  als  das  Stück  im  British  Museum,  und  zeigen 
auf  hellem  bräunlichem  Grunde  dunkelbraune  Querbinden,  die  mit  weissen,  oft  und  ganz  un- 
regelmässig zu  Querbinden  zusammenfliessenden  Flecken  geziert  sind.  Solcher  Binden  finden 
sich  auf  dem  Rumpfe  im  Ganzen  drei,  eine  vor  den  Vorderextremitäten,  eine  vor  oder  fast 
über  den  Hinterextremitäten  und  die  dritte  genau  in  der  Mitte  zwischen  den  beiden  ge- 
nannten. Der  Schwanz,  dessen  äusserste  Spitze  weiss  ist,  zeigt  5  oder  6  weisse,  ziemlich 
breite  Ringel,  die  sowohl  am  Vorder-,  als  auch  am  Hinterrande  breit  dunkelbraun  gesäumt 
sind,  und  auch  die  Extremitäten  erscheinen  weiss  und  dunkelbraun  gefleckt,  stellenweise 
sogar  mehr  oder  weniger  deutlich  quergebändert.  Der  Kopf  ist  sehr  hell  gefärbt  und  trägt 
auf  dem  Occiput  eine  weisse,  dunkelbraun  gesäumte  Makel,  die  an  Grösse  dem  Auge  gleich- 
kommt; ausserdem  finden  sich  auf  dem  Kopfe  noch  5  weisse  Längslinien,  2  vordere,  deren 
jede  vom  Nasenloch  zum  Auge  zieht,  2  hintere,  einander  parallele,  deren  jede  vom  Hinter- 
rande der  Orbita  zum  Hinterkopfe  zieht  und  etwas  kürzer  ist,  als  jede  der  vorderen,  und 
endlich  eine  mittlere,  die  auf  der  Schnauze  entspringt  und  auf  dem  Interorbitalspatium  gegen 
die  weisse  Occipitalmakel  zieht,  ohne  sie  jedoch  zu  erreichen.  Die  Schläfen  sind  auch  mit 
einigen,  weniger  scharf  begrenzten  weissen  Makeln  geziert,  die  sich  auch  auf  den  Hinter- 
kopf fortsetzen  und  hier  in  eine  bogenförmige  Querreihe  angeordnet  sind.  Bei  2  Exemplaren 
sind  die  Zeichnungen  auf  Rumpf  und  Schwanz  sehr  deutlich  ausgeprägt,  bei  dem  dritten, 
dem  grössten,  dagegen  mehr  verschwommen  und  da  das  Weiss  im  Leben  möglicherweise 
blau  war,  so  könnten  wohl  Exemplare  vorkommen,  die,  wie  das  С  ope 'sehe  Originalstück, 
einfach  auf  dunkelem  Grunde  blau  gefleckt  sind.  Das  Exemplar  aus  Cuba,  №  7143,  weicht 
in  der  Zeichnung  von  den  anderen  etwas  ab,  indem  bei  demselben  das  Weiss  in  den  queren 
Rumpfbinden  an  Ausdehnung  gewonnen,  an  Intensität  aber  verloren  hat,  so  dass  der  Rumpf 


38 


Dr.  a.  Strauch, 


mit  3  hellen,  schwarz  gerandeten  Querbinden  geziert  ist.  Ferner  sind  die  weissen  Flecken, 
welche  bei  den  3  anderen  Stücken  eine  mehr  oder  weniger  zusammenhängende  halbmond- 
förmige Figur  auf  dem  Hinterkopfe  bilden,  hier  gleichfalls  zu  einer  hellen,  schwarz  ge- 
randeten Binde  zusammengeflossen  und  endlich  fehlt  demselben  der  helle,  schwarz  um- 
randete Occipitalfleck,  da  er  mit  der  mittleren  Längsbinde  des  Kopfes  verschmolzen  ist. 
Sämmtliche  Zeichnungen  auf  Rumpf  und  Kopf  sind  sehr  scharf  ausgeprägt,  dagegen  zeigt 
der  leider  zur  Hälfte  abgebrochene  Schwanz  kaum  Spuren  einer  Querbänderung. 
Unser  grösstes  intactes  Exemplar  hat  eine  Totallänge  von  nur  52  Mm. 


61.  Phyllodactylus  tuberculosus  Wiegm. 
Phyllodactylus  tuberculosus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  79. 


660.  Süd-Californien.  Hr.  J.  Wosnessensky  1846. 

2688.  Mazatlan.  Hr.  Salmin  1870. 

2689.  Mazatlan.  Hr.  Salmin  1870  (2  Ex.) 

2690.  Mazatlan.  Hr.  Salmin  1870.  (3  Ex.) 
4779.  Fundort?  Hr.  H.  Schilling  1877. 
4802.  Santa  Martha.  Hr.  H.  Schilling  1877. 
6306.  Fundort?  Hr.  Brandt  1840. 
6441.  Californien.  Hr.  Umlauff  1885. 


62.  Phyllodactylus  pulcher  Gray. 
Phyllodactylus  pulcher  Boulenger.  Catal.  I,  p.  80. 
661.  Fundort?  Kunstkammer. 

63.  Phyllodactylus  galapagensis  Peters. 
Phyllodactylus  galapagoensis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  82. 

3257.  Mazatlan.    Hr.  Salmin  1871. 
4778.  Fundort?    Hr.  H.  Schilling  1877. 

Bei  diesen  beiden  Exemplaren  ist  zwar  die  Erweiterung  an  den  Zehenspitzen  weniger 
stark,  wie  bei  Phijllodactylus  tuberculosus  Wiegm.,  jedoch  ist  die  Differenz  im  Ganzen  nicht 
bedeutend.  Der  Grund,  wesshalb  ich  dieselben  zu  Phyllodactylus  galapagensis  Ptrs.  rechne, 
liegt  daran,  dass  bei  ihnen  die  Dorsaltuberkeln  jederseits  von  der  Rückenmitte  6  sehr  re- 
guläre Längsreihen  bilden  und  die  ganze  Anordnung  dieser  Tuberkeln  sehr  an  diejenige 
von  Gymnodadylus  pelagicus  Girard  erinnert,  ein  Umstand,  den  Boulenger  als  für  die  in 
Rede  stehende  Art  besonders  charakteristisch  hervorhebt. 


Bemeeküngen  über  die  Geckoniden-Sammlung  ü.  s.  w. 


39 


64.  Phyllodactylus  pictus  Peters. 

Phyllodactylus  pidus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  91, 
1105.  Madagascar.    Hr.  Boucard  1869. 

Durch  ein  Versehen  von  Seiten  В  oui  enger 's  ist  diese  Art  in  seine  zweite  Gruppe, 
also  unter  die  Arten  mit  gleichartiger  Rückenbeschuppung  gerathen,  während  er  in  der  Be- 
schreibung ganz  richtig  angiebt:  Temples  and  upper  surface  of  body,  lirabs  and  tail  covered 
with  small  granulär  scales,  intermixed  with  scattered,  roundish,  triangulär,  keeled  tu- 
bercles  etcw.  Sie  gehört  folgUch  in  die  erste  Gruppe,  welche  durch  eine  «unequal  lepidosis» 
charaliterisirt  ist,  und  zwar  zu  den  Arten  mit  gekielten  Dorsaltuberkeln. 

65.  Phyllodaciylus  porphyreus  Dum.  et  Bibr. 

Phyllodactylus  porphjreus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  87,  pl.  VII,  f.  5. 

665.  Capland?    Hr.  Preiss  1842. 

666.  Capland?    Hr.  Preiss  1842.  (4  Ex.) 

Der  Fundort  unserer  leider  ziemlich  schlecht  erhaltenen  Exemplare  ist  in  so  fern  etwas 
unsicher,  als  ich  dieselben  in  einem  Glase  fand,  das  die  Aufschrift  «Neu  Holland.  Preiss 
1842»  trug.  Da  sich  jedoch  in  diesem  Glase  ausser  australischen  auch  unzweifelhaft  süd- 
africanische  Arten,  wie  z.  B.  Cordylus  griseits  D.  et  В.,  Адата  afra  Daud.,  Bufo  angusti- 
ceps  Smith,  befanden,  so  ist  es  mehr  als  wahrscheinlich,  dass  auch  die  fraglichen  Geckonen 
nicht  aus  Australien,  sondern  aus  dem  Caplande  stammen,  wo,  wie  mir  mit  Bestimmtheit 
bekannt  ist,  Preiss  gleichfalls  gesammelt  hat. 

66.  Phyllodactylus  marmoratus  Gray. 

Phyllodactylus  marmoratus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  88,  pl.  VII,  f.  6. 

667.  Melbourne.         Hr.  Niehoff  1862. 

668.  Melbourne.  Hr.  Niehoff  1862. 

6071.  Süd-Australien.  Hr.  G.  Schneider  1883.  (3  Ex.) 
6432.  Süd-Australien.    Dr.  E.  Riebeck*  1885.  (3  Ex.) 

67.  Phyllodactylus  af  finis  В  oui. 
Phyllodactylus  affinis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  89,  pl.  VII,  f.  4. 
6307.  Melbourne.    Hr.  Niehoff  1862. 

68.  Phyllodactylus  europaeus  Géné. 

Phyllodactylus  europaeus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  90. 
4186.  Insel  Tinetto.       Prof.  Dr.  Wiedersheim  1876. 
6984.  Insel  Sardinien,    Linnaea  1886.  (2  Ex.) 


40 


De.  a.  Steaüch, 


69.  Diplodactylus  spinigerus  Gray. 
Diplodadylus  spinigerus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  99. 

5058.  Queensland.    Museum  Godeffroy  1878. 

6308.  Australien,      Hr.  Frank  1884. 

6309.  Australien.     Hr.  Frank  1884. 

70.  Diplodactylus  strophurus  Dum.  et  Bibr. 

Biplodactijlus  strophurus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  100. 

6070.  Süd-Australien.    Hr.  G.  Schneider  1883.  (2  Ex.) 
6433.  Süd-Australien.    Dr.  E.  Riebeck*  1885. 

Soweit  ich  nach  den  mir  vorliegenden  Exemplaren  urtheilen  kann,  unterscheidet  sich 
diese  Art  von  dem  ihr  so  nahe  verwandten  Biplodactylus  spinigerus  Gray  auch  dadurch, 
dass  bei  ihr  die  jederseitige  Längsreihe  von  Dorsaltuberkeln  weit  hinauf  auf  den  Nacken,  fast 
bis  an  den  Kopf  geht,  während  sie  bei  jenem  kaum  bis  an  die  Schultern  reicht. 

71.  Diplodactylus  vittatus  Gray. 
Biplodactylus  vittatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  100,  pl.  VIII,  f.  3. 

663.  Neu  Holland.  Prof.  Dr.  Leuckart  1860. 

664.  Rockhampton.  Museum  Godeffroy  1868. 
2388.  New  South  Wales.  Dr.  Paessler  1863. 

6310.  Australien.  Hr.  Frank  1884. 


72.  Diplodactylus  polyophthalmus  Günther. 
Biplodactylus  polyophthalmus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  101,  pl.  VIII,  f.  4. 
3835.  Australien.    Hr.  Gerrard  1874. 

73.  Oedura  marmorata  Gray. 

Oedura  marmorata  Boulenger.  Catal.  I,  p.  104,  pl.  IX,  f.  2. 
3869.  Neu  Holland.    Museum  Godeffroy  1874. 

74.  Oedura  Tryoni  De  Vis. 

Oedura  ocellafa  Boulenger.  Catal.  I,  p.  105,  pl.  IX,  f.  1. 
662.  Rockhampton.  Museum  Godeffroy  1868. 
3636.  Rockhampton.  Hr.  Salrain  1873. 

1)  Nachdem  Boulenger  sich  überzeugt  hat,  dass  l  schrieben  worden  ist,  und  zwar  bereits  im  Jahre  1884,  so 
seine  Oedura  oceUata  von  De  Vis,  wenn  auch  mangelhaft,  acceptirt  er  den  letzteren  Namen,  dem  die  Priorität  ge- 
so  doch  kenntlich,  unter  dem  Namen  Oedura  Tryoni  be-  |  bührt.  Ann.  and  Mag.  Nat.  Hist.  5  ser.  XVI  (1885),  p.  387. 


Bemeekungen  übee  die  Geckoniden-Sammlüng  ü.  ti.  w. 


41 


3876.  Port  Boweii.     Museum  Godcffroy  1874. 

3877.  Port  Bowen.     Museum  Godeffroy  1874. 
4272.  Australieu.       Hr.  IL  Schilling  1876. 

75.  Oedura  robusta  В  oui, 

Oedura  robusta  Boiilenger.  Catal.  I,  p.  106,  pl.  X,  f.  1. 
5057.  Queensland.    Museum  Godeffroy  1878. 

76.  Oedura  Lesueurii  Dum.  et  Bibr. 
Oedura  lesueurii  Boulenger.  Catal.  I,  p.  107,  pl.  X,  f.  2. 

3836.  Australien.     Hr.  Gerrard  1874. 
6311.  Queensland.    Museum  Godeffroy  1878. 

77.  Heteronota  Derbyana  Gray. 

Heteronota  derbiana  Boulenger.  Catal,  I,  p.  75. 

669.  Rockhampton.  Museum  Godeffroy  1868, 
3633.  ßockhampton.    Hr.  Salmin  1873,  (2  Ex.j 


Gattung  Cnemaspis  m. 

Von  xvy][j.7],  Unterschenkel,  und  атиіс,  Schild. 

Finger  und  Zehen  nicht  erweitert,  an  den  Seiten  nicht  gefranzt,  an  der  Unterseite  mit 
glatten  Querlamellen  bekleidet  und  sämmtlich  krallentragend.  Das  Basalglied  derselben 
cylindrisch,  die  distalen  deutlich  comp^-irairt  und  gegen  das  erstere  winklig  abgesetzt.  Die 
Klauen  zwischen  2  Schildern,  von  denen  das  untere  gross  und  rinnenförmig  gestaltet  ist. 
Die  Innenseite  der  Unterschenkel  mit  einer  Längsreihe  von  grossen,  in  die  Quere  gezogenen, 
flachen  Schildern  bekleidet.  Der  Körper  flachgedrückt,  auf  der  Oberseite  mit  feinen  Korn- 
schuppen und  dazwischen  gestreuten  grössern  Tuberkeln,  auf  der  Unterseite  mit  imbri- 
caten  Schuppen  bekleidet.  Der  Schwanz  lang,  zugespitzt  und  deutlich  flachgedrückt.  Das 
Augenlid  circulär;  die  Pupille  allem  Anscheine  nach  rund.  Bei  den  Männchien  wahrscheinlich 
Praeanalporen  vorhanden. 

Das  Hauptmerkmal  dieser  neuen  Gattung,  welche  der  Gattung  Gomtodes  Fitz,  am 
nächsten  verwandt  ist,  besteht  in  der  Bekleidung  der  Innenseite  der  Unterschenkel  mit 
flachen  grossen  Schildern,  welche  in  Form  und  Anordnung  den  Tibialschildern  der  Läcer- 
tiden  gleichen  und  meines  Wissens  bisher  bei  keinem  Geckoniden  beobachtet  worden  sind. 

Mémoires  de  l'Âcad.  Imp.  des  sciences  Vüme  Serie.  Q 


42 


De.  a.  Steauch, 


78.  Cnemaspis  Boulengerii  n.  sp.  Fig.  7,  8  u.  9. 
5407.  Insel  Poiilo  Coudor.    Ilr.  S,  Braconnier  1879. 

Der  Kopf  ira  Verhältniss  zum  Körper  klein,  lang  und  schmal,  etwa  um  die  Hälfte 
länger,  als  au  den  Schläfen  breit.  Die  Schnauze  bedeutend  länger,  als  die  Distanz  zwischen 
OhröfFnung  und  Orbita,  etwa  um  die  Hälfte  länger,  als  der  Durchmesser  der  Orbita,  dabei 
stumpf  zugerundet,  flachgedrückt  und  mit  einer  sehr  deutlichen  Längsgrube  auf  der  Mitte, 
die  sich  über  das  Interorbitalspatium  auf  den  Hinterkopf  fortsetzt  und  dort  eine  etwa  rhom- 
bische, sehr  deutliche  Vertiefung  bildet.  Die  Ohröffnung  klein,  ungefähr  dreieckig  und  ver- 
tical gestellt.  Das  Rostrale  niedrig,  etwa  doppelt  so  breit  wie  hoch  und  mit  einer  deutlichen 
Längsspalte  am  Hinterrande.  Jederseits  von  ihm  stehen  10  Supralabialia,  von  denen  die 
vorderen  langgestreckt,  die  3  hinteren  aber  sehr  kurz,  fast  kornförmig  sind.  Das  Nasenloch 
rund,  subvertical,  liegt  zwischen  dem  Rostrale,  dem  ersten  Supralabiale  und  4  besonderen 
Nasalschildern,  von  denen  das  innerste  am  grössten  ist  und  mit  dem  der  anderen  Seite  in 
Berührung  steht.  Das  Auge  mässig  gross  mit  circulärcm  Augenlide  und,  wie  es  scheint, 
runder  Pupille,  jedoch  lässt  sich  die  Form  dieser  letzteren  nicht  mit  Bestimmtheit  angeben, 
da  die  Cornea  sehr  stark'  getrübt  ist.  Das  Mentale  von  enormer  Grösse,  erinnert  an  ein 
gleichschenkliges  Dreieck  mit  bogenförmig  gekrümmter  Basis  und  gerade  abgestutzter,  nach 
hinten  gekehrter  Spitze.  Zu  jeder  Seite  von  ihm  stehen  8  oder  9  Infralabialia,  von  denen 
die  letzten,  wie  gewöhnlich,  sehr  klein  sind.  Submentalia  sind  in  der  Zahl  5  vorhanden,  ein 
unpaares  kleines,  das  genau  an  der  abgestutzten  Spitze  des  Mentale  liegt,  und  zwei  paarige, 
von  denen  das  jederseitige  innere  sehr  gross  ist  und  die  Spitze  des  Mentale  nach  hinten 
überragt,  während  das  äussere  klein  erscheint  und  etwa  dreimal  so  gross  ist,  wie  das  vorhin 
erwähnte  unpaare.  Der  Rumpf  ist  schlank  und  deutlich  abgeflacht,  die  Extremitäten  ver- 
hältnissmässig  recht  lang,  denn  die  hinteren  nach  vorn  gekehrt  und  an  den  Leib  angedrückt, 
erreichen  fast  die  Ohröfifnung  und  die  vorderen,  ebenso  behandelt,  überragen  die  Schnauze. 
Der  Schwanz  lang,  sehr  stark  zugespitzt  und  an  der  Basis  sehr  deutlich  flachgedrückt.  Die 
Oberseite  aller  Theile  ist  mit  feinen  convexen  Kornschuppen  bekleidet,  zwischen  denen  auf 
dem  Rumpfe  runde  gewölbte  Tuberkeln  stehen,  die  etwa  doppelt  so  gross  sind,  wie  die  sie 
umgebenden  Kornschuppen.  Auf  dem  Rücken  bilden  diese  Tuberkeln  sehr  unregelmässige 
Längsreiheu  und  stehen  auch  ziemlich  weit  von  einander  entfernt,  indem  gewöhnlich  zwischen 
2  benachbarten  Tuberkeln  3,  4  oder  selbst  5  Kornschuppen  liegen.  Nur  auf  dem  Nacken 
sind  sie  an  2  Stellen  dichter  gestellt  und  in  deutliche  Reihen  angeordnet:  so  findet  sich 
jederseits  eine  solche  Reihe,  die  etwa  über  der  Ohröffnung  beginnt  und  in  leichtem,  mit  der 
Convexität  nach  innen  gerichtetem  Bogen  nach  hinten  und  innen  auf  den  Nacken  zieht, 
ohne  jedoch  mit  der  entsprechenden  der  anderen  Seite  zusammenzutreffen,  und  eine  ganz 
ähnliche,  aber  gerade  Reihe  liegt  schräge  vor  jeder  Schulter.  Auf  dem  Kopfe  fehlen  die 
Tuberkeln  ganz  und  die  Schuppen  auf  dem  Hinterkopfe  sind  kleiner,  als  diejenigen  auf  der 
Schnauze.   Auch  die  Extremitäten  sind  auf  der  Oberseite  mit  durchaus  gleichen  Korn- 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


43 


schuppen  bekleidet,  ohne  ein  Spur  von  Tuberkeln.  Die  Kehlschuppen  sind  klein,  flach  und 
neben  einander  liegend,  die  Bauclischuppcn  etwa  doppelt  so  gross  und  leicht  imbricat.  Die 
Unterseite  der  Extremitäten  ist  mit  flachen  Schuppen  bekleidet,  bis  auf  die  Unterschenkel, 
welche,  wie  schon  bemerkt,  eine  Längsreihe  von  6  grossen  flachen,  in  die  Quere  gezogenen 
Schildern  zeigen.  Femoral-  und  Praeanalporen  fehlen  gauz,  jedoch  sind  die  Schuppen  in  der 
Gegend,  wo  die  Praeanalporen  zu  sitzen  pflegen,  in  der  Mitte  mit  einer  sehr  seichten,  kaum 
bemerkbaren  Vertiefung  versehen,  woraus  ich  darauf  schliessen  zu  können  glaube,  dass  bei 
den  Männchen  Praeanalporen  vorhanden  sein  werden.  Der  Schwanz,  der  an  der  Basis  ziemlich 
breit  und  sehr  abgeflacht  ist,  läuft  in  eine  lange  dünne  Spitze  aus  und  ist  in  seinem  basalen 
Drittel  in  regelmässige  Querringel  eingetlieilt,  von  denen  jeder  an  der  Oberseite  mit  10 — 1 1 
Querreihen  von  flachen  Schuppen  bekleidet  ist  und  ausserdem  noch  jederseits  einen  grösseren 
schwach  convexen  Tuberkel  zeigt;  diese  Tuberkeln  stehen  am  Hinterrande  der  Ringel  und 
bilden  jederseits  zusammen  eine  reguläre  Längsreihe.  Die  beiden  distalen  Drittel  des  Schwanzes 
scheinen  reproducirt  zu  sein  und  sind  oben  mit  flachen  Schuppen  bekleidet.  Die  Unterseite 
des  Schwanzes  ist  anfänglich  einfach  beschuppt  und  darauf  mit  einer  Längsreihe  breiter 
Querschilder  bekleidet,  die  sich  auch  auf  die  Unterseite  des  reproducirten  Theils  fortsetzen. 

Oben  bräunlichgrau,  unten  schmutzig  weisslichgrau  und  einfarbig,  nur  auf  dem  Nacken 
und  auf  der  vorderen  Rückenhälfte  finden  sich  einige  ziemlich  grosse  tief  schwarze  Makeln 
von  rundlicher  oder  länglicher  Form;  dieselben  sind,  wie  folgt,  vertheilt:  gleich  hinter  dem 
Kopfe  auf  der  Mitte  des  Nackens  stehen  2  Makeln,  hinter  diesen  folgt  eine  bogenförmige 
Querreihe  von  4  ähnlichen  und  hinter  diesen  noch  eine  2'"  gleichfalls  bogenförmige  Quer- 
reihe von  7  etwas  in  die  Länge  gezogenen,  von  denen  die  jederseitige  äusserste  gerade  vor 
der  Schulter  steht  und  die  andern  an  Grösse  übertrifl't.  Kurz  vor  der  Mitte  des  Rückens 
endlich  stehen  noch  3  solcher  Makeln  in  einer  Querreilie. 

Maasse.  Totallänge  des  Thieres  —  152  Mm.;  Länge  des  Kopfes  1(3  Mm.,  des  Rumpfes 
46  Mm.,  des  Schwanzes  90  Mm. 

79.  Gonatodes  albogularis  Dura,  et  Bibr. 

Gonatodes  albogularis  Bou lenger.  Catal.  I,  p.  5У. 

702.  Cuba.    Berliner  Museum  1868.  (2  Ex.) 

703.  Cuba.    Berliner  Museum  1868.  (2  Ex.) 

80.  Gonatodes  caudiscutatus  Günther. 

Gonatodes  caudiscutatus  Boulenger.  Catal.  I,  p,  61,  pl.  V,  f.  2. 

716.  Guayaquil.      Berliner  Museum  1868. 
3596.  Bogota.  Baron  v.  Nolcken  1872. 

4775.  Fundort  ?      Hr.  H.  Schilling  1877. 
6200.  Yurimaguas.    Dr.  0.  Staudinger  1883. 

6=<^ 


44 


De.  a.  Steauch, 


81.  Gonatodes  humeralis  Guichen. 
Gonatodes  humeralis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  62,  pl.  V,  f.  3. 

6005.  Pebas  am  obern  Amazonas.    Dr.  0.  Staudinger  1883.  (4  Ex.) 

6006.  Pebas  am  obern  Amazonas.    Dr.  0.  Staudinger  1883.  (3  Ex.)  i 

Bei  unseren  4  Männchen  (ЛНООб)  ist  die  helle  hufeisenförmige  Binde  auf  dem  Hinter- 
kopfe, die  auch  Guichenot  in  seiner  Figur  angiebt,  deren  Boulenger  aber  nicht  gedenkt, 
mehr  oder  weniger  scharf  und  deutlich  ausgebildet  und  von  bläulicher  Farbe. 

82.  Gonatodes  indicus  Gray. 

Gonatodes  indicus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  64,  pl.  VI,  f.  1. 

705.  Pegu.  Hr.  Cutter  1868. 

5631.  Neelgberries.    Britisb  Museum  1880.  (2  Ex.) 

83.  Gonatodes  wynadensis  Beddome. 
Gonatodes  wynadensis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  65,  pl.  VI,  f.  2. 
5626.  Wynaad.    British  Museum  1880.  (2  Ex.) 

84.  Gonatodes  ornatus  В  edd.  ^  ' 

Gonatodes  ornatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  66,  pl.  VI,  f.  3. 
6943.  Tinevelly.    Britisb  Museum  1886. 

85.  Gonatodes  marmoratus  В  edd. 
Gonatodes  marmoratus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  67,  pl.  VI.  f.  4. 
6946.  Travancore.    British  Museum  1886. 


86.  Gonatodes  kandianus  Eelaart. 

Gonatodes  kandianus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  68. 

3791.  Ceylon.    Hr.  Gerrard  1874. 

5614.  Ceylon.    Britisb  Museum  1880.  (3  Ex.) 

6396.  Ceylon.    Dr.  E.  Riebeck*  1885.  (2  Ex.) 

87.  Gonatodes  gracilis  Bedd. 

Gonatodes  gracilis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  70,  pl.  VI,  f.  5. 

5311.  Ceylon.    Berliner  Museum  1879. 
6312.  Ceylon.    British  Museum  1880. 


Bemeeküngen  übee  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s,  w. 


45 


88.  Gonatodes  Jerdonii  Theob. 
Gonatodes  jerdonii  Bouleiiger.  Catal.  I,  p.  71. 

3419.  Ceylon.    British  Museum  1872. 

89.  Gonatodes  liitoralis  Jei  don. 

Gonatodes  littoralis  Bouleiiger.  Catal.  I,  p.  71,  pl  VI,  f.  6, 
5630.  Malabar.    British  Museum  1880. 

90.  Prisiurus  flavipunctatus  Rue  pp. 

Pristiirus  flavipunctatus  Boulenger.  Catal.  Г,  p.  52. 

704.  Fundort  ?  Hr.  Parreyss  1839, 
2839.  Abyssinien?    Ilr.  J.  Erber  1870. 

91.  Pristurus  rupestris  Blanf. 
Pristurus  rupestris  Bouleiiger.  Catal.  I,  p.  53. 

G947.  Insel  Socotra.    British  Museum  188G. 


92.  Gymnodactylus  caspius  Eichw. 
Gynmodactylus  caspius  Boulenger.  Catal.  I,  p.  2G. 


2940. 
3181. 
3182. 
3183. 
3184. 
3185. 
3186. 
3187. 
3188. 
3189. 
3190. 
3191. 
3652. 
3653. 
4039. 
5234. 
6313. 
6460. 
6461. 
6530, 


Krasnowodsk. 


Baku. 

Ostufer  des  Kaspischen  Meeres. 

Ostufer  des  Kaspischen  Meeres. 

Ostufer  des  Kaspischen  Meeres. 

Nowo-Alexandrowsk. 

Nowo-Alexandrowsk  ? 

Ostufer  des  Kaspischen  Meeres. 

Baku. 

Krasnowodsk. 

Dardsha. 

Kisyl-Arwat. 

Krasnowodsk. 

Baku. 

Mangyschlak. 

Baku. 

Bami. 

Tschuli  am  Kargyssu. 
Ak-Kala  bei  Astrabad. 


Dr.  G.  Radde  1870, 

Hr,  E.  Ménétries  1830. 

Hr.  E.  Ménétries  1830. 

Hr.  Karelin  1837. 

Hr.  Karelin  1837. 

Hr.  Karelin  1837. 

Dr.  A.  Lehmann  1842. 

Dr.  A.  Lehmann  1842. 

Dr.  N.  Sewerzow  1859. 

Mag.  A.  Goebel  1864. 

Mag.  A.  Goebel  1866. 

Mag.  A.  Goebel  1866. 

Dr.  G.  Sievers*  1873. 

Dr.  G.  Sievers*  1873.  - 

Dr.  0.  von  Grimm  *  1875. 

Dr.  M.  Bogdanow  *  1878.  (2  Ex.) 

Dr.  0.  von  Grimm*  1875. (2  Ex.) 

Hr.  Zarudny  1885. 

Hr.  Zarudny  1885. 

Hr.  A.  Nikolsky  1885.  (3  Ex.) 


46 


De.  a.  Steaüch, 


Zu  der  vortrefflichen  Charakteristik,  dieBoulenger  von  dieser  Art  gegeben  hat,  möchte 
ich  noch  hinzufügen,  dass  die  Zahl  der  Poren  bei  den  Männchen  nach  meinen  Erfahrungen 
stets  mehr  als  20  beträgt.  Unter  den  62  Exemplaren,  die  ich  von  dieser  Art  sowohl  in  der 
akademischen,  als  auch  in  der  Sammlung  der  hiesigen  Universität  zu  untersuchen  Gelegen- 
heit gehabt  habe,  befanden  sich  36  Männchen,  von  denen  die  meisten  26 — 27  Poren  be- 
sassen.  Ueberhaupt  schwankte  die  Zahl  der  Poren  zwischen  23  und  30,  und  zwar  habe  ich 
einmal  23,  fünfmal  24,  dreimal  25,  neunmal  26,  achtmal  27,  fünfmal  28,  dreimal  29  und 
zweimal  30  Poren  gezählt.  Das  Minimum  von  23  Poren  fand  ich  an  einem  aus  dem  Kau- 
kasus, ohne  genauere  Bezeichnung  des  Fundortes,  stammenden  Exemplar  der  üniversitäts- 
Sammlung  (JV?.  299),  das  Maximum  von  30  Poren  zeigten  die  Exemplare  №  2940  und  3652 
der  akademischen  Sammlung.  Alsdann  möchte  ich  noch  bemerken,  dass  die  dunklen  Quer- 
binden auf  der  Oberseite  des  Thieres  keineswegs  immer  «rather  indistinct»  sind,  sondern 
im  Gegentheil  bei  der  Mehrzahl  der  Exemplare  sehr  deutlich  und  gewöhnlich  auch  recht 
scharf  begrenzt  erscheinen. 

Sämmtliche  Exemplare  der  akademischen  Sammlung  stammen  aus  den  Ufergegenden 
des  kaspischen  Meeres,  die  Sammlung  der  hiesigen  Universität  jedoch  besitzt  auch  2  Stücke, 
die  Hr.  Alenizin  auf  der  Insel  Kug-Aral  im  Aralsee  erbeutet  hat,  und  ein  von  Dr. 
M.  N.  Bogdanow  bei  der  Stadt  Chiwa  gefangenes  junges  Weibchen,  Weiter  nach  Osten 
scheint  G ijmnodadylus  caspius  nicht  mehr  vorzukommen,  denn  die  von  Dr.  Sewerzow  unter 
diesem  Namen  aufgeführten  Exemplare  ausTurkestan  gehören  einer  zwar  nahe  verwandten, 
aber  doch  verschiedenen  Art,  dem  Gymnodadylus  Fedtschenîcoi,  an. 

93.  Gymnodadylus  Fedtschenkoi  n.  sp. 

3387.  Samarkand.  Kussische  Entomologisclie  Gesellschaft*  1871.  (2  Ex.) 
5039.  Samarkand.  Hr.  V.  Russow  1874.  (2  Ex.) 

6354.  Samarkand.  Hr.  V.  Russow  1874. 

6355.  Samarkand.  Hr.  V.  Russow  1874.  (4  Ex.) 
6479.  Ost-Buchara.  Dr.  A.  Regel  1885. 

Trotz  der  frappanten  Aehnlichkeit,  welche  zwischen  dieser  Art  und  dem  Gymnodac- 
tylus  caspius  Eichw.  sowohl  in  der  Form,  als  auch  namentlich  in  der  Färbung  und  Zeich- 
nung besteht,  lassen  sich  beide  doch  für  alle  Fälle  mit  Sicherheit  durch  folgende  4  Merk- 
male leicht  von  einander  unterscheiden.  1)  Die  Tuberkeln  auf  dem  Nacken,  dem  Hinterhaupt 
und  den  Schläfen  sind  bei  der  in  Rede  stehenden  Art  nicht  bloss  weniger  dicht  gestellt,  son- 
dern auch  rund  und  einfach  gewölbt,  während  sie  bei  der  kaspischen  Art  deutlich  triedrisch 
erscheinen  und  dabei  so  dicht  gedrängt  stehen,  dass  man  die  kleinen  flachen  Kornschuppen, 
mit  denen  sie  untermischt  sind,  nur  hin  und  wieder  sieht.  2)  Die  Dorsaltuberkeln  der  neuen 
Art  sind  kleiner,  nicht  so  dicht  gedrängt  und  sehr  deutlich  gekielt,  aber  nur  schwach  trie- 
drisch. 3)  Die  Bauchschuppen  sind  gleichfalls  kleiner  und  bilden  an  der  breitesten  Stelle  des 


9 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s,  w.  47 

Bauches  30 — 32  Längsreihen,  während  sie  bei  der  kaspischen  Art  an  der  gleichen  Stelle 
in  26 — 28  Läugsreihen  angeordnet  sind.  4)  Endlich  besitzen  die  Männchen  zahlreichere 
Schenkelporen,  denn  während  bei  der  kaspischen  Art,  wie  ich  soeben  gezeigt  habe,  die  Zahl 
dieser  Organe  gewöhnlich  20 — 27  beträgt  und  nur  ausnahmsweise  bis  auf  30  steigt,  zeigten 
alle  8  Männchen,  welche  ich  von  Gymnodactylus  Fedtschenkoi  untersucht  habe,  34 — 37  Poren, 
und  zwar  fand  ich  dreimal  34,  einmal  35,  zweimal  36  und  gleichfalls  zweimal  37.  Ausser 
den  obenangeführten  10  Exemplaren  der  akademischen  Sammlung  habe  ich  in  der  Ausbeute 
des  leider  zu  früh  verstorbenen  A.  P.  Fedtschenko  noch  6  Exemplare  untersucht,  von 
denen  2  im  Sarafschan-Thale,  die  übrigen  4  aber  in  der  Stadt  Samarkand  selbst,  und  zwar 
im  Zimmer,  gefangen  worden  sind.  Ob  diese  Art  noch  weiter  nach  Osten  vorkommt,  kann 
ich  zwar  nicht  mit  Bestimmtheit  behaupten,  glaube  aber,  dass  die  von  Theobald  im  Punjab 
gefangenen  und  von  ßlyth^)als  Gymnodactijlus  (jeckoides  erwähnten  Exemplare,  wenn  sie  nicht 
einer  selbstständigen  Art  angehören,  nicht  wie  Stoliczka^)  vermuthet,  zu  Gymnodactylus 
caspius  Eichw.,  sondern  zu  Gymnodactylus  Fedtsclienkoi  zu  rechnen  sein  werden,  wofür 
namentlich  die  Zahl  der  Poren  spricht,  die  nach  Stoliczka  32 — 34  betragen  soll.  Da  alle 
diese  Punjab-Exemplare  etwas  vertrocknet  (shrunk)  waren,  so  wird  wohl  die  Angabe,  dass 
bei  ihnen  die  Bauchschuppen  nur  18 — 20  Längsreihen  bilden,  nicht  genau  sein,  zumal  Sto- 
liczka selbst  bemerkt,  dass  neben  den  Bauchschuppen  jederseits  noch  mehrere  Längsreihen 
kleiner  Schuppen  vorhanden  sind.  Hiernach  würden  also  die  Punjab-Exemplare  in  der  Zahl 
der  Poren,  also  gerade  in  einem  derjenigen  Charaktere  mit  Gymnodactylus  Fedtsclienkoi 
übereinstimmen,  durch  welche  sich  dieser  letztere  hauptsächlich  von  Gymnodactylus  caspius 
Eichw.  unterscheidet,  und  es  dürfte  daher  wohl  kaum  einem  Zweifel  unterliegen,  dass  die- 
selben, falls  sie  keine  besondere  Speeles  bilden,  zu  ersterer  und  nicht  zu  letzterer  Art  ge- 
hören, zu  welcher  sie  von  Stoli.czka  und  nach  ihm  von  Boulenger  gestellt  worden  sind. 


94.  Gymnodactylus  scaber  Rüppell. 

Gymnodactylus  scaber  Boulenger.  Catal.  I,  p.  27. 

2829.  Cairo.  Hr.  J.  Erber  1870. 

3696.  Aegypten.     Berliner  Museum  1869.  (2  Ex.) 

4825.  Koseir.         Dr.  C.  B.  Klunzinger  1878.  (3  Ex.) 

95.  Gymnodactylus  Kotschyi  Steindach  ne  r. 
Gymnodactylus  kotschyi  Boulenger.  Catal.  I,  p.  29, 

2824.  Insel  Syra.       Hr.  J.  Erber  1870.  (5  Ex.) 

2825.  Insel  Syra.       Hr.  J.  Erber  1870.  (6  Ex.) 

2826.  Insel  Syra.  Hr.  J.  Erb  er  1870. 
2977.  Morea.  Hr.  R.  Effeldt  1870. 
6314.  Insel  Cyperu.    Hr.  Parreyss  1842. 


1)  Journ.  Asiat.  Soc.  of  Bengal  XXII,  p.  410. 


I      2)  Proc.  Asiat.  Soc.  of  Bengal  1872,  p.  80,  footnote. 


48 


Dß.  A.  Steauch, 


Schreiber bemerkt,  dass  bei  dieser  Art  die  Männchen  äusserst  selten  sind,  da  er 
unter  50 — 60  Weibchen  erst  ein  Männchen  gefunden  habe,  und  ich  kann  diese  Angabe 
gleichfalls  bestätigen,  denn  unter  den  14  Exemplaren  unseres  Museums  ist  nur  1  einziges 
Männchen  vorhanden,  nämlicli  M'-  2977,  die  12  Stücke  aus  Syra  sind  sämmtlich  weiblichen 
Geschlechts. 

96.  Gymnodactylus  Danilewskii  n.  sp. 

3688.  Jalta  iu  der  Krym.      Hr.  Danilewsky*  1868. 
6353.  Süd-Ufer  der  Krym.    Mag.  Th.  Koeppen*  1884. 
6542.  Krym?  Oberst  A.  Kuschake witsch  1863. 

Diese  neue  Art  ist  dem  Gymnodactylus  Kotschji  Steind.  zwar  sehr  nahe  verwandt, 
unterscheidet  sich  von  demselben  aber  durch  den  Besitz  einer  seitlichen  Hautfalte,  welche 
jederseits  am  Rumpfe  zwischen  den  Vorder-  und  Hinterextremitäten  verläuft  und  genau  so 
beschaffen  ist,  wie  die  Hautfalte  bei  Gehyra  vorax  Gir.;  ferner  ^ist  bei  der  neuen  Art  die 
Unterseite  des  Schwanzes  nicht,  wie  bei  Gymnodactylus  Kotschji  Steind.,  mit  einer  Längs- 
reihe breiter  Querschilder,  sondern  mit  kleinen  dachziegelförmig  gelagerten  Schuppen  be- 
kleidet, alsdann  sind  die  Tuberkeln  des  Rückens  etwas  kleiner  und  dabei  convexer,  d.  h. 
stärker  dachförmig  erhoben,  bilden  aber  ebenfalls  12  ganz  reguläre  Längsreihen,  in  deren 
jeder  die  einzelnen  Tuberkeln  einander  an  Grösse  gleich  sind.  Endlich  besitzen  die  Männchen 
6  Praeanalporen,  die  in  einer  schwach  bogenförmigen  Querreihe  stehen.  Sonst  stimmt  Gym- 
nodactylus DanilewsMi  in  allen  anderen  Beziehungen  mit  Gymnodactylus  Kotschyi  Steind. 
tiberein  und  zeigt  auch  nahezu  dieselbe  Färbung  und  Zeichnung,  indem  er  auf  bräunlich- 
grauem Grunde  dunkelbraune,  winklig  geknickte,  mit  der  Spitze  nach  hinten  gerichtete 
Querbinden  (Chevrons)  auf  Rumpf  und  Schwanz  besitzt.  Von  Gym-nodactylus  Russowii,  mit 
dem  die  in  Rede  stehende  Art  in  der  Bekleidung  der  unteren  Schwanzfläche  übereinstimmt, 
unterscheidet  sie  sich  durch  den  Besitz  der  Hautfalte  an  den  Rumpfseiten,  durch  die  kleine- 
ren, aber  unter  einander  gleichgrossen  Rückentuberkeln  und  durch  die  Submentalschilder, 
welche  genau  so  beschaffen  sind,  wie  bei  Gymnodactylus  Kotschyi  Steind. 

Maasse.  Totallänge  des  Thieres  —  79  Mm.;  Länge  des  Kopfes  11  Mm.,  des  Rumpfes 
32  Mm.,  des  Schwanzes  36  Mm. 

Ich  habe  diese  Art,  von  der  mir  bisher  nur  2  Männchen  und  ein  ganz  junges  Weibchen 
{M?.  6542)  bekannt  geworden  sind,  dem  kürzlich  in  Tifiis  verstorbenen,  um  unser  Fischerei- 
wesen hochverdienten  Wirkl,  Staatsrath  Danilewsky  gewidmet,  der  das  eine  unserer  Exem- 
plare aus  Jalta  mitgebracht  hat,  wo  es  in  einer  Branntweinschenke  (Kabak)  gefangen 
worden  ist. 

-  ■  ■   • 


1)  Schreiber.  Herpetologia  europaea  p,  482. 


Bemeekungen  über  die  Geckoniden-Sammlüng  ü,  s.  w. 


49 


97.  Gymnodactylus  Russowii  n.  sp.  Fig.  10,  11  u.  12. 


3658.  Nowo  Alexandrowsk. 

3659.  Nowo  Alexandrowsk? 

3660.  Nowo  Alexandrowsk  У 

3700.  Chodshent. 

3701.  Chodshent. 

4192.  Mangyschlak. 

4193.  Miirsa-Robat. 

4194.  Chodshent. 

4195.  Mohol-Tau. 
4310.  Tschimkent. 

5037.  Brunnen  Abadchir  (Mangyschlak). 

5197.  Tchinas. 

5201.  Saamin. 

5218.  Wüste  Golodnaja. 

5224.  Utsch-Kurgan  am  Narjn. 

5800.  Chark-Usjur. 


Dr.  A.  Lehmann  1842.  (2  Ex.) 

Dr.  A,  Lehmann  1842. 

Dr.  A.  Lehmann  1842. 

Dr.  N.  Sewerzow  1873.  (3  Ex.) 

Dr.  N.  Sewerzow  1873.  (2  Ex.) 

Akad.  C.  E.  von  Baer  1854. 

Oberst  A.  Kusehakewitsch  1870.  (6  Ex.) 

Oberst  A.  Kusehakewitsch  1870. 

Oberst  A.  Kuscliakewitsch  1870.  (5  Ex.) 

Dr.  N.  Sewerzow  1876.  (2  Ex.) 

Mag.  A.  Goebcl  1864. 

Hr.  V.  Russow  1878.  (6  ч-  Ex.) 

Hr.  V.  Russow  1878. 

Ilr.  V.  Russow  1878. 

Stud.  M.  von  Middendorff*  1878. 

Hr.  S.  Alpheraky*  1881.  (2  Ex.) 


Nach  einem  vor  einigen  Jahren  angestellten  genauen  Vergleiche  dieser  Art  mit  Gym- 
nodactylus Kotschyi  Steind.  stellte  es  sich  heraus,  dass  beide  specifisch  verschieden  sind, 
und  so  belegte  ich  denn  diese  neue  Form  mit  dem  Namen  Gymnodactylus  Russowii,  zum 
Andenken  an  unseren  unvergesslichen  Conservator  Valerian  Russow,  der  auf  seiner  tur- 
kestanischen  Reise  neben  vielen  anderen  höchst  interessanten  Reptilien  auch  diese  Art,  und 
zwar  in  Hunderten  von  Exemplaren,  gesammelt  hatte.  Bei  der  neuerdings  vorgenommenen 
Revision  unserer  Geckoniden  fand  ich  jedoch,  dass  Gymnodactylus  Russowii  in  allen  wesent- 
lichen Puncten  mit  der  Beschreibung  von  Gymnodactylus  kacJihensis  Stol,  übereinstimmt, 
und  da  unsere  Sammlung  diese  letztere  Art  leider  nicht  besitzt,  so  sandte  ich,  um  ganz 
sicher  zu  gehen,  ein  Dutzend  Exemplare  der  turkestanischen  Art  in  beiden  Geschlechtern 
an  Herrn  Boulenger  nach  London  mit  der  Bitte,  dieselben  mit  Exemplaren  des  Gym,no- 
dactylus  kachJiensis  Stol.  zu  vergleichen  und  mir,  falls  beide  Arten  nicht  identisch  wären, 
auch  mitzutheilen,  worin  die  Unterschiede  beständen.  Herr  Boulenger  ist  nun  so  freund- 
lich gewesen,  diesen  Vergleich  vorzunehmen,  und  schreibt  mir  darüber  folgendes:  «Les  dif- 
férences entre  cette  forme  et  G.  kachhensis  sont,  comme  vous  le  présumez,  très  faibles. 
Néanmoins  je  serais  porté  à  leur  accorder  une  importance  spécifique.  G.  Russowii  comparé 
à  G.  kachhensis  a  les  écailles  ventrales  un  tant  soit  peu  plus  petites,  la  mentale  proprement 
dite  plus  courte  et  les  autres  mentonnières  plus  petites  ou  indistinctes;  les  tubercules  dor- 
saux disposés  moins  régulièrement,  et  d'ordinaire  plus  petits  ;  les  tubercules  caudaux  plus 
pointus  (comme  chez  le  G.  Kotschyi)».  So  unbedeutend  diese  Differenzen  auch  sind,  so  glaube 
ich  mich  doch  der  Ansicht  Boulenger's  anschliessen  zu  müssen  und  gebe  hier  eine  Be- 
schreibung der  turkestanischen  Art. 


Mémoires  de  ГАсаа.  Imp.  ilos  scioncos  VLIme  Si 


7 


50 


De.  a. Steauch, 


Der  massig  grosse  Kopf  ist  etwa  um  die  Hälfte  länger,  als  au  den  Schläfen  breit  und 
dabei  beträgt  seine  Höhe  wenig  mehr,  als  die  Distanz  zwischen  der  Schnauzenspitze  und  dem 
Vorderrande  des  Augapfels.  Die  Schnauze  ist  etwas  länger,  als  der  Abstand  zwischen  dem 
Hinterrande  der  Orbita  und  dem  Vorderrande  der  Ohröffnung  und  übertrifft  den  Durch- 
messer der  Orbita  etwa  um  ein  Fünftel  an  Länge.  Das  Auge  mässig  gross,  das  Interorbital- 
spatium  sehr  schwach  ausgehöhlt  und  die  Schnauze  von  rechts  nach  links  sehr  deutlich  ge- 
wölbt, von  hinten  nach  vorn  abschüssig,  aber  gar  nicht,  oder  nur  sehr  wenig  ausgehöhlt. 
Die  Ohröffnung,  von  mässiger  Grösse,  bildet  eine  fast  senkrechte  Spalte,  die  etwas  mehr  als 
doppelt  so  hoch  wie  breit  ist;  über  und  hinter  der  Ohröffnung  einige  stärker  vorragende 
Tuberkeln.  Der  Rumpf  von  mässiger  Länge  und  gewöhnlicher  Form,  die  Extremitäten  ziem- 
lich lang,  denn  die  vorderen,  nach  vorn  gestreckt  und  an  den  Rumpf  angedrückt,  überragen 
etwas  die  Schnauze  und  die  hinteren,  ebenso  behandelt,  reichen  etwas  über  die  Schulter  hin- 
aus. Die  Finger  und  Zehen  von  gewöhnlicher  Form  und  Länge,  nur  sind  die  distalen  Pha- 
langen sehr  schwach  comprimirt,  wesshalb  auch  die  proximalen  kaum  erweitert  erscheinen. 
Der  Schwanz  lang,  länger  als  Kopf  und  Rumpf  zusammengenommen,  dabei  cyclotetragon, 
sehr  schwach  deprimirt,  auf  der  Oberseite  mit  Querreihen  von  Dorntuberkeln  besetzt,  die 
genau  denen  des  Gymnodadißlus  Kotschtji  gleichen,  auf  der  Unterseite  mit  irregulären,  ein- 
ander dachziegelförmig  deckenden,  kleinen  Schuppen  bekleidet.  Die  Schnauze  auf  der  Ober- 
seite mit  stark  gewölbten,  ziemlich  gro.ssen  Tuberkeln  gedeckt,  das  Interorbitalspatium  und 
das  Hinterhaupt  dagegen  mit  sehr  kleinen,  polygonalen,  schwach  gewölbten  Schüppchen  be- 
kleidet, zwischen  denen  grössere,  conisch  zugespitzte  Tuberkeln  stehen.  Jederseits  8  —  9 
Supralabialia,  die  nach  hinten  successive  an  Grösse  abnehmen.  Das  Rostrale  etwas  breiter 
als  hoch,  zeigt  in  der  Mitte  seines  Oberrandes  eine  Längsspalte,  die  sich  bis  über  die  Hälfte 
des  Schildes  erstreckt.  Das  Nasenloch  ist  klein  und  liegt  zwischen  dem  Rostrale,  dem  ersten 
Supralabiale  und  drei  Tuberkeln.  Das  Mentale  gross,  dreieckig  und  unter  den  Submentalen 
höchstens  die  beiden  dem  Mentale  zunächst  liegenden  Schildchen  etwas  grösser,  die  übrigen 
klein  und  irregulär.  Die  Kehlschuppen  klein,  aber  doch  beträchtlich  grösser,  als  die  Schuppen 
auf  der  Oberseite  des  Hinterkopfes.  Der  Rumpf  auf  der  Oberseite  mit  kleinen  flachen  Schup- 
pen bekleidet,  zwischen  denen  sich  10- — 12  Längsreihen  ziemlich  grosser,  subtriedrischer 
Tuberkeln  befinden  ;  die  Reihen  verlaufen  zwar  ziemlich  regelmässig,  jedoch  besteht  jede 
derselben  aus  verschieden  grossen  Tiibei'keln,  die  mit  einander  alterniren  und  von  denen 
die  kleineren  kaum  halb  so  gross  sind,  wie  die  grösseren.  Die  Extremitäten  zeigen  auf  der 
Oberseite  zwischen  den  kleinen  flachen  Schuppen  ganz  ähnliche  Tuberkeln,  die  aber  meist 
nur  vereinzelt  stehen  und  auf  den  Vorderextreraitäten  weniger  stark  ausgeprägt  sind,  als 
auf  den  liinteren.  Die  Unterseite  des  Rumpfes  und  der  Extremitäten  ist  mit  dachziegelförmig 
gelagerten  Schuppen  bekleidet,  die  beträchtlich  grösser  sind,  als  die  Schuppen  der  Ober- 
seite und  von  denen  auf  dem  Bauche  an  der  breitesten  Stelle  etwa  30  in  einer  Querreihe 
stehen.  Die  Männchen  besitzen  2- — 4  Praeanalporen.  Die  Oberseite  aller  Theile  ist  entweder 
aschgrau,  oder  mehr  bräunlichgrau  und  zeigt  auf  dem  Rumpfe  mehr  oder  weniger  deutliche 


Bemeekungen  übek  die  Geckoniden-Sammlüng  u.  s.  w. 


51 


dunklere  Querbinden,  die  gewöhnlich  nach  hinten  gerichtete  Chevrons  bilden;  ebenso  finden 
sich  gewöhnlich  auch  auf  dem  Schwänze  mehr  oder  weniger  deutliche  Querbinden  und  auf 
dem  Kopfe  lassen  sich  ausser  der  meist  recht  deutlichen  Temporalbinde,  die  vom  Hinter- 
rande der  Orbita  zum  Oberrande  der  Ohrspalte  zieht,  noch  einige  dunklere  Makeln  wahr- 
nehmen, die  aber  weder  in  Zahl,  noch  in  Form,  noch  in  Stellung  constant  sind.  Die  Unterseite 
aller  Theile  ist  schmutzig  weiss  und  einfarbig. 

Maasse.  Totallänge  des  Thieres  —  108  Mm.;  Länge  des  Kopfes  15  Mm.,  des  Rumpfes 
33  Mm.,  des  Schwanzes  60  Mm. 

98,  Gymnodactylus  mauritanicus  Dura,  et  Bibr. 

Gymnodactylm  mauritanicus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  33. 

701.  Fundort?    KuBstkammer.  (2  Ex.) 

Beide  Exemplare  sind  zwar  leidlich  erhalten,  aber  absolut  farblos  und  lassen  auch  keine 
Spur  der  einstmals  vorhanden  gewesenen  Zeichnungen  wahrnehmen. 

99.  Gymnodactylus  geckoides  Spix. 

Gymnodactylus  geckoides  Boulenger.  Catal.  I,  p.  39. 

707.  Bahia.    Hr.  Luschuath  1840. 

Bekanntlich  haben  die  Verfasser  der  Erpétologie  générale  diese  von  Spix  ebenso  mangel- 
haft beschriebene,  wie  abgebildete  Art  als  fragliches  Synonym  zu  Gymnodactylus  scaher  ge- 
zogen und  Peters  hat  nach  Untersuchung  des  Originalexemplars  in  München  gleichfalls 
erklärt,  dass  dasselbe  zu  der  circummediterranen  Form  gehöre,  ohne  jedoch  ausdrücklich 
anzugeben,  ob  zu  Gymnodactylus  scaber  oder  zu  Gymnodactylus  Kotschji.  Nun  ist  es  aller- 
dings bekannt,  dass  in  der  Spix 'sehen  Ausbeute  in  Bezug  auf  die  Fundorte  Confusion  vor- 
gekommen ist,  und  dass  europäische  Arten,  wie  z.  B.  Coelopeltis  lacertina,  als  brasilianischen 
Ursprungs  angegeben  worden  sind.  Es  lag  daher  die  Vermuthung  nahe,  dass  auch  sein 
Gymnodactylus  geckoides  nicht  aus  Brasilien  stammen' könne,  nur  blieb  es  immerhin  räthsel- 
haft,  w^o  Spix  diese  Eidechse  erbeutet  haben  könnte,  da  die  Expedition  keines  der  Länder 
berührt  hat,  wo  Gymnodactylus  scaber  und  Gymnodactylus  Kotschyi  einheimisch  sind.  Ich 
glaube  daher,  trotz  allen  Respects  vor  den  Kenntnissen  und  dem  geübten  Blicke  des  ver- 
storbenen Peters ,  dass  er  sich  geirrt  hat,  und  stimme  Herrn  Boulenger  durchaus  bei, 
wenn  er  den  Spix'schen  Gymnodactylus  geckoides  als  brasilianische  Art  restituirt,  zumal 
die  Angabe  bei  Spix  «squarais  abdominalibus  piscinis  sive  scincoideis»  ganz  vortrefflich  auf 
die  ganz  auffallend  grossen  Bauchschuppen  der  brasilianischen  Art  passt,  ja  viel  besser,  als 
auf  die  durch  ilire  Grösse  bei  Weitem  nicht  so  in  die  Augen  fallenden  Schuppen  des  Gym- 
nodactylus scaber  oder  gar  des  Gymnodactylus  Kotschyi.  Unser  Exemplar  stimmt  vollkommen 


52 


De.  a,  Strauch, 


mit  der  von  Boulenger  gegebenen  Charakteristik  überein  und  gleicht  auf  den  ersten  Blick 
wirklich  dem  Gymmdactylus  j)élagicus  in  ganz  auffallender  Weise,  kann  mit  demselben  aber 
schon  wegen  der  grossen  und  dabei  nicht  gekielten  Bauchschuppen  in  keinem  Falle  ver- 
wechselt werden, 

100.  Gymnodactylus  pelagicus  Girard. 
Gymnodadylus  pelagicus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  40. 

70G.  Insel  Vi«.    Museum  Godeffroy  1868. 

101.  Gymnodactylus  frenatus  Günther. 
Gymnodactylus  frenatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  42. 

3418.  Ceylon.    British  Museum  1872. 

102.  Gymnodactylus  khasiensis  Jerdon. 
Gymnodactylus  Jcliasiensis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  44. 

3440.  Kliasi  Hills.    British  Museum  1872, 

3441.  Khasi  Hills.    British  Museum  1872. 
5624.  Khasi  Hills.    Britisli  Museum  1880.  (2  Ex.) 

103.  Gymnodactylus  marmoratus  Kühl. 

Gymnodactylus  marmoratus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  44. 

44.54.  Java.  Dr.  Winkel  *  1876. 

4455.  Java.  Dr.  Winkel  *  1876, 

4615.  Bali.  Dr.  Winkel*  1876. 

5404.  Neu  Guinea.  Hr.  S.  Braconnier  1879. 

Ausser  in  der  Färbung  und  Zeichnung  variirt  diese  Art  auch  in  der  Zahl  und  Stellung 
der  Poren.  Bei  unserem  Exemplar  №  4454  finden  sich,  wie  Boulenger  als  normal  angiebt, 
1  3  Praeanalporen  in  einer  tiefen  Grube  und,  von  ihnen  durch  einen  beträchtlichen  Zwischen- 
raum getrennt,  jederseits  9  Femoralporen,  bei  dem  Stücke  aus  Bali  dagegen,  welches  eine 
sehr  schwach  angedeutete  Praeanalgrube  besitzt,  bilden  die  Anal-  und  Femoralporen  eine 
ununterbrochene,  in  der  Analgegend  winklig  geknickte  Pteihe  von  im  Ganzen  37  Poren, 
eine  Anordnung,  welche  auch  Dr.  Steindachner  gefunden  zu  haben  angiebt.  Dieses  letztere 
Stück  4615),  das  in  der  Zeichnung  sehr  an  Gymnodactylus  Jdiasiensis  erinnert,  besitzt 
auf  dem  Schwänze  nicht  bloss  an  der  Basis,  sondern  in  der  ganzen  vorderen  Hälfte  in  gleichen 
Abständen  auf  einander  folgende  Querreihen  grösserer,  dreieckig  zugespitzter  Tuberkeln, 
die  anfangs  zu  6,  dann  zu  4  und  endlich  zu  2  in  einer  Querreihe  stehen. 


Bemerkungen  übee  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w.  53 

104.  Gymnodactylus  philippinicus  Steindachner. 
Gymnodaäylus  pliUippinkus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  46. 

1107.  Insel  Poulo  Condor.    Hr.  A.  В  ou  car  d  1869. 

Unser  Exemplar  weicht  von  Gymnodactylus  marmoratus  durch  die  besonders  an  den 
Körperseiten  stark  conischen  Tuberkeln  und  den  Mangel  der  Schenkelporen  ab,  besitzt  aber 
die  Grube  mit  Analporen  und  kann  somit  nur  zu  dieser  Art  gerechnet  werden. 

105.  Gymnodactylus  pulchellus  Gray. 

Gymnodactylus  piüchettus  Boulenger.  Catal.  1,  p.  46 

1108.  Bengalen.    Hr.  A.  Boucard  1869. 

106.  Gymnodactylus  Miliusü  Bory  de  St.  Vinc. 
Gymnodactylus  miliusü  Boulenger.  Catal.  I,  p.  48. 

708.  Melbourne.  Hr.  Niehoff  1862. 

709.  Melbourne.  Hr.  Niehoff  1862. 

710.  Melbourne.  Hr.  Niehoff  1862. 

711.  Melbourne.  Hr.  Niehoff  1862.  (2  Ex.) 

712.  Melbourne.  Hr.  Niehoff  1862.  (2  Ex.) 
6072.  Süd-Australien.  Hr.  G.  Schneider  1883.  (2  Ex.) 
6408.  Süd-Australien.  Dr.  E.  Rieb.eck *  1885.  (2  Ex.) 

107.  Gymnodactylus  platurus  White. 
Gymnodactylus  flatiirus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  49. 

713.  New  South  Wales.    Dr.  Paessler  1863. 
4270.  Australien.  Hr.  H.  Schilling  1876. 

Das  grössere  unserer  beiden  Exemplare,  №  4270,  hat  einen  reproducirten  Schwanz, 
gehört  also  zu  der  Form,  welche  bisher  für  eine  besondere  Art,  Gymnodactylus  inermis 
Gray,  galt, 

108.  Agamura  persica  A.  Duméril. 
Ägamura  persica  Boulenger.  Catal.  I,  p.  51. 

3523.  Tschehardé.  (Mazandoran.)       Dr.  Th.  Bienert  1869.  (2  Ex.) 

3524.  Zwischen  Sehzar  und  Lascht.    Graf  E.  Keyserling*  1862.  (5  Ex.) 

Sämmtliche  7  Exemplare  stammen  von  der  unter  Chanykow's  Leitung  ausgeführten 
Chorassan-Expedition  und  sind  todt  im  Sande  gefunden  worden;  daher  sind  sie  auch  sämmt- 
lich  vertrocknet,  mit  grösstentheils  losgelöster  Epidermis  und  obendrauf  noch  schwanzlos, 
bis  auf  2  Exemplare,  bei  denen  sich  dieses  ganz  eigenthümlich  gestaltete  Organ  erhalten  hat. 


54 


De.  a.  Strauch, 


Gattung  Alsophylax  Fitzinger. 

Nachdem  ich  den  Bunopus  tuberculafus  Blanf.  wegen  der  gekielten  und  granulirten 
Eypodactylschilder  aus  der  Gattung  Alsophylax  ausgeschieden  und  als  zu  einer  selbststän- 
digen Gattung  gehörig  restituirt  habe,  sind  mir  im  Ganzen  4  hierhergehörige  Arten  bekannt, 
die  sich,  wie  folgt,  von  einander  unterscheiden: 

Die  Tuberkeln  auf  der  Oberseite  des  Körpers  sind 

1)  rundlich  und  einfach  gewölbt  oder  sehr  undeutlich  gekielt.  Der 
Schwanz  ist  mit 

a)  flachen,  gleichartigen,  einander  mehr  oder  weniger  dach- 
ziegelförmig  deckenden  Schuppen  bekleidet,  die  in  Rin- 
gel angeordnet  sind.  Die  Tuberkeln  auf  dem  Rumpfe 
a)  sind  ganz  regellos  zerstreut.  Die  Unterseite  des 
Schwanzes  mit  einer  Längsreihe  breiterer  Schil- 
der bekleidet   1 .  pipiens. 

ß)  bilden  ganz  regelmässige  Längs-  und  Querreihen. 
Die  Unterseite  des  Schwanzes  ebenso  beschuppt, 

wie  die  obere  t   2.  Prsewalskii. 

h)  Ringeln  von  Dorntuberkeln  besetzt   3.  spinicauda. 

2)  triedrisch  und  bilden  sehr  dichtgestellte  und  regelmässige  Längs- 
und Querreihen   4.  loricatus. 

109.  Alsophylax  pipiens  Pallas. 

Alsophylax  pipiens  Boulenger.  Catal.  I,  p.  19,  pl.  III,  f.  5. 

3598.  Berg  Gross  Bogdo  (Gouv.  Astrachan).  Hr.  A.  Becker  1872.  (3  Ex.) 

3599.  Berg  Gross  Bogdo  (Gouv.  Astrachan).  Hr.  A.  Becker  1872.  (6  Ex.) 

3600.  Berg  Gross  Bogdo  (Gouv.  Astrachan).  Hr.  A.  Becker  1872.  (6  Ex.) 
3683.  Fl.  Syr-Darja.  Dr.  M.  Bogdanow*  1873.  (3  Ex.) 

5798.  Chark-Usjur.  Hr.  S.  Alpheraky*  1881.  (6  -ь  Ex.) 

5799.  Chark-Usjur.  Hr.  S.  Alpheraky*  1881.  (6  -н  Ex.) 
0520.  Zwischen  Tschankar  und  Dyressén.    Hr.  A.  Nikolsky*  1884. 

6562.  Oase  Ssa-Tschsheü.  Oberst  N.  M.  Przewalsky *  1879. 

6563.  Oestliche  Tschungarei.  Oberst  N.  M.  Przewalsky*  1879. 

Der  Kopf  ziemlich  klein  und  leicht  flachgedrückt.  Die  Schnauze  stumpf  und  etwas 
länger,  als  der  Durchmesser  der  Augenhöhle  oder  die  Distanz  zwischen  dem  Hinterrande  der 
Orbita  und  der  Ohröffnung;  letztere  sehr  klein.  Der  Rumpf  ziemlich  gestreckt  und  sehr 
unbedeutend  abgeflacht.  Die  Extremitäten  ziemlich  kurz,  die  vorderen,  nacli  vorn  ge- 


Bemekkungen  über  die  Geckoniden-Sambilung  ü.  s.  w. 


55 


kehrt  und  au  deu  Körper  angedrückt,  überragen  die  Schuauzc  kaum,  die  hinteren,  ebenso 
behandelt,  erreichen  die  Achselhöhle  bei  Weitem  nicht.  Die  Finger  und  Zeilen  lang  und 
schlank.  Der  Kopf  mit  grossen,  mehr  oder  weniger  convexen  Kornschuppen  bekleidet,  die 
auf  der  Schnauze  etwas  grösser  sind,  als  auf  dem  Hinterkopfe.  Die  Interorbitalregion  leicht 
concav.  Das  Rostrale  gross,  etwa  regulär  fünfeckig  mit  einer  Längsfurche,  die  vom  Hinter- 
rande bis  zur  halben  Länge  des  Schildes  reicht.  Das  Nasenloch  zwischen  dem  Rostrale,  dem 
grossen  1*'"  Supralabiale  und  einem  sehr  grossen  Nasale;  zuweilen  finden  sich  jedoch  auch 
zwei  Nasaliajederseits,  in  jedem  Falle  ist  aber  das  Nasale,  oder,  wenn  deren  2  vorhanden  sind, 
das  innere  Nasale  von  dem  entsprechenden  Schildchen  der  anderen  Seite  durch  eine  kleine 
Schuppe  getrennt.  Jederseits  7,  seltener  8  Supralabialia  und  0,  seltener  5  Infralabialia,  da- 
bei stets  die  vordersten  sehr  gross.  Das  Mentale  sehr  gross,  von  trapezoidaler  Gestalt,  oder 
richtiger,  gleicht  einem  Dreieck,  dessen  nach  hinten  gerichtete  Spitze  sehr  stumpf  zuge- 
rundet und  dessen  den  freien  Mundrand  bildende  Basis  bogenförmig  ist.  Hinter  dem  Mentale 
zwei,  seltener  4  etwas  grössere  Kinnschilder,  denen  noch  mehrere  kleinere  folgen,  die  all- 
mählich in  die  kleinen,  flachen,  polygonalen  Kehlschuppen  übergehen.  Die  Oberseite  des 
Rumpfes  und  der  Extremitäten  mit  irregulären,  sehr  schwach  convexen,  neben  einander 
liegenden  Schuppen  bekleidet,  zwischen  denen  etwa  doppelt  so  grosse,  convexe  oder  sogar 
schwach  gekielte  Tuberkeln  ganz  regellos  zerstreut  sind.  Die  Bauchschuppen  sind  ziemlich 
gross,  flach,  imbricat  und  bilden  in  der  Mitte  des  Rumpfes  etwa  20  bis  22  Längsreihen. 
Die  Männchen  besitzen  eine  winklig  geknickte  Reihe  vonPraeanalporen,  deren  Zahl  zwischen 
7  und  1 1  schwankt.  Der  Schwanz  ist  lang,  fast  drehrand,  zugespitzt  und  mit  flachen  imbri- 
caten,  in  Ringel  angeordneten  Schuppen  bekleidet,  zeigt  aber  an  der  Unterseite  stets  eine 
Längsreihe  breiter  Querschilder,  die  nur  gegen  die  Basis  hin  etwas  undeutlich  werden.  Oben 
sandfarben,  mit  mehr  oder  weniger  deutlichen,  bald  ziemlich  regelmässigen,  bald  sehr  aus- 
gezackten und  unregelmässigen  braunen  Querbinden  auf  Rumpf  und  Schwanz  und  eben- 
solchen Flecken  auf  den  Extremitäten.  An  den  Seiten  des  Kopfes  findet  sich  eine  Längs- 
binde, die  etwa  am  Nasenloch  beginnt,  durch  das  Auge  geht  und  sich  dann  nach  innen  biegt, 
um  mit  der  entsprechenden  der  anderen  Seite  eine  etwa  hufeisenförmige  Zeichnung  auf  dem 
Kopfe  zu  bilden.  Die  Labialia  sind  fast  immer  dunkler  gefleckt  oder  punctirt,  die  Unterseite 
aller  Theile  einfarbig  gelblich  weiss.  Die  Exemplare  vom  Bogdo  sind  sämmtlich  sehr  hell 
gefärbt,  die  von  den  übrigen  Fundorten  erscheinen  dunkler.  Unser  grösstes  Exemplar  ist 
fast  90  Mm.  lang. 

110.  Alsophylax  Przewalskii  n,  sp. 

5144.  Unterer  Tarim-Fluss  (2500').  Oberst  N.  M.  Przewalsky  1878.  (2  Ex.) 
6561.  Oase  Charai.  Oberst  N.  M.  Przewalsky  1879. 

7016.  Oase  Tschertschen.  Oberst  N.  M.  Przewalsky  1886. 

7030.  Tschertscben-Darja.  Oberst  N.  M.  Przewalsky  1886.  (4  Ex.) 

7044.  Lob-Nor.  Oberst  N.  M.  Przewalsky  1886.  (4  Ex.) 


56 


De.  a.  Strauch, 


Diese  neue  Art  ist  dem  Alsopliijlax  pipiens  zwar  selir  nahe  verwandt,  unterscheidet 
sich  von  ihm  aber  schon  auf  den  ersten  Blick  durch  die  in  reguläre  Längs-  und  Querreihen 
angeordneten  Dorsaltuberkeln  und  durch  die  Bekleidung  der  Unterseite  des  Schwanzes,  die 
nicht,  wie  bei  jenem,  aus  einer  Längsreihe  von  Querschildern  besteht,  sondern  genau  ebenso 
beschaffen  ist,  wie  die  Beschuppung  auf  der  Oberseite. 

Der  Kopf  von  massiger  Grösse,  ziemlich  gewölbt  und  nach  hinten  zu  etwas  verdickt. 
Die  Schnauze  stumpf  zugerundet,  etwa  ebenso  lang,  wie  der  Abstand  zwischen  dem  Hinter- 
rande der  Orbita  und  der  Ohröfihung,  mit  stumpf  zugerundetera  Canthus  rostralis.  Die 
Ohröffnung  sehr  klein,  bildet  eine  schräge,  von  oben  und  hinten  nach  unten  und  vorn  ge- 
richtete Spalte,  die  etwa  halb  so  breit  wie  hoch  ist.  Der  Rumpf  ist  ziemlich  kurz  und  nur 
sehr  wenig  flachgedrückt;  die  Extremitäten  kurz,  die  vorderen,  nach  vorn  gekehrt  und  an 
den  Körper  angedrückt,  erreichen  kaum  die  Schnauzenspitze  und  die  hinteren,  ebenso  be- 
handelt, reichen  fast  bis  zu  Achselhöhle.  Die  Zehen  schlank,  an  der  Unterseite  mit  einfachen 
Querlamellen  bekleidet  und  mit  kurzen,  schwach  gebogenen  Krallen  versehen.  Die  ganze 
Oberseite  des  Kopfes  ist  mit  rundlichen  convexen  Kornschuppen  bekleidet,  die  auf  der 
Schnauze  am  grössten  sind  und  den  auf  dem  Rücken  vorhandenen  Tuberkeln  an  Grösse 
kaum  nachstehen;  auf  dem  Hinterkopfe  sind  die  Kornschuppen  zwar  kleiner,  aber  immerhin 
noch  fast  doppelt  so  gross,  wie  die  Kornschuppen  auf  dem  Rücken.  Das  Nasenloch  ist  sehr 
klein,  liegt  nach  innen  von  dem  undeutlichen  Canthus  rostralis  zwischen  dem  Rostrale,  dem 
Supralabiale  primum  und  2  Nasalen,  von  denen  das  innere  mit  dem  der  anderen  Seite  in 
Berührung  steht  und  fast  dreimal  so  gross  ist,  wie  das  äussere.  Unmittelbar  hinter  diesem 
letzteren  liegt  auf  der  Nath  zwischen  dem  2*™  und  3*°"  Supralabiale  noch  eine  besonders 
grosse  Schuppe,  die  von  dem  Vorderrand  der  Orbita  durch  4,  in  2  über  einander  liegende 
Reihen  angeordnete  Schuppen  getrennt  ist.  Das  Rostrale  ist  wenig  breiter  als  hoch,  hat 
etwa  die  Gestalt  eines  mit  der  Spitze  nach  hinten  gerichteten  sphärischen  Dreiecks  und  zeigt 
am  Hinterrande  die  gewöhnliche  Längsfurche,  die  etwa  bis  auf  die  halbe  Länge  des  Schildes 
reicht.  Jederseits  finden  sich  8  Supralabialia,  von  denen  die  4  vorderen  gross  und  deutlich 
viereckig,  die  4  hinteren  klein,  kaum  halb  so  gross,  sind  und  z.  Th.  wenigstens  abgerundete 
Ecken  zeigen.  Das  Mentale  ist  gross,  ungefähr  fünfeckig  und  dabei  etwas  breiter  und  be- 
trächtlich länger  als  das  Rostrale.  Jederseits  zählt  man  7  Infralabialia,  von  denen  die  3 
vorderen  sehr  gross,  die  4  hinteren  klein,  kaum  halb  so  gross,  erscheinen  und  dabei  noch 
successive  an  Grösse  abnehmen.  Die  Submentalia  sind  in  der  Zahl  4  oder  6  vorhanden  und 
liegen  in  einer  bogenförmigen  Querreihe  neben  einander;  hinter  denselben  finden  sich  noch 
2  oder  selbst  3  Querreihen  grösserer  Schuppen,  die  ganz  allmählich  in  die  kleinen  flachen, 
nicht  imbricaten  Kehlschuppen  übergehen.  Der  Rumpf  ist  auf  der  Oberseite  mit  kleinen, 
ziemlich  convexen,  neben  einander  liegenden  Kornschuppen  bekleidet,  zwischen  welchen 
grosse,  convexe,  bei  Betrachtung  durch  eine  stärkere  Lupe  dachförmig  erhobene  (en  dos 
d'âne)  Tuberkeln  eingestreut  sind.  Diese  Tuberkeln  erscheinen  in  ganz  reguläre  Längsreihen 
angeordnet,  und  zwar  finden  sich  in  der  Mitte  des  Rumpfes  12,  gegen  den  Nacken  und  den 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  ü.  s.  w. 


57 


Schwanz  hin  8  solcher  Reihen;  von  diesen  Längsreihen  ist  die  jederseitigc  dritte,  von  der 
Rückenfirstc  aus  gerechnet,  am  längsten  und  setzt  sich  auch  auf  das  vordere  Drittel  des 
Schwanzes  fort,  wird  hier  aber  allmählich  undeutlicher.  Zugleich  bilden  diese  Rückentuber- 
kein  auch  ziemlich  reguläre  Querreihen,  die  etwas  schräg  angeordnet  sind,  so  dass  eine  jede 
solche  Querreihe  ungefähr  einen  mit  der  Spitze  gegen  den  Kopf  gerichteten  Chevron  darstellt. 
Die  Schuppen  auf  der  Oberseite  der  Extremitäten  sind  denen  des  Rückens  ganz  ähnlich, 
aber  grösser  und  zwischen  ihnen  finden  sich  auf  den  Schienbeinen  vereinzelte,  melir  oder 
weniger  deutliche  Tuberkeln  eingestreut.  Die  Bauchschuppen  sind  ziemlich  gross,  ebenso 
gross,  wie  die  Rückentuberkeln,  dabei  flach,  glatt  und  imbricat  angeordnet;  sie  bilden  in 
der  Mitte  des  Bauches  18  —20  Läugsreihen.  Der  Schwanz,  der  ziemlich  lang,  fast  drehrund 
und  conisch  zugespitzt  ist,  erscheint  mit  ziemlich  grossen,  subimbricaten  Schuppen  bekleidet, 
die  in  Ringel  angeordnet  und  auf  der  Oberseite  leicht  convex,  auf  der  unteren  aber  flach 
sind.  Die  Männchen  besitzen  5,  seltener  6  Praeanalporen,  die  in  einer  Querreihe  liegen 
und  bei  einzelnen  Weibchen  andeutungsweise  gleichfalls  zu  existiren  scheinen. 

Was  die  Färbung  und  Zeichnung  anbetrifft,  so  ist  die  Grundfarbe  der  Oberseite  hell 
gelblichbraun,  also  hell  sandfarben,  die  der  Unterseite  bräunlichweiss.  Auf  dem  jederseitigen 
Supralabiale  primum  beginnt  eine  braune  Längsbinde,  die  durch  das  Auge,  von  demselben 
natürlich  unterbrochen,  über  den  oberen  Theil  der  Schläfe  auf  den  Rücken  zieht,  hier  die 
3'°  Tuberkelreihe,  von  der  Rückenfirste  aus  gerechnet,  deckt  und  sich  gewöhnlich  auch  auf 
den  Schwanz  fortsetzt,  wo  sie  entweder  sehr  bald  verschwimmt,  oder  sich  in  einzelne  Makeln 
oder  selbst  Punkte  auflöst.  Jede  dieser  beiden  Längsbinden  ist  auf  dem  Kopfe  jederseits 
schneeweiss  eingekantet,  und  zwar  tritt  namentlich  die  innere  Kante,  die  durch  eine  vom 
Nasenloch  zum  Supraorbitalraiide  ziehende  Linie  gebildet  wird,  besonders  deutlich  hervor 
und  setzt  sich  auch  auf  den  Rumpf  fort,  verliert  daselbst  aber  sehr  an  Intensität  und  er- 
scheint mehr  gelblichvveiss;  die  äussere  Kante,  die  auf  den  Supralabialschildern  liegt,  wird 
bereits  hinter  dem  Auge  undeutlich  und  verschwindet  sehr  bald  ganz.  Auf  der  Oberseite  des 
Schwanzes  finden  sich,  ausser  den  aus  der  Auflösung  der  Dorsalbinde  entstehenden  dunklen 
Makeln  oder  Punktreihen,  noch  vereinzelte,  mehr  oder  weniger  intensive,  dunkle  Punkte  und 
bei  manchen  Exemplaren  zeigen  auch  die  Rumpfseiten  und  die  Unterseite  des  Schwanzes 
ähnliche  Punkte  in  grösserer  oder  geringerer  Anzahl.  Die  Unterseite  des  Kopfes,  der  Extre- 
mitäten und  der  ganze  Bauch  sind,  wie  schon  bemerkt,  bräunlichweiss  und  einfarbig. 

Maasse.  Totallänge  des  grössten  mir  vorliegenden  Exemplars  (v)  —  75  Mm.;  Länge 
•des  Kopfes  10  Mm.,  des  Rumpfes  23  Mm.,  des  Schwanzes  42  Mm. 

Eine  detaillirte,  von  den  nöthigen  Zeichnungen  begleitete  Beschreibung  dieser  Art  soll 
im  herpetologischen  Theilc  von  General  Przewalsky's  Reisewerk  erscheinen. 


Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  dos  sciences  VUme  Série. 


8 


58 


Dr.  a.  Strauch, 


III.  Alsophylax  spinicauda  ii.  sp.  Fig.  15  u.  16, 

4047.  Sclialu'ud.    Hr.  Christoph  1875. 

Diese  Art,  die  auf  den  ersten  Blick  an  dem  mit  Dorntuberkeln  besetzten  Schwänze  leicht 
zu  erkennen  ist,  unterscheidet  sich  von  ihren  Gattungsgenossen  ausserdem  noch  durch  eine 
völlig  abweichende  Rückenbeschuppung,  die  aus  so  grossen  Kornschuppen  oder  eigentlich 
Tuberkeln  besteht,  dass  es  fast  schwer  hält,  die  zwischen  denselben  zerstreuten  wirklichen 
Tuberkeln  herauszufinden. 

Der  Kopf  verhilltnissmässig  gross,  um  ein  Viertel  etwa  länger,  als  an  den  Mundwinkeln 
breit,  und  nur  schwach  und  undeutlich  flachgedrückt.  Die  Schnauze  stumpf  zugerundet,  ge- 
wölbt, ohne  ausgesprocheneu  Canthus  rostralis  und  dabei  kurz,  wenig  länger,  als  der  Durch- 
messer der  Orbita  oder  der  Abstand  zwischen  dem  Hinterfande  der  letzteren  und  dem  Vor- 
derrande des  Ohrs.  Die  Ohröffnung  ist  klein  und  stellt  ein  ovales  Loch  dar.  Der  Rumpf  von 
gewöhnlicher  Länge,  spindelförmig  und  leicht  abgeflacht.  Die  Extremitäten  schlank  und  ver- 
hältnissmässig  ziemlich  kurz  ;  die  vorderen,  nach  vorn  gekehrt  und  an  den  Körper  angedrückt, 
erreichen  genau  die  Schnauzenspitze,  die  hinteren,  ebenso  behandelt,  berühren  die  Achsel- 
höhle. Die  Zehen  schlank  und  an  der  Unterseite  mit  einfachen  Querlamellen  bekleidet,  die 
Krallen  fein  und  wenig  gekrümmt.  Der  Schwanz  kurz,  kürzer,  als  Rumpf  und  Kopf  zusam- 
mengenommen, undeutlich  cyclotetragon  und  conisch  zugespitzt.  Die  Oberseite  des  ganzen 
Kopfes  ist  mit  grossen,  schwach  gewölbten,  polygonalen  Tuberkelschuppen  bekleidet,  die 
auf  der  Schnauze  nur  wenig  grösser  sind,  als  auf  dem  Hintorkopfe,  wo  zwischen  ihnen  ver- 
einzelte etwas  grössere  Tuberkeln  auftreten.  Das  Nasenloch  klein,  liegt  zwischen  dem  Ro- 
strale,  dem  Supralabiale  primum  und  zwei  Nasalscliildern,  von  denen  jedoch  das  äussere 
kaum  an  der  Umgrenzung  des  Nasenlochs  Theil  nimmt,  und  das  innere  von  dem  gleich- 
namigen der  entgegengesetzten  Seite  durch  3  neben  einander  liegende  Schuppen  getrennt 
ist.  Das  Rostrale  wenig  breiter,  als  hoch,  von  trapezoidaler  Gestalt  und  mit  der  gewöhnlichen 
Längsfurche  am  Hinterrande,  welche  hier  über  die  halbe  Länge  des  Schildes  reicht.  Jeder- 
seits  9  deutliche  Supralabialia,  von  denen  die  5  vorderen  beträchtlich  grösser  sind,  als  die 
4  letzten,  die  successive  an  Grösse  abnehmen  und  auf  diese  Weise  unmerklich  in  die  den 
hintersten  Theil  der  Mundspalte  begrenzenden  kleinen  Schuppen  übergehen.  Das  Mentale 
kaum  grösser,  als  das  Rostrale,  hat  die  Gestalt  eines  gleichschenkligen  Dreiecks  mit  abge- 
stutzter, nach  hinten  gerichteter  Spitze  und  leicht  bogenförmigen  Seiten.  Jederseits  7  deut- 
liche Infralabialia,  die  nach  hinten  zu  successive  an  Grösse  abnehmen  und  gleichfalls  all- 
mählich in  die  kleinen,  den  hinteren  Theil  der  Mundspalte  begrenzenden  Schuppen  übergehen. 
Von  Submentalschildern  finden  sich  4  oder  5  Querreilien,  von  denen  diejenigen  der  vorderen 
Reihen  grösser  sind,  als  die  anderen,  die  ganz  allmählich  in  die  gewölbten  Kornschuppen 
der  Kehle  übergehen.  Die  Oberseite  des  Rumpfes  ist  mit  schwach  gewölbten,  meist  rund- 
lichen Tuberkelschuppen  bekleidet,  die  an  Grösse  den  Schnauzenschuppen  gleichkommen 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  ü.  s.  w. 


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und  nur  anf  dem  Nacken  und  gegen  die  Schwanzbasis  etwas  kleiner  werden.  Zwischen 
diesen  Schuppen  stehen,  meist  ganz  unregelmässig  zerstreut,  hin  und  wieder  aber  auch  in 
irreguläre  Längsreihen  angeordnet,  etwa  um  die  Hälfte  grössere  runde  Tuberkeln,  die  auch 
stärker  gewölbt  sind.  Die  Oberseite  der  Extremitäten  ist  mit  stark  gewölbten  Kornschuppen 
bekleidet,  die  an  Grösse  etwa  den  Nackenschuppen  gleichkommen  und  zwischen  denen  auf 
den  Oberschenkeln  noch  ziemlich  zahlreiche  grössere  Tuberkeln  vorkommen.  Die  Bauch- 
schuppen sind  ziemlich  flach,  an  der  Brust  etwas  kleiner,  als  am  eigentlichen  Bauche,  dabei 
schwach  imbricat  angeordnet  und  stimmen  so  vollkommen  mit  den  Flankenschuppen  über- 
ein, dass  es  unmöglich  ist,  sie  von  diesen  zu  unterscheiden  und  folglich  auch  anzugeben, 
wie  viele  Längsreihen  sie  bilden.  Die  Schuppen  an  der  Unterseite  der  Extremitäten  stim- 
men sowohl  in  der  Grösse,  als  auch  in  der  Form  vollkommen  mit  den  Brustschuppen  über- 
ein. Von  Poren  ist  keine  Spur  vorhanden,  doch  w-erden  wohl  auch  liier,  wie  bei  den  übrigen 
Arten  dieser  Gattung,  die  Männchen  Analporen  besitzen.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite 
sehr  deutlich  geringelt,  und  zwar  besteht  jeder  der  13  erkennbaren  Ringel  aus  4 — 5  Quer- 
reihen von  Schuppen,  zwischen  denen  sich  stets  jederseits  2  grosse  conische  Dorntuberkeln 
finden,  welche  eben  dem  Schwänze  das  stachliche  Aussehen  geben.  Auf  der  Unterseite,  wo 
nur  die  8  vordersten  Ringel  deutlich  sind,  besteht  jeder  derselben  aus  4  Querreihen  ziem- 
lich gewölbter  und  an  Grösse  unter  einander  etwas  differirender  Schuppen,  die  schwach 
über  einander  greifen;  genau  ebensolche  Schuppen  decken  aucli  die  hintere  Hälfte  des 
Schwanzes,  und  zwar  sowohl  auf  der  unteren,  als  auch  auf  der  oberen  Seite. 

Die  Grundfarbe  ist  schmutzig  weiss,  auf  dem  Rücken  finden  sich  etwa  7  schmale,  nicht 
scharf  begrenzte  und  dabei  mehr  oder  weniger  gewellte  Querbinden  von  dunkler  Farbe  und 
auf  dem  Schwänze  sind  gleichfalls  Spuren  von  dunklen  Querbinden  zu  erkennen.  Die  Extre- 
mitäten und  der  Kopf  zeigen  kleine  dunkle  Flecken  von  irregulärer  Form  und  Anordnung  und 
an  jeder  Seite  des  Kopfes  ist  eine  gleichfalls  schw^ach  ausgeprägte,  dunkle  Längsbinde  voi- 
handen,  die  vom  Nasenloch  zum  Auge  und  von  diesem  zur  Ohröffnung  zieht. 

Maasse.  Totallänge  des  Thieres  —  G6  Mm.;  Länge  des  Kopfes  12  Mm.,  des  Rumpfes 
25  Mm.,  des  Schwanzes  29  Mm. 

112.  Alsophylax  loricatus  n.  sp. 

4196.  Mohol-tau.         Oberst  A.  Kuschakewitscli  1870.  (2  Ex.) 

4197.  Mursa-Robat.     Oberst  A.  Kuscbak  owitsch  1870. 

Alsophjlax  loricatus  unterscheidet  sich  von  den  .3  vorhergehenden  Arten  durch  den 
Besitz  von  sehr  grossen  triedrischen  Tuberkeln  auf  Rücken  und  Sclivvanz,  die  in  gauz  regu- 
läre Längs-  und  Querreihen  angeordnet  sind  und  dabei  so  dicht  gedrängt  stehen,  dass  da- 
durch geradezu  ein  Rückenpanzer,  ähnlich  dem  der  Krokodile,  entsteht. 

Der  Kopf  ist  klein,  um  ein  Viertel  etwa  länger,  als  an  den  Mundwinkeln  breit,  und 
sehr  deutlich  flachgedrückt.  Die  Schnauze  leicht  zugespitzt,  fast  doppelt  so  lang,  wie  der 

8* 


60 


De.  a.  Strauch, 


Durchmesser  der  Orbita,  aber  nur  ebenso  lang,  wie  der  Abstand  zwischen  dem  Hinterrande 
der  Augenhöhle  und  der  Ohröffnnng.  Diese  letztere  äusserst  klein,  fast  punktförmig,  stellt, 
mit  der  Lupe  betrachtet,  eine  kurze  schräge  Spalte  dar;  das  Auge  verhältnissmässig  klein 
und,  wie  bei  allen  Arten  dieser  Gattung,  mit  senkrechter  Pupille.  Der  Rumpf  von  gewöhn- 
licher spindelförmiger  Gestalt,  etwas  abgeflacht,  die  Extremitäten  ziemlich  kurz,  die  vor- 
deren, nach  vorn  gekehrt  und  an  den  Körper  angedrückt,  erreichen  kaum  die  Schnauzenspitze^ 
die  hinteren,  ebenso  behandelt,  reichen  knapp  bis  an  die  Achselhöhle;  die  Finger  verhältniss- 
mässig lang  und  sehr  schlank.  Der  Schwanz  lang,  conisch  zugespitzt,  an  der  Basis  etwas 
abgeflacht,  im  weiteren  Verlaufe  nahezu  drehrund.  Der  Kopf  ist  auf  der  Oberseite  mit 
grossen,  polygonalen,  leicht  convexen  Schuppen  bekleidet,  die  auf  der  Schnauze  grösser 
sind,  als  auf  dem  Hinterkopfe  und  an  den  Schläfen.  Das  Rostrale  fast  so  breit,  wie  hoch, 
fünfeckig,  am  Hinterrande  mit  der  gewöhnlichen  Längsfurche,  die  hier  bis  zur  halben  Schild- 
länge reicht.  Jederseits  7  sehr  deutliche  Supralabialia,  die  bis  zum  Mundwinkel  reichen  und 
von  denen  die  3  vorderen,  vor  dem  Auge  liegenden,  viereckig  und  mehr  als  doppelt  so  gross 
sind,  wie  die  4  hinteren.  Das  Nasenloch  äusserst  klein,  liegt  zwischen  dem  Rostrale,  dem 
Supralabiale  primum  und  2  Nasalen,  von  welchen  das  innere,  das  mit  dem  der  andern  Seite 
in  Berührung  steht,  mehr  als  fünfmal  so  gross  ist,  wie  das  äussere.  Zwischen  diesem  letzte- 
ren und  dem  Vorderrande  der  Orbita  findet  sicli  eine  Längsreihe  von  3  grossen  Schuppen, 
von  denen  die  vorderste  auf  derNath  zwischen  dem  Г'""  und  2'^"  Supralabiale  liegt,  während 
die  beiden  anderen  durch  eine  Längsreihe  kleiner  Schuppen  von  den  correspondireuden 
Supralabialen,  dem  2*"°  und  3''",  getrennt  sind.  Das  Mentale  ist  gross,  fast  so  breit  wie  lang 
und  gleicht  einem  mit  der  Spitze  nach  hinten  gerichteten  sphärischen  Dreiéck.  Jederseits 

7  Infralabialia,  von  denen  aber  die  beiden  letzten  sehr  klein  und  von  den  benachbarten 
Schuppen  kaum  verschieden  sind;  von  den  5  vorderen  sind  die  3  ersten  sehr  gross  und 
diiferiren  unter  einander  nur  sehr  wenig  an  Grösse,  während  das  4''  und  5*°  nur  etwa  halb 
so  gross  sind,  wie  jedes  der  3  ersten.  Submentalia  finden  sich  im  Ganzen  4,  von  denen  die 
beiden  mittleren,  an  einander  grenzenden,  fast  doppelt  so  gross  sind,  wie  die  äusseren;  nach 
aussen  von  diesen  letzteren  stehen  noch  3 — 4  etwas  grössere  Schuppen,  die  an  die  Infra- 
labialia grenzen,  sonst  ist  die  ganze  übrige  Unterseite  des  Kopfes  mit  feinen,  fast  ganz  flachen 
Schuppen  bekleidet,  die  nur  in  der  unmittelbaren  Nachbarschaft  der  Submentalia  ein  wenig 
grösser  sind,  als  sonst.  Der  Rumpf  und  die  Schwanzbasis  sind  mit  sehr  feinen  Kornschuppen 
bekleidet,  zwischen  denen  sehr  grosse  triedrische  Tuberkeln  stehen.  Diese  Tuberkeln,  die 
gleich  hinter  dem  Kopfe  beginnen,  sind  im  Nacken  mehr  rundlich  und  einfach  stark  convex, 
auf  dem  Rücken  und  der  Schwanzbasis  dagegen  ausgesprochen  triedrisch  und  stehen  dabei 

•  so  dicht  gedrängt,  dass  zwischen  je  2  neben  einander  liegenden  nur  eine  einzige,  zwischen  je 

2  auf  einander  folgenden  auf  der  Rückenmitte  gleichfalls  nur  eine,  seitlicli  dagegen  mehrere 
Reihen  der  feinen  kornförmigen  Grundschuppen  Platz  haben.  Sie  bilden  üuf  dem  Rücken  12 
ganz  reguläre  Längsreihen,  deren  Zahl  sich  auf  dem  Nacken  und  auf  der  Schwanzbasis  auf 

8  reducirt:  zugleich  stehen  sie  aber  auch  in  ganz  regulären  Querreihen,  die  in  der  Weise 


Bemeekungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


61 


schräge  verlaufen,  dass  jede  Reihe  einen  mit  der  Spit/e  nach  vorn  gerichteten  Clievron  dar- 
stellt; solcher  Querreihen  zähle  ich  c.  25,  vom  Nacken,  wo  sie  nicht  ganz  regulär  sind,  bis 
zum  Hinterrande  der  Oberschenkel,  doch  setzen  sie  sich  auch  auf  den  Schwanz  fort,  gehen 
aber  bald  und  ganz  unmerklich  in  die  Schwanzringel  über.  Die  Extremitäten  sind  auf  der 
Oberseite  mit  kleinen  polygonalen  Schuppen  bekleidet,  zwischen  denen  sich  auf  den  hinteren 
grosse  subtriedrische  Tuberkeln  eingestreut  finden,  und  zwar  sowohl  auf  den  Schenkeln,  als 
auch  auf  den  Schienbeinen.  Die  Bauchschuppen  sind  ziemlich  gross,  glatt,  imbricat  und  in 
der  Mitte  des  Bauches  in  etwa  20  Längsreihen  angeordnet.  Ganz  ähnliche  Schuppen  be- 
kleiden auch  die  Unterseite  der  Extremitäten  und  sind  an  den  Vorderbeinen  kleiner,  als  au 
den  Hinterbeinen.  Die  Männchen  haben  eine  winklig  gebogene  Querreihe  von  9 — 10  grossen 
Analporen.  Der  Schwanz,  der  auf  der  Oberseite  an  der  Basis  noch  Querreihen  anfangs  trie- 
drischer,  später  subtriedrischer  Tuberkeln  zeigt,  ist  in  seiner  weiteren  Ausdehnung  mit  Quer- 
reihen ziemlich  grosser  Schuppen  bekleidet,  zwischen  denen  in  der  vorderen  Hälfte  noch 
grössere  Schuppen,  als  Reste  der  triedrischen  Tuberkeln,  vorkommen;  an  der  Unterseite 
zeigt  er  gleichfalls  Ringel  grosser  Schuppen,  die  leicht  imbricat  sind  und  unter  denen  die- 
jenigen, welche  in  der  mittleren  Längsreihe  liegen,  etwas  grösser  erscheinen. 

Das  ganze  Thier  ist  auf  der  Oberseite  sehr  hell  bräunlichgelb,  (im  Leben  vielleicht  hell 
rosa),  auf  der  Unterseite  noch  heller,  fast  weiss.  Auf  dem  Kopfe  findet  sich  in  der  Zügel- 
gegend eine  ganz  weisse,  jederseits  dunkel  eingefasste  Längsbinde,  die  vom  1'*^°  Supralabiale 
gegen  das  Auge  zieht  und  genau  auf  den  3  vorhin  erwähnten  grossen  Frenalschuppen  liegt. 
Die  Labialia,  sowohl  die  oberen,  wie  die  unteren,  sind  sehr  fein  schwarz  punktirt  und  ähn- 
liche Punkte  finden  sich  auch  auf  den  meisten  Dorsaltuberkeln.  Der  Rumpf  und  die  Extre- 
mitäten sind  einfarbig,  auf  dem  Schwänze  dagegen  treten  3  Längsreihen  unregelraässigcr, 
meist  verschwommener,  bräunlicher  Makeln  auf,  die  gegen  das  Ende  desselben  sich  zu  Quer- 
binden vereinigen. 

Maasse.  Totallänge  des  Thieres  —  70  Mm.;  Länge  des  Kopfes  8  Mm.,  des  Rumpfes 
21  Mm.,  des  Schwanzes  41  Mm. 

Eine  Abbildung  dieser  Art  habe  ich  für  den  herpetologischen  Theil  von  A.  P.  Fed- 
tschenko's  Reise  bereits  anfertigen  lassen. 


113.  Bunopus  Blanfordii  n.  sp.  Fig.  13  u.  14. 

2823.  Aegypten.    Hr.  J.  Erber  1870.  (2  Ex.) 

Abgesehen  von  dem  viel  schmäleren,  gestreckteren  Kopfe  und  den  deutlich  gekielten 
Abdominalschuppen  unterscheidet  sich  diese  neue  Art  von  dem  ihr  allerdings  sehr  nahe  ver- 
wandten Bunopus  tubercMlatus  Blanf.  noch  durch  die  Beschaffenheit  der  Dorsalpholidosis. 
Bei  der  so  eben  genannten  Art  sind  nämlich,  soweit  ich  nach  der  von  Blanford  gegebenen 


62 


De.  a.  Strauch, 


Figur  urtheilen  kann,  die  Rückentuberkeln,  die  14  irreguläre  Längsreihen  bilden  sollen, 
nicht  bloss  klein,  sondern  auch  so  weit  auseinandergerückt,  dass  die  sie  trennenden  Zwischen- 
räume viel  breiter  erscheinen,  als  die  Tuberkeln  selbst,  und  dabei  sollen,  wie  Blanford  an- 
giebt,  nur  die  auf  der  Rückenmitte  und  auf  der  Schwanzbasis  liegenden  Tuberkeln  triedrisch, 
die  auf  dem  Nacken  und  auf  den  Körperseiten  aber  einfach  convex  sein.  Bei  der  neuen  Art 
dagegen  sind  auch  die  an  den  Flanken  liegenden  Tuberkeln  triedrisch  und  nur  im  Nacken 
erscheinen  sie  einfach  convex;  ferner  sind  dieselben  in  12  reguläre  Längsreihen  angeordnet 
und  stehen  dabei  so  dicht  gedrängt,  dass  die  sie  trennenden  Zwischenräume  viel  schmäler 
sind,  als  die  Tuberkeln  selbst,  und  nur  in  einzelnen  Fällen  höchstens  die  halbe  Breite  der- 
selben erreichen.  Dadurch  erhält  das  Thier  ein  auffallend  rauhes  Aussehen  und  erinnert  in 
auffallender  Weise  an  Gymnodadyliis  scdber,  unter  welchem  Namen  mir  auch  beide  Exem- 
plare von  Erber  eingesandt  worden  sind;  nach  Aussage  dieses  letztern  gehörten  sie  der 
Sammlung  eines  würtembergischen  Prinzen  an  und  waren  als  aus  Aegypten  stammend  be- 
zeichnet. 

Der  Kopf  ist  ziemlich  gross,  langgestreckt,  etwas  mehr  als  um  die  Hälfte  länger,  wie 
an  den  Mundwinkeln  breit,  und  kaum  flachgedrückt.  Die  Schnauze  spitz  zugerundet,  von 
rechts  nach  links  einfach  gewölbt  mit  kaum  angedeutetem  Canthus  rostralis  und  dabei  um 
die  Hälfte  etwa  länger,  als  der  Durchmesser  der  Orbita,  und  um  ein  Viertel  länger,  als  der 
Abstand  zwischen  dem  Hinterrande  der  Orbita  und  der  Ohröffnung.  Diese  letztere  ist  klein, 
kaum  grösser,  als  die  grossen  Rurapftuberkeln,  und  bildet  ein  senkrecht  gestelltes,  ovales 
Loch.  Der  Rumpf  von  mässiger  Länge  und  gewöhnlicher  Spindelform,  dabei  deutlich  abge- 
flacht, die  Extremitäten  schlank,  aber  ziemlich  kurz,  denn  die  vorderen,  nach  vorn  gerichtet 
und  an  den  Körper  angedrückt,  erreichen  die  Schnauzehspitze  nicht  und  die  hinteren,  ebenso 
behandelt,  berühren  den  Vorderrand  der  Schulter.  Der  Schwanz,  der  bei  beiden  Exemplaren 
leider  reproducirt  ist,  aber  nicht  viel  länger  gewesen  sein  wird,  als  Kopf  und  Rumpf  zusam- 
mengenommen, ist  an  der  Basis  cyclotetragon,  im  weiteren  Verlaufe  drehrund  mit  einer 
leichten  Abplattung  von  oben  nach  unten.  Die  Oberseite  des  Kopfes  ist  mit  leicht  convexen, 
polygonalen  Schuppen  bekleidet,  die  auf  der  Schnauze  etwas  grösser  sind,  als  auf  dem  Hinter- 
kopfe und  an  den  Schläfen,  an  welchen  Stellen  sich  zwischen  ihnen  etwas  grössere  und  deut- 
lich gekielte  Tuberkeln  in  ziemlicher  Anzahl  eingestreut  finden.  Das  Rostrale  ist  nahezu  so 
breit,  wie  hoch,  und  zeigt  an  seinem  Hinterrande  die  gewöhnliche  Längsfurche,  die  hier  tief 
in  das  Schild  eindringt,  ja  bei  dem  weiblichen  Exemplar  sogar  bis  an  den  freien  Mundrand 
reicht  und  das  Schild  folglich  theilt.  Jederseits  finden  sich  9  — 10  deutliche  Supralabialia, 
von  denen  das  letzte  gerade  unter  dem  Auge  steht,  und  hinter  welchem  der  Lippenrand  mit 
kleinen  Schuppen  bedeckt  ist,  die  in  keiner  Weise  von  den  Schuppen  der  benachbarten  Theile 
abweichen.  Das  Nasenloch  ist  klein  und  liegt  zwischen  dem  Rostrale,  dem  Г"'"  Supralabiale 
und  3  kleinen  Nasalen,  von  denen  das  mittlere  am  grössten  und  das  innere  von  dem  gleich- 
namigen der  anderen  Seite  durch  eine  Schuppe  getrennt  ist.  Das  Mentale  ist  kaum  breiter, 
als  das  Rostrale,  aber  sehr  kurz  und  bat  die  Form  eines  Trapezes.  Jederseits  von  ihm  stehen 


Bemeekungen  übee  die  Geckoniden-Sammlüng  lt.  s.  w. 


63 


8 — 9  Infralabialia,  die,  ebenso  wie  die  Supralabialia,  nach  hinten  zu  an  Grösse  alhucählich 
abnehmen  und  gleichfalls  nur  die  beiden  vorderen  Drittel  des  Lippenrandes  decken,  dessen 
letztes  Drittel  ebensolche  Schuppen  zeigt,  wie  der  entsprechende  Tlieil  der  Oberlippe.  Be- 
sondere Submentalia  fehlen  durchaus  und  die  Kehlschuppen  beginnen  gleich  hinter  den  In- 
fralabialen, in  deren  unmittelbarer  Nähe  sie  etwas  grösser  sind,  als  in  der  übrigen  Aus- 
dehnung. Der  Rumpf  ist  auf  der  Oberseite  mit  sehr  feinen  flachen  Schuppen  bekleidet, 
zwischen  denen  grosse  Tuberkeln  eingestreut  liegen.  Diese  Tuberkeln,  die  auf  dem  Nacken 
rundlich,  mehr  oder  weniger  deutlich  gekielt  und  etwas  kleiner  sind,  als  auf  dem  Rücken, 
bilden  auf  letzterem  12  reguläre  Längsreihen  und  sind  hier  sämmtlich  triedrisch;  dabei 
stehen  sie  so  dicht  gedrängt,  dass  die  Zwischenräume  zwischen  ihnen  sehr  schmal  sind  und 
in  keinem  Falle  an  Breite  der  halben  Breite  der  Tuberkeln  selbst  gleichkommen.  Die  Be- 
kleidung der  Oberseite  der  Extremitäten  stimmt  mit  derjenigen  des  Rumpfes  überein,  d.  h. 
besteht  gleichfalls  aus  feinen  flachen  Schuppen,  zwischen  denen  grössere,  auf  den  Hinter- 
beinen triedrische,  auf  den  vorderen  dagegen  einfach  gekielte  Tuberkeln  zerstreut  sind.  Die 
Bauchschuppen  sind  beträchtlich  grösser,  als  die  Grundschuppen  des  Rückens,  decken  ein- 
ander dachziegelförmig  und  bilden  an  der  breitesten  Stelle  etwa  20 — 22  Längsreihen;  dabei 
sind  sie  zwar  schwach,  aber  sehr  deutlich  gekielt  und  auf  den  seitlichen  Bauchschuppen  laufen 
die  Kiele  sogar  in  eine  feine  Spitze  aus.  Das  Männchen  besitzt  7  Analporen  in  einer  schwach 
geknickten  Querreihe.  Die  Bekleidung  der  Extremitäten  an  der  Unterseite  gleicht  vollkom- 
men derjenigen  des  Bauches  und  die  Schuppen  an  den  Unterarmen  und  Schienbeinen  sind 
gleichfalls  ganz  deutlich  gekielt.  Der  Schwanz,  so  weit  er  nicht  reproducirt  ist,  zeigt  re- 
guläre Ringel,  von  denen  jeder  aus  4—5  Querreihen  von  Schuppen  besteht  und  an  seinem 
Hinterrande  6  grosse  triedrische,  später  subtriedrische  Tuberkeln  trägt;  diese  Tuberkeln 
sind  auf  der  Unterseite  schwächer  entwickelt  und  nehmen  gegen  die  Schwanzspitze  sowohl 
oben,  als  auch  unten  allmählich  an  Grösse  ab.  Die  reproducirte  Spitze  ist  mit  einfachen 
Schuppenringeln  bedeckt. 

Was  die  Färbung  und  Zeichnung  anbetrifft,  so  ist  dieselbe,  da  die  Exemplare  augen- 
scheinlich lange  in  Spiritus  gelegen  haben,  mehr  oder  weniger  alterirt.  Die  Grundfarbe 
der  Oberseite  ist  ein  sehr  helles  bräunliches  Gelb;  auf  dem  Rücken  sieht  man  ziemlich  breite, 
mehr  oder  weniger  verschwommene,  rothbraune  Querbinden,  die  sich  auch  auf  den  Schwanz 
fortsetzen,  daselbst  in  regelmässigen  Abständen  auf  einander  folgen  und  dabei  gegen  das 
Schwanzende  an  Breite  so  zunehmen,  das  sie  nahezu  doppelt  so  breit  sind,  wie  die  sie  tren- 
nenden Zwischenräume.  Von  den  grossen  Dorsaltuberkeln  sind  einzelne  weiss  gefärbt  und 
dieselbe  Farbe  zeigt  auch  der  Lippenrand.  Ueber  diesem  weissen  Lippenrande  zieht  eine 
ziemlich  breite  rothbraune  Binde,  etwa  am  Nasenloch  beginnend,  durch  das  Auge  auf  die 
Schläfe  und  scheint  sich  auf  dem  Hinterkopfe  mit  der  entspreclienden  der  anderen  Seite 
zu  einer  etwa  hufeisenförmigen  Figur  zu  verbinden,  jedoch  ist  diese  Figur  nur  bei  dem  grös- 
seren, weiblichen  Exemplar  einigermaassen  deutlich.  Die  Unterseite  ist  schmutzig  weiss, 
bis  auf  den  Schwanz,  der  einen  braunen  Anflug  besitzt. 


64 


De.  a.  Strauch, 


Maasse.  Das  kleinere  unserer  beiden  Exemplare,  ein  Männchen,  das  hier  abgebildet 
und  insofern  vollständiger  ist,  als  an  ihm  nur  ein  kleiner  Theil  der  Schwanzspitze  reprodu- 
cirt  erscheint,  zeigt  folgende  Dimensionen:  Totallänge  des  Thieres  —  83  Mm.;  Länge  des 
Kopfes  14  Mm,,  des  Rumpfes  27  Mm,,  des  Schwanzes  42  Mm. 


Finger  und  Zehen  nicht  erweitert,  mit  langen  schlanken  Krallen  versehen,  an  der 
Unterseite  mit  glatten  und  ganzrandigen,  schmalen  Querlamellen  bekleidet  und  an  beiden 
Seiten  sehr  deutlich  gefranzt;  die  pfriemenförmigen  Franzen  an  den  Zehen  beträchtlich 
länger,  als  an  den  Fingern.  Der  Körper  von  gewöhnlicher  Spindelform,  auf  der  Oberseite 
mit  Kornschuppen  bekleidet,  zwischen  welchen  runde,  mehr  oder  weniger  convexe,  gewöhn- 
lich undeutlich  gekielte,  zuweilen  sogar  subtriedrische,  grosse  Tuberkeln  zerstreut  sind;  die 
Unterseite  ist  mit  feinen,  dachziegelförmig  gelagerten  Schuppen  bedeckt.  Der  Schwanz 
ziemlich  lang  und  dünn,  an  der  Basis  leicht  abgeflacht,  weiterhin  fast  drehrund,  Augenlider 
circulär,  Pupille  vertical,  Männchen  mit  Praeanalporen. 

Diese  neue  Gattung  steht  in  der  Zehenbildung  der  Gattung  Ptenopus  am  nächsten,  be- 
sitzt aber  den  Habitus  von  Gymnodadylus  und  unterscheidet  sich  ausserdem  noch  von 
Ftenopus  durch  die  auch  bei  stärkerer  Vergrösserung  glatten  Hypodactylschilder  und  das 
Vorhandensein  von  Franzen  nicht  bloss  an  den  Zehen,  sondern  auch  an  den  Fingern, 

Die  Art,  auf  welche  ich  die  Gattung  begründet  habe,  ist  bereits  vor  mehr  als  50  Jah- 
ren von  Wiegmann  kurz  charakterisirt,  von  allen  späteren  Autoren,  mit  alleiniger  Aus- 
nahme Fitzinger's,  aber  verkannt  worden,  wesshalb  ich  hier  die  Synonymie  folgen  lasse. 

1 14.  Ptetwdactylus  Eversmannii  Wiegm. 

1823.  Ascaldbotes  pipiens  Lichten  stein  in:  Eversmann,  Reise  von  Orenburg  nach 

Buchara,  p.  145. 

1834.  Gymnodactylus  Eversmamii  Wiegmann,  Herpetologia  mexicana,  p,  19,  nota  28, 

1843.  Stenodadylus  Eversmanni  Fitzinger.  Systema  Reptilium,  p.  90. 

1856.  Gymnodactylus  atropmdatus  Lichtenstein.  Nomencl,  Reptil,  et  Amphib.  Mus. 


Gattung  Ptenodactylus  m. 

Von  TrTYîvôç,  geflügelt  und  oaxxuÀoç,  Finger, 


zool  Berel.,  p,  6. 


2392,  Am  Flusse  Irgis, 

2393.  Aralo-kaspische  Steppe, 
2894.  Aralo-kaspische  Steppe. 
4826.  Am  Flusse  Karakol. 

4327,  Am  Flusse  Kuwan-Dsherma. 
4693.  Krasnowodsk. 
6496.  Samarkand. 


Dr,  A,  Lehmann  1842. 
Dr.  A.  Lehmann  1842. 
Dr,  A.  Lehmann  1842. 
Dr,  N.  Sewerzow  1876, 
Dr,  N, Sewerzow  1876, 
Akad,  CE,  v,Baer  1877. 
Dr.  A,  Regel  1884. 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


Der  Kopf  ist  ziemlich  gross,  um  ein  Viertel  etwa  länger,  als  in  der  Olii'gegend  breit, 
halb  so  hoch,  als  lang  und  dabei  auf  dem  Scheitel  nicht  bloss  abgeflacht,  sondern  sogar  mit 
einer  grossen  seichten  Vertiefung  versehen.  Die  Schnauze  so  lang,  wie  der  Abstand  zwi- 
schen dem  Hinterrande  der  Orbita  und  der  Ohröffnung,  ziemlich  spitz  zugerundet  und 
massig  gewölbt,  ohne  deutlichen  Canthus  rostralis.  Auf  der  Mitte  der  Schnauze  vor  den 
Augen  eine  seichte  Längsgrube,  die  sich  in  geringerer  Ausbildung  aucli  auf  das  Interorbi- 
talspatium  fortsetzt,  und  hinter  jedem  Nasenloche  liegt  eine  meist  sehr  tiefe  Grube,  die 
flacher  werdend,  gegen  das  Auge  zieht  und  folglich  die  Frenalgegend  ausgehöhlt  erscheinen 
lässt.  Das  Auge  massig  gross,  sein  Durchmesser  um  die  Hälfte  kürzer,  als  die  Schnauze. 
Die  Ohröffnung'  ziemlich  gross,  bildet  eine  senkrechte  Spalte,  die  oben  spitz  zuläuft,  unten 
dagegen  abgerundet  ist.  Der  Rumpf  von  gewöhnlicher  Spindelform,  schwach,  aber  deutlich 
flachgedrückt,  die  Extremitäten  von  massiger  Länge,  die  vorderen,  nach  vorn  gerichtet  und 
an  den  Körper  angedrückt,  überragen  die  Schnauze  nur  um  ein  Geringes,  und  die  hinteren, 
ebenso  behandelt,  erreichen  den  Vorderrand  der  Schulter.  Der  Schwanz  lang,  fast  doppelt 
so  lang,  wie  Kopf  und  Rumpf  zusammengenommen,  an  der  Wurzel  deutlich  abgeflacht, 
sonst  fast  drehrund,  dünn  und  conisch  zugespitzt.  Der  Kopf  ist  auf  der  Oberseite  mit  klei- 
nen Kornschuppen  bekleidet,  die  auf  der  Schnauze  grösser  und  stärker  gewölbt  sind,  als 
auf  dem  Hinterkopfe.  Das  Rostrale,  um  ein  Drittel  etwa  breiter,  als  hoch,  hat  die  Gestalt 
eines  regulären  Vierecks  und  besitzt  in  der  Mitte  des  Hinterrandes  die  gewöhnliche  Längs- 
furche, welche  hier  fast  zwei  Drittel  des  Schildchens  einnimmt.  Jederseits  1 1  deutliche 
Supralabialschilder,  die  successive  an  Grösse  abnehmen  und  von  denen  die  beiden  letzten 
abgerundete  Ecken  zeigen,  während  die  übrigen  deutlich  viereckig  sind.  Das  Nasenloch  ist 
klein  und  liegt  zwischen  dem  Rostrale,  dem  ersten  Supralabiale  und  3  Nasalen,  von  denen 
das  mittlere  am  grössten  und  das  innere  von  dem  entsprechenden  der  entgegengesetzten 
Seite  durch  2  Längsreihen  von  Schuppen  getrennt  ist.  Da  gleich  hinter  diesen  3  Nasal- 
schildern die  vorhin  erwähnte  tiefe  Grube  liegt,  so  springen  diese  Nasalia  stark  vor  und 
erscheinen  wie  geschwollen.  Das  Mentale  ist  etwa  um  ein  Viertel  breiter,  als  das  Rostrale, 
hat  geschweifte  Seitenränder  und  abgerundete  Hinterecken,  so  dass  es  die  Form  einer  Vase 
darbietet.  Jederseits  von  demselben  stehen  8  deutliche  Infralabialia,  die  nach  hinten  zu 
allmählich  an  Grösse  abnehmen.  Besondere  Submentalia  fehlen  durchaus  und  die  ganze  Un- 
terseite des  Kopfes  ist  mit  kleinen  poh'gonalen  Schuppen  bekleidet,  die  in  der  nächsten 
Nachbarschaft  des  Mentale  und  der  Infralabialia  etwas  grösser  erscheinen,  als  sonst.  Die 
Oberseite  des  Rumpfes  zeigt  ziemlich  convexe  Kornschuppen,  die  in  der  Grösse  etwa  mit 
den  Schuppen  auf  der  Schnauze  übereinstimmen,  und  zwischen  welchen  auf  Nacken  und 
Rücken  grosse,  runde,  mehr  oder  weniger  convexe,  gewöhnlich  undeutlich  gekielte,  bei  ein- 
zelnen Exemplaren  aber  auch  subtriedrische  Tuberkeln  zerstreut  sind.  Diese  Tuberkeln 
bilden  ziemlich  reguläre  Längsreihen,  deren  10 — 12  vorhanden  sind.  Die  Extremitäten 
sind  auf  der  Oberseite  mit  dachziegelförmig  gelagerten  Schuppen  bekleidet,  die  fast  doppelt 
so  gross  sind,  wie  die  Bauchschuppen,  und  nur  an  der  Hinterseite  der  Oberschenkel  durch 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences  ѴИшѳ  Série.  9 


66 


Dk.  a.  Steaüch, 


feinere  Kornschuppen  ersetzt  werden.  Die  Unterseite  des  Rumpfes,  an  welcher  jederseits 
eine  sehr  undeutliche,  gewöhnlich  nur  hinter  der  Achselhöhle  sichtbare  Hautfalte  vorhan- 
den ist,  wird  von  sehr  kleinen  glatten,  dacliziegelförmig  gelagerten  Schuppen  bekleidet, 
welche  wenig  mehr  als  doppelt  so  gross  sind,  wie  die  feinen  Kornschuppen  an  der  Kehle. 
Die  Männchen  besitzen  eine  schwach  winklig  geknickte  Querreihe  von  8 — 11  Analporen, 
jährend  bei  den  "Weibchen  an  derselben  Stelle  nur  eine  ebensolche  Querreihe  grösserer, 
aber  durchaus  undurclibohrter  Schuppen  vorhanden  ist.  Die  Unterseite  der  Extremitäten 
ist  mit  flachen  imbricaten  Schuppen  bekleidet,  die  auf  dem  Oberschenkel  ebenso  gross,  auf 
dem  Unterschenkel  aber  doppelt  so  gross  sind,  wie  die  Bauchschuppen,  Die  Finger  und 
Zehen  sind  ziemlich  schlank  und  dünn,  tragen  auf  der  Oberseite  kleine  imbricate  Schuppen, 
auf  der  untern  dagegen  einfache  glatte  Querschilder  und  sind  jederseits  mit  einer  Reihe 
von  pfriemenförmigen  Franzen  versehen,  die  an  den  Zehen  fast  doppelt  so  lang  sind,  wie  an 
den  Fingern,  an  welchen  letzteren  sie  überhaupt  nur  bei  Betrachtung  von  unten  deutlich 
zu  sehen  sind. 

Die  Grundfarbe  der  Oberseite  aller  Theile  ist  sehr  hell  bräunlichgelb,  also  sandfarben, 
diejenige  der  Unterseite  beträchtlich  heller.  Jederseits  am  Kopfe  findet  sich  eine  dunkel- 
braune Längsbinde,  die  auf  dem  Rostrale  beginnt,  über  das  Nasenloch  gegen  das  Auge  zieht, 
sich  hinter  demselben  auf  den  Rumpf  fortsetzt  und  sich  kurz  vor  Beginn  der  hintern  Rumpf- 
hälfte in  einzelne  Makeln  von  sehr  verschiedener  und  variabeler  Form  auflöst.  Ferner  sind 
sämmtliche  Labialia,  sowohl  die  oberen,  als  auch  die  unteren,  dunkelbraun  gefleckt,  und  an 
den  oberen  fliessen  die  Flecken  sogar  zu  einer  kurzen  Längsbinde  zusammen,  welche  den 
Oberrand  der  Supralabialia  und  die  an  dieselben  grenzenden  Schuppen  der  Frenalgegend 
deckt.  Ausser  diesen  Binden  sieht  man  auf  dem  Kopfe  noch  mehr  oder  wèniger  zahlreiche 
und  sowohl  in  der  Form,  als  auch  in  der  Anordnung  ganz  irreguläre,  dunkelbraune  Flecken 
und  Punkte,  die  sich  auch  auf  den  Rumpf  fortsetzen  und  in  der  Vertebralgegend  gewöhn- 
lich zu  kurzen,  ganz  irregulären  Querbinden,  seltener  zu  2  .mehr  oder  weniger  häufig  unter- 
brochenen Längsbinden  zusammenfliessen,  während  sie  seitlich  als  einzelne  Punkte  auftre- 
ten, die  grösstentheils,  aber  keineswegs  immer,  mit  den  grossen  Tuberkeln  zusammenfallen 
und  folglich  in  Längsreihen  angeordnet  sind.  Auf  dem  Schwänze  bilden  diese  Makeln  ganz 
deutliche,  wenn  auch  nicht  immer  ganz  reguläre  Querbinden  und  auf  den  Extremitäten  sind 
sie  so  angeordnet,  dass  sie  ein  grossmaschiges  Netzwerk  darstellen,  das  aber  auf  den  Vor- 
derextremitäten sehr  undeutlich  ist.  Alle  diese  braunen  Zeichnungen,  die  auf  der  Unterseite 
durchaus  fehlen,  bestehen,  unter  der  Lupe  betrachtet,  aus  sehr  feinen  schwärzlichen 
Punkten. 

Maasse.  Das  grösste  der  von  mir  untersuchten  Exemplare  gehört  dem  Moskauer  Mu- 
seum und  zeigt  folgende  Dimensionen:  Totallänge  144  Mm.,  Länge  des  Kopfes  15  Mm., 
des  Rumpfes  39  Mm.,  des  Schwanzes  90  Mm. 

Ausser  den  7  Exemplaren  der  akademischen  Sammlung  habe  ich  von  dieser  Art  noch 
2  andere  untersucht,  von  denen  das  eine  dem  Moskauer  Museum  gehört  und  vom  verstor- 


Bemekküngen  übek  die  Geckoniden-Sammlung  u.  s.  w. 


67 


benen  A.  P.  Fedtschenko  in  der  Wüste  Kisyl-Kum  beim  Brunnen  Baybeck  erbeutet  wor- 
den ist,  während  das  andere,  das  in  der  Sammlung  der  hiesigen  Universität  aufbewahrt 
wird,  gleichfalls  aus  der  Wüste  Kisyl-Kum  stammt,  wo  Dr.  M.  N.  Bogdanow  es  bei  der 
Ortschaft  Kaike  gefangen  hat.  Das  Originalstück  in  Berlin,  das  ich  wohl  gesehen,  aber 
nicht  näher  untersucht  habe,  ist  von  Eversmann  bei  Agetma  gefangen  worden. 

Eine  Abbildung  dieser  Art  habe  ich  bereits  anfertigen  lassen  und  soll  dieselbe  im  her- 
petologischen  Theil  von  A.  P.  Fedtschenko's  Reise  erscheinen. 


115.  Stenodactylus  guttatus  Cuv. 
Stemdactylus  guttatus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  17,  pl.  III,  f.  2. 

714.  Aegypten.  Dr.  Clot-Bey*  1842. 

715.  Algerien.  Hr.  A.  Boucard  1869. 

2827.  Insel  Syra.  Hr.  J.  Erber  1870.  (2  Ex.) 

2828.  Aegypten?  Hr.  J.  Erber  1870. 
2833.  Fnndort?  Ilr.  J.  Erber  1870.  (2  Ex.) 
5240.  Libysche  Wüste.  Dr.  W.  Junker*  1878.  (2  Ex.) 
5377.  Batna.  Hr.  Deyrolle  1879. 


116.  Stenodactylus  Wilkinsonii  Gray. 

Stenodactylus  wilkinsonii  Boulenger.  Catal.  I,  p.  18,  pl.  III,  f.  3. 

5378.  Batna.    Hr.  Deyrolle  1879.  (2  Ex.) 

Bei  beiden  Exemplaren,  die  ich  hier  unter  diesem  Namen  aufführe,  nimmt  das  Rostrai- 
schild keinen  Antheil  an  der  Begrenzung  des  Nasenlochs,  sondern  ist  dadurch,  dass  das 
jederseitige  innerste  Nasalschild  sich  vor  das  letztere  legt  und  mit  dem  ersten  Supralabiale 
in  Verbindung  steht,  vom  Nasenloch  ausgeschlossen.  Dabei  sind  die  Schuppen  auf  der  Ober- 
seite des  Kopfes  und  Rumpfes  fast  ganz  flach,  die  Extremitäten  auffallend  lang  und  auch 
die  Schnauze  scheint  etwas  mehr  zugespitzt  zu  sein,  jedoch  nur  in  sehr  geringem  Grade. 
Die  Anordnung  der  das  Nasenloch  umgebenden  Schilder  stimmt  also  mit  den  Angaben  Bou- 
lenger's  vollkommen  überein,  hat  aber  freilich  auch  nicht  die  geringste  Aehnlichkeit  mit  der 
von  Boulenger  gegebenen  Abbildung  des  Kopfes  von  Stenodactylus  Wilkinsonii]  jedoch 
hat  das  nichts  zu  bedeuten,  denn  diese  Abbildung  muss  ganz  ohne  allen  Zweifel  falsch  sein, 
da  sie  mit  der  hier  allein  maassgebendcn  Beschreibung  in  direktem  Widerspruche  steht. 
Boulenger  sagt  ausdrücklich:  «Nostril  pierced  in  the  centre  of  a  very  strong  swelling  bet- 
ween  the  first  labial  and  threo  nasals)),auf  der  Figur  dagegen  ist  das  1-ste  Labialschild  vom 
Nasenloch  durch  ein  Nasale  getrennt,  so  dass  das  Nasenloch  genau  so  gelegen  ist,  wie  bei 
den  Arten  der  Gattung  Eremias,  d.  h.  zwischen  3  Nasalschildern.  Die  Zeichnung  ist  daher 
ohne  allen  Zweifel  fehlerhaft  und  unsere  beiden  Exemplare  aus  Algerien  werden  richtig  be- 


68 


Dr.  a.  Steauch, 


stimmt  sein.  Uebrigens  kann  ich  nicht  umhin  zu  bemerken,  dass  mir  die  Differenz  in  den 
das  Nasenloch  umgebenden  Schildern  keineswegs  von  grosser  Bedeutung  zu  sein  scheint, 
denn  an  einem  Stenodactylus  guttatus  aus  Algerien  715)  liegt  das  jederseitige  innere 
Nasalschild  ganz  ähnlicli,  wie  bei  unserem  Stenodactylus  WilMnsonii,  nur  zieht  es  nicht  so 
weit  nacli  vorn  und  bildet  auch  mit  dem  1-sten  Supralabiale  keine  Sutur,  so  dass  die  obere 
Aussenecke  des  Rostrale  doch  noch  an  das  Nasenloch  herantritt.  Die  Hauptmerkmale,  durch 
welche  sich  Stenodactylus  Wükinsonii  von  dem  ihm  jedenfalls  äusserst  nahe  verwandten 
Stenodactylus  guttatus  unterscheidet,  bestehen  somit  in  der  Beschuppung  und  in  der  Länge 
der  Extremitäten;  die  Beschuppung  besteht  bei  dem  ersteren,  wie  schon  bemerkt,  aus  ganz 
flachen  Schuppen,  die  bei  Stenodactylus  guttatus  im  Gegentheil  recht  stark  gewölbt  sind, 
und  die  Extremitäten,  besonders  die  hinteren,  reichen,  nach  vorn  gekehrt  und  an  den  Rumpf 
angedrückt,  bei  Stenodactylus  Wilkinsonn  weit  bis  über  die  Achsel,  fast  bis  an  das  Ohr, 
während  sie  bei  Stenodactylus  guttatus,  ebenso  behandelt,  knapp  die  Achselhöhle  berühren. 

117.  Ptenopus  garrulus  Smith. 
PtenojMS  garrulus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  15,  pl.  И,  f.  2. 

Süd-Afrika.    British  Museum  1886. 

Ueber  die  Bekleidung  der  Unterseite  an  den  Fingern  und  Zehen  bei  dieser  Art  exi- 
stiren  einander  widersprechende  Angaben,  indem  Gray^)  behauptet,  dass  dieselbe  an  den 
Fingern  aus  einfachen  glatten,  aber  convexen  Querlamellen,  an  den  Zehen  dagegen  aus  3 — 4 
Reihen  von  gekielten  Schuppen  besteht,  während  Соре-)  und  Boulenger  angeben,  dass 
sowohl  an  den  Fingern,  al§  auch  an  den  Zehen  nur  einfache  und  glatte  Querlamellen  vor- 
handen sind.  Nach  genauer  Untersuchung  des  mir  vom  British  Museum  freundlichst  über- 
lassenen  jungen  Exemplars  habe  ich  gefunden,dass  sowohl  an  den  Fingern, als  auch  an  den  Zehen, 
wie  Соре  und  Boulenger  ganz  richtig  angeben,  Querlamellen  vorhanden  sind,  dass  aber 
diese  Querlamellen  an  den  Zehen,  und  in  geringerem  Grade  auch  an  den  Fingern,  in  ähn- 
licher Weise,  wie  bei  den  Arten  der  Gattung  Bunoims,  mit  vorspringenden  Tuberkeln  be- 
setzt sind,  nur  treten  diese  Tuberkeln  erst  bei  starker  Vergrösserung  deutlich  zu  Tage,  bei 
Betrachtung  durch  eine  gewöhnliche  Lupe  lassen  sich  nur  so  leise  Spuren  derselben  wahr- 
nehmen, dass  man  die  Querlamellen  einfach  für  glatt  erklären  kann. 

118.  Teratoscincus  Keyserlingii  Strauch. 
Teratoscincus  scincus  Boulenger.  Catal.  I,  p.  12,  pl.  II,  f.  3. 

2.395.  Seri-Tscliah  (Kirman).  Graf  E.  Keyserling  -  1862. 
2396.  Seri-Tschah  (Kirman).         Graf  E.  Keyserling*  1862. 


1)  Prof.  znol.  Soc.  of  London  1805,  p.  040. 


I      2)  Proc.  Лгасі.  Philadclpb.  1808.  p.  321. 


Bemerkungen  über  die  Geckoniden-Sammlüng  u.  s.  w. 


69 


2397.  Tschehardé  (Mazanderan).  Graf  E.  Keyserling*  1862. 

2398.  FIuss  Iii.  Dr.  A.  v.  Schreuck*  1844. 

2399.  Wüste  Kisyl-Kum.  Dr.  A.  Lehmann  1841. 

2400.  Akmetsched.  Dr.  N.  Sewerzow  1863. 
4331.  Fluss  Kuwan-Dslierma.  Dr.  N.  Sewerzow  1876. 
6480.  Samarkand.  Dr.  A.  Regel  1884. 

Der  Kopf,  dessen  Höhe  etwa  zwei  Dritteln  seiner  Breite  in  der  Ohrgegend  gleich- 
kommt, ist  gross,  dick,  auf  dem  Scheitel  abgeflacht  und  etwa  um  ein  Drittel  länger,  als  in 
der  Ohrgegend  breit.  Die  Schnauze  ziemlich  stumpf  zugerundet,  übertrifft  den  Durchmesser 
der  Orbita  etwa  um  die  Hälfte  an  Länge  und  ist  um  ein  Drittel  etwa  länger,  als  der  Ab- 
stand zwischen  dem  Hinterrande  der  Orbita  und  der  Ohröffnung,  dabei  erscheint  sie  gewölbt, 
ohne  deutlichen  Canthus  rostralis.  Das  Auge  gross,  die  Pupille  senkrecht,  suboval  und  gleich- 
falls gross.  Das  obere  Augenlid  bildet  einen  abgerundeten,  am  freien  Rande  leicht  crenu- 
lirten  Lappen,  das  untere  fehlt  ganz.  Die  OhrOffnung  gross,  fast  halb  so  gross,  wie  der  Bul- 
bus, bildet  eine  schräge,  aber  doch  fast  horizontal  gestellte,  breite  Spalte.  Der  Rumpf  spindel- 
förmig, deutlich  abgeflacht,  die  Extremitäten  kurz  und  kräftig,  die  vorderen,  nach  vorn  ge- 
richtet und  an  den  Körper  angedrückt,  erreichen  das  Nasenloch  nicht,  und  die  hinteren, 
ebenso  behandelt,  berühren  den  Ellenbogen  der  nach  hinten  gerichteten  Vorderextremi- 
täten. Die  Zehen  kurz  und  ziemlich  dick,  der  Schwanz  ziemlich  kurz  und  dick,  conisch  zu- 
gespitzt, an  der  Basis  kaum  merklich  abgeflacht,  an  der  Spitze  dagegen  sogar  leicht  com- 
primirt.  Der  Kopf  ist  auf  der  Oberseite  mit  ziemlich  feinen  Kornschuppen  bekleidet,  die 
auf  der  Schnauze  etwas  grösser  sind,  als  auf  dem  Hinterkopfe  und  an  den  Schläfen.  Das 
Rostrale,  um  die  Hälfte  etwa  breiter,  als  hoch,  hat  die  Form  eines  Parallelogramms  und 
besitzt  am  Hinterrande  die  gewöhnliche  Längsfurclie,  die  hier  aber  kurz  ist  und  kaum  bis 
zur  halben  Schildlänge  reicht.  Jederseits  finden  sich  10 — 13  Supralabialia,  die  viereckig 
sind  und  nach  hinten  zu  allmählich  an  Grösse  abnehmen.  Das  Nasenloch  liegt  zwischen 
dem  Rostrale  und  3  besonderen  Nasalen,  von  denen  das  mittlere  am  kleinsten  ist;  das  in- 
nerste steht  mit  dem  gleichnamigen  Schilde  der  anderen  Seite  in  direkter  Berührung  und 
das  äusserste  besitzt  an  seinem  unteren  Theile  einen  kurzen  Fortsatz,  der  mit  dem  Rostrale 
in  Berührung  steht,  sich  folglich  zwischen  das  Nasenloch  und  das  Supralabiale  primum  legt 
und  letzteres  von  dem  Nasenloche  scheidet.  Das  Mentale  ist  um  ein  Geringes  breiter  und 
etwa  um  die  Häfte  länger,  als  das  Rostrale,  und  besitzt  abgerundete  Hinterecken.  Jederseits 
neben  demselben  stehen  10 — 13  Infralabialia,  die  ebenfalls  viereckig  sind  und  nach  hinten 
zu  an  Grösse  allmählich  abnehmen.  Von  Submentalen  finde  ich  nur  2  kleine  rundliche 
Schildchen,  von  denen  jedes  den  Winkel  zwischen  dem  weit  nach  hinten  vorragenden  Men- 
tale und  dem  beträchtlich  kürzeren  Infralabiale  primum  ausfüllt  und  nach  aussen  noch 
einige  wenige,  kleine,  schuppenähnliche  Schildchen  neben  sich  hat,  die  direkt  an  die  Infra- 
labialia grenzen.  Die  übrige  Unterseite  des  Kopfes  ist  mit  kleinen  unregelraässigen,  ziem- 
lich convexen  und  dabei  unter  einander  an  Grösse  mehr  oder  weniger  differirenden  Schup- 


70 


De.  a.  Steaüch, 


реп  bedeckt.  Der  Rumpf  ist  rundherum  mit  grossen,  glatten,  einander  dachziegelförmig 
deckenden  Cycloid-Schuppen  bekleidet,  die  an  der  Unterseite  etwa  um  ein  Viertel  grösser 
sind,  als  auf  der  Oberseite,  und  an  der  breitesten  Stelle  des  Körpers  29 — 34  Längsreihen 
bilden.  Auf  der  Unterseite  beginnen  diese  Cycloid-Schuppen  gleich  hinter  dem  Kopfe,  und 
zwar  sind  sie  anfänglich  klein  und  werden  successive  grösser,  so  dass  sie  keineswegs  scharf 
von  den  Kelilschuppen  geschieden  sind,  sondern  ganz  allmählich  in  dieselben  übergehen. 
Auf  der  Oberseite  dagegen,  wo  die  Cycloid-  Schuppen  auf  dem  Occiput  beginnen,  sind  sie 
zwar  kleiner,  als  auf  dem  Rücken,  aber  doch  sehr  scharf  von  den  feinen  Kornschuppen  des 
Hinterkopfes  geschieden.  Da  die  Seiten  des  Halses,  vom  Ohr  bis  zur  Achselhöhle  mit  eben- 
solchen Kornschuppen  bekleidet  sind,  wie  der  Hinterkopf,  so  nehmen  die  Cycloid-Schuppen 
auf  dem  Nacken  nur  einen  verhältnissmässig  schmalen  dreieckigen  Raum  ein,  bilden  also,  so 
zu  sagen,  eine  Schnibbe,  deren  Spitze  auf  dem  Occiput  liegt.  Die  Extremitäten  sind  mit 
ganz  ähnlichen  imbricaten  Cycloid-Schuppen  bekleidet,  wie  der  Rumpf,  nur  sind  dieselben 
etwas  kleiner  und  werden  an  der  Hinterseite  der  Oberschenkel,  an  den  Weichen  und  an  der 
Innenseite  der  Oberarme  durch  mehr  oder  weniger  feine  Kornschuppen  ersetzt.  Auf  der 
Oberseite  der  Finger  und  Zehen  finden  sich  gleichfalls  imbricate  Schuppen,  während  die 
Unterseite  dieser  Theile  äusserst  fein  granulirt  erscheint;  dabei  sind  sowohl  Finger,  als  auch 
Zehen  beiderseits  mit  je  einer  Reihe  ziemlich  langer  pfriemenförmiger  Franzen  besetzt.  Der 
Schwanz  ist  rundherum  mit  imbricaten  Schuppen  bekleidet,  trägt  aber  auf  der  Oberseite 
seiner  2  letzten  Drittel  eine  Reihe  grösser,  halbmondförmiger,  an  Kuppennägel  erinnernder, 
einander  dachziegelförmig  deckender,  glatter  Schilder,  deren  Zahl  zwischen  10  und  14 
schwankt  und  die  gegen  die  Schwanzspitze  hin  natürlich  successive  an  Grösse  abnehmen. 

Die  Grundfarbe  der  Oberseite  aller  Theile  ist  schmutzig  weiss  (im  Leben  vielleicht 
rosenroth  d.  h.  fleischfarben),  die  der  Unterseite  reiner  weiss.  Der  Kopf  zeigt  oben  mehr 
oder  weniger  deutliche,  durchaus  unregelmässige  und  oft  zusammenfliessende  braune  oder 
selbst  schwärzliche  Makeln  und  Binden,  die  bei  stärkerer  Ausbildung,  namentlich  bei  halb- 
wüchsigen Exemplaren,  geradezu  ein  Netzwerk  bilden.  Der  Rumpf  ist  gleichfalls  mit  dun- 
keln Zeichnungen  geziert,  die  aber  höchst  unregelmässig  erscheinen  und  bei  den  Jungen 
deutliche  Querbinden  darstellen,  während  sie  bei  älteren  Stücken  überhaupt  undeutlicher 
sind  und  bald  gleichfalls  Querbinden  darstellen,  bald  jedoch  auch  zu  häufig  unterbrochenen 
Längsbinden  angeordnet  sind.  Die  Extremitäten  sind  ebenso,  wie  die  Unterseite,  einfarbig, 
der  Schwanz  dagegen  zeigt  bei  den  Jungen  auf  der  Oberseite  3  breite  braune  Querbinden, 
von  denen  die  vorderste  stets  auf  dem  ersten  der  grossen  halbmondförmigen  Schilder  steht, 
während  die  beiden  andern  sowohl  von  der  ersten,  als  auch  von  einander  durch  gleiche 
Zwischenräume  getrennt  sind,  aber  doch  keine  ganz  constante  Lage  haben;  so  findet  sich  die 
letzte  bei  dem  Exemplar  №  2396  auf  dem  letzten,  bei  dem  Exemplar  №  2397  dagegen  auf 
dem  viertletzten  halbmondförmigen  Schilde.  Bei  den  ausgewachsenen  Stücken  ist  von  diesen 
Binden  keine  Spur  wahrzunehmen  und  der  Schwanz  erscheint  bei  ihnen  sowohl  oben,  als  auch 
unten  durchaus  einfarbig. 


Bemeeküngen  über  die  Geckoniden-Sabimlung  u.  s.  w. 


71 


Maasse:  Totalläiige  des  Thieres  —  158  Mm.;  Länge  des  Kopfes  2!)  Mm.,  des 
Rumpfes  73  Mm.,  des  Schwanzes  5 G  Mm. 

Eine  Abbildung  dieser  Art,  deren  Namen  Hr.  Boulenger  oline  hinreichenden  Grund 
in  Teratoscincus  scincus  Schleg.  abgeändert  hat,  wird  im  herpetologischen  Theil  von  A.  I'. 
Fedtschenko's  Reise  erscheinen. 

1 19.  Teratoscincus  Przewalskii  n.  sp. 

6564.  Oase  Cbami.  Oberst   N.  M.  Przewalsky  1879. 

6565.  Oase  Chami.  Oberst  N. M. Przewalsky  1879. 
7037.  Oase  Tcharchalyk.  General  N.  M.  Przewalsky  1886. 
7053.  Oase  Nija  (4300').  General  N.  M.  Przewalsky  1886. 

Diese  neue  Art  stimmt  in  allen  wesentlichen  Punkten  mit  Teratoscincus  KeyserUngii 
überein  und  unterscheidet  sich  von. dem  letzteren  durch  folgende  Merkmale:  1)  Die  Rücken- 
schuppen sind  viel  kleiner,  als  die  Bauchschuppen,  denn  sie  kommen  an  Grösse  höchstens 
einem  Drittel  der  letzteren  gleich,  während  bei  der  vorigen  Art  die  Rückeuschuppen  höch- 
stens um  ein  Viertel  kleiner  sind,  als  die  Bauchschuppen.  In  Folge  der  Kleinheit  der  Rücken- 
schuppen ist  denn  auch  die  Zahl  der  Längsreihen,  in  welche  die  Cycloid-Schuppen  ange- 
ordnet sind,  bei  dieser  Art  grösser,  als  bei  der  vorigen,  denn  während  bei  letzterer,  wie 
schon  bemerkt,  in  einer  Querreihe  rund  um  den  Körper  29 — 34  Schuppen  neben  einander 
liegen,  finden  sich  bei  dieser  37— 39  solcher  Schuppen.  2)  Die  imbricaten  Cycloid-Schuppen 
des  Rumpfes  reichen  bei  dieser  Art  nur  bis  zur  Höhe  des  vordem  Schulterrandes,  während 
sie  sich  bei  der  vorigen  über  den  Nackeii  bis  zum  Hinterhaupte  hinziehen.  In  Folge  dessen 
ist  bei  Teratoscincus  Prsewalskii  der  ganze  Nacken  ebenso  mit  feinen  Kornschuppen  bekleidet, 
wie  der  Hinterkopf  und  die  Halsseiten,  und  die  in  der  Schulterhöhe  beginnenden  Cycloid- 
Schuppen  erscheinen  auch  keineswegs  so  scharf  von  den  Kornschuppen  des  Nackens  abge- 
grenzt, sondern  gehen  fast  unmerklich  in  dieselben  über.  3)  Endlich  ist  auch  die  Zeichnung 
etwas  abweichend,  indem  bei  dieser  Art  auf  dem  Rumpfe  6  deutliche  breite,  mit  der  Spitze 
nach  hinten  gerichtete  Chevrons  von  etwas  dunklerer,  zuweilen  schwärzlicher  Farbe  vor- 
handen sind,  denen  auf  der  Schwanzbasis  noch  2  weitere  ähnhche  folgen.  Ausser  diesen 
Chevrons  finden  sich  an  den  Flanken  vereinzelte  rundliche  Flecken  von  tiefschwarzer  Farbe 
und  auf  dem  Hinterhaupte  sieht  man  eine  mehr  oder  weniger  stark  ausgesprochene,  hellere 
Querbinde,  welche  von  einer  Ohröffnung  zur  anderen  zieht  und  einen  flachen,  mit  der  Con- 
vexität  nach  hinten  gerichteten  Bogen  bildet;  diese  Binde  tritt  übrigens  nur  bei  jüngeren 
Exemplaren  deutlicher  vor,  bei  älteren  ist  sie  kaum  wahrzunehmen.  Der  Kopf,  der  an  den 
Labialschildern  einige  vereinzelte  dunkle  Makeln  zeigt,  ist  bei  3  Exemplaren  ungefleckt, 
während  er  bei  dem  vierten,  dem  grössten  7037),  mit  einigen  ganz  irregulär  geformten 
und  gestellten,  schwarzen  Makeln  geziert  ist. 

Maasse.  Totallänge  des  Thieres  —  133  Mm.;  Länge  des  Kopfes  23  Mm.,  des 
Rumpfes  60  Mm.,  des  Schwanzes  50  Mm. 


72 


Dr.  a.  Steauch, 


p]ine  ausführliche,  von  den  iiöthigen  Abbildungen  begleitete  Beschreibung  dieser  neuen 
Art  werde  ich  in  General  Przewalsky's  Reisewerk  geben,  möchte  hier  aber  noch  einer 
merkwürdigen  Beobachtung  kurz  gedenken,  welche  Przewalsky's  Reisebegleiter  Herr 
Lieutenant  W.  J.  Roborowsky  gemacht  und  mir  mitgetlieilt  hat.  Nach  Herrn  Roborowsky 
giebt  diese  Art  einen  Ton  von  sich,  der  an  das  Zirpen  der  Heuschrecken  erinnert,  und  zwar 
bringt  das  Thier  diesen  Ton  mit  dem  Schwänze  hervor,  wahrscheinlich  durch  Aneinander- 
reihen der  grossen  halbmondförmigen  Schilder.  Da  sogar  der  abgebrochene  Schwanz  diesen 
Ton  wenigstens  durch  einige  Augenblicke  hindurch  noch  hervorbringt,  so  kann  über  die 
Quelle  desselben  gar  kein  Zweifel  aufkommen.  Sicherlich  dient  dem  Thiere  diese  Fähigkeit 
dazu,  um  Heuschrecken  und  andere  Insecten,  von  denen  es  sich  nährt,  herbeizulocken. 

120.  Chondrodacfylus  angulifer  Peters. 
Chondrodadylus  angulifer  Boulenger.  Catal.  I,  p.  11,  pl.  И,  f.  5. 
2632.  Oorlogsrivicr  in  Süd-Afrika.    Berliner  Museum  1870. 

121.  Eublepharis  macularius  Blyth. 

Eublepharis  maculamis  Boulenger.  Catal.  I,  p.  232. 
3451.  Ost-Indien.    British  Museum  1872. 

122.  Coleonyx  elegans  Gray. 
Coleonyx  elegans  Boulenger.  Catal.  I,  p.  235. 
1109.  Centro-Amerika.    Hr.  A.  Boucard  1869. 


INHALTSYEEZEICMISS. 


SEITE. 

Einleitung   1 

Dichotomische   Tabelle    ziiv   Bestimmung  dei' 

Geckoniden-Gattungen    14 

Verzeicbniss  der  im  zoologischen  Museum  der 
Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften 

aufgestellten  Geckoniden   17 

1.  Thecadactylus  rapicauda  Houtt   17 

2.  Phelsuma  Cepedianum  Merr   17 

3.  »       GuentLeri  Big   17 

4.  >i       madagascariense  Gray    18 

5.  »       laticauda  Bttg   18 

6.  »       lineatum  Gray   18 

7.  Pachydactylus  Bibronii  Smith   18 

8.  »             capensis  Smith   19 

9.  >'             ocel latus  Oppel   19 

10.  )'             iiiaculatus  Smith   19 

11.  Tarentola  facetana  Aldrov   21 

12.  »       neglecta  n.  sp   21 

13.  II        angusticeps  n.  sp  ■.  .  .  22 

14.  II        Delalandii  D.  et  В   23 

15.  II       aegyptiaea  Cuv.   24 

16.  Aeluronyx  seychellensis  D.  et  В   25 

17.  Ptychozoon  homalocephaluni  Crev   25 

18.  Gecko  verticillatus  Laur   25 

19.  II     vittatus  Houtt   25 

2U.      II     bivittatus  D.  et  В   26 

21.  II     monarchus  Schlg   26 

22.  II     japonicus  D.  et  В   26 

23.  -Rhacodactylus  auriculatus  Bavay   27 

24.  II            ciliatus  Guich   27 

25.  Hoplodactylns  maculatus  Big   27 

26.  II           _anamallensis  Gnthr   27 

27.  Lepidodactylus  aui'antiacus  Bedd   27 

28.  I)             lugubris  D.  et  В   27 


Lepidodactylus  cyclurus  Gnthr   28 

Lygodactylus  capensis  Smith   28 

II  picturatus  Ptrs   28 

Peripia  mutilata  Wiegm   28 

II      variegata  D.  et  В   28 

Gehyra  oceauica  Lessen   29 

II      vorax  Girard   29 

II      Fischeri  n.  sp   29 

Heniidactylus  frenatus  D.  et  В   31 

mabouia  Moreau   31 

fasciatus  Gray   31 

Bocagii  Big   31 

turcicus  L   32 

Brookii  Gray   32 

Gleadowii  Murray   32 

maculatus  Gray   32 

triedrus  Daud   33 

depressus  Gray   33 

Leschenaultii  D.  et  В   33 

Coctaei  D.  et  В   33 

flavoviridis  Ruepp.   33 

Bowringii  Gray.  .   34 

Ganiotii  D.  et  В   34 

platyurus  Schneid   34 

Ptyodactylus  gecko  Hasselq   35 

Uroplatus  fimbriatus  Schneid   35 

Sphaerodactylus  elegans  R.  et  L   35 

punctatissimus  D.  et  B. .  .  35 

glaucns  Gope   35 

torquatus  n.  sp   З5 

Copei  Steind   37 

authracinus  Соре   37 

Phyllodactylus  tuberculosus  Wiegm   38 

II  pulcher  Gray   38 


п 


SEITE. 


ііЗ.  Phyllodactylus  galapagensis  Ptrs   38 

64.  »           pictus  Ptrs   39 

65.  i'          poiphyreus  D.  et  В   39 

66.  »          marmoratiis  Gray   39 

67.  »          affinis  Big   39 

68.  »           emopaeus  Géné   39 

69.  Diplodactylns  spinigems  Gray   40 

7U.           »         Strophunis  D.  et  В   40 

71.  "          vittatus  Gray   40 

72.  "          polyophtlialmus  Gntlir   40 

73.  Oedtira  marmorata  Gray   40 

74.  »      Tryoni  De  Vis   40 

75.  »      robusta  Big   41 

76.  "      Lesueurii  D.  et  В   41 

77.  Heteroiiota  Derbyana  Gray   41 

78.  Cnemaspis  Bouleiigerii  ii.  sp   42 

79.  Gouatodes  albogiilaris  D.  et  В   43 

80.  >i        caudiscutatiis  Gnthr   43 

81.  »        humeralis  Guich   44 

82.  i>        indicus  Gray  •   44 

83.  »        wyuadensis  Bedd   44 

84.  I)        ornatus  Bedd.   44 

85.  >'        raarmoratus  Bedd   44 

86.  »        kandianus  Kelaart   44 

87.  »        gracilis  Bedd   44 

88.  »        Jerdonii  Theob   45 

89.  »        littoralis  Jerd   45 

90.  Pristiirus  flavipunctatiis  Ruepp   45 

91        »       rupestris  Blanf.   45 

92.  Gymnodactylus  caspius  Eichw   45 


SEITE, 


93.  Gymnodactylus  Fedtschenkoi  n.  sp   4C 

94.  I)  scaber  Ruepp   47 

95.  Kotschyi  Steind   47 

96.  »  Danilewskii  n.  sp   48 

97.  »  Russowii  n.  sp   49 

98.  1)  mauritauicus  D.  et  В   51 

99.  >i  geckoides  Spix.   51 

100.  1'  pelagicus  Girard   52 

101.  »  frenatus  Gnthr   52 

102.  »  khasiensis  Jerd   52 

103.  i>  marmoratus  Kühl   52 

104.  »  philippiuiciis  Steind   53 

105.  »  pulchellus  Gray   53 

106.  »  Miliusii  Bory  de  St.  Vinc.  53 

107.  platurus  White    53 

loS.  Agamura  persica  A.  Dum  ,  53 

109.  Alsophylax  pipiens  Pall   54 

110.  »        Przewalskii  n.  sp   55 

111.  »        spinicauda  n.  sp   58 

112.  II        loricatus  n.  sp   59 

113.  Bunopus  Blanfordii  n.  sp   61 

114.  Ptenodactylus  Eversmannii  Wiegm   64 

j  115.  Stenodactylus  guttatus  Cuv   67 

I  116.         »  Wilkinsonii  Gray   67 

I  117.  Ptenopus  garrulus  Smith   68 

j  118.  Teratoscincus  Keyserlingii  Str  :  .  .  68 

I  119.  )>  Przewalskii  n.  sp   71 

j  120.  Chondrodactylus  angulifer  Ptrs   72 

I  121.  Eublepharis  macularius  Blyth   72 

j  122.  Coleonyx  elegans  Gray    72 


Erklärung  der  Tafel. 

Fig.         1,    2.  Taren tola  angusticeps  n.  sp. 
»  3,    4.       »        neglecta  u.  sp. 

»  5,    6.  Gebyra  Fischeri  n.  sp. 

II      7,    8,    9.  Cnemaspis  Boulengerii  n.  sp. 
))    10,  11,  12.  Gymnodactylus  Russowii  u.  sp. 
)i  13.  14.  Bunopus  Blanfordii  n.  sp. 

»  15,  16.  Alsophylax  spinicauda  n.  sp. 

Berichtigung. 

Auf  p.  7  muss  es  statt  Aelurascalabotes  überall  Aeluroscalabotes  heissen. 


MÉMOIRES 

DE 

L'ACADÉMIE  IMPÉRIALE  DES  SCIENCES  DE  ST.-PÉTERSBOl)RG,  VII"  SÉRIE. 
Tome  XXXV,  3. 


BESTIMMUNG 

DER  CONSTANTE  DER  PRAECESSION 

UND  DEE 

ШШШМ  BEWEGUNG  DES  SOMENSÏSTEMS. 

VON 

{Lu  le  10  mars  1887.) 


ST.-PÉTERSBOURa,  1887. 

Commissionnaires  de  l'Académie  Impériale  des  sciences: 
St..Pétersbourg:  Riga:  Leipzig: 

M.  Eggers  et  C'^  et  J.  Glasounof:  M.  N.  Kymmel;  Voss'  Sortiment  (G.  Haessel). 

Prix:  30  Кор.  =  1  Mrk. 


Imprimé  par  ordre  de  l'Académie  Impériale  des  sciences. 

C.  Vessélofsky,  Secrétaire  perpétuel. 


Imprimerie  de  l'Académie  Impériale  des  sciences. 
(Vass.-Ostr.,  9  ligue,  JV»  12.) 


Bei  Gründung  der  Pulkowaer  Stern\yarte  wurde  von  vornherein  durch  ihren  ersten 
Director,  W.  Struve,  in  dem  Plane  derauf  ihr  auszuführenden  Arbeiten  als  besonders  wich- 
tig die  Aufgabe  hingestellt,  für  unsere  Kenntniss  des  Fixsternhimmels  genauere  Grundlagen 
zu  liefern,  als  wie  man  sie  bis  dahin  erlangt  hatte.  Zwar  hatten  schon  die  Königsberger  und 
die  Dorpater  Sternwarte  diese  Grundlagen  mit  einer  Genauigkeit  geliefert,  die  alle  früheren 
Bestimmungen  weit  übertraf,  doch  stand  zu  erwarten,  dass  die  aus  den  in  Pulkowa  anzu- 
stellenden Beobachtungen  zu  ziehenden  Resultate,  wegen  der  ausserordentlichen  Güte  der 
Instrumente,  noch  einen  viel  höheren  Grad  der  Genauigkeit  besitzen  würden.  Neben  ande- 
ren Aufgaben  fasste  W.  Struve  vor  Allem  eine  Neubestimmung  der  Constanten  der  Aber- 
ration, der  Nutation  und  der  Präcession  ins  Auge.  Für  die  beiden  erstgenannten  Grössen 
sind  seitdem  bekanntlich  durch  die  Arbeiten  von  W.  Struve  und  Nyrén  aus  Pulkowaer 
Beobachtungen  sehr  genaue  Resultate  abgeleitet  worden.  Eine  neue  Ableitung  der  Präces- 
sionsconstanté  konnte  jedoch  nicht  früher  in  Angriff  genommen  werden,  als  bis  die  in  Pul- 
kowa herzustellenden  Kataloge  der  Hauptsterne  und  der  Bradley'schen  Sterne  fertig  vor- 
lagen, was  erst  neuerdings  durch  die  im  vorigen  Jahre  erfolgte  Herausgabe  des  Katalogs 
der  am  Repsold 'sehen  Meridiankreise  beobachteten  Sterne  geschehen  ist. 

Für  diesen  Zweck  erschien  es  bald  als  sehr  wünschenswerth,  die  entsprechenden  Brad- 
ley'schen Beobachtungen,  die  in  den  unsterblichen  Fundamentis  Astronomiae  von'  Bossel 
noch  nicht  in  aller  Vollständigkeit  und  mit  den  der  Jetztzeit  entsprechenden  Hülfsmitteln 
bearbeitet  waren,  einer  neuen  Réduction  zu  unterziehen.  Bekanntlich  übernahm  Auwers 
auf  Anregung  der  Pulkowaer  Sternwarte  diese  mühsame  Arbeit.  Jetzt  liegt  der  von  ihm 
abgeleitete  Katalog  fertig  gedruckt  vor  und  seine  Veröffentlichung  steht  in  kürzester  Zeit 
zu  erwarten. 

Da  dieser  Katalog  der  Pulkowaer  Sternwarte  handschriftlich  mitgetheilt  war,  konnte 
hier  an  eine  Ableitung  der  Präcessionsconstante  und  der  eigenen  Bewegung  unseres  Son- 
nensystems gegangen  werden  und  ich  ergriff  mit  Freuden  den  Vorschlag  meines  Vaters, 
Otto  Struve,  mich  mit  dieser  Aufgabe  zu  beschäftigen. 

Mémoires  de  ГЛсаіі.  Imp.  des  sciences.  ѴІІше  Série.  J 


2 


L.  S  т  R  и  V  E ,  Bestimmung  der  Constante 


Das  bei  nreiner  Rechnung  benutzte  Material  bestand  nach  dem  Gesagten  einerseits 
aus  dem  von  Auwers  neu  reducirten  Kataloge  der  Bradley'schen  Sterne  für  die  Epoche 
1755,0,  andererseits  aus  dem  kürzlich  erschienenen  Kataloge^)  von  3542  am  Meridian- 
kreise in  Pulkowa  bestimmter  Sterne  für  die  Epoche  1855,0  und  den  beiden  Katalogen  der 
Pulkowaer  Hauptsterne  für  1845  und  1865,  von  denen  der  letztere  im  Manuscript  fertig 
vorliegt.  Die  in  dem  Kataloge  der  3542  Sterne  enthaltenen  Positionen  beruhen  auf  An- 
schlussbeobachtungen an  die  Hauptsterne,  für  deren  Oerter  bei  der  Bearbeitung  das  Mittel 
aus  den  beiden  Hauptsternkatalogen  für  1845  und  1865  benutzt  worden  ist.  Für  die  Decli- 
nationen  ist  dieser  Mittelkatalog  von  Herrn  Вас  kl  und  berechnet,  der  mir  denselben  freund- 
lichst zur  Benutzung  überliess;  für  die  Rectascensionen  habe  ich  ihn  selbst  berechnet,  nach- 
dem Wagner,  dessen  jüngst  erfolgten  Hingang  wir  so  tief  beklagen,  mir  eine  Copie  des 
von  ihm  definitiv  abgeleiteten  Katalogs  für  1865  gütigst  hatte  zukommen  lassen. 

Für  die  in  diesen  auf  die  Epoche  1855,0  bezogenen  Katalogen  enthaltenen  Bradley'- 
schen Sterne  (sämmtliche  bis  15°  südlicher  Declination)  wurden  darauf  unter  Anwendung 
der  von  0.  Struve  1841  abgeleiteten  Präcessionsconstante,  durch  Vergleichung  mit  dem 
Auwers-Bradley'schen  Kataloge  dieser  Sterne  für  1755,0,  die  Eigenbewegungen  abgelei- 
tet. Für  die  Sterne  von  weniger  als  80°  nördlicher  Declination  wurden  dabei  die  Präcessionen 
durchweg  berechnet  nach  der  bekannten  Formel 


\NQ  p\  p"  die  jährlichen  Präcessionen  für  die  resp.  Epochen  1755,  1805,  1855  bedeu- 
ten. Diese  Präcessionen  entnahm  ich  dem  Au  wer  s 'sehen  Kataloge  und  controlirte  sie  mit 
Hülfe  der  Angaben  in  dem  Kataloge  der  am  Meridiankreise  beobachteten  Sterne  für  1855 
und  dem  Fundamentalkataloge  für  1875.  Für  die  nördlicheren  Sterne  wurden  die  Eigen- 
bewegungen auf  solche  Weise  abgeleitet,  dass  ich  sowohl  die  Bradley'schen  wie  die  Pulko- 
waer Oerter  trigonometrisch  auf  die  Epoche  1805,0  reducirte. 

Bei  der  grossen  Menge  der  Eigenbewegungen  (nämlich  2558  in  Rectascension  und 
2597  in  Declination  von  im  Ganzen  2814  Sterne)  schien  es  mir  erlaubt,  aus  denselben  für 
meine  Zwecke  alle  diejenigen  auszuschliessen ,  die  auf  einer  einzelnen  Beobachtung  von 
Bradley  basiren.  Ebenso  sind  die  Eigenbewegungeu  der  wenigen  Sterne,  die  in  Pulkowa 
nur  ein  Mal  beobachtet  sind,  und  diejenigen  der  Hauptsterne,  welche  nur  in  einem  der  beiden 
Hauptsternkataloge  enthalten  sind,  ausgeschlossen  worden.  Diese  Ausschliessungen  betreffen 
361  Eigenbewegungen  in  Rectascension  und  236  in  Declination. 

In  Anbetracht  dessen,  dass  die  weitaus  grösste  Zahl  der  hier  benutzten  Sterne  zu  den 
helleren  Grössenclassen,  bis  zur  6.  incl.  gehört,  hielt  ich  es  für  geboten,  bei  der  Ableitung 


1)  Positions  moyennes  de  3542  étoiles  déterminées  à  1  1840 — 69  et  réduites  à  l'époque  1855,0.  St.  Péterb.  1886. 
l'aide  du  cercle  méridien  de  Poulkova  dans  les  années  I 


DER  Prä  CESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


3 


der  Präcessionsconstante  nach  dem  Vorgange  meines  Vaters  die  eigene  Bewegung  des  Son- 
nensystems zu  berücksichtigen.  Indem  ich  im  Wesentlichen  diesem  Beispiele  folgte,  bin  ich 
doch  in  einigen  Punkten  von  demselben  abgewichen.  Mein  Vater  bestimmt  in  seiner  Ab- 
handlung über  dasselbe  Thema  die  Präcessionsconstante  und  die  Geschwindigkeit  der  Son- 
nenbewegung, indem  er  die  Richtung  der  letzteren  nach  den  Rechnungen  von  Argelander 
und  Lundahl  als  bekannt  voraussetzt.  Nachträglich  erst  berechnet  er  die  an  diese  Rich- 
tung, den  ihm  vorliegenden  Daten  entsprechend,  anzubringende  Correction. 

Gegen  dies  Verfahren  hat  aber  Airy -)  gewichtige  Einwände  erhoben,  die  zwar  in 
erster  Linie  die  Bestimmung  der  Richtung  der  Sonnenbewegung  betreffen,  aber  auch  die 
Bestimmung  iher  Geschwindigkeit  berühren.  Er  macht  darauf  aufmerksam,  dass  es  zu  jener 
Zeit-(1859)  noch  nicht  möglich  war,  eine  Annahme  über  den  Punkt,  nach  welchem  hin  sich 
die  Sonne  bewegt,  zu  machen,  die  nicht  vielleicht  um  20°  fehlerhaft  wäre,  und  dieser  Ein- 
wand dürfte  fast  in  demselben  Maasse  auch  noch  heute  gelten.  Demzufolge  könne  es  viele 
Sterne  geben,  für  die  eine  kleine  Aenderung  im  Orte  dieses  Punktes  den  «angle  of  error» 
per  saltum  von  -4-179°  auf  —  179°  verändern  würde.  Unter  dem  «angle  of  error»  ver- 
steht Airy  den  Winkel  zwischen  der  wirklichen  scheinbaren  Bewegung  eines  Sterns  und 
der  Richtung,  die  dieselbe  haben  müsste,  wenn  sie  einzig  eine  Wiederspiegelung  der  Bewe- 
gung unserer  Sonne  wäre.  Er  hält  daher  die  angewandte  Methode  für  eine  nicht  genügend 
strenge  und  giebt  eine  andere  an,  die  von  jeder  willkürlichen  Annahme  über  die  Kenntniss 
eines  Näherungswerthes  für  die  Richtung  der  Sonnenbewegung  frei  ist. 

Airy  schlägt  bekanntlich  vor,  statt  einer  getrennten  Berechnung  der  Geschwindigkeit 
und  der  Richtung,  die  Sonnenbewegung  in  drei  rechtwinklige  Coordinaten  zu  zerlegen,  von 
denen  die  eine  nach  dem  Aequinoctialpunkte,  die  zweite  nach  dem  Punkte  des  Aequators, 
dessen  Rectascension  90°,  und  die  dritte  nach  dem  Nordpol  des  Aequators  gerichtet  ist. 
Sind  J^,  D,  g  die  Rectascension,  Declination  und  Geschwindigkeit  der  Sonnenbewegung,  so  ist 

X  =  q  cos  D  cos  A,    Y=q  cos  В  sin  Â,    Z=q  sm  D  (1) 

und  jeder  Stern,  dessen  Entfernung  von  der  Sonne  p  ist,  liefert  demnach  zur  Bestimmung 
von  X,  Y,  Z  und  der  Präcession  die  beiden  Gleichungen 

cos  ЗДш -b  sin  а  sin  8Аи -b       Z  —       Z=  Да  cos  S 

p  p 

.  cos  a  sia  â  sin  a  sin  5  -ѵт^      cos  d  ^  л 

cos  aÄw  -1  X  -i  Y  Z=  Д8, 

p  p  p  ' 

wo  m  und  n  ihre  Bedeutung  nach  Bessel  haben  und  Да  und  Д8  die  Eigenbewogungcn  des 
Sterns  in  Rectascension  und  Declination  sind. 


1)  0.  Struve,  Bestimmung  der  Constante  der  Präces- 
sion. Mémoires  de  l'Académie  Imp.  des  sciences  к  St.  Pé- 
tersbourg.  Sixième  série.  Tome  III. 


2)  On  tbc  Movement  of  tbe  Solar  System  in  Space. 
Memoirs  of  tlie  R.  Astronomical  Societj'.  Vol.  XXVIII. 

Ц  •  1* 


4 


L.  Ste-üve,  Bestimmung  dee  Constante 


Diese  Methode  verlangt  somit  die  Auflösung  von  Gleichungen  mit  vier  Unbekannten, 
erfordert  also  eine  erheblich  grössere  Arbeit,  als  beim  Verfahren  nach  der  Methode  von 
0.  Struve.  Obgleich  ich  nicht  glaube,  dass  die  Anwendung  dieser  strengeren  Formeln  zu 
wesentlich  genaueren  Resultaten  führt,  als  die  ältere  Methode,  habe  ich  mich  doch  ent- 
schlossen, meine  Rechnung  nach  ihnen  zu  führen,  weil  es  immerhin  ein  Vortheil  ist,  von 
allen  Annahmen  über  die  Werthe  von  A  und  D  unabhängig  zu  sein  und  weil  ich  die  nothwen- 
dige  Mehrarbeit  nicht  sehr  hoch  anschlage,  wenn  man,  wie  ich  es  that,  ohnehin  beabsichtigt, 
auch  die  Richtung  der  Sonnenbewegung  neu  zu  bestimmen.  In  Betreff  der  letzteren  würde 
es  sich  nämlich  sonst  leicht  als  nothwendig  erweisen,  die  Rechnung  mehrere  Male  zu  wie- 
derholen, bis  man  zu  Werthen  gelangt,  die  keine  wesentliche  Verbesserung  durch  weitere 
Umrechnung  erwarten  lassen.  So  hat  sich  z.  B.  Dr.  Bischof  bei  seiner  Berechnung  der 
Coordinaten  A  und  D  veranlasst  gesehen,  die  Rechnung  drei  Mal  durchzuführen. 

Bezeichnet  man  mit  ф  die  Lunisolar-Präcession,  mit  X  die  Präcession  durch  die  Pla- 
neten und  mit  «  die  Schiefe  der  festen  Ekliptik,  so  ist  bekanntlich 

m=Ticosö  —  %=Tfsin6). 

dt  dt  '  dt 

Wir  können  daher  die  Gleichungen  (2)  auch  schreiben: 

|(cos  ScoswH-sin  asinSsin«)A(-J')  -t-         — Z=^ÄacosOH-cos8(A  (^)  -•-  ) 


л         cos  а  sin  Ô  xr      sin  а  sin  о  -rr      cos  8  Г7  * 

cos  а  sin  CO  An  H  A  н  Y  —  z  =  Д  S  ч-  v, 


wobei  das  in  die  zweite  Potenz  der  Zeit  multiplicirte  Glied  in  der  Entwickelung  von  ф  als 
aus  der  Theorie  hinreichend  scharf  bekannt  vorausgesetzt  ist  und  \}.  und  v  etwaige  systema- 
tische Fehler  der  abgeleiteten  Eigenbewegungen  bedeuten. 

Nach  diesen  Gleichungen  müsste  die  Rechnung  durchgeführt  werden,  wenn  wir  keine 
Ursache  hätten  zur  Annahme,  dass  die  wahren  Eigenbewegungen  (motus  peculiares)  der  Sterne 
einem  bestimmten  Gesetze  folgten.  Doch  schon  der  die  Vertheilung  der  Sterne  auf  der  schein- 
baren Himmelskugel  lässt  eine  gewisse  Regelmässigkeit  der  Eigenbewegungen  als  wahrschein- 
lich annehmen.  Es  scheint  nothwendig,  dass  die  Eigenbewegungen  in  irgend  einem  Zusam- 
menhange mit  unserer  Milchstrasse  stehen,  denn  sonst  ist  es,  wie  Schönfeld  bemerkt,  kaum 
möglich,  das  Bestehen  der  Milchstrasse  zu  erklären;  «dieselbe  müsste  sich  mit  fortschreitender 
Zeit  mehr  und  mehr  auflösen  und  es  wäre  eigentlich  nur  ein  Zufall,  dass  wir  gerade  zu  der 
Zeit  leben,  in  der  dies  noch  nicht  stattgefunden  hat  —  eine  Annahme,  die  doch  wenigstens 
der  allseitigen  Prüfung  bedarf,  bevor  sie  als  plausibel  angenommen  werden  kann».  Durch 


1)  Untersuchungen  über  die  Eigenbewegung  des  Son-  1  2)  Vierteljahrsschrift  der  Astronomischen  Gesellschaft 
nensystems.  Bonn  1884.  Inaug.-Diss.  '  ^  I  XVII,  pag.  255. 


DEK  PeÄCESSION  und  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


5 


solche  Gründe  ist  offenbar  auch  J.  Herschel  bewogen  worden,  die  Hypothese  einer  sog. 
«Rotation  in  der  Ebene  der  Milchstrasse»  aufzustellen.  Nach  ihm  sollten  sich  die  Sterne  im 
Allgemeinen  in  kreisförmigen  Bahnen  bewegen,  die  parallel  zur  Ebene  der  Milchstrasse  sind, 
d.  h.  die  ganze  Fixsternwelt  soll  wie  ein  fester  Körper  um  eine  zur  Ebene  der  Milch- 
strasse senkrechte  Axe  rotiren.  Im  einzelnen  Falle  ist  diese  Hypothese  gewiss  falsch;  es 
wird  aber  angenommen,  dass  sich  die  Abweichungen  von  derselben  bei  einer  grösseren  An- 
zahl von  Sternen  aufheben. 

Diese  Hypothese  scheint  mir  sehr  gewagt  und  keineswegs  nothwendig  zur  Erklärung 
der  Existenz  der  Milchstrasse.  Man  könnte  z.  B.  auch  die,  wie  mir  scheint,  viel  plausibelere 
Hypothese  machen,  dass  der  Schwerpunkt  unseres  Fixsternsystems  in  der  Ebene  der  Milch- 
strasse liegt,  und  dass  alle  Sterne  sich  in  Bahnen  bewegen,  deren  Ebenen  durch  diesen 
Schwerpunkt  hindurchgehen.  Damit  könnte  die  Existenz  der  Milchstrasse  gleichfalls  erklärt 
werden,  ohne  dass  es  nöthig  wäre,  alle  Sterne  sich  in  Ebenen  bewegen  zu  lassen,  die  parallel 
zur  Milchstrasse  sind.  Es  ist  aber  in  derThat  vorläufig  noch  nicht  möglich,  diese  Hypothese 
durch  die  Rechnung  zu  prüfen,  da  wir  keine  Kenntniss  von  der  Lage  des  Schwerpunkts  un- 
seres Fixsternsystems  haben.  Zwar  hat  Seeliger  eine  diesbezügliche  Untersuchung  ver- 
sucht, hat  sich  aber  auf  die  nördliche  Halbkugel  beschränken  müssen,  da  es  für  die  südliche 
leider  noch  keine  vollständige  Durchmusterung  giebt.  Es  wäre  für  viele  Fragen  der  Stellar- 
astronomie sehr  zu  wünschen,  dass  wir  bald  in  den  Besitz  einer  ebenso  vollständigen  Durch- 
musterung des  ganzen  südlichen  Himmels  kämen,  wie  wir  es  für  den  nördlichen  und  einen 
Theil  des  südlichen  schon  sind.  Für  die  Erklärung  des  Bestehens  der  Milchstrasse  scheint 
es  durchaus  nicht  erforderlich,  dass  sich  die  Sterne  vorwiegend  in  demselben  Sinne  bewegen, 
obwohl  zugestanden  werden  muss,  dass  diese  Annahme  einiges  für  sich  hat. 

In  Betreff  der  angeführten  Herschel'schen  Hypothese  einer  Rotation  in  der  Ebene 
der  Milchstrasse  hat  vor  wenigen  Jahren  Dr.  Rancken  eine  Rechnung^)  ausgeführt,  ge- 
stützt auf  die  von  Argelander  im  VII.  Bande  der  Bonner  Beobachtungen  und  die  von  Dr. 
L.  de  Ball  in  seiner  Inauguraldissertation^)  hergeleiteten  Eigenbewegungen  der  Sterne,  de- 
ren galaktische  Breiten  zwischen  -+-30'^  und  —  30°  liegen,  und  ist  bei  Ableitung  der  Ro- 
tationscon staute  aus  den  Rectascensionen  und  Declinationen  zu  übereinstimmenden  Resul- 
taten gelangt.  Ebenso  hat  auch  Dr.  Bolte^)  aus  den  Katalogen  von  Schjellerup  und  La- 
lande  für  beide  Coordinaten  übereinstimmende  Resultate  erlangt,  die  aber  allerdings  von 
den  Rancken'schen  bedeutend  abweichen.  Hierdurch  und  noch  mehr  durch  den  Umstand, 
dass  eine  solche  Autorität  wie  Schönfeld  neuerdings  dazu"  aufgefordert  hat,  die  genannte 
Hypothese  durch  die  Rechnung  zu  prüfen,  wurde  ich  bewogen,  ausser  den  in  den  Gleichun- 


1)  Sitzungsberichte  der  math.-pliys.  Classe  der  Königl. 
Bayrischen  Akad.  der  Wissensch.  1884.  Heft  4. 

2)  Astronomische  Nachrichten  №  2482. 


3)  Untersuchungen  über  die  eigene  Bewegung  des  Son- 
nensystems. Bonn  1877. 

4)  Untersuchungen  über  die  Präcessiousconstante.  Bonn 
1883.  Inaug.-Diss. 


6 


L.  Struve,  Bestimmung  der  Constante 


gen  (2)  und  (2*)  enthaltenen  Unbekannten,  noch  die  Rotationsconstante  als  solche  einzu- 
führen. 

Bezeichnen  wir  mit  l,  b,  r  die  galaktocentrischen  Länge,  Breite  und  Radiusvector  eines 
Sterns,  so  ist  der  Hypothese  zufolge 

dl  -—-  const.         db  =  0       dr  =  0 

Es  seien  ferner  Q  und  i  die  Rectascension  des  aufsteigenden  Knotens  der  Milchstrasse 
im  Aequator  und  die  gegenseitige  Neigung  beider  Ebenen  (es  ist  nicht  nothwendig  anzu- 
nehmen, dass  die  den  angenommenen  galaktocentrischen  Coordinaten  entsprechende  Milch- 
strasse genau  mit  der  sichtbaren  zusammenfällt,  obwohl  sie  ihr  gewiss  nahe  kommen  wird) 
und  a,  rf,  die  galaktocentrischen  Rectascension,  Declination  und  Radiusvector  der  Sonne, 
so  leitet  Schönfeld  die  Formeln  ab: 


(3). 


Да  cos  S  =  cos  8  (Am  -+-  cos  idl)  -t-  sin  a  sin  8  (An  -н  cos  Q  sin  idl) 

cos  D  cos^  H-  Tf^dl  (cos  i  cos  dsina-t-  cos  Q  sin  i  sin  d)^ 
■rßl  (cos  г  cos  d  cos  а — sin  Q  sin  i  sin  d)| 
cos  а  sin  8  sin  Q.  sin  idl 


sm  < 
P 


Cosa  7-^   .  à 

 ^|дсо8і)вшл- 


AS  =  cos  a  (Д  w  -H  cos  й  sin  idl) 


-t-  ^"^  "    ^1  q  cos  D  cos  Л  -»-  rßl  (cos  г  cos  d  sin  а  -i-  cos  й  sin  i  sin 


sin  а  sin  01 


cos  Û 
P~ 


q  cos  Z)  sin  Л  —  rßl  (cos  г  cos  cos  а  —  sin  Q.  sin  г  sin  d)^ 
q  sinD  — rßl  sin  г  cos   cos  (a  —  Q  )|  -t- sin  а  sin  Q^sinicZZ 


Aus  diesen  Gleichungen  ersieht  man,  dass  wir  auf  diesem  Wege  nie  zu  einer  Kenntniss 
der  wirklichen  Werthe  der  Präcessionsconstante  und  der  Eigenbewegung  des  Sonnensystems 
gelangen  können,  wenn  sich  ein  reeller  Werth  für  die  Unbekannte  sin  Q.  sin  i  dl  ergiebt. 
Die  Präcessionsconstante  könnten  wir  allerdings  rein  erhalten,  wenn  wir  die  weitere  Hypo- 
these machen,  dass  die  Ebene,  in  der  die  Rotation  vor  sich  geht,  der  Ebene  des  Kreises 
genau  parallel  ist,  der  sich  unserer  sichtbaren  Milchstrasse  am  nächsten  anschliesst,  für  die 
Sonnenbewegung  können  wir  aber  keine  reinen  Resultate  erhalten,  da  wir  über  die  Grössen 
d,     keine  begründete  Annahme  zu  machen  vermögen. 

Die  Gleichungen  (3)  lassen  sich  auch  schreiben  : 


I  cos  8 Дш'  -ь-  sin  а  sin  8Д w'  -ь  X  ■ 
I  p 


(3*). 


—  Y'—  cos  a  sin  8  M  =  Да  cos  8 

p 


cos  аД»г 


а  sin  d 


Х^ 


Y'  -+- 

р 


sinaM—  Д8 


1)  а.  а.  О.  pag.  256. 


DER  PkÄCESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


7 


und  sind  also  bis  auf  die  neu  hinzutretende  Unbekannte  и  =  sin  Q  sin  i  dl  von  derselben 
Form  wie  die  Gleichungen  (2),  nur  haben  die  Unbekannten  hier  eine  andere  Bedeutung  als 
dort,  sobald  der  Werth  von  и  von  0  verschieden  ist. 

Um  die  Rechnung  nach  diesen  Formeln  ausführen  zu  können,  ist  vor  allen  Dingen  eine 
genäherte  Kenntniss  von  p  erforderlich,  was  ohne  Hypothese  im  Allgemeinen  noch  nicht 
möglich  ist.  Ich  verfuhr  dabei  in  derselben  Art  wie  0.  Struve  in  seiner  Abhandlung  über 
die  Präcessionsconstante,  indem  ich  die  gewiss  höchst  wahrscheinliche  Annahme  machte, 
dass  die  Anzahl  der  Sterne  bis  zu  einer  gewissen  Grössenclasse  dem  Cubus  der  mittleren 
Entfernung  der  Sterne  dieser  Grösse  von  uns  angenähert  proportional  ist.  Diese  Entfernun- 
gen entnahm  ich  den  «Études  d'' astronomie  stellaire»  von  W.  Struve,  der  sie  bekanntlich 
nach  der  angeführten  Hypothese  unter  Berücksichtigung  der  abnehmenden  Dichtigkeit  der 
Sterne  mit  der  Entfernung  von  der  Ebene  der  Milchstrasse  berechnet  hat.  Für  die  ersten 
sechs  Grössenclassen  giebt  W.  Struve  die  Entfernungen  für  die  Sterne  nach  den  Grössen 
der  Argelander'schen  Uranometrie  und  für  die  folgenden  nach  den  Bessel'schen  Schätzun- 
gen in  dessen  Zonen.  Da  aber  die  auch  in  den  Pulkowaer  Katalogen  angewandten  Grössen 
des  von  Auwers  neu  bearbeiteten  Katalogs  derBradley'schen  Sterne  für  die  helleren  Sterne 
hauptsächlich  auf  der  Uranometrie  von  Argelander,  für  die  schwächeren  auf  der  Bonner 
Durchmusterung  beruhen,  so  musste  ich  für  die  Sterne  der  7-ten  und  8-ten  Grösse  diese 
Entfernungen  erst  berechnen.  Dies  that  ich  unter  Benutzung  der  Seeliger'schen  Zählung 
der  Sterne  der  Bonner  Durchmusterung  nach  den  Vorschriften  von  W.  Struve,  jedoch  ohne 
auf  die  verschiedenen  Dichtigkeiten  der  Schichten  parallel  zur  Milchstrass«  Rücksicht  zu  neh- 
men, was,  wie  ich  meine,  wegen  der  solchen  Untersuchungen  nothwendig  anhaftenden  Un- 
sicherheit, kaum  von  Belang  sein  dürfte.  Damit  erhielt  ich  die  folgenden  Werthe  für  die 
mittleren  Entfernungen  (p)  der  Sterne  der  einzelnen  Grössenclassen  : 


(p) 

p 

1'" 

1,0000 

0,13 

2 

1,8031 

0,23 

3 

2,7639 

0,36 

4 

3,9057 

0,51 

5 

5,4545 

0,70 

6 

7,7258 

1,00 

7 

11,55 

1,49 

8 

17,40 

2,25 

Diese  Zahlen  weichen  nicht  bedeutend  von  denen  ab,  die  mein  Vater  nach  den  in  der 
Einleitung  zum  uCatalogus  novus  stellarum  duplicium»  (1827)  veröffentlichten  Untersuchun- 
gen vonW.  Struve  angewandt  hat,  beruhen  aber  auf  einer  neueren  und  eingehenderen  Dis- 
cussion dieses  Gegenstandes.  Die  mittlere  Distanz  (p)  der  Sterne,  die  bei  meiner  Rechnung 
zur  Anwendung  kamen,  ist  ungefähr  7;  es  ist  deshalb  vortheilhaft,  die  mittlere  Entfernung 


8 


L.  St  EU  VE,  Bestimmung  DEK  Constante 


der  Sterne  6-ter  Grösse  als  Einheit  anzunehmen.  Die  dieser  Einheit  entsprechenden  Ent- 
fernungen p  sind  in  der  dritten  Columne  des  obigen  kleinen  Täfelchens  gegeben. 

Neuerdings  ist  von  Gyldén^)  die  hier  angewandte  Hypothese  über  die  relativen  Ent- 
fernungen der  Sterne  dahin  modificirt  worden,  dass  er  die  Entfernung  eines  bestimmten 
Sterns  setzte,  wo  a  eine  Constante  ist,  p  die  obige  Bedeutung  hat,  ferner  n  die 

mittlere  Eigenbewegung  (im  Bogen  des  grössten  Kreises)  der  Sterne  der  Grössenclasse  und 
n  die  Eigenbewegung  des  bestimmten  Sterns  bedeuten.  Diese  Hypothese  beruht  auf  der 
gewiss  sehr  richtigen  Voraussetzung,  dass  die  Sterne  mit  starker  Eigenbewegung  uns  wahr- 
scheinlich im  Allgemeinen  näher  sein  werden,  als  die  schwach  bewegten  Sterne.  Trotzdem 
habe  ich  von  der  Gyldén'schen  Formel  keine  Anwendung  gemacht,  da  sie  mir  doch  etwas 
zu  weitgehend  zu  sein  scheint,  namentlich  aber,  weil  sie  die  Rechnung  so  compliciren  würde, 
dass  sie  kaum  mehr  zu  bewältigen  wäre. 

Um  zu  untersuchen  wie  sich  die  Entfernungen  der  Sterne  der  verschiedenen  Grössen - 
classen  in  den  Eigenbewegungen  aussprechen,  nahm  ich  das  Mittel  v  aus  den  Eigenbewegun- 
gen in  100  Jahren  (im  Bogen  des  grössten  Kreises)  der  Sterne,  deren  Grössen  sich  nach 
der  Auwers'schen  Angabe  um  nicht  mehr  als  0'"2  von  einer  vollen  Grössenclasse  unter- 
scheiden, und  fand  damit: 


Grösse. 

Anzahl  der 

Sterne. 

v' 

1"' 

9 

66;'5 

6i:5 

2 

22 

17,2 

34,8 

3 

51 

16,5 

22,2 

4 

106 

16,2 

15,6 

5 

318 

8,3 

11,4 

6 

647 

8,0 

8,0 

7 

92 

■  6,8 

5,4 

8 

11 

12,5 

3,6 

Mit  Ausnahme  der  mittleren  Eigenbewegung  der  Sterne  8-ter  Grösse  zeigen  diese 
Zahlen  in  der  That  eine  Abnahme  mit  steigender  Grössenclasse.  Die  Zahlen  v  sind  mit 
Hülfe  der  oben  angegebenen  relativen  Entfernungen  unter  Annahme  der  mittleren  Eigen- 
bewegung 8^'0  für  die  Sterne  6-ter  Grösse  berechnet  worden.  Die  Uebereinstimmung  zwi- 
schen den  Zahlen  v  und  v  ist  keine  sehr  befriedigende,  es  ist  jedoch  nicht  nöthig,  den  Grund 
dafür  in  einem  Mangel  der  Hypothese  über  die  Entfernungen  der  Sterne  zu  suchen.  Das 
Verhältniss  der  abgeleiteten  mittleren  Eigenbewegungen  muss  ja  nothwendig  durch  die  Be- 
obachtungsfehler und  durch  die  in  ersteren  noch  enthaltene  Correction  der  Präcessions- 
constante  verkleinert  werden.  Ferner  ist  wohldie  Anzahl  der  Sterne  der  l-ten,  2-ten  und 
8-ten  Grösse  zu  klein,  um  eine  Ausgleichung  in  Betreff  der  mittleren  Grösse  der  Eigen- 


1)  Vierteljahrsschrift  der  Astronomischen  Gesellschaft.  XII,  pag.  299  ff. 


DEE  PrÄCESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


9 


bewegungen  zu  bewirken.  Bei  den  Sternen  8-ter  Grösse  wird  z.  B.  die  mittlere  Eigenbewe- 
gung sofort  auf  8^'8  herabgedrückt,  wenn  der  eine  Stern  Br.  1534,  dessen  Eigenbevvegung 
in  100  Jahrem  49^1  beträgt,  ausgeschlossen  wird;  auch  dürfte  es  vielleicht  zweifelhaft  erschei- 
nen, ob  die  hier  benutzten  Sterne  8-ter  Grösse  mit  Recht  dieser  Grössenclasse  zuzuzählen 
sind.  Schon  der  Umstand,  dass  sie  von  Bradle}-  beobachtet  sind,  lässt  bei  ihnen  eine  grös- 
sere Helligkeit  vermuthen. 

Für  die  einzelnen  Sterne  erster  Grösse  verschiedene  Entfernungen  nach  ihrer  Hellig- 
keit bei  meiner  Rechnung  anzunehmen,  wie  es  0.  Struve  gethan  hat,  hielt  ich  nicht  für  er- 
forderlich bei  der  grossen  Zahl  der  von  mir  überhaupt  benutzten  Sterne  und  weil,  wie  wir 
gleich  sehen  werden,  das  Gewicht  für  die  Sterne  erster  Grösse  so  klein  ist,  dass  es  fast  auf 
dasselbe  herausläuft,  ob  man  sie  überhaupt  mitnimmt  oder  nicht.  Aus  diesem  Grunde  ist  es 
auch  ohne  Bedeutung,  dass  ich  die  Eigenbeweguugen  der  Sterne  Sirius  und  Procyon,  die  ich 
wegen  ihrer  bekannten  Ungleichförmigkeit  vielleicht  besser  hätte  ausschliessen  sollen,  mit- 
genommen habe.  Von  viel  grösserem  Belang  ist  ein  anderer  Umstand.  In  dem  von  mir  berechne- 
ten Kataloge  der  Eigenbewegungen  sind  einige  so  stark  bewegte  Sterne  enthalten,  dass  ihre 
Eigenbewegungen  auf  das  Endresultat  von  bedeutendem  Einfluss  sein  könnten,  wenn  man  sie 
den  beobachteten  Grössen  entsprechend  einführte.  Diese  Sterne  sind  uns  wahrscheinlich  sehr 
viel  näher,  als  die  übrigen  Sterne  derselben  Grössenclasse.  Daher  entschloss  ich  mich,  die,  wie 
ich  zugeben  muss,  willkürliche  Grenze  zu  ziehen,  dass  ich  alle  Sterne  ausschloss,  deren  Ei- 
genbewegungen die  berechnete  mittlere  Eigenbewegung  v  der  Sterne  derselben  Grössenclasse 
um  mehr  als  das  Zehnfache  übertreffen.  Von  dieser  Censur  werden  folgende  7  Sterne  be- 
troffen ^):  40  Eridani  =  Br.  578,  81  Cancri  =  Br.  1298,  51  Leonis  min.  =Br.  1534,  83 
Leonis  =Br.  1568,(7Draconis  =  Br.  2505,  61  Cygni  =  Br.  2744,85  Pegasi=Br.  3198. 
Von  diesen  Sternen  hätte  ich  zwar  61  Cygni,  dessen  Entfernung  bekannt  ist,  mitnehmen 
können,  wenn  man  die  mittleren  Parallaxen  der  Sterne  der  verschiedenen  Grössenclassen  ken- 
nen würde.  Die  von  Peters  und  Gyldén  abgeleiteten  Werthe  für  die  mittleren  Parallaxen 
beruhen  aber  auf  zu  wenig  Sternen,  um  sicher  zu  sein,  und  es  ist  jetzt  noch  nicht  möglich, 
ohne  weitere  Hypothesen,  eine  neue  Berechnung  derselben  zu  unternehmen,  da  die  meisten, 
wenn  nicht  alle,  in  den  letzten  Decennien  bestimmten  Parallaxen  nur  solchen  Sternen  ange- 
hören, von  denen  es  von  vornherein  wahrscheinlich  ist,  dass  sie  uns  besonders  nahe  sind. 

Ferner  habe  ich  die  veränderlichen  Sterne  ausgeschlossen,  deren  Helligkeit  um  mehr 
als  eine  Grösse  variirt^j,  und  endlich  von  den  wenigen  physischen  Doppelsternen,  deren  beide 
Componenten  bestimmt  waren,  die  schwächeren  Begleiter^).  Nach  Ausschluss  dieser  wenigen 
Sterne  blieben  mir  noch  2181  Eigenbewegungen  in  Rectascension  und  2345  in  Declination 
von  im  Ganzen  2509  Sternen  nach,  die  ich  meiner  Rechnung  zu  Grunde  legen  konnte. 


1)  Infolge  eines  Versehens  habe  ich  den  Stern  cï  Tri- 
anguli  =  Br.  317  mitgenommen,  der  auch  hätte  ausge- 
schlossen werden  sollen,  weil  er  ein  wenig  die  gesteckten 
Grenzen  überschreitet. 

Mémoires  de  l'Aoad.  Imp.  des  sciences.  Vllme  Série. 


2)  0  Ceti  =  Br.  329,  ß  Persei  =  Br.  436,  i?  Leonis  =  Br. 
1373, 45  Aquilae  =  Br.  2526,  ^  Cephei  =  Br.  2973. 

3)  S  694  =  Br.  1730,  ai  Librae  =  Br.  1893,  vi  Draco- 
nis  =  Br.  2222,  Ъ  2308  =  Br.  2318. 

2 


10 


L.  St  EU  VE,  Bestimmung  dee  Constante 


Bei  der  Bestimmung  der  Gewichte,  die  den  einzelnen  Gleichungen  zukommen,  verfuhr 
ich  nach  dem  Vorgange  von  0.  Struve,  Sei  x  der  mittlere  Fehler  der  abgeleiteten  Eigen- 
bewegung, in  Abhängigkeit  von  der  Genauigkeit  der  Positionen  in  den  beiden  Katalogen, 
und  X  die  mittlere  eigenthümliche  Bewegung  eines  Sterns  6-ter  Grösse,  so  ist  der  mittlere 
Fehler  einer  Gleichung  für  einen  Stern  6-ter  Grösse  =  У  x^  -t-  X^^).  Da  x  für  alle  Sterne  als 
gleich  angenommen  werden  kann,  X  dagegen  mit  zunehmender  Entfernung  des  Sterns  ab- 
nimmt, so  ist  der  mittlere  Fehler  einer  Gleichung  für  einen  Stern,  dessen  Entfernung  p  ist, 
=  "j/x"  -+-  Setzen  wir  daher  das  Gewicht  einer  Gleichung  für  einen  Stern  6-ter  Grösse 
=  1,  so  ist  das  Gewicht  einer  Gleichung  für  einen  Stern  einer  anderen  Grösse 

P=   ^ 

Nehmen  wir  nun  nach  0.  Struve  an,  dass  der  mittlere  Fehler  einer  abgeleiteten 
Eigenbewegung  halb  so  gross  ist,  als  die  eigenthümliche  Bewegung  eines  Sterns  6-ter  Grösse, 
also  Y.  =  W  so  folgt 


Um  zu  untersuchen,  auf  welchen  Werth  von  y.  diese  Annahme  führt,  können  wir  in 
erster  Annäherung  die  mittlere  Eigenbewegung  eines  Sterns  6-ter  Grösse  uns  entstanden 
denken  aus  dem  Fehler  >c,  der  mittleren  eigenthümlichen  Bewegung  X  und  der  Geschwin- 
digkeit q  des  Sonnensystems.  Es  ist  dann  8^'0^  =  -+- X^ -+- q^.  0,  Struve  findet  für  die 
hundertjährige  Bewegung  der  Sonne,  gesehen  aus  der  Entfernung  eines  Sterns  6-ter.  Grösse 
den  Werth  q  =  é^'S .  Mit  diesem  Werthe  erhalten  wir  unter  Berücksichtigung  der  vorstehen- 
den Annahme  über  das  Verhältniss  von  x  zu  X,  x  =  З^'О.  Auwers  giebt  für  den  wahrschein- 
lichen Fehler  einer  auf  einer  einzelnen  Beobachtung  beruhenden  Bradley'schen  Rectascen- 
sion  den  Ausdruck  yO!107^-j-Oî055^sec^8  ^).  Nehmen  wir  an,  die  benutzten  Sterne  seien  von 
Bradley  durchschnittlich  nur  zweimal  beobachtet,  und  der  mittlere  Fehler  einer  Pulkowaer 
Rectascension  sei  =t  0'05  sec  8,  welche  Annahme  gewiss  keine  Ueberschätzung  der  Ge- 
nauigkeit einschliesst ,  so  folgt  daraus  für  den  mittleren  Fehler  eines  abgeleiteten  Д  a  cos  S 
für  Sterne  im  Aequator  (dem  ungünstigsten  Falle)  (x)  =  2^'8,  welcher  Werth  bei  zunehmen- 
der Entfernung  vom  Aequator  abnimmt  und  am  Pole  nur  noch  1%  beträgt.  Für  die  Decli- 
nationen  ist  eine  solche  Rechnung  schwerer  auszuführen  wegen  der  variirenden  Genauigkeit 
der  Bradley'schen  Declinationsbestimmungen;  jedenfalls  würde  man  auch  aus  ihnen  für  den 
mittleren  Fehler  einer  abgeleiteten  Eigenbewegung  einen  kleineren  Werth  als  den  oben  für  x 


1)  Auf  die  Anzahl  der  Beobachtungen  ist  bei  der  Ab-  1  2)  Neue  Réduction  der  Bradley'schen  Beobachtun- 
leitling  der  Gewichte  keine  Rücksicht  genommen.  I  gen.  Vol.  III,  pag.  19. 


DER  PeÄCESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS.  1 1 

gefundenen  erhalten.  Der  Werth  x  =  З^'О  ist  also  olfenbar  zu  gross,  wollte  man  aber  das  Ver- 
hältniss  von  X  zu  X  noch  verkleinern,  so  würden  die  Sterne  8-ter  Grösse  ein  so  hohes  Ge- 
wicht erhalten,  wie  es  ihnen  nicht  zukommt,  wenn  man  bedenkt,  dass  diese  Sterne  für  die 
Instrumente  von  Bradley  sehr  schwach  waren  und  daher  von  ihm  seltener  und  wahrschein- 
lich weniger  sicher  beobachtet  sind.  Die  gegebene  Formel  führt  zu  folgenden  Gewichten  für 
die  Gleichungen  aus  den  Sternen  der  verschiedenen  Grössenclassen  : 


Г"  ^=0,021 

2  0,065 

3  0,157 

4  0,305 

5  0,546 

6  1,000 

7  1,784 

8  2,794 


Wollte  man  nun  die  Gleichungen  (3*)  für  alle  einzelnen  Sterne  aufstellen  und  mit  Be- 
nutzung dieser  Gewichte  nach  der  Methode  der  kleinsten  Quadrate  auflösen,  so  würde  das 
eine  ungeheure,  kaum  ausführbare  Arbeit  kosten.  Um  mir  die  Sache  zu  erleichtern,  ohne 
der  Genauigkeit  wesentlich  Eintrag  zu  thun,  theilte  ich  sämmtliche  Sterne  nach  Zonen  von 
15°  Breite  in  Declination.  Die  ersten  beiden  Zonen,  von  —  15°  bis  0°  und  von  0°  bis  н- 15°, 
theilte  ich  wieder  in  je  24  Abschnitte  nach  den  Stunden  der  Rectascension;  die  anderen  Zo- 
nen theilte  ich  in  ähnliche  Trapeze,  aber  so,  dass  der  Flächeninhalt  eines  jeden  derselben 
dem  Inhalte  eines  Trapezes  in  einer  der  beiden  ersten  Zonen  möglichst  gleichkomme.  Sind 
\  und  §2  die  Grenzen  einer  Zone,  so  ergiebt  sich  die  Anzahl  der  in  ihr  enthaltenen  Trapeze 
durch  die  Formel 

  12  sia  15° 

^         .       —  d,  0,-+-^, 

sm  -2  L  cos  -2  ^ 

2  2 

Nach  dieser  Formel  fand  ich  für  die  einzelnen  Zonen: 


Grenzen  der 

Anzahl  der  Trapeze 

Zone. 

berechn. 

angen. 

Ä 

—  15° 

bis  0° 

24 

24 

в 

0 

»  15 

24 

24 

с 

15 

»  30 

22,4 

23 

D 

30 

»  45 

19,2 

20 

E 

45 

»  60 

14,7 

15 

F 

60 

»  75 

9,8 

10 

G 

75 

»  90 

3,2 

4 

Wie  man  sieht,  habe  ich  die  Anzahl  der  sphärischen  Trapeze  bis  auf  die  der  beiden 
ersten  Zonen  immer  ein  wenig  grösser  angenommen,  als  sie  die  Rechnung  ergiebt,  um  ihre 

2* 


12 


L.  Steuve,  Bestimmung  der  Constante 


Ausdehnung  in  Rectascension  nicht  zu  gross  zu  raachen.  Namentlich  bei  der  nördlichsten 
Zone  G  wäre  es  entschieden  nicht  richtig,  die  Trapeze  (hier  natürlich  Dreiecke)  in  Rectas- 
cension über  mehr  als  90°  auszudehnen.  Aus  den  Oertern  und  Eigenbewegungen  der  Sterne 
der  einzelnen  Grössenclassen,  die  in  jedem  dieser  Trapeze  enthalten  waren,  nahm  ich  dann 
das  arithmetische  Mittel  und  stellte  für  dieses  Mittel  die  Gleichungen  nach  (3*)  auf.  Diese 
Gleichungen  wurden  unter  Rücksichtnahme  auf  die  oben  angegebenen  Gewichte,  die  hier 
natürlich  mit  der  Anzahl  der  Sterne  multiplicirt  werden  mussten,  zu  einer  Gleichung  für 
jedes  Trapez  zusammengezogen.  Die  wenigen  südlicher  als  —  15°  liegenden  Sterne  habe  ich 
mit  den  Sternen  der  Zone  Ä  vereinigt.  Wie  ich  mich  überzeugt  habe,  ist  dies  Verfahren 
bei  den  ersten  sechs  Zonen  hinreichend  genau,  bei  der  nördlichsten  Zone  (7  jedoch  nicht 
mehr,  wegen  der  grossen  Ausdehnung  derselben  in  Rectascension.  Daher  habe  ich  für  die 
in  jedem  Dreiecke  dieser  Zone  enthaltenen  Sterne  einzeln  die  Gleichungen  aufgestellt  und 
dieselben  dann  mit  Rücksicht  auf  ihre  Gewichte  zu  einem  Mittel  vereinigt. 

Damit  reducirt  sich  die  Aufgabe  auf  die  Auflösung  von  je  120  Gleichungen  für  die 
beiden  Coordinaten,  entsprechend  den  120  sphärischen  Trapezen.  Das  folgende  Tableau 
enthält  diese  Gleichungen  zugleich  mit  den  ihnen  zukommenden  Gewichten.  Da  die  nach 
den  oben  gegebenen  Vorschriften  direct  berechneten  Gewichte  p  im  Allgemeinen  sehr  gross 
sind,  habe  ich  sie  mit  0,064  multiplicirt,  um  als  mittleres  Gewicht  einer  Gleichung  1,00  zu 
erhalten.  Damit  erhielt  ich  die  Gewichte  p^,  welche  bei  der  Auflösung  der  Gleichungen  an- 
gewandt wurden. 


Gleichungen  in  Rectascension. 


p 

0-C 

1  -bO,99Aw'— 0,02Дп'-ьО,15Х 

—0,94  F -4-0,1  Iw 

=-«-  2;'o6 

18,03 

1,15 

-4-  o;'53 

2 

1,00 

—0,03 

-ьО,29 

—0,82 

-f-0,09 

—  0,80 

20,56 

1,32 

—  1,83 

3 

1,00 

—0,06 

-4-0,64 

—0,86 

H-0,08 

H-  0,14 

15,19 

0,99 

—  1,18 

4 

1,00 

—0,07 

-t-0,77 

—0,64 

-4-0,05 

—  3,48 

13,61 

0,87' 

—  3,88 

5 

0,99 

—0,11 

-i-1,09 

—0,42 

-4-0,04 

—  2,38 

15,34 

0,98 

—  1,97 

6 

0,99 

—0,13 

-i-1,16 

—0,17 

-4-0,02 

—  3,31 

20,89 

1,34 

—  1,87 

7 

0,98 

—0,17 

-1-1,26 

-4-0,14 

—0,02 

—  3,76 

6,84 

0,44 

—  1,07 

8 

0,98 

—0,16 

-f-0,99 

-h0,44 

—0,07 

—  4,53 

8,26 

0,53 

—  0,47 

9 

0,99 

—0,11 

H-0,88 

-4-0,65 

—0,08 

—  8,52 

10,94 

0,70 

—  3,45 

10 

0,99 

—  0,08 

-f-0,65 

-4-0,81 

—0,10 

—  3,52 

19,21 

1,23 

-4-  2,33 

11 

0,99 

—0,05 

-1-0,44 

-hO,93 

—0,09 

—  10,18 

13,98 

0,89 

—  3,74 

12 

0,99 

—0,03 

-4-0,24 

-4-1,29 

—0,15 

—  5,02 

4,10 

0,26 

3,05 

13 

1,00 

-1-0,02 

—0,22 

-4-1,09 

—0,09 

—  8,12 

9,55 

0,61 

—  0,73 

14 

0,99 

-1-0,06 

—0,35 

-4-0,82 

—0,13 

—  7,10 

21,03 

1,35 

—  0,83 

15 

0,99 

-1-0,08 

—0,66 

-4-0,88 

—  0,11 

—  7,96 

16,49 

1,06 

-  1,34 

16 

0,98 

-1-0,11 

—0,89 

-4-0,69 

—0,09 

—  2,53 

11,80 

0,76 

-4-  3,33 

17 

0,99 

-ь-0,12 

—1,16 

H-0,55 

—0,06 

H-  6,97 

6,17 

0,39 

-4-12,33 

18 

0,99 

-1-0,15 

—1,35 

-4-0,18 

—0,02 

—  2,63 

4,58 

0,29 

1,20 

DER  PrÄCESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS.  13 


Ä  19  -нО,99Дш'-»-0,08Дм'— 1,10Z'— < 


20 

0,99 

-+-0,10 

—  1,00 

—  0,43 

21 

0,98 

-«-0,13 

—0,88 

—0,66 

22 

0,99 

-1-0,08 

—0,60 

—0,78 

23 

0,99 

н-0,06 

—  0,35 

—  0,82 

24 

0,99 

-1-0,01 

—0,12 

—0,98 

В  1- 

4-0,99 

-4-0,02 

-»-0,12 

— 0,93 

2 

0,99 

-1-0,05 

-4-0,32 

—  0,85 

3 

0,99 

-1-0,10 

н-0,65 

—  0,86 

4 

1,00 

-f-0,09 

-4-0,98 

— 0,76 

5 

0,99 

-4-0,16 

-4-1,03 

— 0,44 

6 

0,99 

-»-0,1 1 

-»-1,08 

— 0,14 

7 

0,98 

-1-0,19 

-1-1,03 

-4-0,10 

8 

0,99 

н-0,10 

-4-0,96 

-4-0,39 

9 

0,98 

н-0,13 

-4-0,85 

-»-0,67 

10 

0,99 

-»-0,10 

-»-0,64 

-»-0,86 

11 

1,00 

-»-0,04 

-4-0,36 

-»-0,86 

12 

1,00 

-»-0,01 

-4-0,15 

-»-1,08 

13 

0,99 

—0,02 

—0,11 

-1-0,93 

14 

0,99 

—  0,04 

-0,44 

-4-1,15 

15 

0,99 

—0,08 

—0,70  . 

-1-0,93 

16 

0,99 

—  0,09 

—0,76 

-4-0,60 

17 

0.99 

—0,12 

—0,82 

-4-0,34 

18 

1,00 

—0,12 

-1,42 

-4-0,16 

19 

1,00 

—0,12 

—  1,21 

—0,23 

20 

0,99 

—0,12 

—0,92 

—0,36 

21 

0,99 

—0,13 

—0,86 

—  0,70 

22 

0,99 

—  0,07 

—0,67 

—0,89 

23 

1,00 

—0,03 

—  0,39 

—  1,01 

24 

1,00 

—0,01 

—  0,14 

—  1,05 

G  1н-0,94 

.  А  л  г; 

-ь  и,ио 

-4-и,1  4 

2 

0,94 

-4-0,14 

-»-0,41 

—0,89 

3 

0,93 

-»-0,23 

-4-0,64 

—0,79 

4 

0,92 

-»-0,32 

-»-0,81 

—0,56 

5 

0,95 

-нО,30 

-4-0,91 

—0,36 

6 

0,93 

-4-0,36 

-4-0,91 

—0,07 

7 

0,92 

н-0,38 

-f-0,91 

-+-0,19 

8 

0,92 

-4-0,35 

-4-0,86 

-4-0,47 

9 

0,93 

-4-0,28 

-ьО,66 

-4-0,60 

10 

0,93 

н-0,19 

-+-0,48 

-4-0,76 

И 

0,92 

-ьО,11 

-»-0,28 

-4-0,95 

12 

0,91 

—0,02 

—0,05 

-4-1,12 

13 

0,93 

—0,09 

—0,24 

-4-0,98 

Р  Рі  0-С 

"-+-0,01г«=—  і;'85  11,34  0,73  -»-  о;'34 

-4-0,04  -4-  0,57  16,03  1,03  -4-  1,62 

-4-0,10  -+-  0,28  18,50  1,18  -+-  0,37 

-ьО,10  -4-  0,01  23,35  1,49  —  0,56 

-нО,15  —  1,26  43,12  2,76  —  2,07 

-4-0,09  -4-  2,02  18,81  1,20  -»-  0,41 

—0,15  -+-  1,32  31,81  2,04  —  0,13 

—0,12  —  0,30  20,18  1,29  —  1,40 

—  0,14  —  2,86  14,89  0,94  —  4,03 
—0,07  -4-  0,04  9,16  0,59  —  0,74 
—0,07  -+-  3,84  26,76  1,71  -4-  4,47 
—0,01  —  1,73  22,34  1,43  0,13 
-4-0,02  —  1,83  10,91  0,70  -4-  1,14 
-»-0,04  —  3,74  15,03  0,96  -4-  0,42 
-+-0,10  —  4,47  14,98  0,96  -+-  0,94 
-»-0,13  —  6,16  22,41  1,43  -4-  0,11 
-+-0,09  —  6,47  31,32  2,00  —  0,17 
-4-0,10  —  3,98  16,42  1,05  3,28 
-»-0,14  —  9,14  17,69  1,13  —  2,54 
-»-0,11  —14,50  6,64  0,41  ~  6,90 
-»-0,10  —  3,48  6,55  0,42  -»-  3,19 
н-0,06  —  5,68  16,78  1,06  —  0,44 
н-0,05  —  4,70  25,66  1,64  —  0,61 
-ьО,01  —  1,18  7,18  0,46  н-  2,30 
—0,02  —  1,53  7,95  0,51  н-  0,22 
—0,04  н-  3,24  22,50  1,44  н-  4,33 

—  0,11  н-  0,66  16,95  1,07  н-  0,26 

—  0,10  н-  0,50  15,09  0,97  —  0,69 
—0,08  н-  6,46  15,47  0,99  н-  4,77 
—0,08  —  0,01  20,52  1,31  —  1,92 

—0,33  н-  0,97  20,91  1,38  —  0,78 

—0,31  н-  1,65  32,44  2,08  -»-  0,33 

—0,29  н-  2,28  33,78  2,23  н-  1,42 

—0,22  н-  0,25  39,16  2,51  н-  0,41 

—0,12  н-  3,37  39,62  2,54  н-  4,43 

—0,02  —  1,86  45,85  2,93  н-  0,48 

н-0,07  —  3,79  42,31  2,71  —'0,34 

н-0,19  —  5,13  31,95  2,04  —  0,49 

н-0,25  —  7,45  30,50  1,95  —  2,26 

н-0,30  —12,24  17,52  1,12  —  6,43 

н-0,36  —  9,18  21,27  1,36  —  2,62 

-+-0,40  —  4,94  20,91  1,34  н-  2,27 

н-0,36  —  6,13  12,82  0,82  н-  0,48 


14 


L,  Struve,  Bestimmung  dee  Constante 


С14ч-0,92Дш'— 0,19Ди'-0,61Х'-н1,< 


15 

0,94 

— 0,27 

—0,93 

-t-0,79 

16 

0,92 

— 0,33 

— 1,07 

H- 0,61 

17 

0,91 

—  0,40 

— 1,04 

-»-0,24 

18 

0,92 

— 0,40 

— 1,16 

— 0,05 

19 

0,93 

— 0,34 

—  0,96 

—0,39 

20 

0,92 

— 0,32 

—  0,93 

— 0,61 

21 

0,92 

— 0,24 

—0,70 

—0,90 

22 

0,93 

— 0,15 

— 0,48 

— 1,08 

23 

0,92 

— 0,05 

—  0,14 

— 0,95 

и   1  — 

-1— и,  1  \j 

.   A  1  С 

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— 1,1 1 

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0 

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— 1— 1,ZD 

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D 

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-»-U,l  < 

7 

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.   A  Л  9 

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8 

0,82 

-b-0,42 

-ь0І72 

~»-0,72 

9 

0,81 

-»-0,27 

H-0,48 

-»-0,96 

10 

0,76 

-+-0,12 

-+-0,24 

-1-1,20 

11 

0,76 

— 0,15 

— 0,25 

-»-1,07 

12 

0,85 

—0,31 

— 1,18 

-»-1,62 

13 

0,81 

—0,44 

—  1,14 

-»-1,01 

14 

0,82 

—0,51 

—0,98 

-»-0,46 

15 

0,83 

—0,55 

—  1,72 

-»-0,24 

16 

0,81 

—0,57 

— 1,40 

—0,26 

17 

0,80 

— 0,53 

— 0,99 

—0,55 

18 

0,78 

—0,46 

— 0,85 

— 0,79 

19 

0,79 

—0,24 

—0,44 

—  1,02 

20 

0.80 

— 0,12 

— 0,21 

— 1,05 

1  -+-0,64 

-+-0,18 

.   A  Q  Q 

-f-U,oo 

—  l,o  / 

2 

0,63 

H- 0,43 

H-0,62 

—0,93 

3 

0,64 

-1-0,65 

-h0,96 

—0,61 

4 

0,67 

-1-0,74 

-+-0,90 

—0,08 

5 

0,62 

-i-0,73 

-h0,91 

-»-0,34 

6 

0,62 

-f-0,53 

-t-0,78 

-f-0,83 

7 

0,55 

H-0,35 

-»-0,55 

-»-1,18 

8 

0,61 

H- 0,03 

-»-0,04 

-1-1,19 

9 

0,61 

—0,36 

—0,56 

-»-1,11 

10 

0,70 

—  0,51 

—0,76 

-»-0,77 

11 

0,64 

—  0,74 

—  1,25 

-»-0,29 

12 

0,59 

—0,79 

-1,21 

—  0,19 

13 

0,65 

—  0,66 

—  1,06 

—0,61 

T9\ 

( 

H-0,33W=: 

—  7;o6 

12,00 

0,77 

о;'74 

-»-0,23 

—  3,08 

11,62 

0,74 

-»- 

2,68 

-»-0,19 

—  4,75 

10,08 

0,65 

-»- 

0,16 

-»-0,09 

—  4,27 

11,86 

0,76 

— 

1,07 

—0,01 

—  1,84 

12,44 

0,80 

-+- 

0,15 

—0,14 

—  1,29 

26,12 

1,67 

— 

0,71 

—0,21 

-  2,11 

25,71 

1,65 

— 

2,50 

—0,30 

-+-  2,49 

9,52 

0,61 

-»- 

0,89 

—0,34 

-»-  6,19 

10,23 

0,65 

-+- 

3,89 

—0,38 

H-  5,06 

23,93 

1,53 

-+- 

3,33 

— 0,60 

—  0,71 

14,04 

0,90 

— 

3,38 

— 0,50 

-»-  6,14 

14,34 

0,92 

4,21 

— 0,44 

-»-  2,44 

8,45 

0,54 

0,59 

— 0,25 

—  1,02 

15,19 

0,97 

— 

0,56 

— 0,09 

H-  1,47 

14,98 

0,96 

-+- 

3,03 

-+-0,09 

—  4,52 

8,34 

0,53 

1,29 

-»-0,24 

—  1,24 

9,93 

0,64 

3,15 

-»-0,41 

—  7,66 

17,98 

1,15 

2,10 

-«-0,52 

—  7,14 

23,08 

1,48 

0,68 

-»-0,64 

—  15,89 

8,74 

0,56 

8,64 

-bO,63 

—  10,87 

9,42 

0,60 

— 

4,38 

-»-0,42 

—  3,36 

0,30 

0,02 

5,77 

-1-0,39 

—  1,51 

5,50 

0,35 

-»- 

4,71 

-»-0,24 

—  4,48 

10,66 

0,68 

— 

0,71 

-»-0,07 

—  2,55 

2,87 

0,18 

-»- 

0,42 

—0,11 

—  0,48 

10,61 

0,68 

-»- 

0,18 

—0,29 

—  0,47 

17,21 

1,10 

— 

1,14 

—0,43 

-t-  0,63 

17,20 

1,10 

— 

1,04 

—0.57 

—  0,39 

8,94 

0,57 

— 

2,91 

—  0,60 

—  1,74 

12,92 

0,83 

— 

4,28 

— 0,76 

-+-  3,46 

9,39 

0,60 

— 

0,66 

— 0,65 

H-  0,65 

14,70 

0,94 

1,38 

A  /1  A 

A  Q  1 
—  U,o  1 

11/17 
1 1,4  / 

и,  /  о 

—0,06 

—  3,09 

8,76 

0,57 

1,05 

-»-0,28 

—  3,08 

9,75 

0,62 

0,63 

-4-0,57 

—  1,76 

8,43 

0,54 

-+- 

3,88 

-»-0,75 

—  6,04 

6,25 

0,40 

0,78 

-+-0,78 

—  2,97 

5,37 

0,34 

-»- 

3,78 

-»-0,70 

—  9,93 

9,00 

0,58 

3,83 

-»-0,53 

—  10,22 

3,39 

0,22 

5,47 

H-0,17 

—  1,46 

6,04 

0,39 

-»- 

0,90 

—0,13 

-»-  0,03 

6,40 

0,41 

0,13 

—  0,38 

—  1,06 

12,59 

0,81 

2,51 

DER  PeÄCESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


15 


г;і4-нО,63Дш'— 0,44Aw— 0,72X'— 1,07Г 

— 0,63w= 

-1- 

4;' 13 

10,45 

0,67 

о;'8і 

15 

0,64 

—  0,15 

—  0,22 

—1,20 

 0,75 

1  ■ 

2,90 

10  73 

0  69 

0,73 

F  1 

-+-0,39 

-+-0,29 

-t-0,32 

—0,97 

—0,87 

-+- 

4,42 

17,10 

1,09 

1,51 

2 

0,40 

-ьО,86 

-ь-0,63 

—0,22 

—  0,30 

6,70 

1,78 

0,11 

7,62 

3 

0,47 

-f-0,85 

-+-0,77 

—  0,13 

—0,18 

— 

2,57 

5,57 

0,36 

— 

1,11 

4 

0,42 

-j-0,72 

н-0,83 

н-0,64 

-+-0,54 

2,55 

19,12 

1,22 

1,93 

5 

0,41 

-+-0,29 

-нО,39 

-+-1,24 

-ь0,86 

5,89 

3,86 

0,25 

-+- 

0,78 

6 

0,41 

—0,41 

—0,79 

-+-1,52 

-+-0,81 

2,13 

0,71 

0,05 

-ь 

5,23 

7 

0,40 

—0,84 

—  1,51 

-+-0,77 

-+-0,35 

-»- 

0,90 

0,61 

0,04 

-+- 

4,66 

8 

0,36 

—0,93 

-1,17 

—  0,03 

—0,05 

-н 

3,68 

0,83 

0,63 

3,70 

9 

0,43 

—  0,74 

—  1,04 

—  0,75 

—0,53 

-+- 

2,15 

10,12 

0,65 

0,58 

10 

0,44 

—0,33 

—  0,39 

—  1,00 

—0,84 

1,97 

14,22 

0,91 

5,42 

G  1 

-^-0,13 

-н0,18 

-нО,17 

—0,91 

-0,97 

-+- 

3,19 

8,93 

0,57 

0,24 

2 

0,13 

-+-0,48 

-f-0,55 

-+-1,01 

-+-0,86 

9,38 

1,55 

0,10 

4,26 

3 

.0,14 

—0,14 

—0,20 

-+-0,86 

-+-0,94 

-+- 

1,90 

9,73 

0,62 

5,87 

4 

0,14 

—  0,44 

—  0,48 

—0,68 

—0,76 

-»- 

4,23 

20,23 

1,33 

1,27 

GleichuD^en  in  Declinatiou. 


A  1 

-+-0,98Д»г'— 0,13X' 

— 0,02Г 

— 0,94Z' 

-1-0,1 6г(= 

5;'1о 

18,03 

1,15 

2'!  4 

2 

-+-0,94 

—  0,08 

—0,03 

—0,88 

-ьО,33 

4,06 

20,56 

1,32 

1,31 

3 

4-0,80 

—0,08 

—  0,06 

—  1,02 

-+-0,60 

8,38 

18,97 

1,21 

5,58 

4 

-1-0,60 

—0,06 

—0,08 

—0,97 

-1-0,80 

5,28 

13,04 

0,83 

2,88 

5 

-+-0,37 

—0,06 

—  0,15 

—  1,18 

-+■0,93 

2,86 

16,56 

1,06 

0,49 

6 

-f-0,12 

—0,02 

—0,26 

—  1,21 

-+-0,99 

0,38 

17,57 

1,12 

-+- 

2  22 

7 

—0,09 

-4-0,02 

—  0,14 

—1,05 

-+-1,00 

-н 

0,23 

8,37 

0,54 

-+- 

1^95 

8 

—0,43 

-+-0,08 

—  0,16 

—  1,13 

-+-0,90 

4,42 

8,11 

0,52 

3,09 

9 

—0,60 

-+-0,09 

—0,12 

—  1,07 

н-0,80 

0,40 

11,94 

0,76 

-+- 

0,72 

10 

—0,77 

H-0,10 

—0,08 

—  1,00 

-1-0,64 

-+- 

0,47 

20,99 

1,34 

н- 

1,37 

11 

—0,91 

-+-0,08 

—0,04 

—0,95 

-+-0,41 

0,16 

16,55 

1,06 

н- 

0,59 

12 

—0,99 

-+-0,19 

—0,03 

—  1,30 

-1-0,17 

-н 

5,11 

4,10 

0,26 

н- 

6,47 

13 

—0,99 

-+-0,10 

-♦-0,02 

—  1,00 

—0,17 

0,70 

13,18 

0,84 

-н 

0,22 

14 

—0,92 

-+-0,10 

-1-0,04 

—0,85 

—0,39 

-+- 

0,15 

23,60 

1,51 

-+- 

0,91 

15 

—0,80 

-+-0,11 

-+-0,08 

—  1,02 

—  0,60 

3,34 

19,06 

1,22 

2,01 

16 

—0,62 

-1-0,11 

H-0,14 

-1,11 

—  0,78 

3,33 

11,31 

0,72 

1,45 

17 

—  0,43 

-+-0,07 

-t-0,16 

—1,33 

—0,90 

18,79 

5,19 

0,33 

16,20 

18 

—  0,14 

-1-0,03 

-+-0,20 

—1,35 

—  0,99 

3,58 

4,58 

0,29 

0,51 

19 

-+-0,14 

—  0,02 

-i-0,10 

—  1,14 

—  0,99 

5,99 

12,05 

0,77 

3,28 

20 

-+-0,39 

—0,04 

-+-0,10 

—  1,09 

—0,91 

0,16 

15,03 

0,96 

-+- 

2,74 

21 

H-0,60 

—0,10 

-+-0,13 

—  1,08 

—  0,79 

2,62 

18,50 

1,18 

-+- 

0,58 

22 

-»-0,78 

-0,11 

-4-0,08 

—1,03 

—  0,62 

3,86 

19,78 

1,27 

0,68 

23 

-hO,93 

—0,13 

-ï-0,06 

—0,88 

—0,38 

2,03 

43,12 

2,76 

0,96 

24 

-+-0,99 

—0,11 

-+0,02 

—0,97 

—0,13 

0,50 

19,26 

1,23 

2,63 

16  L.Steuve,  Bestimmung  dee  Constante 


0-C 

В  1 

н-0,99Ди 

-і-0,14Х 

-<-0,02F 

— 0,92Z' 

h-0,13m  = 

— з;'оо 

28,24 

1,81 

— o;'o3 

2 

-<-0,93 

-1-0,11 

-h0,04 

—  0,92 

-1-0,35 

—5,33 

17,40 

1,11 

—  2,37 

3 

-н0,80 

-t-0,14 

-1-0,10 

—  1,07 

-1-0,59 

—  5,27 

13,89 

0,89 

—1,99 

4 

-f-0,61 

-1-0,07 

-1-0,12 

—  1,23 

-+-0,79 

—  1,29 

9,16 

0,59 

-h2,16 

5 

-1-0,40 

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DER  PeÄCESSION  UND  DEE  EIGENEN  BEWEGUNG  DE8  SONNENSYSTEMS. 


17 


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Mémoires  de  l'Acad.  Ішр.  des  sciences.  Vllme  Série. 


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3 


18 


L.  Steh  VE,  Bestimmung  der  Constante 


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-1-1,93 

—0,50 

—0,28 

24,76 

1,59 

—0,67 

Die  Behandlung  dieser  Gleicliimgen  naöli  der  Methode  der  kleinsten  Quadrate  führt 
zu  folgenden  Systemen  von  Endgleichungen  : 

aus  den  Kectascensionen: 

-1-92,69 Am'       4,81Aw'  -+-10,26Z'  — 10,66  Г'  —  2,39 ад  =  —  204;Ч2 

-1-  4,81        -н10,60        -+-19,22  -ь  1,79  -t-  1,56       —  15,89 

-+-10,26        н-19,22        -4-65,25  -•-  3,12  1,82        —  47,49 

—  10,66        -+-  1,79        -ь  3,12  -1-64,87  -+-19,58  —253,86 

—  2,39        -н  1,56        н-  1,82  н-19,58  -ь11,87       —  77,70 


Ы  =  —2",12Ъ  т.  F.  =  =!г0;'263 

Ди'  =  -1-1,368  ±1,129 

X'  =  —0,493  ±0,450 

Y'  =  —4,386  ±0,437 

и    =  —0,037  ±1,012 

aus  den  Declinationen: 

-1-63,31  Ди'  -+-23,11  X'  —  1,65  Г    —    7,69Z'    —  4,29м=—  76,22 

-1-23,11        -1-17,61        —  1,40  —    2,93        —  1,80        —  23,66 

—  1,65        —  1,40        -1-16,52  —    3,69        -+-23,31        —  50,74 

—  7,69        —  2,93        —  3,69  -1-104,99        —12,62  -і-228,25 

—  4,29        —  1,80        -1-23,31  —  12,62        -і-60,34        —  73,30 

woraus: 

An'  =  — 1;'090  'm.  F.  =  ±0^355 

X'  =  -1-0,206  ±0,672 

Y'  =  —3,284  ±0,743 

Z'   =  -+2,033  ±0,202 

и    =  -1-0,408  ±0,392 


DER  PrÄCESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


19 


Die  beiden  Werthe  von  и  zeigen,  dass  sich  in  den  Bewegungen  der  Sterne  gar  keine 
Andeutung'  einer  Rotation  von  der  oben  erwähnten  Art  ausspricht.  Nehmen  wir  an,  die  Ro- 
tationen gingen  in  parallelen  Ebenen  zu  der  Ebene  der  sichtbaren  Milchstrasse  vor  sich,  so 
können  wir  angenähert  setzen  Q,  =  280^,  г  =  62°  30'  und  erhalten  damit  aus  den  Rectas- 
censionen  und  Declinationen  für  dl  die  Werthe  -+-  0^^042  ±  1  58  und  —  0'^467  ±  0^'449, 
also  aus  beiden  Bestimmungen  zusammen: 

dl  =  — 0;'413  -J=  0;'424 

Bemerkenswerth  ist  die  gute  Uebereinstimmung  dieses  Werthes  mit  dem  von  Dr.  Bol  te 
für  dieselbe  Grösse  gefundenen").  Aus  den  von  Dr.  Bolte  gegebenen  drei  Werthen  von  dl, 
die  für  ein  Zeitintervall  von  65  Jahren  gelten,  erhält  man  nämlich  für  100  Jahre 
dl  =  —  0^'355,  —  0^'477,  —  0^496.  Hiernach  könnte  man  Realität  der  gefundeneu  Ro- 
tationsconstante  voraussetzen,  doch  muss  man  diese  Uebereinstimmung  für's  Erste  wohl  nur 
als  eine  rein  zufällige  ansehen,  auch  lassen  sich  beide  Bestimmungen  durchaus  nicht  mit  der 
von  Dr.  Rancken  gefundenen  (-i-  5^645  aus  den  Rectascensionen  und  -+-  2^'385  aus  den 
Declinationen)  in  Harmonie  bringen.  Die  Rancken'schen  Werthe  haben  darin  etwas  für 
sich,  dass  sie  nur  aus  Sternen  in  der  Nähe  der  Milchstrasse  gezogen  sind,  und  es  sehr  wohl 
möglich  ist,  dass  diese  Sterne  eine  gemeinsame  Rotation  besitzen,  die  sich  aber  in  der  Ge- 
sammtheit  aller  Sterne  nicht  ausspricht.  Dies  wäre  z.  B.  der  Fall,  wenn  der  Schwerpunct 
unseres' Fixsternsystems  in  der  Ebene  der  Milchstrasse  liegt  und  die  Sterne  sich  in  ebenen 
Bahnen  um  ihn  bewegen,  derart,  dass  der  Sinn  dieser  Bewegung  im  Allgemeinen  derselbe 
ist.  Demzufolge  scheint  es  mir  vorläufig  das  Richtigste,  von  einer  allgemeinen  Rotation  des 
Fixsternsystems  gänzlich  abzusehen,  und  ich  habe  daher  die  Gleichungen  noch  einmal  auf- 
gelöst, indem  ich  bloss  eine  Verbesserung  der  Präcessionsconstante  und  die  eigene  Bewegung 
des  Sonnensystems  als  Unbekannte  einführte.  Die  Gleichungen  (2*)  lieferten  folgende  Nor- 
malgleichuDgen,  die  sich  aus  den  oben  gegebenen  leicht  berechnen  lassen: 

aus  den  Rectascensionen: 

-I- 83,1 9 ä(^)-i-  17,06  X—  9,07  Y=  —  193;'84 -i- 86;'94(a(§)  ~i-  u.) 
-b  17,06         -t- 65,25     ~t-   3,12    =—  47,49-1-10,26 
—  9,07         H-   3,12    -b  64,87    =—253,86  —  10,66 


1)  Die  angegebenen  Fehler  sind  immer  mittlere,  1  2)  Untersuchungen  über  die  Constante  der  Präcessiou 
nicht  wahrscheinliche.  |  pag.  23. 

3* 


20 


L.  S  т  R  и  V  E ,  Bestimmung  der  Constante 


woraus  : 


д(|^)  =  H-  2;'8471  -+-  i;'0691  (д(|^)  -H  11.)         m.  F.  =  -J=  o;'2852 


X  0,2232  —  0,1218  (^A(^^)  Ч- {j-j  ±0,3196 

Y  =  —  4,3223  —  0,0090  (a (^J) -+- ix)  rt  0,3141 

aus  den  Declinationen: 

-»-63,31  Ли -ь- 23,1  IX—   1,65  Г—  7,69Z  =  —  7б'22  н-     б;'і7ѵ  . 

-ь  23,11      4-  17,61    —  1,40    —  2,93    =—  23,66-ь  3,49 

—  1,65      —   1,40    -ь  16,52    -  3,69  50,74-1-  1,68 

—  7,69     —  2,93    —  3,69    -1-  104,99    =  и- 228,25  —  105,15 

woraus: 

An  =  —  i;'l206  —  0;'0686  V  т.  F.  =  d-  0",ѢЬд8 
X  =  H-  0,2447      0,1109  V  ±  0,6708 

Г  =  —  2,7152  —  0,1208  V  ±  0,5027 

Z  =  H-  2,0024  —  1,0077  v  ±  0,1996 

Aus  dem  Werthe  von  àn  erhält  man  durch 

Д     j  —  àn  cosec  6) 

für  die  Correction  der  angenommenen  hundertfachen  Präcessionsconstante: 

д('|^)  =^  _  2;'8142  —  0;'1723  v         m.  F.      ±  o;'8884 

Vergleicht  man  die  beiden  aus  den  Rectascensionen  und  Declinationen  erhaltenen 
Werthsysteme,  so  fällt  sofort  die  überraschend  gute  Uebereinstimmung  der  beiden  für  die 
hundertmalige  Correction  der  Präcessionsconstante  erhaltenen  Werthe  auf.  Wie  die  beige- 
fügten mittleren  Fehler  beweisen,  ist  diese  Uebereinstimmung  übrigens  bloss  eine  zufällige 
zu  nennen.  Da  die  gefundene  Correction  um  das  Zehnfache  den  aus  den  Rectascensionen 
und  um  das  Dreifache  den  aus  den  Declinationen  gefundenen  mittleren  Fehler  übersteigt, 
so  verlangen  die  benutzten  Kataloge  offenbar  mit  grosser  Entschiedenheit  eine  recht  be- 
trächtliche Verkleinerung  der  Präcessionsconstante,  wie  man  auch  aus  den  Gleichungen  un- 
mittelbar erkennt.  Vereinigen  wir  die  beiden  Werthe  für  diese  Correction  unter  Berück- 
sichtigung der  sich  aus  den  mittleren  Fehlern  ergebenden  Gewichte,  so  erhalten  wir  den 
definitiven  Werth 

д('^)=  _  2'8440      0;'9692  (^Д(|)-і-  jxj  —  o;'0161  v  ±  o;'2715, 
welcher  für  die  Epoche  1805  gilt.  Die  von  meinem  Vater  abgeleitete  Präcessionsconstante 


DEE  PeÄCESSION  UND  DEE  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


21 


hat  für  1800  den  Werth  бО^'ЗТЭЗ.  Nimmt  man  also  die  von  Peters  berechnete  Variation 
dieser  Grösse  als  exact  an,  so  ergiebt  sich  aus  meiner  Rechnung  für  1800 

^  =  50;'3514  -I-  0;'0097  (д(^)-ь  [x)  -  0;'0002  v  ±:  0;'0027 

Im  Folgenden  gebe  ich  eine  Vergleichung  dieses  Werthes  der  Lunisolar  Präcession 
mit  den  von  anderen  Berechnern  der  Zeit  nach  für  dieselbe  Grösse  gefundenen  Werthen: 


Bessel 

50;'3635 

0.  Struve 

50,3798 

Nyrén 

50,3269 

Dreyer 

50,3820 

[  50,3584 

Boite 

!  50,3570 

l  50,3621 

L.  Struve 

50,3514 

Die  von  mir  berechnete  Präcessionsconstante  ist  also  nächst  der  Nyrén'schen  die 
kleinste  von  allen.  Von  den  angeführten  Bestimmungen  sind  ausser  der  meinigen  noch  die 
beiden  von  Bessel  und  meinem  Vater  einerseits  auf  die  Bradley'schen  Beobachtungen 
gegründet.  Nun  giebt  Auwers  -ь  0^'84  als  Correction  des  Aequinoctium  der  Fundamental). 
Hätte  ich  also  meiner  Rechnung  statt  des  neuen  Katalogs  der  Bradley'schen  Sterne  von 
Auwers  die  Fundamenta  (für  Nutation  corrigirt)  zu  Grunde  gelegt,  so  würde  ich  die  Prä- 
cessionsconstante um  0,0097  X  0^'84  =  O^'OOSl  grösser  erhalten  haben,  d.  h.  den  Werth 
50^'3595,  der  mit  den  Werthen  von  Bessel  und  Dr.  Bolte  fast  identisch  ist.  Eine  etwa  an 
die  Declinationen  anzubringende  constante  Correction  wäre,  wie  man  sieht,  so  gut  wie  ganz 
ohne  Einfluss  auf  das  Resultat;  es  muss  also  angenommen  werden,  dass  der  übrig  bleibende 
Unterschied  zwischen  den  Bestimmungen  von  0.  Struve  und  mir  durch  die  Fehler  der  Be- 
stimmungen der  Aequinoctien  für  1825  und  ^Mi^iises  g„^g|.gjj(jg^  jg^  j;[un  giebt  New- 
comb  —  О^'бЗ  als  wahrscheinliche  Correction  der  Rectascensionen  von  Dorpat  1825.  Nimmt 
man  diese  Correction  an,  so  muss  die  von  meinem  Vater  aus  den  Rectascensionen  berech- 
nete Präcessionsconstante  um  —  —  —  0^^0090  corrigirt  werden.  Da  die  wahrscheinli- 
chen Fehler  der  von  ihm  aus  den  Rectascensionen  und  Declinationen  gefundenen  Werthe 
resp.  ±0^'67  und  ±  0'^86  sind,  so  folgt  daraus  die  Correction  —  0^'0056  seiner  Präcessi- 


1)  Dieser  Werth  ist  der  von  Schönfeld  corrigirte 
Dreyer'sche  (Vierteljahrsschrift  der  Astron.  Gesellschaft 
XVII  p.  253)  unter  Annahme  der  Differenz  0'^1387  nach 
Peters  zwischen  der  Lunisolar-  und  der  allgemeinen 
Präcession.  Der  von  Dreyer  selbst  gegebene  Werth  ist 
um  0"0068  kleiner. 


2)  Neue  Réduction  der  Bradley'schen  Beobachtun- 
gen. Vol.  III  pag.  57. 

3)  Vierteljahrsschrift  der  Astronomischen  Gesellschaft 
XIII  pag.  108. 


.22 


L.  S  TE  и  VE,  Bestimmung  dee  Constante 


onsconstante;  sie  würde  also  =  60",3742.  Der  Unterschied  zwischen  den  Werthen  dieser 
Constante  nach  meinem  Vater  und  mir,  der  früher  0^'0284  betrug,  ist  damit  auf  0^'0147, 
also  auf  wenig  mehr  als  die  Hälfte  seines  früheren  Betrages  herabgedrückt  worden.  Dieser 
kleine  Unterschied  kann  aber  vollständig  durch  die  Unsicherheit  der  beiderseitigen  Bestim- 
mungen erklärt  werden,  da  der  mittlere  Fehler  der  Bestimmung  meines  Vaters  ±0^0112 
beträgt,  also  nicht  viel  kleiner  ist,  wie  dieser  Unterschied  selbst. 

Um  zu  prüfen,  welchen  Einfluss  die  eigene  Bewegung  des  Sonnensystems  auf  die  Be- 
stimmung der  Präcessionsconstante  ausübt,  habe  ich  in  den  Normalgleichungen  Х=У—2=  о 
gesetzt  und  damit  erhalten: 

aus  den  Rectascensionen  =  — 2"3S0     m.  F.  =  ±0^440 

>>    »   Declinationen     Ä(^g)  =  — 3,024  rtO,950, 

also  im  Mittel,  unter  Berücksichtigung  der  Gewichte 

д(^)  =  _  2;'453  ±  0;'399 

Die  Präcessionsconstante  wird  demnach  nur  wenig  geändert.  Der  gefundene  Werth  ist 
also  von  der  Bewegung  des  Sonnensystems  fast  ganz  unabhängig,  was  jedenfalls  nur  dazu 
beitragen  kann,  das  in  ihn  zu  setzende  Vertrauen  zu  erhöhen.  Auch  die  Uebereinstimmung 
der  Resultate  aus  den  Rectascensionen  und  Declinationen  ist  eine  zufriedenstellende,  wenn 
auch  keine  so  gute  wie  oben.  Dagegen  wird  das  Gewicht  der  Bestimmung  erheblich  verklei- 
nert. Die  Berücksichtigung  der  Sonnenbewegung  ist  daher  entschieden  vortheilhaft,  auch 
ist  dieselbe  in  den  Gleichungen  mit  einer  solchen  Evidenz  zu  erkennen,  dass  eine  Vernach- 
lässigung derselben  nicht  erlaubt  erscheint. 

Was  die  übrigen  Unbekannten  betrifft,  so  ist  auch  hier  die  Uebereinstimmung  der  aus 
den  Rectascensionen  und  Declinationen  erhaltenen  Werthe  eine  zufriedenstellende  zu  nen- 
nen. Um  aus  den  gegebenen  Werthen  für  die  Componenten  der  Bewegung  des  Sonnensy- 
stems die  uns  mehr  interessirenden  Werthe  von  A,  Z),  q  zu  erhalten,  setzen  wir  der  Kürze 
halber  : 

X  =  g-*-g' 
Z  =  к  -\-k' 

wo  die  accentuirten  die  von  etwaigen  systematischen  Correctionen  der  Eigenbewegungen 
abhängigen  Glieder  bezeichnen. 

Berechnet  man  jetzt     und      aus  den  Formeln 


tang  A,  =  j 


tang  D„  =  , 


DER  PrÄCESSION  und  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS.  23 

SO  wird  mit  genügender  Annäherung: 

T)        T)    .  L_     (g-  ■+-  h-)  h'  —  Jc  {(jcj'  hh') 

^  —  -^0       sia  1'  ■  {g^  -H  /j2  H-  k^)  УдгГ^2 

Um  die  mittleren  Fehler  dieser  Grössen  zu  erhalten,  haben  wir,  wenn  wir  die  mittle- 
ren Fehler  von  X,  Г,  Z  resp,  mit  s^,  e^,  г^.  bezeichnen. 


sin  1'  (Х2  Ч-  Г2  -t-  Z2)  у  Х2  -Ь  Г2 


Bei  der  Berechnung  der  mittleren  Fehler  habe  ich  auf  eine  etwaige  Correction  der 
Rectascensions-  und  Declinationsunterschiede  und  der  Präcession  durch  die  Planeten  keine 
Rücksicht  genommen  und  daher  in  diesen  Formeln  für  X,  Z,  Z  unmittelbar  }і  ange- 
nommen. Damit  wird 

aus  den  Rectascensionen 

Л=     272°  57'    —  100;3  (д(§)-ьіі.)  m,  F.  =±    4°  14' 
aus  den  Declinationen 

A  =     275°    9'    -H  125;6  ѵ  т.  F,  =  ±  14°  4' 

D=r-*-  36    19    —  903,5  V  ^=    5  45 

g  =  H-  з;'3832   —  0,4918  v  ±  o;'4232 

Vereinigt  man  die  aus  den  Rectascensionen  und  Declinationen  erhaltenen  "Werthe  für 
X  und  Y  mit  Rücksicht  auf  die  ihnen  zukommenden  Gewichte,  so  erhält  man: 

X  =  0;'2271  —  0;'0993  (д(§)  -i-  [л)  -н  o;'0205  v  m.  F.  ±  0;'2885 
Y  =  —  3,8710  —  0,0065  (^Д(§)  -ь-  [х]  —  0,0339  v  ±  0,2664, 

woraus  sich,  mit  Rücksicht  auf  den  Werth  von  Z,  als  definitive  Werthe  der  Unbekannten 
ergiebt  für  1805: 


24  L.SïRUVE,  Bestimmung  der  Constante 

A=  273°  2Г   —  88;2(д(§)-1-11.)-+-    19;9  v     w.  F.  =  ±  4°  16' 

D=-+-27   19     ~    2,2  (д(^) -4-1*,)—  699,4  V  ±1  43 

q  =-ь4;'3642  — 0;'0109  (a(§)  -f-      —  o;'2463v  ±  0,2539 

Die  Uebereinstimmuiig  der  aus  den  Rectascensionen  und  Declinationen  gewonnenen 
Werthe  für  Ä  ist  als  eine  befriedigende  zu  bezeichnen.  Zur  Vergleichung  gebe  ich  im  Fol- 
genden ein  Verzeichniss  der  mir  bekannten  früheren  Bestimmungen  von  А  und  D,  reducirt 
auf  1800: 

Aozahl  der 


л 

D 

Epoche. 

benutzteu  E 

W.  Herschel 

(  260°6 

26°3 

\  245,9 

40,4 

Gauss  .... 

259,2 

-+- 

30,8 

Argelander  . 

259,9 

-i- 

32,5 

1792,5 

390 

Lundahl  .  .  . 

252,5 

14,4 

1792,5 

147 

0.  Struve^). 

261,5 

-+- 

37,6 

1790 

392 

Gallo  way  .  . 

260,1 

-+- 

34,4 

1790 

78 

Mädler.  .  .  . 

261,6 

39,9 

1800 

2163 

Airy2)  .... 

261,5 

-H 

24,7 

1800 

113 

D  unkin    .  . 

263,7 

-H 

25,0 

1800 

1167 

Gyldén*).  .  . 

/273,9 
\  260,5 

1800? 
1800 

? 
? 

L.  de  Ball.  . 

269,0 

-+- 

23,2 

1860 

67 

Rancken^).  . 

284,6 

31,9 

1855? 

106 

Bischof^)  .  . 

285,2 

-H 

48,5 

1855 

480 

Ubaghs    .  . 

262,4 

26,6 

1810? 

464 

L.  Struve  .  . 

273,3 

H- 

27,3 

1805 

2509 

Aus  dieser  Zusammenstellung  folgt,  dass  wir  zwar  ungefähr  die  Richtung  der  Sonnen- 
bewegung angeben  können,  dass  wir  aber  noch  weit  davon  entfernt  sind,  nach  einer  mit  der 


1)  Indem  W.  Struve  eine  veränderte  Annahme  über 
die  Polhöhe  von  Greenwich  macht,  reducirt  er  den  von 
0.  Struve  gefundenen  Werth  von  D  auf  11°4.  Cfi-.  Die 
Einleitung  zu  den  Positiones  mediae  pag.  CXXXV  ff. 

2)  Der  angegebene  Ort  ist  der  zweite  von  Airy  berech- 
nete, dem  er  selbst  den  Vorzug  gab. 

3)  Aus  demselben  Grunde,  wie  bei  Airy,  der  zweite 
von  Dunkin  berechnete  Ort. 

4)  Der  erste  Werth  von  А  ist  aus  der  von  Gyldén 
gegebenen  Reihe  (e)  abgeleitet,  cfr.  Antydningar  om  lag- 
bundenhet  i  Stjernornas  rörelser  (Referat  in  der  Viertel- 
ahrsschrift der  Astronomischen  Gesellschaft  IX).  Der 


zweite  ist  den  Grundlehren  der  Astronomie  pag.  388  ent- 
nommen. 

5)  Das  angegebene  4  ist  das  Mittel  aus  den  von  Ran- 
cken  aus  den  Rectascensionen  und  Declinationen  ge- 
fundenen. 

6)  Bischof  giebt  noch  den  Ort  A  =  290?8  D  = 
4-43°5,  nach  der  Airy'schen  Methode  berechnet.  Der 
aufgeführte  Ort  ist  aber  von  ihm  als  Endresultat  gege- 
ben und  daher  auch  hier  angewandt. 

7)  Das  Mittel  aus  den  drei  von  Folie  (Astr.  Nachr. 
№2733) gegebenen  Bestimmungen  unter  Berücksichtigung 

i  der  Gewichte  nach  den  Anzahlen  der  benutzten  Sterne. 


DER  PeÄCESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


25 


Zeit  fortsclireiteiiden  Aenderiiiig  dieser  Riclitung  forsclieii  zu  können.  Eine  Vereinigung 
dieser  Bestimmungen  unter  Berücksichtigung  der  ans  ihren  mittleren  Fehlern  folgenden 
Gewichte  ist  nicht  statthaft,  weil  bei  ihrer  Berechnung  häufig  dieselben  Sterne  angewandt 
und  sie  daher  nicht  unabhängig  von  einander  sind.  Ich  nehme  daher  einfach  das  arithmeti- 
sche Mittel  aus  allen  mit  Ausnahme  der  Bestimmungen  von  W.  Hörschel  und  Gauss,  die 
bloss  den  Werth  einer  Schätzung  haben,  und  der  Airy'schen,  die  nach  seiner  eigenen  An- 
gabe eigentlich  nur  ein  Rechenexempel  zu  seiner  Methode  bildet  und  deren  Grundlagen 
einen  Theil  der  von  Dunkin  benutzten  Eigenbewegungen  bilden.  Damit  ergiebt  sich  im 
Mittel: 

Ä=  266°7  D  =  -H  31?0, 

welcher  Ort  von  dem  wahren  wohl  nicht  weit  entfernt  sein  dürfte.  Mit  Ausnahme  der  Be- 
stimmungen von  Lundahl  und  Bischof  und  des  A  von  Rancken  stimmen  alle  mit  diesem 
Mittelwerthe  in  genügender  Weise  überein. 

Eine  directe  Vergleichung  des  von  mir  gefundenen  Betrages  der  Geschwindigkeit  q 
ist  nur  mit  den  von  0.  Struve  und  Dunkin  erhaltenen  zulässig.  Der  von  Airy  gefundene 
ist ,  wie  erwähnt,  nur  als  das  Resultat  eines  Rechenexempels  zu  seiner  Methode  anzuse- 
hen. Airy  hatte  für  seine  Rechnung  aus  allen  von  Main  berechneten  Eigenbewegungen 
die  grössten  ausgesucht,  also  nur  solche  Sterne  angewandt,  die  uns  wahrscheinlich  viel 
näher  sind,  als  die  übrigen  derselben  Grössenclasse  angehörigen,  die  mithin  einen  entspre- 
chend grösseren  Werth  von  2(24^^34)  liefern  müssen.  Die  anderen  Bestimmungen  sind  von 
dieser  Willkür  frei,  Reducirt  man  die  von  0.  Struve  und  Dunkin  für  die  Entfernung  der 
Fixsterne  erster  Grösse  gefundenen  Werthe  auf  die  Entfernung  der  Sterne  sechster  Grösse, 
unter  Anwendung  der  von  ihnen  benutzten  Werthe  der  relativen  Distanzen,  so  ergiebt  sich 
für  die  Bewegung  des  Sonnensystems  in  100  Jahren,  senkrecht  gesehen  aus  der  Entfernung 
der  Sterne  sechster  Grösse 

nach  0,  Struve  .  .  .  .  q  = 

»    Dunkin   5,22 

»    L.  Struve  ....  4,36 

Der  von  mir  erhaltene  Werth  von  q  stimmt  also  mit  den  von  0.  Struve  und  Dunkin 
berechneten  gut  überein.  Im  Mittel  aus  allen  drei  Bestimmungen  wird 

Ueber  die  von  anderen  Rechnern  erhaltenen  Werthe  für  die  Geschwindigkeit  der  Son- 
nenbewegung lässt  sich  das  Folgende  aussagen: 

Professor  Gyldén  hat  die  Rechnung  zur  Bestimmung  von  Ä  und  q  auf  einem  anderen 
Wege,  als  dem  von  mir  eingeschlagenen,  durchgeführt,  indem  er  die  Eigenbewegungen  in 
Rectascension  von  Sternen  in  der  Nähe  des  Aequators  durch  eine  trigonometrische  Reihe 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences.  ѴІІщѳ  Série.  4 


26 


L.  Steuve,  Bestimmung  der  Constante 


darstellte.  "Will  man  in  analoger  Weise  D  mitbestimmen,  so  müsste  man  die  Eigenbewe 
gungen  in  Rectascension  und  Declination  durch  Reihen  nach  Kugelfiinctionen  darstellen, 
was  sehr  weitläufig  wäre,  und  würde  sich  später  doch,  wie  auch  Gyidén,  veranlasst  sehen, 
nur  die  ersten  Glieder  als  reell  anzusehen,  womit  man  zu  denselben  Resultaten,  wie  nach 
der  von  mir  angewandten  Methode  geführt  würde.  Ich  halte  daher  diese  Rechnung  gegen- 
wärtig noch  für  verfrüht.  Für  g  cos  D  findet  man  aus  der  letzten  von  Gyidén  in  seinen 
uAntydningar  от  laghmdenhet  i  Stjernornas  rörelsem  gegebenen  Reihe  den  Werth  5"82, 
also,  unter  Anwendung  des  Werthes  D  =  -i-31°0  q  =  6^'80,  wobei  die  Annahme  gemacht 
ist,  dass  die  von  Gyidén  benutzten  Sterne  im  Mittel  sechster  Grösse  sind. 

In  seinen  uGrundlehren  der  Astronomie»  (pag  388)  berechnet  Gyidén  aus  den  von 
Mädler  abgeleiteten  Eigenbewegungen  in  Rectascension  der  dem  Aequator  nahen  Brad- 
ley 'sehen  Sterne  q  cos  D  =  5"05,  woraus  sich  q  =  5",8d^)  ergiebt.  Der  erste  dieser 
Werthe  von  q  ist  deshalb  unsicherer,  weil  es  schwer  zu  übersehen  ist,  welches  die  mitt- 
lere Grösse  der  angewandten  Sterne  ist;  bei  der  zweiten  Rechnung  war  sie  sehr  nahe  die 
sechste.  Dieser  zweite  Werth  stimmt  auch  mit  den  oben  aufgeführten  viel  besser  überein. 
Vereinigt  man  ihn  mit  diesen  zu  einem  Mittel,  s6  ergiebt  sich  q  =  4"94. 

Ranken  findet  für  die  Geschwindigkeit  der  Sonnenbewegung  in  einem  Jahre  9,79 
Radien  der  Erdbahn.  Da  ich  seine  Arbeit  nur  aus  dem  kurzen  Auszuge  in  den  «Astrono- 
mischen Nachrichten»  kenne,  kann  ich  daraus  keinen  genauen  Werth  für  q  berechnen.  Nimmt 
man  aber  an,  Rancken  habe  bei  seiner  Rechnung  den  von  Gyidén  adoptirten  Werth  0^'083^) 
für  die  mittlere  Parallaxe  der  Sterne  erster  Grösse  angenommen,  so  würde  sich  mit  dem 
von  mir  augewandten  Verhältnisse  der  mittleren  Entfernungen  der  Sterne  erster  und  sechs- 
ter Grösse  ergeben  q  =  10^'52,  ein  Werth,  der  mehr  als  doppelt  so  gross  ist,  als  der  von 
mir  gefundene.  Die  angewandten  Sterne  sind  in  diesem  Falle  auch  nur  solche  mit  starker 
eigener  Bewegung,  doch  ist  der  Einfluss  dieses  Umstandes  durch  Anwendung  der  Gyldén'- 
schen  Hypothese  über  die  Entfernungen  der  Fixsterne  verringert  worden. 

Bischof  findet  (gleichfalls  aus  Sternen  mit  starker  eigener  Bewegung)  für  das  Ver- 
hältniss  der  Geschwindigkeit  der  Sonnenbewegung  zu  der  mittleren  Entfernung  der  von 
ihm  angewandten  Sterne  den  Werth  0^'3367.  Nehmen  wir  diese  Sterne  als  im  Mittel  sie- 
benter Grösse  an,  so  folgt  daraus  q  =  49^'48,  also  eine  noch  einmal  so  grosse  Geschwin- 
digkeit, als  die  von  Airy  gefundene. 

Dr.  übaghs  endlich  findet  für  das  Verhältniss-J  aus  Sternen  zweiter,  dritter  und 
vierter  Grösse  resp.  die  Werthe  б^'Т,  4^'5,  2^''8,  woraus  sich,  auf  Sterne  sechster  Grösse 


1)  Gyidén  leitet  selbst  q  =  6",2i  ab.  Der  Unterschied 
gegen  den  oben  gegebenen  Werth  rührt  davon  her,  dass 
Gyidén  D  —  -+-36°  annimmt. 


2)  ЛЧerteljahrsschri^'t  der  Astronomischen  Gesellschaft 
XII  pag.  300. 

3)  Astronomische  Nachrichten  №  2733. 


DEE  PeÄCESSION  UND  DEE  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


27 


reducirt,  ergiebt  l^'Sl,  l';62,  1^''43,  im  Mittel  g  =  і",4:Ь.  Dieser,  weitaus  der  kleinste,  Werth 
ist  übrigens  nach  einer  Bemerkung  von  Herrn  Folie  nur  als  ein  provisorischer  anzusehen. 

Es  sind  daher  die  von  den  Herren  Rancken,  Bischof  und  Ubaghs  gefundenen 
Werthe  mit  den  von  0.  Struve,  Dunkin  und  mir  erhaltenen  garnicht  vergleichbar.  Die 
letztgenannten  haben  gewiss  den  Vorzug,  dass  bei  der  Auswahl  der  Sterne  keine  Willkür 
geherrscht  hat. 

Schliesslich  will  ich  noch  als  ein  Zeugniss  für  die  Sicherheit  der  Resultate  meiner 
Rechnung  auf  die  nach  Auflösung  der  Gleichungen  übrig  bleibenden  Fehler  hinweisen,  die 
neben  den  Gleichungen  in  der  Columne  0—C  gegeben  sind.  Vor  der  Ausgleichung  war  die 
Summe  der  Fehlerquadratc  2  pv^=  2371,72  aus  den  Rectascensionen  und  1151,42  aus 
den  Declinationen,  während  sich  nach  ausgeführter  Ausgleichung  dafür  resp.  702,24  und 
476,74  ergab.  Es  folgt  hieraus,  dass  in  den  für  die  einzelnen  Trapeze  gebildeten  Normal- 
örteru  der  grössere  Theil  der  motus  peaüiares  der  einzelnen  Sterne  sich  ausgeglichen  hat. 


Die  von  mir  gefundene  Präcessionsconstante  habe  ich  benutzt,  um  daraus  mit  Hülfe 
der  von  Nyrén  aus  den  Pulkowaer  Beobachtungen  abgeleiteten  Nutationsconstante die 
Constante  der  allgemeinen  Präcession,  sowie  die  Präcession  durch  die  Planeten  und  die 
säculären  Aenderungen  dieser  Constanten  zu  berechnen.  Die  von  mir  zu  diesem  Zwecke  an- 
gewandten Massenwerthe  der  Planeten  sind  die  folgenden: 


m 

1 

4000000 

-  (angenommen) 

? 

m 

1 

412150 

(nach  Leverrier) 

и 

m 

1 

~  328129 

(  « 

Backlund) 

fd" 

1 

3093500 

(  » 

Hall) 

niF' 

1 

(  » 

Bossel  und  Schur) 

1047,568 

1? 

ni^ 

1 

3501,6 

(  >> 

Bossel) 

S 

m^^ 

1 

24000 

(  » 

Leverrier) 

1 

19700 

(  » 

Newcomb) 

Л^'оп  diesen  Massenwerthen  stimmt  nur  der  von  Uranus  mit  dem  von  Leverrier  zur 
Berechnung  der  säculären  Störungen  der  grossen  Planeten')  angewandten  genau  überein.  Die 


denePräcessionsconstaute  nicht  wesentlich  ändern  würde. 
2)  Annales  de  l'Observatoire  de  Paris.  Vol.  II,  Chap.  IX. 

4* 


1)  Die  Abweichung  dieser  Nutationsconstantc  von  der  ] 
Peters'schen  ist  so  klein,  dass  ihre  Anwendung  die  gefuu-  | 


28 


L.  Stetjve,  Bestimmung  der  Constante 


Bewegung  der  bewegten  Ekliptik  gegen  die  feste  zur  Zeit  T  wird  bekanntlich  dargestellt 
durch  die  Formeln  . 

p"  =  tang  -K."  sin  n"        q'  =  tang  tz"  cos  П", 

wo  ir"  die  Neigung  zwischen  beiden  Ebenen  und  П''  die  Länge  des  aufsteigenden  Knotens 
der  bewegten  Ekliptik  in  der  festen  bedeutet.  Innerhalb  einiger  Jahrhunderte  kann  man  p" 
und  q  in  Reihen  nach  steigenden  Potenzen  der  Zeit  entwickeln  von  der  Form: 

p'  —  gt-^Tif-^-... 

q'  =  g't  -H  -+-.... 
Für  g  und  ^f' findet  Leverrier^)  die  Ausdrücke: 

gro  =  -1-0^05888  Ч-  0^00627  v  -н  0';07562  ч'  ч-  О'^ООТЗЗ  v'"  —  0"0249G  v  IV  —  o;'00540  v  V  _н  0,00002  v  VI  _  О^'ООООб  v  VII 
öf'o  =  — 0,475GG  —  0,00525  v  —  0,28879  v'  —  0,00832  v'"  —  0,16009  v  IV  —  0,01313  v  V  _  0,00008  v  VI  _  0,00002  v  VII 

WO  V,  v',-  •  •  v^" etwaige  an  die  von  Leverrier  angewandten  Massen  anzubringende  Correcti- 
onen  in  Theilen  dieser  Massen  bedeuten.  Eine  Correction  der  Erdmasse  ist  hier  ganz  ohne 
Bedeutung.  Die  von  mir  benutzten  Massen,  verglichen  mit  den  von  Leverrier  angewandten, 
geben  nun  : 


log 

V 

=  9,39794^ 

log 

v' 

8,39791^^ 

log 

v" 

=  8,87802 

log 

v'" 

=  9,12567^ 

log 

=  7,36478 

log 

=  7,47149 

log 

=  9,42981„ 

Damit  wird 

g=  -\-  0;'05438  9  =  —  0;'46641, 

welche  Werthe  für  1850  gelten. 
Für  к  und  Ii  giebt  Leverrier 

Ä;,  =  H-  0;'00001964  =  -н  0;'00000568 

Diese  Werthe  sind  erhalten  durch  Summation  der  von  den  Einwirkungen  der  einzelnen 
Planeten  herrührenden  Beträge.  Setzt  man  also: 

1)  a.  a.  0.  pag.  104.  Durch  den  Index  0  bezeichne  ich  die  von  Leverrier  gefundenen  Grössen. 


DEE  PeÄCESSION  UND  DEE  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


29 


к  =  Щр^""^  к'  =  SS^g'"', 

so  giebt  Leverrier  Sgp*"'  und  SgS*"'  für  jeden  einzelnen  Planeten. 

Für  die  von  Levrrier  mit  S^"*  und  bezeichneten  Grössen  (für  die  Erde  =  g  und 
g')  kann  man  setzen 

wo  und  Ь^"'  die  von  den  Correctionen  der  Massen  abhängigen  Glieder^)  bedeuten.  Man 
erhält  dann  aus  den  in  der  erwähnten  Arbeit  von  Levrrier  gegebenen  Formeln  leicht  für 
die  Wirkungen  von  Mercur  und  Venus  die  Ausdrücke: 

=  I  S^p^")  _  і(7'Ж(Г'  —  Ь")  sin  1"  }  (1  Ч-  Г^)  ' 

=  {  Кяо^"^    \  c'M{é''^  -  d')  sin    I  (1  -H  r\ 

wo  с  und  Ж"  aus  den  Tafeln  von  Levrrier^)  entnommen  werden  müssen.  Für  die  oberen 
Planeten  hat  man  in  diesen  Formeln  bloss  G'  durch  G  zu  ersetzen,  welche  Grösse  in  den- 
selben Tafeln  enthalten  ist. 

Damit  findet  sich,  den  oben  gegebenen  Massen  entsprechend: 

=  H-  o;'00002002       Ä;'  =  -н  0;'00000566, 

welche  Werth e,  strenggenommen,  gleichfalls  für  1850  gelten.  Ihre  Variation  mit  der  Zeit 
ist  aber  eine  so  kleine,  dass  man  sie  ohne  weiteres  als  auch  für  1800  geltend  annehmen  kann. 

Um  die  Werthe  für  g  und  g  von  der  Zeit  T  auf  zu  reduciren,  kann  man  von  den 
von  Hansen^)  gegebenen  Formeln: 

=  (2        ^'ф,  sin  О  (i^o  —  21 
Ä5i^  =  (2Ä;'-5f^,sinl")(^o  — Л 

Gebrauch  machen,  wo  фі  die  Constante  der  allgemeinen  Präcession  für  die  Zeit  T bedeutet. 
Indem  ich  in  diese  Formeln  für  фі  den  aus  meiner  Rechnung  angenähert  folgenden  Werth 
50,22  einsetze,  finde  ich  für  die  Réduction  von  g  und  g  von  1850  auf  1800  die  Werthe 

H-  o;'00368  b^g  =  и-  o;'0001O 

und  damit  für  1800 

g  =       0;'05806  9  =  —  0;'46631 


1)  a.  a.  0.  pag.  100 — 102.  i  von  r,^  aus  der  Tafel  entnommen  werden. 

2)  a.  a.  0.  pag.  93—96.  Für  M  muss  der  Coefficient  |     3)  Astronomische  Nachricbten  №  824. 


30 


L.  Steuve,  Bestimmung  der  Constante 


Dieser  Werth  von  der  nichts  anderes  ist,  als  die  jähiliche  Variation  der  mittleren 
Schiefe  der  Ekliptik,  ist  erheblich  kleiner,  als  die  von  Peters  und  Leverrier  für  diese 
Grösse  gefundenen  Werthe.  (nämlich  resp.  — 0^'4776  und  —  0^'47566)  Dieser  Unterschied 
hat  seinen  Grund  vornehmlich  in  der  veränderten  Annahme  über  die  Venusmasse.  Um  zu 
untersuchen,  wie  er  mit  den  Beobachtungen  übereinstimmt,  habe  ich  ausser  den  von  Lever- 
rier^) zusammengestellten  Bestimmungen  der  Schiefe  der  Ekliptik  noch  die  von  Dorpat  1825, 
Pulkowa  1845  und  1865,  Leyden^)  1870  und  die  im  letzten  Jahrzehnt  in  Greenwich  gemach- 
ten Bestimmungen  benutzt,  wobei  ich  für  die  Schiefe  der  Ekliptik  von  1755  den  mir  von 
Herrn  Geheimrath  Auwers  freundlichst  mitgetheiltcn,  aus  seinen  Untersuchungen  folgenden 
Werth  (Correction  der  Hansen'schen  Schiefe  für  1755  ~  -t-  0^5)  anwandte.  Aus  diesen 
Bestimmungen  erhielt  ich 

=  23°  27'  54'89  —  0;'46835  (^— 1800), 

welcher  Werth  von  der  von  Hansen  abgeleiteten  Schiefe  für  1800  nur  um  -н  0^'09  ab- 
weicht. Die  Variation  desselben  stimmt  sowohl  mit  der  Hansen'schen  wie  mit  der  vorste- 
hend theoretisch  abgeleiteten  gut  überein. 

Unter  Anwendung  der  von  N3^rén  abgeleiteten  Nutationsconstante  9^'2360  (für  1800) 
fand  ich  ferner  unter  Benutzung  der  von  Peters  und  Nyrén  gegebenen  Formeln: 

Y)  =  17,2369 
о  =  2,20156 

und  damit  für  1800  nach  der  Bezeichnung  von  Peters: 

Ф'  =  50;'3514  t  —  0;'0001066  P 

Ѳ'  =  /г  -f-  o;'00000709  f 

X  =  0;'1458U  —  o;'00023484  f. 

m  =  4б;'0417 -I- 0;'0002741  i 

n  =  20"MM  —  0;'0000849  t 

Tz"  =  o;'46991  t  —  0^000003143 

=  172°  54'  10"  —  9;'03  t 
фі  =  50;'2176  t  -H  0;'0001088  f 
Ѳ^  =  1і  —  0;'46631  t  —  0;'0000014 
M  ^  172''  54'  10"  H-  32;'16  t 

Damit  wäre  also  nach  meiner  Rechnung  an  Stelle  der  von  Peters  am  Schlüsse  seines 
Numerus  constans  nutationis  gegebenen  Tabelle  die  folgende  zu  setzen,  bei  der  ich  die  mitt- 
lere Schiefe  der  Ekliptik  für  1850  nach  Hansen  angenommen  habe: 


1)  Annales  de  l'Observatoire  de  Paris.  Vol.  IV,  p.  51. 

2)  E.  F.  V.  d.  S.  Backhuyzen,  Bepaling  van  de  helling  der  Ecliptica.  Leyden  1879. 


DER  PeÄCESSION  UND  DEE  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS. 


31 


Allgemeine 
Präcession. 

Mittlere  Schiefe 
der  Ekliptik. 

M 

1800 

50';2177 

23°  27'  54';74 

46*0417 

20*0494 

1,302101 

0';4699 

172° 

54' 

10" 

1810 

50,2197 

50,07 

46,0444 

20,0486 

1,302082 

0,4698 

172 

59 

32 

1820 

50,2219 

45,41 

46,0472 

20,0477 

1,302064 

0,4698 

173 

4 

53 

1830 

50,2240 

40,75 

46,0499 

20,0469 

1,302046 

0,4697 

173 

10 

15 

1840 

50,2261 

36,08 

46,0527 

20,0460 

1,302028 

0,4696 

173 

15 

36 

1850 

50,2283 

31,42 

46,0554 

20,0452 

1,302009 

0,4696 

173 

20 

58 

1860 

50,2304 

26,76 

46,0581 

20,0443 

1,301991 

0,4695 

173 

26 

20 

1870 

50,2325 

22,09 

46,0609 

20,0435 

1,301972 

0,4695 

173 

31 

41 

1880 

50,2347 

17,43 

46,0636 

20,0426 

1,301954 

0,4694 

173 

37 

3 

1890 

50,2368 

12,77 

46,0664 

20,0418 

1,301936 

0,4693 

173 

42 

24 

1900 

50,2389 

8,10 

46,0691 

20,0409 

1,301917 

0,4693 

173 

47 

46 

^  II  и  sa  n  g*. 

Da  in  dem  neuen  von  Auwers  bearbeiteten  Kataloge  der  Bradley'sciien  Sterne  auch 
ihre  Eigenbewegungen  enthalten  sind,  welche  durch  Vergleicliung  der  Bradley 'sehen  Be- 
obachtungen mit  den  neueren  Green  wicher  Katalogen  und  dem  Kataloge  der  von  Becker  in 
Berlin  beobachteten  Sterne  abgeleitet  wurden  und  auch  in  dem  Kataloge  der  3542  am  Pul- 
kowaer  Meridiankreise  bestimmten  Sterne  wiedergegeben  sind,  so  erscheint  die  vollständige 
Veröffentlichung  aller  von  mir  berechneten  Eigenbewegungen  nicht  erforderlich.  Dagegen 
dürfte  die  Wiedergabe  derjenigen  Eigenbewegungen,  welche  von  den  Auwers'schen  erheb- 
licher abweichen,  nicht  ohne  Interesse  sein.  Was  man  unter  einer  erheblicheren  Abwei- 
chung zu  verstehen  hat,  ist  natürlich  bis  zu  einem  gewissen  Grade  willkürlich;  ich  entschloss 
mich,  in  das  folgende  Verzeichniss  alle  diejenigen  hundertjährigen  Eigeiibewegungen  aufzu- 
nehmen, welche  in  Declination  um  mindestens  2"  von  den  Auwers'schen  abweichen.  In 
Rectascension  nahm  ich  die  Grenzen  für  Sterne 


bis  30° 

Deel,  zu  0Ц5 

von 

30° 

—  60 

»     »  0,20 

» 

60 

—  70 

»     »  0,25 

» 

70 

—  75 

»     »  0,30 

75 

—  80 

»     »  0,40 

» 

80 

—  84 

»     »  0,50 

Die  Unterschiede  zwischen  den  von  Auwers  und  mir  abgeleiteten  Eigenbewegungen 
sind  im  Grunde  nichts  anderes  als  die  Unterschiede  der  Oerter  in  den  benutzten  neueren 


32 


L.  Steuve,  Bestimmung  der  Constante 


Katalogen.  Da  die  Abtheilung  des  dritten  Bandes  der  «Neuen  Reauction  der  Bradley'schen 
Beobachtungen»^  welche  die  Grundlagen  der  Auwers'schen  Eigenbewegungen  enthält,  noch 
nicht  gedruckt  vorliegt,  konnte  die  Vergleichung  dieser  Positionen  noch  nicht  vorgenommen 
werden.  Daher  gebe  ich  im  Folgenden  das  Verzeichniss  ohne  alle  Anmerkungen  mit  Aus- 
nahme der  Wiedergabe  der  Hinweise  auf  Doppelsterne,  wie  sie  in  Auwers'  Kataloge  gege- 
ben sind,  und  zwar  zuerst  die  Bezeichnung  der  Doppelsterne,  dann  die  Grössen  der  Compo- 
nenten,  die  Distanz  und  endlich  den  Positionswinkel  des  Begleiters.  Wo  der  Begleiter  nicht 
zu  schwach  für  die  Bradley'schen  Instrumente  war,  ist  bei  der  Ableitung  der  Eigenbewegun- 
gen auf  die  Duplicität  Rücksicht  genommen.  Ein  beigefügtes  P  bedeutet,  dass  der  Stern, 
auf  den  sich  die  Eigenbewegung  bezieht,  ein  Pulkowaer  Hauptstern  ist.  Wenn  der  Stern  im 
Kataloge  der  3542  Sterne  als  unsicher  bestimmt  angegeben  ist,  so  ist  dies  durch  :  :  ange- 
deutet. 


Br.  №  Stern  100-jährige  E.  B. 


Auwers 

L.  Struve 

R  e  с  t  a 

7 

36 

Piscium 

0536 

—  0^20 

71 

17 

Ceti 

0,27 

—  0,12 

119 

72 

Piscium 

0,13 

—  0,03 

130 

31 

Cassiop. 

-f- 

0,43 

-+-  0,68 

150 

z 

Persei 

0,06 

—  0,24 

330 

10 

Persei 

0,08 

—  0,38 

538 

30 

Eridani 

0,22 

—  0,37 

/г  338 

578 

Eridani 

14,42 

-14,79 

588 

X 

Tauri 

-+■ 

0,17 

—  0,10 

2528 

683 

4 

Aurigae 

H- 

0,02 

-f-  0,23 

2616 

762 

P 

Orionis 

0,14 

—  0,31 

836 

Leporis 

1,51 

—  1,29:: 

895 

4 

Gemin. 

0,10 

—  0,25 

998 

15 

Lyncis 

0,01 

—  0,19 

02  159 

1147 

Camelop. 

-H 

0,33 

H-  0,75 

1164 

56 

Camelop. 

0,59 

—  0,33 

1166 

13 

Cancri 

0,41 

—  0,60 

1317 

27 

Hydrae 

0,16 

—  0,01 

1376 

3 

Sextantis 

0,49 

—  0,64 

1403 

Leonis 

0,13 

—  0,14P 

1404 

14 

Sextantis 

0,47 

0,62 

1534 

51 

Leonis  min. 

3,45 

—  3,61 

1554 

V 

Ursae  maj. 

0,05 

—  0,18P 

21524 

1574 

58 

ürsae  maj. 

0,62 

—  0,83 

1630 

4 

Comae  Bar. 

0,35 

—  0,50 

1710 

29 

Comae  Ber. 

H- 

0,09 

—  0,06 

2045 

45 

Serpentis 

0,43 

—  0,60 

5T6  u.  11'"    8;'l  135° 

5,6  u.  8  19,3  25 
5,8  u.  8  9     6  353 


4,7  u.    6     0,5  222 


3,3  u.  10-11  7,1  148 


DER  PeÄCESSION  UND  DER  EIGENEN  BEWEGUNG  DES  SONNENSYSTEMS, 


33 


Br.  Ms  Stern  100-jährige  E.  B. 

Auwers  L.  Struve 

Rectascensioaen. 


2066 

49 

Serpentis  Med.  H-  1^08 

H-  0^86 

22021    7T3  u.  7T5 

3"  275° 

2074 

a 

Coronae  bor. 

—  2,58 

—  2,83 

S2032    5,8  u.  7 

1,3  277 

2117 

m 

Herculis 

—  0,25 

—  0,40 

2  App.  I.  31 

2121 

38 

Herculis 

—  0,04 

—  0,21 

2134 

Ophiuclii 

—  1,04 

—  1,23 

2234 

f 

Draconis 

—  0,70 

—  0,43 

2263 

Draconis 

-1-  1,49 

-f-  1,26P 

2268 

95 

Herculis 

—  0,27 

—  0,09 

22264    5      u.  5 

6,1  262 

2318 

40 

Draconis 

-1-  2,19 

H-  2,61 

22308(B) 

2389 

R 

Lyrae 

-f-  0,14 

H-  0,34 

2391 

12 

Aquilae 

—  0,48 

—  0,33 

2562 

62 

Aquilae 

—  0,15 

0,02 

2707 

16 

Delphini 

-+-  0,15 

-f-  0,30 

2735 

60 

  0,08 

-+-  0,18 

02  426    5,7  u.  11 

2,6  167 

2754 

76 

Draconis 

-4-  1^41 

-1-  0,95 

2902 

15 

Pegasi 

-H  1,14 

-t-  1,43 

02  461    5, 2u.  11-12  11,0  298 

2910 

19 

Cephei 

.       1    П  /1 

-f-   I  ,U4 

-+-  0,78 

2926 

Cephei 

-H  2,85 

2930 

Aquarii 

—  0,12 

,      Q  Q7 

2932 

Cephei 

-H  0,21 

Ain 
- —   U,  1 U 

oo 

Cephei 

  /  ,UD 

—    0,0/.  . 

22873    7,5  u.  8 

13,8  77 

2944 

О  1 

Pegasi 

A  1  9 

1      A  OK 

2987 

Q 

Lacertae 

—  и,  1  0 

2990 

10 

Lacertae 

-+-  0,1 1 

  0  13 

3066 

Piscium 

—  0,18 

П  Cï4 
—  u,uo 

öU  /  0 

7 

Androm. 

-+-  и, У  О 

.     л  со 
— и, Do 

3180 

z  о 

Piscium 

—  0,15 

,    0  07 

_j_  1  99 

.      о  од 

-t-  0,04fc 

Decli 

n  а  t  i  0  u  e  п. 

117 

44 

H.  Cephei 

—  1^5 

-1-  i;'5 

141 

fl 

Ceti 

—  12,4 

—  14,4  P 

172 

41 

Ceti 

-+-  4,2 

-  3,2 

343 

9 

Ceti 

H-  0,3 

-  2,5 

712 

66 

Eridani 

—  1,5 

-H  1,0 

2642  Dpi.  rej.  cl.  V 

730 

X 

Leporis 

—  0,8 

-  2,9 

2661            4,6  u.  g 

!     3  0 

758 

? 

Aurigae 

-  4,3 

-  1,6 

919 

h 

Orionis 

-+-19,9 

-f-17,8 

922 

10 

Gemin. 

—  4,9 

-  1,0 

1052 

64 

Aurigae 

-f-  2,3 

H-  0,1 

1144 

4 

Cancri 

1,4 

-1-  3,8 

1197 

Hydrae 

0,7 

-  2,1 

5 


34     L.  Steuve,  Bestimm.  d.Const.d.  Peäc.  и.  d.  eigenen  Beweg.  d.Sonnensyst. 


Br  .Л'«  Stern  100-jährige  E.  B. 

Auwers  L.  Struve 

Declinatioiien. 


1273 

67 

Cancri 

—  9^4 

—  6^7 

1290 

78 

Cancri 

-  1,2 

-+-  0,8 

1685 

ß 

Corvi 

-  5,2 

—  1,5 

1832 

u 

Hydrae 

—  17,0 

-12,1 

2030 

50 

Librae 

-  1,2 

—  3,2 

2257 

66 

Opliiuchi 

H-  2,0 

—  1,3 

2464 

4 

Cygni 

-H  3,6 

-H  1,6 

2788 

6 

Cephei 

-+-  1,6 

-  1,8 

2928 

42 

Aquarii 

0,5 

—  1,5 

2935 

Cephei 

—  3,3 

-t-  1,9 

2955 

54 

Aquarii 

-+-  0,8 

—  1,2 

3123 

11 

Piscium 

-1-  0,8 

—  1,7 

22873    7'"5  u.  8'"  13,8  77' 


MÉMOIRES 

DE 

l'ACADÉMIE  IMPÉRIALE  DES  SCIENCES  DE  ST.-PÉTERSBOURG,  VIP  SÉRIE. 
Tome  XXXV,  ЯІ»  4. 


DIE  BLUTGEFÄSSKEIME 

UND 


VON 

Dr.  Ж.  l.«$ko%v. 


Mit  2  Kupfertafeln. 


{Lu  le  10  mars  1887.) 


St.-PETERSBOURG,  1887.  ----...^-^ 

Commissionnaires  de  l'Académie  Impériale  des  sciences: 
à  St.-Pélersbourg:  à  Riga:  à  Leipzig: 

M.  Eggers  &       et  J.  Glasouaof;  M.  N.  Kynimel;  Voss'  Sortiment  (G.  Haessel). 

Prix:  90  Кор.  =  3  Mark. 


Imprimé  par  ordre  de  l'Académie  Impériale  des  sciences. 
Juillet  1887.  C.  Vessélofsky,  Secrétaire  perpétuel. 


Imprimerie  de  l'Académie  Impériale  des  sciences. 
(Vass.-Ostr.,  9  ligne,  №  12.) 


Wenn  man  eine  Embryonalplatte  in  den  ersten  Entwickelungsstadien  von  der  Oberfläche 
betrachtet,  ist  es  leicht  zu  constatiren,  dass  die  Bildung  des  Blutgefässsystems  in  der  Peri- 
pherie vor  sich  geht.  Bei  Querdurchschnitten  kann  man  ohne  Schwierigkeit  bemerken,  dass 
die  Gefässe  sich  hauptsächlich  auf  der  Oberfläche  des  Hypoblastes  bilden.  Dieses  sind  zwei 
einfache  Facta,  die  bei  der  Beobachtung  des  zu  untersuchenden  Gegenstandes  von  Allen  als 
unzweifelhaft  anerkannt  worden  sind.  Sobald  die  Forscher  aber  die  Fragen  stellten:  wie  das 
Gefässsystem  entsteht,  woher  dessen  eigentliche  Keime  kommen,  erhielten  sie  sofort  einander 
widersprechende  Antworten.  In  Folge  der  Unmöglichkeit  die  Erscheinungen  unmittelbar, 
Schritt  für  Schritt  zu  verfolgen,  musste  man  einzelne  Phasen  beobachten  und  erst  aus  solchen 
Bruchstücken  konnte  man  ein  mehr  oder  weniger  richtiges  Bild  der  ganzen  Erscheinung  ge- 
winnen. Es  ist  dieses  das  gewöhnliche  Verfahren  in  den  biologischen  Wissenschaften.  Die 
Literatur  des  durchzusehenden  Gegenstandes  zeigt  aber  die  Eigenthümlichkeit,  dass  jeder 
Forscher  auf  Grundlage  einiger  von  ihm  gefundener  Facta  die  Theorie  des  Ganzen  so  fest 
begründet  zu  haben  glaubte,  dass  er  die  von  Andern  gefundenen  und  zu  seiner  Theorie  nicht 
passenden  Facta  für  Irrthümer  hielt.  Es  ist  ja  Thatsaclie,  dass  ein  Jeder,  der  sich  einen  zu 
beobachtenden  Gegenstand  nur  theoretisch  erklären  will,  fast  immer  zu  Ansichten  gelangt, 
die  durch  ihre  Widersprüche  Staunenswerth  sind.  Ausserdem  haben  einige  Autoren  die  Art, 
ihre  Erklärung  mit  ihrer  Beobachtung  so  zu  verschmelzen,  dass  es  zur  Unmöglichkeit  wird 
herauszufinden,  was  dem  Autor  selbst  und  was  dem  mikroskopischen  Präparat  angehört.  In 
den  nachfolgenden  Blättern  machen  wir  eben  1)  den  Versuch,  die  von  den  Forschern  erhal- 
tenen Facta  möglichst  vollständig  zu  sammeln,  2)  wollen  wir  unsere  eigenen  Forschungs- 
Resultate  anführen  und  3),  da  der  Facta  viele  sind  und  ihr  Verhältniss  zu  Zeit  und  Raum 
ein  ziemlich  zusammenhängendes,  so  wollen  wir  sie  hier  in  ein  Ganzes  zusammenfassen,  um 
eine  complicirte  Erscheinung,  nämlich  die  Entwickelung  des  Blutgefässsystems,  zu  er- 
klären. 

An  der  Stelle  der  Embryonalplatte,  wo  bei  einem  Embryo  von  24  Stunden  Blut  und 
Gefässe  sich  befinden,  findet  man  bei  einem  18-stündigen  Embryo  einzelne  Zellengruppen. 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences,  Vllme  Serie.  \ 


2 


Dr.  N.  UsKow, 


Die  zu  einer  Gruppe  gehörenden  Zellen  haben  klar  sichtbare  Kerne  und  nur  an  einigen  Stel- 
len schwache  Umrisse.  Gewöhnlich  aber  stellt  eine  Gruppe  gleichsam  eine  Protoplasma-Masse 
mit  einer  Menge  von  Kernen  dar  ;  das  Protoplasma  selbst  ist  körnig  und  färbt  sich  intensiver, 
als  die  Zellen  des  Mesoblastes.  Die  Zellen  findet  man  selten  einzeln  vor  und  auch  dann  nur 
in  dem  zum  Centrum  näher  liegenden  Gebiet,  während  in  der  Peripherie  die  vielkernigen 
Gruppen  Regel  sind.  Der  äusseren  Form  nach  theilen  wir  die  Letzteren  in  kugelförmige  und 
in  cylinder-  oder  zugförmige  Gruppen.  Alle  diese  Gruppen  befinden  sich  zwischen  dem  Hy- 
poblast  und  dem  Mesoblast  und  geben  im  folgenden  Entwickelungsstadium  Blut  und  Gefässe, 
weshalb  wir  sie,  nach  His's  Beispiel,  mit  dem  Gesammtnamen  —  Gefässkeim  —  benennen 
wollen.  Der  Gefässkeim  liegt  frei,  jedoch  kommt  es  häufig  vor,  dass  au  einigen  Stellen  seine 
Theile  bald  an  die  eine,  bald  an  die  andere  Nachbarplatte  eng  anliegen  und  sich  sogar  gleich- 
sam mit  ihnen  verschmelzen.  Aus  diesem  Grunde  ist  man  auch  genöthigt,  die  Entstehung 
des  Gefässkeimes  entweder  im  Mesoblast,  oder  im  Hypoblast,  oder  aber  in  beiden  zugleich 
zu  suchen.  Wir  wollen  zuerst  die  Data  der  ersten  Voraussetzung  durchnehmen,  halten  es 
aber  für  unsere  Pflicht,  vorläufig  Einiges  über  die  Art  und  Weise  der  Untersuchung  zu  sagen 
—  sie  war  die  allgemeingebräuchliche:  die  Keimplatten  wurden  lebend  auf  einem  Erwär- 
mungstischchen, im  frischen  Zustande  in  einer  Normallösung  von  Kochsalz  beobachtet.  Die 
todten  Objecte  wurden  der  Färbung  mit  Pikrocarmiu,  Alaunkarmin  (Grenacher)  unterzogen 
und  entweder  in  toto  beobachtet,  oder  zur  Bereitung  systematischer  Serien  in  Spermacet  und 
Wachs  eingehüllt.  Zu  Beginn  der  Arbeit  wurde  als  Fixirflüssigkeit  die  Stickstoffsäure  be- 
nutzt, später  ging  man  zu  der  durch  nichts  zu  ersetzenden  Flemming'schen  Mischung  über. 


I.  Die  Entstehung  des  Gefässkeimes  aus  dem  Mesoblast. 

Bis  zu  den  letzten  Jahren  war  die  Aufmerksamkeit  der  Forscher  hauptsächlich  auf  den 
engen  Zusammenhang  des  Gefässkeimes  mit  dem  Mesoblast  gerichtet,  woraus  sie  auf  die 
genetische  Abhängigkeit  des  einen  vom  andern  schlössen. 

Noch  im  Jahre  1822  hat  Baer  dadurch,  dass  er  das  Mittelblatt  Gefässblatt  nannte, 
deutlich  gezeigt,  wie  er  auf  die  gegenseitigen  Beziehungen  der  beiden  von  uns  zu  unter- 
suchenden Theile  der  Embryonalplatte  sieht. 

Nach  Reichert  entwickeln  sich  aus  dem  Mittelblatt  (membrana  intermedia)  nur  die 
Gefässe. 

Remak  jedoch,  nachdem  er  sich  überzeugt  hat,  dass  der  Gefässkeim  nur  im  peri- 
pherischen Theile  des  unteren  Blattes  des  Mesoblastes  vorkommt,  hält  die  Trennung  dessel- 


1)  Reichert.  Das  Entwickelungsleben  im  Wirbel-  1  2)  Remak.  Unters,  über  die  Entwickelung  der  Wir- 
thierreich. Berlin,  1840.  I  belthiere.  Berlin,  1850—55,  S.  60. 


Die  BbüTGErÄssKEiME  ünd  deeen  Entwickelung  bei  einem  Hühneeembryo.  3 

ben  von  dem  letzteren  für  eben  so  wenig  begründet,  wie  wenn  man  aus  dem  Keim  des  peri- 
pherischen Nervensystems  ein  besonderes  «Nervenblatt»  machen  wollte. 

Afonassjew^),  der  die  Embryonalplatte  nur  von  oben  betrachtete,  hat  keinen  Gefäss- 
keim  gefunden.  Nach  seiner  Meinung  entwickeln  sich  die  Gefässe  aus  Elementen  des  Mittel- 
blattes, die  auf  besondere  Weise  vertheilt  sind. 

Balfour^),  welcher  ebenfalls  keinen  besonderen  Gefässkeim  sieht,  erklärt  die  Ent- 
stehung des  Blutes  und  der  Gefässe  vermittelst  einer  besonderen  Umwandlung  der  Zellen- 
abköramlinge  des  Mittelblattes. 

Kölliker^)  erkennt  noch  gegenwärtig  an,  dass  der  Gefässkeim  nur  einen  Bestandtheil 
des  Mittelblattes  bildet  und  unmittelbar  daraus  entsteht. 

Alle  genannten  Autoren  ziehen  ihre  Schlüsse  ausschliesslich  auf  Grund  der  engen  ana- 
tomischen Verbindung  der  beiden  Bildungen.  In  der  That,  selbst  bei  allgemeiner  oberfläch- 
licher Betrachtung  der  Präparate  sieht  man  die  enge  Verbindung  des  Gefässkeiraes  mit  dem 
Mesoblast;  ersterer  ist  nur  in  denjenigen  Theilen  der  Embryonalplatte  vorhanden,  wo  auch 
letzteres  sich  befindet.  In  den  ersten  Stadien  existirt  in  der  vorderen  Abtheilung  kein  Meso- 
blast, je  nach  Entstehung  des  letzteren  entsteht  auch  der  Gefässkeim.  Auf  den  Querdurch- 
schnitten äussert  sich  vollkommen  die  enge  Verbindung  der  beiden  Bildungen,  was  eben  zu- 
erst Kölliker  an  einem  22-stündigen  Embryo  beobachtet  hat. 

Auf  den  Querdurchschnitten  eines  Embryo  mit  zwei  Paar  Furchen,  welche  die  Bildung 
des  primären  Segments  bezeichnen,  beobachten  wir  folgendes:  das  Mesoblast  besteht  im 
Centraltheile  aus  eng  verschmolzenen  cylinderförmigen  Zellen;  in  der  Richtung  zur  Peri- 
pherie hin  wird  es  gleichsam  lockerer,  indem  es  in  einen  breiten  Streifen  spindelförmiger 
Zellen  übergeht.  Bei  genauerer  Untersuchung  ist  es  leicht  zu  bemerken,  dass  diese  Zellen 
sich  vereinigen  und  eine  Reihe  mehr  oder  weniger  regelmässiger  Ringe  bilden,  die  durch 
Zwischenräume  von  fast  gleicher  Grösse  mit  ihren  Durchmessern  getrennt  sind;  dabei  liegen, 
die  Ringe  aber  nicht  frei,  sondern  sind  durch  eine  Reihe  von  Zellen  verbunden,  welche  zwi- 
schen ihren  oberen  Segmenten  geordnet  sind. 

Wenn  der  Schnitt  in  der  Ebene  der  Embryonalplatte  gemacht  worden  ist,  wo  der  Cen- 
traltheil  des  Mesoblastes  Zeit  hatte  sich  zu  spalten,  so  sieht  man  das  oben  beschriebene 
Bild  beim  ersten  ВИск  auf  das  Präparat  und  nur  die  die  Ringe  verbindenden  Gewebsbrücken 
bestehen  grösstentheils  aus  einer  doppelten  Reihe  von  Zellen. 

Das  ganze  Bild  macht  den  Eindruck,  als  ob  die  obere  Platte  des  Mesoblastes  compact 
wäre,  die  untere  aber  aus  unterbrochenen  Theilen  in  Form  von  Ausbauchungen  nach  unten 
zu  bestände.  Beide  Formen  der  Zellengruppen  des  Gefässkeimes  (die  kugelförmigen  und  die 


1)  Afonassjew.  Ueber  die  Entwickelung  der  ersten 
Blutbahnen  im  Hühnerembryo.  Sitzungsber.  d.  Kais.  Acad. 
der  Wissensch,  in  Wien,  1866,  Bd.  53. 

2)  Fester  et  Balfour.  Grundzüge  der  Entwicke- 
lungsgesch.  der  Thiere.  Deutsche  Uebers.  Leipzig,  1876, 


S.  67. 

3)  Kölliker.  Die  embryonalen  Keimblätter  und  die 
Gewebe.  Zeitschrift  für  wissensch.  Zoologie.  Bd.  XL. 
1883. 


4 


Dr.  N.  UsKOW, 


cylinderförmigen)  befinden  sich  eben,  mit  geringen  Ausnahmen,  zwisclien  den  beschriebenen 
Ausbauchungen,  zuweilen  dicht  an  diesen  anliegend;  letzteres  wird  besonders  häufig  bei 
cylinderförmigen  Gruppen  beobachtet.  So  ist  das  Verhältniss  des  peripherischen  ïheiles 
des  Mesoblastes  zum  Gefässkeime.  Es  zeigt  deutlich,  dass  in  denjenigen  Theilen,  wo  die  un- 
tere Mesoblastschicht  fehlt  oder  undeutlich  ist,  der  stellenweise  sich  damit  vereinigende  Ge- 
fässkeim  liegt.  Unwillkürlich  wird  dieses  Verhältniss  der  durchzusehenden  Theile  des  Embryo 
auf  folgende  Weise  erklärt:  beim  Absondern  der  unteren  Mesoblastplatte  entstand  aus  eini- 
gen ihrer  Theile  der  Gefässkeim.  Das  wird  dadurch  bestätigt,  dass  in  denjenigen  Entwicke- 
lungsstadien,  wo  dasMesoblast  noch  eine  compacte  Masse  ohne  jede  Spur  vonTheilung  dar- 
stellt, noch  kein  Gefässkeim  vorhanden  ist.  Aber  diese  Erklärung  enthält  die  nicht  durch 
Facta  gerechtfertigte  Vermuthung,  dass  der  peripherische  Theil  des  Mesoblastes,  d.  h.  der- 
jenige, wo  der  Gefässkeim  liegt,  anfangs  ein  compactes  Mesoblast  war,  wofür  wir  eben  gar 
keine  Data  besitzen.  So  lange  das  Mesoblast  compact  ist,  erstreckt  es  sich  nicht  bis  zu  dem 
Theile  der  Peripherie,  wo  später  der  Gefässkeim  liegt;  so  weit  wuchert  es  auch  dann  nicht, 
wenn  der  letztere  schon  vorhanden  ist,  was  durch  die  fast  völlige  Abwesenheit  der  karyoki- 
netischen  Figuren  im  Mesoblast  bewiesen  wird.  Deshalb  müssen  wir  annehmen,  dass  das 
Mesoblast  sich  durch  Anwachsen  der  Elemente  von  der  Periplierie  aus  vergrössert.  Der 
durch  diesen  Process  entstehende  peripherische  Theil  des  Mesoblastes  aber  theilt  sich,  wie 
wir  unten  sehen  werden,  gleich  bei  seinem  Entstehen. 

Wenn  dem  aber  so  ist,  so  müssen  wir  zur  Bestätigung  der  gegebenen  Erklärung  von 
der  Bildung  des  Gefässkeimes  noch  eine  nothwendige  Annahme  hinzufügen,  nämlich  die,  dass 
der  Gefässkeim  und  das  Mesoblast  gleichzeitig  entstehen,  in  welchem  Falle  wir  jedoch  gar 
keinen  Grund  haben,  die  Bildung  des  Einen  von  der  Bildung  des  Andern  abhängig  zumachen. 
Ausserdem  giebt  es  noch  ein  Factum,  welches  direct  gegen  die  Annahme  der  Bildung  des 
Gefässkeimes  aus  dem  Mesoblast  spricht:  in  den  peripherischen  Theilen  der  hinteren  Abthei- 
lung der  Embryonalplatte,  in  den  tiefen  Schichten  der  letzteren,  kommen  unter  Dotterkörpern 
kugelförmige  Zelleugruppen  vor,  welche  ganz  identisch  mit  den  kugelförmigen  Gruppen  des 
unter  dem  Mesoblast  liegenden  Gefässkeimes  sind.  Man  kann  sich  leicht  von  der  völligen 
anatomischen  Zusammenhangslosigkeit  der  genannten  Gruppen  mit  dem  Mesoblast  überzeugen, 
wenn  man  entweder  das  einzelne  Präparat,  oder  die  auf  einander  folgenden  Schnitte  betrachtet. 
Hierbei  müssen  wir  darauf  aufmerksam  machen,  dass,  obgleich  ihr  Erstreckungsgebiet  nach 
aussen  hin  den  Mesoblastrand  nicht  berührt,  mitunter  doch  auch  solche  vorkommen,  die  mehr 
peripherisch  gelegen  sind.  Alles  das  scheint  deutlich  dafür  zu  sprechen,  dass  der  Gefässkeim, 
ausser  im  Mesoblast,  noch  einen  anderen  Ursprung  haben  muss.  Wenn  letzteres  auch  Theil  an 
der  Bildung  des  Gefässkeimes  nimmt,  so  doch  nur  mit  seinem  äussersten  peripherischen  Rand- 
theile,  den  wir  weiter  unten  betrachten  wollen.  Um  die  Frage  auf  geradem  Wege  endgültig 
zu  lösen,  wäre  es  allerdings  wünschenswcrth  die  Möglichkeit  zu  haben,  dieEntwickelung  des 
Mesoblastes  künstlich  aufhalten  zu  können,  ohne  dabei  die  Eutwickelung  des  Gefässkeimes 
zu  hemmen.  Unsere  ein  ganzes  Jahr  lang  währenden  Arbeiten  haben  jedoch  nicht  den  ge- 


Die  Blutgefässkeime  und  deren  Entwickelüng  bei  einem  Hühnerembryo.  5 

wünschten  Erfolg  gehabt  und  daher  wollen  wir  zur  einfachen  Durchsicht  und  Erforschung 
des  peripherischen  Theiles  der  Embryonalplatte  übergehen. 


II.  Peripherischer  Theil  der  Embryonalplatte. 

Die  Literatur  in  Betreff  dieser  Frage  ist  bekanntlich  umfangreich  und  enthält  sehr  viele 
Facta,  noch  mehr  aber  Meinungen  verschiedener  Autoren.  Der  einen  oder  der  andern  An- 
schauung huldigend,  schalteten  die  Forscher  neue  Benennungen  ein,  deren  sich  so  viele  an- 
gehäuft haben,  dass  die  Darlegung  in  hohem  Grade  schwierig  wird.  Kollmann,  z.  В.,  den 
bekannten  Theil  in  seiner  letzten  Arbeit  Dotterwall  benennend,  musste  hinzufügen,  dass  der- 
selbe =:  Keimwall  (His,  Goette)  =  Dotterwall  (Rauber)  =  weisser  Dotter  (Balfour)  = 
Keimwulst  (Kölliker)  sei.  In  der  Hoffnung,  dass  die  auf  dem  letzten  Berliner  Congress  ge- 
gründete «Gesellschaft  der  Anatomen»  unter  anderem  auch  auf  diesen  Uebelstand  ihre  Auf- 
merksamkeit lenken  wird,  will  ich  bei  der  ferneren  Darlegung  alle  derartigen  Specialaus- 
drücke fürs  Erste  einfach  vermeiden. 

Nach  Reichert  vergrössert  sich  die  Embryonalplatte  durch  Hinzufügung  der  aus  Dot- 
terelementen sich  bildenden  neuen  Zellen  von  der  Peripherie  her.  «Diese  Ausbildung  ge- 
schieht auf  Kosten  des  kugeligen  Nahrungsinhalts,  welcher  inzwischen  allmählich  schwindet 
und  die  schönen  Kerne  und  Kernkörperchen  frei  zu  Tage  treten  lässt»  ^). 

Remak,  der  bemerkt  hat,  dass  Reichert  häufig  den  Nahrungsstoff  nicht  von  den  Zel- 
len unterscheidet,  sagt:  «Die  Keimhöhle  dringt,  indem  sie  den  Rand  des  Fruchthofes  über- 
schreitet, in  das  Dottergelb  selbst  ein;  diese  membranöse  Schicht  des  Dotters,  weicheich  der 
Kürze  wegen  Dotterrinde  nenne,  ist  es,  mit  welcher  das  Drüsenblatt  in  Verbindung  bleibt... 
Die  Dotterrinde  besteht,  ihrer  Hauptmasse  nach,  aus  runden  oder  ovalen  Körpern,  welche 
den  Kugeln  des  übrigen  freien  Dottergelbs  ähnlich  sind».  Wenn  man  die  Dotterrinde  in  einer 
schwachen  Lösung  von  Kali  causticum  präparirt,  so  «zerfällt  sie  in  Zellen,  deren  blasig  auf- 
getriebene Membranen  die  Dotterkugeln  umgeben»^).  Alles  das  wird  am  Schluss  des  ersten 
Tages  beobachtet. 

In  zwei  nachfolgenden  Arbeiten  beschreibt  His  sehr  ausführlich  das  zu  untersuchende 
Gebiet  und  giebt  Erläuterungen  über  die  darin  entstehenden  Zellenelemente.  Im  Jahre  1868, 
bei  der  Untersuchung  des  ersten  Ursprungs  der  Entstehung  der  Protoplasma-Masse  mitten 
im  Dotter,  sagt  er,  dass  man  schon  am  unausgebrüteten  Ei  sehen  kann,  wie  «die  untere  Fläche 
des  oberen  Keimblattes  mit  subgerminalen  Fortsätzen  bedeckt  ist»*).  In  der  nachfolgenden 


1)  Die  dabei  erhaltenen  Facta  werden  Gegenstand  einer  3)  Remak.  Untersuch,  über  die  Entwickelüng  der 
besonderen  Abhandlung  sein.  V^irbelthiere.  Berlin,  1850—55,  S.  15—16. 

2)  Reichert.  Das  Entwickelungsleben  im  Wirbel-  4)  His.  Untersuch,  über  die  erste  Anlage  der  V\4r- 
thierreich.  Berlin,  1840,  S.  116.  belthiere.  1868,  S.  75. 


6 


De.  N.  UsKOW, 


Arbeit  vom  Jahre  1876  nennt  er  diese  Fortsätze  «interglobuläre  Masse»  und  beschreibt  sie 
als  trübes  Protoplasma  mitKörnclien  des  zerfallenen  weissen  Dotters  und  mit  Fettkügelcheh, 
Wenn  man  durch  Schütteln  das  genannte  Protoplasma  isolirt,kann  man  in  den  blassen  Stücken 
das  Vorhandensein  ziemlich  grosser  Kerne  constatiren^).  Die  Beschreibung  der  ferneren  Ent- 
wickelung  der  zu  untersuchenden  Bildung  beschliesst  er  folgendermassen  :  «Frühzeitig  bildet 
das  interglobuläre  Protoplasma  eine  den  Keimwall  nach  abwärts  abschliessende  Schicht,  welche 
sich  verdickt  und  sich  in  einzelne  Zellenterritorien  theilt»^).  In  dieser  Arbeit  sind  die  Unter- 
suchungen von  18- bis  24-stündigen  Sommereiern  beschrieben. 

Alles  das  stimmt  im  Allgemeinen  wie  mit  den  erstgenannten,  so  auch  mit  den  nachfol- 
genden Autoren  überein.  His  jedoch,  die  beschriebene  Bildung  auf  den  peripherischen  Theil 
des  Archiblastes  beziehend,  sieht  noch  eine  andere  Entstehungsquelle  der  Zellen,  nämlich  die 
zwischen  den  «subgerminalen  Fortsätzen»  gelegenen  Elemente  des  weissen  Dotters.  Der  Autor 
hat  einige  vom  Protoplasma  umgebene  Elemente  des  weissen  Dotters,  kleine  Häufchen  des 
Protoplasma  mit  einem  Kern,  grosse  Kugeln  mit  einer  ungeheueren  Menge  Protoplasma 
(«Keimwallkugeln»)  gesehen  und  alle  diese  Formen  zu  einer  genetisch  verbundenen  Kette 
vereinigt,  indem  er  die  entstandenen  Zellen  —  «Parablastelemente»  benannt  hat. 

Im  selben  Jahre  ist,  dank  den  Untersuchungen  von  Peremeschko''),  eine  neue  Bildungs- 
quelle der  Formelemente  des  Embryo  entdeckt  worden,  nämlich:  «die  grosse  granulirte Kugel 
am  Boden  der  Keimhöhle»  und  Waldeyer*),  mit  His  darin  übereinstimmend,  dass  der  peri- 
pherische Theil  durch  das  Eindringen  neuer  Elemente  entsteht,  entschliesst  sich  nicht  zu 
sagen,  «ob  diese  unsere  Zellen  Abkömmlinge  des  weissen  Dotters  oder  Abkömmlinge  von 
Furchungskugeln  waren». 

Oellacher^),  welcher  zuerst  die  Segmentation  des  Hühnereies  aufs  Genaueste  verfolgt 
und  den  Schluss  gezogen  hat,  dass  alle  Zellen  das  alleinige  Resultat  dieses  Processes  sind, 
giebt  nicht  zu,  dass  der  weisse  Dotter  Zellenelemente  liefern  könnte.  Das  wäre' nur  bei  der, 
seiner  Meinung  nach ,  unwahrscheinlichen  Annahme  möglich,  dass  der  Dotter  vor  der  Seg- 
mentation Zellenelemente  enthalte.  Peremeschko's  Untersuchungen  der  «grossen  granu- 
lirten  Formelemente  am  Boden  der  Keimhöhle»  bestätigend,  denkt  er,  dass  sie,  über  den 
Hypoblastrand  gehend,  diejenigen  Zellen  bilden  können,  welche  nach  His  aus  der  interglo- 
bulären  Masse  entstehen.  Uebrigens  haben  Peremeschko  und  Oellacher  frühere  Stadien 
untersucht  und  daher  die  von  His  beobachteten  Bilder  nicht  gesehen.  Interessant  ist  das 
Resultat  einer  solchen  Untersuchung,  wo  die  Aufmerksamkeit  auf  die  grossen  Kugeln  in  der 
Keimhöhle  und  gleichzeitig  auf  den  Dotter  gelenkt  wird.  Dieses  finden  wir  bei  Klein. 

Klein'')  unterscheidet  im  zu  untersuchenden  Gebiet  den  inneren  und  den  peripherischen 


1)  His.  Zeitschrift  für  Anatomie  und  Entwickelungs- 
geschichte.  1876,  I.  S.  278. 

2)  His.  1.  c.  S.  285. 

3)  Peremeschko.  Sitzungsber.  d.  Kais.  Acad.  d.  Wis- 
sensch.  in  W^ien.  1868,  B.  57. 


4)  Wal  de  y  er.  Zeitschrift  für  ration.  Med.  1869. 

5)  Oellacher.  Studien  aus  d.  Institut  f.  experim 
Patholg.  V.  Stricker.  I  1870,  S.  69. 

6)  Klein.  Sitzungsber.  der  Wien.  Acad.  d.  Wissensch. 
Bd.  63.  1871,  S.  369—370. 


Die  Blutgefässkeime  und  deren  Entwickelung  bei  einem  Hühnerembryo. 


7 


Theil.  Der  innere  Tlieil  besteht  aus  bald  groben,  bald  feinen,  bald  dunkelen,  bald  glänzenden 
Körnchen,  welche  in  den  fast  gleichartigen  Grundstoff  eingehüllt  sind,  oder  enthält  runde 
und  ovale,  grell  abgezeichnete  mit  Körnchen  gefüllte  Elemente  von  verschiedener  Grösse. 
Im  peripherischen  Theile  unterscheidet  er  vier  Arten  von  Gebilden  und  sie  in  mit  His  fast 
identischen  Ausdrücken  umständlich  beschreibend,  findet  er  auch  alle  üebergangsformen 
heraus.  Dessenungeachtet  hält  er  Alles  das  nur  für  den  mit  dem  Embryo  in  keiner  Verbin- 
dung stehenden  Dotter,  und  wenn  er  solch  eine  Verbindung  auch  gesehen  hat,  so  nur  auf 
dicken  Präparaten,  wo  die  Grenzen  überhaupt  undeutlich  sind.  Als  Bildungselemente  erkennt 
er  nur  Oellacher's  im  peripherischen  Theile  der  Keimhöhle  sich  ansammelnde  Furchungs- 
elemente  an  und  fügt  hinzu,  dass  sie  rasch  von  dort  verschwinden. 

Goette,  welcher  die  Furchungselemente  (grosse  körnige  Kugeln)  «Dotterzellen»  genannt 
hat,  sagt,  dass  Klein  deshalb  die  Sache  nicht  aufgeklärt,  weil  er  deren  Wanderfähigkeit  nicht 
vermuthet  hat  und  beschreibt  den  Process  selbst  so:  die  durch  Segmentation  des  Dotters  am 
Boden  der  Keimhöhle  entstehenden  Dotterzellen  gelangen  einzeln  und  in  Gruppen  in  den 
Embryo.  Den  Keimwall  durchgehend,  verändern  sie  sich  und  dabei  so,  «dass  die  Dotter 
Zellen  im  Innern  des  Keimwalls  solchen  neuen  Einflüssen  unterworfen  sind,  welche  eine  sehr 
energische  Zerklüftung  derselben  anregen»  ^).  Es  giebt  dafür  nur  eine  Erklärung:  der  Autor 
hat  nie  solche  Dotterzellen  in  der  Keimhöhle  gesehen,  wie  er  sie  auf  dem  Keimwalle  beob- 
achtet hat.  Was  den  Keimwall  selbst  anbetrifft,  so  durchläuft  er,  nach  dem  Autor,  nur  eine 
Reihe  von  üebergangsformen  bis  zur  völligen  Auflösung.  Freilich,  die  allgemeine  Lage  der 
Elemente  ist  der  Art,  dass  sie  den  Eindruck  einer  Fortsetzung  des  Hypoblastes  hervorbringt, 
eine  sorgfältige  Prüfung  aber  ergiebt,  dass  die  sichtbaren  Kerne  thatsächlich  nur  mannig- 
fach veränderte  Dotterkörnchen  sind  und  «die  ganze  Umbildung  des  Keimwalls  nur  verschie- 
dene Stufen  und  Formen  seiner  gänzlichen  Auflösung  darstellt».  Das  ist  schon  kein  Wider- 
spruch gegen  die  Erklärung  der  von  His  gefundenen  Facta,  sondern  eine  directe  Verneinung 
Alles  dessen,  was  letzterer  gesehen.  Zur  Erläuterung  dessen  bedarf  es  auch  nicht  der  An- 
nahme, dass  beide  Autoren  Erscheinungen  nicht  eines  und  desselben  Entwickelungsstadiums 
beschreiben,  da  Goette  sagt:  «diesen  Zerfall  habe  ich  unmittelbar  vor  und  zu  Beginn  der 
Blutbildung  und  der  Dotterblutcirculation  gesehen».  Goette  selbst  findet  die  Erklärung  des 
Widerspruchs  in  folgendem  :  «Ich  finde  in  der  ganzen  Darstellung  vom  Nebenkeim  (Parablast) 
nur  einen  weiteren  Beweis,  wie  His  alle  seine  Neuerungen  in  der  Entwickelungsgeschichte 
nicht  der  unbefangenen  Beobachtung  entnahm,  sondern  aus  seinen  vorgefassten  Ansichten  in 
die  Beobachtung  hineintrug»  ^). 

Das  Vorhandensein  von  Zellenelementen  im  zu  untersuchenden  Gebiet  wird,  abgesehen 
von  Goette,  auch  von  fast  allen  andern  von  uns  citirten  Forschern  anerkannt.  Wir  glauben 
diesen  Widerspruch  durch  die  Methode,  deren  sich  der  Autor  beim  Präpariren  bedient  hat, 


1)  Goette.  Archiv  für  mikroskop.  Anat.  1874,  Bd.  X,  i  2)  1.  c.  S.  192. 
S.  188.  I 


8 


Dr.  N.  UsKOw, 


erklären  zu  können;  seine  Methode  hat  ihm  keine  Zellenelemente  im  Keimwall  gegeben,  aber 
auch  seine  Dotterzellen,  welche  Contractionsfähigkeit  besitzen  und  zu  den  Zellen  gezählt 
werden,  haben  die  Form  eines  Körnerhäufchens  und  sind  von  scharfen  Umrissen,  zuweilen 
jedoch  nicht  von  allen  Seiten,  umringt,  von  Kernen  sieht  man  natürlich  keine  Spur. 

Foster  und  Balfour  beobachteten,  dass  «das  Hypoblast  vor  der  12.  Stunde  scharf 
gegen  den  weissen  Dotter  abgegrenzt»  sei  und  dieses  Verhältniss  erst  später  sich  zu  verän- 
dern anfange.  Gerade,  je  weiter  vom  Centrum,  desto  mehr  sind  die  Zellen  mit  dem  weissen 
Dotter  gefüllt  und  «am  äusseren  Rande  ist  es  meist  ganz  unmöglich  zu  bestimmen,  welches 
Körper  des  weissen  Dotters  und  welches  Zellen  des  Hypoblastes  sind;  es  scheint  daher,  dass 
das  Wachsthum  des  Hypoblastes  besonders  durch  Verwandlung  weisser  Dotterkörper  in  Zel- 
len vor  sich  geht»  ^). 

Kölliker^)  erklärt  die  vonHis  beschriebenen  Erscheinungen  hauptsächlich  durch  den 
Gebrauch  eines  sowenig  zweckentsprechenden  Reactivs,  wie  dieUeberosmiumsäure;  dadurch 
erhielt  man  die  Verbindung  der  subgerminalen  Fortsätze  mit  dem  Epiblast  und  alle  im  weis- 
sen Dotter  beschriebenen  Veränderungen. 

Die  in  den  subgerminalen  Fortsätzen  enthaltenen  Körnchen  sind  nicht  der  weisse  Dotter, 
wie  His  es  meint,  obgleich  sie  in  derUeberosmiumsäure  dunkler  werden,  weil  «sie  inAcidum 
aceticum  erblassen  und  zerfallen»  und  deshalb  betrachtet  sie  Kölliker,"wie  «das  Product  des 
Stoffwechsels  der  Entodermazellen,  denen  es  natürlich  in  erster  Linie  zukommt,  den  in  Folge 
der  Bebrütung  verflüssigten  Nahrungsdotter  aufzunehmen» ^).  Was  die  «Furchungskugeln  und 
Dotterzellen»  (Goette)  anbetrifft,  so  drückt  sich  Kölliker  darüber  sehr  bestimmt  aus:  «Ob 
dieselben  auch  nach  der  Bildung  der  Keimhöhle  am  Boden  derselben  noch  weiter  sich  ent- 
wickeln und  unter  fortgesetzten  Theilungen  gewissermaassen  einen  Theil  dieses  Bodens  sich 
einverleiben,  scheint  mir  auch  nicht  so  ausgemacht,  wie  Goette  behauptet,  aber  selbst,  wenn 
dem  so  wäre,  so  würde  ich  darin  nichts  besonders  Auffallendes  finden,  da  ja  in  keiner  Weise 
sich  bestimmen  lässt,  wie  weit  der  Bildungsdotter  reicht  und  der  Boden  der  Keimhöhle  nicht 
eo  ipso  weisser  Dotter  ist»*).  In  Betreff  der  Stelle  kann  aber  Kölliker  nichts  Bestimm- 
tes sagen,  da  die  Furchungskugeln  und  Dotterzellen  sich  überall  finden  und  der  grösste  Theil 
derselben  noch  vor  der  Bildung  des  Blutes  durch  Theilung  in  feine  Elemente  übergeht. 

Was  die  Meinungen  Oellacher's,  Peremeschko's,  Klein's  und  Goette's  anbetrifft, 
so  findet  Kölliker  ebenfalls,  «dass  keiner  der  genannten  vier  Autoren  die  Randtheile  des 
Blastoderma  genügend  erkannt  hat»*^).  Nach  seiner  Meinung  muss  man  das  zu  untersuchende 
Gebiet  als  einen  peripherischen  stark  verdickten  Theil  des  Hypoblastes  (Keimwulst)  betrach- 
ten ;  dieser  Theil  besteht  aus  grossen  runden  Zellen  und  erstreckt  sich  ebenso  weit  zur  Peri- 
pherie hin,  wie  das  Epiblast.  Fig.  23  (S.  86)  zeigt  das  von  uns  zu  untersuchende  Gebiet  in 


1)  Fester  u.  Balfour.  Gruadzüge  der  Entwicke-  1  3)  1.  c.  S.  176. 
lungsgeschichte.  Deutsche  Ausgabe.  1876,  S.  49.  4)  1.  c.  S.  79. 

2)  Kölliker.  Entwickelungsgeschichte.  1879,  S.  102.  I      5)  1.  c.  S.  104. 


Die  Blutgefässkeime  und  deeen  Ent Wickelung  bei  einem  Hühneeembkyo.  9 


der  6.  Stunde  der  Bebrütung  mit  schon  deutlichen  Spuren  von  Zellen.  In  den  späteren  Sta- 
dien werden  die  runden  Zellen  cylinderförmig  und  bilden  eine  Schicht, 

Hans  Virchow  präparirte  den  Keim  mit  Chromsäure,  Spiritus  und  in  späteren  Sta- 
dien mit  Ueberosmiumsäure  und  Haematoxilin.  In  der  16.  Stunde  sah  er  im  zu  untersuchen- 
den Gebiet  scharf  ausgeprägte  Kerne,  welche  zuweilen  von  Linien  in  Form  von  grossen  Fi- 
guren umringt  wurden.  In  den  späteren  Stadien  beschreibt  er,  ebenso  wie  Kölliker,  die  am 
7.  Tage  stattfindende  Umwandlung  der  Zellen  in  der  Peripherie  des  ganzen  Dotters  in  ein 
einschichtiges,  cylinderförmiges  Epithel  und  nennt  das  letztere  «Dottersackepithel»  oder  nach 
der  Function  —  «Verdauungsorgan  oder  Resorptionsorgan» ^). 

Disse  hält  die  Meinungen  der  beiden  vorigen  Autoren  von  der  ausschliesslich  zellen- 
artigen Natur  des  zu  untersuchenden  Gebiets  und  von  dessen  Zugehörigkeit  nur  zum  Hypo- 
blast  für  unerwiesen,  ebenso  die  Meinungen  der  anderen  Autoren  von  dessen  ausschliesslich 
dotterartiger  Natur. 

His's  Schlüsse  von  einer  doppelten  Natur  haben,  nach  seiner  Meinung,  keinen  grossen 
Werth,  da  sie  aus  der  Beobachtung  frischer  oder  nur  mit  Ueberosmiumsäure  präparirter 
Objecte  gezogen  sind.  Disse  selbst  arbeitete  mit  Chrom-  und  Essigsäure,  Carmin,  Pikro- 
carmin  u.  A.  und  hat  folgende  Resultate  erzielt:  «Die  Furchungskugeln  und  Dotterzellen» 
am  Bodmi  der  Keimhöhle  sind  nur  Nahrungsstoffe,  wenn  aber  wirklich  Zellen  dort  vorkom- 
men, so  sind  es  nur  zufällige  Erscheinungen,  sie  sind  einfach  durch  den  Strom  der  Flüssig- 
keit vom  Keim  abgerissen  worden^).  Die  von  His  beschriebenen  Elemente  des  Parablastes, 
welche  sich  in  Zellen  umwandeln  sollen,  kann  man  an  unausgebrüteten  und  sogar  an  unbe- 
fruchteten Eiern  beobachten.  Das  zu  erforschende  Gebiet  in  zwei  Theile,  den  peripherischen 
und  centralen,  theilend,  findet  Disse  im  letzteren  mehr  oder  weniger  abgegrenzte  Zellen 
von  derselben  Art  und  Grösse,  wie  diejenigen  des  Epiblastes.  Im  äusseren  Theile  jedoch, 
inmitten  der  Dottermasse,  beobachtet  er  durch  undeutliche  Linien  nicht  völlig  abgegrenzte 
Figuren  mit  zerstreuten  Kernen,  d.  h.  ungefähr  dasselbe,  wie  Kölliker,  nur  erkennt  er  diese 
Figuren  nicht  für  Zellen  an:  1)  weil  sie  zu  gross  sind,  •Q,)  weil  viele,  ungeachtet  der  scharfen 
Umrisse,  keine  Kerne  enthalten,  darunter  sogar  solche,  in  welchen  die  Granulirung  schwach 
.  zu  bemerken  ist,  und  deshalb  sind  es  nur  durch  die  Chromsäure  veränderte  «grobgranulirte 
Dotterkugeln,  deren  Rindenschicht  deutlich  sichtbar  ist  und  als  die  Grenze  einer  Zelle  mit 
grobkörnigem  Inhalt  erscheint»  ^).  Zwischen  diesen  aus  dem  Dotter  gebildeten  Figuren  sind 
eben  die  feinen  Zellen  mit  einer  dünnen  •  Protoplasmaschicht  und  einem  grossen  Kern  zer- 
streut. Bei  weiterer  Entwickelung  werden  die  Zellen  durch  Theilung  grösser  an  Zahl  und 
vertheilen  sich  in  Gruppen.  Wenn  solch  eine  Gruppe  beim  Epiblast  liegt,  «so  erhält  man  den 
Eindruck,  als  sei  von  diesem  aus  ein  Zellenzapfen  in  den  Dotter  eingetrieben  ;  wohl  deshalb 


1)  Hans  Virchow.  Ueber  das  Epithel  des  Dotter- i  XV.  Seite  83. 

Sacka  im  Hühnerei.  Berliner  Dissert.  1875.  3)  ibid.  Bd.  XVI,  S.  569. 

2)  Disse.  Archiv  f.  mikroskop.  Anatomie.  1878,  Bd.  1 
Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences.  ѴПтѳ  Série. 


10 


Dr.  N.  UsKow, 


hat  His  angegeben,  der  Keim  wall  werde  von  subgerminalen  Fortsätzen  durchwachsen»  ^), 
Hierbei  erinnern  wir  den  Leser  daran,  dass  bei  His  die  Keimfortsätze  vor  der  deutlichen 
Zellenbildung  aus  denselben  sichtbar  sind.  Eine  Art  Lösung  fast  aller  Widersprüche  finden 
wir  in  den  Untersuchungen  des  folgenden  Autors  : 

Janosik  untersuchte  die  ersten  Entwickelungsstadien  hauptsächlich  der  Tauben,  wobei 
er  bei  seinen  Präparaten  Chrom-  und  üeberosmiumsäure  benutzte.  Das  für  unsere  Frage 
Interessanteste  aus  den  Beobachtungen  dieses  Autors  ist  folgendes  :  «wenn  der  Primitivstreifen 
eben  erst  bemerkbar  wird,  ist  der  Keimwulst  im  vorderen  Theile  vom  Dotter  scharf  abge- 
grenzt. Auf  den  Schnitten  des  Schwanzendes,  wobei  indessen  der  Primitivstreifen  mitgerech- 
net wird,  sieht  man  einige  Zellen  des  der  Area  pellucida  näher  liegenden  Theiles  in  den 
Dotter  hineingewachsen,  nach  der  Peripherie  aber  ist  der  Keimwulst  ganz  vom  Dotter  ge- 
trennt . . .  Wenn  sich  der  Primitivstreifen  und  die  Primitivrinne  schon  gebildet  haben,  sieht 
man  die  Zellen  des  Keimwulstes  tiefer  in  den  Dotter  hineinragen  und  man  ist  auch  im  Stande 
die  Contouren  der  einzelnen  Zellen  deutlich  zu  unterscheiden».  Im  ersten  Stadium  sah  man 
hinter  dem  Dotter  kein  Protoplasma  und  auch  keine  Contouren  und  die  Kerne  erschienen 
bloss.  Im  dritten  Stadium,  nach  der  Bildung  der  «Chorda  und  Kopfspalte,  sind  die  Zellen 
des  Keimwulstes  gross,  mehr  oder  weniger  reich  an  Protoplasma,  dessen  grösste  Masse  stets 
um  die  Kerne  angesammelt  ist  und  nach  allen  Richtungen  pseudopodienartige  Ausläufer 
sendet,  welche  sich  mannigfach  unter  einander  verflechten»  ^).  Auf  diese  Weise  wird  der 
Unterschied  in  den  von  Kölliker  und  Disse  beschriebenen  Bildern  des  zu  untersuchenden 
Gebiets  einfach  durch  die  verschiedenen  Stadien  der  Entwickelung  erklärt.  In  Ueberein- 
stimmung  mit  Kölliker  und  im  Gegensatz  zu  Disse,  nimmt  Janosik  an,  dass  das  von  uns 
zu  untersuchende  Gebiet  der  peripherische  Hypoblasttheil  sei  und  aus  Zellen,  in  welchen 
sich  der  Dotter  befindet,  bestehe. 

Jetzt  müssen  wir  die  Resultate  der  Untersuchungen  Gasser's  anführen.  Léider  konii- 
ten  wir  von  den  vielen  Arbeiten  dieses  Gelehrten  nur  eine  im  Original  erhalten,  den  Inhalt 
der  übrigen  werden  wir  nicht  anführen,  da  er  uns  nur  aus  den  Schriften  anderer  Autoren 
bekannt  ist. 

Gasser  beobachtete  hauptsächlich  die  Bildung  der  Primitivstreifen  beim  Huhn,  bei  der 
Gans  und  der  Taube  und  hat  sich  davon  überzeugt,  dass  man  das  von  uns  zu  untersuchende 
Gebiet  als  einen  dicker  gewordenen  Ring  der  unteren  Keimschicht  betrachten  muss  und  dass 
aus  diesem  Ringe  sich  die  Zellen  für  die  Keimschicht  bilden^).  Bei  einer  Gans  erkennt  er, 
ebenso  wie  Disse,  zwischen  dem  Dotter  sich  befindende  Zellen  im  Keimwall  an  und  «es 
schieben  sich  Zellen  der  Art  zwischen  die  dort  liegenden  Dotterelemente  hinein,  dass  bei 
der  allmählichen  Verflüssigung  oder  Aufzehrung  der  Nahrungsbestandtheile  ein  eigenthümlich 


1)  1.  c.  S.  576.  I  sensch.  1881,  Bd.  84.  3  Aug,  S.  515  und  516. 

2)  Janosik.  Sitzungsber.  der  Wiener  Acad.  d.  Wie-  |      3)  Gasser.  Arch.  f.  Anat.  u.  Physiol.  1882,  S. 382— 383. 


Die  BbüTGErÄssKEiME  und  deeen  Entwickelung  bei  einem  Hühneeembryo.     1 1 


wabenartiges  Aussehen  zu  Stande  kommt;  in  diesem  Zustande  befinden  sich  die  Zellen  in  der 
obersten  Lage  des  Keimwalls»'). 

Raub  er,  nachdem  er  sich  überzeugt  hat,  dass  ein  Theil  des  Eiprotoplasma  bei  Knochen- 
fischen vor  der  Zellentheilung  eine  Vermehrung  der  Kerne  vorstellt,  fügt  hinzu:  «dass  ho- 
mologe Verhältnisse  auch  an  dem  Keim  der  Vögel,  Reptilien  und  Haie  gesehen  worden  sind, 
insofern  bei  ihnen  unterhalb  des  durchfurchten  Keims  in  dem  angrenzenden  mit  Nahrungs- 
^  dotterkugeln  mehr  oder  weniger  reich  durchsetzten  Protoplasma  freie  Kerne  wahrgenommen 
worden  sind.  Eine  Abgrenzung  des  Protoplasma  um  letztere  hat  nicht  stattgefunden,  wenn- 
gleich dasselbe  reichlicher  um  die  Kerne  geballt  liegen  kann,  denn  Zellengruppen  fehlen  hier 
durchaus.  Angaben,  dass  bei  dem  Hühnchen  Bildungen  dieser  Art  nicht  vorhanden  seien, 
muss  ich  entschieden  als  unrichtig  bezeichnen  ;  eine  Verwechslung  mit  Randwulstzellen  ist 
ausgeschlossen»  ^).  Den  beschriebenen  Theil  des  Protoplasma,  welcher  augenscheinlich  mit 
Waldeyer's  Parablast  und  zum  Theil  nait  His's  interglobulärer  Masse  identisch  ist,  nennt 
er  «Keimplasmodien», 

Nach  allen  diesen  Untersuchungen  ist  es  höchst  interessant  die  Meinungen  der  Autoren 
anzuführen,  welche  früher  über  diesen  Gegenstand  geschrieben  und  von  Neuem  ihre  Ansich- 
ten darüber  ausgesprochen  haben. 

His  sagt  in  seiner  letzten  Schrift,  welche  er  selbst  «Rückblick»  auf  alle  Arbeiten  in 
dieser  Frage  nennt,  dass  die  Widersprüche  der  Autoren  (Gasser,  Disse)  mit  seinen  Resul- 
taten dadurch  entstanden  sind,  dass  sie  nur  die  Schnitte  beobachteten  und  sich  nicht  mit 
frischen  Objecten  befassten.  Er  antwortet  Disse,  welcher  Parablastelemente  auch  bei  einem 
unbefruchteten  Ei  beobachtet  hat  :  «es  liegt  da  ein  entschiedenes  Missverständniss  vor»,  denn 
nach  seiner  Meinung  «treten  die  Dotterkugeln  nur  im  Keimwall  und  auch  da  nur  in  einer 
ganz  bestimmten  Bebrütungsperiode  auf.  Die  von  mir  als  zellenbildende  beschriebenen  Keim- 
wallkugeln sind  von  durchaus  characteristischem  Aussehen»^). 

Und  das  ist  Alles. 

Waldeyer  hat  auf  Grund  der  von  Disse  gefundenen  Facta,  seiner  eigenen  Unter- 
suchungen an  Fischeiern,  der  Daten  aus  der  Literatur  und  der  vergleichenden  Embryologie 
folgendes  Schema  der  anatomischen  Construction  des  zu  erforschenden  Gebiets  aufgestellt: 
Die  Peripherie  des  Eies  besteht  aus  Protoplasma,  aus  welchem  «Keimfortsätze»  in  die  Tiefe 
des  Nahrungsdotters  führen.  Diese  Fortsätze  werden  im  peripherischen  Theile  des  Keimes 
einer  späteren  Zellentheilung  unterworfen  und  ergeben  Elemente,  welche  man  das  Parablast 
nennen  kann.  Das  Letztere  existirt  im  Sinne  von  His  gar  nicht*), 

Kölliker  sagt,  dass  «His  von  seinem  strengen  früheren  Standpunkte  in  Manchem  zu- 


1)  1.  c.  S.  389.  j      3)  H  is.  Arch,  f.  Anat.  u.  Physiol.  1882,  S.  77—78. 

2)  Rauber.  Sitzungsbericht  der  Naturforschenden  4)  Waldeyer.  Archiv  für  mikroskopische  Anatomie. 
Gesellschaft  zu  Leipzig.  1883,  S.  22.  '  Bd.  ХХП. 


12  De.  N.  ÜSKOw, 

rückgegangen  ist  und  sich  andern  Forschern  mehr  genähert  hat»  und  weiter  :  «In  keinem 
Theile  dieser  Keimhaut  war  etwas  zu  sehen,  was  mit  den  Protoplasmafortsätzen  von  His  und 
Disse  eine  Vergleichung  zugelassen  hätte,  vielmehr  bestand  das  ganze  Blastoderm  aus  locke- 
rer oder  dichter  gefügten  Furchungskugeln  und  aus  weiter  nichts.  Auch  von  Verbindungen 
der  Keimhaut  mit  den  tieferen  Theilen,  d.  h.  mit  dem  weissen  Dotter,  oder  von  dem  V/)r- 
kommen  von  besonderen  «Keimfortsätzen»  (Waldeyer)  im  weissen  Dotter  wurde  nichts  wahr- 
genommen, mit  einziger  Ausnahme  dessen,  was  während  der  ganzen  Furchung  sich  findet, 
wie  Goette  und  ich  dies  schon  lange  betonen,  dass  keine  scharfe  Grenze  zwischen  dem  sich 
furchenden  Keime  und  dem  weissen  Dotter  sich  findet  und  sowohl  die  Furchungselemente, 
als  auch  viele  tief  gelegene  Furchungskugeln  an  ihrer  einen  Seite  mit  noch  ungefurchtem 
Dotter  zusammenhängen»^).  Dasjenige,  was  man  für  Fortsätze  hält,  ist  nur  das  Protoplasma 
der  «Furchungskugeln».  Kölliker  erkennt  an,  dass  Disse  der  Wahrheit  am  nächsten  war, 
«als  er  den  Randwulst  des  gefurchten  Keimes  ursprünglich  nur  als  aus  Furchungszellen  be- 
stehend ansah,  zwischen  лѵеІсЬе  dann  später  mit  der  Bebrütung  Dotterelemente  hineinge- 
langten»^). Er  müsste  nur,  statt  «zwischen  welche»,  «in  welche»  sagen.  In  seinen  Schluss- 
urtheilen,  im  ersten  Paragraph,  stellt  Kölliker  folgenden  Grundsatz  auf:  «Bei  allen  mehr- 
zelligen Geschöpfen  gehen  alle  Elemente  und  Gewebe  direct  aus  der  befruchteten  Eizelle 
und  dem  ersten  Embryonalkerne  hervor  und  giebt  es  keinen  Haupt-  und  Nebenkeim  (Archi- 
blast  und  Parablast)»  *). 

Die  letzte  Arbeit,  der  Zeit  nach,  ist  die  Arbeit  Kollmann's  vom  «Akroblast»,  wo 
übrigens  nur  die  Benennungen  und  Anschauungen  des  Autors  neu  sind. 

Kollmann  betrachtet,  ähnlich  der  Mehrzahl  der  Autoren,  alle  Zellenelemente  des 
Embryo  als  Resultat  allmählicher  Furchung,  d.  h.  er  erkennt  die  Bildung  der  Zellenele- 
mente ausschliesslich  aus  dem  «Archiblast»  an.  Der  peripherische  Theil  des  Keimes  ist  in 
der  5.  bis  7.  Stunde  der  Bebrütung  scharf  vom  Dotter  abgegrenzt  und  vom  Autor  «Randwulst» 
benannt  worden;  die  obere  Schicht  bildet  den  «Epiblast»  (Ektoblast),  die  untere  den  «Hypo- 
blast»  (Entoblast).  Zwischen  diesen  Schichten  bleiben  «die  Elemente  einer  langsamen,  einer 
gleichsam  verspäteten  Furcliung»,  welche  die  Benennung  «Akroblast»  haben.  Die  weitere 
Entwickelung  stellt  Kollmann  folgendermaassen  dar:  «Grosse  Zunahme  der  einzelnen  Ele- 
mentarzellen ;  um  den  Kern  erscheint  ein  heller  Hof,  eingeschlossen  von  körnigem  Proto- 
plasma; die  Zellengrenzen  sind  verwischt;  Theilungen  der  Kerne  sind  unverkennbar».^ Fer- 
ner entsteht  «die  Bildung  von  neuen  Zellen,  welche  in  die  Höhe  steigen  und  unter  dem  Ekto- 
blaât  sich  ansammeln.  Es  ist  dies  die  zweite  Generation  des  Akroblastes-Proteuten»  ^).  Wenn 
man  hinzufügt,  dass  später,  wenn  die  Mitte  der  Keimscheibe  sich  scharf  bezeichnet,  «die 
frühere  scharfe  Abgrenzung  gegen  den  Dotter  an  dem  Randwulst  mehr  und  mehr  schwin- 


1)  Kölliker.  Die  embryon.  Keimbl.  und  d.  Gewebe.  3)  1.  c.  S.  188. 
Separ.  Abdr.  aus  der  Zeitschr  .für  wissensch.  Zoolog.  XL,        4)  1.  c.  S.  211. 

Seite  185.  5)  Ko  И  mann.  Archiv  f.  Anatomie  und  Physiol.  1884. 

2)  1.  c.  S.  184.  S.  398. 


Die  Blutgefässkeime  und  deken  Entwickelung  bei  einem  Hühnerembeyc.      1 3 

det»,  so  erhalten  лѵіг  eine  mit  der  Beschreibung  anderer  Autoren  fast  identische  Beschreibung 
des  zu  untersuchenden  (Grebiets.  Von  den  Keimfortsätzen  sagt  Kollmann:  «Wenn  die  zweifel- 
haften Gebilde  aus  dem  passiven  Bindenprotoplasma  und  die  völlig  unbestimmbaren  Stränge 
der  Keimfortsätze  physiologisch  ebenso  viel  werth  sind,  wie  die  Furchungskugeln,  dann  mögen 
wir  unsere  frühere  Anschauung  und  Alles,  was  die  Embryologie  der  Wirbelthiere  nach  dieser 
Seite  hin  gelehrt,  in  den  Papierkorb  wandern  lassen».  Die  Erscheinungen  betrachtet  er  ein- 
fach als  ein  künstliches  Product  der  Bearbeitung. 

Auf  diese  Weise  haben  wir  folgende  aus  der  Literatur  erhaltene  Resultate  :  alle  For- 
scher sind  zu  dem  Schluss  gekommen,  dass  das  von  uns  zu  untersuchende  Gebiet,  ausser 
einem  todten  Nahrungsstoff,  eine  protoplasmatische  Bildung  enthält  und  deshalb  die  Mög- 
lichkeit hat  lebendige  Zellenelemente  zu  bilden.  Sobald  aber  das  Verliältniss  der  beiden  ge- 
nannten Theile  zu  einander  durchgenommen  wird,  gehen  die  Meinungen  auseinander. 

1)  Disse  und  Gasser  sind  der  Meinung,  dass  die  Zellen  sich  zwischen  dem  Dotter 
befinden. 

2)  Oellacher,  Kölliker,  Rauber,  Janosik,  Foster  et  Balfour  und  Kollmann 
nehmen  an,  dass  das  zu  untersuchende  Gebiet  aus  zum  Theil  noch  nicht  ausgebildeten  Zellen 
besteht,  іц  welchen  sich  der  Dotter  befindet. 

3)  Nach  Goette  ist  das  zu  erforschende  Gebiet  —  der  Dotter  und  die  grossen  Zellen 
(Dotterzellen)  durchziehen  es  nur. 

4)  Nach  His  durchdringt  das  Protoplasma  des  peripherischen  Theiles  der  Embryonal- 
platte den  Dotter;  im  letzteren  befinden  sich  Elemente,  die  auch  in  Zellen  übergehen. 

5)  Waldeyer  ist  derselben  Ansicht,  verwirft  aber  den  letzten  Theil  der  Auffassung 
von  His, 

6)  Klein  ist,  wie  es  scheint,  der  Einzige,  welcher  das  zu  untersuchende  Gebiet  als 
ausschliesslich  aus  dem  Dotter  bestehend  anerkennt. 


Indem  wir  zur  Darlegung  unserer  eigenen  Untersuchung  übergehen,  müssen  wir  vor- 
ausschicken, dass  wir  nichts  Hervorragendes  und  fast  nichts  Neues  gefunden  haben.  Nichts 
destoweniger  gewähren  unsere  Untersuchungen  augenscheinlich  die  Möglichkeit,  die  An- 
sichten fast  sämmtlicher  Verfasser  auszusöhnen,  wie  widerspruchsvoll  sie  anfangs  auch  ge- 
wesen sein  mögen.  Aus  allen  Untersuchungen  der  Autoren,  die  unsrige  mit  inbegriffen, 
werden  wir  eine  bestimmte  Vorstellung  des  zu  untersuchenden  Gebiets  in  Verbindung  mit 
der  anatomischen  Construction  des  ganzen  Eies  erhalten. 

Die  Embryonalplatte  des  befruchteten  unbebrüteten  Eies  ist  von  allen  Forschern 
ganz  gleichartig  beschrieben  worden:  sie  stellt  eine  Reihe  von  Segmentationskugeln  dar, 
welche  von  dem  darunter  liegenden  Dotter  durch  eine  scharf  bezeichnete  helle  Linie  ge- 


14 


*        De,  N.  UsKow, 


trennt  sind.  Oeil  ach  er  hat  zuerst  die  Ansicht  geäussert,  dass  der  schmale  spaltenartige 
Raum  unter  der  Keimscheihe  wahrscheinlich  eine  Erscheinung  der  Eifurchung  sei.  Wenn 
man  aus  vielen  Eiern  dieses  Entwickelungsstadiums  ganze  Serien  von  Präparaten  macht, 
kann  man  sich  fast  immer  davon  überzeugen,  das  in  Einigen  ')  die  genannte  Furche  sich 
bogenartig  von  einem  Rande  des  Keimes  zum  andern  hinzieht,  jedocli  nicht  immer  ununter- 
brochen, wie  es  die  Autoren  darstellen.  Wenn  die  Schnitte  neben  dem  Centraltheile  gemacht 
worden  sind,  hört  die  Furche  gewöhnlich  in  der  Mitte  auf  und  die  Keimscheibe  geht  in  den 
darunter  liegenden  Dotter  über.  Mitunter  existirt  diese  Vereinigung  auch  noch  in  der  Pe- 
riode, wo  die  Embryonalplatte  aus  runden  Zellen  in  der  oberen  und  im  peripherischen 
Theile  der  unteren  Schicht  besteht.  Die  Mitte  der  letzteren  hat  in  diesem  Falle  noch  keine 
sichtbaren  Zellenumrisse,  bestellt  aus  einer  feinkörnigen  trüben  Substanz,  wie  alle  übrigen 
Keimzellen,  und  geht  unmerkbar  in  die  grobkörnige  Masse  der  oberen  Schichten  des  weis- 
sen Dotters  über.  Bei  einigen  Exemplaren  äussert  sich  die  Vereinigung  des  Keimes  mit 
dem  Dotter  dadurch,  dass  die  Centraizellen  des  unteren  Blattes  durch  einige  grosse  Kugeln 
auseinandergeschoben  werden,  wobei  ihr  unteres  Segment  in  den  Dotter  geleitet  wird;  die 
Kugeln  enthalten  grosse,  glänzende  Körner  von  ganz  gleichem  Aussehen  mit  dem  umge- 
benden Dotter,  von  welchem  sie  nur  durch  einen  scharfen  Umriss  getrennt  werden;  wenn 
letzterer  auf  dem  unteren  Segment  der  Kugel  nicht  vorhanden  ist,  so  entsteht  das  Ueber- 
gangsstadium  —  der  mittlere  Tlieil  der  unteren  Keimschicht  wird  gleichsam  durch  den 
Dotter  gebildet.  An  bebrüteten  Eiern  ist  der  Keim,  wie  bekannt,  schon  überall  vom  Dotter 
abgelöst.  Die  erwähnte  Vereinigungseigenschaft  spricht  deutlich  dafür,  dass  sie  kein  künst- 
liches Bearbeitungsproduct  ist,  und  zugleich  kann  man  in  dieser  Vereinigung  eine  ziemlich 
gewichtige  Bestätigung  der  Annahme  Oellacher's  sehen,  dass  die  Spalte  eine  Erscheinung 
der  Horizontalfurchung  des  Eies  sei,  die  wie  alle  Furchen  von  der  Peripherie  zum  Centrum 
führt.  Wenn  dem  so  ist,  so  haben  wir  in  dem  zu  beschreibenden  Factum  den  Hinweis  auch 
darauf,  dass  ein  Theil  des  weissen  Dotters  der  Furchupg  unterliegt  und  als  Formativmate- 
rial  wenigstens  des  unteren  Blattes  gilt.  Je  nachdem,  wo  wir  ihn  betrachten  wollen,  hat 
der  Theil  unter  der  Furche  ein  verschiedenes  Aussehen  :  in  den  tiefen  Schichten  stellt  er 
den  weissen  Dotter  dar,  je  näher  zur  Peripherie  des  Eies  und  nach  oben  hin,  werden  die 
Körner  kleiner  und  bilden  unter  der  Dotterhaut  selbst  schon  eine  trübe,  feinkörnige  Masse; 
je  nach  Entfernung  vor  der  Achse,  geht  der  eine  und  der  andere  Theil  ohne  scharfe  Grenze 
in  den  gelben  Dotter  über.  Bei  der  zunächst  darauf  folgenden  Zerstückelung  und  Formi- 
rung  der  deutlichen  Zellen  in  der  Keimscheibe,  haben  wir  nichts  von  den  Autoren  Abwei- 
chendes gefunden  und  werden  sie  daher  nicht  näher  beschreiben.  Wir  wollen  nur  noch  hin- 
zufügen, dass  es  uns  gelungen  ist,  in  einigen  grossen,  am  Boden  der  Keimhöhle  gelegenen 
Kugeln  das  deutliche  Vorhandensein  eines  und  sogar  zweier  Kerne  zu  constatiren,  wodurch 
unzweifelhaft  ihre  Zellennatur  bewiesen  ist.  Auf  einem  Ei  sahen  wir  nach  6-stündigem  Bebrü- 


1)  Solche  Eier  waren  vermuthlich  vor  dem  Normaltermin  gelegt  worden. 


Die  Blutgefässkeime  und  deren  Entwickelung  bei  einem  Hühnerembkyo.  15 

*  ten  einen  deutlichen  Kern  selbst  in  solch  einer  Kugel,  welche  sich  aus  der  ganzen  -Dotter- 
masse noch  nicht  völlig  befreit  hatte.  Bei  weiterem  Bebrüten  ist  die  den  Dotter  trennende 
Grenze  längs  dem  Rande  der  Embryonalplatte  nur  im  Epiblastgebiet  scharf  sichtbar,  der 
Uebergang  des  Hypoblastes  in  den  Dotter  geht  jedoch  allmählich,  ja  völlig  unmerklich  vor 
sich:  die  im  Centraltheile  des  Hypoblastes  bedeutend  abgeplatteten  Zellen,  werden  hier 
dicker  und  ihr  Protoplasma  ist  reicher  an  Dotterkörnern,  bis  endlich  die  Grenzen  und  Kerne 
der  Zellen  allmählich  undeutlich  werden  und  auf  diese  "Weise  schon  das  Bild  des  sogenann- 
ten weissen  Dotters  gewähren.  Dieses  Bild  hat  keinen  Forscher  daran  zweifeln  lassen  — 
darin  das  allmähliche  Anwachsen  des  Hypoblastes  von  der  Peripherie  her  zu  sehen. 

Nach  12  Stunden  liegt  zwischen  dem  Epiblast  und  dem  peripherischen  Theile  des 
Hypoblastes  eine  schon  klar  sichtbare  Schicht  von  Zellen  (s.  Fig.  1). 

Balfour  hat  zuerst  die  Aufmerksamkeit  auf  diese  Zellenschiclit  gerichtet  und  auf 
ihre  Bedeutung  als  selbstständigen,  peripherischen  Theil  des  Mesoblastes  hingewiesen 
(s.  Fig.  100,  S.  143).  Die  auf  unsern  Präparaten  zur  Peripherie  hin  etwas  aufgehäuften 
Zellen  liegen  zum  Centrum  hin  in  zwei  und  endlich  in  einer  Schicht;  alle  haben  sie  deut- 
lich ausgeprägte  Kerne  und  besitzen  die  Eigenthümlichkeit,  dass  sie  je  näher  zum  Centrum 
eine  um  so  gedehntere  Form  bekommen  und,  was  am  interessantesten  ist,  ihr  in  den  peri- 
pherischen Zellen  an  Dotterkörnern  sehr  reiches  Protoplasma  -enthält  deren  weniger  bei 
Annäherung  zum  Centrum  und  die  allerletzten  entbehren  derselben  fast  gänzlich.  Kurz, 
Alles  spricht  dafür,  dass  die  älteren  Zellen  sich  im  centralen,  die  jüngeren  im  peripheri- 
schen Theile  befinden.  Ferner,  die  Zellen  liegen  absolut  frei,  durch  nichts  mit  dem  Pri- 
mitivstreifen verbunden,  Welcher  in  dieser  Periode  dazu  noch' kaum  bezeichnet  ist;  die  ein- 
zige Stelle,  welcher  sie  eng  anliegen,  ist  —  der  peripherische  Theil  des  Hypoblastes.  Dieses 
ist  daher  wahrscheinlich  der  einzige  Ort  ihrer  Entstehung  und  bei  aufmerksamer  Beobach- 
tung dieses  Gebiets,  wird  die  geäusserte  Annahme — Factum.  Hier  ist  der  dem  Epiblast  an- 
liegende sogenannte  weisse  Dotter  feinkörnig  und  bedeutend  aufgelockert;  sobald  er  sich 
vom  Epiblast  trennt,  um  in  den  Hypoblast  überzugehen,  befinden  sich  in  der  Spalte  schon 
grob-  und  feinkörnige  Kugeln  des  Mesoblastes  mit  mehr  oder  weniger  deutlich  sichtbaren 
Kernen. 

Ein  Theil  der  Kugeln  liegt  noch  im  sogenannten  Dotter,  woraus  man  deutlich  sieht, 
dass  sie  aus  dem  letzteren  entstehen.  Obgleich  der  Uebergang  dieser  eben  entstandenen 
dotterreichen  Zellen  zu  den  Centralzellen  eine,  wie  schon  gesagt,  im  höchsten  Grade  stufen- 
"weise  vollständige  Reihenfolge  darbietet,  so  glauben  wir  doch  nicht,  dass  der  Uebergang 
selbst  in  einer  und  derselben  Reihe,  wo  man  den  Schnitt  gemacht  hat,  erfolgt  wäre,  d.  h., 
dass  die  Zellen,  je  nach  ihrer  Entwickelung,  allmählich  näher  zum  Centrum  rückten.  Das 
glauben  wir  aus  dem  Grunde  nicht,  weil  auf  den  weniger  entwickelten  Embryonalplatten 
die  grobkörnigen  Zellen  verhältnissmässig  viel  näher  zum  Centrum  des  Embryo  liegen,  als 
die  völlig  ausgebildeten,  ein  feinkörniges  Protoplasma  enthaltenden  Zellen  auf  der  mehr 
entwickelten  Platte.  Dieses  Factum  kann  man  nur  auf  folgende  Weise  erklären:  die  Zellen 


16 


De.  N.  UsKOw, 


werden,  je  nach  ihrer  Bildung  aus  der  Dottermasse,  sogleich  au  ihrem  Entstehungsorte 
einer  weiteren  Metamorphose  unterworfen  und  die  stufenweise  Reibenfolge  entsteht  nur 
durch  das  aufeinanderfolgende  Erscheinen  der  Zellen.  Zuweilen  kann  man  auf  den  Präpa- 
raten (wir  besitzen  das  Präparat  eines  7-stündigen  im  Sommer  erhaltenen  Embryo)  Bilder 
beobachten,  die  deutlich  dafür  sprechen,  dass  dieser  Mesoblasttheil  viel  weiter  zur  Peripherie 
hin  vom  Ort  der  Zellenbildung  des  Hypoblastes  und  folglich  auch  etwas  früher,  als  die 
Zellen  des  letzteren,  entsteht.  Aus  dem  Gesagten  ist  fürs  Erste  zu  ersehen,  dass  die  von 
den  Autoren  angenommene  Wanderung  der  Segmentkugeln  auf  grosse  Strecken  und  über 
solche  Hindernisse,  wie  die  dicke  Dotterschicht,  nicht  nothwendig  ist.  Man  kann  sich  die 
Bildung  des  Mesoblastes  auch  ohne  die  Fähigkeit  der  Segmentkugeln,  den  für  sie  bestimm- 
ten Ort  in  der  Embryonalplatte  aufzusuchen,  erklären.  Ausserdem,  giebt  es  ja  nur  ein  ein- 
ziges Factum  als  Grundlage  für  alle  diese  Vermuthungen,  —  nämlich  die  Contractions- 
fähigkeit  der  Segmentkugeln,  eine  Fähigkeit,  welche  nach  unserer  Meinung  vollkommen  ge- 
nügt, um  sich  die  Trennung  der  Kugeln  von  der  Dottermasse  zu  erklären. 

Die  zu  beobachtende  Peripherie  der  Embryonalplatte  verändert  sich  wenig  in  den 
nächstfolgenden  Stunden,  so  lange  sie  nicht,  durch  Anwachsen  weiter  nach  aussen  rückend, 
jenen  Theil  des  weissen  Dotters  erreicht,  wo  die  Schicht  des  letzteren  sehr  dünn  ist  und 
dieses  Gebiet  nothwendigerweise  an  den  gelben  Dotter  grenzt.  Dieses  geschieht  ungefähr 
um  die  14-te  Stunde  der  Bebrütung,  d.  h.  wenn  die  Gehirnrinne  schon  deutlich  bezeichnet 
ist.  Um  diese  Zeit  beobachtet  man  ein  abermaliges  Stehenbleiben  der  Wucherung  der  Hy- 
poblastränder  und  des  Mittelblattes;  dem  entsprechend  gehen  die  Hypoblastränder  noch  ein- 
mal, nicht  in  den  Dotter  über;  von  der  anderen  Seite  merkt  man  ein  deutliches  Dicker- 
werden des  Mesoblastrandes  und  die  den  Mesoblast  bildenden  Zellen  sind  schon  gut  ausge- 
bildet, haben  alle  deutliche  Kerne  und  sind  sehr  arm  an  Dotterkörnern.  Uebergangsformen 
von  diesen  Zellen  zum  Dotter  sind  fast  gar  nicht  vorhanden,  so  dass  es  beim  Beobachten 
der  Präparate  in  diesem  Entwickelungsstadium  Keinem  einfallen  kann,  die  Bildung  des  Me- 
soblastes von  der  Peripherie  aus  abzuleiten,  noch  weniger  es  in  Verbindung  mit  dem  weis- 
sen Dotter  zu  bringen.  Eine  solche  Annahme  wäre  um  so  sonderbarer,  da  ein  directer  Zu- 
sammenhang des  peripherischen  Theiles  des  Mesoblastes  mit  seinem  zu  dieser  Zeit  ausge^ 
wachsenen  Centraltheile  auf  den  ersten  Blick  als  unzweifelhaft  erscheint. 

Das  oben  beschriebene  Stehenbleiben  dauert  nicht  lange,  um  die  18-te  Stunde  der 
Bebrütung,  wenn  die  ersten  Kennzeichen  der  primären  Segmente  vorhanden  sind,  verändert 
sich  das  Bild  von  Neuem.  Der  Rand  der  beiden  zu  untersuchenden  Platten  geht  wieder  all-' 
mählich  auf  das  Gebiet  des  gelben  Dotters  über.  Wie  lange  dieses  neue  Bild  der  äussersten 
Peripherie  der  Embryonalplatte  erhalten  bleibt,  haben  wir  nicht  beobachtet,  denken  aber, 
dass  es  sich  bis  zur  Zeit  der  Bildung  des  Sinus  terminalis  nicht  verändert.  Nach  dem  in  der 
Embryonalplatte  eingenommenen  Ort  entspricht  der  jetzige  Randtheil  der  Area  vitellina 
der  Autoren  und  zeigt  auf  den  Schnitten  Folgendes  :  gleich  unter  dem  Epiblast  liegen  grosse 
Elemente  des  gelben  Dotters;  bei  näherer  Beobachtung  ist  ihre  Substanz  verschiedenartig: 


Die  Blutgefässkeime  und  deeen  Entwickelüng  bei  einem  Hühnerembryo.  17 

ausser  den  typischen  feinkörnigen  p]lementen  sieht  man  fast  ganz  homogene  mit  einem 
matten  Glanz.  Stellenweise  sind  diese  homogenen  Massen  in  feine,  zu  Gruppen  verschiede- 
ner Grösse  angeordnete  Klümpchen,  Kügelchen  und  sogar  Tröpfchen  zerstreut.  Die  Fällig- 
keit, die  Färbung  anzunehmen  und  zu  behalten,  ist  ebenfalls  verschieden:  die  homogenen 
Abarten  färben  sich  viel  schwächer  und  in  Form  von  Tröpfchen  —  gar  nicht.  Alle  Ueber- 
gangsformen  der  Dotterelemente  sind  sehr  leicht  auf  ein  und  demselben  Präparate  zu  beob- 
achten. Es  kommen  auch  solche  Elemente  vor,  welche  in  dem  einen  Theil  eine  typische 
gleichmässig  körnige  Masse  vorstellen,  im  andern  —  vollkommen  homogen  sind,  im  drit- 
ten —  glänzende  Tropfen  enthalten.  Elemente  in  Form  von  Gruppen  glänzender  Tropfen 
von  den  Elementen  des  feinkörnigen  weissen  Dotters  zu  unterscheiden  ist  nicht  mehr  mög- 
lich, die  Anwesenheit  aber  der  Uebergangsformen  der  Elemente  des  gelben  Dotters,  haupt- 
sächlich an  der  Grenze  des  weissen,  macht  den  Uebergang  der  einen  Gattung  in  die  andere 
wahrscheinlich.  Ohne  Hilfe  der  Chemie,  auf  Grund  nur  optischer  Data,  kann  das  natürlich 
nicht  entschieden  werden,  jedoch  halten  wir  es  für  unzweifelhaft,  dass,  wenn  die  Elemente 
des  weissen  Dotters  nicht  in  diejenigen  des  gelben  übergehen,  die  Producte  der  weiteren 
Metamorphose  beider  optisch  jedenfalls  völlig  identisch  sind. 

Zwischen  den  Elementen  des  sich  auf  diese  Weise  verändernden  Dotters  befindet  sich 
eben  das  matte,  schwach  granulirte  Netz,  welches  aus  ziemlich  dicken  Querbalken  besteht 
(S.  Fig.  2  und  3).  Nach  den  Arbeiten  Waldeyer's  und  Rauber' s  fällt  es  uns  schon  nicht 
mehr  schwer  in  diesem  Netz  das  einfache  Protoplasmanetz  zu  erkennen,  wofür  die  zahlrei- 
chen in  seinen  Querbalken  enthaltenen  Kerne  einen  unzweifelhaften  Beweis  liefern;  oft  sieht 
man  sogar  in  den  tiefen  Schichten  die  typischen  Figuren  der  Karyomitosis.  Wenn  man  das 
Präparat  durch  Zerzupfen  bearbeitet,  so  erhält  man  abgerissene  Netzstückchen,  welche 
Disse  auch  veranlassten,  die  Existenz  sternartiger  Zellen  an  dieser  Stelle  anzunehmen.  Auf 
den  Schnitten  giebt  es  weder  solche  Zellen,  noch  auch  freie  Kerne,  wie  die  Autoren  angenommen 
haben;  hier  beobachtet  man  nur  Kerne,  welche  von  dem  noch  nicht  zu  Zellen  differenzirten 
Protoplasma  umgeben  sind.  Zuweilen  freilich  liegt  der  Kern  dem  Elemente  des  gelben  Dot- 
ters so  nahe,  dass  er  von  der  einen  Seite  unmittelbar  daran  stösst,  von  der  anderen  dage- 
gen sieht  man  ihn  deutlich  im  engen  Streifchen  des  ins  allgemeine  Netz  übergehenden  Pro- 
toplasma. 

Je  nach  Entfernung  der  Kerne  in  die  Tiefe  wird  ihre  Zahl  geringer  und  das  Netz 
wird  inmitten  der  dichten  Dottermasse  völlig  unsichtbar.  Die  umgekehrte  Erscheinung 
beobachtet  man  bei  Annäherung  der  Kerne  nach  oben  und  besonders  zur  Achse  des  Eies 
hin;  bei  der  weiteren  Beobachtung  in  dieser  Richtung  werden  die  Dotterelemente  feiner, 
liegen  lockerer  und  das  Protoplasmanetz  wird  dichter.  Zugleich  wird  das  Netz  regelmässiger, 
indem  es  nicht  vollständige  vieleckige  Figuren  bildet,  welche  in  der  obersten  Schicht  stel- 
lenweise eine  cylindrische  Form  annehmen;  bei  Annäherung  der  Kerne  nach  oben  hin  wer- 
den sie  ebenfalls  bedeutend  dichter.  In  den  späteren  Entwickelungsstadien  (30  Stunden) 
sieht  man  auf  den  Schnitten  die  vieleckigen  Figuren  häufig  ohne  Kerne,  nur  den  Dotter 

Mémoires  de  l'Acad,  Imp.  des  sciences.  Vllme  Serie.  3 


18 


Dr.  N.  UsKow, 


enthaltend,  zuweilen  liegen  sie  in  einer  Gruppe  von  15  bis  20  und  machen  den  Eindruck 
eines  künstlichen  Products  der  Conservirung  (Goette).  Die  benachbarten  Schnitte  überzeugen 
leicht  von  dem  Gegentheil:  an  Stelle  der  Figuren  liegt  eine  Gruppe  von  Kernen.  Das  be- 
schriebene Bild  erhält  man  nur  deshalb,  weil  die  Kerne  bei  allen  vieleckigen  Elementen  an 
der  zum  Centrum  der  Gruppe  gewandten  Seite  liegen  und  der  Schnitt  durch  den  kernlosen 
Theil  aller  Elemente  gemacht  worden  ist.  Das  von  uns  beobachtete  Bildungsgebiet  der 
Zellenelemente  geht  in  dieser  Periode  ganz  unmerklich  in  den  innern  benachbarten  Hypo- 
blasttheil  über,  um  so  mehr,  da  die  Construction  des  Hypoblastes  sich  in  dieser  Zwischen- 
zeit auch  stark  verändert  hat.  Das  Gebiet,  zu  welchem  wir  jetzt  übergehen,  entspricht  der 
Area  vasculosa  der  Autoren. 

Hier  stellt  das  Hypoblast  fast  cylinderförmige,  an  groben  und  feinen  Dotterkugeln 
reiche  Bildungen  dar,  welche  in  mehrere  Schichten  geordnet  sind;  ihr  feinkörniges  Proto- 
plasma hat  entweder  die  Form  eines  dicken,  aber  losen  Netzes,  oder  ist  an  einer  von  den 
Seiten  zusammengezogen.  Bei  denjenigen  Elementen,  welche  die  oberste  Schicht  (unter  dem 
Mesoblast)  bilden,  liegt  das  einen  deutlich  sichtbaren  Kern  enthaltende  Protoplasma  ge- 
wöhnlich ganz  auf  der  Oberfläche  des  freien  Randes;  der  übrige  Theil  der  Elemente  er- 
scheint leer.  Alle  diese  Bildungen  kann  man,  streng  genommen,  nicht  für  ausgebildete, 
scharf  abgegrenzte  Zellen  halten,  und  zwar  aus  folgendem  Grunde:  trotz  der  grössten  Mühe 
gelang  es  uns  nie,  sie  durch  einfache  Zerzupfung  zuisoliren;  der  Gebrauch  der  gewöhnlichen 
Mittel  nach  der  Methode  Ran  vier 's  (schwache  Spirituslösung,  normales  Jodserum)  gab  keine 
besseren  Resultate.  Jedes  Mal  erhielt  man  Klümpchen  der  Elemente  mit  zerrissenen  Rän- 
dern; einen  unzerrissenen  Rand  konnte  man  nicht  sehen,  die  Fälle  natürlich  ausgenommen, 
wo  ein  Theil  des  oberen  Randes  hinzukam,  was  man  leicht  aus  dem  oben  beschriebenen 
Kennzeichen  ersehen  konnte.  Die  Bearbeitung  dieses  Gebiets  mit  Silber  gelang  uns  ebenfalls 
kein  einziges  Mal.  Ausserdem  erinnert,  bei  aufmerksamer  Beobachtung,  diese  scheinbare 
Zellengrenze  auf  den  Querdurchschnitten  mehr  an  ein  ziemlich  regelmässig  geordnetes  und 
dicht  verflochtenes  Fasernetz.  Auch  die  scharfen  Linien,  welche  gleichsam  eine  Grenze 
der  cylinderförmigen  Figuren  bilden,  gehen  stellenweise  in  ein  zartes  kernhaltiges  Proto- 
plasmanetz über  und  geben  uns  ein  noch  grösseres  Recht,  sie  nicht  für  Zellengrenzen,  son- 
dern für  die  eigentliche  Substanz  der  Zellen  zu  halten.  Endlich  ist  unsere  Annahme  auch 
deshalb  nicht  unwahrscheinlich,  weil  in  den  anderen  Theilen  des  Embryo,  wo  die  Bildung 
der  Zellen  schon  längst  erfolgt  ist,  die  wirkliche  Grenze  zwischen  den  letzteren  so  zart  ist, 
dass  sie  den  genannten  Linien  bei  weitem  nachsteht.  In  Folge  des  oben  Erwähnten  haben 
wir  kein  Recht,  das  ganze  beschriebene  Netz  für  das  Gepräge  der  Zellengrenzen  allein  an- 
zunehmen. Somit  sehen  wir,  ohne  die  Ursache  einer  solchen  optischen  Veränderung  des 
Protoplasma  näher  zu  berühren,  im  ganzen  zu  beschreibenden  Abschnitt  dieses  Entwicke- 
lungsstadiums  nur  das  regelmässig  geordnete  kernhaltige  Protoplasmanetz,  d.  h.  im  Grunde 
dasselbe,  was  wir  oben  längs  dem  äussern  Rande  der  Embryonalplatte  gesehen  haben,  hier 
ist  nur  die  Zellendifferenzirung  weiter  gegangen,  besonders  beim  oberen  Rande.  Die  untere 


Die  Blutgefässkeime  und  deeen  Entwickelung  bei  einem  Hühnerembryo. 


19 


Grenze  dieses  Gebiets  ist  im  Anfang  ebenso  wenig  scharf  bezeichnet,  wie  die  äussere;  gegen 
Ende  der  ersten  Tage  jedoch  äussert  sie  sich  gewöhnlich  durch  ein  deutlicheres  sichelför- 
miges Anhäufen  des  feinkörnigen  Protoplasma  an  den  unteren  Rändern  der  cylindrischen 
Bildungen.  Auf  jedem  Exemplar  eines  24-stündigen  Embryo  kanii  man  Theile  dieses  Hypo- 
blastes  sehen,  die  unten  von  solchen  dünnen  spindelförmigen  Protoplasmaanhäufungen,  zu 
5  bis  10  in  der  Reihe,  begrenzt  sind.  Wenn  wir  daran  erinnern,  dass  die  cylindrischen  Bil- 
dungen an  dieser  Stelle  verschiedenartige  Dotterkugeln  enthalten  und,  wie  gesagt,  in  meh- 
rere Schichten  geordnet  sind,  so  wird  der  Leser  in  dem  zu  untersuchenden  Hypoblastgebiet 
das  Object  sehen,  welches  His  als  Parablast  in  der  «interglobulären  Masse»  beschrieben 
hat.  Je  nach  Annäherung  der  scharfen  Linien  zum  Embryo,  erblassen  sie  allmählich,  das 
Protoplasma  nimmt  schon  einen  grösseren  Theil  der  cylindrischen  Bildungen  ein  und  geht 
endlich  im  Centraltheile  der  Platte  in  eine  würfelartige,  später  in  eine  flache  Form  der 
völlig  entwickelten  Zellen  des  Darmepithels  über. 

Das  eben  beschriebene  Bild  ist  eben  die  Aeusserung  der  factischen  Umwandlung  des 
untersuchten  Gebiets  in  das  Darmepithel.  In  der  That,  je  nach  Entwickelung  der  Embryonal- 
platte rückt  der  peripherische  Theil  der  Area  pellucida  (d.  h.  der  innere  Rand  des  jetzt  von 
uns  zu  untersuchenden  Gebiets)  unzweifelhaft  nach  auswärts,  was  sich  auf  den  Schnitten 
durch  das  Weiterrücken  des  zu  beschreibenden  Hypoblastgebiets,  der  Vergrösserung  des 
Darmepithelgebiets  entsprechend,  äussert;  letztere  Erscheinung  jedoch  kann  nicht  aus- 
schliesslich dem  Anwachsen  der  Zellen  zugeschrieben  werden,  weil  diese  zu  arm  an  karyo- 
kinetischen  Figuren  sind.  Aus  dem  Gesagten  folgt  aber  nicht,  dass  wir  die  Vergrösserung 
der  Area  pellucida  ausschliesslich  der  oben  beschriebenen  Umwandlung  des  einen  Epithels 
in  das  andere  zuschreiben,  da  diese  Vergrösserung  zum  Theil  unzweifelhaft  durch  Verflüs- 
sigung des  Zelleninlialts  erklärt  werden  muss.  Den  eben  dargestellten  Theil  des  Hypoblastes 
kann  man  am  bequemsten  —  Uebergangstheil  nennen,  und  zwar  aus  folgendem  Grunde: 
schon  auf  dem  Rande  der  Embryonalplatte  kann  man,  wie  oben  gesagt,  in  dem  sich  bilden- 
den Protoplasmanetz  nicht  nur  kleine  Kugeln  des  gelben  und  Häufchen  des  weissen  Dotters, 
sondern  auch  alle  Uebergangsformen  des  einen  in  den  andern  sehen  und  hier  gerade  ist  die- 
ser Uebergang  am  deutlichsten. 

Bei  der  Erklärung  dieser  Erscheinung  theilen  wir  vollkommen  die  Meinung  H.  Л^іг- 
chow's,  auch  Janosik's  und  Kollmann's,  welche  dieses  Gebiet  der  physiologischen  Be- 
deutung nach  als  Verdaungsapparat  ansehen.  Wie  die  Zellen  des  ursprünglichen  Em- 
bryonalfleckes in  den  ersten  Stunden  der  Bebrütung  den  Dotter  nur  für  sich  und  die  näch- 
sten zahlreichen  Nachkömmlinge  verarbeiteten,  so  können  auch  die  Hypoblastzellen,  die 
einen  sehr  grossen  Vorrath  von  Nahrungsstoff  enthalten  und  eine  sehr  geringe  Theilungs- 
fähigkeit  besitzen,  den  Stoff  im  Ueberfluss,  mehr  als  zum  eigenen  Bedarf  nöthig  ist.  her- 
stellen. 

Um  uns  eine  richtige  Vorstellung  von  allem  oben  Gesagten  zu  machen,  haben  wir  die 
Entwickelung  des  Eies  untersucht.  Dabei  bemerkten  wir,  dass  die  Körner  des  weissen  Dot- 

3* 


20 


Dr.  N.  UsKow, 


ters  sich  im  Protoplasma  ansammeln  und  dasselbe  anfangs  ohne  jede  Ordnung  durchziehen. 
In  den  nächstfolgenden  Stadien  häuft  sich  bei  Vergrösserung  des  Eies  das  feinkörnige  Pro- 
toplasma an,  und  zwar  mehr  und  mehr  zur  Peripherie  hin  in  Form  eines  bedeutend  dicker 
gewordenen  Discus  im  Umkreise  des  Kernes^),  wobei  man  keine  Spur  einer  deutlichen  Grenze 
zwischen  dem  lebendigen  Protoplasma  und  dem  Dotter  als  einem  todten  Nahrungsstoff  sieht, 
indem  der  Uebergang  ein  vollständig  allmählicher  ist.  Auch  in  den  ersten  Stadien  der  Seg- 
mentation giebt  es  keine  solche  Grenze,  wie  aus  den  Untersuchungen  Oellacher's,  Pere- 
meschko's,  Kölliker's  u.  A.  ersichtlich  ist.  Somit  kommen  wir  zu  dem  Schlüsse,  dass  in 
allen  diesen  Stadien  das  Protoplasma  vom  Dotter  durchzogen  ist.  Die  Anwesenheit  der  Seg- 
mentationskugeln  im  Gebiet  des  weissen  Dotters  unter  der  grossen  Horizontalfurche  zeigt,  dass 
das  Verhältniss  des  Protoplasma  zum  Dotter  auch  in  der  Periode  der  Segmentation  dasselbe 
bleibt.  Es  fragt  sich  nur,  wie  man  das  im  Randgebiet  des  Hypoblastes  beschriebene  Proto- 
plasmanetz betrachten  soll.  Es  ist  unzweifelhaft,  dass  in  den  ersten  Stunden  der  Bebrütung 
sich  kein  Netz  in  dem  Gebiet,  wo  wir  es  beschrieben  haben,  befindet,  es  erscheint  erst  gegen 
Ende  des  ersten  Tages.  Um  diese  Zeit  liegen  die  Dotterelemente  nicht  mehr  so  dicht  an  ein- 
ander und  theils  dadurch  wird  es  möglich,  das  Netz  mit  grösserer  Deutlichkeit  zu  sehen. 
Ausserdem  liegt  durchaus  nichts  Unwahrscheinliches  darin,  wenn  man  die  Verdichtung  des 
Netzes,  für  eine  Zusammenziehung  des  Protoplasma  zur  Oberfläche  des  Eies  hin  bei  gleich- 
zeitigem Erscheinen  und  Vermehrung  der  Kerne  erklärt.  Da  hierbei  die  Dotterelemente  in 
das  Protoplasmanetz  mit  hineingerathen,  so  ist  es  augenscheinlich,  dass  der  Process  selbst 
sich  durch  nichts  vom  Bildungsprocess  der  sogenannten  Segmentationselemente  im  Centrai- 
gebiet unterscheidet  ^).  Die  Oberfläche  selbst  ist  jedoch  vom  völlig  ausgebildeten  und  weit 
über  dieses  Gebiet  gehenden  Epiblast  bedeckt,  das  Protoplasmanetz  liegt  also  unter  dem 
letzteren  ganz  frei,  ohne  jedes  Zusammenwachsen.  Auf  diese  Weise  sehen  wir  völlig  ausge- 
bildete Zellen  des  Epiblastes  und  das  Protoplasmanetz,  welches  noch  keine  Spur  von  Zellen- 
theilung aufweist,  d.  h.  zwei  dem  Entwickelungsgrade  nach  durchaus  verschiedene  Bildungen 
neben  einander.  Aber,  wie  es  scheint,  kann  man  das  einfach  durch  die  rasche  Wucherung 
des  Epiblastes  und  durch  das  dadurch  entstandene  Weiterrücken  seiner  Elemente  erklären. 
In  der  That,  man  sieht  die  karyokinetischen  Figuren  aus  allen  drei  Schichten  fast  nur  im 
Epiblast.  Wir  schliessen  jedoch  auch  das  Anwachsen  als  einen  Factor  der  Epiblastvergrös- 


1)  Hierbei  erlauben  wir  uns  zu  bemerken,  dass  wir 
im  lebenden  Ei,  welches  auf  einem  Erwärmungstischchen 
beobachtet  wurde,  nie  die  von  den  Autoren  beschriebenen 
Höhlen  im  Kerne  gesehen  haben,  sondern  dass  sie  bei  uns 
nur  nach  Absterben  des  Objects  zum  Vorschein  kam. 

2)  Da  wir  anfangs,  ebenso  wie  die  anderen  Autoren, 
der  Ansicht  waren ,  dass  die  Parablastzellen  freiliegende, 
bewegliche  Elemente  seien,  machten  wir,  zur  Lösung 
der  Frage  über  den  Grund  der  Bewegung  der  letzteren 
nach  oben,  in  der  Richtung  zur  Embryonalplatte,  folgen- 
des Experiment. 


Mit  Hülfe  von  drei  dünnen  in  die  Eischale  hinein 
gesteckten  Nadeln  wurde  der  Dotter  fixirt  und,  nach 
Umdrehung  desselben,  in  den  Brutapparat  gelegt.  Dadurch 
erlangten  wir  eine  solche  Lage  desselben,  bei  welcher 
die  Embryonalplatte  sich  unter  dem  Dotter  befand. 
Einige  entwickelten  sich  vollkommen  normal  (bis  zum 
dritten  Tage)  und  dieses  beweist  uns ,  dass  die  Parablast- 
elemente  die  Fähigkeit  besitzen,  wenn  nöthig  auch  in 
der  Richtung  nach  unten  sich  fortzubewegen.  Haben  wir 
einmal  das  oben  beschriebene  Protoplasmanetz  gefun- 
den, so  erklärt  sich  die  Sache  ganz  einfach. 


Die  Blutgefässkeime  und  deren  Entwickelüng  bei  einem  Hühnerembryo.  21 


serung  nicht  aus;  an  seinem  Rande  sehen  wir  ja  fast  immer,  ebenso  wie  Kölliker,  grosse 
Zellenbildungen,  welche  nach  der  Undeutlichkeit  des  Kernes  und  seiner  Umrisse,  sowie  nach 
dem  Reichtimm  des  Protoplasma  an  Dotterkörnern  mit  den  Segmentationskugeln  der  ersten 
Stadien  völlig  identisch  sind.  Die  allgemein  bekannte  ungeheuer  rasche  Wucherung  des  Epi- 
blastes  muss  man  doch  hauptsächlich  durch  die  rasche  Hyperplasie  der  Zellen  erklären. 

Es  bleibt  uns  noch  übrig,  unsere  Ansicht  über  die  Natur  der  Segmentationskugeln  oder 
der  «Protoplasmakugeln»  und  «Dotterzellen»  der  Autoren  auszusprechen.  Jene  Kugeln,  wenn 
sie  auch  undeutliche  Kerne  enthalten,  dienen  augenscheinlich  zur  Zellenbildung  an  ihrem 
Entstehungsort,  wie  wir  es  im  peripherischen  Mesoblasttheile  gesehen  haben.  In  allen  Stadien 
der  Entwickeiung  (wir  sprechen  von  den  Entwickelungsstadien  der  ersten  2  Tage)  kommen 
auch  andere  vollkommen  frei  liegende  Kugeln  vor,  welche  eine  Menge  glänzender,  runder, 
in  ätherischen  Oelen  unlöslicher  Körner  enthalten  und  trotz  aller  Reactive  keine  Spur  von 
Kernen  haben.  Diese  Kugeln  sieht  man  besonders  häufig  gegen  Ende  des  ersten  Tages  und 
hauptsächlich  im  vorderen  Theile  der  Embryonalplatte,  wo  sie  grösstentheils  frei  auf  dem 
Hypoblast  liegen.  Dabei  kann  man  sie  auch  in  dem  sich  erst  bildenden  Hypoblasttheile  beob- 
achten; inmitten  des  deutlich  sichtbaren  Protoplasmanetzes  mit  Kernen  am  obersten  Rande 
kann  man  leicht  solch  eine  Kugel  an  ihrem  Inhalt  erkennen,  um  so  mehr,  da  ein  Theil  des- 
selben frei  liegt.  Trotz  aller  Bemühungen  gelang  es  uns  nicht,  irgend  eine  formative  Bedeu- 
tung dieser  Kugeln  zu  finden,  was  auch  His  nicht  gelungen  ist.  Die  zu  untersuchenden  Ku- 
geln sind  augenscheinlich  mit  einigen  Kugeln  seines  Parablastes  identisch,  ihren  Uebergang 
in  Zellenelemente  «vermuthet»  er  nur  und  giebt  auch  nur  ein  «wahrscheinliches»  Bild  davon, 
wie  solches  geschehen  könnte  ^).  Bei  der  Unmöglichkeit  die  geringste  Spur  eines  Kernes  auf- 
zufinden, zweifeln  wir  sogar  an  der  zellenartigen  Natur  der  Kugeln,  denn  die  von  den  neue- 
sten Histologen  angeführten  Argumente  zum  Beweise  der  Kernbildung  auch  aus  dem  Dotter 
erscheinen  uns  nicht  beweiskräftig  genug,  um  nicht  eine  andere  Erklärung  zuzulassen.  Wir 
erklären  uns  die  Entstehung  solcher  Kugeln  durch  den  Rest  von  Eiprotoplasma,  d.  h.  sie 
können  Theile  des  Protoplasma  sein,  welche  keine  Kernsubstanz  erhalten  haben  und  von  der 
Segmentation  (mit  nachfolgender  Zellenbildung)  des  ganzen  Eiprotoplasma  übrig  geblieben 
sind.  Wenn  sich  Alles  bloss  auf  theoretische  Anschauungen  gründet,  so  sehen  wir  nicht  ein, 
warum  nicht  auch  die  von  uns  geäusserte  Vermuthung  den  zahlreichen  Theorien  eingereiht 
werden  kann.  Sie  hat  sogar  noch  einige  Vorzüge  vor  den  übrigen,  da  sie  uns  nicht  in  die 
Nothwendigkeit  versetzt,  Facta  anzunehmen,  die  man  nicht  beobachtet  hat. 

Alles  oben  Dargelegte  resumirend ,  kommen  wir  ganz  ungezwungen  zu  folgenden 
Schlüssen  : 

1)  Das  Hühnerei  stellt  im  wahren  Sinne  des  Worts  eine  Riesenzelle  dar. 

2)  Wenn  man  statt  der  jetzt  unsicher  gewordenen  Theilung  der  Eier  in  holoblastische 


1)  His.  Zeitschrift  für  Anat.  1876,  S.  284. 


22 


De.  N.  ÜSKOw, 


und  meroblastische,  sie  in  Eier  mit  gleichzeitiger  und  ungleichzeitiger  Segmentation  theilen 
wollte,  so  würde  das  Hühnerei  augenscheinlich  zum  zweiten  Typus  gehören. 

3)  Das  Protoplasma  des  Hühnereies  ist  von  zweierlei  Art  todten  Nahrungsdotters  durch- 
zogen. Das  Protoplasma  ist  gewöhnlich  so  dicht  von  den  feinen  Elementen  des  weissen  Dot- 
ters durchzogen,  dass  seine  Anwesenheit  nur  mit  dem  Erscheinen  der  Kerne  bei  nachfolgen- 
der Segmentation  und  Zellenbildung  zu  Tage  tritt.  Die  Elemente  des  gelben  Dotters  sind 
anfangs  scheinbar  mit  dem  Protoplasma  viel  enger  verbunden,  obgleich  sie  es  weniger  dicht 
durchziehen.  In  den  späteren  Entwickelungsstadien  sieht  man  das  Protoplasma,  auch  wenn 
keine  Kerne  vorhanden  sind;  die  Anwesenheit  der  letzteren  kann  nur  als  Beweis  der  proto- 
plasmatischen Natur  des  sichtbaren  Netzes  dienen. 

4)  Alle  Veränderungen  des  Eies  während  der  Entwickelung  des  Embryo  können  als 
allmähliches  Sichzusammenziehen  des  Protoplasma  zur  Peripherie  hin  und  als  dessen  Seg- 
mentation mit  nachfolgender  Bildung  zahlreicher  Kerne,  so  wie  später  auch  der  Zellen,  for- 
mulirt  werden. 

5)  Diese  beiden  Processe  folgen  einander  und  beginnen  vom  oberen  Ende  der  Vertical- 
achse  des  Eies. 

6)  Der  Segmentationsprocess  geht  nicht  ununterbrochen  fort,  denn  das  Erscheinen  der 
Zellen  in  den  peripherischen  Theilen  erfolgt  mit  einigen  Unterbrechungen. 

Zum  Schluss  halten  wir  es  für  nothwendig,  Einiges  über  die  Benennungen,  welche  man 
dem  Randtheile  der  Embryonalplatte  giebt,  zu  sagen.  «Parablast»  wurde  von  His  der  Neben- 
theil der  Embryonalplatte  genannt,  welcher  nichts  mit  dem  sich  segmentirenden  Eiprotoplasma 
gemein  hat.  Waldeyer  gab  diese  Benennung  dem  mit  der  Segmentation  sich  verspätenden 
Theile  des  Eiprotoplasma;  in  diesem  Sinne  kann  indessen  auch  His's  Parablast  verstanden 
werden.  Als  Beweis  dafür,  dass  das  Parablast  kein  Darmdrüsenblatt  geben  kann,  sagt  His  : 
«denn  es  ist  dasselbe  (Darmdrüsenblatt),  nach  meinen  Erfahrungen  an  Lachsen,  als  dünne 
Lage  abgeplatteter,  vom  untenliegenden  Dotter  scharf  geschiedener  Zellen,  sehr  frühzeitig 
schon  vorhanden,  ehe  überhaupt  nur  parablastische  Elemente  begonnen  haben  bis  unter  den 
Embryo  vorzudringen»  ^).  Auf  diese  Weise  schliesst  das  Wort  «Parablast»  schon  zwei  mit 
einander  nichts  gemein  habende  Begrilfe  ein,  welche  nichtsdestoweniger  keinen  factisch  er- 
klärten Unterschied  darbieten.  Wir  wollten  in  unserer  Darlegung  zur  Bezeichnung  des  mit 
der  Segmentation  sich  verspätenden  Tlieiles  die  von  Kollmann  gegebene  Benennung  «Akro- 
blast»  gebrauchen,  aber  Kollmann,  der  nur  den  peripherischen  Theil  des  Mittelblattes  so 
benennt,  vermuthete,  dass  das  zellenbildende  Material  über  dem  Hypoblast  liege,  wir  jedoch 
suchen  gerade  für  das  letztere  eine  Benennung.  Da  wir  unter  den  existirenden  keine  Benen- 
nung gefunden  haben  und  ihre  Zahl  nicht  noch  vermehren  wollen,  so  behalten  wir,  nach  Köl- 
liker's  Vorgange  die  einfache  allgemeine  Bezeichnung  —  «das  Hypoblast»  bei,  indem  wir 
darunter  den  Theil  des  Eiprotoplasma  verstehen ,  welcher  von  der  Bildung  des  Epiblastes 


1)  His.  Arch.  1882,  S.  73. 


Die  Blutgefässkeime  und  deren  Entwickelung  bei  einem  Hühnerembeyo.  23 


übrig  bleibt.  Da  aber  die  Construction  des  Hypoblastes  in  verschiedenen  Theilen  verschieden 
ist,  je  nach  dessen  Annäherung  zur  Peripherie  hin,  so  theilen  wir  es  in  drei  Theile  : 

a)  Randtheil  des  Hypoblastes.  (Das  Protoplasma  enthält  Kerne  und  hat  keine  Spur  von 
Zellenbildung,  ausser  einer  schwachen  Andeutung  auf  diesen  Process  in  den  oberen  Schichten). 

b)  üebergangstheil  des  Hypoblastes  (hat  cylindrische,  nicht  völlig  ausgebildete  Zellen). 

c)  Centraltheil  des  Hypoblastes  (mit  deutlich  ausgesprochenen  Epithelzellen). 
In  diesem  Capitel  ist  also  schon  bewiesen,  dass 

7)  Je  nach  der  Entwickelung,  alle  drei  Theile  sich  nach  auswärts  fortbewegen,  wobei 
sich  der  Reihe  nach  ein  Theil  in  den  andern  verwandelt. 

8)  Das  verschiedenartige  Aussehen  des  Hypoblastrandtheiles  von  Art  und  Aussehen  des 
Dotters  jenes  Gebiets  abhängt,  auf  welches  die  Entstehung  dieses  Theiles  zu  einer  bestimm- 
ten Zeit  fällt. 


III.  Die  Entstehung  des  Gefässkeimes  aus  dem  Hypoblast. 

Nach  der  Meinung  der  Mehrzahl  der  neueren  Autoren  müssen  die  Elemente  des  Ge- 
fässkeimes, obgleich  sie  längs  der  unteren  Mesoblastfläche  liegen,  doch  ihrer  Entstehung 
nach  den  aus  dem  Dottergebiet  entstandenen  Elementen  zugeschrieben  werden.  Die  für  diese 
Meinung  sprechenden  Data  sind  folgende: 

His,  von  der  Bildung  des  Blutes  sprechend,  meint,  dass  die  parablastischen  Elemente, 
welche  die  Oberfläche  erreicht  haben  und  die  Färbung  schnell  annehmen,  das  Aussehen 
gelber,  viele  Kerne  enthaltender  Kugeln  erhalten,  durch  deren  Ansammlung  sich  «Blutinseln» 
bilden;  die  letzteren  vereinigen  sich  im  Netz  und  geben  das  «GefiissblatbH).  In  einer  andern 
Arbeit  äussert  er,  dass  aus  dem  Parablast  auch  das  Gefässendothel  entsteht  ^). 

Klein  betrachtet  als  Quelle  des  Blutes  und  der  Gefässe  die  «Brutzellen»,  welche  in 
«Endothelblasen»  übergehen.  Vom  Entstehungsorte  der  letzteren  sagt  er  nur,  dass  man  sie 
früh  inmitten  der  zarten  Zellenmosaik  der  tiefen  Schicht  der  Keimscheibe  bemerken  kann, 
obgleich  ähnliche  «Brutzellen»  auch  unter  der  oberen  Schicht  beobachtet  werden  ^). 

Obgleich  Klein  auf  S.  373  und  383  der  von  uns  citirten  Arbeit  das  von  ihm  auf  dem 
Schnitte  gesehene  Bild  beschreibt,  verwirft  Goette  seinen  Gefässkeim,  da  er  findet,  dass 
Klein  die  Embryonalplatte  nur  von  der  Oberfläche,  ohne  Schnitte  gemacht  zu  haben,  unter- 
sucht habe  und  es  deshalb  auch  kein  Wunder  wäre,  dass  er  «Riesenzellen»  mit  endogenischer 
Bildung  erhalten  habe.  Goette's  Meinung  von  den  Resultaten  der  His'schen  Untersuchung 
haben  wir  schon  Gelegenheit  gehabt  näher  kennen  zu  lernen.  Goette  selbst  sagt  von  den 


1)  His.  Unters,  iibei'  die  erste  Anlage  der  Wirbeith. 
Leipzig,  1868,  S.  97. 

2)  His.  Die  Lehre  vom  Bindesubstanzkeim  (Parablast) 


Arch.  1882,  S.  85. 

3)  Klein.  1.  c.  S.  373.  u.  4.  S.  878. 


24 


Dr.  N.  UsKow, 


Dotterzellen,  die  den  Embryo  erreicht  haben:  «Dort  angelangt  werden  die  sich  zerklüftenden 
Zellen  oder  bereits  compacten  Zellengruppen  von  den  Zellennetzen  des  mittleren  Keimblattes 
umsponnen  und  verwandeln  sich  darauf  in  Maschen  desselben,  eingeschlossen  in  die  bekannten 
Blutinseln.  Das  sie  umschliessende  Netzwerk  hängt  natürlich  allseitig  mit  dem  übrigen  inter- 
stitiellen Bildungsgewebe  zusammen»  M. 

Die  bis  jetzt  citirten  Autoren  geben,  wie  wir  sehen,  gar  keine  factischen  Beweise.  Statt 
der  Beschreibung  dessen,  was  sie  auf  den  Präparaten  gesehen  haben,  finden  wir  bloss  eine 
Auslegung  derselben.  Da  es  Facta  giebt,  welche  es  nicht  erlauben  mit  den  oben  erwähnten 
Autoren  übereinzustimmen,  ist  es  sehr  schwer  den  Grund  ihres  Irrthums  zu  finden.  Auch 
die  wenigen  Facta,  welche  sie  angeführt  haben,  werden  widerlegt  oder  erhalten  eine  andere 
Bedeutung.  Kölliker  sagt  direct:  «es  ist  mir  nie  gelungen  etwas  von  einem  solchen  Ein- 
wandern (wie  Goette  es  beschreibt)  zu  sehen,  ich  habe  mich  umgekehrt  von  der  Entstehung 
der  Blutinseln  aus  den  Zellen  der  Gefässanlage  überzeugt»  ^). 

Disse  erkennt,  wie  wir  gesehen  haben,  die  «Dotterzellen»  nicht  als  Bildungen  an,  aus 
welchen  Zellen  entstehen  können.  In  der  zweiten  Hälfte  des  zweiten  Tages  werden  die  Zellen 
in  der  «proximalen  Zone»  durch  Theilung  zahlreicher  und  vertheilen  sich  in  Gruppen,  wes- 
halb der  «Keimwall»  von  der  Oberfläche  aus  netzartig  erscheint  und  wenn  die  Zellen  sich 
dabei  in  Zellenreihen  ordnen,  «so  kommt  es  zur  Bildung  von  Zellenringen,  welche  Dotter 
einschliessen».  Wenn  ein  solcher  Zellenring  in  der  Mitte  Dotterkugeln  oder  Zellen  hat,  so 
«müssen  derartige  Bilder  Klein  veranlasst  haben,  seine  «Endothelblasen»  und  «Brutzellen» 
aus  hohlgewordenen  Zellen  abzuleiten»^).  Disse  selbst  nimmt  an,  dass  der  Gefässkeim  anfangs 
ein  Bestandtheil  des  peripherischen  Mesoblastes  sei,  später  jedoch  nach  der  Formirung  des 
letzteren  zu  einer  selbstständigen  «Gefässplatte»  werde.  lieber  die  Bildung  aber  des  peri- 
pherischen Mesoblastes  aus  den  im  Dotter  liegenden  Zellen  sagt  er  einfach  :  Die  Zellen  stei- 
gen aus  dem  Dotter  des  Keimwalls  auf  und  vertheilen  sich  auf  der  unteren  Mesoblastfläche, 
w'eshalb  auch  jene  Ungleichmässigkeit  und  überhaupt  die  wenig  scharfe  Begrenzung  vom 
Dotter  entstellt.  Wir  finden  auch  bei  diesem  Autor  keine  Beweise  für  die  Fortbewegung. 
Einen  solchen  Beweis  könnte  man  erhalten,  wenn  man  in  dem  letzten  Satz  die  Schlussfolge- 
rung als  Grund  annehmen  würde,  jedoch  wird  es  auch  dann  zu  unbestimmt  sein,  welcher 
Art  diese Undeutlichkeit  der  Begrenzung  ist*).  Auf  der  Fig.  14  (a  und  b)  sieht  man  gerade 
das  Gegentheil:  die  obere  Grenze  der  Keimwallzellen  bildet  eine  gerade  Linie. 

Ko  Ilm  an  n  sagt  direct:  «es  wandern  zu  keiner  Zeit  Zellen  hinauf  oder  hinab,  sondern 
die  Dotterelemente  werden  von  der  Reihe  des  Entoblastlagers  incorporirt»  "),  Die  Bewe- 
gung der  Zellen  nach  oben  verwerfend,  nimmt  der  Autor  jedoch  ihre  Bildung  zwischen  dem 
Epiblast  und  dem  Hypoblast  in  Form  von  Elementen  der  verspäteten  Segmentation  und 


1)  Goette.  1.  c.  S.  186.  S.  576  und  577. 

2)  Kölliker.  Entwickelungsgeschiclite  der  Menschen  4)  1.  c.  S.  582.  und  Fig.  14. 
etc.  S.  179.  5)  Kollmann.  1.  c.  S.  394. 

3)  Disse.  Arch.  für  mikroskop.  Anatomie.  Bd.  XVI. 


Deb  Blutgepässkeime  und  deeen  Entwickelung  bei  einem  Hühnerembeyo.  2& 


später  in  Form  von  wandernden  Zellen  —  der  Proteuten  an.  Wir  sagen  «er  nimmt  an»,  da 
wir  in  seiner  Arbeit  keine  Facta  sehen,  welche  es  beweisen  sollten  ;  wenn  wir  die  Zeich- 
nungen ansehen,  so  erweist  es  sich,  dass  sie  völlig  schematisch  sind,  und  man  kann  nicht 
einsehen,  warum  aus  der  Reihe  der  Proteuten  sich  der  Gefässkeim  und  nicht  das  Mesoblast 
bilden  soll.  Uebrigens  sagt  auch  der  Autor  selbst:  «Der  Hühnerembryo  ist  für  die  Entschei- 
dung der  wichtigsten  Puncte  ein  beinahe  unbrauchbares  Object».  Alle  seine  Schlüsse  hat 
er  auch  hauptsächlich  auf  Grund  von  Untersuchungen  an  Reptilien  und  Selachiern  gezogen. 

Bei  Beobachtung  einer  grossen  Menge  von  Schnitten  ein  und  desselben  Entwickelungs- 
stadiums  bemerkt  man,  dass  die  Zellenbildung  in  der  obersten  Schicht  des  Hj'-poblastüber- 
gangstlieiles  ungleichmässig  ist.  "Wie  wir  schon  oben  bemerkt  haben,  ist  sie  in  dei'  Richtung 
zum  Centrum  scharf  ausgeprägt  und  wird  zur  Peripherie  hin  weniger  deutlich  ;  aber  stellen- 
weise giebt  es  gleichsam  Abweichungen  von  dieser  allgemeinen  Regel.  Das  zusammenge- 
häufte einen  grossen  Kern  enthaltende  Protoplasma  ist  in  mehreren  Bildungen  nach  der 
Reihe  unsichtbar,  worauf  man  es,  den  Schnitt  verfolgend,  in  mehreren  Zellen  Aviedersieht, 
Wenn  man  die  aufeinanderfolgenden  Präparate  ein  und  derselben  Serie  betrachtet,  so  kann 
man  sich  leicht  davon  überzeugen,  dass  der  sichtbare  Mangel  der  Kerne  auf  den  erwähnten 
Stellen  nicht  vom  Messerschnitte  herrührt,  der  den  kernhaltigen  Theil  vom  kernlosen  getrennt 
hat;  daraus  kann  man  schliessen,  dass  auf  der  Oberfläche  des  Hypoblastes  sich  cylinderförmige 
kernlose  Bildungen  befinden,  welche,  was  besonders  wichtig  ist,  gerade  an  der  Stelle  liegen, 
wo  die  Gefässkeime  besonders  stark  ausgeprägt  erscheinen.  An  diesen  Stellen  sind  die  Hypo- 
blastkerne  grösstentheils  in  solchen  Zellen  sichtbar,  welche  sich  erst  in  der  zweiten  oder  gar 
dritten  Schicht  befinden.  Dieses  Factum  spricht  dafür,  dass  das  an  der  Stelle  der  Gefässkeime 
sich  befindende  Hypoblast  nicht  mit  den  unmittelbar  unter  dem  Mesoblast  liegenden  Theilen 
identisch  ist.  Später,  in  der  zweiten  Hälfte  des  ersten  Tages,  bildet  die  Oberfläche  des  Hypo- 
blastes fast  eine  gerade  Linie.  Diese  Linie  wird  auf  einigen  Stellen  mitunter  durch  eine  be- 
deutende kegelförmige  Hervorragung  nach  oben  hin,  zwischen  den  Ausbauchungen  des  Me- 
soblastes,  unterbrochen,  wobei  dann  im  Hypoblast  immer  Kerne  mit  einer  geringen  Proto- 
plasmaquantität sichtbar  sind.  Gefässkeime  im  strengen  Sinne  sind  nicht  vorhanden,  das 
Protoplasma  ist  um  die  Kerne  herum  stark  zusammengezogen,  die  Dotterkugeln  und  die 
scheinbar  leeren  Räume  sind  nach  unten  zu  stark  abgerückt  —  daraus  kann  man  schliessen, 
dass  der  Gefässkeim  an  dieser  Stelle  sich  noch  nicht  völlig  ausgebildet,  noch  niclit  ganz  vom 
Hypoblast  abgesondert  habe.  Dieses  ist  um  so  wahrscheinlicher,  da  man  Zellengruppen  des 
Gefässkeimes  antreffen  kann,  welche  einzig  und  allein  durch  cylindrische  Gebilde  mit  dem 
Hypoblast  verbunden  sind.  Zuweilen  erhielten  wir  Schnitte,  bei  deren  Betrachtung  es  uns 
schwer  fiel  zu  bestimmen,  ob  wir  die  Zellengruppe  dem  Gefässkeime  oder  dem  abgesonderten, 
oberen  Hypoblastrande  zuertheilen  sollen.  Auf  diese  Weise  sehen  wir  alle  üebergangsformen 
von  der  Protoplasmaansammlung  um  die  Kerne  in  der  oberen  Hypoblastschicht  bis  zu  den 
Zellengruppen  der  Gefässschicht  inclusive.  Wie  sehr  diese  Beobachtung  auch  dafür  spräche, 
so  würde  diese  Schlussfolgerung  doch  nur  auf  der  Vertheilung  der  Bilder  in  einem  bestimmten 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  зоіѳпсез.  Vllme  Série.  4 


26 


De.  N.  ÜSKOW, 


System  basiren,  was,  selbstverständlich,  willkürlich  und  künstlich  sein  kann.  Bei  der  Lösung 
der  Frage  nur  auf  diesem  Wege  hat  ja  auch  ein  jeder  von  unsern  Vorgängern  seine  Theorie 
aufgestellt.  Die  oben  erwähnte  Annahme  kann  nur  so  lange  für  wahrscheinlich  gehalten  wer- 
den, bis  es  möglich  sein  wird,  zu  zeigen,  dass  in  der  That  auf  der  Stelle  des  Hypoblastes  mit 
der  Zeit  Gefässkeime  erscheinen  und  dass  die  letzteren  keine  andere  Entstehungsquelle  haben. 
Um  dieses  zu  zeigen,  können  wir  nichts  Besseres  thun,  als  das  Randgebiet  des  Hypoblastes 
untersuchen. 

Auf  den  Querdurchschnitten  eines  Embryo  mit  zwei  Segmenten  sehen  wir: 

1)  Eine  scharfe  Grenze  zwischen  dem  Mesoblast  und  dem  Randtheile  des  Hypoblastes; 
das  Mesoblast  endigt  mit  Zellen,  welche  in  Form  eines  Dreiecks  gruppirt  sind.  Diese  Zellen- 
gruppe ist  mit  dem  Mesoblast  eng  verbunden  und  geht  ohne  sichtbare  Grenzen  in  den  letz- 
teren über,  von  oben  und  unten  aber  ist  sie  scharf  begrenzt  und  hat  weder  mit  dem  Hypo- 
blast,  noch  mit  dem  Epiblast  etwas  gemein.  Die  Spitze  des  Dreiecks  ist  ebenso  frei  und  oft 
hat  die  sich  darin  befindende  Zelle  eine  karyokinetische  Figur;  die  übrigen  Zellen  haben  die 
Form  runder  junger  Zellen  —  mit  einem  Wort,  wir  haben  hier  eine  Erscheinung,  welche 
keine  andere  Auslegung  zulässt,  als  die,  dass  die  peripherische  Wucherung  des  Mesoblastes 
selbstständig  vor  sich  gehe. 

2)  Haben  wir  zugleich  Bilder  ganz  anderer  Art  :  auf  dem  Mesoblastrande  sind  die  Zel- 
len gleichsam  sehr  locker  geordnet,  bei  aufmerksamer  Beobachtung  mit  dem  Immersions- 
system aber  erklärt  sich  diese  scheinbare  Erscheinung.  In  Wirklichkeit  liegen  die  Zellen, 
welche  von  bedeutender  Grösse  sind,  eng  an  einander  und  enthalten  im  Centrum  einen  gros- 
sen leeren  Raum  (der  augenscheinlich  im  Leben  mit  flüssigem  Inhalt  angefüllt  ist)  ;  das 
Protoplasma  aber  ist  in  Form  eines  dünnen,  kaum  sichtbaren  Ringes  vorhanden,  ausser  an 
einer  Stelle,  wo  es  dicht  zusammengezogen  ist,  sich  färbt  und  deutliche  Kerne  enthält.  Je 
näher  diese  Zellen  zur  Peripherie  des  entstandenen  Mesoblastes  liegen,  desto  mehr  haben  sie 
das  Aussehen  gewöhnlicher  Zellen,  von  den  leeren  Räumen  sieht  man  weniger,  von  dem  an- 
gehäuften Protoplasma  dagegen  mehr  (s.  Fig.  4  und  5).  Nicht  selten  kann  man  dabei  eine 
deutliche  Hypoblastzelle  mit  einem  grossen  karyokinetischen  Stern  auf  der  Oberfläche  sehen. 
Stellenweise  begegnet  man  Zellen  von  völlig  dreieckiger  Form  mit  nach  unten  gekehrten 
Spitzen.  In  diesen  Fällen  hat  das  am  Fusse  des  Dreiecks  ebenfalls  verdickte  Protoplasma 
zuweilen  2  bis  5  Kerne.  Das  Alles  zeigt,  dass  der  Uebergang  der  Hypoblast-  in  die  Meso- 
blastzellen  ein  völlig  stufenweiser  ist  und  durchaus  aller  sichtbarer  Grenzen  ermangelt. 

Die  Querdurchschnitte,  auf  welchen  man  deutliche  Uebergangsbildungen  des  Hypo- 
blastes in's  Mesoblast  sehen  kann,  sind  in  den  Serien  mit  den  Präparaten,  die  eine  scharfe 
Grenze  der  beiden  Schichten  ergeben,  vermischt  und  zwar  auf  folgende  Weise:  in  den  Kopf- 
und  Schwanztheilen  der  Embryonalplatte  wechseln  der  Reihe  nach  2  bis  6  Präparate  der 
ersten  Art  mit  1,2,  4  Präparaten  der  zweiten  Art  ab;  im  Mitteitheile  der  Embryonalplatte 
dagegen  folgen  auf  1 — 15  Präparate  der  ersten  Art  3 — 8  Schnitte  der  zweiten  Art. 


Die  Blutgefässkeime  und  deeen  Entwickelung  bei  einem  Hühnerembryo.  27 

Dieses  Factum  könnte  man  dadurch  erklären,  dass  die  Querschnitte  in  den  Kopf-  und 
Schwanztheilen,  in  Folge  der  Bogenform  des  Randes,  in  schräger  Richtung  zum  letzteren 
gemacht  werden  müssen;  dadurch  erhält  man  nothwendigerweise  Präparate,  die  zur  Bestim- 
mung der  Schichtgrenzen  unvortheilhaft  sind.  Im  Aequatorialtheile  der  Embryonalplatte 
dagegen  gehen  die  Schnitte  längs  dem  Radius,  deshalb  sind  sie  die  bequemsten  zur  Erhaltung 
der  Grenzen.  Es  sind  ja  gerade  diese  Schnitte,  wo,  wie  es  die  oben  angeführten  Zahlen  zeigen, 
bei  den  meisten  Präparaten  beide  Schichten  scharf  von  einander  getrennt  sind.  Aber  eine 
solche  Erklärung  würde  nur  in  dem  Falle  begründet  sein,  wenn  die  Schnitte  dicker,  als  eine 
Zellenschicht  wären  und  wenn  man  von  demUebergang  der  einen  Bildung  in  die  andere  nur 
nach  der  grösseren  oder  geringeren  Deutlichkeit  der  begrenzenden  Linien  urtheilen  würde. 
In  unserem  Falle  jedoch  kann  das  letztere,  wie  aus  dem  oben  Beschriebenen  zu  ersehen, 
nicht  angewandt  werden,  und  die  Schnitte  wurden,  mit  geringen  Ausnahmen,  durch  eine 
Schicht  der  Epiblastzellen  gemacht.  Die  einzig  mögliche  uns  übrig  bleibende  Erklärung  des 
angeführten  Factums  ist  die,  dass  man  eine  Tlieilnahme  des  Randhypoblastes  an  der  Meso- 
blastbildung  annimmt;  wie  wir  sehen,  vertlieilt  sich  aber  dieser  Process  in  jedem  gegebenen 
Moment  nicht  gleichmässig  längs  dem  Rande  der  Embryonalplatte.  Folglich  kann  das  Meso- 
blast  stellenweise  und  zuweilen  selbstständig  anw^achsen,  stellenweise  jedoch  durch  Hinzu- 
fügung der  Elemente  aus  dem  Randhypoblast. 

Auf  einigen  Präparaten  kann  man  auf  dem  äussersten  Mesoblastrande  sehen,  dass  der 
Gefässkeim  in  Form  einer  Zellengruppe  oder,  richtiger,  in  Form  eines  Gebildes  mit  mehre- 
ren Kernen  an  der  Oberfläche  des  Randhypoblastes  sich  befindet,  wobei  das  Protoplasma  noch 
nicht  Zeit  hatte,  sich  von  der  übrigen  Masse  abzusondern  (s.  Fig.  5).  Augenscheinlich  wieder- 
holen sich  hier  Erscheinungen,  welche  wir  im  Uebergangstheil  des  Hypoblastes  beschrieben 
haben,  nur  kommen  sie  hier  häufiger  vor  und  sind  viel  schärfer  ausgeprägt.  Solche  nicht 
völlig  abgesonderte  Zellengruppen  des  Gefässkeimes  kommen  auch  in  einiger  Entfernung 
nach  aussen  vom  Mesoblastrande  vor,  als  eine  seltene  Ausnahme  —  sogar  im  Innern  des  Hypo- 
blastes, worauf  wir  auch  oben,  beim  Beweise  ihrer  vom  Mesoblast  unabhängigen  Entstehung, 
hingewiesen  haben.  Auf  der  Uebergangsstelle  des  Hypoblastes  in's  Mesoblast  kann  man  eine 
Zelle  mit  zwei  Kernen  sehen  und  dann  ist  es  völlig  unmöglich  zu  bestimmen,  ob  eine  solche 
Hypoblastzelle  durch  Aveitere  Vermehrung  der  Kerne  einen  Gefässkeim  ergiebt  oder,  sich 
nur  in  zwei  Zellen  theilend,  zu  einem  Bestandtheile  des  Mesoblastes  wird.  Folglich  sehen 
wir  auf  ein  und  derselben  Stelle  die  gleichzeitige  Bildung  des  Gefässkeimes  und  des  Meso- 
blastes, oft  erscheint  beides  in  Form  noch  nicht  ausgebildeter  Zellen,  Dadurch  constatiren 
wir  eben  das  wichtige  Factum,  dass  beide  zu  untersuchenden  Bildungen  in  diesem  Ent- 
wickelungsstadium  ein  und  dasselbe  sind,  oder  auch,  dass  das  Mesoblast  und  der  Gefässkeim 
nur  so  lange  ein  und  dieselbe  Bildung  darstellen,  so  lange  man  weder  das  eine,  noch  den 
anderen  mit  dem  eigentlichen  Namen  belegen  kann.  Hierbei  halte  ich  es  für  nöthig  folgendes 
hinzuzufügen  :  obgleich  deutliche  Spuren  des  Gefässkeimes  in  einiger  Entfernung  vom  Meso- 
blast und  häufig  auch  an  seinem  Entstehungsort  vorkommen,  so  findet  man  sie  doch  grössten- 

4* 


28 


Dr.  N.  UsKow, 


tlieils  gleich  unter  dem  Mesoblast,  sei  es  schon  gespalten  oder  dreieckig  geformt.  Diese  Er- 
scheinung ist  von  unserem  Standpunct  aus  nothwendig  und  wird  einfach  dadurch  erklärt, 
dass  die  recht  grosse  vielkernige  Gruppe  des  Gefässkeimes,  ehe  sie  zu  einer  solchen  wird, 
zur  Theilung  ihrer  Kerne  Zeit  braucht.  In  dieser  Zeit  verwandeln  sich  die  anderen  Zellen 
in's  Mesoblast,  wobei  sie  sich  abplatten  und  ausdehnen  ;  auf  diese  Weise  tritt  der  Mesoblast- 
rand  über  den  Gefässkeim. 

Eine  besondere  Aufmerksamkeit  verdienen  die  Querdurchschnitte,  welche  an  der  Em- 
bryonalplatte mit  zwei  Segmenten  durch  den  hintersten  Rand  der  Area  vasculosa  gemacht 
worden  sind.  Hier  sieht  man  beim  ersten  Blick  auf's  Präparat  zwischen  dem  Hypoblast  und 
dem  Epiblast  eine  fast  compacte  dicke  Zellenschicht,  oder  richtiger  eine  Schicht  von  Kernen, 
welche  in  das  dichte,  sich  intensiv  färbende  Protoplasma  eingeschlossen  sind.  Stellenweise 
liegen  längs  dem  oberen  Rande  blasse  Zellen  mit  scharfen  Umrissen  und  von  etwas  ovaler 
Form.  Dieses  ist  die  Stelle  der  Embryonalplatte,  welche  sich  zur  Demonstration  der  Ent- 
stehung des  Gefässkeimes  aus  dem  Mesoblast  am  meisten  eignet.  Wir  haben  eine  vielkernige, 
undeutliche  Zellen  enthaltende  Protoplasmamasse,  welche  sich  zwischen  dem  Hypoblast  und 
dem  Epiblast  befindet,  folglich  —  das  junge  Mesoblast;  in  den  längs  dem  oberen  Rande  zer- 
streuten Zellen  äussert  sich  die  Zellendifferenzirung  des  eigentlichen  Mesoblastes  vom  Ge- 
fässkeime.  Zur  Demonstration  haben  wir  das  Alles  auf  einem  Präparat  und  sogar  auf  einem 
Sehfelde,  jedoch  —  nur  zur  Demonstration  und  nicht  zur  Erklärung  einer  Erscheinung,  welche 
während  50  Jahren  ein  Rätlisel  geblieben  ist.  In  Wirklichkeit  ergeben  in  tangentaler  Rich- 
tung gemachte  Schnitte  nur  Bilder  der  Längendurchschnitte  des  hinteren  Randes  der  Area 
vasculosa,  welche  in  der  Richtung  der  Radien  wächst.  Folglich  wären  wir,  wenn  wir  nur 
diese  Schnitte  untersuchen  würden,  in  der  Lage  eines  Menschen,  welcher  die  Phasen  der 
geradlinigen  Bewegung  irgend  eines  Gegenstandes  beobachten  will  und  sich  dabei  in  der 
Richtung  dieser  Bewegung  hinstellt. 

Wenn  wir  die  ausführlich  beschriebenen  Querdurchschnitte  der  Embryonalplatte  ver- 
einigen, so  wird  ihr  Rand  gerade  dieses  Bild  zeigen,  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  die 
Gefässkeime  im  hinteren  Theile  der  Area  vasculosa  unvergleichlich  mehr  Kerne,  als  in  den 
andern  Theilen  gebildet  haben.  Es  ist  überflüssig  hinzuzufügen,  dass  die  zerstreuten  Meso- 
blastzellen  das  ausgezackte  Aussehen  des  Mesoblastrandes  darstellen.  Die  Längendurch- 
schnitte der  Embryonalplatte  und  folglich  die  Querdurchschnitte  des  zu  beschreibenden  hin- 
teren Randes  dienen  uns  als  unzweifelhafter  Beweis  der  ganzen  obenangeführten  Erklärung. 

Bis  jetzt  sprachen  wir  von  der  Entstehung  hauptsächlich  jenes  Theiles  des  Gefässkeimes, 
welcher  das  Aussehen  kugelförmiger  Zellengruppen  hat,  was  jedoch  den  andern  Theil  betrifft, 
d.  h.  denjenigen,  wo  die  Zellengruppen  in  Form  von  mehr  oder  weniger  regelmässigen  Cylin- 
dern  vertheilt  sind,  so  können  wir  über  dessen  Entstehung  keine  so  kategorisch-deutliche 
Antwort  geben.  Wir  besitzen  folgende  Hinweisungen:  1)  ist  es  unzweifelhaft,  dass  die  cylinder- 
förmigen  Gruppen  sich  auf  dem  Uebergangstheile  des  Hypoblastes  befinden,  wo  sie  sich  anfangs 
mit  den  kugelförmigen  Gruppen  vermischen;  auf  dem  Centralth  eile  des  Hypoblastes  aber  kommen 


Die  Blutgefässkeime  und  deeen  Extwickelüng  bei  einem  Hühneeembeyo. 


29 


nur  cylinderartige,  vereinzeltere  Formen  vor.  Ferner  gelingt  es  sehr  selten,  den  Zusammen- 
hang dieser  Gruppenform  mit  dem  Hypoblast  zu  beobachten,  jedoch  trafen  wir  auch  unzweifel- 
haft dafür  sprechende  Stellen  an,  d.h.  solche,  wo  die  Umrisse  und  das  Protoplasma  der  cy- 
lindrischen  Hypoblastzelle  sich  unmittelbar  in  eine  Zellenreihe  der  zu  beobachtenden  Form 
des  Gefässkeimes  fortsetzen.  Das  ist  das  einzige  Factum,  welches  darauf  schliessen  lässt, 
dass  auch  die  cylindrische  Form  des  Gefässkeimes,  wenn  auch  nur  an  einzelnen  Stellen,  aus 
dem  Hypoblast  entsteht.  Wir  geben  gern  zu,  dass  das  oben  beschriebene  Bild  allein  kein 
directer  Beweis  ist,  es  giebt  uns  nur  eine  Hinweisung  für  eine  wahrscheinliclie  Annahme. 
Andererseits  aber,  wie  viele  auf  die  Beobachtung  eines  todten  Objects  gegründete  Schluss- 
folgerungen giebt  es  überhaupt  in  der  Wissenschaft  über  das  Leben,  welche  sich  einer  grös- 
seren Bestimmtheit  rühmen  könnten? 


Wir  müssen  noch  auf  eine  Stelle  aufmerksam  machen,  wo  scheinbar  das  Mesoblast  als 
die  Quelle  der  Blutgefässe  erscheint.  Das  ist  die  Oberfläclie  der  olieren  Mesoblastplatte,  worauf 
schon  Kölliker  hingewiesen  hat').  In  derThat, man  kann  an  dieser  Stelle  besser  vielleicht, 
als  an  allen  andern,  die  stufenweise  Entwickelung  der  Gefässe  aus  den  Zellen  des  Gefäss- 
keimes verfolgen  ;  doch  Fig.  7  und  8  sprechen,  wie  es  scheint,  ziemlich  deutlich  für  die  Ent- 
stehung der  Gefässkeimzellen  aus  dem  Hypoblast  auch  in  diesem  Gebiet.  Wir  glauben,  dass 
es  nur  eine  Erklärung  ähnlicher  Bilder  giebt  :  bei  der  Bildung  des  peripherischen  Mesoblast- 
theiles  sind  die  Gefässkeimelemente,  welche  zuweilen  den  Dotter  sogar  noch  nicht  verarbeitet 
haben,  theils  zwischen  den  Zellen  des  Mesoblastes,  tlieils  auf  dessen  Oberfläclie  geblieben. 
Die  Richtigkeit  einer  solchen  Erklärung  wird  noch  dadurch  bestätigt,  dass  ein  solcher  Ge- 
fässkeim  sich  immer  auf  der  Stelle  befindet,  welche  dem  Gefässkeim  auf  dem  Hypoblast  ent- 
spricht. Aus  diesen  Gründen  erklären  wir  die  von  Kölliker  auf  Fig.  93  dargestellte  Er- 
scheinung auf  folgende  Weise:  die  Ringe  des  Mesoblastes  sind  nicht  die  aus  dem  letzteren 
entstandenen  Gefässkeime,  sondern  stellen  nur  Schnitte  durch  schon  ziemlich  entwickelte 
Gefässe  dar. 

Zum  Schluss  halten  wir  es  nicht  für  überflüssig,  einige  Worte  über  die  Art  und  Weise 
zu  sagen,  wie  aus  dem  Hypoblast  die  zu  untersuchenden  secundären  Gebilde  entstehen.  Die 
Beantwortung  dieser  Frage  kann  man  in  der  topographischen  \'"ertheilung  der  Schichten 
finden:  in  der  That,  bei  der  Beschreibung  der  Entstehung  des  primären  Mesoblastes  eines 
12 -stündigen  Embryo  sahen  wir,  dass  es  unter  dem  Epiblast,  in  der  äussersten,  durch  das 
Wegrücken  des  Hypoblastes  entstandenen  Ecke  erscheint.  Dieses  Verhältniss  bleibt  auch 
in  jenem  Stadium,  wo  aus  dem  Hypoblast,  ausser  dem  Mesoblast,  sich  auch  der  Gefässkeim 


1)  Kölliker.  1.  c.  S.  161. 


30 


Dr.  N.  ÜSKOw, 


bildet.  Wenn  man  aus  allen  von  uns  angeführten  Tliatsaclien  die  Ueberzeugung  gewinnt,  dass 
die  genannten  Bildungen  in  der  Peripherie  entstehen,  so  lässt  das  eben  erwähnte  topographi- 
sche Verhältniss  keine  andere  als  die  folgende  Auslegung  zu:  das  Hypoblast  muss,  nachdem 
es  zwei  Schichten  (das  Mesoblast  und  den  Gefässkeim)  aus  seinem  oberen  Theile  abgegeben 
hat,  selbst  notliwendigerweise  in  der  Tiefe  bleiben,  oder  aber:  das  Mesoblast  und  der  Ge- 
fässkeim sind  nicht  aus  dem  Hypoblast  hervorgekommen,  sondern  sind  aus  ihm  selbst  ent- 
standen und  bleiben  an  ihrem  Entstehungsorte  liegen.  Die  zweite  Hälfte  der  Erklärung  bleibt 
auch  in  den  Fällen  richtig,  wenn  die  kugelförmigen  Zellengruppen  des  Gefässkeimes  anschei- 
nend in  der  Tiefe,  weit  von  der  Oberfläche  des  Hypoblastes  liegen,  da  sie  sich  zugleich  auch 
im  von  der  Centraiachse  des  Embryo  entfernten  Gebiet  befinden  und  hier  kann,  wie  wir  sehen 
werden,  die  Bildung  der  Gefässe  in  sehr  tiefen  Theilen  am  häufigsten  vorkommen.  Wenn  man 
die  Querdurchschnitte  der  Embryonalplatte  vor  dem  Anfang  des  zweiten  Tages  beobachtet, 
so  kann  man  sich  ohne  jede  Mühe  davon  überzeugen,  dass  der  Entstehungsort  des  Mesobla- 
stes  und  des  Gefässkeimes  aus  dem  Hypoblast  zur  Peripherie  näher  kommt  ;  mit  andern  Wor- 
ten, je  nach  der  Bildung  der  deutlichen  Hypoblastzellen,  rückt  das  Gebiet,  aus  welchem  die 
beiden  zu  untersuchenden  Bildungen  entstehen,  weiter.  Es  ist  fast  überflüssig  hinzuzufügen, 
dass  auf  diesem  Wege  die  Verbreiterung  des  Gefässkeimgürtels  (Area  vasculosa)  vor  sich  geht. 
Aus  allem  in  diesem  Abschnitt  Gesagten  ziehen  wir  folgende  Schlüsse: 
9)  Der  Gefässkeim  entsteht  aus  dem  Rand-  und  Uebergangstheil  des  Hypoblastes. 

10)  Der  Randtheil  des  Hypoblastes  ergiebt  auch  den  peripherischen  Theil  des  Meso- 
blastes, 

11)  Folglich  haben  wir  (auf  Grund  der  7.  Schlussfolgerung)  den  Hinweis,  dass  das 
Hypoblast,  mit  Ausnahme  weniger  Theile,  den  Gefässkeim  später  als  das  Mesoblast  bildet. 

1 2)  Diese  beiden  Gebilde  entstehen  durch  Umwandlung  der  Elemente  des  Hypoblastes 
bei  dessen  Formirung. 

13)  Zur  Erklärung  ihrer  Entstehung  brauchen  wir  nicht  die  unbegründete  Hypothese 
von  der  Emigration  der  Zellen  durch  den  Dotter  in  der  Richtung  nach  oben  aufzustellen. 
Alle  Erscheinungen  lassen  sich  leicht  durch  Entstehung  der  Elemente  auf  jener  Stelle,  wo 
wir  sie  antreffen,  erklären. 

14)  Der  Gefässkeim  entsteht  nicht  aus  dem  Mesoblast,  sondern  bildet  sich  fast  gleich- 
zeitig mit  dem  letzteren  bei  der  Differenzirung  der  Hypoblastelemente. 

Zum  Schluss  wird  es  nicht  uninteressant  sein,  daran  zu  erinnern,  dass  Alles  in  Betreff 
des  Blutes  vor  46  Jahren  von  Reichert  im  Allgemeinen  errathen  worden  ist;  auf  Seite  144 
sagt  er:  «Sie  (die  Blutzellen)  entstehen  auch  ebenso,  лѵіе  die  letzteren  (die  Zellen  der  übri- 
gen Systeme),  durch  Entwickelung  junger  Generation  in  den  vorhandenen  Dotterzellen  (nicht 
im  Sinne  Goette's)  der  embryonischen  Anlagen  und  zwar  auf  Kosten  des  kugeligen  Nahrungs- 
inhalts. Die  Kügelchen  des  letzteren  verwandeln  sich  hierbei  nicht  direct  in  die  Kerne  der 
Zellen  überhaupt  und  also  auch  nicht  in  die  der  Blutzellen,  sie  erhalten  auch  nicht  eine  Zel- 
lenmembran, sondern  sie  verschwinden  allmählich  sich  auflösend».  Leider  ist  das,  wie  wir  schon 


Die  Blütgefässkeime  und  deeen  Entwickelung  bei  einem  Hühnekembryo.      3 1 

gesagt  haben,  nur  errathen  worden,  da  schon  Remak  bemerkt  hat,  dass  bei  Reichert  der 
Begriff  von  Zellen  sehr  dehnbar  ist. 


^IV.  Die  Bildung  des  Blutes  und  der  Gefässe. 

Die  Literatur  über  die  Bildung  des  Blutes  und  der  Gefässe  ist  so  bekannt,  dass  wir 
uns  nicht  erlauben  dürfen,  sie  noch  einmal  anzuführen  und  uns  mit  einer  einfachen  Grup- 
pirung  der  Antworten  auf  die  gewöhnlichen  in  Bezug  auf  diesen  Gegenstand  gestellten  Fra- 
gen begnügen. 

1 .  Wo  bilden  sich  ursprünglich  das  Blut  und  die  Gefässe  ? 

a)  In  den  durch  Zerspaltung  des  Mesoblastes  entstandenen  Schlingen:  Remak,  Köl- 
liker,  His,  Klein,  Afonassjew. 

b)  Auf  der  unteren  Fläche  des  Mesoblastes:  Goette,  Waldeyer,  Disse. 

2 .  Was  bildet  sich  zuerst  ? 

a)  Das  Blut  bildet  sich  früher,  als  die  Gefässe:  Disse,  His. 

b)  Die  Gefässe  bilden  sich  früher,  als  das  Blut:  Afonassjew,  Klein,  Goette. 

c)  Blut  und  Gefässe  bilden  sich  gleichzeitig:  Remak,  Kölliker,  Balfour. 

3.  Ist  das  Lumen  der  Blutgefässe  eine  intercellulare  oder  eine  intracellulare  Bildung? 

a)  Eine  intercellulare:  Remak,  Kölliker,  His,  Disse,  Goette,  Afonassjew. 

b)  Eine  intracellulare:  Schwann,  Balfour,  Klein. 

Ausserdem  wird  die  Art  der  Bildung  von  jedem  Autor  verschieden  angenommen  ;  nur 
in  einem  stimmen  sie  alle  überein  —  in  der  Schwierigkeit  der  Beantwortung  dieser  Frage. 

Remak  allein  hat  geäussert,  dass  diese  Schwierigkeit  von  der  im  Hühnerei  enthaltenen 
Dottermenge  abhängt,  die  andern  Autoren  stimmen,  wie  es  scheint,  darin  mit  ihm  überein. 
In  der  That,  wäre  der  undurchsichtige  Dotter  nicht  da,  so  würde  auch  die  beim  Beobachten 
des  anfänglichen  Processes  von  der  Oberfläche  der  Embryonalplatte  störende  Zona  opaca 
nicht  vorhanden  sein;  wir  halten  das  allerdings  für  eine  grosse  Unbequemlichkeit,  die  indessen 
zum  Theil  durch  die  heutige  Technik  der  Schnittezubereitung  beseitigt  wird.  Die  Haupt- 
schwierigkeit in  der  Lösung  der  Frage  besteht  in  der  fabelhaften  Schnelligkeit  des  Pro- 
cesses,  so  dass  man  in  jedem  gegebenen  Augenblick  mit  mehreren  Entwickelungsstadien  zu 
thun  hat. 

Indem  also  der  Forscher  die  Entwickelungsfrage,  d.  Ii.  die  Frage  einer  Erscheinung, 
die  nicht  nur  im  Räume,  sondern  hauptsächlich  in  der  Zeit  vor  sich  geht,  lösen  will,  muss 
er  fast  ausschliesslich  die  Data  der  ersten  Kategorie  benutzen.  Ist  es  aber  einmal  so,  so 


1)  Besonders  ausführlich  ist  sie  in  der  zweiten  Ausgabe  des  Buches  von  Kölliker  und  in  der  von  uns  ci- 
tirten  Arbeit  von  Disse  dargestellt. 


32 


De.  N.  UsKow, 


vereinigt  jeder  Forscher  notliwendigerweise  die  Erscheinungen  in  der  Reihenfolge,  welche 
ihm  als  die  wahrscheinlichste  erscheint. 

Die  zu  lösende  Frage  ist  indessen  eine  der  wesentlichsten  in  der  Embryologie,  Histo- 
logie, Histogenie  und  folglich  auch  in  der  pathologischen  Anatomie.  Das  Alles  hat  z.  B. 
Rauber  veranlasst  zu  sagen:  «Nicht  allein  die  Nadel  und  das  Mikrotom,  alle  chemischen 
und  anderen  Hilfsmittel,  sondern  auch  gewisse  strengere  Gedankenarbeit  wird  nothwendig 
sein,  um  die  Lehre  vom  feineren  Bau  des  Thierkörpers  immer  mehr  zu  vervollkommnen. 
Histotomie  und  Historhexis,  davon  ist  jeder  überzeugt,  bilden  noch  keine  Histologie» ^). 

Das  ist  zwar  nichts  Neues,  da  es  aber  einmal  in  einer  speciellen  wissenschaftlichen 
Arbeit  gesagt  worden  ist,  klingt  es,  wie  ein  Zweifeln  an  der  Möglichkeit,  eine  ausschliesslich 
auf  Facta  gegründete  Wissenschaft  zu  schaffen. 

Leider  ist  es  bei  unseren  Beobachtungen  nicht  möglich,  zur  Orientirung  in  den  Ent- 
wickelungsstadien  des  Embryo  sich  auf  die  Zahl  der  Stunden  zu  stützen,  während  welcher 
das  Ei  im  Brutapparat  verbleibt,  da  wir  uns  (in  Uebereinstimmung  mit  allen  Autoren)  davon 
überzeugt  haben,  dass  der  Entwickelungsgrad  des  Embryo  in  den  ersten  24  Stunden  zwischen 
weiten  Grenzen  schwankt  und  erst  während  des  zweiten  Tages  der  Bebrütung  eine  grössere 
Regelmässigkeit  bemerkbar  ist.  Deshalb  haben  wir,  zur  Ermittelung  des  Entwickelungsgra- 
des  des  Embryo,  die  Zahl  der  primären  Segmente  benutzt,  ähnlich,  wie  man  es  bei  Erfor- 
schung der  Entwickelungsgeschichte  der  Säugethiere  macht. 

Mit  den  ersten  Spuren  der  Querlinien,  welche  das  Erscheinen  des  primären  Segments 
bezeichnen,  sind  die  Gefässkeime,  wenn  auch  in  geringer  Anzahl,  schon  vorhanden.  Sie  haben, 
nach  der  von  uns  angenommenen  Theilung,  ausschliesslich  das  Aussehen  kugelförmiger  Zel- 
lengruppen  und  sind  desto  grösser,  je  näher  sie  zum  hinteren  Rande  der  Embryonalplatte 
kommen;  im  Gebiet  des  ersten  Segments  befinden  sich  nur  kleine  Gruppen.  Beim  Beobachten 
einer  ganzen  Embryonalplatte  werden  wir  keine  Gefässkeime  sehen,  wenn  dieselbe  auch  be- 
deutend vom  Dotter  befreit  und  gefärbt  ist;  auf  den  Schnitten  desselben  Objects  finden  wir 
Gefässkeime  auf  der  Peripherie  des  Uebergangstheiles  des  Hypoblastes,  d.  Ii.  ausschliesslich 
im  Gebiet  der  Zona  opaca.  Je  nach  Vergrösserung  des  inneren  Ringes  der  Zona  opaca,  in 
der  oben  beschriebenen  Weise,  müssen  natürlich  die  centralen  Zellengruppen  des  Gefässkei- 
mes  im  peripherischen  Theile  der  Zona  pellucida  sich  zeigen,  was  auch  auf  den  Embryonal- 
platten mit  1 1  primären  Segmenten  zu  sehen  ist.  In  dem  von  uns  zu  beschreibenden  Ent- 
wickelungsstadium,  ebenso  wie  in  den  nächstfolgenden,  sind  die  Zellengruppen,  besonders 
diejenigen,  die  sich  im  vorderen  Theile  befinden,  zerstreut;  gegen  Ende  der  ersten  24  Stun- 
den jedoch  hat  der  Gefässkeim,  wie  es  Allen  bekannt  ist,  beim  Beobachten  von  oben  schon 
das  Aussehen  eines  ganzen  Netzes  mit  Knoten  auf  den  Verbindungsstelleu.  Der  Process  einer 
solchen  Veränderung  ist  klar;  auf  den  Schnitten  (des  Stadiums  mit  einem  oder  zwei  primären 
Segmenten)  findet  man  gar  keine  Hinweisungen  darauf,  dass  die  Zellengruppen  durch  Hin- 


1)  Rauber.  1.  c.  S.  38. 


Die  Blütgefässkeime  und  deeen  Entwickelüng  bei  einem  Hühnekembryo.  33 

zufügiiiig  irgend  welcher  Elemente  von  aussen  sich  im  Umfange  vergrösserten ;  im  Gegeu- 
theil,  sie  behalten  immer,  wenn  sie  sich  vom  Hypoblast  abgesondert  haben,  das  Aussehen 
eines  ganzen,  gleichsam  geschlossenen  Gebildes;  das  Protoplasma  sieht  wie  eine  compacte 
Masse  mit  einer  grossen  Menge  von  Kernen  aus,  welche  in  diesem  Theilè  der  Embryonal- 
platte mehr  als  irgendwo  karyokinetische  Figuren  enthalten.  Das  Anwachsen  geschieht 
hauptsächlich  in  einer  der  Seitenrichtungen  in  Form  von  langen  Ausläufern  der  Kugel,  (s. 
Fig.  9).  Dieses  genügt  vollkommen,  um  die  Entstehung  des  Netzes  aus  anfänglich  zerstreuten 
Gruppen  des  Gefässkeimes  zu  erklären.  Während  des  Wucherns  der  Zellengruppen  bis  zu 
ihrer  Vereinigung,  wachsen  die  Centralzellengruppen  in  das  Gebiet  der  Zona  pellucida  in 
der  Richtung  zum  Embryo,  den  letzteren  zur  Zeit  des  Erscheinens  der  1 1  primären  Seg- 
mente noch  nicht  erreichend.  Das  erwähnte  Wuchern  ergiebt  eben  die  zweite  Form  des  Ge- 
fässkeimes, welche  wir  die  cylindrische  genannt  haben  und  welche,  wie  wir  oben  sahen,  selbst- 
ständig entstehen  kann.  Bei  weiterer  Wucherung  werden  die  cylinderförmigen  Gruppen,  in- 
dem sie  mit  den  kugelförmigen  oder  mit  deren  Fortsätzen  anastomosiren,  Bestandtheile  des 
Gefässkeimes.  Wir  müssen  noch  hinzufügen,  dass  die  cylindrischen  Fortsätze  des  Gefässkei- 
mes in  der  Richtung  zum  Embryo  dünner  werden  und  fast  ausschliesslich  aus  2 — 3  Zellen- 
reihen bestehen. 

Damit  schliessen  wir  die  Beschreibung  des  anfänglichen  Entwickelungsstadiums  des 
Blutes  und  der  Gefässe;  von  diesem  Augenblick  an  kann  man  auf  den  Querdurclischnitten  in 
Form  von  kugeligen  Gruppen  nicht  nur  solche  im  strengen  Sinne,  sondern  auch  Schnitte  von 
mehr  oder  weniger  dicken  Cylindern  antreffen  ;  im  folgenden  Stadium  wird  überhaupt  die  cylin- 
drische Form  des  Blutgefässkeimes  zur  Regel  und  die  kugelige  kommt  nur  als  Ausnahme  vor. 

Bei  Untersuchung  der  Querdurchschnitte  der  Embryonalplatte  mit  3  primären  Seg- 
menten kann  man  auf  vielen  kugelförmigen  Zellengruppen  den  Anfang  der  Bildung  der  Ge- 
fässhöhlung  sehen.  Wir  sagen  «den  Anfang»,  weil  wir  bei  einem  Embryo  mit  1  und  2  Seg- 
menten diese  Erscheinung  nicht  beobachtet  haben.  An  irgend  einer  Stelle  der  kugelförmigen 
Gruppe,  (welche  gewöhnlich  von  ziemlich  grossen  Dimensionen  ist),  hat  sich  der  peripherische 
Tlieil  des  Protoplasma  von  der  übrigen  Masse  in  Form  eines  Halbmondes  gleichsam  abge- 
sondert; der  mittlere  dickere  Theil  enthält  immer  einen  Kern,  die  Enden  aber  gehen  unmit- 
telbar in  die  Masse  der  Kugel  über,  indem  sie  zu  Bestandtheilen  der  letzteren  werden.  Wenn 
man  die  vorhergehenden  und  die  nachfolgenden  Schnitte  betrachtet,  kann  man  sicli  leicht 
davon  überzeugen,  dass  diese  Absonderung  des  Protoplasma  nur  eine  theilweise  ist  und  sich  nur 
auf  2 — 4  Schnitte  erstreckt.  Die  eben  beschriebene  Erscheinung  wird  in  diesem  Entwicke- 
lungsstadium  ausschliesslich  im  mittleren  Tlieile  der  Embryonalplatte  beobachtet,  ungefähr 
in  einer  Linie  mit  den  primären  Segmenten,  und  kommt  kein  einziges  Mal  weder  im  vorde- 
ren, noch  im  hinteren  Theile  des  Gefässkeimes  vor  (s.  Fig.  10  und  1 1). 

Das  Gesagte  bezieht  sich  nicht  nur  auf  die  kugelförmigen  Gruppen,  sondern  auch  auf 
die  dünnen,  2 — 3  Zellen  dicken  Cylinder.  Wenn  ein  Schnitt  mit  der  Längenrichtung  eines 
solchen  Cylinders  zusammengefallen  ist,  so  findet  man  im  letzteren  häufig  durchschimmernde 

Mémoires  de  TAcad.  Imp.  des  sciences.  Vllme  Série.  g 


34 


Db.  N.  UsKow, 


Vacuolen  von  verschiedener  Grosse,  wobei  die  Theilung  des  Cylinders  in  Zellen  noch  undeut- 
lich ist;  in  einigen  Cylindern  sind  die  Höhlungen  gross  und  deshalb  erscheinen  die  einzelnen 
Tlieile  desselben  in  Form  einer  Röhre  mit  dünnen  Parallelwänden  (s.  Fig.  12).  Das  Alles  be- 
zieht sich  auf  einen  Embryo  mit  3  Segmenten. 

Auf  den  Schnitten  eines  Embryo  mit  6  Segmenten  haben  die  kugelförmigen  Gruppen 
des  Gefässkeimes,  statt  einer  compacten  kernhaltigen  Masse,  deutliche  Spuren  der  Proto- 
plasmatheilung  und,  den  sich  bildenden  Zellen  entsprechend,  stellt  jetzt  der  Rand  der  ganzen 
Gruppe  eine  gewundene  Linie  dar.  Jede  Gruppe  ist  von  einem  Ringe  aus  einer  Reihe  von 
dünnen  Zellen  umgeben.  Eine  Zellengruppe  liegt  nie  frei  in  der  Höhlung  des  Ringes,  sondern 
ist  immer  an  eine  von  dessen  Wänden  angelehnt,  wobei  in  der  Mehrzahl  der  Fälle  das  Pro- 
toplasma der  Gruppe  so  eng  mit  der  Kugelwand  verbunden  ist,-  dass  man  es  als  eine  völlige 
Verschmelzung  der  beiden  Bildungen  ansehen  kann  (s.  Fig.  1 3).  Da  wir  Höhlungen  von  ver- 
schiedener Grösse  zwischen  dem  Ringe  und  der  Zellengruppe,  ferner,  verschiedene  Grade 
der  Differenzirung  der  letzteren  in  Zellen  und,  was  die  Hauptsache  ist,  in  den  vorhergehenden 
Stadien  beschriebene  Bilder  vor  Augen  haben,  kommen  wir  zu  dem  Schluss,  dass  wir  das  Re- 
sultat der  nachfolgenden  Entwickelung  des  Gefässkeimes  vor  uns  haben  und  dass  der  Process 
selbst  in  der  Differenzirung  der  kugelförmigen  Gruppen  in  einzelne  Zellen  bestehe,  wobei  der 
peripherische  Theil  mit  den  entsprechenden  Kernen  sich  allmählich  in  Form  eines  dünnen 
Ringes  auf  den  Querdurchschnitten  ablagere.  In  dieser  Periode  sind  schon,  wie  gesagt,  die 
kugelförmigen  Gruppen  durch  dicke  Balken  verbunden,  wovon  man  sich  ohne  Mühe  über- 
zeugen kann,  wenn  man  die  aufeinanderfolgenden  Präparate  jeder  Serie  betrachtet.  Auf  die- 
sem Wege  kann  man  sich  auch  davon  überzeugen,  dass  die  Lumina,  welche  aus  dem  Abspalten 
des  peripherischen  Theiles  der  Gruppe  entstanden  sind,  sich  auf  grosse  Strecken  der  Cylinder 
in  Form  einer  peripherischen,  breiten,  siclielartigen  Spalte  fortsetzen.  Wenn  man  diese  Spalte 
an  einer  ziemlich  grossen  Menge  von  Schnitten -verfolgt,  bemerkt  man,  dass  ihr  Lumen  in 
Form  von  kugeligen  Zellengruppen,  wie  sie  im  anfänglichen  Stadium  beschrieben  worden 
sind,  unterbrochen  wird.  Dasselbe  wird  zuweilen  auch  in  dem  Falle  beobachtet,  wenn  der 
Schnitt  mit  der  Längenrichtung  der  Cylinder  congruirt.  Das  Alles  beweist,  dass  in  diesem 
Stadium  schon  deutlich  ausgebildete  Gefässröliren  (Endothelröhren)  vorhanden  sind,  obgleich 
ihr  Lumen  stellenweise  noch  nicht  offen  ist.  In  diesem  Entwickelungsstadium  sieht  man  auch 
auf  den  Schnitten  kleine,  isolirte  Zellengruppen,  die  sich  nicht  nur  auf  der  untèren  Fläche 
des  Centralmesoblastes,  sondern  auch  auf  dessen  Oberfläche,  gleich  unter  dem  Epiblast,  be- 
finden (s.  S.  29). 

Bei  einem  Embryo  mit  1 1  Segmenten  sehen  wir  deutlich  ausgebildete  Gefässe,  welche 
zahlreiche  Häufchen  von  runden  Zellen  enthalten.  In  der  Zona  pellucida  verbreiten  sich, 
anastomosirend  und  verschiedenartig  sich  verzweigend,  die  cylinderförmigen  Streifen  des 
Gefässkeimes  schon  auf  grosse  Strecken;  die  Bildung  der  Höhlungen  in  diesen  Streifen  ge- 
schieht ebenso,  wie  in  den  vorhergehenden  Stadien  bei  ähnlichen  Bildungen.  Nach  diesem  Typus 
bilden  sich  wahrscheinlich  auch  die  Höhlungen  in  den  primären  grossen  Gefässen  des  Embryo. 


Die  Blütgepässkeime  und  deeen  Ent"wickelung  bei  einem  Hühnerembeyo.  35 

In  dem  Stadium  wenigstens,  wo  das  Herz  noch  doppelt  ist,  d.  h.  eine  Scheidewand  in  der  Mitte 
hat,  hahen  die  Querdurchschnitte  der  absteigenden  Aorta  an  allen  Exemplaren  das  Aussehen 
bald  eines  leeren,  bald  eines  durch  Scheidewcände  in  2,  3,  4  Kammern  getheilten  Ringes.  Die 
genannten  Scheidewände  entstehen  durch  anastomosirende  Fortsätze  der  auf  den  entgegen- 
gesetzten Gefässwänden  liegenden  Zellen. 

Aus  diesem  Grunde  tragen  wir  Bedenken,  His's  und  Kölliker's  Theilung  der  Gefässe 
in  primäre,  in  der  Area  vasculosa  sich  bildende,  und  in  secundäre,  im  Gentraltheile  der  Area 
pellucida  und  im  Embryo  selbst  sich  bildende,  anzunehmen.  W-enn  man  unter  dem  Wort 
«secundäre»  nachfolgende  versteht,  so  gehört  hierher  auch  das  oben  beschriebene  cylindrische 
Anwachsen  der  kugelförmigen  Gruppen  des  Gefässkeimes,  wobei  sich  die  letzteren  vereinigen. 
Wenn  die  grossen  Gefässe  des  Embryo  deshalb  «secundäre»  sind,  weil,  wie  die  Autoren  den- 
ken, ihr  Lumen  sich  durch  unmittelbare  Ausdehnung  des  Lumen  der  Gefässe  der  Area  vas- 
culosa bilde,  so  ist  das  wiederum  nicht  ganz  mit  den  Thatsachen  übereinstimmend,  da  das 
oben  Angeführte  ein  Hinweis  darauf  ist,  dass  sogar  die  Aorta  ihr  Lumen  selbstständig  und 
in  Theilen  erhält. 

Jetzt  wollen  wir  das  Verhältniss  der  sich  bildenden  Gefässe  zum  Mesoblast  betrachten. 
Wir  sahen,  dass  vor  dem  Erscheinen  der  6  Segmente  der  Gefässkeim  und  die  ursprünglichen 
Gefässe  ganz  frei  unter  dem  Mesoblast  liegen;  dann  wurde  auch  darauf  aufmerksam  gemacht, 
dass  das  untere  Mesoblastblatt  eine  Hervorragung  nach  unten  bildet,  die  zuweilen  an  dem 
Hypoblast  anliegt.  Wenn  man  die  aufeinanderfolgenden  Schnitte  eines  Embryo  mit  3  Seg- 
menten verfolgt  hat,  so  überzeugt  man  sich  davon,  dass  der  Raum  zwischen  den  Hervor- 
ragungen des  Mesoblastes  ziemlich  lange  Kanäle  bildet,  wo  eben  die  Gefässkeime  sich  be- 
finden; die  Wände  der  Kanäle  sind  folglich  von  oben  und  von  den  Seiten  durch  das  Meso- 
blast, von  unten  —  durch  das  Hypoblast  gebildet  ;  das  ist  das  erste  Stadium  des  Verhältnisses 
der  beiden  zu  untersuchenden  Gebilde.  —  Zur  Zeit  der  Entstehung  der  6  Segmente  sehen 
wir  auf  den  Schnitten  folgendes:  um  die  sich  bildenden  Gefässe  treten  die  Zellen  des  Meso- 
blastes bald  von  der  einen,  bald  von  der  andern  Seite  heran  und  erreichen  an  einigen  Stellen 
das  Hypoblast,  wobei  sie  sich  dann  und  wann  auf  dem  letzteren  lagern  und  auf  diese  Weise 
das  Gefäss  von  allen  Seiten  einschliessen  (s.  Fig.  13).  Li  den  weiteren  Entwickelungsstadien 
kommt  nur  diese  letztere  Form  im  Verhalten  des  Mesoblastes  zu  den  Gefässen  vor  (s.  Fig.  14); 
wenn  in  der  Umgegend  auch  Gefässe  mit  einem  nicht  vollen  Mesoblastring  vorkommen,  so 
finden  sie  sich  nur  in  der  hinteren  Abtheilung  des  peripherischen  Theiles  der  Area  vasculosa 
und  im  Embryonaltheile  (s.Fig.  15  und  16).  Der  beschriebene  Process  erstreckt  sich,  wie 
es  die  Vergleichung  der  Embryonalplatten  der  verschiedenen  Entwickelungsperioden  zeigt, 
auch  von  der  Peripherie  der  Embryonalplatte  bis  zum  Centrum,  mit  Ausnahme  der  oben 
erwähnten  hinteren  Abtlieilung.  Deshalb  sind  uns  die  Beweise,  die  Kölliker')  von  der  Ent- 
stehung der  Gefässe  im  Mesoblast  anführt,  nicht  genügend;  denn  er  führt  auf  Fig.  93  den 


1)  Kölliker.  1.  c.  S.  161. 


36 


De.  N.  UsKow, 


Querdurclischnitt  eines  eintägigen  und  eines  15-stündigen  Embryo  an,  d.  h.  solche  Stadien, 
wo  sich  das  Doppelherz  schon  gebildet  hat.  "Wir  verstehen  auch  nicht  die  Beschreibungen 
und  Schlüsse  jenes  Theiles  der  Disse'schen  Arbeit  ^),  welcher  sich  auf  diesen  Abschnitt  in 
der  zu  lösenden  Frage  bezieht;  nach  Disse  erweist  es  sich,  dass  die  Gefässwand  selbststän- 
dig in  der  Tiefe  entsteht  und,  aufsteigend,  sich  mit  dem  Mesoblast  vereinigt;  so  dass  man 
eine  doppelte  Bildung  der  Gefässwände  erhält:  von  der  oberen  Seite  entstehen  sie  aus  dem 
Mesoblast,  von  der  unteren  —  aus  Elementen  einer  völlig  selb'stständigen  «Gefässplatte». 

Gleichzeitig  mit  dem  Erscheinen  der  Mesoblastliülle  um  die  Gefässe,  erleidet  das  Me- 
soblast selbst  eine  wichtige  Veränderung,  welche  in  einer  vollständigen  Spaltung  in  zwei 
Platten  fast  bis  zur  Peripherie  besteht;  diese  beiden  Platten  sind  als  Hautfaser-  und  Darm- 
faserplatte bekannt,  zwischen  denselben  befindet  sich  das  Coelom. 

Zur  Zeit  der  Doppellierzanlage  (zu  Ende  des  ersten  und  im  Anfange  des  zweiten  Tages) 
stellen  die  Querdurchschnitte  schon  ein  zu  verwickeltes  Bild  dar,  um  in  dieser  Periode  die 
Beobachtung  der  Blut-  und  Gefässentwickelung  anzufangen;  man  erhält  kein  deutlicheres 
Bild,  wenn  man  die  Embryonalplatte  in  diesem  Entwickelungsstadium  von  der  Oberfläche 
betrachtet.  So  lange  wir  nur  solche  Objecte  beobachteten,  ohne  Untersuchung  der  dieser 
Entwickelungsperiode  vorangegangenen  Stadien,  befanden  wir  uns  im  Laufe  von  mehr  als 
einem  halben  Jahre,  zeitweise  in  vollkommener  Uebereinstimmung  der  Reihe  nach  fast  mit 
allen  Autoren,  die  über  die  Blut-  und  Gefässbildung  geschrieben  haben,  ungeachtet  aller 
in  die  Augen  springenden  Widersprüche  unter  denselben. 

Die  Veränderungen  der  Embryonalplatte  auf  den  Querdurchschnitten  zu  Ende  des 
ersten  und  im  Anfange  des  zweiten  Tages  sind  folgende: 

1)  wird  um  diese  Zeit  die  Darmfaserplatte,  nachdem  sie  die  Gefässe  umringt  hat,  dicker 
und  legt  sich  in  Form  einer  mehr  oder  weniger  compacten  Schicht  auf  das  Hypoblast,  wo- 
durch die  Gefässe  mit  den  Blutanlagen  sich  wirklich  in  der  erwähnten  Schicht  befinden.  Die- 
ses beobachtet  man  jedoch  nur  im  peripherischen  Theile,  im  centralen  dagegen  bleiben  die 
Gefässe  noch  unter  dieser  Schicht.  —  Darin  finden  wir  eine  Erklärung  für  den  von  Kölliker 
ausgesprochenen  Zweifel:  auf  welche  Weise  die  im  Mesoblast  entstehenden  Gefässe  letzteres 
durchbohren,  um  sich  im  Embryonaltheile  auf  dem  Hypoblast  zu  lagern?  Wie  man  aus  dem 
oben  Gesagten  ersieht,  existirt  ein  solches  Durchbohren  gar  nicht,  die  Gefässe  haben  sich  dort 
entwickelt,  wo  wir  sie  sehen  (s.  Fig.  15  und  16). 

2)  Erreichen  die  Gefässlumina,  welche  zur  Zeit  der  Entwickelung  der  6  Segmente  deut- 
lich bezeichnet  sind,  bei  einem  Embryo  mit  1 1  Segmenten  sehr  grosse  Dimensionen  und  sind 
im  zu  beschreibenden  Stadium  von  .wahrhaft  kolossaler  Grösse;  in  Folge  dieses  Umstandes 
liegt  die  Endothelhülle  der  Gefässe  so  eng  an  den  äusseren  Mesoblastring  an,  dass  man  fort- 
während Schnitte  erhalten  kann,  die  für  die  scheinbare  Identität  der  beiden  Bestandtheile 
sprechen.  Oft  wird  man  nur  diuxh  aufmerksames  Beobachten  mit  dem  Immersionssystem 


1)  Disse.  1.  c.  S.  582—583. 


Die  Blutgefässkeime  und  deeen  Entwickelung  bei  einem  Hühnekembryo.  37 

davon  überzeugt,  dass  im  Sclinitt  eine  Röhre  mit  einer  äusseren,  in  der  Mehrzahl  der  Fälle 
dickeren,  und  einer  inneren  dünnen  Hülle  vorhanden  ist;  diese  beiden  Hüllen  enthalten  na- 
türlich eine  unbedeutende  Quantität  von  Kernen  mit  einer  geringen  Protoplasmamenge.  Die 
Beobachtung  wird  in  dem  Falle,  wenn  die  Kerne  mit  dem  Protoplasma  der  beiden  Hüllen 
sich  fast  an  ein  und  derselben  Stelle  des  Ringes  befinden,  bedeutend  erleichtert.  Durch  die 
beschriebene  starke  Ausdehnung  des  Gefässlumens  erhält  man  im  peripherischen  Theile  eine 
scharf  in  die  Augen  springende,  im  Vergleich  mit  den  ersten  Stadien,  enge  Lage  derGefässe 
selbst;  im  Centraltlieile  jedoch  bleiben  die  Mesoblastlöcher  zwischen  den  Gefässen  nach  wie 
vor  verhältnissmässig  sehr  gross.  Die  auf  diese  Weise  im  peripherischen  Theile  enger  ge- 
wordenen Mesoblastlöcher  stellen  zwischen  der  äusseren  Gefässhaut  oft  eine  ziemlich  bedeu- 
tende Ansammlung  von  Zellen  dar.  Diese  Zellen  sind  klein,  von  unregelmässiger  Form,  haben 
Fortsätze,  ein  blasses  Protoplasma  und  feine  Kerne,  d.  h.  sie  haben  alle  äusseren  Kennzeichen 
der  Mesoblastz eilen. 

3)  Die  Blutzellengruppen  erscheinen,  ungeachtet  der  darin  vorkommenden  zahlreichen 
Theilungen  der  Kerne,  doch,  im  Vergleich  zu  dem  stark  vergrösserten  Gefässlumen,  sehr 
klein,  mit  Ausnahme  der  hinteren  Abtheilung  der  Embryonalplatte,  wo  das  ursprüngliche 
A''erhältniss  noch  lange  erhalten  bleibt.  Die  Gruppen  liegen  im  Gefässlumen  fast  frei,  nur 
stellenweise  eng  der  Seitenwand  an,  öfter  an  der  oberen  und  sehr  selten  an  der  unteren  Wand; 
zuweilen  sind  sie  mit  den  beiden  letzteren  nur  durch  eine,  eine  Wand  bildende  Zelle  ver- 
bunden, wobei  diese  Wand  immer  viel  dicker  und  reicher  an  Protoplasma  ist,  als  die  ande- 
ren; man  erhält  ein  Bild,  ähnlich  den  in  den  anfänglichen  Stadien  beschriebenen  Bildern,  wo 
eine  solche  Zelle  sich  noch  nicht  von  der  kugelförmigen  Gruppe  abgesondert  hat.  Stellen- 
weise ist  die  Gruppe  in  der  ganzen  Peripherie  des  Querdurchschnittes  vom  Gefässlumen 
umringt  und  hält  sich  an  der  Wand  nur  durch  einen  einige  Kerne  enthaltenden  Fortsatz.  In 
dieser  Periode  ist  die  Theilung  der  Gruppen  in  einzelne  Zellen  schon  eine  sehr  deutliche  und 
überhaupt  ist  sie  in  jenem  Theile  und  auf  jenem  Rande  schärfer  bezeichnet,  welche  mehr  als 
die  anderen  von  der  Stelle  des  Zusammenwachsens  entfernt  sind  ;  so  dass  bei  einer  Gruppe, 
die  sich,  zum  Beispiel,  noch  nicht  von  der  oberen  Wand  abgesondert  hat,  der  untere  erhabene 
Rand  fast  isolirte  kernige  Blutkörperchen  enthält,  während  im  oberen  Rande  die  Grenzen  der 
Blutkörperchen  undeutlich  und  die  Umrisse  der  ganzen  Gruppe  gleichmässig  sind. 

4)  Auf  der  Oberfläche  des  Mesoblastes,  gleich  unter  dem  Epiblast,  sieht  man  zuweilen 
auf  den  Schnitten  feine  Ringe  mit  dicken  einschichtigen  Wänden;  grösstentheils  aber  sind 
diese  Ringe  gross,  haben  eine  ovale  Form  und  dünne  Wände.  Diese  Bildungen  sind,  wie  es 
scheint,  ganz  leer,  enthalten  keine  Blutinseln  und  befinden  sich  in  der  Zona  pellucida.  Beim 
Beobachten  der  Ringe  auf  den  aufeinanderfolgenden  Schnitten  gelingt  es  gewöhnlich  nicht, 
sich  von  ihrer  Vereinigung  zu  einem  Netz  zu  überzeugen  ;  doch  ist  ihre  Entstehung  aus  dem 
vorhergehenden  Capitel  der  Beschreibung  des  Gefässkeimes  begreiflich.  Die  näher  zum  Cen- 
trum liegenden  Ringe  dagegen  sind  augenscheinlich  mit  den  auf  dem  Centralhypoblast  lie- 
genden Gefässen  vereinigt,  wovon  wir  uns  mehrere  Mal  überzeugen  konnten.  Eine  solclie 


38 


De.  N.  ÜSKow, 


Verbindung  der  Lumina  entsteht  in  der  Substantia  intermedia  zwischen  den  primären  Wir- 
beln und  dem  die  Coelomwände  bildenden  Mesoblast. 

5)  Der  peripherische  Theil  der  hintersten  Abtheilung  der  Area  vasculosa  stellt  beson- 
ders unklare  Bilder  dar. 

A.  Stellenweise  rückt  das  Hypoblast  in  die  Zwischengefässräume  in  Form  eines 
grossen  Horns  hinein,  welches  sich  über  dem  Gefäss  krümmt  und  zuweilen  gleichsam 
in  die  untere  Mcsoblastplatte  übergeht  (s.  Fig.  25).  Die  das  Horn  bildenden  Zellen  sind 
von  viereckiger  Form,  enthalten  grosse  Kerne  und  haben  ein  ziemlich  dichtes  Protoplasma, 
das  um  so  durchsichtiger  wird,  je  näher  die  Zellen  dem  in  diesem  Gebiet  befindlichen  Ueber- 
gangstheile  des  Hypoblastes  liegen.  Es  ist  uns  nicht  gelungen,  die  Entstehung  der  beschrie- 
benen Hörner  vollständig  zu  verfolgen;  wir  glauben,  dass  sie  ihre  Existenz  der  Bildung  der 
kugelförmigen  Zellengruppen  des  Gefässkeimes  in  einer  verhältnissmässig  bedeutenden  Tiefe 
verdanken,  wobei  die  diese  Gruppen  umringenden  Hypoblastzellen  in  Form  der  erwähnten 
Hörner  nachgeblieben  sind.  Für  die  Wahrscheinlichkeit  einer  solchen  Annahme  spricht: 

a)  das  Factum,  dass  man  beide  Bildungen  in  ein  und  demselben  Theil  der  Embryonal- 
platte findet  (dessen  im  zweiten  Capitel  erwähnt  wurde). 

b)  trifft  man  zuweilen  Hörner  an,  die  sich  zu  einem  vollständigen  durch  das  Hypoblast 
gebildeten  Bing  schliessen  (s.  Fig.  26). 

Wie  dem  auch  sei,  das  Horn  findet  man  noch  auf  4 — 5  Schnitten  vor,  worauf  es  ver- 
schwindet; auf  jenen  Schnitten,  wo  es  erscheint  und  wo  es  verschwindet,  ist  die  Grenze  zwi- 
schen demselben  und  dem  Gefäss  unsichtbar  und  die  Hornelemente  liegen  im  Gefässlumen 
(s.  Fig.  24).  Ein  solches  Präparat  kann  auf  den  Gedanken  bringen,  dass  aus  den  Hypoblast- 
elementen  einzelne  fertige  Blutkörperchen  entstehen,  die  in  das  Lumen  eines  schon  ausge- 
bildeten Gefässes  einwandern.  Doch  wird .  diese  Erscheinung  nur  auf  denjenigen  Schnitten 
beobachtet,  welche  durch  den  vorderen  oder  hinteren  (in  Bezug  auf  den  Embryo)  Hornrand 
gemacht  worden  sind  ;  auf  den  mittleren  Schnitten  ist  die  Grenze  auf  der  ganzen  Strecke 
sehr  deutlich  zu  sehen.  Selbstverständlich  erklärt  sich  die  ganze  Sache  einfach  durch  die 
Form  des  Hornes,  welches  eigentlich  eine  sphärisch  gebogene  Hypoblastplatte  ist.  Aus  dem 
Gesagten  folgt  indessen  nicht,  dass  das  Hypoblast  nicht  im  Stande  wäre  au'ch  in  dieser  Pe- 
riode Blutgefässkeime  zu  bilden;  im  Gegentheil,  es  kommt  nicht  selten  vor,  dass  im  zu  un- 
tersuchenden Gebiet  und  gerade  in  den  zu  beschreibenden  Hörnern  sich  ein  Blutgefässkeim 
mit  deutlichen  Contouren  findet  ;  seine  Entwickelung  und  Vereinigung  mit  dem  Lumen  eines 
fertigen  Gefässes  geht  nach  dem  auch  den  übrigen  Theilen  der  Embryonalplatte  eigenen  Ty- 
pus vor  sich.  Dieser  Umstand  verändert  natürlich  nicht  wenig  das  typische  Bild  der  Quer- 
durchschnitte und  veranlasst  den  zu  untersuchenden  Theil  der  Embryonalplatte  als  ein  Ge- 
biet abzusondern,  in  welchem  die  Vergrösserung  der  Masse  von  Blutkörperchen  durch  Hin- 
zufügung von  neuen  Blutkörperchen  aus  den  sich  von  Neuem  bildenden  Keimen  vor 
sich  geht. 

B.  In  der  Peripherie  der  hinteren  Abtheilung  geben  die  Schnitte,  durch  Gefässe  mit  Blut 


Die  Blütgefässkeime  und  deben  Entwickelüng  bei  einem  Hühneeembryo.  39 

gehend,  zuweilen  im  höchsten  Grade  verlockende  Bilder,  um  eine  ganz  andere  Theorie  der 
Entwickelüng  des  Blutes  und  der  Gefässe  aufzustellen. 

"Wenn  man  solche  Stellen  als  ein  für  die  Lösung  unserer  Frage  taugliches  Object  be- 
trachtet, so  wird  man  deutlich  sehen,  dass  die  Blutkörper  aus  den  Gefässwänden  und  aus 
dem  an  dieser  Stelle  schmalen  Mesoblast  unmittelbar  in  das  Gefässlumen  übergehen  (wie  His 
es  annahm)  ^\  Oft  führt  ein  düдner  Fortsatz  der  Mesoblastwand  in  dieselbe  Richtung  und 
endet  mit  einer  scharfen  Spitze  in  einem  Häufchen  von  Blutkugeln  (s.  Fig.  28).  Wenn  man 
aber  die  aufeinanderfolgenden  Schnitte  verfolgt,  kann  man  leicht  eine  Erklärung  aller  dieser 
Bilder  erhalten,  welche  mit  der  Erklärung  der  durch  die  Hypoblasthörner  gegebenen  Er- 
scheinungen völlig  identisch  ist.  Die  langen,  kegelförmigen,  ins  Lumen  hineinragenden  Fort- 
sätze kommen  ausschliesslich  von  der  oberen  oder  unteren  Wand,  was  auch  begreiflich  ist, 
wenn  man  sich  das  Verhältniss  des  Mesoblastes  zu  den  Gefässen  in  diesem  Entwickelungs- 
stadium  deutlich  vorstellt.  Die  Gefässe  liegen  jetzt  in  einer  tiefen  Mesoblastschicht,  welche 
in  dem  zu  untersuchenden  Gebiet  eine  compacte,  von  denselben  durchbohrte  Masse  darstellt. 
Wo  das  Gefäss  breit  ist,  ist  das  Mesoblast  dem  entsprechend  dünner;  an  der  Uebergangsstelle 
eines  breiten  Gefässes  in  ein  anderes  verhältnissmässig  dünnes  Gefäss,  bildet  das  Mesoblast 
nothwendigerweise  ein  Gewölbe,  wie  es  in  den  Fällen  deutlich  zu  sehen  ist,  wo  die  Gefässe 
der  Länge  nach  durchschnitten  worden  sind.  An  den  Stellen  aber,  wo  zwei  cylindrische  Röh- 
ren, sich  unter  einem  sehr  scharfen  Winkel  vereinigen,  können  wir  nichts  anderes,  als  das 
erwähnte  Bild  erhalten. 

Die  Fig.  27,  28  und  29  können  als  ein  deutlicher  Beweis  für  das  Gesagte  dienen  und 
zeigen  zugleich,  dass  die  scheinbare  Entstehung  der  Blutkörperchen  aus  den  Scheidewänden 
nur  das  Resultat  ihrer  Gruppirung  an  den  Wänden  der  zuweilen  nothgedrungen  schräg  ge- 
schnittenen Gefässe  ist. 

Dieses  sind  die  wesentlichsten  Eigenthümlichkeiten  der  Querdurchschnitte  in  der  zu 
beschreibenden  Periode.  Jetzt  wollen  wir  zur  Betrachtung  der  Embryonalplatte  derselben 
Periode  von  oben  übergehen. 

Angefangen  von  Remak,  welcher  seine  Aufmerksamkeit  auf  die  blasigen  Zwischen- 
gefässbildungen  der  Embryonalplatte  richtete,  sind  die  Bilder  der  letzteren  so  ausführlich 
und  genau  von  allen  Autoren,  besonders  von  Klein  und  Afonassjew,  beschrieben  worden, 
dass  wir  es  für  überflüssig  halten,  noch  einmal  von  diesem  Gegenstande  zu  reden,  finden  es 
jedoch  nothwendig,  diese  Bilder  durch  Bilder  der  Querdurchschnitte  zu  erklären,  indem  wir 
sie  mit  den  Annahmen  der  Autoren  vergleichen. 

Vor  Allem  hat  Afonassjew  aus  den  Beobachtungen  der  Zona  pellucida  Schlüsse  über 
die  anfängliche  Bildung  des  Blutes  und  der  Gefässe  gezogen;  wir  wissen  aber,  dass  im  Cen- 
traltheile  der  Zona  pellucida  sich  nur  die  Gefässkeime  befinden,  die  nicht  einmal  dort  ent- 
stehen, wo  man  sie  vorfindet.  Obgleich  im  peripherischen  Theile  der  genannten  Abtheilung 


1)  His.  Unsere  Körperform.   Leipzig,  1875.  S.  73,  Figur  61. 


40 


De.  N.  UsKow, 


auch  Blutinseln  vorkommen,  so  sind  sie  doch  schon  damals  entstanden,  als  daselbst  noch  der 
undurchsichtige Uebergangstlieil  des Hypoblastes  und  sogar  der Hypoblastrand,  d.h. die  Zona 
opaca,  vorhanden  waren.  Als  die  genannten  Hypoblastabtheilungen  weiterrückten,  indem  sie  sich 
in  das  Centralhypoblast  verwandelten  und  auf  diese  Weise  die  Peripherie  der  Zona  pellucida 
bildeten,  konnten  die  Gefässkeime  sich  nicht  im  ersten  Stadium  ihrer  Entwickelung  befinden, 
und  Afonassjew  hielt  das  jetzt  erst  von  uns  zu  untersuchende  oder  ein  nur  etwas  früheres 
Entwickelungsstadium  dafür.  Klein  beobachtete  nicht  nur  die  Zona  pellucida,  sondern,  so 
weit  es  geht,  auch  die  Zona  opaca.  Alle  von  diesen  beiden  Autoren  beschriebenen  Bilder 
besitzen  wir  genau  in  derselben  Form  auf  unseren  Präparaten. 

Afonassjew'ä  Blasen  im  Mesoblast  sind  augenscheinlich  eine  projicirte  Abbildung  der 
Zwischengefässlöcher  des  letzteren;  im  mehr  peripherischen  Theile,  wo  diese  Räume  klein 
und,  wie  wir  gesehen  haben,  mit  Zellen  angefüllt  sind,  ergeben  sie,  beim  Betrachten  von 
oben,  einen  verschiedenen  Grad  der  Blasenfülluug.  Diese  Erscheinung  ist  von  Afonassjew 
als  eine  secundäre,  durch  das  Wuchern  der  Blasenwände  nach  innen  entstandene  beschrieben^). 
Nach  ihm  und  fast  allen  Autoren  sind  die  Räume  zwischen  den  Blasen  eben  die  Blutgefässe  und 
wie  aus  der  oben  angeführten  Beschreibung  der  Querdurchschnitte  zu  ersehen  ist,  entspricht 
das  vollkommen  der  Wirklichkeit.  Was  das  Blut  anbetrifft,  welches,  nach  der  Meinung  des  ge- 
nannten Forschers,  durch  die  Wucherung  der  Blasenwände  des  Mesoblastes  nach  aussen  (ins 
Gefässlumen)  entsteht,  so  sind  die  verschiedenen  Stadien  dieses  Processes,  unserer  Meinung  nach, 
nur  projicirte  Abbildungen  von  Blutkugelgruppen  verschiedener  Grösse,  welche  in  verschie- 
denen Abtheilungen  des  durch  Querdurchschnitte  des  Gefässes  erhaltenen  Ringes  liegen. 
Zuweilen  liegt,  beim  .Betrachten  von  oben,  eine  Gruppe  von  Blutkörperchen  in  der  Mitte 
des  Gefässes  und  ist  mit  dessen  Wänden  durch  einen  mehr  oder  weniger  langen  Protoplasma- 
streifen verbunden;  dieses  Bild  findet  man  freilich  selten  vor,  doch  haben  es  Afonassjew 
und  Balfour  beschrieben.  Wie  bekannt,  sieht  Balfour  in  solchen  Objecten  einen  Hinweis 
auf  die  intracellulare  Bildung  der  Gefässe  und  Blutkörperchen,  wobei  die  letzteren  aus- 
schliesslich aus  Kernen  bestehende  Gebilde  sind,  die  sich  bei  Verflüssigung  des  Protoplasma 
abgesondert  haben ^).  Afonassjew,  seiner  Theorie  treu  bleibend,  betrachtet  die  genannte 
Erscheinung  als  eine  Wucherung  der  äusseren  Blasenwand  in  das  Gefässlumen  in  Form  eines 
Fortsatzes,  dessen  Ende  sich  theilt.  Auf  derartige  Bilder  stossend,  konnten  wir  uns  nicht  auf 
einmal  von  der  Erklärung,  welche  die  genannten  Autoren  geben,  frei  machen.  Bei  Betrach- 
tung der  Querdurchschnitte  der  entsprechenden  Stadien  fällt  sogleich  ein  widersprechender 
Umstand  in  die  Augen:  die  Gruppeh  der  Blutkörperchen  sind  in  dieser  Periode  so  weit  ent- 
wickelt, dass  ihre  Contouren,  den  einzelnen  Kugeln  entsprechend,  gewunden  und  die  Kugeln 
an  manchen  Stellen  fast  isolirt  erscheinen.  Beim  Betrachten  der  Platte  von  der  Oberfläche 
findet  das  Umgekehrte  statt:  die  in  der  Mitte  des  Lumen  liegenden  Gruppen  haben  gleich- 


1)  Afonassjew.  Sitzungsber.  d.  Kais.  Acad.  d.  W^is-  |  2)  Balfour.  I.  c.  S,  68,  Fig.  19. 
sensch.  in  Wien,  1866,  Bd.  53,  S.  564.  1 


Die  Blutgefässkeime  und  deren  Entwickelüng  bei  einem  Hühnerembeyo.  41 

mässige  scharfe  Umrisse,  und  wenn  die  Contouren  zuweilen  auch  nicht  scharf  sind,  so  doch 
nur  in  jenen  Gruppen,  welche  gleichsam  durch  Fortsätze  mit  der  Seitenwand  des  Gefässes 
verbunden  sind.  Jedem,  der  sich  die  Mühe  gegeben,  den  3.  Punct  der  Beschreibung  der  Quer- 
durchschnitte zu  lesen,  wird  es  ohne  weitere  Erklärung  deutlich  sein,  dass  man  bei  einer 
Projection  nach  oben  auch  kein  anderes  Bild  erhalten  kann. 

Einer  besonderen  Erwähnung  sind  die  Fälle  werth,  wo  eine  Kugelgruppe  mit  der  Ge- 
fässwand  durch  einen  Fortsatz  verbunden  ist,  welcher  nicht  aus  einer  Zellenreihe,  sondern 
wie  aus  einem  dicker  gewordenen,  einen  Kern  enthaltenden,  Protoplasma  besteht;  dabei  er- 
hält man  ein  Bild,  das  mit  dem  von  Balfour  gegebenen  völlig  identisch  ist.  Aber  auch  diese 
Erscheinung  (aus  demselben  3.  Punct)  muss  stattfinden,  wenn  eine  Kugelgruppe  auf  der  obe- 
ren Gefässwand  liegt  und  dabei  an  eine  dicke,  protoplasmareiche  Zelle  anliegt,  die  von  der 
einen  Seite  die  Gefässwand  bildet,  von  der  anderen  aber  nicht  ganz  von  der  genannten  Gruppe 
getrennt  ist.  In  der  Projection  nach  oben  erhält  man  selbstverständlich  ebenfalls  das  von 
Balfour  beschriebene  Bild. 

Um  völlige  Gewissheit  zu  haben,  dass  beide  Objecte  einander  entsprechen,  wurden 
mehrere  Embryonalplatten  längs  der  Achse  des  Embryo  durchschnitten,  worauf  die  eine 
Hälfte  von  oben  betrachtet,  aus  der  anderen  aber  eine  systematische  Serie  präparirt  wurde; 
nur  auf  diesem  Wege  sind  wir  zu  der  Ueberzeugung  gekommen,  dass  verschiedene  auf  der 
Oberfläche  ein  und  derselben  Platte  beobachtete  Bilder  nicht  verschiedene  Entwickelungs- 
stadien  des  Blutes  und  der  Gefässe,  sondern  das  Resultat  eines  verschiedenen  Verhältnisses 
der  Blutkugelhäufchen  zu  den  Gefässwänden  sind. 

Nach  Klein  sind  die  Blasen  zukünftige  Gefässe.  Der  scheinbare  Widerspruch  wird  von 
allen  Autoren  nicht  ganz  richtig  als  ein  Irrthum  bei  der  Beobachtung  erklärt;  nur  Kölliker 
glaubt,  dass  Klein's  Irrthum  von  der  Beobachtung  missgestalteter  Embryonen  herrühre. 
Unserer  Meinung  nach  weist  Klein  selbst  darauf  hin,  wie  man  sich  in  den  von  ihm  beschrie- 
benen Facten  zurecht  finden  kann.  Von  Afonassjew's  Blasen  sagt  er,  dass  sie  secundäre 
Bildungen  seien  ^),  die  Blasen  aber,  in  welchen  das  Blut  entsteht,  hat  er  augenscheinlich  am 
RandederZonapellucida,  zum  Theil  auch  am  Centrairande  der  Zona  opaca  beobachtet.  Wenn 
wir  uns  die  Querschnitte  dieses  Gebiets  bei  einem  Embryo  mit  3  Segmenten  ins  Gedächtniss 
Tufen,  so  können  wir  uns  leicht  vorstellen,  dass  die  kugelförmigen  Gruppen  der  Blutzellen, 
welche  sich  in  dem  länglichen  Zwischenräume  zwischen  den  Mesoblastausbauchungen  be- 
finden, das  Bild  der  Klein'schen  Blasen  unter  dem  Buchstaben  a  ergeben  müssen,  während 
diejenigen  Stellen  der  Mesoblastausbauchungen,  die  dicht  ans  Hypoblast  anliegen,  die  von 
ihm  beschriebene  Mosaik  um  die  Blasen  zeigen.  Die  Entstehung  der  Endothelblasen  selbst 
ist  augenscheinlich  auf  Grund  willkürlicher  Vereinigung  in  eine  Reihenfolge  von  völlig  ver- 
schiedenen Erscheinungen,  die  nur  dem  Aeussern  nach  Uebergangsformen  darstellen,  be- 
schrieben worden.  Wie  es  scheint,  (Goette  und  Disse  haben  darauf  hingewiesen)  fällt  der 


1)  Klein.  1.  c.  S.  383. 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  des  sciences,  ѴПтѳ  Serie. 


6 


42  De.  N.  UsKow, 

Autor  stellenweise  in  einen  Beobachtungsirrthum,  indem  er  Blutkörperchen  mit  Dotter- 
tropfen verwechselt.  Dieser  Beobachtungsirrthum  bezieht  sich  jedoch  auf  die  Entstehung  des 
Gefässkeimes. 

Das  Aussehen  der  von  Klein  unter  dem  Buchstaben  b  beschriebenen  Blasen  ist  augen- 
scheinlich dasselbe,  welches  auch  Afonassjew  in  Form  von  leerwerdenden  Blasenbildungen 
beschrieben  hat,  dessen  schon  erwähnt  worden  ist.  Unter  dem  Buchstaben  с  ist  die  dritte 
Bildungsform  in  Gestalt  von  verhältnissmässig  grossen  leeren,  nur  aus  einer  Endothelhülle 
bestehenden  Blasen  beschrieben  worden.  Der  Autor  selbst  sagt,  dass  diese  Blasen  auf  frischen 
Präparaten  in  der  Area  pellucida  beobachtet  werden  und  sich  höher  befinden,  als  andere  ähn- 
liche Bildungen.  Daraus  ist  deutlich  zu  ersehen,  dass  wir  es  hier  mit  Ringen  zu  thun  haben, 
die  in  den  Querdurchschnitten  auf  dem  centralen Mesoblasttheil  liegen  (s.Fig.  21 — 23).  Aus 
allem  diesem  sieht  man,  dass  Klein  irrthümlich  alle  die  von  ihm  gesehenen  Bilder  in  eine 
Kette  der  Blut-  und  Gefässentwickelung  vereinigt  hat,  ohne  sie  durch  die  Zeit  zu  con- 
troliren. 

Bei  Beschreibung  der  durch  die  Querdurchschnitte  gegebenen  Bilder  (im  Ö.PunctB.) 
wurde  auch  solcher  erwähnt,  die  sich  durch  ihre  Verwickelung  besonders  hervorhoben,  dabei 
wurde  auch  angenommen,  dass  sie  wahrscheinlich  durch  das  ausserordentlich  enge  Verhältniss 
des  Mesoblastes  zu  den  Gefässen  entstanden  seien.  Bei  Betrachtung  von  der  Oberfläche  wird 
eine  solche  Wahrscheinlichkeit  vollkommen  bestätigt.  Gerade  in  jenem  Gebiet,  wo  solche 
verwirrende  Bilder  beschrieben  worden  sind,  sehen  wir  die  grösste  Anzahl  von  Gefässen, 
welche  dabei  alle  von  sehr  grossem  Diameter  und  mit  Blutkörperchen  gefüllt  sind.  Die 
Zwischenräume  zwischen  den  Gefässen  (die  Mesoblasträume)  sind  sehr  klein  und,  dank  dem 
Umstände,  dass  die  Gefässe  unter  einem  sehr  scharfen  Winkel  anastomosiren,  vollkommen 
spaltförmig. 

Es  bleibt  uns  noch  übrig,  einige  Worte  über  die  oben  erwähnten,  von  Klein  beschrie- 
benen leeren  Blasen  zu  sagen.  Auf  frischen  Objecten  haben  wir  sie  nicht  gesehen,  auf  den 
gefärbten  —  kann  man  sie  leicht  in  der  vorderen  Abtheilung  der  Zona  pellucida  finden  und 
deshalb  können  wir,  trotz  der  völligen  Aehnlichkeit  unserer  in  diesem  Abschnitt  dargelegten 
Resultate  mit  Kölliker's  Ansichten,  mit  dem  letzteren  darin  doch  nicht  übereinstimmen, 
dass  wenn  auch  nur  einige  der  Klein'schen  Blasen  Missbildungen  seien.  Schon  deshalb 
nicht,  weil  wir  es  für  unwahrscheinlich  halten,  dass  während  einer  fast  dreijährigen  Arbeit 
über  diese  Frage  wir  nur  Missbildungen  erhalten  sollten,  und  zwar  nur  solcher  Eier,  die 
gerade  in  diesem  Stadium  beobachtet  wurden,  während  die  Eier  früherer  oder  späterer  Sta- 
dien (bis  zum  2 1 .  Tage)  unter  denselben  Bedingungen  sich  normal  entwickelten.  Beim  Betrach- 
ten von  oben  sieht  man  deutlich,  dass  die  Blasen  höher  als  das  Mesoblast  liegen  und  pro- 
jicirte  Abbildungen  der  im  4.  Punct  der  Querdurchschnitte  beschriebenen  Ringe  sind.  Die 
Entstehung  solcher  isolirten,  plattgedrückten  Blasen  erklären  wir  durch  die  Lage  der  hierher 
gerathenen  Gefässkeime  und  durch  deren  geringe  Quantität.  Die  Entwickelung  selbst  geschieht 
nach  dem  allgemeinen  Typus  der  Absonderung  der  peripherischen  Zellen  oder,  was  in  diesem 


Die  Blutgefässkeime  und  deeen  Entwickelüng  bei  einem  Hühneeembryo,  43 

Falle  richtiger  ist,  nach  dem  Typus  der  Bildung  eines  leeren  Raumes  im  Centrum  des  Gefäss- 
keimes,  wie  es  die  Präparate  der  vorhergehenden  Stadien  zeigen.  Die  Isolirung  der  Blasen 
ist  augenscheinlich  eine  zeitweilige,  da  zur  Zeit  der  Blutcirculation  die  Blasen  nicht  sicht- 
bar sind,  deshalb  nehmen  wir  an,  dass  sie  sich  vereinigen  und  durch  Resorption  der  Wand, 
also  durch  einen  Process,  der  dem  im  Herzen  stattfindenden  ähnlich  ist,  in  das  allgemeine 
Blutcirculationssystem  treten. 

Die  Betrachtung  des  zu  untersuchenden  Gebiets  von  oben  giebt  auch  das  Mittel  zur 
Erklärung  einiger  Erscheinungen  bei  der  Bildung  des  Lumen  in  den  primären  Gefässen. 
Hier  haben  wir  ja,  so  zu  sagen,  freie  Gefässe,  da  sie  nicht  im  Mesoblast  liegen  und  sogar 
von  der  Mesoblastwand  nicht  umgeben  sind,  so  dass  ausser  dem  dünnen  Epiblast  nichts  bei 
der  Beobachtung  ihrer  Endothelwand  störend  ist.  Ausser  den  mehr  oder  weniger  regelmäs- 
sigen Ringen  sehen  wir  hier  verschiedene  Gefässformen  in  Gestalt  verlängerter  stellenweise 
enger  gewordener,  länglicher,  leerer  Körper.  Diese  Körper  sind  durch  die  Endothelwand 
scharf  begrenzt,  zuweilen  sind  sie  deutlich  auf  der  Peripherie  sichtbar,  zuweilen  aber  ver- 
tieft sich  das  eine  Ende  gleichsam  nach  innen,  wodurch  die  Umrisse  undeutlich  werden.  An 
dem  einen,  gewöhnlich  etwas  zugespitzten  Ende  befindet  sich  eine  grosse  Zelle  mit  einem 
mächtigen  Kerne,  welcher  eine  oder  die  andere  karyokinetische  Figur  zeigt  (s.  Fig.  17 — 20). 
Die  letztere  Erscheinung  ist  eine  so  häufige,  um  nicht  zu  sagen  beständige,  dass  man  unwill- 
kürlich eine  Erklärung  dafür  sucht;  wir  erklären  sie  auf  folgende  Weise:  die  Wucherung  des 
Gefässes  geschieht  durch  Verlängerung  des  einen  Endes  vermittelst  Theilung  der  am  Ende 
befindlichen  Zelle;  bei  diesem  Process  geht  auch  die  weitere  Ausdehnung  des  Lumen  vor 
sich.  Indem  wir  die  Schnitte  früherer  Stadien  durchsahen,  überzeugten  wir  uns  jedes  Mal 
von  der  Zellentheilung  bei  Bildung  sichtbarer  leerer  Räume  in  den  der  Länge  nach  ge- 
schnittenen Gefässen  und  sogar  auch  in  denjenigen,  die  in  tiefen  Mesoblastschichten  liegen. 
Demselben  Process  verdanken  augenscheinlich  auch  die  ersten  Vacuolen  ihr  Erscheinen  in 
der  Peripherie  der  kugelförmigen  Gruppen  des  Gefässkeimes.  Hieraus  erklärt  sich  auch  das 
Factum  der  ungleichzeitigen  Bildung  der  Lumina  in  den  Gefässcylindern,  denn  das  Lumen 
erscheint  nur  dort,  wo  die  Zellentheilung  stattgefunden  hat.  Den  oben  beschriebenen  Pro- 
cess der  Gefässbildung  unter  dem  Epiblast,  wenn  er  auch  vom  früher  existirenden  Gefäss- 
cylinder  abhängig  wäre,  betrachten  wir  als  einen  Process  der  primären  Bildung,  weil  wir  es 
hier  mit  einem  Process  der  Cylinderwucherung  zu  thun  haben,  welcher  nur  durch  die  bis 
zur  Gleichzeitigkeit  rasche  Bildung  des  Lumen  complicirter  wird. 

Die  Benennung  «secundäre  Bildung»  lassen  wir  nur  der  Gefässwucherung,  welche  mit 
Hülfe  der  Allen  bekannten  dünnen,  kegelförmigen  Protoplasmafortsätze  der  Wände  statt- 
findet, mit  nachfolgender  und  successiver  Bildung  des  Lumen  von  der  Basis  des  Kegels  aus. 
Eine  derartige  Form  treffen  wir  häufig  schon  bei  einer  dreitägigen  Embryonalplatte  an, 
sogar  am  Ende  des  zweiten  Tages.  Damit  wollen  wir  die  Geschichte  der  Gefässbildung 
schliessen. 

Was  aber  die  Bildung  der  Blutkörperchen  anbetrifft,  so  geht  die  allgemeine  Antwort 

6* 


44 


De.  N.  UsKow, 


darauf  aus  der  wahrlich  merkwürdigen  Menge  von  Kernen  resp.  Zellen  hervor,  die  sich  in  ver- 
schiedenen Theilungsstadien  befinden,  worauf  schon  an  den  entsprechenden  Stellen  hinge- 
wiesen worden  ist.  Eine  mehr  specielle,  aber  nichts  desto  weniger  sehr  wichtige  Frage,  die 
eine  entscheidende  Bedeutung  in  der  Histogenie  der  Blutkörperchen  in  einem  erwachsenen 
Organismus  haben  kann,  ist  die  folgende:  können  die  Endothelwände  eines  schon  ausgebil- 
deten Gefässes  von  sich  aus  Gruppen  von  noch  nicht  abgesonderten  Blutkörperchen  erzeu- 
gen? —  Bei  der  Beschreibung  der  Querdurchschnitte  des  letzten  von  den  durchgenommenen 
Stadien  haben  wir  darauf  hingewiesen,  dass,  лѵепп  auch  eine  enge  und  unmittelbare  Verbin- 
dung der  Blutinseln  mit  der  Gefässwand  existirt,  wir  diese  Verbindung,  auf  Grund  des  Vor- 
hergehenden, als  Zeichen  eines  noch  nicht  beendigten  Processes  der  Differenzirung  der  beiden 
Gebilde  betrachten.  Wir  haben  nicht  ein  einziges  Mal  auf  einem  Präparat  kleine  Häufchen 
(von  2 — 3  Kernen)  auf  einer  Gefässwand  gesehen,  was,  im  Falle  einer  theoretisch  möglichen 
Entstehung  der  Blutinseln  aus  dem  Endothel,  nothwendigerweise  hätte  sein  müssen.  Hierbei 
halten  wir  es  nicht  für  überflüssig  zu  sagen,  dass  der  Grad  der  Differenzirung  der  Gefässe 
und  Zellengruppen  im  zu  beschreibenden  Stadium  nicht  gleichmässig  ist,  sondern  es  scheint, 
als  ob  die  Differenzirung  im  Mittelstreifen  der  hinteren  Abtheilung  der  Area  vasculosa  zu- 
rückbleibe. Es  ist  wahr,  dass  auch  hier  der  Entwickelungsprocess  verhältnissmässig  rasch 
vor  sich  geht,  aber  er  äussert  sich  hauptsächlich  durch  Theilung  der  Kerne  und  Vergrösse- 
rung  des  Umfanges  der  Zellengruppen;  die  Absonderung  der  Gefässwand  aber  verspätet  be- 
deutend im  Verhältniss  zu  den  anderen  Theilen  der  Area  vasculosa.  Das  Alles  spricht  dafür, 
dass  das  erwähnte  Gebiet  der  Area  vasculosa,  so  zu  sagen,  mehr  mit  der  Erzeugung  der 
Blutkörperchen,  als  mit  der  Bildung  der  Gefässe  zu  schaffen  hat,  ja  mit  der  ersteren  sogar 
mehr,  als  alle  die  anderen  Gebiete  der  Embryonalplatte;  deshalb  hat  es  einiges  Recht  vor- 
zugsweise als  das  bluterzeugende  Gebiet  oder  als  ein  noch  unausgebildetes  Organ  der  Blut- 
erzeugung angesehen  zu  werden. 

In  den  weiteren  Entwickelungsstadien  kommt  schon  die  Thätigkeit  des  Herzens  hinzu 
und,  dank  dem  verstärkten  Strom  der  Flüssigkeit  und  der  in  Folge  dessen  nothw^endigen 
Versetzung  der  Blutkörperchen,  erhalten  wir  Objecte,  die  für  unsere  Zwecke  nicht  mehr 
tauglich  sind.  Die  Bildungen  werden  so  complicirt  und  verwirrend,  dass  es  fast  unmöglich 
wird,  daraus  selbst  nur  einigermaassen  bestimmte  Schlüsse  zu  ziehen. 

Und  so  schliessen  wir  aus  allem  in  diesem  Capitel  Gesagten  Folgendes  : 

15)  Remak's  Cylinderstrang ,  der  auch  von  anderen  Autoren  angenommen  wird,  ist 
nur  eines  von  den  Stadien  einer  öfter  vorkommenden  Entwickelungsform  des  Gefässsystems, 
jedoch  nicht  immer  dessen  ursprüngliche  und  ausschliessliche  Form. 

1 6)  Die  Gefässe  und  das  Blut  entwickeln  sich  unter  dem  Mesoblast  und  werden  erst 
später  vom  letzteren  umgeben. 

17)  Weder  bildet  sich  das  Blut  vor  den  Gefässen,  noch  umgekehrt:  der  eine  Process 
bedingt  das  Erscheinen  des  anderen,  folglich  sind  beide  gleichzeitig. 

1 8)  Das  Gefässlumen  ist  weder  ein  intracellularer,  noch  ein  intercellularer  Raum  ;  in 


Die  Blutgepässkeime  und  deren  Entwickelung  bei  einem  Hühneeembryo.  45 

jedem  gegebenen  Augenblick  existirt  es  so  weit,  als  das  Zellenprotoplasma  bei  der  Theilung 
der  Zelle  sich  gespalten  hat. 

19)  Es  ist  gar  kein  Grund  vorhanden,  die  ersten  im  Centraltheile  der  Zona  pellucida 
und  im  Embryo  erscheinenden  Gefässe  für  secundäre  zu  halten. 

20)  Ein  Theil  der  Gefässe  erscheint  in  einem  der  Entwickelungsstadien  auch  in  Form 
von  Blasen. 


Schluss. 

His  hat  zuerst  erklärt,  dass  das  Bindegewebe  und  das  Blut,  als  aus  dem  Parablast  ent- 
standen, nichts  mit  dem  Mittelblatt  im  Sinne  Remak's  gemein  haben.  So  viel  wir  wissen, 
war  das  der  erste  Schlag,  welcher  der  histogenetischen  Bedeutung  der  drei  Platten  versetzt 
wurde,  und  zu  jetziger  Zeit  haben  sich  die  Autoritäten  schon  einstimmig,  wenn  auch  auf 
verschiedene  Gründe  sich  stützend,  in  demselben  verneinenden  Sinne  geäussert  (Kölliker, 
Waldeyer).  Wir  wollen  uns  nicht  erkühnen,  hier  die  grosse  Umwälzung  darzustellen,  die 
dadurch  in  der  ganzen  Gewebelehre  stattgefunden  hat,  oder  richtiger  stattfinden  muss,  wir 
wollen  nur  darauf  hinweisen,  welchen  Einfluss  diese  Umwälzung  auf  die  pathologische  Histo- 
logie gehabt  hat.  Neben  der  Thiersch-Waldeyer'schen  Lehre  vom  Krebse  und  der  Lehre 
der  Histologen,  dass  sogar  die  Fettzelle  ein  von  den  übrigen  Bindegewebszellen  vollständig 
verschiedenes,  selbstständiges,  specifisches  Gebilde  sei,  lehrt  die  pathologische  Anatomie,  wie 
ihr  Hauptrepräsentant  Vir  chow  auf  dem  internationalen  Congress  in  Kopenhagen  verkündet 
hat,  die  Metoplasie  in  den  weitesten  Grenzen.  Diese  Lehre  ist  um  so  leichter  zu  beweisen,  je 
weniger  die  Data  der  Embryologie  anerkannt  werden.  Die  letzteren  aber  kann  die  patholo- 
gische Anatomie,  Virchow's  Meinung  nach,  «sogar  bis  jetzt  nicht  benutzen,  da  die  Embryo- 
logie, und  gerade  im  histologischen  Abschnitt,  durch  jede  neue  Arbeit  eine  neue  Formel 
ans  Licht  bringt».  In  Anbetracht  der  Existenz  eines  solchen  Widerspruchs  in  den  Ansichten 
über  einen  die  Grundlage  einer  ganzen  Wissenschaft  bildenden  Gegenstand,  beschäftigten 
wir  uns  eben  mit  der  Frage  über  die  Entstehung  des  Blutes  und  der  Gefässe,  also  mit  Ge- 
weben, welche  sich  früher,  als  alle  anderen,  differenziren  und  die  schon  im  Anfange  ihres 
Entstehens  scharf  bezeichnete  Unterscheidungsmerkmale  haben.  Wenn  wir  das  Facit  der  er- 
haltenen Resultate  betrachten,  so  sehen  wir,  dass  ein  gewisser  Protoplasmatheil  des  Eies 
sich  direct  zum  Gefässkeim  umbildet  ;  der  letztere  vergrössert  sich  im  Umfange,  wodurch 
seine  Theile,  die  anfangs  zerstreut  waren,  in  ein  Balkennetz  zusammenwachsen;  darauf  dif- 
ferenzirt  sich  die  peripherische  Balkenschicht  in  das  Endothel  der  Wand,  während  die  Mit- 
telschicht zur  Bildung  des  primären  Blutes  zurückbleibt.  Hierbei  ist  es  wichtig,  dass  der 
beobachtete  Gefässkeim  sich  unmittelbar  aus  dem  Eiprotoplasma  an  einem  bestimmten  Ort 


46 


De.  N.  UsKOw, 


und  zu  einer  bestimmten  Zeit  bildet,  (freilich  ist  es  schwer,  das  eine,  wie  das  andere  mit  Ge- 
nauigkeit zu  bestimmen)  und  dieses  giebt  uns  das  Recht,  die  Ueberzeugung  zu  äussern,  dass 
schon  bei  der  ersten  Theilung  der  allgemeinen  Protoplasmamenge  des  Eies  in  Zellen  die  zu- 
künftige Gewebetheilung  je  nach  der  Function  entsteht.  Diese  Ueberzeugung  sprechen  wir 
um  so  dreister  aus,  da  sie,  als  Resultat  der  Untersuchung  eines  speciellen  Organs,  zugleich 
als  Bestätigung  der  Ansichten  dient,  welche  Rauber  im  Allgemeinen  und  van  Beneden  auf 
Grund  der  Untersuchung  der  Wirbellosen  geäussert  haben. 

Die  in  diesem  Artikel  beschriebenen  Facta  geben  einen  neuen  Grund  anzunehmen,  dass, 
wenn  man  die  Keime  mancher  Gewebe  nicht  in  den  anfänglichen,  aus  dem  Eiprotoplasma 
entstandenen  Zellen  unterscheiden  kann,  doch,  vom  Moment  der  Plattenbildung  an,  der  Ent- 
stehungsort der  zukünftigen  verschiedenen  Gewebe,  oder  richtiger,  ihrer  Gruppen  auf  Grund 
folgender  Combinationen  deutlich  werde:  Die  oben  angeführte  Ansicht  von  Hi s  war  die 
erste  Veranlassung,  die  histogenetische  Theilung  der  Embryonalplatte  in  verticaler  Richtung, 
parallel  der  Achse,  vorzunehmen;  dieser  Gedanke  ist  eben  von  Raub  er  mit  grösserer  Prae- 
cision  ausgedrückt  worden.  Wenn  es  auf  diese  Weise  unmöglich  geworden  ist,  in  der  Remak'- 
schen  Theilung  der  Embryonalplatte  nur  in  horizontale  Flächen  eine  Grundlage  für  die  Histo- 
genie  zu  finden,  so  bedeutet  das,  dank  den  genannten  Forschern,  keineswegs,  dass  wir  überhaupt 
auf  den  Gedanken  verzichten  müssen,  in  verschiedenen  Abtheilungen  der  Embryonalplatte  die 
Keime  bestimmter  Gewebe  zu  suchen.  In  der  That,  im  Mesoblast  ist  der  Centraltheil  schon 
längst  vom  peripherischen  Theil  getrennt,  vom  letzteren  aber  müssen,  nach  unserer  Meinung, 
das  Blut  und  das  Gefässendothel  getrennt  werden.  Auf  diese  Weise  hat  der  peripherische 
Theil  des  Mesoblastes  nur  für  sehr  wenige  Gewebe  eine  histogenetische  Bedeutung.  Der 
hieraus  zu  ziehende  Schluss  ist  klar  : 

21)  Die  Bildung  des  Blutes  und  der  Gefässe  bei  einem  Huhn  kann  als  ein  deutlicher 
Beweis  für  die  Annahme  angeführt  werden,  dass  das  lebendige  Protoplasma  eines  befruchteten 
Eies  in  verschiedenen  Theilen  verschiedene  bestimmte  Gewebe  des  Organismus,  aus  welchem 
es  hervorgegangen  ist,  enthalte. 

22)  Man  kann  die  histogenetische  Bedeutung  der  Remak'schen  drei  Platten  nicht 
verwerfen;  diese  Lehre  muss  nur  durch  die  Theilung  der  Platten  in  verticaler  Richtung 
ergänzt  werden. 


Die  BlutgepÄsskeime  und  deeen  Entwickelüng  bei  einem  Hühneeembrto.  47 


Erklärung  der  Abbildungen. 


Die  Reihenfolge  der  Schnitte  beginnt  vom  hinteren  Ende,  der  erste  Schnitt  ist  derjenige,  auf  wel- 
chem der  Gefässkeim  bemerkbar,  der  letzte  —  auf  welchem  der  Kopf  unsichtbar  wird. 

Die  Zeichnungen  sind  in  einer  Ebene  mit  dem  Mikroskoptischchen  gemacht  worden,  mit  Hilfe  der 
Kamera  lucida  von  Nach  é  mit  Mikroskop  von  Verick,  so  dass  =  250-maliger  Vergrösserung  entspricht, 
ausserdem  wurde  das  9-te  Immersionssystem  von  Hartnack  gebraucht,  weshalb  Yg  ungefähr  500-maliger 
Vergrösserung  entspricht.  P — peripherischer  Band  der  Figur,  С — centraler  Rand. 

Fig.  1.  Der  Querdurchschnitt  der  Embryonalplatte  durch  das  Gebiet,  wo  noch  keine  Spur  von  Pri- 
mitivstreifen vorhanden  ist.  Bildung  des  peripherischen  Mesoblasttheiles.  7  Stunden  (YJ. 

Fig.  2.  Der  Randtheil  des  Hypoblastes  im  Gebiet  des  gelben  Dotters.  Aus  dem  Querdurchschnitt 
der  Embryonalplatte  durch  den  hinteren  Theil  (Yg). 

Fig.  3.  Dasselbe,  8  Schnitte  zurückgegriffen;  bei  stärkerer  Vergrösserung  (Yg)- 

Fig.  4.  Bildung  des  peripherischen  Mesoblasttheiles  im  Randtheile  des  Hypoblastes  im  Gebiet  des 
gelben  Dotters;  aus  dem  145-sten  Querdurchschnitte  der  Embryonalplatte  mit  drei  primären  Segmenten. 
Im  Ganzen  sind  407  Schnitte  gemacht  worden  (Yg)- 

Fig.  5.  Bildung  des  Gefässkeimes  im  gleichen  Gebiet;  aus  dem  124-sten  Schnitte  derselben  Embry- 
onalplatte (Yg). 

Fig.  6.  Das  Verhältniss  des  Mesoblastes  zum  Gefässkeim;  dieselbe  Embryonalplatte,  aus  dem  148- 
sten  Schnitt  (Уб). 

Fig.  7.  Bildung  des  Gefässkeimes  auf  der  oberen  Mesoblastplatte.   Aus  dem  Querdurchschnitt  der 
Embryonalplatte  mit  6  primären  Segmenten.  Der  156-ste  Schnitt  (Ye)- 
Fig.  8.  Dasselbe,  der  nächste,  157-ste  Schnitt  (Ye)- 

Fig.  9.  Der  Gefässkeim,  aus  dem  297-sten  Schnitt  der  Embryonalplatte  mit  3  Segmenten,  dersel- 
ben, welche  in  Fig.  4  dargestellt  ist  (Yg)- 

Fig.  10  u.  11.  Der  Anfang  der  Differenzirung  der  Gefässwand;  dieselbe  Embryonalplatte,  aus  dem 
291-sten  Schnitt  (Yg)- 

Fig.  12.  Bildung  des  Gefässes;  dieselbe  Embryonalplatte,  aus  dem  197-sten  Schnitt  (Yg)- 

Fig.  13.  Eine  fast  vollständige  Differenzirung  der  Endothelröhre;  der  Bildungsanfang  der  äusseren 
Gefässwand.  Aus  dem  Querdurchschnitt  einer  unvollständigen  Serie  der  Embryonalplatte  mit  5  primären 
Segmenten.  Das  Gebiet  der  Primitivstreifen  (Yg). 

Fig.  14.  Der  Queriurchschnitt  eines  ausgebildeten  Gefässes  mit  nicht  völlig  ausgebildeten  Blut- 
körperchen; vollständige  Aussenwand.  Aus  dem  Querdurchschnitt  eines  Embryo  mit  doppeltem  Herzen, 
aus  dem  289-sten  Schnitt.  Im  Ganzen  sind  618-sten  Schnitte  gemacht  worden  (Yg)- 

Fig.  15.  Gefässe  und  Blut  unter  dem  Mesoblast.  Aus  dem  418-sten  Schnitte  derselben  Embryonal- 
platte. (Ye)- 


48  De.  N.  и  s  к  о  w ,  Die  Blütgepässkeime  и.  d.  Entwickelung  b.  e.  Hühneeembeyo. 

Fig.  16.  Aus  dem  529-sten  Schnitte  derselben  Embryonalplatte.  Coelom;  Blutgefäss  unter  dem 
Mesoblast;  Uebergangsformen  der  Zellen  aus  dem  Centralhypoblast  in  den  üebergangstheil.  (Vg). 

Fig.  17.  18.  19.  u.  20.  Verschiedene  Entwickelungsstufen  der  gleich  unter  dem  Epiblast  liegenden 
Gefässe  im  Embryonalgebiet,  bei  Betrachtung  von  oben  (Уд  Hartn.  die  Röhre  ist  zur  halben  Länge  aus- 
gezogen). Der  Embryo  mit  doppeltem  Herzen. 

Fig.  21,  22,  23.  Gleich  unter  dem  Epiblast  liegende  Gefässblasen  derselben  Embryonalplatte,  bei 
Betrachtung  von  oben.  Aus  dem  Kopfende  der  Zona  pellucida.  Die  Vergrösserung  ist  dieselbe,  wie  bei 
den  vorhergehenden  Figuren. 

Fig.  24,  25.  Hörnerartige  Hypoblastreste  im  Gefässgebiet,  aus  zwei  fast  benachbarten  Schnitten, 
dem  56-sten  und  58-sten;  die  Embryonalplatte  ist  dieselbe,  wie  in  Fig.  14.  (Yg). 

Fig.  26.  Der  Hypoblastring  im  Gebiet  der  ausgebildeten  Gefässe.  Aus  dem  43-sten  Schnitte  dersel- 
ben Embryonalplatte  (Ve)- 

Fig.  27.  Vier  Gefässlumina,  die  vollkommen  deutlich  auf  den  vorhergehenden  Schnitten  sind,  flies- 
sen  stellenweise  in  Folge  von  Verdünnung  der  Scheidewände  zu  einer  allgemeinen  Höhle  zusammen;  die  an 
der  rechten  Seite  sichtbare  Theilung  ist  nur  in  Form  einer  Gruppe  von  Blutkörperchen  geblieben.  Aus 
dem  Querdurchschnitt  einer  unvollständigen  Serie  von  Präparaten  eines  30-stündigen  Embryo.  (Yg) 

Fig.  28.  Dieselbe  Erscheinung  schärfer  ausgeprägt;  aus  dem  Querdurchschnitt  derselben  Stelle, 
mit  Ueberspringung  eines  Präparats.  (YJ 

Fig.  29.  Vollständiges  Zusammenfliessen  der  Lumina.  Dieselbe  Stelle  aus  dem  Querdurchschnitt 
mit  Ueberspringung  zweier  Präparate  wiederum  in  der  Richtung  zum  Kopfende  (Ye)- 


Тѵ^ешх[.ІАса(1.Ігор.!І,8с.Ѵ[[.2ерій.  .Dr.UsKowiDfG  BIul^GfasskEfraGe.Lc.  Т.І. 


Aul.  віілаі.  del. 

Металлограф! я- ЛШаігссінт.  Лт.стор.імш.ир.ЯилЛБ. 


McmiiÂcnitlmpi.Sc.Vll.SmE. 


Иг  l[sKOW:II[e  EluUiefaSuKeime ei.c.  T IL 


ГЛЕталпограф|я  Ш.Ямкетиг,  Агт.стср.Б(.л„ш.г.р.МЧ.(;п 


MÉMOIRES 

DE 

L'ACADÉMIE  IMPÉRIALE  DES  SCIENCES  DE  ST.-PÉTERSBO(]RG,  VI Г  SÉRIE. 
Tome  XXXV,  W  5. 


BESCHEEIBUNG  EINIGER 

VOGELBASTARDE 

VON 

Tlieotlor  РІеі^ке^ 

CONSERVATOR  AM  ZOOLOGISCHEN  MUSEUM  DER  KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN^. 


MIT  EINER  TAFEL. 


(Lu  le  28  avril  1887.) 


St.-PÉTERSBOURG,  1887. 

Comraissiomiaires  de  l'Académie  Impériale  des  sciences: 


Ш  4  шт  I 


St.-Pétersbourg:  Riga: 

M.  Eggers  et  C'«  et  J.  Glasounof;  M.  X.  Kymmel; 

Prix:  30  Кор.  =  1  Mrk. 


Leipzig: 

Voss'  Sortiment  (G.  Haessel). 


Imprimé  par  ordre  de  l'Académie  Impériale  des  sciences- 

C.  Vessélofsky,  Secrétaire  perpétuel. 


Imprimerie  do  l'Académie  Impériale  des  sciences. 
Vass.  Ostr.,  9  ligue,  -Л;  12. 


Die  Erzeugung  von  Bastarden  in  der  Natur  hat  in  den  letzten  Jahren  ein  ganz  beson- 
deres Interesse  durch  den  Umstand  erworben,  dass  einerseits  die  Kreuzung  für  ein  Mittel 
zur  Entstehung  neuer  Arten  angesehen  wird  und  andererseits  dieselbe  auch  eine  nicht  un- 
erhebliche Rolle  bei  dem  Untergange  schon  bestehender  Thierarten  spielen  soll.  Speciell 
in  der  Ornithologie  sind  Bastarde  schon  in  den  verschiedensten  Ordnungen  und  Gattungen 
nachgewiesen  worden,  jedoch  noch  durchaus  nicht  in  genügender  Menge,  um  zu  umfassen- 
deren Schlussfolgerungen  zu  berechtigen.  Ich  halte  es  für  sehr  wichtig  in  der  angegebenen 
Richtung  ein  möglichst  grosses  Material  anzusammeln  und  will  deshalb  die  Beschreibung 
einiger  untrüglicher  Bastardformen,  die  ich  im  Zoologisclien  Museum  der  Kais.  Akademie 
der  Wissenschaften  vorgefunden  habe,  nicht  länger  unveröffentlicht  lassen. 


1.  Männlicher  und  weiblicher  Bastard  von  Tetrao  ieirix,  Linn,  und  Bonasa 

ЪеѣЫпа  (S  с  op.). 

(Taf.  Fig.  1.) 

Die  ersten  Nachrichten  über  die  Verbastardirung  des  Birkhuhnes  mit  dem  Haselhuhne 
finden  wir  bei  Dresser welcher  jedoch  nur  über  die  anatomischen  Verhältnisse  eines 
solchen  Bastardes,  nicht  aber  über  dessen  Federkleid  Daten  geliefert  hat.  Die  erste  Beschrei- 
bung des  letzteren  findet  sich  demnach  bei  Dr.  M.  Bogdanow"),  welcher  das  Männchen 
genauer  gekennzeichnet  hat.  Da  nun  letztere  Arbeit  erstens  keine  Abbildung  des  interes- 
santen Vogels  bringt  und  sich  ferner  in  der  Sammlung  des  Zoologischen  Museums  auch  ein 
unzweifelhafter  weiblicher  Bastard  der  beiden,  in  Rede  stehenden,  Hühnerarten  erwiesen  hat, 
so  halte  ich  es  für  dringend  geboten  eine  Abbildung  dieser  Rarität,  nebst  erläuterndem 


1)  Dresser,  H.  E.  Remarks  on  a  Hybrid  between 
the  Black  Grouse  and  the  Hazel  Grouse.  Proc.  Zool.  Soc. 
1876,  p.  345. 

Mémoires  de  ГАсаіІ.  Imp.  d.  so.  VU  Serie. 


1)  Bogdanow,  M. 
sici.  E'asc.  I,  p.  36. 


Conspectus  Avium  Imperii  Ros- 


2 


Theodor  Pleske, 


Texte,  erscheinen  zu  lassen.  Die  beiden  Männchen,  von  denen  das  eine  dem  Zoologischen 
Museum  der  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften,  das  andere  dem  Zoologischen  Kabinet  der 
St.  Petersburger  Universität  gehören,  sind  von  Herrn  V.  Andrej ewsky  im  September  1860 
bei  Toksowo,  im  St.  Petersburger  Gouvernement,  augenscheinlich  aus  einer  Brut,  erbeutet 
worden.  Das  Weibchen  stammt  vom  Vogelmarkte,  woher  sich  sein  Ursprung  nicht 
näher  definiren  lässt.  Ich  glaube  mich  nicht  zu  irren,  wenn  ich  das  S  von  Bonasa  betulina 
(Scop.)  für  den  Vater  und  das  5  von  Tetrao  tetrix,  Linn,  für  die  Mutter  unserer  Exemplare 
bezeichne.  Es  ist  nämlich  kaum  anzunehmen,  dass  ein  weibliches  Haselhuhn  sich  auf  die 
Balzplätze  der  Birkhähne  einfinden  würde  und  ist  viel  wahrscheinlicher,  dass  ein  männlicher 
Haselhahn,  der  zum  Ehebruche  überhaupt  grosse  Anlagen  hat,  sich  an  einer  Birkhenne 
vergriffen  hat. 


Verhältüiss  seiner  Fär- 
bung zu  T.  tetrix,  Linn. 


Beschreibung  des  männlichen  Bastardes  von  Tetrao  te- 
trix,  Linn,  und  Bonasa  betulina  (Scop.). 

Kopf: 

Die  Deckfedern  der  Nasenöffnungen  sind 
schwarz,  an  der  Schnabelfirste  durch  einen  nussbraunen 
Streifen  verbunden  und  mit  einzelnen,  kleinen,  weissen 
Flecken  versehen. 

Ein  schmales  Stirnband,  der  Zügel,  ein  Fleck 
hinter  den  Augenbrauen,  welcher  sich  als  schmaler 
Streifen  längs  den  Ohrfedern  hinzieht,  und  ein  breites 
Band,  welches  den  schwarzen  Kehlflcck  einrahmt 
sind  weiss,  mit  einzelnen  schwarzen  Fleckchen. 


Die  Ohrfedern  bräunlich  grau. 
Der  Ob  er  köpf  mit  einer  Federhaube  versehen, 
bräunlich  aschgrau,  dunkler  gebäudert. 


Verhältniss  seiner  Fär- 
bung zu  B.  betulina 
(Scop.). 


Oberseife: 


(Beim  (5  von  B.  be- 
tulina ist  der  Zügel 
mit  der  Einrahmung 
des  Kehlflecks  verbun- 
den, während  er  beim 
Bastarde  durch  einen 
schwarzen  Fleck  unter 
dem  Auge  unterbro- 
chen ist.) 


(Die  Federhaube  beim 
Bastarde  weniger  in- 
tensiv.) 


-b  Hinterhals,  Rücken,  Bürzel  und  Oberschwanz- 

(abgeschwächte  Zeich-    deckfedern  aschgrau,  mit  feiner  schwarzer  Bänderung. 
nung  der  einzelnen  Fe-    Der  Farbenton  ist  dunkler  als  beim  $  der  B.  betulina 
dern   vom  2  des  T.    und  die  Zeichnung  steht  in  der  Mitte  zwischen  dem 
tetrix.)  einfarbigen  Rücken  des  ^  von  B.  betulina  und  der 

Färbung  des  $  von  T.  tetrix. 
-t-  vom  $  Schulterfedern:  Oberer  Theil  derselben  röthlich 

—  braun,  schwarz  gebändert;  unterer  Theil  aschgrau, 

schwarz  gewellt  und  mit  einzelnen  weissen  Schaftstrichen 
und  Tropfenflecken  versehen. 


(dunklerer  Farbenton 
als  bei  der  männlichen 
B.  betulina.) 


(abgeschwächt.) 


Bescheeibung  einiger  Vogelbastarde. 


3 


Flügel: 


In  der  Mitte  zwischen 
T.  tetrix  (S)  und  Б. 
betulina  ($);  einzelne 
Federn  zur  Hälfte  vom 
$  des  T.  teirix. 


Flügeldeckfedern:  Die  Deckfedern  der  Arm- 
schwingen einfarbig  grau-braun. 

Die  Oberflügeldeckfedern  aschgrau,  bräunlich  ange- 
flogen und  fein  schwarz  gewellt;  einzelne  Federn  mit 
weissen  Schaftflecken,  andere,  die  an  die  Schulterfedern 
grenzen,  stark  nussbraun  angeflogen  und  intensiver 
schwarz  gebändert. 

Primärschwingen:  Auf  der  Innenfahne  dunkel- 
braun, auf  der  Aussenfahne  weiss,  spärlich  braun  ge- 
fleckt. Federkiele  braun. 

Secundärschwingen:  Gelblich  braun,  schwarz  ge- 
wässert und  mit  weissen  Endsäumen  versehen;  die  letz- 
ten Secundärschwingen  intensiv  nussbraun  angeflogen 
und  mit  deutlicherer  schwarzer  Zeichnung. 


In  der  Mitte  zwischen 
B.  betulina  {^)  und 
T.  tetrix  ($);  einzelne 
Federn  (diejenigen  mit 
weissen  Schaftstriehen) 
vom  (5  der  Ѣ.  betulina. 


Unterseite: 


(die  nussbraunen  Quer- 
streifen stammen  vom 
2  des  T.  tetrix). 


(unterscheidet  sich  von 
der  Bauchfärbung  des 
$  nur  durch  den  Man- 
gel des  rostrothen  Far- 
bentones, der  durch 
den  gelblichen  Anflug 
angedeutet  ist). 

theilweise  vom  Ç 


Vorderhals  und  Brust  schwarz,  jede  Feder  mit 
einem  weissen,  klammerförmigen  Streifen  auf  der  Mitte; 
auf  dem  Vorderhalse,  den  Halsseiten  und  der  Unterbrust 
sind  auch  die  Federränder  weiss.  Einzelne  Federn  der 
Brust  haben  einen  nussbraunen  Querstreifen  hinter  dem 
weissen,  klammerförmigen  Bande. 

Bauch  schwärzlich,  die  einzelnen  Federn  weiss  ge- 
randet;  die  Federn  der  Bauchseiten  trübe  grau,  schwarz 
und  weiss  gewässert,  stellenweise  gelblich  angeflogen. 


Die  Seitenfedern  bilden  einen  allmählichen  Ueber- 
gang  von  der  haselhabnartigen  Zeichnung  der  Brust  zu 
der  birkhuhnartigen  Zeichnung.  Einzelne  Federn  sind 
genau  halbirt,  wobei  die  der  Brust  zugekehrte  Fahne  je 
zwei  breite  weisse  und  schwarze  Binden  aufweist,  wäh- 
rend die  andere  Fahne  aschgrau,  schwarz  gewässert  ist. 

Die  Unterschwanzdeckfedern  sind  an  der  Basis 
schwarz,  an  der  Aussenhälfte  weiss. 


(mit  weniger  deutlichen 
weissen  Querstreifen 
und  Endbinden,  wo- 
durch die  Brust  schwär- 
zer erscheint). 


theilweise  vom  5 


Schwanz: 

—  Diebeiden  mittleren  Steuerfedern  sind  aschgrau,  -i- 

schwarz  gewässert  und  mit  weisslichem  Endsaume  ver- 
sehen. 

Die  übrigen  Steuerfedern  sind  mattschwarz  an 
der  Basis  schwach  aschgrau  gewässert  und  mit  weissen 
Endsäumen  versehen.  Der  Schwanz  ist  abgestuft  und  die  — ■ 
(vom  (5)  äussersten  Steuerfedern  überragen  die  mittleren  um  29"™. 

Die  vier  äussersten  jederseits  sind  schwach  nach  aussen 
gebogen,  wodurch  sie  das  Aussehen  einer  wenig  ent- 
wickelten Leier  des  $  von  T.  tetrix  erhalten. 


4 


Theodok  Pleske, 


Culmen:  ^  —  22"""; 
2  —  19""".  Unterscbna- 
bel:  (5  und  5  —  13'™ 


Ç  _  243™". 

Verhältniss  seiner  Fär- 
bungzu  T.  tetrix^  Linn. 


($) 


Culmen:  $  —  22"""; 
$  —  1 9""".  Unterschna- 
bel (5  und  5  —  13""". 
Flügellänge:  —  243""". 


Die  Läufe  sind  bis  an  die  Zehen  mit  weissgrauen 
Federn  besetzt,  welche  sogar  zwischen  den  äusseren  und 
mittleren  Zehen  auftreten.  Die  Form  der  Zehen  steht 
näher  zu  T.  tetrix. 

Schnabel: 

Culmen:  19""";  Unterschnabel  (von  unten  gemes- 
sen): 13"'"'.  Seinen  Dimensionen  nach  nähert  sich  der 
Schnabel  demjenigen  des  $  von  T.  tetrix,  ist  aber  etwas 
gedrungener  und  erinnert  dadurch  an  den  stark  ge- 
wölbten Schnabel  des  B.  betulina.  Färbung  dunkelbraun, 
fast  schwarz, 

Dimensionen:  Flügellänge:  232'"'". 

Beschreibung  des  weiblichen  Bastardes  von  Tetrao  tetrix, 
Linn,  und  Bonasa  betulina  (Sc  о  p.). 

Kopf,  Hals,  Rücken,  Bürzel,  Schwanz  und  Flü- 
gel sind  röthlich  gelb ,  auf  dem  Rücken  dunkler , 
schwarz  gebändert  und  gefleckt  und  auf  dem  Rücken 
und  Bürzel  grau  gewässert.  Die  ganze  Färbung  unter- 
scheidet sich  von  der  typischen  Färbung  eines  $  von 
T.  tetrix  nur  durch  das  Vorhandensein  von  weissen  Feder- 
rändern auf  dem  Oberrücken,  durch  weisse  Spitzen  der 
Steuerfedern  und  zerstreute  weisse  Tropfenflecke  auf 
den  Flügeldeckfedern,  denen  man  eine  gewisse  Aehn- 
lichkeit  mit  den  Flecken  der  Flügeldeckfedern  der  B. 
betulina  nicht  absprechen  kann. 

Die  ganze  Unterseite  dagegen  stammt  unstreitig 
vom  Haselhuhne,  indem  dieselbe  aus  schwarzen,  breit 
weiss  gesäumten  Federn  besteht.  Diese  Federsäume  sind 
so  breit,  dass  die  schwarzen  Felder  der  Federn  nur 
durchschimmern  und  der  Bauch  ziemlich  weiss  er- 
scheint. 

Fusse  und  Schnabel  sind  wie  beim  weiblichen  Birk- 
huhne. 

Dimensionen:  Culmen:  19""",  Unterschnabel: 
12,5'""',  Flügellänge:  252"""'). 


Culmen:  (5  u.  $-13""". 
Unterschnabel:  5  ""fl 


$  -  175""". 

Verhältniss  seiner  Fär- 
bung zu  B.  betulina 
(Scop.) 


Culmen:  j^undÇ  13"™. 
ünterschnabel:  $  und 
2  9"'"'.  Flügellänge: 
175""". 


II.  Bastard  von  Motacilla  flava,  Linn.  var.  beema,  Sykes  und  Motacüla  melano- 

cephala^  Licht. 

(Taf.  Fig.  2.) 

Eine  gelbe  Bachstelze,  die  ich  für  einen  Bastard  yon  Motacilla  flava^  Linn,  var.  beema, 
Sykes  mit  der  Motacilla  melanocephala,  Licht,  halten  möchte,  wurde  von  Karelin  am 


1)  Da  die  Exemplare  ausgestopft  sind, 
woher  ich  es  vorziehe  davon  abzustehen. 


lassen  sich  die  übrigen  Dimensionen  nur  sehr  ungenau  nehmen, 


Beschreibung  einiger  Vogelbastarde. 


5 


8.  April  1854  unwèit  Gurjew  erbeutet.  Ich  rechne  die  M. flava,  Linn.  var.  beema,  Sykes 
und  nicht  die  typische  Form  für  den  Stammvater  des  Exemplares,  weil  die  Wangen  desselben 
ganz  weiss  sind.  Das  Geschlecht  des  Exemplares  ist  nicht  vermerkt;  seiner  lebhaften  Fär- 
bung nach  muss  es  jedoch  ein  Männchen  sein. 


Verhältniss  seiner  Fär- 
bung zu  Ж^йШ,Ьіпп. 
var.  beema,  Sykes. 

aschgrau . 


Beschreibung  des  Bastardes  von  Motacilla  flava,  Linn, 
und  Motacilla  melanocephala,  Licht. 

Kopf: 

Der  ganze  Oberkopf,  Nacken  und  Hiuterbals, 
Zügel  und  Obrfieck  schwärzlich  grau;  Ohrfleck  und 
Vorderkopf  nebst  Scheitel  dunkler  als  der  Hinterhals. 

Superciliarstreifen  weiss. 

Wangen  weisslich,  mit  einzelnen  schwärzlichen  und 
gelblichen  Federn. 

Kehle  weiss,  zum  Halse  hin  mit  gelb  vermengt. 


Verhältniss  seiner  Fär- 
bung zu  M.  melano- 
cephala,  Licht. 

schwarz. 


dunkler  als  bei  M.fla- 
va,  var.  Ъеета. 


Unterseite: 

Die  ganze  Unterseite  hochgelb. 

Oberseite  : 


heller  als  bei  M.  me- 

lanocephala,  Licht. 


dunkler  als  bei  Ж^а-         Rücken,   Schulterfodern  und  Bürzel  dunkel- 
Ш,  var.  Ъеета.  olivengrüu. 

—  Oberflügeldeckfedern:  Die  kleinen  bräunlich, 
breit  gelblich  olivengrün  gesäumt;  die  mittleren  und 
grossen  dunkelbraun,  breit  grünlich-gelb  gesäumt. 

—  Primär-  und  Secuudär-Sch wingen  braun,  an 
der  Aussenfahne  weisslich  gesäumt. 

—  Axillarfedern  hochgelb. 


heller  als  bei  M.  me- 
Janocephala,  Licht. 


Schwanz: 

Die  je  zwei  äussersten  Steuerfedern  weiss,  mit 
schwarzen  Längsflecken  an  der  Innenfahne;  die  dritte 
Steuerfeder  schwarz,  zum  Ende  hin  an  der  Aussenfahne 
weiss  gesäumt  und  mit  weisser  Endspitze  versehen.  Die 
übrigen  Steuerfedern  schwarz. 

Schnabel  und  Fusse  schwarz. 


Dimensionen: 

Culraen:  —  13""";  Flügel:  —  76'""'»). 


1)  lu  denjenigen  Fällen,  wo  die  Dimensionen  der  elterlichen  Formen  von  einander  wenig  verschieden  sind, 
unterlasse  ich  es  dieselben  anzuführen. 


6 


Theodor  Pleske, 


III.  Männlicher  Bastard  von  Pa/rus  borealis^  De  Selys  und  Lophophanes 
cnsiatiis  (Linn.). 

(Taf.  Fig.  3.) 

Das  vorliegende  Exemplar  (5),  welches  schon  mehrfach  Erwähnung  gefunden  hat^), 
wurde  am  15.  September  1880  auf  dem  St,  Petersburger  Vogelmarkte  erworben  und  ge- 
langte später  mit  meiner  ganzen  ornithologi sehen  Sammlung  in  den  Besitz  des  Zoologischen 
Museums  der  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften. 


Verhältniss  seiner  Form 
und    Färbung  zu  L. 
cristatus  (Linn.), 


> 


Beschreibung  des  männlichen  Bastardes  von  Parus  Ъо- 
realis,  De  Selys  und  Lophophanes  cristatus  (Linn,). 

Kopf: 

Nasendeekfedern  weiss,  schwarz  gefleckt, 

Scheitel  und  Vorderkopf  schwarz,  jede  Feder  mit 
weisser  Spitze. 

Hinterkopf,  Nacken  and  Hinterhals  rein 
schwarz. 

Haube  fehlt  gänzlich, 

Superciliarstreifen  rein  weiss,  auf  der  einen 
Seite  spärlich  schwarz  gefleckt, 

Zügel  und  ein  Streifen  hinter  dem  Auge,  wel- 
cher sich  bis  zum  schwarzen  Hinterhalse  hinzieht  und 
demnach  den  Superciliarstreifen  einschliesst,  schwarz, 
ersterer  undeutlich. 

Wangen  rein  weiss,  nach  den  Halsseiten  hin  hell 
bräunlich  angeflogen. 

Kehle  und  Vorderhals  schwarz  ;  von  diesen  die  К  e  h  1  e 
rein  schwarz, 

der  ünterhals  dagegen  mit  weissgrauen  Spitzen. 
Was  die  Dimensionen  des  schwarzen  Kehlfeldes  an- 
betrifft, so  ist  es  bedeutend  grösser  als  bei  P.  horealis 
und  kleiner,  namentlich  am  Vorderhalse,  als  bei  L.  cris- 
tatus. 

Oberseite  : 

Ober-  und  ünterrücken,  Schulterfedern  und 
Bürzel  erdbräunlich,  doch  mit  deutlichem  grauen  An- 
fluge, wodurch  die  Färbung  eine  weniger  intensive  wird. 

Oberflügeldeckfedern  aschgrau,  jede  Feder 
bräunlich  gerandet;  Primär-  und  Secundärsch win- 
gen  dunkelbraungrau,  jede  Feder  weissgrau  gerandet. 

Unterseite: 

Brust  und  Bauch  weiss,  Seiten  stark  bräunlich 
angeflogen. 


Verhältnissseiner  Form 
und  Färbung  zu  P. 
horealis.,  De  Selys. 


schwarz. 


> 


1)  Büchner  u.  Pleske,  Beitr,  я.  Ornith.  d.  St.  Petersb.  Gouv.  Beitr.  z.  Kenntn.  d.  Russ.  Reichs.  II  Folge, 
Bd.  IV,  p.  58  und  Бихнсръ,  Птицы  С,-Петерб.  губ.  Тр.  Спб.  Общ.  Ест,  XIV,  стр.  419. 


Bescheeibüng  einiger  Vogelbastarde. 


7 


Schwanz  : 

-+-  Steuerfedern  braungrau,  mit  deutlichen  schwarzen  — 

Kielen  und  hellen,  grünlich-grauen  Säumen. 
-+-  Der  Schwanz  ist  stark  ausgeschnitten.        '  — 

Schnabel  und  Krallen  schwarz,  Füsse  grau,  Iris 

braun. 

Dimensionen  : 

Culmen:  10""".  Unter-  Culmen:  9""".  Unterschnabel:  7""".  Flügel:  62""".  Culmcn:  9""".  Unter- 
schnabel: 7""".  Flügel:  Schwanz:  60,5""".  schnabel:  T""'.  Flügel. 
62""".  Schwanz:  60""".  66""".   Schwanz:  58""": 


IV.  Bastard  von  Emberiza  cHrimlla,  Linn,  und  Emben'za  kticocephala,  Gmel. 

(Taf.  Fig.  4.) 

Das  Zoologische  Museum  besitzt  einen  höchst  interessanten  Ammer,  welcher  am 
8.  März  durch  Prof.  E versmann  in  der  Nähe  von  Kasan  erbeutet  worden  ist.  Seinen  ge- 
mischten Characteren  nach  ist  der  Vogel  ein  unstreitiger  Bastard  von  Emberiza  cUrinella 
mit  Emberiza  leucocephala  und  zwar  glaube  ich  mit  Bestimmtheit  behaupten  zu  können, 
dass  der  Vater  eine  Emb.  citrinella,  die  Mutter  dagegen  eine  Emb.  leucocephala  gewesen  ist. 
Das  Geschleclit  des  Exemplares  ist  leider  nicht  constatirt,  doch  halte  ich  es  für  ein  $,  weil 
es  Eigenthümlichkeiten  in  seiner  Färbung  aufweist,  die  nur  dem  $  von  Emb.  citrinella  eigen 
sind.  Das  Federkleid  ist  ziemlich  abgetragen,  zum  Theil  weil  der  Vogel  wohl  einige  Zeit  in 
Gefangenschaft  gelebt  haben  muss. 


Verhältniss  seiner  Fär- 
bung zur  männlichen 
Emb.  citrinella. 


(In  Beziehung  auf  An- 
ordnung   der  Zeich- 
nung.) 


Beschreibung  des  Bastardes  vom  ^  der  Emberiza  citri- 
nella und  vom  2  der  Emberiza  leucocephala. 

Kopf: 

Scheitel  weissgrau  mit  schwarzen  Schaftstrichen, 
die  an  der  Stirn  und  den  Kopfseiten  zahlreicher  sind 
und  eine  Art  dunkle  Einfassung  bilden,  die  sich  seit- 
wärts bis  auf  den  Hinterhals  erstreckt  und  dort  einen 
bräunlichen  Ton  erhält. 

Zügel,  intensiver  Superciliarstreifen,  der  sich 
bis  auf  die  Halsseiten  erstreckt,  Wangen  und  Kehle 
weiss,  die  Wangen  von  zwei  dunkelgrauen  Streifen  cin- 
gefasst  und  alle  ïheile  mit  spärlichen,  schwärzlichen 
Flecken  versehen. 

Vom  ausgeprägten  rostrothen  Mystacalstreifen 
der  männlichen  Emb.  citrinella  sind  deutliche  Spuren 
vorhanden. 


Verhältniss  seiner  Fär- 
bung zur  weiblichen 
Emb.  leucocephala. 


(In  Beziehung  auf  den 
weissen  Farbenton.) 


8 


Theodor  Pleske,  BESCHREiBaNG  einiger  Vogelbastarde. 


Unterseite  : 

-f-  Die  ganze  Unterseite  ist  weiss;  diese  Färbung  ist  ч- 

(In  Beziehung  auf  An-    aber  nur  auf  der  Bauchmitte  rein  ausgeprägt,  während    (In  Beziehung  auf  den 
Ordnung   der    Zeich-    sie  auf  der  Oberbrust  durch  breite  aschgraue  Schaft-      weissen  Farbenton.) 
nung.)  flecken  und  auf  der  Unter  brüst  durch  ebensolche  rost- 

rothe  Flecken  und  dunkelbraune  Schaftstriche  markirt 
wird.  Die  Zeichnung  der  Unterbrust  erstreckt  sich 
auch  auf  die  Bauchseite  und  die  Unterschwanz- 
deckfedern, doch  sind  sowohl  die  Schaftflecken  als 
auch  die  Schaftstriche  schmäler. 

Oberseite: 

—  Hinterhals  aschgrau,  mit  einzelnen  roströthlichen  -+- 
Schaftflecken.  RückenundSchulter federn  rostbräun- 
lich, mit  dunkelbraunen  Schaftstriehen;  Bürzel  rostroth, 

jede  Feder  weisslich  gerandet.  Alle  Theile  ohne  eine  Spur 
eines  gelblichen  Anfluges, 

Flügel: 

-+-  Obere  Flügeldeckfedern  dunkelbraun;  die  klei-  — 

nen  und  grossen  fahlbraun  gerandet  und  mit  gelblichem 
Anfluge  des  Aussenrandes  versehen;  die  mittleren  mit  rost- 
röthlichen Endsäumen.  Primärschwingen  dunkelbraun, 
schmal  gelb  gerandet;  Secundärschwingen  dunkel- 
braun, breit  roströthlich  gerandet.  Flügelbug  ziemlich 
intensiv  gelb;  untere  Flügeldeckfedern  gelblich 
weiss. 

Schwanz: 

—  Steuerfedern  dunkelbraun,  die  äusseren  mit  weis- 
sem  Aussenrande  und  mit  fast  weisser  Innenfahne,  die 
zweiten  mit  einem  weissen  Fleck  auf  der  Innenfahne, 
der  nur  V4  der  Länge  der  Schwanzfeder  einnimmt,  die 
übrigen  fahl  gesäumt.  Ohne  gelben  Anflug  der  Säume. 

Schnabel  : 

Oberkiefer  hornschwarz,  Unterkiefer  hornblau,  ' 
(nach  Eversmann). 
С  и  Im  en:  12'""'. 

Plisse 

hellbräunlich-fleischfarben  (nach  Eversmann). 
Dimensionen:  Flügellänge:  88""'. 


MÉMOIRES 

DE 

l'ACADÉMIE  IMPÉRIALE  DES  SCIENCES  DE  ST.-PÉTERSBOURG,  VIP  SÉRIE. 

Tome  XXXV,  M"  6. 


DAS  TÜRKISCHE  SPßACHMATEPJAL 

DES 

CODEX  COMANICUS. 

MAMSCRIPT  DER  BIBLIOTHEK  DER  MARCUS-KIRCHE  IN  VENEDI&. 
NACH  DER  AUSGABE  DES  GRAFEN  KUHN  (BUDAPEST  1880). 


VON 

Dr.  W.  Railloir. 


(Lu  le  25  février  1886.) 


St.-PETERSBOURG,  1887. 

Commissionnaires  de  l'Académie  Impériale  des  sciences: 
St.-Pétersbourg:  Riga:  Leipzig: 

M.  Eggers  et      et  J.  Glasounof.  M.  N.  Kymmel.  Voss'  Sortiment  (G.  Haessel). 

Prix:  1  ЕЫ.  =  3  Mrk.  30  Pf. 


Imprimé  par  ordre  de  l'Académie  Impériale  des  sciences- 
Septembre  1887.  C.  Vessélofsky,  Secrétaire  perpétuel. 


Imprimerie  de  l'Académie  Impériale  des  sciences, 
Vass.  Ostr.,  9  ligue,  №  12. 


VORWORT. 


Bei  einem  genaueren  Studium  des  Codex  Comani- 
cus,  das  mir  durch  die  treffliche  Ausgabe  des  Grafen 
Kuun  ')  ermöglicht  war,  überzeugte  ich  mich  bald,  dass 
dieses  für  die  Geschichte  der  türkischen  Sprachen  so 
wichtige  Werk,  in  der  Form,  wie  es  uns  vorliegt,  nicht 
einen  seinem  Werthe  entsprechenden  Nutzen  bringen 
kann.  Der  Inhalt  des  Codex  hat  nur  einen  sprachlichen 
Werth,  und  kann  somit  der  Zweck  einer  Bearbeitung  des 
Codex  nur  der  sein,  ein  möglichst  treues  Bild  der 
Sprache  desjenigen  türkischen  Volksstammes  zu  ent- 
werfen, unter  dem  die  italienischen  Kaufleute  und 
deutschen  (ungarischen)  Missionäre,  von  denen  der 
Codex  herrührt,  ihre  Aufzeichnungen  vorgenommen 
haben.  Es  kam  daher  zuerst  darauf  an,  die  Recon- 
struction der  Laute  der  komanischen  Sprache  vorzu- 
nehmen, d.  h.  aus  den  verschiedenen  Schreibweisen 
des  Codex  Schlüsse  über  den  Lautwerth  der  Zeichen 
zu  ziehen.  Dies  war  aber  nur  durch  eine  durchge- 
hende Vergleiclmng  der  im  Codex  auftretenden  Wör- 
ter unter  sich  und  mit  den  entsprechenden  Wörtern 
der  übrigen  Türkdialecte  möglich.  Dann  musste  eine 
Feststellung  der  Wortbilder,  die  im  Codex  Comanicus 
auftreten,  vorgenommen  werden  und  zuletzt  das  ganze 

1)  Codex  Cumanicus  bibliothecae  ad  templum  divi  Marci  Ve- 
netiarum  primum  ex  integro  edidit  ComesGézaKuun.  Budapes- 
tini, edilio  scient,  academiae  Hung.  1880. 

Mémoires  de  l'Âcad.  Ішр.  d,  вс.  VU  Série. 


Sprachmaterial  des  Codex  in  Form  eines  Wörterbuches 
alphabetisch  geordnet  werden,  und  die  im  Codex  auf- 
tretenden zusammenhängenden  Texte  in  möglichst  ge- 
reinigter Form  transscribirt  und  mit  einer  wortgetreuen 
Uebersetzung  versehen  werden.  Eine  Bearbeitung  der 
Lautlehre  des  Komanischen  habe  ich  schon  in  den 
«Записки  Академіи  Наукъ»  und  in  der  «Internationalen 
Zeitschrift  für  allgemeine  Sprachwissenschaft»^)  veröf- 
fentlicht. Auf  diese  Lautlehre  gestützt  folgt  jetzt  die 
Herausgabe  des  «Sprachmaterials  des  Codex  Comani- 
cus» selbst.  Alle  komanischen  Wörter  sind  hier  in  dem 
Alphabete  der  von  mir  veröffentlichten  türkischen  Texte 
wiedergegeben,  was  noch  den  besonderen  Vortheil  hat, 
dass  sich  dadurch  meine  Transscription  von  der  stets 
hinzugefügten  Schreibweise  des  Codex  deutlich  unter- 
scheidet und  der  Leser  stets  im  Stande  ist,  meine 
Wiedergabe  durch  den  Codex  zu  controliren  und  meine 
Hypothesen  in  Erwägung  zu  ziehen.  Wo  ich  die  von 
mir  gemachten  Abänderungen  nicht  für  bewiesen  hal- 
te, habe  ich  stets  ein  (?)  hinzugefügt.  Die  hier  vorge- 
führten Sprachmaterialien  bestehen  aus  dem  Wörter- 
buch, aus  einem  alphabetischen  Verzeichnisse  der  ko- 
manischen Wörter  nach  der  Schreibweise  des  Codex 

1)  Приложеніе  къ  XLVIII  тому.  С.-Петербургъ,  1884. 

2)  Zur  Sprache  der  Komanen.  Intern.  Zeitschr.  für  allgem. 
Sprachwissenschaft.  Bd.  I,  p.  377—382  u.  Bd.  II,  p.  13—42. 

1 


2 


W.  Radloff. 


und  den  zusammenhängenden  Texten,  die  sich  im  Codex 
linden.  Unter  letztere  habe  ich  die  Räthsel  nicht  auf- 
genommen, da  sie  in  einer  Form  auftreten,  die  es  mir 
unmöglich  macht,  den  grössten  Theil  derselben  zu  ent- 
ziffern. Die  Entzifferung  der  Rtäthsel,  wie  die  Ausgabe 
des  Grafen  К  nun  sie  bietet,  ist  eine  durchaus  willkür- 
liche, und  ich  will  mich  daher  damit  begnügen,  einzelne 
Räthsel,  deren  Inhalt  durchaus  klar  ist,  hier  zusammen- 
zustellen und  mit  der  Entzifferung  des  Grafen  Kuunzu 
vergleichen.  Von  den  hier  nicht  aufgeführten  Räthseln 
habe  ich  die  mir  klaren  Wörter  und  Wortformen  in 
das  Wörterbuch  aufgenommen,  so  dass  der  Leser  im 
Stande  ist.  Alles  herauszufinden,  worin  ich  von  der 
Auffassung  des  Grafen  К  nun  abweiche. 

Die  Räthsel  des  Codex  sind  offenbar  nicht  ori- 
ginale, bei  den  Komanen  selbst  gemachte  Aufzeich- 
nungen, sondern  eine  von  einem  der  komanischen 
Sprache  wenig  kundigen  Manne  verfasste  Kopie  sol- 
cher Aufzeichnungen;  so  lässt  sich  nur  die  höchst 
mangelhafte  Form  und  die  häufigen  Umstellungen  oder 
Verwechselungen  erklären,  auf  die  wir  hier  überall 
stossen. 

Die  Räthsel,  deren  Entzifferung  ich  für  möglich 
halte,  sind  folgende^): 

[1]   tap  tap  tamyzik 
tamadirgan  tamizik 
kolagaceb  kojedirgan  tamyzik. 

Ol  kobelek. 

Ich  lese: 

тап  тап  тамцык, 

тамадырдан  тамцык, 

кольщ  ацып  (?)  koja-дырдан  тамцык. 

Ол  KööäläK. 

Uebersetzung  des  Grafen  Kuun: 

Stillatim  stillat,  guttas  offundens  stillat,  spumans 
guttansque  stillat.  I.  e.  spuma. 


1)  Codex  Comauicus,  p.  119—120.  Ausgabe  des  Grafen  Kuuu, 
p.  143-157. 

2)  Ich  füge  hier  die  Nummer  der  Ausgabe  des  Grafen  Kuun 

bei. 


Ich  übersetze: 

Тар  tap  ein  Tropfen, 
Ein  Tropfen  ist's,  der  herabtropft. 
Ein  Tropfen,  den  man  loslassen  kann,  wenn  man 
die  Hand  öffnet. 

d.  h.  der  Schmetterling. 

Dass  kobelek  der  Schmetterling  heisst,  lehrt  der 
Codex  selbst  (siehe  das  Lexicon). 

[2]   biti  biti  bittidim 
bes  agacka  bittidim 
konesim  juurdim 
b(?ek)j(n)  bekf  cirmadim. 

Ol  kinadir. 

БІТІК  6ІТІК  6ІТІДІМ, 

6äu]  адацка  бітідім, 
KöHäcf  H  (?)  іурдым, 
öäKin  6äKie  цырмадым. 

Ол  кына-дыр. 

Crescendo  crevi,  supra  quinque  arbores  crevi,  ar- 
gentum  meum  massavi,  firmiter  contorsi. 
I.  e.  Funis  cannabaceus. 

Eine  Schrift,  eine  Schrift  habe  ich  geschrieben, 
Habe  sie  geschrieben  an  fünf  Bäume, 
Mit  Quecksilber  (?)  es  geknetet 
Und  fest,  fest  herumgewickelt. 

Dies  ist  Kyna  ^). 

Kinadir  ist  nicht  Kas.  кіндір  (Hanf),  sondern 
кынан-дыр.  Meine  Lesung  ist  der  Sache  nach  ver- 
ständlich; die  Schrift  ist  die  Farbe,  die  man  auf  die 
Fingernägel  legt,  die  fünf  Bäume  aber  sind  die  fünf 
Finger  des  Menschen. 


1)  Farbe,  mit  der  man  die  Fingernägel  färbt.  In  Kasan  ge- 
schieht dies  mit  Balsaminen-Saft,  der  dort,  ich  glaube^  mit  Queck- 
silber gerieben  wird.  Im  Orient  ist  es  ein  aus  den  Blättern  der 
Henna-Krautes  (Lawsonia  inermis  =  arab.  Ij,»)  verfertigtes  Pulver. 


Das  türkische  Sprachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


3 


[8]    apac  cdi  jabovli 

altun  basli  cohraarli. 

Ol  tiirna  dur. 
Nach  Kuun  cdi  ^o^^^;  jabovli  =  <^iäjjU 

An  ak  Küxi  ]"абулы 
алтын  башы  чокмарлы. 

Ол  тыриа  дыр. 

Album  veutrera  habet,  lanata  est,  caput  aureum 
habet,  formam  clavae  imitatur. 

I.  e,  grus. 

Sein  weisser  Hintern  hat  eine  Decke, 
Sein  goldner  Kopf  einen  Knittel. 

Der  Kranich. 

(Dieses  Räthsel  ist  noch  jetzt  in  einigen  Theilen 
des  östlichen  Russland  bekannt.  [Vergl.  Lexicon:  кот, 
jaбyлy  und  чокмар.]  In  Betreff  des  Wortes  чокмар 
ist  zu  erwähnen,  dass  dies  vom  Verbum  чок,  чокы 
«picken»  herkommt,  also  wohl  ursprünglich  eine  spitze 
Waffe  oder  ein  spitzes  Instrument  bedeutete,  das  dem 
Schnabel  des  Kranichs  sehr  ähnlich  war. 

[13]  kislamis 

kani  necik  juhmarais 
hap  ortada  kislamis. 

Ol  kani  jav  dir. 

Kuun:  kislamis  kani  mendose  pro  kesilmis  kanik, 
cf.  cag  j^iU  petit  lait  aigre  (bei  Vambéry  steht  ricli- 
tig  ^jU  =  (Kas.)  катык. 

Кысламыш, 

каны  націк  jykMaMbiui  ? 
кап  ортада  кысламыиі. 

Ол  канцыда  дыр. 

Lac  coagulatum  antequam  (prorsus)  coagulatum 
sit  —  (lac)  in  vasi  coagulatum. 

I.  e.  pingvedo  lactis  coagulati. 


Es  ist  festgepresst, 

Wie  ist  nur  nicht  das  Blut  kleben  geblieben? 
Grade  in  der  Mitte  ist  es  festgepresst. 

Riemen  hinter  dem  Sattel. 

Hinter  jedem  Sattel  befinden  sich  zwei  Riemen- 
paare, mit  denen  Kleidungsstücke,  die  zusammen  ge- 
rollt sind,  in  der  Mitte  festgeschnürt  werden,  diese 
heissen  канцыда.  Der  Zusammenhang  zwischen  dem 
Räthsel  und  der  Lösung  ist  klar. 

[20]   olturgani  oba  jer 

baskani  bagir-camek, 

Ol  nzegi. 

Олтырданым  оба  jap 
басканым  бадыр  цанак. 

0  л  у.зйні. 

Locus,  ubi  sedeo,  scutella  aenea,  quam  calco. 
I.  e.  stapedes. 

Ich  sitze  auf  einem  Hügel, 

Ich  trete  auf  einen  kupfernen  Schlitten. 

Der  Steigbügel. 

[21]   capcacik  ustüda  capcacik. 

01  harais  dir. 

Цапцацык  устунда  цапцацык. 

О  л  камыш  дыр. 


Valde  mobile. 


I.  е.  canna. 


Auf  einer  Quaste  ist  eine  Quaste. 
Das  Rohr. 

[22]  jazda  jangi  keli  jagunadir. 

Ol  hamisdasi  dir. 

Kuun:  kell  =  kelir;  hamisdasi     hamis  dachi, 

1* 


4 


W.  Radlofp. 


JasbiAR  ]ацы  каіін  з'адынадыр. 

Ол  камыш  башы, 

Aestate  juvenescit,  se  flectit. 

I.  e.  item  canna. 

In  der  Ebene  kokettirt  (dreht  sich)  eine  junge 
Braut. 

Die  Schilfblume. 

[23]   jazda  javli  tokraak  jatir. 

Ol  kirpi  dir.  * 

Kuun:  kirpi  =  chirpich  palpebrae  ;  jaz  =  cag. 
^ji-L  lacrima;  javli  proprie  «pigvefactum». 

Іазыда  jayibi  токмак  jaTbip. 

Ол  кірпі  дір. 

Madidum  lacrimis  instrumentum  ad  pulsandum 
(quo  lintea  purgantur). 

I.  e,  palpebrae. 

In  der  Ebene  liegt  ein  fetter  Klöpfel. 
d.  h.  der  Igel. 

[24]   jazda  javli  hays  jatir, 

Ol  ylan  dir, 

JasbiAa  jayjbi  каіш  jaTbip. 

Ол  jb^aH  дыр. 

Acuncula  aestate  ungventis  nitet. 

I.  e,  serpens. 

In  der  Ebene  liegt  ein  fetter  Riemen. 

d.  h.  die  Schlange. 

[25]    icer  jer  jnina  kirer. 

Ol  bicak  dir 

Kuun:  ièer  jer  mendose  pro  icrä  vel  ickärü 
scriptum  esse  videtur. 


Іцар,  jap,  ініна  кірар. 

Ол  быцак  тыр. 

Intrat  vaginam  suara. 

I.  e,  culter  plicatilis. 

Es  isst  und  trinkt,  und  kriecht  in  seine  Höhle. 
Das  Messer. 

Die  türkischen  Nomaden  tragen  am  Gurte  stets 
eine  hölzerne  Scheide,  in  der  ein  etwa  3 — 5  Zoll  lan- 
ges Messer  steckt.  Setzen  sie  sich  zum  Essen,  so  zieht 
jeder  sein  eigenes  Messer  aus  der  Scheide  und  steckt, 
nachdem  er  gegessen  und  getrunken  hat,  das  Messer 
wieder  in  seine  Scheide.  Diese  Messer-Scheide  wird 
hier  durch  «in  seine  Höhle»  bezeichnet. 

[27]    burüsis  buz  teser. 

Ol  koy  bogu. 

Kuun:  burüsis  =  sine  tubere,  buz  =  caeru- 
leus,  teser  =  conchilia  intexit,  koy  =  (Aderb.) 
bogu  =  ^^^. 

Бурусыз  буз  Tämäp. 

Ол  koi  боды. 

Tuber  non  habet,  caeruleum, — conchilias  intexit. 
I.  e.  velamentum  caeli. 

Ohne  Bohrer  macht  es  Löcher  in's  Eis. 
Der  Schafmist. 

Wenn  im  Frühjahr  die  Sonne  auf  das  Eis  scheint,  so 
schmilzt  es  besonders  an  denjenigen  Stellen,  wo  dunkle 
Körper  auf  dem  Eise  liegen.  Durch  die  kleinen  Schaf- 
mistkügelchen,  die  auf  dem  Eise  in  der  Nähe  der 
Jurten  in  grossen  Massen  zerstreut  sind,  sind  überall 
im  Eise  tiefe  runde  Löcher  entstanden,  die  aussehen, 
als  habe  man  mit  einem  Bohrer  in  die  noch  glatte  Eis- 
fläche Löcher  gebohrt. 

[31  u.  32]  (  )mis.  ol  it  dir.  avzü  artina  sohupupur. 

Kuun:  sohupupur  =  j^i^«-  mordere. 


Das  tüekische  Speachmatbeial  des  Codex  Comanicus. 


5 


Аузу  артын  сокуп  önyp. 

Ол  іт  тыр. 

Hujus  aenigmatis  explicatio  deest.  Ecce  aenigma: 
«OS  meum  (vel  tuura)  dorsum  ejus  mordet». 

Sein  Mund  stösst  an  sein  Hintertheil  und  küsst  es. 
Dies  ist  der  Hund. 

[36]    uzü  uzu  sirgalak 

ucuna  deyri  sirgalak 
kizgakisga  sirgalak 
kri  ina  deyri  sirgalak. 

Ol  bièek  bile  bila. 

Kuun:  sirgalak  =  jU^«.  spatium  lubricum. 

Узун  узун  сырдалак 
уцуна  даірі  сырдалак 
кыска  кыска  сырдалак 
кырьцына  дйірі  сырдалак, 

Ол  быцак  бііа  бііау. 

Spatiumlubricum,  longum  longum,  usque  ad  finem 
ejus  lubricum,  —  lubricum,  (sed)  brevissinum,  usque 
ad  finem  (v.  vaginam)  ejus  lubricum. 

I.  e.  culter  atque  cos. 

Eine  lange,  lange  Rutschbahn, 

(Man  gleitet)  bis  zum  Ende  der  Rutschbahn, 

Eine  kurze,  kurze  Rutschbahn, 

(Man  gleitet)  bis  zum  Rande  der  Rutschbahn. 

Das  Messer  und  der  Wetzstein. 

D.  h.  ist  die  Rutschbahn  lang,  so  gleitet  man  der 
Länge  nach,  ist  die  Rutschbahn  kurz,  so  gleitet  man 
der  Quere  nach.  Hat  man  einen  langen  Schleifstein, 
so  wetzt  man  das  Messer,  indem  man  es  der  Länge 
des  Steines  nach  zieht,  hat  man  einen  kurzen  Schleif- 
stein, so  streicht  man  die  Schneide  vom  oberen  bis  zum 
unteren  Rande  des  Steines. 


Бу  барды,  ізі  jok. 

0  л  KäMä-дір. 

Abiit,  vestigium  non  est. 

L  e.  navis. 

Er  fuhr  und  Hess  keine  Spur. 

Das  Boot. 

[138]   tap  artida  karp. 

01  esik  dir. 

Тар  =  pers.  *^L'  patientia  ;  karp  =  arab.  angor. 
Tan  артында  карп. 

Ол  ашік  тір. 

Post  pationtiam  angor. 

L  е.  asinus. 

Klipp  darauf  klapp. 

Dies  ist  die  Thür. 

[39]    abzü  acsa  öpkani  korunir. 

Ol  esik  aèsa  ot  korüga  dir. 

Лузун  ацсац  öoKäci  корунір. 

Ол  ämiK  ацсач  от  KöpynräH  дір. 

Os  suum  si  aperit,  vigor  ejus  apparet. 

L  e.  asinus  (os  suum)  si  aperit,  ignis  (ejus) 
apparet. 

Oefifnest  du  seinen  Mund,  so  ist  seine  Lunge  zu 
sehen. 

d.  h.  öffnest  du  die  Thür,  so  ist  das  Feuer 
zu  sehen. 

In  der  Jurte  ist  der  Thür  gegenüber  die  Feuer- 
stelle, sobald  mau  also  die  Thür  aufhebt,  sieht  man 
die  brennenden,  rothen  Flammen  mitten  in  der  dunklen 
Jurte. 


[37]   bu  bardi  izi  joh. 

Ol  kema  dir. 


6 


W.  Radloff.  Das  türkische  Sprachmaterial  des  Codex  Comanicüs. 


In  meinem  vorläufigen  Berichte  über  die  hier  ver- 
öffentlichte Arbeit,  den  ich  der  historisch-philologi- 
schen Classe  am  25.  Februar  1886  vorgelegt  habe^), 
habe  ich  daranf  hingewiesen,  dass  wir  die  Sprache 
der  Koraanen  als  den  ältesten  Vertreter  der  Kyp- 
tschak-Dialecte  anzusehen  haben,  also  als  eine  frühere 
Phase  der  westlichen  Dialecte  und  dass  er  unter  diesen 
den  Wolgadialecten  am  nächsten  steht.  Von  der  Wahr- 
heit dieser  Behauptung  kann  man  sich  leicht  überzeu- 
gen, wenn  man  die  komanischen  Wörter  und  Wort- 
formen mit  denen  der  übrigen  Türkdialecte  vergleicht, 
die  ich  hier,  soviel  als  dies  mir  nöthig  schien,  in  mei- 
nem Wörterverzeichnisse  aufgeführt  habe. 

Durch  meine  im  Laufe  des  letzten  Jahres  vorge- 
nommenen Forschungen  im  Gebiete  der  Krym- Dialecte 
habe  ich  mich  überzeugen  können,  dass  die  komanische 
Sprache  noch  lange  Zeit  bei  den  Tataren  der  Krym 
fortlebte,  besonders  bei  den  dort  angesiedelten  Karai- 
men,  die  gewiss  erst  sehr  spät  mit  den  später  einge- 
wanderten Tataren  sprachlich  verschmolzen  Dies  be- 
weisen uns  die  alten  Bibelübersetzungen  derKaraimen, 
die  reichliche  Spuren  der  alten  Komanen-Sprache  auf- 
weisen.  Bei  den  im  XV.  Jahrhundert  aus  der  Krym 


nach  Litthauen  und  Volhynien  übergesiedelten  Karai- 
men  hat  dieser  alte  komanische  Dialect  unvermischt 
fortgelebt  und  sich  selbständig  fortentwickelt.  Die 
Herausgabe  und  Bearbeitung  der  Karaimen-Dialecte, 
die  ich  jetzt  schon  in  Angriff  genommen,  kann  somit 
als  eine  Fortsetzung  dieser  meiner  Arbeit  über  das 
Komanische  gelten,  und  wird  mir  reichlich  Gelegenheit 
bieten,  das  hier  veröffentlichte  Wörterverzeichniss  zu 
ergänzen  und  Fehler  und  Ungenauigkeiten  zu  verbes- 
sern. 

Eine  Zusammenstellung  der  grammatischen  Formen 
des  komanischen  Dialectes  habe  ich  unterlassen,  da 
ich  auf  den  grammatischen  Bau  und  die  Eigenthüm- 
lichkeiten  des  Komanischen  in  dem  zweiten  Bande 
meiner  vergleichenden  Grammatik  der  Türksprachen 
näher  eingehen  werde. 

Die  nöthigen  Materialien  zur  Morphologie  des 
Komanischen  bietet  aber  auch  das  hier  veröffentlichte 
Wörterbuch,  da  in  diesem  bei  jedem  Worte  alle  dieje- 
nigen grammatischen  Formen  aufgeführt  sind,  in  de- 
nen jedes  Wort  an  irgend  einer  Stelle  des  Codex  sich 
vorfindet. 

St.  Petersburg,  im  August  1887. 


1)  Mélanges  Asiatiques.  Tome  IX,  p.  87—92,  tiré  du  Bulletin, 
Tome  XXXI,  p.  121—124). 


W.  Radloff. 


INHALTSVEEZËICHNISS. 


Seite. 


І.  Komanisch-Deutsches  Wörterverzeichniss   1 

II.  Einzelne  Sätze  .  .  .  •   79 

III.  Komanisclie  Texte   81 

Alphabetisches  Verzeichniss  der  komauischcn  Wörter  nach  der  Schreibweise  des 

Codex  Comanicus   112 

Zusätze  und  Verbesserungen   131 


T. 


K0MANISCH-DEUT8CHES  WORTERVERZEICHNISS. 
►   


A. 

ai  [aile  Dialecte] 

Mond,  Monat  (ay  78,79,80,  143,15,201,4,  ari  207,7), 
ai  башы  Anfang  des  Monats  (aybasi  80). 
aigakia  (v)  [^^sUjI  аідакла  (Dscli.)  bezeugen,  angeben, 
аідакта  (Kir.),  aikay  (Kas.),  das  Unlereinanderwer- 
fen] 

аідаклады  (aygakladi  pdidit  p.  182),  er  ist  zu  Grunde 
gegangen  (?). 

aigbip  [aigbip  (Alt.  Kir,  Kas.  Osm.),         (Dsch.),  аскыр 
(Sag.),  aprî  (Таг.),  атыр  (Jak.)J 
der  Hengst  (aygir  148,12). 
аіна  [pers.  d^ji)  u.  <ü:ij,  атна  köh  (Kas.),  азна  (Таг.)] 
Freitag  (ayna  80),  аінада  (aynada  168,3,  168,4). 
аінала  [аілан  sich  wenden,  die  meisten  Dialecte,  аінал 
(Kir.)] 

Täqpi  joлынa  аіналамас  (tengri  ioluna  ayiialanias 
165,16)  er  kann  sich  nicht  wenden,  nicht  zum  Wege  Got- 
tes kommen. 

аІБЫ  (v)  [аіны  (Kas.  Kir.)  abstehen,  nüchtern  werden,  sich 
absagen,  (Osm.)  j*^)]. 
коціум  аіныр  (conglfi  aynir  235). 
aip  (v)  [aip,  ajbip  die  meisten  Dialecte,  азыр  (Abak.), 
адыр  (Soj.),  ^^î^i—j  Uig.,  атырцах  Heugabel  Jak,] 
trennen,  absondern  аірыман,  аірдым,  аір§ыл  (ayrumen, 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  d,  so.  VII  Serie. 


ayrduii  ayrgil56),  аірыірар  (ayringler  141, 12),  aip- 
дан  (ayrgä  14 6,1). 

аіран  [=аір-ь-ан,  obJ  аіран  (Dch.  Varnb.)] 
Stall,  Standort  von  Pferden  (ayran  121). 

аіры  [von  aip,  die  meisten  Dialekte] 

getrennt,  getheilt,  gabelförmig  auseinander  gehend  (ayri 
143,13,  147,4). 

аіл  [die  meisten  Dialecte  ausser  den  östlichen  | 

Bauchriemen,  Riemen  (ail  122,  ayl  12),  аіл  тартар- 
мае,  тарттым  (ayltartarmen,  ayltartum  1 2)  den  Bauch- 
riemen festziehen. 

аілы  [=-аін-лы  d.  h.  Monate  habend,  vergl.  ^Lj  (Dsch.), 
аілу  (Alt.  Bar.),  аілыг  (Abak.),  аілы  (Tob.  Kas.)] 
schwanger,  аілы  болды  (ayli  boldi  2 15, 11,  216,6)  sie 
wurde  schwanger. 

аіт  [j*^T  аіт  alle  Dialecte,  äiT(Kas.u.  Bäsch.),  v>»~ '  (Uig.)] 
sagen,  sprechen  аіт!  (ayt  20),  аітма!  (aytma  168,5), 
аітьщыз!  (aytingis  157,i,  159,i,  168,14),  аіткыл! 
(aythil  167,13),  аітыр  (aytir  159,3,  162,9,  162, 13, 

162,15,  164,5,  165,15,  166,18,  167,3,  167,7,169,3, 

171,3),  аітырміін  (ayturmeii  20  aytirmê  157,8),  ai- 
тырлар  (aytirlar  159, 11),  аітыр  аді  (aytiridi  160,2), 
аітыр  іідім  (ayteredim  158, 14),  аіта  (aya  160,7), 
аіттым  (aytun  20  ayttî  158, 12),  аітты  (ayti  159,4 
aiiaytti  (=  aui  aitti)  160,4,  ayti  160,5-6,  161,7, 

1 


2  W.  Ra 

164,4,  165,6,  165,12,  aytu  165,13,  ayti  216,4,  ayte 
203,16),  аітса  (aytsa  163,2,  165,14,  165,іб),  аітсак 
(aytsak  166,i),  аітмасак  (aytmasag  167,12),  аітмаса 
(aytmasa  166,б),  аіткаімын  (aytkayme  158,18),  аіт- 
кандан  (aitchanda  166,і),  аітканца  (aitganca  211,і, 
aytgancä  212,2,aytganci  216,5),  ауткынца (aytkince 
167,10),  аіталы  (ayttali  188,8),  аітмак  (aytmac  78), 
коцуі  іціеда  аітмак  (aitmac  25),  аітмыш  (aytmis 
216,1),  аітмада  (aytmaga  166, із,  167,6,  168,з),  ai- 
тып  (aytipturur  186,14). 

аітыл  (ѵ)  [Pass.  von  аіт] 

gesagt  werden  аітылды  (aytilde  160,9,  161,14). 

аіттыр  (ѵ)  [Factit.  von  аіт] 

zum  Sprechen  bringen  аіттырдаі  (aytirgay  167,ii). 

ain  [arab.  ^>ac,  tiirk.  Dialect  ain,  äin,  gain] 

Vergehen,  Schuld  (kommt  im  Codex  nicht  vor,  wohl  aber 
аіпсыз,  siehe  dasselbe). 

аіпсыз  [ain  -f-  сыз  alle  westlichen  und  südlichen  Dialecte, 
Dch.  аіпсіз] 

schuldlos,  fleckenlos  (aypsiz  1 89,1 1, 2 1 3,6,(aip)sis2 1 9,i5). 

ay        ay  (Kas.  Osch.)] 
Jagd  (üv  62). 

аул  [аул  (Kas.  Kir.)  entstanden  aus  адыл,  аіл  (All.)] 
Dorf,  аулыц  6ilä  (avlung  bile  147,5)  mit  den  Leuten 
seines  Dorfes. 

аурыз  [per s.  Jj^^I] 

Abtritt  (aurex  =  prluata  120). 

ауш  (v)  [ауш  (Kas.  Krm.),  ayc  (Kir.),  abgel.  von  ay  (Kas.)] 
auf  eine  Seite  geneigt  sein,  herabrutschen  (kommt  im  Codex 
nicht  vor,  wohl  aber  das  Faclitivum  ауштыр,  siehe  das- 
selbe). 

ауштыр  [ауштыр  Kas.,  аустыр  Kir.] 

auf  die  Seite  herabziehen,  überreden,  ауштырмада  (aus- 
tirmaga  138),  erklärt  durch:  «den  Mund  rorn»  =  über- 
reden (?). 

ak  (v)  [alle  Dialecte] 

fliessen,  akap  (agar  197,io),  aka  (aha  207,6),  кеміі 
akap  (kemä  iliar  223)  das  Schiff  leget  czu  ru. 

ak  [alle  Dialecte] 

weiss  (ac  108),  an  ak  ganz  weiss  (apac  143,18),  ak 
koi  weisses  Schaf  (akkoy  143,12). 

акыл  [arab.  Jic] 

Verstand,  Klugheit  (acliel  53,  die  Schreibung,  liakil 


DLOFF. 

198,10,  ist  durch  einen  der  Schriftsprache  kundigen  Dol- 
metscher, oder  auch  durch  die  Schriftkunde  des  Autors  ver- 
anlasst). 

акыллы  [^^^  (Osm.),  акыллы  (Kas.)] 
klug  (p.  115  steht  acliel  für  achele). 
акыш  [а§ыш  (Kas.  Bäsch.)  Strömung] 

der  Fluss  (oclms  28  flumen). 
акрын  [акырын  (Kir.),  аккырын  (Alt.),  акру  (Bar.)] 

langsam  (acre,  archum  69). 
аклык  [^э),  Osm,,  аклык  (Kas.  Krm.),  aklik  (Таг.),  ^Лс) 
(Dsch.)] 

die  weisse  Farbe  (aghlic  86),  diese  Schreibung  ist  gewiss 
durch  Einfluss  der  Schriftsprache  veranlasst, 
акца  [акча  (Kas.  Alt.),  акша  (Kir.),  акца  (Misch.  Bar. 
Tob.),  л^^І  (Osm.)] 
Geld  (acca  91,  alica  144,8). 
akcak  [alle  Dialecte] 
lahm  (agsah  1 1 7). 
акшам  [акіпам  (Bar.Kas.),  ахшам  Таг.,  Osm.  ^ііІі)] 

Abend  (acsan  80). 
акмак  [arab. 

dumm,  thöricht  (acmac  116). 
ag  [ag  cT  (Osm.)  ag;  ar  (Ab.)  ay  Kas.  Kir.  у  (Alt.)] 

Netz    (ag  70). 
aga  [Ic)  Osm.,  aga  (Kas.  Kir.  Tob.),  аккы  (Abak.)] 

älterer  Bruder,  ананыц  agacbi  der  Onkel  (auaning  agasi 
180). 

agaA  [^Icl  agaq  (Osm.  Kar.  Krm.  Alt,),  agam  (Kir.),  адац 
(Tob.  Misch.),  jaga4  (Таг.),  ^іі^  (Dsch.),  /^^^^  (Uig.), 
щат  (Töl.),  наш,  гіаіш  (Soj.)] 
Holz,  Balken,  Baum,  aga4  (agac  89,  120,  125,  144,7, 
209,4,  ТІК  agaii  (tic  agac  120)  Säule,  адацы  (agaci 
144,4,  agazi  122),  адацка  (agacga  199,5,  agacka 
143,6),  адацтан  (agacdan  143, із,  143,14),  адацлар 
(agaclar  103). 
адын  (v)  f  j«c),  ag  (Osm.  Dsch.),  agын  (Tob.  Bar.)] 
emporsteigen,  klettern  адын!  адыпырман,  адындым 
(agen,  agenurmen,  agendum  6),  адындан  (agingan 
207,2),  а^ынмыш  (aginmis  212,2). 
адындыц  [адынцук  Bar.] 

Treppe,  Leiter  (agengic  120,  a(n)giguc  enleyter 
233), 


Das  tüekische  Speachmatekial  des  Codex  Comanicus, 


3 


адындыр  (v)  [Factit.  von  адын] 

emporsteigen  machen ,  emporheben ,  адындырды  (an- 
gid'di  189,12). 
agbip  [_^c)  (Osm.  Dsch.),  agbip  (Küär.),  agip  (Таг.),  аур 

(Kas,Kir.),äp(Abak.),yp(Alt.),  öp(Kir.),  biapaxaH(Jak.)] 
schwer,  gewichtig,  ansehnlich,  Ehre,  Gewicht,  (ager  76, 
30,  85,  87),  agbip  Kälä,  адыр  cï  6ilä  in  ehrenhafter 
Weise  (ager  chele,  ager  sij  bile  66).  Neben  ager  sij 
bile  66  steht  von  anderer  Hand  eine  Glosse  auürsibile 
hinzugefügt,  welche  beweiset,  dass  dialectisch  für  адыр 
auch  авыр  oder  аур  (vergl.  Kas.  аур)  gesprochen  wurde, 
адыры  auch  адры  und  адыр  (v)  [j«^c)  адыр  Osm.,  адры 

(Ab.  Bar,),  agpa  (Katsch.),  ауру  (Kir.),  аурт  (Kas.), 

уру  (Alt.),  agpi  (Таг.  Dsch.)] 

schwach  sein,  krank  sein,  schmerzen,  адрырміш  адры- 
дым  (agrurmen,  agerdum  19),  адрымак  (agremac 
19,  agermac  86),  коцуі  адырмак  (congul  agirmac 
15,  contritio  cordis  in  acirgamach  ungeändert). 
адырык,  адрык  [адрык  (Abak.  Bar.),  agpik  (Таг.),  ^«j_/cT 

agpigy  (Dsch.),  ^_^)  (Osm.),  адры  (Krm.),  ауры 

(Kas.),  уру  (Alt.)] 
krank,  Krankheit,  адырык  кіші  (agirich  kizi  167,12), 
адрыкыы  (agrichyn  167,14),  адрыкымызныц  (agri- 
kimising  187,10),    адрыкымызны  (agrigîmisni 
187,11). 

адырла  [j*^__/c)  адырла  (Osm.),  ^.^хіИл—і  (Uig.)  von 
адыр] 

achten,  ehren,  адырларміін,  адырладыы  (agerlarmen, 
agerladum  30),  адырласак  (agirlasak  160,i4),  адыр- 
лап  (agirlap  158,4),  адырлалык  (agirlalih  161,4), 
Das  Seite  184  angeführte  avurglagil  =  авырладыл  oder 
аурладыл  beweist,  dass  dialectisch  auch  аурла  gesprochen 
wurde,  vergl,  адыр,  аур, 

адыз(ѵ)  [адыз  (Kas,),agыc(Abak,Alt,)^'^^•^A-J(Uig,)  von  ак] 
fliessen  lassen,  kommt  im  Codex  nicht  vor,  wohl  aber  das 
Factit.  адыздыр,  vergl.  dasselbe, 

адыз,  адз,  ауз  [jcT,  адз,  адыз  (Osm.  Krm.  Dsch.),  адыс 
(Bar.),  ауз  (Kas.  Kir.  Tob.),  ус  (Alt.),  äc  (Abak.)] 
der  Mund  (agx  110),  адызыбіііі  (agisibile  165,із), 
адзына  (agisna  1 68,15),  аузыц  (avzing  197, 13),  аузу 
(а vzu  143,12, 146,6,  abzii  147,i).  Die  Schreibung  abzu 
scheint  dafür  zu  sprechen,  dass  ein  Theil  der  Komanen  авз 
sprach. 


адызлык  [von  адыз,  vergl.  jJjdI  (Osm.),  аузлык  (Kas.), 
ауздык  (Kir.),  устук  (Alt.)] 
Gebiss  (aguxlug  122). 

адыздыр  (v)  [Factit.  von  адыз,  vergl.  dasselbe] 
fliessen  machen  адыздырды  (agizddi  209, 1). 

адым  [von  ak  (v)  —  адым  (Krm.  Kas.  Tob.)] 
Strom,  Strömung  (aliim  kati  dir  222). 

ацла  (v)  l^'^ÙJ  aipa  (Osm.  Krm,  Kas,  Dsch.),  ацна 
(Bar.  Misch,),  аііда  (Kir,  Abak.)  =щ-^ли\ 
verstehen,  einsehen,  ацлармііи  (anglarraen),  ацладым 
(angladum),  ацламак  (anglamac),  ацладыл  (anglagil 
31),  ацларман  etc.,  ацламан,  ацлар  іідім,  ацламас 
іідім,  ацладым,  ацламадым  177,  аиламыш  іідім,  ацла- 
даі  адім,  аірадаімын,  анламыш  болдаі  іідім;  aipa! 
аіілаім!  178,  ацласамііді,  аплар  болсам,  аірадыйса 
179. 

aja  [U  (Osm,),  aja  (Dsch,  Abak,  Kas.)] 

Handfläche  (aya  112,  223), 
aja  (v)  [(Kas.  Kir.  Bäsch.  Abak.),  ^*L)  (Dsch.)] 

Mitleid  haben  а]ады  (ayadi  recusavit  227). 
ajak  [alle  Dialecte,  азак  (Abak.),  адак  (Soj.),  ✓^a^a-j 
(Uig.)] 

der  Fuss  (ayach  113,  ayak  232),  ajak  усті  (ayag 

uxi  113),  Blatt  am  Fusse,  тошакнін  ajakы  (?)  Bettfuss 

(tocacning  ayagi  tripodes  (sie!)  123).  Казан  ajagы 

(caxan  ayak  124). 
ajakлы  [(Kas.  Osm.),  j-iäU  (Dsch.),  ajaklik  (Таг.),  ajak- 
ЛЫГ  (Abak.),  ajakлy  (Alt,)  von  ajakH-лы] 

Füsse  habend,  торт  ajakлы  vierfüssig  (dort  ayakli  147,6), 

vergl.  торт. 
ajaH  (v)  [Kir,  Refl,  von  aja] 

schonen,  ajaeыpмäн,  ajaндым,  ajangbM  (aianirraen, 

ayandim,  aiagil  132), 
aja3  [(Kir,  Kas.  Таг.  Tob.)  jL)  (Osm.  Dsch.),  ajac  (Alt. 
Bar,)] 

klar,  von  Wetter  (ayas  82,  aiaz  181). 
ajy  [ajy  (Kas.  Kir.  Alt.),       (Osm.),         (Dsch.),  ajыf 

(Abak.),  ejik  (Таг.),  адык  (Soj.),  Л^^--  (üig)] 
der  Bär  (ayu  128). 

ана  [alle  Dialecte,  ausser  Kirg,  шешй  und  eist,  Dial.  äeä] 
Mutter  ана  (ana  201,6, 206,4,21 1, 10), ананыч(апапіп§ 
1 80, 205,14),  анадаи  (anadaii  2 1 5,4),  анацны  (anangui 

1* 


4 


W.  Radloff. 


185),  анасы  (anasi  187,9,  20G,2,  215,6),  анасына 

(anasina  205, із),  анасында  (anasinda  215,іі),  анасы 

6ilä  (anasibile  162,4),  анамыз  (anamis  190, 15). 
аеык  [(Kir.  Kas.  Krm.),  (Uig.)] 

fertig,  bereit,  vergl,  аныкла. 
аныкла  (v)  [Kas.  Kir.  Krm.  von  аныкннла] 

bereiten,  fertig  stellen,  аеыклармйн,  аныкладым,  анык- 

ламак,  аеыкладыл  (anuclarraen,  amicladum,  anucla- 

шас,  anuclagil  43). 
аньщца  [=аныц-+-ца,  vergl.  ол  | 

bis  (auginza  65). 
ант  [ант  (Kir.  Kas.),        (Dsch.),  jJ)  (Osm.),  шЪш  анд] 

der  Schwur,  ант  ічйрман  (ant  icermen  138),  ант  іч- 

Märil  (anticmägil  184). 
анді  [андаі  (Kas.),         (Dsch.),  анді  (Alt.)] 

ein  solcher  (andi  169,2,  158, ig,  167, ig). 
анца  [vergl.  ол] 

so  viel  (anca  anca  1 58,i2),  бір  анца  (bir  anza  67)  schon, 

анца  цаклы  (anca  cakli  190,i)  solange,  анцадына 

(anzagina  64)  ein  Wenig, 
анцак  [=ол  цак] 

sogleich,  анцак  корунмаді  (ancak  korumadi  165, 12). 
ансызын  [ J"*^)  (Osm.),  vielleicht  ist  auch  ацсызым  zu 
lesen] 

plötzlich  (ansesim  158, 10). 
ap  (v)  [j^T  (Dsch.),  ap  (Kas.),  ары  (Tob.  Osm.  Kir. 
Kas.)] 

ermüden,  армаін  (arma  in  214,?). 

ара  [alle  Dialecte] 

Zwischenraum,  арасында  (harassinda  67,  arasnadi 
139,  arassinda  172,2). 

араклы 

tele  fabriane  (??)  (aracli  108). 

араба  [aj^c  (Osm.),  араба,  Ііараба  (Таг.),  арба  (Kas. 
Kir.),  абра  (Alt.)] 
Wagen  (araba  121,  144,із,  144,i5,  232).  ^ 

ары  vergl.  ару  [^jT  (Osm.),  ары  (Krm.),  ^  J  (Dsch.), 
erik  (Таг.),  арыг  (Abak.),  ару  (Alt.  Kas.)] 
rein,  heilig  (are  77,  157,2-3,  159,із,  160,8,  162,5, 
165,13,  165,9,  166,7,  167,3,  168,11,  187,15,  188,9, 
219,16,  ari  207,4,  207,g,  207,io,  208,i,  208,4, 
216,5),  ары  кыз  (arekys  162,5,  arikis  107,4),  ары 
(arri  87),  арылар  (arelar  163, 14),  арыларныц  (ari- 


larning  201,2,  208,7,  arilerning  202, 1),  арыларда 

(arlarga  157,4,  157,9). 
ары  [alle  Dialecte,  ^*--^  (Uig.)] 

jenseits,  амдідан  ары  später  (emdidan  ari  64). 
арын  (v)  [j<-^jT  (Osm.),  арын  (Kas.  Kir.)] 

gereinigt  werden,  арынырмйн,  арындым,  арындыл, 

арынмак,  арынмада  (arimirmeu,  arindura,  aringil, 

arinmac,  arinraaga  25),  арынмас  (arinmas  1 66,10), 

арындаі  (aringai  167,4),  арыналы  (arinali  214, 10). 
арык  [alle  Dialecte] 

mager  (areg  87,  arih  139,  arek  143, ig). 
арыксыз  [von  арык  statt  ары  rein] 

unheilig,  unrein  (ariksus  1 68,10)  statt  арысыз,  durch 

die  Dchag.  Schriftsprache  veranlasst, 
ару  [vergl.  ары] 

keusch  (arov  192,g), 
арулык  [von  ару] 

Keuschheit,  боі  арулыкы  (boi  aruvlilii  183). 
арыт(ѵ)  [Factit.  von  арын  ^äjjT  (08т.),арыт  (Krm.),  аріт 
(Dsch.)] 

reinigen,  арытма  (aritriia  166,5),  арытмак  6ilä  (arti- 
mac  bila  69). 

арка  [alle  Dialecte] 
Rücken  (archa  III). 

арт  (v)  [alle  Dialecte] 

übertreffen,  артармгін,  арттым,  арткыл,  артмак  (ar- 
tarmen, artin,  artchil,  ärtmac  54),  арткае  (artchan 
85). 

арт  [Kir.  Kas.  Alt.  vergl.  Osm.  ajj\] 

Hintertheil,  артына  (artina  146,6),  артында  (artinda 
70,  artida  146, 13),  артындады  (artindazi  122), 
артынца  (artinca  55,  artwnce  161,7,  artuce  161,9). 

артык  [jijT  jyj)  (Osm.  Dsch.),  артык  alle  Dialecte,  ар- 
тук  (Таг.)] 

mehr  (artum  68,  artuc  69,85,  artuch  157,5, 162,14, 

163,7,  164,1,  artuk  187,15). 
артмак  [артмак  (Tob.  Dsch.),  арчпак  (Tel.)] 

Packsäcke  (artmak  121). 
арттыр  (v)  [Factit.  von  арт] 

vergrössern,  арттырыман  (artirimê  229). 
арцыла  (v)  [арчыи.арчыл  (Kas.  Krm.),  арцы  (Tob.  Misch.)] 

abgehülst,  abgeschält  sein,  арцылырман  (arcilarmen 

136),  арцылып  (arszulap  19 5, ig). 


Das  tüekische  Speachmaterial  des  Codex  Comanicus. 


5 


аршын  [^i^-j'  (Osm.),  аршын  (Alt.  Bar.  Kas.)] 
Arschine  (arsun  98). 

apna  [LjT,  apna  (Kir.  Таг,  Kas.  Osm.  Osch.),  арба  (Alt. 
Abak.)] 
Gerste  (arpa  130). 

армут  l^^'Ojl  (Osm.),  армут  (Aderb.  Krm.)| 
Birne  (armut  125). 

ал  [Jl  (Osm.Dsch.),  tf-'  (Uig.),  ал  (Kas.  Kir.  Krm.)] 
hochroth  (al  108). 

ал  (v)  [alle  Dialecte] 

nehmen,  алырман  (alurmän  6,  23),  алыр  (alir  194), 
алдым  (aldum  6,  adiim  23),  алды  (aldi  189,i8),  алса 
(alsa  1 68,8, 1 68,11, 1 68,i5, 200,8),алмас  (airaas  1  68,ig), 
алмас  быз  (aimas  bis  163,io),  алып  (alip  211,io, 
215,12),  алма]ыпсі1н  (almeyipsen  191,ii),  ал§ыл(а1- 
gil  6,  23,  51,  160,7),  алмак  (almac  23),  алдац  (al- 
gac),  алмазлыкка  (almazliga  216,4),  ön,  алдуцы  (öc 
alguci  182)  der  Rächer,  сатыіі  алырмйн  (satum  alur- 
men  23),  Käipi  (кірі)  алырман  (cayri  alurmen  49) 
zurücknehmen,  баралмазбыз  (baralmasbis  163,іо)  wir 
können  nicht  gehen. 

ал  [jT  Osm.  Osch.] 

List,  Verschmitztheit  (al  180). 

ала  [alle  Dialecte  ausser  den  östlichen,  wo  es  als  алыг,  алак, 
алу  erscheint] 
bunt  (ala  ala  (gehalbir?)  137). 

алаі  [Bar.  Kas.  Krm.] 

so,  auf  solche  Weise  (alay  64,  65,  71,  177,8,  159, lo, 

161,7,  161,10,  161,14,162,15,163,9,164,4,165,13, 

165,15,  166,9,  167,3,  189,15,  201,7,  206,3,  alley 
162,13,  171,9),  алаі  ok  (alayoli  71). 
йжщ  булац  [(Osm.)  iJ^J  il^^j,  мщ  булац,  алаіі  (Kir. 
Alt.)] 

unruhig,  confuse  (alaiig  bulan  143,із). 
алаца  [алача,  алаша  (Kas.Kir.),  й*^І  (Osm.)] 

bunt  gestreift  (alaca  137). 
алацык  [алачык  (Kir.  Abak.  Kas.  Krm.),  алацык  (Tob. 
Misch.),  аланчык  (Alt.)] 

Hütte  (alucuc  90). 
алабуда  [Alt.  Ab.  Kir.  Kas.] 

Bars  (alaboga  221). 
алабута 

Dornen  (?)  (ala  bota  teginek  135). 


алам  [arab.  ^c] 

Fahne  (allan  118),  аламлары  (alâlari  208,9). 
аламан  Ij-o'^l  (Osm.)] 

deutsch  (alamani  chetanj  107). 
алын  (^J)  (Osm.),  алым  (Kas.)  ösll.  Dialect] 

Stirn,  Vordertheil,  алны  (alni  1 10),  алында,  аллында(?) 

(allenda  139,  allenda  164,6,  165,8,  165, lo,  165, 12, 

106.14,  170,1,  170,11,  alleda  164,9),  алындады 
(alindagi  122). 

алыцы  [von  ал] 

der  Käufer  (alici  106). 
1  алыш  (v)  [Recip.  von  ал,  alle  Dialecte,  wenn  auch  in  etwas 
1         abweichenden  Bedeutungen] 

i     abwechseln,  wechseln,  алышырміш,  алыштым,  алыш- 
кыл  (alisirmen,  alistum,  alisclnll4,  alisurmen,alis- 
tun  35). 
алыштыр  (v)  [Factit.  von  алыш] 

wechseln  lassen,  алыштырмак  (alisturmac  14,  alstur- 
mac  35). 

алдыш  [(ji^iJl  (Osm.  Dsch.),  алдыш  (Bar.  Kas.),  аікіш 
(Таг.),  алкыш  (Telt.  Alt.)] 

Segen  (algis  204,15,  206, 1),  aлgышын(a]gisin  190,14), 

алдышныц  (algisning  198,з). 
алдышла  (v)  [=алдышн-ла] 

segnen,  алдышлар  (algislar  19 7, 11),  алдышласын 

(algislasin  217,2). 
алдышлы  [von  алдыш,  vergl.  алдышлы  (Kas.  Bar.),  al- 
кішИк  (Таг.),  алкышлу  (Alt.),  ^Іі-ііТ  (Dsch.)] 

gesegnet  (algesli  77,  84,  algisle  160,9,  164,9,  al- 

gizli  163,12,  165,14,  algiszle  171,8,  algisli  165,6, 

164.15,  207,9,  208,1,  208,3,  209,g,  algizlä  172,з). 
алт       )  (Osm.),  алт  (Kas.)] 

Untertheil,  алтында  (altindal85,  алтындан  (altimdan 

143,14-15). 

алты  [alle  Dialecte] 

sechs,  алты  ]"ыл  (altigil  158,5). 
алтын  [alle  Dialecte] 

Gold  (alturi  96, 162,0, 143,15,  altü  161,6,  alton  140). 
алтынцы  [alle  Dialecte] 

Goldarbeiter  (altunci  96). 
алтмыш  [(Osm.  Kas.  Tob  ),  аітміш  (Таг.  Dsch.),  алпыс 
(Kir.)] 

sechzig  (altmiz  159,6). 


6 


W.  Radloff. 


алда  (v)  [Abak.  Kir.  Osch.  Kas.  Tob.  Osm.] 

betrügen,  täuschen,  алдармйн,  алдадым,  алда,  алдамак 
(aldarmen,  aldadum,  aida,  aldamac  22),  алдарбыз 
(aldarbis  166,2). 

алпаут  [алпаут  (Kas.),  алпадыт  (Tob.),  ^û^^Sti*-  (Meng.), 
kI^^ÙI  ^jfbÙ  (Dsch.)] 
Edelmann  (alpant  226). 

алма  (LJ)  (Osm.),  алма  (Kir.  Kas.  Tob.  Knii.)J 
Apfel  (aima  125). 

алмас  [Tel.  Kir.  Kas.  Tob.] 
Diamant  (yalmas  109). 

ат  [il  (Osm.),  ат  alle  Dialecte] 

Name  (at  75,  40,  160,3,  160,із),  атны,  атлар,  ат- 
ларны  (atnj,  atlar,  atlarnj  75),  аты  (ati  184,  ate 
160,9),  аты  6ilä  (ati  bile  184),  атына  (atine  160, 12, 
160,14),  атьща  (atinga  192,?). 

ат  [alle  Dialecte] 

Pferd  (at  121,  127,  223),  атым  (ati  232). 

ат  (v)  [alle  Dialecte] 

schiessen,  атма  (atma  144,5). 

ата  [alle  Dialecte  ausser  östl.  аба,  ада] 

Vater  (atta  113,  ata  167,7,  159,із,  167,7,  168,i, 
187,2,  196,8,  206,4,  207,3,  211,3,  211,ü,  212,5, 
212,g),  тын  ата  geistlicher  Vater  (tin  ata  157,4),  улу 
ата  Grossvater  (ulu  ata  180,  ullu  atta  114),  атам 
(atara  158,2),  атанны  (atangni  185),  атасы  (atasi 
216,7),  атамыз  (atamis  171,8),  атада  (ataga  211,7, 
217,2),  атаныц  (ataning  212,з). 

атау  [атау  (Kas.),  )Л  (Osm.),  ада  (Aderb.),  (üsch.)J 
Insel  (atov  eyn  gros  werdir  139). 

атаг  (v)  [übrige  Dialecte  ада,  ата,  атта] 

nennen,  атадырман,  атаддым,  атаггыл  (?)  (atagirmen, 
atagdim,  attagil  40). 

аталык  [(Kas.),  (Dsch.),  аталык  (Krm.)  Pflegeva- 

ter] 

Stiefvater  (atalih  142). 

атасыз  [von  ата] 

vaterlos  (atasis  191,2). 

атла  (v)  [Kas.  Tob.  Krm.,  алта  (östl  .Dial.)] 
.schreiten,  атларміін  (atlarmen  222). 

атлан  (v)  [alle  Dialecte  ausser  östl.  u.  Kir.  атла] 

auf's  Pferd  steigen,  reiten,  атланырман,  атландым,  ат- 
ла (atlanurmeu,  atlandiim,  atlan  24). 


атлы  [^ЬТ  (Dsch.),  атту  (Alt.),  атлы  (Kas.),  (Osm.) 
von  ат] 

einen  Namen  habend  (atli  144). 
атлы  [j^JLil  (Dsch.),  ^Jbj  (Osm.),  атлы  (Kas.),  атту  (Alt.)] 

ein  Pferd  habend,  beritten,  атлы  кіші  (atlu  cliisi  105). 
аттар  [=  arab.  jLlc] 

Spezereihàndler  (atar  91). 
атташ  [von  ат,  атташ  (Bar.  Tob.)] 

Namensvetter  (atas  226). 
адам  [=  arab.  ^^1  vergl.  азам] 

Mensch  (nur  einmal,  sonst  immer  азам),  адам  з'азыкы 

(adam  jazulii  207, 10). 
ац  [ач  (Alt.  Таг.),  (Dsch.  Osm.),  ац  (Tob.  Kas.),  аш 

(Kir.),  ас  (Abak.)] 

hungrig  (ас  144,iG,  az  27,  as  194,12),  ац  турман 

(azturmen  26). 
ац  (ѵ)  [^І  (Osm.  Dsch.),  ач  (Alt.),  ач  (Kas.),  аш  (Kir.),  ■ 
ац  (Misch.  Tob.  Bar.),  ac  (Abak.) 

öffnen,  ацарман,  ацтым,  ацкыл  (azarmen,  azarmê, 

aztim,  aztin,  azchil  7,  azarmen,  aztim  13,  16),  ац- 

тын  (acting  190,3,  191, 15),  ацса,  ацсам  (acsâ  147,1, 

acsa  147,2),  ацкан  (acgi  188,іб),  ацмаі  (acmey 

216,10),  кулуцацып  (kolagacep  143,4),  ацып  баргіі 

(acibergil  233). 
ацы  [^^7  (Osm.),        (Dsch.),  ачік  (Таг.),  ачу  (Kas.),  аш- 
шы  (Kir.),  ачі  (Kas.),  щі  (Misch.),  ацы  (Tob.)] 

scharf,  bitter  (aci  83,  180),  ацы  таш  Alaun  (acitas 

92),  ацы  тузлу  (acituslu  64). 

ацык  (v)  [ацік  (Kas.),  (Osm.),  ачык  (Krm.),  ацык 

(Tob.)] 

hungring  sein,  ацыктыц  (acikting  194,і). 
ацыл  (ѵ)  [Pass.  von  ац] 

sich  öffnen  ацылыптыр  (aceluptur  160,з). 
ацырда  (v)  [ачырка  Tel.] 

Schmerz  haben  коііуі  ацырдамак  (congul  acirgaraacli 

15,  vergl.  а§ры). 
ацырдан  (v)  [von  ацырда,  (ачуркан  Tel.)] 

betrübt  sein  ацырданса  (acergansa  158, 11),  ацырда- 

нырмйн  (acirganurmeii  180). 
ацу  [vergl.  ацы,  ачу  (Kas.)  Zorn] 

Schmerz,  ацуц  (acuving  193,5). 


Das  tüekische  Speachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


7 


ацкуц  [ацкуд  (Bar.),  ачкыч (Krm.),  ачкіч  (Kas.j,  ацку  (Tob.)  | 

der  Schlüssel  (acchuz  119,  azchuz  12). 
ac  (v)  [Kas.  Kir.  Таг.  Osm.] 

aufhängen,  асармгін,  астыы,  аскыл  (asarmen,  astum, 

aschil  43). 
асыл  (v)  [Pass.  von  ac] 

hängen,  aufgehängt  sein,  кацта  кацан  асылды  als  er  am 

Kreuze  hing  (hacda  kacan  asildi  200, и), 
аслан  [die  meisten  Dialecte  арслан,  aber  Osm.  auch  аслан ] 

der  Löwe  (astlau  127). 
acpa  (v)  [alle  Dialecte  азра  oder  acpa] 

ernähren,  acpap  (asrar  195,i,  асрауыц  (asroving 

197,2). 
асрат  (v)  [Factit,  von  acpa] 

ernähren  lassen,  асратты  (asrati  205, lo), 
aCT  [die  meisten  Dialecte] 

der  Untertheil,  астында  (astinda  70). 
астызан 

астызае  катані  (astexan  clietcnj  107),  eine  An  Leine- 
wand. 

астлам  [аслам  (Kas.  Tob.  Bar.),  астам  (All.)] 

Zinsen,  Wucher  (astelan  85). 
астламцы  [von  астлам] 

Wucherer  (astlanci  101). 
астры  [=аст-ьры] 

unterhalb  (astri  161,6). 
аз  [die  meisten  Dialecte,  die  ösll.  ac,  Kas.  аз] 

wenig(ax68,69),a3pak  (ахгасбВ),  бір  аз  (biras  1 58,i8). 
азат  [pers.  ^Ij)]. 

frei,  азат  атарман  (asat  etermen  8),  азат  кіші  (asat 

kisi  8). 

азаш  [азаш  (Krm.),  адаш  (Tob.  Kas.)] 

sich  verirren,  азашты  (azasti  222). 
азам  [vergl.  ^^T  und  азамат  Jüngling  (Kir.)] 

Mensch  (azam  66,  asan  109,  azam  164, lo,  165, lo, 

219,16,  219,17),  азамны  (azäni  189,з),  азамлар 

(azamlar  211,8). 
азык  [(Uig.)  y-^'^^-'  Vorlheil,  азык  Proviant  (die  meisten 
Dialecte)] 

1 .  Nutzen  азыкы  бар,  азыкка  тштір  (aziki  bar,  azihga 
teyptur  185),  азыкка  (azihga  189,6).    2.  Proviant 

К  (azih  194,2),  ТЫН  азыкы  (tin  azihi  199,з),  азык  ai 

%  (asuc  ay  81). 


азыклы  [=азыкч-лы] 

Nutzen  bringend  (azilile  185). 
азыз  [vergl.  A.i>^i-j  (Uig.)  schlecht] 

fremd  (aziz  233). 

аш  [alle  Dialecte,  auch  ac  (Kir.  Abak.)] 

Speise,  Gastmahl  (as  11,  124),  ашка  ундарман  (asca- 
undarmen  17),  аш  бішіргіін  iiy  (as  bisiirgau  eu  13), 
аш  баріман  (as  beriimen44),  аш  вакты  (as  octi  79), 
ашын  (asen  39),  ашы  der  essbare  Kern  (asi  235), 
ашыны  (asini  195,2), 

аш  [vergl.  ац  =  Kir.  аш] 

hungrig,  карые  аш  (hâ  as  194, 12). 

аш  (v)  [alle  Dialecte  =  ас  (Kir.)| 

herübersteigen,  vorübergehen,  ашты  (azti  164, із,  165,2). 

аша  (v)  [alle  Dialecte,  аса  (Kir.)] 

essen,  ашарман,  ашадым,  аша  (acarmen,  acarduu, 
assa  14). 

ашау 

Hülfe  (?),  ашау  (assow  141),  ман  caga  ашау  атішір- 

MäH  (men  saha  assow  etizermcu  132). 
ашык  (v)  j«ä^^T  (Dsch.),  ашык  (Kas.Tob.)J 

eilen  ашыдырміш  (asigirmen  137),  ашыкман  ich  eile 

nicht  (asicmen  137),  ашыкмадыл  (asikmamagil  137). 
ашык  [arab.  ji.l.c] 

liebend  (asucli  115). 
ашкара  [=  pers.  ojl^-i-T] 

offen,  öffentlich  (ascara  69). 
ашлык  [von  аш,  ашлык  (Kas.  Tob.)] 

Getreide  (asli  130),  ашлык  jap  (aslak  137). 
ашру 

sehr,  ашру  улу  (asraii  ulu  157,б),  ашру  (asru  173, 

astri  164,11,  164,M,  165,7,  165,9). 
an  [alle  Dialecte] 

an-ak  ganz  weiss  (apac  143,18). 
a6aga  [a6aga  (Tel.),  <tcU  (Dsch.),  jî^^^-  (Mong.)] 

Onkel  (abaga  114). 
абышка  [^*^^^-^  (Uig.),  LiLi^eT  (Dsch.)] 

Greis  (abusclia  87,  abusca  116). 
абра  (v) 

vertheidigen,  абрарман,  абрадым,  абра,  абрамак  (ab- 
rarmen,  abradum,  abra,  abramac  défende  21). 


I 


8 


W.  Radlofp. 


авал  [arab.  J^)] 

der  Anfang  (aval  182),  коеуіук  авалы  Anfang  der  Ge- 
rechtigkeit (könuluk  avali  200,5). 
аваз  [=  pers.jy] 

Stimme,  авазы  (avazi  188,14). 
ам  [Kas.  Tob.  Kir.  Krm.  Osm.] 

weibliche  Scham  (amu  112). 
аманат  [=  arab.  öiU)] 

Unterpfand  (amanat  51). 
амрак  [(Alt.  Таг.  Krm.),  M*^:)"-  (Moug.) ] 

freundlich  (amrac  141,  aniracdir  229). 
амбар  [=  âvah.^^] 

Ambra  (ambar  95). 

Ä. 

ä  (v)  [defectives  Verbum  von  dem  in  allen  lürk.  Dialelten  sich 
vereinzelte  Formen  vorfinden,  in  den  westlichen  Dialecten 
erscheint  es  als  Stamm  i,  im  Uig.  äp,  das  von  hier  in 
die  Dschagataische  Schriftsprache  als  übergegangen 
ist] 

Iliilfszeitwort  sein.  Es  finden  sich  folgende  Zeiten:  1.  Im- 
perfect.  йдім,  адіц,  аді,  йдук,  адіціс  (esitur  edim, 
eding,  edi,  educ,  ediiigis,  ädi  1,  edi  42,  bergay-dik 
162,6,  adi  171,4,  edik  189,8,  edi  207,io). 

2.  Conditionalis :  äcä  (exä  68,  esa  71,  226,  (kim)  ese 
166,6,  äsä  187,14,  195,12). 

3.  Gerundium:  агац  (egec  200,2,  200,6,  ägäc  213,4, 
213,5,  216,6). 

Durch  Vermittlung  der  Dchagalaisclien  Schriftsprache  sind 
eingedrungen:  äpMäH  (êmên  157),  äpyp  (ervr  188,14), 
арді  (erdi  192, 12),  äpin  (erip,  ens  189,3),  äpcä  (er- 
sa  4). 

In  zusammengesetzten  Zeiten  tritt  es  auf:  іішітір-адім  (esu- 
tur-edim  1),  ашітті-аді  (esitti-edi  2),  ашіткаі-адім 
(estikaedira  3),  йшітміш  болдаі  адім  (esitmis  bolgay 
edim  3),  ашітім  äpcä  (esittim  ersa  4),  ацламас  адім 
(anglamas  edim  1 77),  ацласам  iw  (anglasam  edi  1 79), 
ацладым  äcä  (angladim  ese  179). 

äi  [=  äiri,  siehe  dasselbe] 
trefflich,  äi  бііа  (ey  bila  69). 

äiri  (Uig.),  ^O^l  (Rbghsi),  yjj  äjy  (Dsch.),  äji 

(Osm.  Krm.)] 


gut  (eygi  64,  86,115, 184,eigi  1 74,  egi  1 58,4, 1 58,6, 
158,8, 159,12, 163,i2,eyger  75),äiriläp(eygilar  75), 
äiripäK  (eygirac  etermen  37,  eigirac  68,  eygirac  68). 

äiriÜK  [von  äigi,  > — *-û-cL  '  (Uig-),  äjiliK  (Osm.Krm.)j 

die  Güte  (eigilic  85,  eigilic  174,  egilik  164,3,  216,2, 
egelic  160,13),  äiriÜKTä  (egilikdä  217,з). 

аінак 

allein,  äinäK  умуцымыз  (eynek  umucimis  sola  spes 
209,9). 

äy  [4_û^  ^iL^  (Uig.),      (Dsch.),     äB  (Osm.),  ä6(Ab. 
Krm.),  öi  (Таг.),  yi,  ѳі  (Kas.  All.  Tob.),  f ,  у  (Schor.)] 
das  Haus  (eu  13,  89,  iv  222,  öw  162,з),  äyrä  (euga 
162,2),  аудакі  (eudaki  epci  105),  еві  (övi  187,5, 
188,9). 

(v)  [v  1  >л  .  (Uig.),  S.J'J  (Dscb.),  SSJ  ör  (Osm,)] 
loben,  äwäpMäH  (overmen  234),  äwäp  (over  206,5), 
äwäpläp  (övgerlar  159, 10),  äyдІIi  (ovding  198, 11), 
аудііар  (ögdil,  ovdiler  202,5),  аусін  (övsin  210,2), 
äwäli(oväli  215,4),  äyräH  (övga  206,2).  Die  Formen 
ögdil  202,5  und  ögelim  208,2  sind  gewiss  durch  die 
Dschag..  Schriftsprache  veranlasst. 

äye  (v)  [Refl.  von  äy] 

sich  loben,  rühmen,  äymp  (övnir  222). 

аунц  [von  аун] 

Preis,  Lob,  siehe  das  Folgende  (oygunc  188,8,  ogüc 
198,2,  ögunc  217,2). 

äyiin,ly  [von  ауец-ьіі] 
gepriesen  (evunclu  212,7). 

äypäH  (v)  [j-\)^-    (Uig.),  S,JJJ  (Dsch.),  éLbÇ 
örpäe  (Osm.  Krm.),  äypäii  (Tob.),  öpräH  (Таг.),  yp- 
räe  (Abak.),  yipän  (Tel.),  yipän  (Kas.)] 
lernen,  äypäHipMäH,  äypäндiм,  äypäHril  (öuranirmen, 
öuandim,  öurangil  6),  äypäHräiMin  (ürengaymen 
158,17). 

äypäT  (v)  [Factit.  zu  äypäH,  vergl.  dasselbe] 

lehren,  äypäxipMäH,  äypäTTiM,  äypäT  (ouraturmen,  ou- 
ratum,  ourat  9, 19),  äypäiMäK  (ouratimac  9),  äypä- 
тір  (wretir  162,8),  äypäTTi  (iiretti  220,5),  äypäTMim 
(ovretmis  203, 14). 

ауді  [vergl.  O^J^  Uig.] 
Lob  (ovdi  207,2). 

акі  [alle  Dialecte,  äKKi,  äm,  ікі] 

zwei  (ecchi  83,  eki  141,  232),  акісі  (ekisi  234). 


Das  tüekische  Speachmaterial  des  Codex  Comanicus. 


9 


йкінді  [^J^J  (^J^)  (Dsch.  Osm.),  акінді,  ікінді  (Kas. 
Tob.)] 

Zeit  des  Nachmitlagsgebetes  (echindu,  chindä  80). 
акінці  [von  акі,  ікінчі  (ікііщі)  (Kas.),  ііккінчі  (Alt.),  іікін- 
ші  (Kir.)] 

der  zweite  (ekinzi  67,  echinzi  83,  ecliince  162,i, 

164,13,  165,2,  167,6,  170,9). 
аксік  аксік  (Osm.),   ^-«-^^0^-^  »-^J^^^ 

(Uig.),  É^^g  (Rbgusi)] 

wenig  (ecsnc  20,  eksik  162, и,  ecsic  207,8). 
аксікіік  [=аксік-і-1ік] 

Mangel  (eksiklic  141). 
аксіт  (v)  [S.^.u.f\  аксіт  (Osm.),  ^:^^:^^-^  (Uig.), 

.    Sj^^Ç  (Rbgusi)] 

verringern,  йксітірман,  йксіттім,  аксіт  (esiturmen, 
ecsittim,  ecsït  20),  йксітмаді  (eksitmädi  216,io). 
äräy  [äräf ,  eräK  (Abak.),  eräy  (Kir.),  iräy  (Kas.),  äry 
(Alt.),  erö  (Krm.)] 
Feile  (egau  96). 
äräp  [=  pers.^M] 

wenn  (egar  70,  egir  163,i,  166,i,  166,3,  168,із). 
агсяці  [гіксячі  (Dsch.),  agac  (Jak.)  ältere  Schwester,  jä^ä 
(Alt.)  Tante,  ііецаші  (Kir.)] 
Tante  (amita)  (egazi  114). 
ärip  (v)  [ärip  (Таг.),  dl*^)  (Rbgusi),  ^1*^Я  (Osm.),  ïp 
_  (Alt.),iplä(Kas.)] 

В    spinnen,  агіріман,  йгірдім,  äripril  (cgirurraen  jirmen, 
egirdum  jirdim,  egirgil  jirgil  27). 
агіз  [агіз  (Bar.),  іпз  (Kas.),  äric  (Alt.),  егіз  (Kir.),  акіз 
||.;,      (Aderb.), _>/)  (Osm.)] 
^    Zwillinge  (szueiSetic)  (egiz  221). 

ärpi  [0^0^  (Uig.),  (Dsch.),  (Osm.)] 

schief,  falsch,  ärpi  Kälä  (egri  chele  65),  ärpi  кіші 
(egricsi  117),  агрімізні  (egrimisni  191,8). 
Щ  [^Ij^  (Uig.),  Щ  (Alt.)] 

sehr,  Щ  бурун  sehr  früh  (enburim  64),  äi{  тобангісі 
(eng  töbengisi  137)  der  Unterste. 
Щ  (v)      '  '  I  (Uig.),  S.S\  ärMäK  (Dsch.  Таг.),  er  (Abak.), 
äii  (Alt.),  I  (Kas.  Kir.)] 
beugen,  äijäpMäH,  äqin-тір,  ацдім  (eugermen,  engip- 
tir,  engdim  137). 
йцМ  {щМ  (Osm.  Krm.), äK  (Alt.  Ab.),  äjäK (Kir.),  ijäK  (Kas.)] 
das  Kinn  (ingec  222). 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  d.  so,  VII  Serie. 


äqcä  [(Kir.),  du^Xjl  (Dsch.)] 

der  Nacken  (engse  136). 
äqcälä  [von  ацса] 

einen  Hieb  auf  den  Nacken  geben,  äqcäläpMäH  äilCäläAiM 

(engsalerraen,  engsaladira  140). 
äjäp  [äräp  (Dsch.),  iäp  (Kir.),  äsäp  (Abak.),  ijäp  (Kas. 

Bar.),  äp  (Alt.)] 

Sattel  (eyar  122),  äjäp  jaöywbi  (oyat  yabogi  121, 
eyar  jaboci  122),  äjäpHii^  адацы  (eyarning  agazi 
122). 

а]арці  [=äjäp-+-ui] 

Sattelmacher  (eyarci  101). 

äH  (v)  [^A_j  (Uig.),  äH  (Osm.Schor.),  ей  (Kir.  Ab.),  in  (Kas.)] 
herabsteigen,  äHäpMän,  äндiм,  äeril  (enarmen,  endun, 
engil  20),  äHräH  тур  (ingantur  209,5),  änin  (enip 

211,9). 

äHira  [еніс  (Abak.),  ämm  (Osm.),  //^**— '  (Uig.)] 

Thal,  Niederung  (enis  88,  89). 
андір  (v)  [Factit.  von  ан] 

herabbringen,  äндipiп  (endip  209,8),  йндірміш  (em- 

durmis  85),  äыдipдІI^  (enderding  190,4), 
äHU  [^*—'  (Uig.),  анчік  (Alt.)] 

Buhe,  ruhig  (enc  199,12). 
äp  [=  pers.^p] 

jedes,  allerlei,  äp ]азыкын  (er  jazuhin  207,8),  äp  jылдa 

jedes  Jahr  (har  gilda  168,6),  die  Schreibweise  har  durch 

die  Schriftsprache  veranlasst, 
äp  [alle  Dialecte,  äp,  ep,  ip] 

Mann,  Ehemann  (er  109,  114,  198,9  205,2,  208,6, 

ir  140),  äpeiq  (erning  215,io). 
äpiK  [S^f,J  äpiK  (Osm.  Krm.),  орук  (Kir.),  ѳрѳк  (Kas.)] 

Apricose  (eric  125). 
äpiK  (v)  (äpiK  S.Xj\  (Alt.  Dsch.),  ірік  (Misch.  Kir.)] 

Ekel  empfinden,  äpiräpMäH,  äpiKTiw  (eregirmen,  erik- 

tim  9). 

äpiKlä  (v)  [vergl.  ірік  faulen,  ipi  (Kir.,  im  ösll.  Dialect  = 
sänern] 

gerben,  äpiKläräH  Täpi  (eriklagan  teri  132). 
äpiii  [alle  nördlichen  Dialecte  äpie,  ерін,  ірін] 

Lippe  (?)  (ernin  ==  naris  110,  erni  =  gingina  110). 
äpiei],äK  [äpiH4äK  (Bar.),  äpinn;äK  (Tob.),  äpiH4äK  (Dsch. 
Таг.),  еріншак  (Kir.),  ipinqäK  (Kas.)] 

faul  (erincak  142,  erincec  185). 

2 


10 


W.  Radloff. 


cäpiK  [tiijjl  äpiK  (Dsch.  Alt.),  ерік  (Kir.),  ірік  (Kas.)] 
Wunsch,  Wille,  ]амаы  аркімдан  (erkimdan  157,7),  ііркі 
6ilä  (erki  bile  158,2,  erkibla  167,9,  йркін  6ilä  (er- 
kinbile  167,7),  аркіндан  (erkinden  219,іб). 

äp^  [wi-^x_j  (Uig.)  Kraft,  еркі  (Kir.)  Macht] 
Kraft  (eruv  142). 

аркіі  [=äpK-t-li] 

freiwillig  (erkli  167,2,  219,i5,  219,18,  211,з). 

арксін  (v)  [von  арк] 

besitzen,  frei  verfügen.  арксІБдаці  (erksindaci  possesor 
188,4). 

äpKäläH  (v)  [=  epKäläH  (Kir.)] 

liebkosen,  аркаіішадір  (er  kelänedir  228). 

äpKäK  [alle  Dialecte,  еркак,  йркіік,  іркгік] 
Mann,  Männchen  (erca  109). 

арксіз  [=арк-+-сі,з] 

wider  willen  аркИ  арксіз  (erkli  erksis  167,2). 

арксіз  (?)  [=ару-і-сіз] 
kraftlos  (erksis  197,i). 

äpric  [=^^] 

(mit  neg.)  niemals  (harchis,  liergys  68,  hergis  141).  Die 
Schreibweise  her  durch  die  Schriftsprache  veranlasst,  vgl.  äp. 
•  äpllK  [=:арн-1ік] 

Mannheit,  Muth  (erlic  III). 

äpT  [äpT  östl.  Dialecte] 

verbringen,  артмаз  (ertmez  205,7). 

äpTä  [äpxä,  epxä,  ірта,  alle  Dialecte] 

früh  (erta  71,  ärtä  79,  ertäSO),  тацартй  früh  morgens 
(tank  ertä79,  tang  arte  80,  erte  145,2),  іірта  цакта 
(ertä  cakta  65).    '  | 

äpxäri  äpTäri  (Alt.),  (Uig.)]  j 

einst,  früher  (ertegi). 

ардац 

jungfräulich,  ардац  турдацы  (erdeng  tuurdaci  199,4, 

erdeng  211,io). 
ардаціік  [=йрдац-ь1ік] 

Jungfrauenschaft,  ардаціікіц  (erdengliking  virginitas 

197,8). 
ардам  [^^'^^  (Uig.)] 

Handwerk,  Kunst,  Verdienst,  Tugend  (erdem  135,  182, 

erde  207,8). 
ардамИ  [=йрдам-і-1і] 

tugendhaft  (erdamli  115). 


äpcäK  [=äp-i-cäK,  ^ijyv^^  (Uig),  арзак  (Alt.)] 
Männertoll,  AvoUüstig,  Hure  (ersat  104,  ersek  142, 
hersek  185). 
äpcäKÜK  [=äpCcäK-j-liK] 

Ueppigkeii,  Wollust  (erseklik  186). 
арсакці  [= äpcäK -і-ці] 

liederlich,  wollüstig  (ersaczi  117,  hersegci  185). 
äpcäKci3  [=äpcäK-i-ci3] 
keusch  (ersacsis  115). 
äl  [î-f_j  (Uig.),  JjI  (Dsch.Osm.),  äl,  el,  il  übrige  Dialecte] 

Stamm,  Volk  (el  89,  207,6). 
äl  [wSLi>t:A_j  (Uig.),  J)  äl  (Osm.  Krm.),  еітак  (Abak.) 
Handschuh] 
Hand,  äliHä  барді  (eliue  berdi  160,7). 
äläK  [SJ\  äläK  (Osm.  Dsch.  Schor.),  eläyni  (Kir.).  ііак 
(Kas.  Tob.  Bar.),  elgäK  (Telt.)] 
Sieb  (elac  94). 
äläM[=arab.  JLc] 

Welt  (elm  159,6,  160,ii). 
äläMäT  [=  arab.  cl^*"^c] 

Zeichen  (olemeti  170,6),  аШматімдан  (ulematimdê 
157,7). 

аіік  [äläK  (Alt.),  eläK  (Abak.),  äläK  (Kas.)  Verläumdung, 
äliK  (Tel.)] 
Spott  (siehe  äliKlä). 
äliKlä  (v)  [=äliK-t-lä] 

verspotten,  äliKläpMäH,  аіікіадім,  ällKläril,  älinläMäK 
(eliclarmen,  elicladum,  eliclagil,  eliclamac  33,  elic- 
I     lamac  104,  äliKläAÜäp  (elikladiler  171,6). 
älräH  (v)  [vergl.  älräl  (Kys.)  zittern] 

erschrecken,  älräHipMäH,  аігандім  (elgenirmen,  elgen- 
dim  132). 
älгäeдip  (v)  [Fact.  von  аіган] 

in  Schrecken  setzen,  аігандіріман  (elgendirrimen  132). 
älliK  [=äl-i-liK,  vergl.  äl  (Alt.),  JJ  (Dsch.),  il  (Kas.)] 

Friede  (elelic  46). 
älT  (v)  [S,M  (Dsch.),  ІІТ  (Bar.  Kas.),'^t-^^  (Uig.)] 
bringen,  führen,  аітірмін,  аіттім,  älxKil  (elturmen, 
elttim,  eltchil  20,  älturmen,  eltum  43),  älTiiläp 
(eltiler  170,11),  älTipcäe  (ältirsen  213,6). 
älxipi  [іітір  (Kas.)] 
Lammfell  (eltiri  97). 


Das  türkische  Sprachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


11 


йіці  (Uig.)  Herrscher,  (Dsch.  Osm.), 

ähi,  йіці,  еіші,  іічі,  ііці  die  übrigen  Dialecte] 
Gesandter,  Bote  (elzi  35,  105,  elci  143,14,  143, 15). 
älnäK 

oberic  (?)  (elpek  224). 
äl6äT  [=  arab.  dJuJ)] 

überhaupt  (omino,  sallem,  utique)  (agbet  69,  elbeti  140, 
elbeti  183). 

äT  (v)  [^^-^  (Uig.),  S.c\  (Dsch.  Osm.),  är,  ет, 

ІТ  die  übrigen  Dialecte] 
machen,  thun,  атармін,  йттім,йткі1  (etermen,  etarmen, 
ettin,  ethil  9,  etarmen,  etim,  etchil  26),  йтар  (eter 
163,13,  163,14,  etir  162,12),  аттім  (ettim  37),  атіт 
(eti  219,  etti  159,16,  208, 1,  216,4),  äTCä(etse  168, ig), 
äTKÜ  (etkil  141),  атсін  (etsin  217,з),  аткан  (etkä 
197,1),  äTKäHläprä  (etchenlergä  171, 11),  äxä  (ete 
168,16),  jbipak  атармін  entfernen  (jarat  et  8),  тамам 
атйрмін  beendigen  (taraam  etarmen  1 3),  бун]ат  атар- 
мін  bauen  (buniat  etärraen28),  yc  йтармйн  baden  (us 
etarmen  10),  japbik  атйрман  erleuchten  (yarig  etar- 
men 32,  japa  äxäpMäH  verwunden  (yara  etarmen  33), 
äiripäK  атарман  verbessern  (eygirac  etarmen  37),  зы- 
jan  атарман  beschädigen  (xian  etarmen  40),  тарк 
атйрман  verlassen  (taff  etarmen  47),  куллук  атіірман 
dienen  (chuUuc  etarmen  57). 

äi  [äT,  ет,  іт  alle  Dialecte] 

Fleisch,  0Л  ат  устунда  KälänäH  (ol  et  wstunde  kelep- 
pen  165,8). 

атік  (етік  (Kir.),  iJy^)  (Dsch.),  отук  (Таг.),  одук  (Alt. 
(Abak.),  ітік  (Kas.)] 

Stiefel  (etic  14,  99,  121). 
йтікці  [=атік-+-ці] 

Schuster  (eticci  99). 
атіі  (v)  [Pass.  von  ат] 

gemacht  werden,,  атіімііі  (etilmey  2 1 1 ,7). 
атіз  [/^Sx^-j  (Uig.),  JjJjI  (Dsch.)] 

hoch  erhaben  (etis  207,4). 
атіш  (v)  [von  ат] 

zusammen  thun,  асу  атішірман  (assow  etizermin  132). 
äTMäK       *  Lj^^'^(Uig.),  S.j\  (Osm.),  ітпак  (Abak.),  ік- 
MäK  (Kas.),  öTDÖK  (Alt.)] 

Brot  (etmac  103). 


атмакці  [=атмак-+-ці] 
Bäcker  (etmaci  102). 
йдаз(ш)  [;/^^^  (Uig).,  ^.jJ] 

Gefäss,  адазга  (edezgä  201,i2). 
ац  [=  pers.  ^tp] 

irgend,  mit   Negat.  nichts  (äc  213,4,  213,7,  ec  213,4, 

hec  68,  205,2,  215, 10),  äu,  нгіма  jok  (hec  nema  jwc 

158,8).    Die  Schreibung  liec  ist  durch  die  Schriftsprache 

veranlasst, 
ацік  (?) 

träge  (ezic  135). 
гіцкі  (Dsch.),  ачкіі  (Alt.),  іцка  (Bar.),  йшкі  (Kir.)] 

Ziege  (ezchi  128),  тіші  ігцкі  (tisi  ezchi  128). 
äc  [ec  (Kir.),         (Dsch.),  äc  (Alt.),  ic  (Kas).] 

Vernunft  (es  140),  äciMä  (esima  227). 
äciprä  (v)  dl-ok^l  (Dsch.),  есірка  (Kir.),  азірга  (Osm.)] 

bemitleiden,  асіргарман,  äcipräril,  äcipräp  адім  (essir- 

germê,  essirgagil,  esirgaredim  185). 
äcip  (v)  [icip  (Kas.),  ecip  (Kir.),  äsip  (Alt.)] 

sich  betrinken  (vergl.  äcipx). 
äcipT  (v)  [Factit.  von  äcip] 

betrunken  machen  äcipTip  (esirtir  194, 11),  zu  trinken 

geben  (??)  асірттщ  (äsirding  214,2). 
äcKi  [^_/l*j)  (Dsch.  Osm.),  йскі  (Alt.  Таг.),  icKÏ  (Kas.)] 

alt  (esclii  87). 

йена  (v)  [^l*Lu.J  (Dsch.  Osm.),  äCHä  (Таг.),  існа 

(Kas.  Tob.  Bar.)] 

gähnen,  äCHäpMäH  (esvermen  136). 
йсрік  [icpÏK  (Kas.)] 

betrunken  (vergl.  асрікці). 
асрікці  [von  äcpiK-t-ці] 

Trunkenbold,  асрікці  (esrikci  182). 
äm  [y/^  (Uig.),         (Dsch.  Osm.),  äm  (Tob.),  im  (Kas.)] 

Gefährte,  ämiM  (csim  1 1 5). 
äm  (v)  (Dsch.  Osm.),  äm  (Таг.  Alt.),  im  (Bar.  Tob  )] 

rudern,  ämäpMÜH,  аштім  (esermen,  estim  135). 
ämäK  [ämäK  (Таг.),  ilUul  (Dsch.  Osm.),  imäK  (Kas.)] 

Esel  (esac  127,  esek  180),  тіті  ämäK  (tisi  esak  127). 
ämiK  [ämiK  (Таг.  Dsch.),  ешік,  есік  (Kir.),  ішік  (Kas.), 
ажік  (Alt.),  ^л^і^  (Uig.)] 

die  Thür  (esich  17,  esik  146, 13,  147,2),  йтікіні  (esi- 

kini  216,10). 

ашіт  (v)  ['w^^^  (Uig.),  ämiT  (Таг.),  есіт  (Kir.),  ітіт  (Kas.)] 

2* 


12 


W.  Radlopf, 


hören,  ашітірман  u.  s.  w.  (esiturmen,  esitursen  etc.  1), 
ашітмак  (esitmacSl,  esitmach  141),  ашітіцШр (esit- 
tingler  141),  ашітканідан  (ezitganiradê  157),  ашітса 
(ezitse  158,б),  ашітмаса  (ezitmese  158,8). 

ашіттір  (ѵ)  [Factit.  von  ämix] 

hören  lassen,  ашіттірдіц  (esittirdiiig  186,17). 

йшкік  [ilklij)  (Dsch.),  ämKäK  (Таг.),  йшік  (Alt.),  ішкіік 
(Kas.) 
Ruder  (eskik  135). 

апці  [епчі  (Abak.),  (Uig.)] 
Frau  (epci  105,  epzi  109,  114). 

äBäT  [CjJ  (Osm.)] 
so  (euet  67). 

äM  [^*— '  (Uig.),       (Dsch.),  übrige  Dialecte  іім,  ем,  ім] 

Medicin  (em  138). 
äMäräH  [äMäräH  (Tel.)] 

alte  Frau  (emegar  232). 
äMäe  (Dsch.)] 

sich  in  Acht  nehmen  (emanirmen  233). 

äMäcä  [=  pars,  л^] 

immer  (amassa  233). 
амін  [^Ъ-^  (Uig.)] 

sicher  (vergl.  амінИк). 
ймінИк  [=амін-нІік] 

Sicherheit,  амініік  бііа  (eminlic  bila  71). 
амінц 

Ruhe  (eminc  205, i),  іімінцтіі  (emincdä  200,4). 
äMrä 

(v)   [^Orz^^  (Uig.),  dl^lCJ  (Dsch.)] 

quälen  (vergl.  амган). 
амгак  [• — »-^0=!"^^  (Uig.),  (Dsch.),  іімгак  (Таг.), 

емгак  (Kir.),  імгак  (Kas.)] 

Qual  (emgek  219,17,  ämgäk  2 14, g). 
амган  [Reflex,  von  амга] 

sich  quälen,  амганіп  (emganip  134). 
äMlä  (v)  [=äMH-lä] 

Arzenei  geben,  heilen,  аміігрман  (emlarroen  138). 
амді  [alle  Dialecte,  auch  ам  (Abak.)] 

jetzt  (emdi  68,  71,  emdimê  168,ii,    jimdi  67), 

ймдідан  ары  (emdidan  ari  64),  амдідан  каірі  (emdi- 

dan  cheri  65). 
амцак  [амчак  (Alt. Таг.),  ÉL^il  (Dsch.  Osm.),  імцйк(ТоЬ.), 
імшак  (Kas.)] 

weibliche  Brust  (emzac  III). 


0. 

oie  [оін,  уін,  jjj  j^J  alle  Dialecte,  nû^^  (Uig.)] 

das  Spiel  (oyo  34). 
oiea  (v)  [von  оін,  alle  Dialecte] 

spielen,  оінарман,  оінадым,  оінадыл  (oynarmeii,  oy- 

nardiim,  oynagil  34). 
оінаш  [оінаш,  оінас,  уінаш,  alle  Dialecte] 

Geliebte,  Buhlerin,  Buhlerei  (oynas  114,  oiuassis  137). 
ОІНЦЫЛ  [=ош-і-цыл,  (^^^jjl  (Osm.),  оінцы  (Bar.),  уін- 
ЧЫ  (Kas.),  оіншул  (Kir.)] 

spasshaft,  scherzhaft  (оіпсіі  103). 
оімак  [(Таг.  Kir.),  оімак  (Alt.),  уімак  (Kas,)] 

Fingerhut  (oymac  97,  oymah  139). 
ok  [ok,  yk  alle  Dialecte] 

Pfeil,  окум  (ohû  14 5, и), 
ok  [alle  Dialecte] 

auch,  аыда  ok  (andaoh  71),  алаі  ok  (alayoli  71), 

алар  ok  (anlar  ogh  74),  äp  ok  (aar  ok  195, б), 
оку  [0^^  (Uig.),  (Dsch.),  оку  (Kir.  Таг.),  укы 

(Kas.)] 

lesen,  окурбыз  (ockurbis  159,15). 

окцы  [=ок-і-цы] 

Pfeilmacher  (ogh ci  103). 

окша  (v)  [^^Y^<^  (Uig.),  ^y>lЦJ^  (Dsch.  Osm.),  окша 
(Таг.  Kir.  Bar.),  укша  (Kas.)] 
gleich  sein,  окшармае,  окшат  (oscarmen  61,  ocsat 
62),  окшамак  (oasamac86),  окшады  (ovsadi  199,5), 
окшар  (ovsar  226). 

окшаш  [=  ^*Y^— I  (Uig.),  ^^'s^l  (Dsch.  Osm.),  ok- 
ШОШ  (Tel.),  окшаш  (Таг.),  укшаш  (Kas.)] 
ähnlich  (ocsas,  usasi  85),  окшашы  (ohsassi  233). 

окшаш  (v)  [von  окша] 

sich  gleichen,  окшашып  (ocsasib  71). 

одул,  оул  [t?"^^  (Uig.),  JbJ  Jy^jl  (Dsch.  Osm.),  одл, 
ол  (Abak.),  ул  (Alt.),  ул  (Kir.  Kas.)] 
Sohn  (ogul  114,  115,  159,13,  206,4),  одлы,  оулы 
(oguli  188,1,  ouli  200,11,  oulu  211,5,  ovlu  144,8), 
одлум,  оулум  (ovlû  216,2),  одлума,  оулума  (öv- 
luma  215,6),  одлуц,  оулуц  (oguling  193,4,  oglung 


Das  türkische  Sprachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


13 


195,12,  ogulimg  197,5,  oglung  200,g,  ogulung 200,8), 
одльща,  оулуца  (ovlinga  203,5),  одльша,  оулына 
(ogluna  195,9,205,14,  ouluim  208,6,  ouluna),  одул- 
дан,  оулдан  (oulda  212,б),  одул  бііа,  оул  біііі  (oui- 
bile  2 12, б).  Die  Nebenformen  оул,  оулда  etc.  sind 
dialectische  Fortbildungen  des  noch  allgemeinen  gebräuch- 
lichen одул. 

одут  gewiss  für  окыт  (v)  [Factit.  von  окы] 

lehren,  одутармаи,  одуттум,  одуткыл  (ogutarnien, 
oguttum,  ogutkil  16). 

ogpy  [^^-^  (Uig.),  jjbj\  (Osch.  Osm.),  одры, 

ogpi  (Таг.),  ogyp  (Abak.),  ypy  (Kir.),  урчы  (All.), 
удры  (Kas.)] 
Dieb  (ogri  28,  ogur  bolmagil  185). 

одрула  (v)  [von  одру-ніа,  erscheint  auch  in  den  Nebenfor- 
men оурула] 

stehlen,  одрулармгііі,  одруладым,  одрыла,  одрыла- 

мак  (ogrularmen,  ogurlarmen,  ogrnlardura,  ogrula, 

ogrulamac  27),  одрулап  (ogrilam  6,  ourula  6G). 
одлак  [^*t^-^  (Uig.),  j^c^l  (Dsch.  Osm.),  улак  (All.), 
лак  (Kir.)] 

Zicklein  (ogolach  128). 
одлан  Y^^-é^-"  (Uig).,  (jib_^\  (Dsch. Osm.),  одлан (Schir.), 
одіаи  (Таг.),  улан  (Tel.),  улан  (Kas.) 

Knabe,  Diener  (oglan  159,7,  161,5,  161,6,  162,4), 

одланлар  (oglanlar  93,  104,  157,i),  одланныц  (og- 

laiming  215,10). 
Щ  [alle  Dialecte,  уц  (Kas.)] 

recht,  rechts  (ong  87),  оц  колыны  (ong  kolini  204,5), 

щ  созіамас  (ong  sozlemäs  226),  оііында  (oenüda 

166,3,  onginda  196,2,  197,7,  212,з),  оцымыз  уцун 

ongimis  ucun  21 1,9). 
оцал  (v)  [jil^_^l  (Dsch.),  онал  (Kir.),  уцал  (Kas.)] 

sich  verbessern,  genesen,  оналды  (ongaldi  140). 
оцат  (v)  [Factit.  zu  оцал] 

verbessern,  heilen,  онаткыл  (ongatkil  187,ii). 
очлу  [=очн-лу] 

ein  Rechts  habend,  oipy  соллу  (oiiglu  soluu  146,i). 
оцлык  [von  оцн-лык] 

das  Gedeihen,  die  Besserung,  оірыкьщ  cäii  (onglik  msa 

187,4). 

ojbM  (v)  [ojbu  (Alt.),  уз'ыл  (Kas.)] 

einsinken,  jap  0]'ылды  (jerouildi  138). 


op  [op  (Kir.),  opo,  opa  (Abak.  Alt.)] 

Grube  (or  222). 
opyii  [jLû.y.û-^  (Uig.),  (Dsch.  0.sm.),  орын  (Alt.), 

урын  (Kas.)] 

Stelle  (oru  204,8). 
оруц  [£_5j_j)  (Osm.),  ораза  (Bar.),  орозо  (Alt),  pers.  oj^j] 

Fasten  (oruz  31),  оруцта  (oructa  168,5). 
орна  (v)  [^i.-^-û_j  (Uig.),  (Dsch.),  орна  (Abak. 

Таг.),  орно  (Alt.),  урна  (Tob.),  уриаш  (Kas.)] 

an  einem  Orte  sein,  wohnen,  орнарміін  (ornarmen  140). 
орлеис 

Orleans,  орленс  катііні  (orlens  chetan  107). 
орда  [^'^Y.i^  (Uig.),  j^j^l  (Dsch.)] 

Hof  eines  Fürsten  (orda  curia  105). 
орта  [alle  Dialecte  орто,  орта,  урта] 

Mitte,  mittler,  орта  кыш  ai  (orta  dies  ау  81)  December, 

орта  куз  ai  (orta  eux  ау)  September,  орта  Kälä  (orta 

chele  64),  ортада  (ortada  144,io). 
ортак  [jbj^l  (Osm  ),  ортак  (Kir.),  уртак  (Kas.)] 

gemeinschaftlich,  Gefährte  (?)  (ortac  114). 
орбу 

die  Schleuder  (orbu      dy  bliyde  222). 
орман  [ükjj»'  (Osm.),  ормаи  (Kir.),  урман  (Kas.)] 

Wald  (orman  89). 
0Л  [ол,  ул  alle  Dialecte] 

Jener,  er  (ol  71,  73,  143,5,7,9,12,16,19,  144,2,6, 

9,11,12,15  —  18,  145,4,5,6,7,8,9,10,11,12,  146,1,4, 
5,  7,  10,  12,  13,  147,1,  2,  6,  7,  11,  14,  16,  159,6,  8,  12, 
160,2,7,11,12,13,14,  161,1,4,5,6,10,13,  162,1,2, 
3,4,7,12,  163,8,  11,  164,2,5,9,13,15,  165,1,2,3,6,7,8, 
12,16,166,12,14,  167,11,16,  168,2,6,9,11,16,  169,2, 
4,7,8,10,11,    170,1,2,6,    191,8,    196,11,  199,10, 

206.1,  207,1,  209,9,  212,8,  225),  аныц  (aiiig  65, 
163,5,6,  164,1,2,  165,8,9,10,  167,13,  169,3,  anin 
70,  71,  aning  73,  74,  160,9,  161,12,193,2,  209,6, 
aniiing  216,6,  anig  193, із),  аца  (anga  158,5,6,  8, 

162.2,  167,11,  168,15,  207,3,  209,7,  angay  168,9), 
анар  (agar  23,  angar  73,  202, 12,  209,3,  212,6),  äp 
(aar  73,  182,  195,2,  6,  201,5),  аны  (anaitti  =  ani 
aitti,  ani  73,  132,  147,4, 161, 11,  162, i4,  164,1, 12, 
170,1,4,9,10,11,  171,1,2,  186,13,  192,15,  193,9), 
анда  (anda  67,  71,  141,  159,7,  166,14,  15,  189,7, 
189,11,  203,12,  ada  192, 13,  ganda  161,8),  андан 


14 


W.  Radloff. 


(andan  67,  73,  135,  160,4,  161,9,  164,i4,  165,6, 
2 1 1 ,8, 2 1 5,12, 2 1 6,1,4,  aiidâ  194,7,  âdâ  1 88,ii,  205,4), 
анца  (anca  162,13, 163,i5, 164,i,  ancak  =:апса-ь-ок 
165,11),  алар  (alar  134,  161,9,  163, 12,  170,9), 
аларда  (alarga  160,6, 161,14, 170,9),  аларны  (alarne 
159,9),анлар(ап1аг  73,  209, з),  анлариьщ  (anlarniiig 
73),  аеларда  (anlarga73),  аеларны  (anlarnj  73,74, 
anlarni 209,1),  анлардац (anlardan  73,199,2).  Vonden 
beiden  Dativ-Formen  scheinen  nur  ацар,  ар  Formen  der 
Romanischen  Volkssprache  zu  sein,  аца  ist  wohl  durch  die 
südliche  Schriftsprache  veranlasst,  ebenso  kommt  der  Plural 
анлар  etc.  fast  nur  in  Paradigmen  vor,  während  die  Texte 
meist  алар  etc.  aufweisen.  Es  scheint  somit  auch,  dass  erstere 
Pluralform  nur  von  Schriftkundigen  angewendet  wurde. 

олтур  [C^^'^t:.^-  (Uig.),  ^j/Jj  (Osch.),  оітур  (Таг.), 
олтур  (Krm.j,  оттур  (ЛИ.),  отур  (Kir.),  j^jy^l 
(Osm.),  утыр  (Kas.)] 
sitzen,  олтуруман,  олтурдум,  олтур  (olturumen,  ol- 
turdun,  oltur  54),  олтурмак  (olturmac  175,i),  олтур- 
маса  (olturmase  220),олтурур  (olturur  144,5,  oltorur 
166,4),  олтуруп  турур  (olfupf  196,G,  olturupt'ur 
212,3),  олтурдуц  (olturding  206, 11),  олтурданым 
(olturgani  145,5). 

олтурдуц  [утырдыч  (Kas.),  оттурдуш  (Tel.)] 

Schemel,  Stuhl  (olturguz  54,  119),  олтурдуцлар  (ol- 
turguclar  104). 

олтурдуз  (v)  [Factit.  von  олтур,  j^j^cjyJjl  (Osch.),  ol- 
тургуз  (Таг.),  олтурдуз  (Krm.),  отурдуз  (Kir.),  от- 
турус,  оттурдус  (Alt.)] 
hinsetzen  (olturguzdi  197,7). 

олтурт  (v)  [Factit.  von  олтур,  оттурт  (Schor.)] 
hinsetzen,  Sitz  anweisen,  олтыртты  (oltti  196,2). 

олца  [aÀjI  (Dsch.),  олцо  (Bar.),  oljo  (Alt,  Krm.)] 
Beute  (ö](g)ä  209,9). 

от  [alle  Dialecte  от,  ут] 

Feuer  (ot79  146,8,),  отта  (otta  188,i5),  оттан  (otdâ 
202,7),  тамукнуц  отун  (tamuchung  otun  168,12). 

от  [от,  ут  die  meisten  Dialecte] 

1)  Kraut,  Pflanze  fot  89),  отлар  (otlar  93). 

2)  Medicin  (ot  37,  96,  100),  отлар  (otlar  94). 
отак 

Insel  (?)  (ein  werdir)  (ottac  138)  (ist  dieses  Wort  nicht 
vielmehr  =  отак  (Таг.  Dsch.)  Hütte?) 


отала  (v)  [von  от-нла  (?)] 

heilen,  оталарман,  оталадым,  отала  (ottalarmen,  ot- 

taladum,  ottala  37). 
отацы  [vergl.  Uig.  ОЧ/-^^^— '] 

Arzt  (otaci  101). 
отуз   [/40^1.^;'=^  (Uig.),  jyJj  (Dsch.),  олтус  (Khir.), 
jyj  (Osm.),  отуз  (Kir.),  утыс  (Kas.  Tob.)] 

dreissig  (otus  14 6,1). 
отла  [=от-і-ла] 

Grass  fressen,  отламак  (otlamac  89). 
отлук  [=от-і-лык] 

Feuerstelle  (otluc  90). 
отру  [^5^û^  (Uig.),  (Dsch.),  УДУР  (Tel.),  удура 

(Alt.),  удра  (Abak.)] 

entgegen  (otru  65). 
оцук  [очук  (Sag.),  очак  (Таг.),  ^LJ  (Dsch.),  очок  (Alt.)] 

Dreifuss  (oco..)  124). 
оцкак 

Husten  (ockac  138). 
осал  [ь^-у"^  (Uig-).  Jl-j'  осал  (Dsch.),  усал  (Kas.)] 

böse  (osal  142,  181). 
оста  [=  pers.  :>b^j\  oder  dl^lj 

Lehrer,  Meister  (ostal9, 104),  кылыцостасы  der  Waffen- 
schmied (clic  ostasilOl),  бііікостасы  Gelehrter  104). 
остума 

остума  катііні  eine  Leinewand  (ostume  chetanj  107). 
03  (v)  [oc  (Bar.),  03  (Kir.),  уз  (Kas.)] 

zuvorkommen,  vorhergehen,  оздьщ  (özding  200,з). 
ОШОЛ  [t?V^  (Uig.)>  J^j^  (Dsch.),  ушу  (Kas.)] 

dieser  (os  ol  206,ii). 
onpak 

Kleidungsstücke  (oprac  32,  120,  foramatum  119). 
оба  [обо  (Alt.),  оба  (Kir.  Abak.),  оба  (Bar.)] 
Hügel  (oba  88,  145,5). 

Ö. 

ÖKTÖM  [öKTäM  (Kir.)  kühn,  öktöm  (Alt.)  ergiebig] 

stolz,  öKTäM^öctem  183),  октймніц  (öktening  204,ii). 

öKTäMlä  [= ÖKTäM -f-lä] 

sich  rühmen  (öctenlänir  222). 

октамИк  [=0ктам-н1ік] 
der  Stolz  (öctelic  183). 


Das  tüekische  Speachmati 

октун  (v)  [vergl,  окун  (Kir.)  tadeln] 

beleidigen,  октундум,  октунгіі,  октунмак  (octundum, 

octungil,  cotunmac  41). 
окцау 

окцау  кун  vorgestern  (okzav  kun  136). 
öryp  (v)  öryp  (Osm.),  укір  (Kas.)] 

schreien,  огурді  (ögurdi  136). 
öry.3  {jfji  (Dsch.),  огуз  (Kir.),  угіз  (Kas.)J 

der  Ochs  (ogus  128). 
öqy  [vergl.  0Ц0  ein  Anderar  (Tel.)] 

blos  (öngu  220). 
брумцік  [орумцік  (Abak.),  ормокшу  (Kir.),  урмгікча  (Kas.), 
(Osch.)] 

Spinne  (oruracik  139). 
öpKäH  [von  öp  flechten,  apgas  (Krm.  Kas.)] 

ein  langes  Seil  (örken  136,  örkenler  171,4). 
оргуц  (v) 

ich  weide,  оргуцурман  (ôrguzurmê  231). 
öpläm  [von  öpö,  oben] 

Erhebung,  Aufsteig  (orlas  88). 
ортук  [vergl.  орт  (Alt.),  d-j^J  (Dsch.)  Brand] 

feurig  (örtik  tamuc  141). 
öpxly  [=öpT-*-ly] 

feurig  (örtli  220,1). 
öpc 

Ambos  (ors  96). 
öl  (v)  [öl,  yl  alle  Dialecte] 

sterben,  öläpMäe,  0Ідум  (olarmen,  oldum  35),  0іді 

(oldi  227,  öldi  165,8,  199,i5,  ödi  200,6),  оіггінда 

(ölgenda  199,io). 
ölf  [v-j-û^r^-^  (Uig.),  ±1^J_,)  (Dsch.),  ölf  (Alt.  Kir.),  yliK 
(Kas.)] 

todt  (olu  88),  ölyläpni  (ölulerni  212,4),  оіуіарніц 
(ölulerning  212,10). 
ölyM  [alle  Dialecte  оіум,  уіім] 

der  Tod  (olum  35,  86,  ölwm  167, i),  оіумніц  (olu- 
mung  204,13,  ölwmnwn  169,7,  ölunung  188,6), 
ölyMrä  (ölimgä  206,9,  ölumga  219,17),  0Іумні(0Іит- 
ni  169,8),  оіумда  (ölumda  189,4),  0Іумд;ш  (ölimdän 
206,9,  ölumden  219,i8,  ölvmdä  212,2),  оіумун 
(olwmwn  168,12),  оіумунда  (ölüinda  193,6). 
оіуміу  [=ölyM-t-ly] 
sterblich  (olûluh  207, lo). 


siAL  DES  Codex  Comanicus.  15 

оітур  auch  öUyp  (v)  [^aS^tzC^-j  (Uig.),  (Dsch.), 
dLjj-Jj,)  (Osm.),  оітур  (Alt.  Kir.  Таг.),  оттур,  0дур 
(Schor.),  утір  (Kas.)] 
tödten,  öUypyp  (oldurur  168,і7),0Ітурді(оШ  191,5), 
0Ідурді1ар  (öldurdiler  160,i,  oldurtiler  170,2),  оітур- 
Märil  (ölturmagil  185). 
öhypyl  [Pass.  von  оітур] 

getödtet  werden,  оітуруіді  (ölturuldi  193,i). 
оіца  (v)  [^4^=^-^  (Uig.),  (Dsch.),  öluiä  (Kir.), 

yhä  (Kas.)] 

messen,  0ііі,арман,  0іцадім,  оіціігіі  (ölzarmen,  ölzttum, 
ölzchil  36). 

0іцау  (Osm.),  ölinäy  (Kir.),  yhäy  (Kas.)] 

Maass  (olza  36),  узун  ölaäy  (iixun  olca  85). 
ölöäK  [vergl.  ^i^t^*-  (Mong.),  älöilK  (Schor.)] 

reichlich  (vergl.  0Ібак1ік). 
оібакіік  [=0Ібіік-і-1ік] 

Fülle,  Ueberfluss,  0Іб0к1ікііщін  (olbekligingdâ  194,9). 
от  (v)  [ÖT,  ут  alle  Dialecte] 

durchdringen,  öTä  (öte  215,12)  hindurch, 
от  [=        (Dsch.),       (Osm.),  от,  ут  alle  Dialecte] 

Galle  (vergl.  отіу). 
0тун  (v)  [|vû>^Ki^  (Uig.),  отун  (Таг.),  утін  (Kas.)] 

bitten,  vortragen,  отунмаса  (wt  tumasa  166,6). 
0тунц  [^^j,)] 

Schuld  (otunz  38),  отунцка  бііраман  (otunzclia  be- 

rumen  38)  ausleihen, 
отрук  [-^^^/tj)  (Dsch.),  отрук  (Kir.),  утрік  (Tob.  Kas.)] 

die  Lüge  (vergl.  0трукці). 

0ТруКЦІ  [=:=0ТруКН-ЦІ] 

der  Lügner  (otruczi  117). 
ÖTly  [-KÖT-t-li] 

mit  Galle  vermischt  (ötli  203,7). 
ÖTMäK  [Dialect.  атмак,  vergl.  dasselbe] 

Brot  (ötmek  1 74,8),  0тмакімізні  (ötmackimisni  171, lo), 

öTMäidHä  (ötmekinä  195,i),  отмакШ  (ötmekley 

205,11),  öTMäKiH  (ötmäkin  194,4). 
отмакці  [vergl.  іітмакці] 

Brotbäcker  (ötmekci  174,8). 
0Ц  [/j^^  (Uig.),  Ö4,  уч  etc.  alle  Dialecte] 

Rache,  ön,  алдуцы  (öc  alguci   182),    0п,ун  (öciii 

200,8). 


16 


W.  Radlopf. 


оцаш  (v)  [vergl.  очііш  ^ji-U^I  (Osch.),  учаш  (Kas.)] 

wetten  (zanken?),  очашірман,  очаштім  (öcessirmen, 

öcesstim  136). 
öc  (v)  [alle  Dialecte] 

wachsen,  осту  (östi  203,з). 
оскур  [vergl.  ііскур  (Aderb.)] 

husten,  öCKypyMcäH,  оскурдум,  оскурмак  (oscurumen, 

oscurdiin,  oscurmac  60). 
Ö3  [/-i^û_j  (Uig.),  Ö3,  уз  westl.  u.  siidl.  Dsch.] 

1)  vergl,  Osm.  der  beste  Theil  einer  Sache,  оздйн  (oxdan 
115)  von  hohem  Geschlechte. 

2)  selbst  (öS  137,  öz  1G5,15,  185,  197,7,  ii,  199, i4, 
213,5,  215, G,  216,9),  Ö3Ö3  (özöz  196,2),  Ö3  озупдаіі 
(öz  özündän  185,  öz  özindän  207,g),  ö3  Ö3y4(özüzing 
203,G). 

Ö3ä  [vergl.  [^Ѵ^г^^  (U'g-).  ojjj,!  (Osm.)] 
gemäss,  auf  (özä  186,15,  liac  ösä  210,  2). 

озац  [vergl.  Jj_j)  (Osm.)] 
widerspenstig  (ösäng  227). 

озда  [--OV^û-^  (Uig.),        (Dsch.),  öcKä  (Alt.)] 

ein  Anderer  (oxga  74  (indeclinabile??),  77,  özgä  185, 
ösge  170,3),  ösräläp  (oxgalar  77),  0згацй  (özgäcä 
228). 

ön  (v)  [v-n^c-i  (Uig.),  ön,  yn  alle  Dialecte] 

küssen,  önäpMäH,  оптум,  опкіі,  опміік  (oparmen,  op- 
tum,  opchil,  opmac  41),  önxi  (öpti  165,i,  170,9), 
0ПТІЦ  (optig  165,6),  cokyn  önyp  (sohupupur  146,6). 

önKä  [önKä,  yiiKä  alle  Dialecte] 

Lunge,  Zorn  (opclia  32,  öpkä  182),  опкасін  (öpkäsin 
190,13),  опкані  (öpkani  147,i). 

ö6yrä 

die  Au  (awe  öbuga  130). 
öiiKälä  (v)  [=ünKä-i-lä] 

zürnen,  önKäläpMäH,  опкаііідім,  опкаіа  (opchalarmen, 
opchaladuii,  opcliala  32),  опкйіаміікці  (ophelmekci 
185). 

омут  [умут  (Bar.),  yMÏT(Kas.),  j^l  (Dsch.),  ^^i^^-'  (Uig.)] 
Hoffnung  (öraäd  77). 


Ы. 

ыкрар  [=  arab.jl^äl] 

Bekenntniss,  ыкрар  бармйк  (yrar  bermac  78). 
ыдла  (v)  [  y^-të^^  (Uig.),  ]'ыла  (Kas,),  ыдла  (Tub.),  уіла 
(Alt.)]^ 

weinen,  ыgлaп(iglap  1 98,5),  ыgлaдьщ(igladingl93,з). 
ыеан  (v)  [J^^^-'  (Uig.),  jjb)  ынан  (Osm.  Aderb.)] 

glauben,  ынанырман,  ынандым,  ынанмак,  ынаыдыл, 

ынандан  (jnanurmen,  jnandum,  jnangil,  jnanmak, 

jnangaan  15),  ынанмадыл  (inanmagil  163,2),  ынав- 

gai  (inangai  202, 12),  ынапмаданлар  (inanmanganlar 

220,1),  ынанданлар  (inaoganlar  220,2),  ынанданмыс 

(inanganmis  220,4),  ынаеырман  (іпапігтев  211,з, 

inanirmê  212,5,  s), 
ынак  [ынак  (Bar.  Alt,)  Freund] 

treu  (inak  182,  inali  227). 
ынамлы  (?) 

treu  (inamli  141), 
ынцка  (v)  [vergl,  ынтык  (Kir,)  seufzen,  ыдкан  (Bar,)] 

jammern,  ынцкаідыр  (inckaydir  134). 
ырыс  [ырыс  (Alt.  Kir.),  рыс  (Bar,)] 

Glück  (rox  28),  ырызьщ  (orozung  28). 
ырыс  [vergl.  Buss.  рысь] 

Luchs  (?)  yrs  128). 
ЫТ  (v)  [vergl.  Î,  ^-î^is-j  (Uig.),  ЫЗ  (Abak.)] 

schicken  (idiman  =  ыдарман(?)  9). 
ыдыш  [von  ыт] 

Sendung  (ydis  9). 
ыцкын  (v)  [ыцкын  (Bar.),  ычкындыр  (Kas.)] 

entwischen,  ыцкынырман  (ickinirmê  226). 
ыцкыр  [jyis^?!  (Dsch.),  jii^J] 

Hosenschnur  (ickir  233). 
ысыр  (v) 

schüren  (das  Feuer),  ысырыман,  ысырдым  (issirrimen 
issirdim  132), 
ыскарлат 

Scharlach  (yscarlat  107). 


ЫССЫ  [^— (Uig-),        (Dsch,  Osm,),  ыссык  (Khir.), 
ыстык  (Kkir.),  ici  (Kas,)] 


Das  tükkische  Speachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


17 


heiss,  ЫССЫ  cy  (yssisu  10),  biccbi(ysy  182,  isi  190,8), 
ЫССЫ  (??)  Фанарлар  6ilä  (ysy  fanarlarbile  170,з) 
mit  brennenden  (?)  Laternen. 

ЫССЫН  (v)  [jL^-l  (Osch.)] 

heiss  werden,  ыссынырман  (issinurmen  16). 
ыссылык  [ыссы-ьлык] 

Hitze  (issilic  16). 
ыспанак 

Spinat  (yspanac  126). 
ызарлы  [=ar  jlj)  -*-лы] 

beleidigend  (isarli  1 1 7). 
ызба  [aus  dem  Slav.] 

Zimmer  (yxba  119). 
ышан  (v)  [j-^^  (Uig.j,  ьішан  (Kas.)] 

vertrauen,  ышанырман,  ышандым,  ышандыл,  ышан- 

мак  (isanurmen,  izzandum,  izzangil,  issanmac  17, 

usanmak  77). 

I. 

Î  (v)  [ыт  (Soj.),  ^i»-^  (Uig.),  ЫС  (Abak.),  î  (Alt.),  пібар 
(Kir.),  ji6äp  (Kas.),  аварт  (Таг.)] 

schicken,  ijäpMäH,  Ідім,  iril  (yarmen,  yydun,  yygil35). 
iräpÜK 

Neid  (igarlik  140). 
ІГІС  [vergl.  ic  (Kas.)] 

Geruch  (ygisi  135). 
iraä  [icfl  (Osm.),  ігна  (Bar.),  iqä  (Abak.),  іна  (Alt,  Tel. 
Kas.),  ^0^^  (Uig.)] 

Nadel  (ygina  97,  102,  ine  181). 
іца 

fein,  dünn  (ingga  139). 
ie  [ie  (Kir.  Tel.),  j.\  (Dsch.),  ш  (Kas.)] 

Höhle,  інініг  (jnina  145,io),  іні  бар  (inibar  147,4). 
інак  [еак  (Schor.),  інак  (Tel.  Таг.  Kir.),  ilL)  (Dsch.  Osm.), 
(Uig.)] 

Kuh  (упас  128). 
іні  [iBÏ  (Kas.),  iei  (Kir.),  jl  (Dsch.)] 

jüngerer  Bruder  (ynj  114). 
інцір  [— pers.^fl] 

Feige  (ingir  126). 
інцка  [^^O"^^"*  (Uig-),  Kr^)  (Dsch.),  інчіка  (Таг.)] 

dünn  (inccha  87,  incha  139). 


інцкаіап  [=інцка-+-1ап] 

fein  (subtiliter)  (inccalap  71). 
інцу  [pers.  (^siJ] 

Perle  (ingcu  109). 
ip  (v)  (Dsch.),  ärip  (Таг.),  vergl.  ärip] 

spinnen,  іріман,  Ірдім,  ïpril  (jirfflen,jirdim,  jirgil  27). 
ipi  (v)  [0-^^  (Uig.),  ipi  (Kas.  Tob.),  äpi  (Alt.)] 

schmelzen,  іріді  (jridi  139). 
il  (v)  [alle  Dialecte] 

aufhängen,  ііарміін,  іідім,  ilril  (ylermen,  ildim,  ilgil 

43,  ilermen  139). 
11  (v)  [=  äril] 

gebogen  sein,  адац  ііііітір  (iliptir  140). 
ilä  (v)  [vergl.  iclä  (Kas.),  di^"^«..)  (Dsch.)] 

riechen,  ііарман,  ііадім,  iläril  (yylarmen,  jyladum, 

jylagil,  jylamac  30),  ііамак  (yylamac  81). 
І1ІН  (v)  [Reil,  von  il] 

hängen  (vergl.  іііндір). 
іИндір  (v)  [Factit.  von  іііи] 

anhängen,  іііндірді  (illind'di  189,15). 

І1ІМ 

ein  Netz  (ilim  221). 
ІІКІ  [wJ^t^-.  (Uig.),  ^Jj  (Dsch.),  і1ік(ТоЬ.),  1ІІК  (Kas.)] 
der  Erste,  іікі  ja3  ai  der  erste  Frühlingsmonat,  März  (yl- 
ias  ay  81). 

ilräpi  [^JJO^J  (Dsch.  Alt.  Kir.),  ilräpi  (Kas.),  ilräp  (Таг.)] 

früher  (y'gari  64,  ilgari  161,9,  162,2). 
ІТ  [ІТ  nördl.  u.  südl.  Dialecte,  іт  (Kas.)] 

der  Hund  (itt  128,  it  134,  146,5). 
ітіан  (v)  [vergl.  ^і^і^  (Uig.)] 

verloren  gehen,  ітіандім  (itlandim  134),  ітШшішІарні 

(itlämisla^ni  215,8). 
Ідір  (v)  [Factit.  u.  Pass.  von  î] 

geschickt  Averden,  sich  schicken  lassen  (jdirdi  215,5). 
ІЦ  l/j^-'  (Uig.),  ІЧ  (Dsch.  Osm.  Khir.  Alt.),  іч  (Kas.),  іц 
(Bar.  Tob.),  ІШ  (Kir.),  ic  (Abak.)] 

Inneres,  іцім  (izim  138),  іцівдіг  (izinda  25,  jzinda  67, 

icinde  160,13,  icinda  159,3,  icinda  1 62,9,  ii,  164,9), 

іціндан  (icinda  166,8),  іціыдагі  (icindagi  143,9), 

іціцві   (izîg  163,3),    іц  козумізніц  (ickösimising 

189,2). 

іц  (v)  (Uig.),  іч  (Dsch.  Osm.  Khir.  Alt.),  іч  (Kas.),  іц 

(Bar.  Tob.),  іш^(Кіг.),  ic  (Abak.)] 

3 


18 


W.  Radloff. 


trinken,  іцарман,  іцтім,  іц  (yzarmen,  iztum,  iz  10), 
іцар  (icer  145,10),  іціп  (ісір213,з),  іціптірсан  (ісір- 
fsen  201,11),  іцкаеімдан  (ycganimdê  157,5),  ант 
іцйрман  ich  schwöre  (ant  icermen),  ант  іцмагіі  (ant- 
icmägil  184). 

іцак  [іцага  (Kur.),  ^І^)  (Dsch.j,  iqäri(Kas.),  ішак(Кіг.)] 

Darm  (ycag  III). 
ІЦІК  [vergl.  i^sjil  (Dsch.)  Winterjacke  (Vamb.),  ішік  (Kir.) 
überzogener  Pelz,  іцік  (Tob,)] 

der  überzogene  Pelz  (icik  232). 
іцір  (v)  [Faet.voniq,  у>сч»^  (Uig.),  (Dsch.  Osm.), 

ічір  (Alt.),  ічір  (Kas.)] 

zu  trinken  geben,  ічірдііар  (icirdil  203,8). 
іціш  (v)  [von  іц] 

zusammentrinken,  ічішті  (icesti  220). 
іцрік  [von  in,] 

das  Innere,  ічріщ  (icrihing  187,із). 
іцкарі  [ічкар  (Tel.  Таг.)] 

inwendig,  drinnen  (izchari  67). 
ic  [ÏC  (Kas.  Kir.),  (Dsch.)] 

der  Geruch  (vergl.  iclä). 
іскіна  [іскінй  (Таг.)] 

Meissel  (schinia  100). 
iclä  [von  ÏC,  j^^-fc-V^-'  (Uig.)] 

riechen,  icläril  (islagil  141). 
ІЗ  [Ai-j  (Uig),^)  (Dsch.),  ic  (Alt.),  ІЗ  (Kir.),  із  (Kas.)] 

Spur,  ІЗІН  (izin  133),  ІЗІ  (izi  146,12),  ізісіз  (isi  sis 

193,14). 

ізда  (v)  [ y*^^-^  (Uig.),  S.^iluxjJ  (Dsch.  Osm.),  іста 
(Alt.  Abak.  Таг.),  ізда  (Kir.),  іста  (Kas.)] 
suchen,  іздарман,  іздадім,  іздагіі  іздсамак  (ixdarmen, 
ixdardin,  ixdagil,  ixdamac  32,  yxdarmen  47,  ys- 
dermen  47),  іздарсіз  (ysdersis  161,8),  іздадііар  (ys- 
dediler  170,4). 

ІШ  [^^-^  (Uig.),  JujJ  (Dsch.  Osm.),  іш  (Alt.  Таг.),  іш 
(Kas.),  ic  (Kir.  Abak.)] 
Geschäft,  Sache  (ys42,  is  104),  ішііхріндан  (izlarmdê 
157,6). 

ішіа  (v)  [von  іш,  alle  Dialecte] 

arbeiten,  iniläMäK  (islamac  104). 
ішці  [=іш-і-ці] 

der  Arbeiter  (iccv  234). 


1ПКШ 

violett  (ipchin  108). 
іман  (v)  [S.M  (Dsch.),  іміін  (Bar.)] 

sich  schämen,  іманірман,  імаіідім  (imenirmen,  imen- 
dim  62). 


y. 


y  [vergl.  ay] 

die  Jagd  (üv  62). 
уакт  [=  arab,  *l-äj] 

die  Zeit  (ouad  82),  am  уакты  die  Essenszeit  (as  octi 

79). 

ygpai  (v)  [yrpäi?] 

knurren,  ІТ  ygpaja  дыр  (it  ugraiadir  134). 
yjak  (v) 

untergehen,  кун  yjakTbi  (kû  uyahti  224). 
yjag— yjay  [^ûî^^-^  (Uig.),  ^k^J  (Dsch.),  ojak(Tar,), 
ojay  (Kir.),  yjay  (Kas.)] 
wach,  yjag  туруман  (uyag  turumen  62),  у]а§ында 
(uiaaganda  139),  уіаумыдыр  (oioumidir  139). 
yjaH  (v)  [^û^<:^-^  (Uig.),  ^ij  (Osm.),  oigoe  (Alt.), 
уідун(ТеІ.),  j^Uj^I  (Dsch.),  ojaH(Kir.),  yjaH  (Kas.)] 
aufwachen,  у]анырман,  у]андым,  yjangbii  (uyanur- 
men,  uyandum,  uyangil  51). 
yjai  (v)  [^û_.  (Uig.),  ^JiJ  (Dsch.  Osm.),  yjai  (Kir.), 
ѳ]ал  (Kas.)] 

sich  schämen,  у]алырман,  уз'алдым,  у]ал§ыл  (ugialur- 
I     men,  ugialdum,  ulgagil  62),  yjajbipcäe  (via  tursen 

166,13),  у]алмацыз  (viatmâgis  167,i5),  yjaлмaз  (vi- 

almas  168,8),  у]'алмадьщ  (uyalmading  214,2). 
yjaT  [yjaT  und  ejaT  (Kas.)] 

Schande  (ugat62,  jat  117,  viat  166,14, 167,i,  168,2). 
yjy  (v)  [^'^-'  (Uig.).  ^ij  (Dsch.),  yjy  (Krm.Kir.),  іѳкла 
(Kas.),  уікта  (Alt.  Kir.)] 

schlafen,  yjypMän,  у]удум,  у]удыл  (uiurmen,  uyurdum, 

uyugii  19),  уіуданда  (uiuganda  139),  yjylMbiAbip 

(uiuymidir  139). 
yjyky  [^^-^  (Uig.),  ^^J  (Dsch.  Osm.),  yjyky  (Krm.), 
yiky  (Alt.  Kir.),  ѳікѳ  (Kas.)] 

der  Schlaf,  у]укысында  (uiuliisinda  139),  yjykycbi 

арасында  (uiuliusi  arasnada  139). 


Das  türkische  Speachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


19 


yjykycbipa(v)  [vonyjykbi,  vergl.  yikycypa  (Kir.)  im  Schlafe 
sprechen] 

schlafen  (?)  (uiuliisirap  139). 
ун  [ун,  ѳн,  alle  Dialecte] 

Mehl,  y  H  (yn  131). 
уна  (ѵ)  [y^Iû-j  (Uig.),  уна  (Dsch.  Kir.  Khir.)] 

sich  beruhigen,  einwilligen,  унармаіі,  унадым(ітагтеіі, 

undim  10,  unarmen,  unadim  137),  унамак  (unamak 

142). 

унут  [^-^û.:c.^  (öig.)^  ^j^j^j  (Dsch.  Osm.),  унут  (Tel. 
Таг.  Bar.  Tob  ),  ѳеѳт  (Kas.),  умут  (Kir.)] 
vergessen,  унутурміш,  унуттум,  уііуткыл,  унутмак, 
уеуткан  (unuturmen,  unuttum,  unutchil,  imutmac, 
unutcham  41),  унуткаі  (unutgay  213,2),  унутуп 
(unutup  214,5). 

унутцац  [увутцак  (Bar.),  ѳіютучан  (Kas.),  ^^yj  (Osm.)] 
vergesslich,  унутцац-дыр  (imutcangdir  139). 

yP  (^)  [yPj      ö^jj  alle  Dialecte,  вур  (Osm.)] 

schlagen,  stellen,  уруман,  урдум,  yp  (ururmen,  urdum, 
ur  26,  ururmen,  urdem,  ur45),  урдум  (urdiml34), 
урду  (urde  170,8),  урдулар  (urdilar  162,5,  170, ii, 
171,2,  6),  ypgau  аыы  (organani  192, 15),  урмак  6ilä 
(urmachbile  167, 11),  ypa  башладылар  (ura  bazla- 
dilar  160,4),  баш  урдулар  (baz  urdilar  162,5). 

ypyk  [Лс^^^  (Uig.),  ^jjj  (Dsch.),  ypyk  (Таг.)] 
Same,  Nachkommenschaft  (uruli  189,6),  урукы  (urugi 
216,5),  урукларыц  (uruliling  194, 13). 

уруш  (v)  [Recip.  von  yp,  alle  Dialecte] 

sich  streiten,  zanken,  урушырміін  (uruscliirmen  132), 
уруштым  (urûdî  227). 

урлук  [ѳрлѳк  (Kas.)] 
Same  (ourluc  54). 

урцык 

Grille  (vurcik  139). 

ула  (v)  [hi^  (Uig.),  ^^%\  (Dsch.),  ула  (Alt.  Abak.),  yla 
(Tal.)] 

knüpfen,  уіарман,  уладым  (ularmen,  uladim  136). 
улак  [0-^45^-^  (Uig.),  (Dsch.),  ylak  (Таг.),  улау 

(Kir.),  уна  (Alt.),  олау  (Kas.)] 

Packthier  (ulah  145,2). 
улам 

durch,  durch  Vermittlung,  аедан  улам  бар  (andan  ulam 
bar  211,8),  ары  тыпдаіі  улам  ардац  ана  (aritindän 


ulam  erdeng  ana  211,9),  бугуШрдан  улам  (bvgvlar- 

dêulam  212,7). 
улу  [Л^^  (Uig.),         (Dsch.),  ylyk  (Таг.),  улу  (Alt. 
Kir.),  ѳлѳ  (Kas.)] 

gross,  улу,  улуны,  улулар,  улуларны  (oulu,  oulunj, 

oulular,  oulularnj  75,ulul33,159,5,io,162,3,167,i, 

199,10,209,7,213,7,215,12,  144,7,  olu  214,i),  улу 

ата  Grossvater  (ullu  atta  114,  ulu  ata  180),  улу  кун 

(ulu  kunni  184,  ulukun  158,4,  ulukûdan  158, 10,  olu 

cun  78),  улусу  (uluzu  163, 15). 
улу  (v)  [улу  (Alt.  Kir.),  ула  (Bar.)] 

heulen,  бору  улуідыр  (büri  uluydir  134). 
улулук  [=улу-і-лук] 

die  Grösse  (ululuc  86). 
улус  [У^Ч^  (Uig.),  ^^^J\  (Dsch.),  улус  (Alt.)] 

Volk,  улуска  (ulusga  146,8). 
улдаі  (v)  [y-^-^  (Uig.),  ^bJ,)  (Dsch.),  улдаі  (Kir. 
Kur.),  ѳлаі  (Kas.)] 

gross  werden,  ул|)а]ырміш,  улдаідым,  улдаідыл  (ul- 

gayirmen,  ulgaydum,  ulgaygil  14). 
утурду  [устурук  (Kir.),  vergl.  russ.  стругъ] 

der  Hobel  (uturgu  100). 
утру  [^^^^^-^  (Uig.),  jjjl  (Dsch.),  удра  (Abak.),  удур 
удура  (Alt.),  ѳтрѳ  (Kas.)] 

das  Gegenüberliegende,  entgegen  (utru  164, 11,  170,8, 

200,10,  216,1),  утрусына  (utrusina  209,7). 
уда  (v)  [vergl.  уда  warten,  zögern  (Alt.)] 

hinziehen  (udaa  232)  (no  =  noch)  gewiss  für  удадан 

(удан?),  акі  кун  удаса  (екі  kunudas(a)  =  tz''en  tak 

noch  inandir  232). 
уц  [>c^^  (Uig.),        (Dsch.  Osm.),  уч  (Alt.  Таг.),  уц  (Tob. 
(Kün.  Bar.),  ѲЧ  (Kas.),  ѳц  (Misch.),  (Osm.)] 

Ende,  Spitze,  уцу  (ucu  212,4),  уцуна  (ucuna  146, 10). 
уца  [LJ  (Dsch.),  уча  (Alt.  Таг.),  оча  (Kas.)] 

Rücken,  уцамда  іатырман  (ucamda  jatirmen  134). 
уцус  [/^^û-j  (Uig.),  j^J  (Dsch.),  0ЧѲЗ  (Kas.)] 

billig  (?),  niedrig,  verachtet  (ucux  88). 
уцкун  (Dsch.),  ѳчкон  (Kas.)] 

der  Funke  (uckun  139). 
уцмак  [Л*=гЬ^  (Uig.),  ^U-^)  (Dsch.),  (Osm.), 
ушмак  (Kir.),  ѳчмак  (Kas.)] 

das  Paradies  (ucmac  78,  191,15),  учмакныіі  (ucmak- 

ning  186,7,  220,2),  уцмактады  (ucmaktagi  214,8). 

3* 


20 


W.  RADLOrP. 


уцмаклы  [=уцмак-+-лы] 

das  Paradies  habend,  selig  (исшакіі  206,5).  ■ 
ус  [y^^  (Uig.),  уз  (Kir.)] 

Kälbermilcli  (?)  (ous  131  =  segara). 
ус  [vergl.  /^с^  (Uig.),         (Dsch.),  yc  (All),  ѳс  (Kas.)] 

Kunst  (us26, 198,9),  yc  кіші  Künstler  (ux  chisi  116). 
ycky  oder  ушку  (?) 

das  Schabeisen  (iiscu  100). 
услу  [=усн-лу] 

klug  (ustlu  115). 
усмурут  pers. 

Smaragd  (smurut  109), 
узат  (v)  [^^ij^-j  (Uig.),  (Dsch.Osm.),  узат  (Alt. 

(Kir.  Таг.),  ѳзат  (Kas.)] 

führen,  узатырмае,  узаттым  (nsattirmen,usattim  15), 

узаттылар  (uzatil  202,4). 
узун  [узун  (озѳн)  alle  Dialecte] 

lange,  lang  (iixun  65,  85,  86,  100,  uzû  143,16, 146, lo, 

uzun  144,4,  7). 

узунлук  [=узун-4-лук] 
die  Länge  (uxunluc  85). 

узут(?)  (v)  [vergl.  yjy] 

schlafen  lassen,  узутмады  (usutmadi  189,4).  Die  Form 
узут  für  yjyr  ist  sehr  auffällig.  Der  Laulwechsel  з  ||  j,der 
der  Lautreihe  T  —  3 — j  [уду  (Uig.),  узу  (Abak.),  yjy 
(übr.  Dial.)  entspricht,  beweist,  dass  diese  nur  einmal  auf- 
tretende Form  bei  den  Komanen  wirklich  noch  im  Gebrau- 
che war.  Ob  wir  es  aber  hier  mit  einer  Isolirung  zu  thun 
haben,  oder  ob  das  Wort  durch  die  Dschagataische  Schrift- 
sprache eingeführt  ist,  vermag  ich  nicht  anzugeben. 

уш  [vergl.  уш  (Kas.),  ^_^y>  pers.] 

Einsicht,  Yerständniss,  Weisheit,  уш  6ilä  (ux  bila  71), 
ушынны  (usingui  193,11). 

уш  [vergl.  jjm  (Kas.)] 
feucht  (us  87). 

ушак  (Dsch.  Osm.)  klein,  ycak  (Kir.)] 

klein  (usah  140,  vergl.  ушакцы). 

ушакцы  [=ушак-і-цы] 

der  Verschleuderer,  Vernichter  (ussahci  140,  usahci  182, 
223). 

ушал  (v)  [jlU^,)  (Dsch.),  ушал  (Kas.)] 

zerbröckeln,  klein  werden,  ушалды  (usaldi  183). 

умунц  l/J^^-^  (Uig.),  ^LJ  (Dsch.)] 
Hoffnung,  умунцымыз  (umyncimis  209,9). 


y. 

уксун  (v)  [vergl.  S.^^fj\  (Dsch.)  und  das  Uigurische 
^л-іл^  Sinn,  Gedanke] 

sich  erinnern,  уксунурман,  уксундум  (üücsunurmen, 

uucsundum  51). 
угу  [y^l  (Dsch.  Osm.),  угу  (Bar.  Soj.),  örö  (Abak.)] 

die  Eule  (ugu  106). 
yrpäH  (v)  [урк  (Таг.  Kir.)  sich  scheuen,  урку  (Tel.)] 

sich  abwenden,  Abscheu  haben,  угранір  (ugrenir  1  64,7), 

уграемаді  (ugrenmedi  164,6). 
УЧ  (v)  [vergl.  УЧУР,  УЧкур  (Kir.  Таг.)  Grube] 

graben,  уцйрман  (ungermê  228). 
yii  [ун,  ѳн  alle  Dialecte] 

Laut,  Stimme,  Ton  (un  54,  61),  уну  (uni  223),  унуі^ 

(uning  192,15). 
унда  (v)  [^x^J^-^  (Uig.),  S.Jj.^j\  (Dsch.),  ундй  (Kir.), 
ѳндіі,  (Kas.)] 

rufen,  einladen,  ашка  ундарман  (ascaundarmen  17, 

undarraen  61,  undemen  137),  тоі§а  ундадім,  унда 

(toyga  undadum,  unda  17). 
ундііт  (v)  [Factit.  von  унда] 

rufen  lassen,  einladen  lassen,  ундатті  (undetti  21 7, i). 
yp  (v)  [yp,  öp  alle  Dialecte] 

bellen,  ІТ  урадір  (yt  uradir  134),  іт  урді  (yt  urdi) 

134). 
ypnäK  [vergl.  onpak] 

Schmuck  am  Kleide  =  kruwsp  (игрек  221). 
уШш  (v)  [у/Ч^-^  (Uig.),  (Таг.  Osm.),  уіаш 

(Tel.  Abak.),  уіош  (Bar.  Alt.  Kkir.),  ylöc  (Kir.),  ѳіаш 
(Kas.)] 

Iheilen,  vertheilen,  уіашірман,  уіаштім,  уіашкіі,  уіаш- 

MäK  (ulasurmen,  ulastum,  ulaschil  ulasmac  20). 
уіуш  [^«^t?^--  (Uig.),  (Dsch.),  ёіѳш  (Kas.)] 

der  Tb  eil  (ulus  85). 
ут  (v)  [ут  (Kir.),  ѲТ  (Kas.)] 

sengen,  утарман  (utermê  224). 
утіу  [уткір  (Tob.),  уткін  (Kas.)} 

scharf,  spttz  (utlu  144,i). 
утмас  [утпос  (Alt.),  утмйс  (Tob.  Kas.)] 

stumpf  (unamas  134). 
уц  [уч,  уш,  ус,  ѳч,  ѳц  alle  Dialecte] 

drei  (uc  161,5,  10,  217,5). 


Das  tüekische  Speachmaterial  des  Codex  Comanicus. 


21 


учау  [eVMy^-^  (Uig.),  /Ljl  (Dsch.),  учау  (Kir.),  учу 
(Alt.),  ѳчйу  (Kas.),  уцоу  (Bar.)] 
alle  drei,  уцауга  (ucövgä  207, з). 
уцун  [^-0^^-^  (Uig.j,  ù^jl  (Dsch.),  j^J  J^^.]  (Osm.), 
учуе  (Alt.),  уііуы  (Ab.),  ушун  (Kir.),  уцун  (Bar.  Tob.), 
ѳчѳе(Ка8.),  ѳцѳн  (Misch.)] 
wegen  (ucun  65,  69,  70,   158, i,  ii,  18,  159,15, 
169,6,  207,6, 10,  219,16,  uzun  78,ucim  1 58, 16,  ucum 

167,6,  neu  161,12,  163,5,6,12,15,  164,1,2,  165,11, 

169,4  193,1,  neu  168,12,),  аыьщ  уцун  (anig  ucun 
65,  aninucum  70),  на  уцун  (neuzun  70), 

уцунці  [von  уц] 

der  DriUe  (uzunzi  85,  ucunci  167,6,  vcunci  212,i). 

уцИк  [=уцн-1ік] 

Dreiheit  (uclik  141,  ucluk  210,i). 

ускуіі  [J^:..)  ускуі  (Osm.)] 
Lein,  linnen  (usculi  106). 

уст  [-.^^lû-i  (Uig.),  C^j]  (Dsch.  Osm.),  уст  (Alt.  Abak. 
Kir.),  ѲСТ  (Kas.)] 
Obertheil,  oberer  Theil,  усту  (uxi  113),  устун  (ustun 
70,  190,17,  wstwn  160,10),  устунда  (ustunda  70, 
184,  ustûda  145,5,  161,6,  iistüde  162,3,  ustiiide 
164,8,  wstunda  165,8,  wstude  171,7,  usfida  144, із), 
сырт  устунда  (sirtwstû  de  170,б). 

устунгу  [уст-*-інн-гі] 

oben  befindlich  (ustungu  204,8,  ustungi  206,4). 

уз  (v)  [/^^^  (Uig.),  S.^jjl  (Dsch.  Osm.),  yc  (Alt.  Abak.), 
уз  (Таг.  Kir.),  ѲЗ  (Kas.)] 
zerreissen,  zerbrechen,  узду  (uzdi  204,14). 

узацгі  l^ljjl  (Osm.),  узацга  (Таг.  Dsch.),  узаца  (Tel.), 
узацгі  (Tob.),  ізащ  (Abak.),  ізацгу  (Bar.),  ѳзаці 
(Kas.)] 

Steigbügel  (uxangi  122,  uzêgi  145,5). 
узук  [узук  (Tel.),  (Meng.)] 

Buchstabe,  ол  сознуц  узугі  (о1  sösning  usugi  225). 
ушу  (v)  S^^^J  (Osm.),  ушу  (Tob.),  рку  (Tel.),  ѳшѳ 
(Kas.)] 

frieren,  ушурман,  ушудум  (ussurmen,  usidum  27, 
usurmê  234). 


К. 

kai  [Pronominalstamm  (relat.  oderinterrog.),  der  in  allen  Dia- 
lecten  auftritt] 

kai  сані  dass  dich  (kayseni  163,6),  каіма  (cliaima  69, 

kayma  184)  v/er  auch  immer, 
kaigbi  [v^-^*^^  (Uig.),  уи\з  (Dsch.),  kaigbi  (Kir.  Kas.), 
kaigy  (Tob.  Bar.)] 

Kummer,  каідысы  (kagisse  170,5),  каігымысны  (kay- 

gimisni  187,12). 
kaigbip  (v)  [(>ûllî^^^  (Uig.),  kaigbip  (Kir.  Kas.)] 

Kummer  haben,  каі§ырсам  (kaygirsa  163,5),  каідыр- 

мак  (kaygirmach  167,5). 
каін  [j^^^"4î.  (Uig.),  казын  (Abak.),  ^Іі  (Dsch.  Osm.), 
kajbm,  каін  (Kir.  Alt.  Kas.)] 

Schwiegervater  (chain  114). 
каіна  (v)  [dl^LU  (Dsch.  Osm.),  каіна  alle  Dialecte] 

kochen  (intr.)  (vergl.  каінат). 
каінат  (v)  [Factit.  von  каіна] 

kochen,  zum  Kochen  bringen,  каіеатырман,  каінаттым, 

каінатыр  (caynaturmen,  caynatim,  caynatur  10). 
каіт  (v)  [jUoU  (Osm.),  каіт  (Tel.  Kir.  Kas.  Tob.  Bar.] 

zurückkehren,  каітарман,  каіттым  (caytarmen,  caytum 

50,  kayturmen,  kaytum  51),  каіткыл  (kaytcliil  5 1), 

каіткаі  (kaytgei  220, з). 
каітар  (v)  [Factit.  von  каіт  =  каітар  (Kir.  Kas.)]; 

zurückgeben,  zurückbringen,  каітарыман,  каітардым, 

каітардыл  (chaytarumen,  chaytardun,  chaytargil  48, 

kaytargil  141). 
каіда  [alle  nördlichen  Dialecte] 

wo?  (chayda  72,  kayda  162,2, 163,9, 188,io,  144,8, 

kayde  1 66,15),  каіда  тур  (chaydatur  161, 10). 
каідан  [alle  nördlichen  Dialecte] 

von  wo  (cliaydam  72). 
каісы  [v>^ûii.,^  (Uig.),  ^^шy  [з  (Dsch.),  каісы  (Kir.  Kas. 
Tob.)] 

was  für  ein  (cliaysi  76,  kaysi  164,з),  каісыеы  (kay- 
seni 171,5). 

каіш  [(jijls  (Dsch.  Osm.),  каіш  (Alt.  Kas.),  kaic  (Kir.), 
kac,  каш  (Abak.)] 
Riemen  (hays  145,9). 


22 


W.  Radlopf. 


kaye  [ijy^\.s  tjjlji  Melone,  каун  (Kir.  Kas.)] 

die  Melone  (coun  126). 
какыр  (v)  l^-cjili  (Dsch.),  какыр  (Kir.  Kas.),  kagbip  (Alt. 
Abak.  Tob.)] 

sich  räuspern,  какырдым  (kakirdim  136). 
кадал  [=  pers.  Jssk'] 

langsam  (kagal  87,  chahal  116,  kahal  181). 
кадаллык  [=ка§ал-і-лык] 

Langsamkeit  (gahalluk  181). 
кадат  [=  pers.  jb\^] 

Papier  (chageth  91). 
кады  (v)  [ѵЯ^  (Uig.)] 

schimpfen,  tadeln,  кадырман,  кадыдым,  кадыдыл,  ka- 

дымак  (cagirmen,  cagidim,  cagigil,  cagimac  10). 
каца 

Brett  (tacta  canga  120). 

kaja  [Li  (Osm.),  kaja  (Alt.  Abak.)] 
Felsen  (kaia  136). 

кан  (Uig.),  (jlis  ^jU  (Dsch.),  кан  (Alt.),  кан 

(Kir.  Tob.  Abak.  Kas.)] 
Kaiser,  Fürst  (can  104,  105,  hâ  187,16,  han  191, 12, 
chan  161,8,  10),  kae  катыны  Kaiserin  (can  catonj 
105),  каыньщ  (haning  209,5,  lianing  197,9,  hanning 
200,11,  haning  208,9),  канда  (changa  161,5,  із), 
канеы  (channi  161, 10),  каны  (hani  2 07, 14,  2 13, б), 
каньщ  (kaning  142),  канымыз  (hânimis  190,іб). 

kae  [alle  Dialecte] 

Blut  (кап  79,  209, i),  канын  (kaning  214,б),  каны 
(kani  144,10,  209,5),  каньгаы  (kanini  213,i). 

канат  [alle  Dialecte] 
Flügel  (hanat  180). 

канлы  [=:кан-нлы] 
blutig  (canli  170,б). 

канлык  [=кан-ч-лык] 

das  Reich,  Königreich,  канлыкта  (chan  licta  163, 10), 
канлыкыв  (hanlechin  171,8),  канлыкыньп^  (hanli- 
hening  212,4). 

кандала  [(Bar.  Kas.  Tob.)] 
die  Wanze  (candala  129). 

канцык  [j^i^l-э  канцык  (Dsch.  Osm.),  канцык  (Bar.  Tob. 
Misch.),  кавчык  (Kas.)] 
die  Hündin  (kacik  224). 


кар  [alle  Dialecte] 

Schnee  (kar40,  char  82),  кар  ]адды,  кар  jagap  (kar 

yagdi,  kar  yayar  40). 
кара  [alle  Dialecte] 

1)  schwarz  (chara  108,  kara  143,8,  145,2,  146,8, 
173, 174),  кара  tîh  Eichhörnchen  (caratein  97),  кара 
кузан  (charachusan  98),  ашру  кара  sehr  schwarz  (asru 
kara  173),  kapapak  (cararac  174),  кара  куш  Adler 
(charachus  129,  kara  kus  180). 

2)  Tinte  (chara  91). 
кара  (v)  [alle  Dialecte] 

schauen,  карадым  (karedim  135). 
kapay  (кару  (Alt.  Tob.)] 

Belohnung  (cliarau  46),  kapay  баріман  (carau  beru- 

men49),  карауны  câ  барді  (karavnisaabêdi201,3), 

kapawbiMbi3  (karovimiz  207,i). 
каракцы  [^^IjU  (Dsch.),  каракчы  (Tel.  Kas.)] 

Räuber  (karakci  213,5). 
карацу  [(3^*^*{c,  (Uig.),  ^1 jls  ^fjln  (Dsch.  Osm.),  ka- 
рацгы  und  карацы  die  übrigen  Dialecte] 

dunkel  (carangn  82,  karangi  142). 
каранФыл  [!=^з^-^ЧІ  (Uig-)>  J^i/^  (arab.)] 

die  Nelke  (garanful  92).  Die  Schreibung  des  f  ist  gewiss 

durch  einen  Schriftkundigen  veranlasst, 
каралык  [=каран-лык] 

Schwärze  (karalic  174). 
kapap  (v)  [jLcjljli  (Dsch.  Osm.  Alt.),  kapai  (Kir.  Kas.)] 

schwarz  werden,  карармак  (chararmak  86),  карарды 

(kara^'di  200,іб). 
карабар  [=pers.  L._^yrund  jb_/^] 

Ambra  (charabar  94). 
карабат  [=arab.  CjL>)>] 

Bordell  (charabat  104). 
караваш  und  (^_^э  (Osm.)  Sclavin,  entstanden  aus 

каран- баш] 

Dienerin  (carauas  105,  karavas  181),  gewiss  aus  der 
osmanischen  Schriftsprache  entlehnt, 
кары  [(Alt.  Bar.  Leb.  Kas.)] 
Elle,  Ellenbogen  (chai  98). 

кары  (v)  [^у^  (Uig.),  j^jU  (Dsch.),  кары  (Alt.  Kir. 
Abak.  Tob.)] 
alt  werden,  карымак  (charimac  86). 


Das  türkische  Speachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


23 


карын  [alle  Dialecte] 

der  Bauch  (caren  III,  karin  215,12). 
карындаш  [карындаш  (Alt.  Kkir.  Kas.),  карындас  (Kir.), 
j^i^-^  (Uig.),  J^lj^ß  (Rbgusi),  J-bjU  (Osch. 
Ö'sm.),  кардаш  (Krm.)] 
Bruder  (charandas  114),  карыедашын  (karidasin 
185),  кыз  карындаш  (chez  charandas  114). 
карыл  (v)  [(Kas.  Bar.)] 

heiser  werden,  yey  карылды  (uni  karildi  223). 
карыш  (v)  [/^н^,  (Uig.),  ^jJLjjIs  (Dsch.  Osm.),  карыш 
(Kas.)] 

1)  sich  entgegenstellen,  карышырмгін,  карыштым,  ка- 
рыш, карышмак  (karisurmen,  karisitim,  karis,  ka- 
rismac  21). 

2)  sich  vermischen  (vergl.  карыштыр). 
карыштыр  (v)  [von  карыш] 

untereinander  mischen,  карыштырыман,  карыштыр 

(caristururmen,  caristur  36). 
карыФ  [=arab. 

unverständig  (k(c)r(y)f  67). 
kapga  (v)  [^-^i^(Uig,),kapga(Alt.Âb.Kir.Khir.Tob.Kas.)] 

verfluchen,  кардады  (kargadi  135). 
кардыш  [y/^^^  (Uig.),  ^Ь,[э,  кардыш, кардыс alle 
nördl.  "Dialecte] 

der  Fluch  (vergl.  кардышлы). 
кардышлы  [=кардыш-і-лы] 

verflucht  (chargesli  84,  ka'gizludur  168,б). 
карт  [OjU  (Osm.),  карт  (Kir.  Kas.  Bar.  Tob.)] 

Greis  (Chart  87,  116). 
карц  [=  arab.  ^^i] 

Ausgabe,  карц  атарман  (charg  etarmen  25).  Die 

Schreibweise  charg  (=  charg  für  charc)  ist  durch  die 

Schriftsprache  veranlasst, 
карцыда  [Iâ.?.jU  ^^Цчг^^іэ  (Dsch.),  карчыда  (Alt.  Kas.), 
каршыда  (Kir.),  карцыда  (Bar.  Tob.  Misch.)] 

der  Habicht  (carciga  129,  karcaga  180). 
каршы  [0-V^*AS  (f'g-)>  u^j^  (Dsch.),  y.jU  (Osm.),  кар- 
ты (Kas.)] 

entgegen,  каршы  барды  (karzi  bardi  165, i,  165,5). 
карп 

Geräusch  des  Zuschlagens,  Zuklappens  (karp  146,із). 
карма  (v)  [j^UjU  (Dsch.),  карма  (Alt.  Таг.  Kir.  Kas.)] 
ergreifen,  tasten,  кармадым  (carmadim  III). 


кариак  [alle  nördlichen  Dialecte] 
Angel  (harma""  144, 12). 

кармала  [jo'^UjU  (Dsch.  Vanb.)] 

ungeschickt  um  sich  greifen,  кармаларман  festino  (kar  • 
malarme  232). 

кал  (v)  [alle  Dialecte] 

bleiben,  калырман,  калдым,  калдыл  (calirmen,  cal- 
dim,  calgil  35,  kalurmen,  kaldum,  k-elgil  51),  кал- 
дан  (ghalgan  85),  калды  (kaldi  195, 13). 

кал 

wild  (kaal  225). 
кала  [=  arab.  isla,  кала  (Kas.)  Stadt] 

Dorf  (gala  89),  Festung  (kalaa  89),  letzteres  ist  gewiss 

von  einem  Schriftkundigen  dictirt. 
калаі  [калаі  (Osm.  Tel.  Kir.  Kas.)] 

Zinn  (kalay  97). 
калам  [=  arab.  ^lä] 

Schreibfeder  (kalam  90,  chalan  102). 
калыц  [^^ti^S  (Uig.),  ^;^JI-9  (Dsch.),  калын  (Abak.  Kas. 
Osm.),  калыц  (Alt.  Kir.)] 

dick  (kaling  139). 
калып  [c^Jli  (Osm.),  калып  (Alt.  Kir.  Osm.  Kas.),  kaiin 
(Таг!)]' 

Leisten,  Form  (kalip  99). 
калкан  [Ь*^^е^  (Uig.),  jUU  (Dsch.  Osm.),  калкан  (Kas.), 
калка  (Alt.)] 

der  Schild,  каіканы  (kaikam  170,i). 
калтак 

Kupplerin  (chaltac  104,  caltac  117). 
кат  [cLü  (Dsch.  Osm.),  кат  (Alt.  Kas.)] 

Schicht,  Mal,  біркат,  акікат  (birchat,  ecchi  chat  83). 
кат  [cjU  (Dsch.  Osm.),  кат  (Таг.  Kas.  Soj.)] 

Seite,  катында  (catinda  64,  chatinda  67,  katinde 

164,14,  165,2,  kattinda  163,ii,  15). 
ката  [=  arab.  cLU] 

Fehler,  катамны  (hatimni  213,6). 
каты  [^^-^^Ki  (Uig-),        (Dsch.),  каты  (Kas.),  катты 
(Kir.),  катту  (Alt.)] 

stark,  fest  (kati  66,  chati87),  адым  каты  дыр  (ahim 

kati  dir  222)  die  Strömung  ist  stark, 
катын  [i^^^  (Uig.),  (Dsch.),   хотун  (Таг.), 

катын  westl,  und  südl.  Dialecte,  кадыт  (Alt.),  кат 
(Tel.)] 


24 


W.  Radloff. 


Frau  (hatun  208,1,  chaton  77),  катыны  (catonj  105), 
катыным  (hatumim  142),  катында  (katûga  157,2,  э), 
катынлар  (katunlar  172,2),  катынларньщ  (hatûlar- 
ning  197,4),  кам  катын  кіші  (kam  katim  kisi  9). 

катыр  [^^*<i,  (Uig.),  ^LU        (Osm.  Aderb.)] 

Maulesel  (chater  127),  тіші  катыр  (tisi  chater  127). 

каты  pan  [von  каты] 
heftig,  stark  (katirap  66). 

катылан  (v)  [=каты-і-лан] 
sich  zwingen  (katulangil  141). 

катыш  (v)  [катыш  (Kas.)] 

sich  vermischen  (vergl.  катыштыр). 

катыштыр  (v)  [=катыш-»-тыр] 

vermischen,  катыштырыман,  катыштырдым,  катыш- 
тыр, катыштырмак  (chatisturmen,  chatisturdum, 
chatistur,  chatisturmac  59). 

катыФа  [=  arab.  Äi^Ls] 
Sammet  (catifa  108). 

катты  [vergl.  каты] 

hart  (katti  174,  katte  171,2,  206,8,  katli  160,4), 
каттырак  (kattirac  174). 

када  (v)  [j-ebli  (Dsch.),  када  (Alt.  Abak.  Bar.  Kir.  Kas.)] 
annageln,  кадады  (kadadi  208,io). 

кадау  [jbU  (Dsch.),  кадак  (Kas. Kir.),  кадау  (Bar.),  каду 
(Alt.)] 

Nagel  (cadan  121),  кадаулар  (chadaklar  171,5). 
кац  (v)  [;v<(,  (Uig.),  (Dsch.  Osm.),  кач  (Alt.  Khir. 

Kas.),  кац  (Bar.  Tob.  Misch.),  каш  (Kir.)] 

fliehen,  кацырман,  кацтым,  кацкыл  (chazarmen, 

chaztum,  chazchil27),  качты  (kacti  164,із),  кацтыц 

(kaztig  165,4). 
кац  [=  pers.  ^U] 

Kreuz  (ghac77,  chac  171,5,6,  hac  209,6,9),  кацныц 
(hacning  208,9),  kaцka(hacka  189,i4, 203,8,  208, lo, 
212,1,  214,2,4),  кацта  (hacda  193,4,  200,14),  кац- 
тан  (chacdan  169,з,  hatca  202,8). 
кацан  [^МгЧІ.  {^'Щ-)'  (Dsch.  Osm.),  качап  (Alt. 

Kas.),  кацан  (Tob.  Misch.),  кашан  (Kir.)] 
wann  (chazan  70,  kacan  159,4,  8,  160,4,  162,i,  з, 

163,4,  5,  164,10,  12,  13,  15,  165,5,  12,  13,  167,12,  15, 

186,10,  199,6,  200,9,14,  hacan  192,14,  kaca  193,6, 
13,  200,9,  204,15). 


кацыр  (v)  [Factit.  von  кац] 

vertreiben,  кацырдыл  (kacirgil  206, ii). 

kacan  [=  arab.  c^Li] 

Schlächter  (casap  101). 
каз  [alle  Dialecte] 

Gans  (chax  130). 
каз  (v)  [alle  Dialecte] 

graben  (vergl.  казма). 
казан  [alle  Dialecte] 

Kessel  (сЬахан  124),  казан  а]а§ы  Dreifuss  (caxan  ayac 

124). 
казык  [alle  Dialecte] 

der  Pflock,  алтын  казык  derPolarstern  (altû  chazc  161  ,б). 
казыз  [=  arab.  JjJc] 

lieb  (ghes,  hess  64). 
каздан  (v)  [j^-^i<^.  (Uig.  ),  jjlcjU  (Dsch.),  каздан (Kas.)] 

erwerben,  казданырман,  каздандым,  каздандыл  (сах- 

^anirmen,  cax^andim,  cax%ngil  8). 
казна  [=  pers.  <Ц>^] 

Schatz,  казеасы  (kasnasi  205,9). 
казнацы  (=казнан-цы). 

Schatzhüter  (kasnaci  230). 
казма  [vergl.  каз] 

der  Graben  (chasma  102). 
каш  [Ji\j»  (Osm.),  каш  (Alt.  Bar.),  kac  (Kir.)] 

Sattelknopf,  алдындады  каш,  артындады  каш  (altin- 

dagi  cas,  artindazi  cas  122). 
каш  [каш,  kac  alle  Dialecte] 

Augenbraue  (cas  110). 
кашы  (v)  [j«^li  (Osm.),  кашы  (Tob  .Kas.)] 

sich  kratzen,  кашырман,  кашыдым,  кашырдыл  (kassir- 

шеп,  kassadim  29,  casirmen,  casidun,  casigil  29). 
кашык  (v)  [^з^ііі  (Dsch.),  кажык(А11.),  касык  (Kir.),  ка- 
шык  (Tob.  Kas.)] 

Löffel  (chasuc  124). 
кашка  [Uili  (Dsch.),  кашка  (Bar.)] 

kahl  (kaska  234). 
кашрау 

Striegel  (chasrau  122). 
кап  [vergl.  каб  орта  (Alt.)] 

(Sack?),  кап  орто  grade  in  der  Mitte  (hap  ortada  1 44,io). 
капыц  [vergl.  кап] 

Beutel,  Säckchen  (chapuc  97). 


Das  tüekische  Speachmaterial  des  Codex  Comanicus. 


25 


kanca  [vergl,  arab.  ki=.  Aufbewahrung] 

die  Lade  (kapsa  222). 
кабан  [оЦ^  (Dsch.),  кабан  (Kas.  Kir.)J 

Eber,  wildes  Schwein  (kabaii  181). 
кабак (кабык?)[Л^^{(,  (Uig.j.^Aä  (Osm.),  капы  (Kas.)] 

Thür,  Thor,  кабакы  (kabagi  186,6),  кабакындан  (ka- 

bakindan  188,6),  кабакыны  (kabakini  206,9). 
кабар  [~  arab.^J 

Nachricht  (habar  39). 

кабаба  [=  arab.  «^Іаі] 

uva  malativa  (chababa  93). 
кабык  [j^jLä  (Osm.),  кабык  (Tel.  Tob.  Kir.  Kas.)] 

Rinde  (cabuc  125). 
кабык  (кабак?)  [jU  (Dsch.  Osm.),  кабак  (Kas  )] 

Kürbis  (cabuc  127). 
кабырда  [alle  Dialecte,  кобурда  (Таг.)] 

Rippe  (chaburcha  112). 
кабыл  [=  arab.  J^J 

einverstanden  (kabul  eter  183). 
кам  [=pers.  |dU] 

unreif,  sauer  (gham  84,  can  108). 
кам  [yù-^i^  (Uig-),  кам  östl.  Dial.] 

Zauberer,  кам  катын  кіші  (kam  katuii  kisi  9)  Zauberin, 
кам  (у)  [=^ii  (Uig.)] 

binden,  камдыл  (cangil  231),  камады  (en  kamadi 

julic?). 

камал  [=  arab.  jC»] 

der  Träger  (charaal  103). 
камал  (v)  [vergl.  камал  (Kir.)  sich  zusammenfinden] 

wimmeln  (es  wagat),  камала  дыр  (karaaladir  230). 
камар  [=  arab._^A«=>] 

Riemen  =  bragejus  (chamar  121). 
камыр  [=  arab.  ^^^] 

Teig  (chamir  103). 
камыш  [alle  Dialecte,  камыс  (Kir.)] 

Schilf,  Rohr  (hamis  145,6),  камыш  башы  (hamisdasi 

145,7). 
камуш  [=pers.  ^^Л^] 

schweigsam,  камуш  тозуміу  кіші  (charnus  toziilii  chisi 

116). 

камлык  [=кам-і-лык] 
fljji^   Zauberei,  камлык  атарман  ich  zaubere,  wahrsage  (kam- 
Щт  lik  etermen  9). 

^^^K        Mémoires  de  l'Âcad.  Imp.  d.  so,  ѴП  Série. 


камцы  [камчы  (Alt.  Khir.  Kas.),  камг,іы  (Abak.),  камцы 
(Rar.  Tob.  Misch.),  камшы  (Kir.)] 
Peitsche,  Knute,  камцыдар  (kamsiiar  171,2,  kamizlar 

171,4). 

koi  [0-=4s  (Uig.).  (Dsch.),  koi  (Alt.  Abak.  Kir.  Rar. 

Tob.),  kyi  (Kas.),  (Osm.)l 
Schaf  (choi  99,  coy  128,  134,  choy  128,  koi  144,17, 
akkoy  143,12,  koy  14 5, 12),  коілар  (koylar  159,5). 

koi  (v)  [-^û^  (Uig.),  (Dsch.).  (Osm.),  koi 

(Alt.  Kir.  Rar.),  kyi  (Kas.)] 
loslassen,  lassen,  kojapMän,  коідым,  коідыл,  коідан 
(соагшеп,  coydum,  coygil,  coygan  19,  coyarmen, 
coydum,  coygil  46,  coyarmen  ect.  48),  koica  (koysa 
1 66,1),  коімада  (koymaga  1 67,7),  kojyn(koxup  1 90, 14, 
koyup  214,7),  koja  дырдан  (kojedirgan  143,4). 

коідаш  (v)  [коідаш  (Schor.)  einander  umarmend  liegen] 
zusammen  sein,  біз  коідашып  ]аттык  (bis  koigasip 
jattik  134). 

коішкан  (куіскан  (Kir.)] 

Schwanzriemen  (coyscan  122). 

koy(?),  ky  [=koy  (Tum),  ky(Kas.)J 
Zunder  (chou  90). 

коцрау  [коцрау  (Rar.  Kir.),  kyqpay  (Kas.),  ѣоцру  (Alt.)] 
Schelle  (hongrau  235). 

koqpau  (v) 

murmeln,  коцранырман  (congranirmen  136). 
koja  [=  pers.  «uly^J 

Herr  (coia  105). 
kojau  [kojau  (Rar.  Kir.),  kojoH  (Alt.),  kyjau  (Kas.)] 

Hase  (coyan  97,  128,  koyan  147,4). 
ко]ул  (v)  [Pass.  von  koi] 

hineingelegt  werden,  ко]улмыш  (koyulmis  159,8). 
koH  (v)  [alle  Dialecte,  кун  (Kas.)] 

übernachten,  конды  (kondi  1 88,10,  kodi  201,4),  кон- 

дыц  (kôding  200,4),  конуп  тур  (konuptur  189, 10). 
конак  [конак  (Alt.),  конык  (Rar.  Kir.),  кунак  (Kas.)] 

Gast  (vergl.  конакла). 
конакла  [=конак-і-ла] 

zu  Gaste  sein,  besuchen,  конакларман,  конакладым, 

конакла  (conaclarmen,  conaclardum,  conacla  7). 
конаклык  [=конак-і-лык] 

Gastfreundschaft  (chonaclic  89). 


26 


W.  Radloff. 


конуш  [von  кон,  vergl.  конуш  (Bar.)] 

Aufenthalt,  коеушка  (konisga  193,іб),  конушьщ  (ко- 

nusing  201,1). 
кондур  (ѵ)  [Fact.  von  кон] 

zur  Nacht  bei  sich  behalten,  übernachten  lassen,  кондуру- 

MäH  (condurumen  fälschlich  =  conaclarmen  7),  кон- 

дурдьщ  (kôdurdiûg  190,9). 
конц  [4f^  (Osm.),  конч  (Alt.),  конц  (Bar.),  куиыц  (Kas.)] 

Stiefelschaft,  Schienbein  (chonc  113). 
коншы  [vergl.         (Osm.),  коцшу  (Aderb.)J 

Nachbar  (consi  115). 
kop  [=  pers. 

Schande  (hör  230). 
kop  (Köp?)  [=  pers._j.^r] 

blind  (cor  116). 
kopk  [alle  Dialecte] 

fürchten,  коркарман,  корктум,  корккул,  коркмак 

(chorcharmen,  cliortun,  chorchil,  chormac  46), 

kopkca  (korchsa  1 6  8,1),  коркмадыл  (korkmagil  2 1 6,4). 
коркунц  [ѵЗ-^^^й'  (t'ig-)?  ^^bf  (Osin.),  коркыш  (Alt.), 
куркыныч  (Kas.)] 

Furcht,  коркунц  6ilä  (chorcunz  bila  65). 
коркунцы  [коркынчак  (Alt.)] 

furchtsam,  коркунцы  koi  (korkiici  koi  136). 
kopkyk  [vergl.  ^^^^'^  (Uig.)] 

Furcht  (korkuki  170,5), 
коркут  (v)  [Faclit,  von  kopk] 

erschrecken,  коркутмак  уцун  (korkutmac  ucun  233). 
кордашын  [кордожын  (Alt.),  кордалпын  (Leb.),  корда- 
сын  (Kir.),  кур§ашын  (Kas.)] 

Blei  (corgasin  96),  кордашындаи  (korgasindan  138), 

ak  кордашын  (accorgasin  96)  Zinn, 
корла  (v)  [— кор-+-ла] 

beschämen,  корларман  (horarmê  230,  horlarmê  233). 
корла  (v)  [vergl.  хоррак  (Таг.)] 

schnarchen,  корларман,  корлады,  корлаі  дыр  (corlar- 

men,  corleydir,  corladim  134). 
кол  [t?<l,  (Uig.),       (Dsch.),  alle  Dialecte;  кул  (Kas.)] 

der  Arm  (chol  112),  колыны  (kolini  204,5),  коллар- 

ныц  (kollaîng  197,12),  колларыцны  (kollaringni 

192,6),  колларыыда  (kollarinda  209,б),  cag  ко- 

лында  (sakolinda  160,4),  колыц  ацып  (kolagacep 

143,4j. 


кол  (ѵ)  [t?((,  (Uig.),  jly  (Dsch.)] 

bitten,  коларман,  колдым,  колдыл,  колмак  (colarmen, 

coldum,  colgil,  colmac  43),  колдан  (colga  142). 
колыцан  [=  pers.  ^jlstJy.] 

alpinia  galanga  (clioligian  95). 
колтук  [alle  Dialecte,  култык  (Kas.)] 

Achselhöhle  (coltuc  181). 
котур  [котур  (Kir.),  кодыр  (Alt.  Tel,  Abak.),  кутыр 
(Kas.),^^^  (Dsch.)] 

Grind  (vergl.  котурлу). 
котурлу  [— котур -ьлу] 

grindig,  котурлу  (choturlu  117). 
коцкар  [кочкор  (Alt.),  кошкар  (Kir.),  кучкар  (Kas.), 
jLia.y  (Dsch.)  vergl.  (Bbgh.)] 

Widder  (gozchar  128,  köckar  180,  kockar  144,з). 
коз  [vergl.  кузук  (Alt.)] 

Nuss  (chox  95,  106,  hoz  147,3,  сох  125). 
козы  [0-V^-(L  (Uig-)'  ^jf  (Dsch.),  _5j_j9  (Osm.),  коза 
(Таг.),  козу  (Kir.),  кузы  (Kas.)] 
Lamm  (coxi  128,  koz  179). 
коздалыш  (v)  [j«lcjy  (Dsch.),  коздал  (Kir.),  куздал 
(Kas.),  косколоц  (Alt.)] 
aufwühlen,  aufstöbern,  коздалышырман  (kozgalisirmê 

231)  . 

кош  [—  pers.  ,^^i] 

gut  (chos  88,  ghos  69),  кош  Köqyl  6ilä  (ghos  coDgul 
bila  67). 

кошак  [^^^^<i,  (Uig.),  кошак  (Таг.),  кожоц  (Alt.)] 

Gesang  (cosac  118). 
кошадан  [кос  (Kir.)] 

Reisezelt  (?)  (chosagaii  123). 
кошыцы  [vergl.  (Uig.),  j«-^«  (Dsch.),  кош  (Alt.)] 

Verfasser  (kossigi  184). 
кошул  (v)  [vergl.  кош  östl.  Dial.J 

ajak  кошулдыл  =  strecke  die  Füsse  (?)  (ayak  kosulgil 

232)  . 

кошу  рук  [=  тужак  (Alt.)] 

Koppel  für  die  beiden  Vorderfüsse  und  einen  Hinterfuss 

(vergl.  кошурукла). 
кошурукла  (v)  [=кошурук-і-ла] 

drei  Füsse  der  Pferde  koppeln,  кошурукларман  (kosu- 

ruklarme  223). 


Das  tüekische  Speachmaterial  des  Codex  Comanicüs. 


27 


коп  (v)  [-^^^i  (Uig.),         (Osm.),  коп  (Таг.)] 

aufstehen,  коптым,  копкыл  (choptum,  cliopchil  57), 
копты  (kopti  193,G,  212,2),  копмакдыкын  (kopmak- 
likin  212,11). 

кобар  (v)  [CSAa'^\s  (Uig.)] 

aufrichten,  кобарымьш,  кобардым,  кобар,  кобармак 
(coparurmen,  cobardmi,  cobar,  cobarmac  24). 

konca  (v)  [im  Zusammenhang  mit  кобуз  (Kir.)  geigenartiges 
Musikinstrument] 
besingen,  koncan  турур  (kopsapf ur  198,і),копса§аны 
Psalmen  (copsagani  209,4). 

кобуз  [кобуз  (Kir.)] 

der  Kobus  (eine  Art  Geige)  vergl.  кобузцы. 

кобузцы  [=кобузч-цы] 

der  Kobusspieler  (cobuxci  103). 

кыіы  [^^<î,  (Uig.),  j^ä  (Dsch.),  кыін  (Kir.  Kas.  Tel.)] 
Qual,  Marter  (kyn  169,2,  kin  209, lo,  212,i),  кыіным 
(kinnym  169,2),  кыінларын  (kimlarin  169,7),  кыінны 
(купе  169,8). 

кыіна  [y-^^^-(s  (Uig-)>  ä*^^^''  (ßsch.),  кыіна  (Tel.  Alt.  Kir. 
Kas.)] 

quälen,  кыінады  (kinadi  138),  кыінадылар  (kina'di- 
lar  170,2),  кыінарсан  (kiyuarsen  213,4). 

кыіеау  [von  кыіыа] 

Qual,  кінау  (kinov  138). 

кыінал  (v)  [Pass.  von  кыіиа] 

sich  quälen,  кыіпалып  (kinalip  134). 

кыімат  [=  arab.  ^«лэ] 
Preis  (vergl.  кыіматсыз] 

кыіматсыз  [=кыімат-і-сыз] 

ohne  Preis,  Köp  кыіматсыз  (korkima^sis  209, g). 

кыімыш  (v)  [vergl.  кыімыр  (Kir.)] 

projicio,  кыімышырмап,  кыімыштым,  кыімышкыл 
(chemisurmen,  chemistim,  cliemischil  46). 

kbijap  [=  pers.  jIa^] 

Gurke  (chear  126),  kbijap  шамба  Gassia  (chear  sam- 
ba 92),  ^LijLk  pers. 

кын  [alle  Dialecte] 
Scheide  (kin  138). 

кына  [Lui  (Osm.),  кына  (Kas.),  =  arab.  u^] 

Saft,  mit  dem  man  die  Fingernägel  färbt  (kina  143,7). 


кыл  (v)  [alle  Dialecte] 

machen,  кылалым  (кіИаІіш  219),кылды  (Idldi  189, ii, 
193,12). 

кылык  [^^tè<(,  (Uig.),  кылык  (Alt.  Abak.  Kir.)] 

Naturell  (vergl.  кылыклы). 
кылыклы  [=кылыкн-лы] 

ehrlich,  von  gutem  Naturell  (chelecli  115,  killihli  182), 

jätpl  кылыклы  von  leichtem  Naturell  (jengil  кі11іЫі22б). 
кылын  (v)  [Reil,  von  кыл] 

für  sich  machen,  кылыналым  (killinalim  219). 
кылыц  [/j^t~Ki,  (Uig  ),         (Dsch.  Osm.),  кылыч  (Alt. 
Kas.),  кылыш  (Kir.),  кылыц  (Bar.  Tob.)] 

das  Schwert  (clic  101,  cliz  118),  кылыцлар  (ki...lar 

170,2),  кылыц  устасы  (clic  ostasi  101). 
кыр  (v)  (Uig.),  ^*^лі  (Dsch.),  кыр  (Alt.  Abak.  Kir. 

Kas.  Bar.)] 

umbringen  (vergl.  кырыл). 
кырау  [кырау  (Kir.  Kas.),  кыра  (Abak.)] 

Reif  (kirov  234). 
кырыі  [j-o^^.3  (Dsch.),  кырыц  (Abak.),  кырыд  (Schor.), 
кырыі  (Kas.)] 

Rand,  кыры]ына  (krîna  146, и), 
кырыл  (v)  [Pass.  von  кыр] 

umkommen,  sterben,  кырылды  (kirildi  227). 
кырк  (v)  [alle  Dialecte] 

abscheeren,  кыркар  (kirkar  222). 
кыркма 

ein  geschorenes  Fell  (kirchma  132). 
кырлыш  (v) 

sich  streiten,  кырлышырман  (kirliscliirmen  132). 
кырда 

Strick,  Tau  (chirda  103). 
кырмызы  [,^>в/АЭ  (Osm.)] 

roth  (cremixi  108). 
кыцы  (v)  [кычы  (Alt.  Tel.  Kas.),  кыпы  (Abak.),  кыцы 
(Bar.  Krm.),  кышы  (Kir.)] 

jucken,  кыцыі  дыр  (kiciyder  136). 
кыцкыр  [О^^-^-ч^^  (Uig-),  J-i/^«F?  (Dsch.),  кыцкыр 
(Kiiar.  Bar.),  кышкыр  (Kir.),  кычыр  (Alt.)] 

schreien,  кыцкырыман,  кыцкырдым,  кыцкыр,  кыц- 

кырмак  (chezcbirirmen,  cbezchirdun,  cliezchir,  chez- 

chirmac  10),  кыцкырыр  (kyckerir  169,з),  кыцкы- 

рып  (kickerip  18 6, ig). 

4* 


2S 


W.  Radloff. 


кыс  (v)  [aile  Dialecte] 

drücken,  zusammendrücken,  кысарман  (kisarmen  138), 

кысты  (kisidi  235). 
кысыт  (v) 

bedrängen,  кысытмак  уцун  (kesetmac  ucun  233). 
кыска  (Uig.)>  '^^^^  (Dsch.),  d-ai  (Osm.),  кыска 

(Alt  Kir.  Kas.  Bar.  Tob.)] 

kurz  (chescha  72,86),  кыска  дур  (kizcliadur  164,2), 

кыска  кыска  (kisgakisga  146, lo). 
кыскалык  [=кыскан-лык] 

Kürze  (cheschalic  86). 
кыскац  [^L       (I)sch.),  кыскач  (Tel.),  кыскыч  (Kas.), 
кыскаш  (Kir.  Ait.),  кыскас  (Sag.)] 

Zange  (cheschac  96,  chescaz  96). 
кысла  (v)  [von  кыс] 

pressen,  кысламыш  (kislamis,  kflamis  144,io). 
кыста  (v) 

zwingen  (?),  кыстарман  (kistarmen  138). 

кыстрак 

Leopard  (chestrac  127). 

кыз  [alle  Dialecte] 

Mädchen,  Tochter,  Jungfrau  (chex  105, 1 14,  kyz  160,9, 
kiz  188,1,  189,1,  13,  190,7,  191,2,  lo,  i4,  192,ii, 
197,8,  12,  196,13,  194,9,  198,11,  202,2,  205,5, 
215,4,  8,  216,6),  äyAäri  кыз  Dienerin  (eudagi  chex 
105),  кыз  карандаш  (chex  charandas  114),  ары 
кыз  die  heilige  Jungfrau  (arikiz  207,4,  6,  208,4,  are- 
kyz  219,16),  кызныц  (kizning  216,8),  кыздан  (kizdän 
216,7). 

кыз  (v)  [кызы  (Tel.),  кыз  (Kas.)] 

glühen,  кызар  (kizar  227). 
кызар  (v)  [alle  Dialecte] 

roth  werden,  кызарып  jarap  (kizarip  jatir  230). 
кызыл  [alle  Dialecte] 

roth  (chexel  108). 
кыздан  (v)  [кыздан  (Kir.)  neidisch  sein,  (Kas.)  geizig  sein] 

bedrängen  (?),  кызданып  (chexganip  71). 
кызданцы  [von  кыздан] 

geizig  (kizganci  180,  185). 
кыш  [y/^<l,  (Uig.),  Ji^  (Dsch.  Osm.),  кыш  (Alt.  Tel.  Bar. 
Kas.  Tob.),  кыс  (Kir.)] 

Winter  (ches  83,  kes  181,  kis  145,4),  кыш  ai  No- 
vember (ches  ay  81). 


кышла  (v)  [=кышн-ла] 

überwintern,  кышлар  (kislar  145,4). 
кышлау  [j*iLi^i  (Dsch.),  кішіак  (Таг.),  кыстау  (Kir.), 
кышлау  (Kas.)] 

Wintersilz  (?)  (kislov  229). 
кыпты  [кыпты  (Schor.  Abak.  Küär.  Bar.)] 

Scheere  (chopti  98). 
ky  [ky  (Alt.  Abak.  Kir.),  y  (Dsch.),  ky  (Kas.)] 

bleich  (kuv  139),  ky  адацтан  (kuv  agacdan  143,14). 
by  (v)  [^  (Uig.),         (Dsch.),  ky  (Alt.  Kir.  Kas.)] 

verfolgen,  kuwapMäH,  кудым  (hnarmen,  hudim  137, 

hiivarmê  228),  kywыll  туруп  турум  (kûîipturup- 

tiirm  212,10). 
куан  (v)  [j-^'^  (Uig.),  j^j'y  (Dsch.),  куан  (Kir.),  куан 
(Kas.) 

sich  freuen,  sich  rühmen,  куандыл  (hoangil  22 1),  куан- 

мада  (koanmaga  194,б),  куандаі  (koâgai  202, із), 

куаналым  (koanalim  207,2). 
куанц  [/j^\3'^<i,  (Uig.),  куаныш  (Kir.),  куаныч  (Kas.)] 

Freude,  Ruhm  (koâci  202,з), 
куала  (ѵ)  [куала  (Kir.),  куала  (Kas.)] 

verjagen,  vertreiben,  куаларман,  куаладым  (hualar- 

men,  hualadim  137). 
куат  [=  arab.  ö'^'s] 

Stärke,  куаты  (koati  192,ii). 
куатлан  (v)  [=куат-і-ла-і-н] 

.sich  stärken,  stark  werden,  куатландыл  (hoatlangil  141). 
kyipyk  [Л^^а^;;^  (Uig.),  кузурук  (Abak.), 

(Dsch.),  kypyk  (Таг.),  kyipyk  (Bar.  Alt.  Kir),  кѳірѳк 
(Kas.)] 

Schwanz  (cuyrug  18),  kyipyky  (kuyruhu  148,7). 
kyjam  [^jib^  (Dsch.),  ку]аш  (Tob.),  кѳ]аш  (Kas.)] 

Sonne  (cuyas  78,  kujas  146, i,  kuiias  207,8),  kyjaшны 

(kuiasni  207,7),  kyjami'an  (ciijasden  142). 
kyjy  [^^  (Osm.),  kyjy  (Tob.),  keje  (Kas.)] 

Brunnen  (chuju  89,  kuiu  134). 
кур  (v)  (Uig.),  (Osm.),  кур  (Kir.  Bar.),  кѳр 

(Kas.)] 

stellen,  курмадыл  (kuurmagil  171, 12),  kypyn  (kuurup 
191,2),  ja  курарман  (jakurarm  179)  den  Bogen 
spannen,  курулта  kypap  (kurulta  kurar  229)  er  will 
Hof  halten. 


Das  tüekische  Sprachmaterial  des  Codex  Comanicus. 


29 


кур  [=  кур  (Alt.  Abak.  Kir.),  ^>û^  (Uig.),  jf  (Dsch.)] 

Leibgurt  (cur  120,  140). 
kypa  [vergl.  kypai  (Kir.),  кошурдаі  (Alt.)J 

Unkraut  (?)  (kovra  135). 
kypy  [Ла^^  (Uig.),  j^^^i  (Dsch.),  kypyk  (Таг.),  куру 
(Alt.  Abak.  Küär.  Kir.  Khir.),  кѳрѳ  (Kas.)] 
trocken  (churii  87,  126,  ku™  207,9,  kuru  216,7). 
kypy  (v)  [^^-^^i,  (Uig.),  (Dsch.),  kypy  (Таг.  Tel. 

Alt.  Küär.  Abak.),  кѳрѳ  (Kas.)] 
trocknen,  курумак  (curumac  86). 
курулта  [nnong.         reunion  assemblée  Kowalewski,  Dic- 
tion. Th.  II,  p.  954,  a  ^^^^  ras.semb!er  ibid  p.  958, 
=  v>^^^  (Uig.)] 
Hothaltung,  Volksversammlung  (kurulta  229). 
курум  V^jjf  (Osm.),  курум  (Kir.),  кѳрѳм  (Kas.)] 

Russ  (kurum  220). 
kypgan  [O^ji^  (Dsch.),  курдан  (Kir.)] 

Grabhügel  (kurgaii  222). 
курт  [^^û^  (Uig.),         (Dsch.),  курт  (Таг.  All.  Abak. 
Kir.),  кѳрт  (Kas.)] 
Wurm  (curt  129),  куртлаі  (kurtley  191,з). 
куртка  [^^'^û^  (Uig.),  Lijjy  (Dsch.),  kypTyjak  (Alt. 
Abak.)] 

alte  Frau  (kurtka  179,  232). 
курц  [/j^<i,  (l-'ig-).  курч  (All.  Tel.)  scharf,  кѳрѳч  (Kas.] 

Stahl  (kurc  223). 
kypcak  [jLj^ä  (Dsch.),  kypcak  (Alt.  Ab. Kir.),  кѳрсак  (Kas.)] 

Magen  (kursak  79,  cursac  113). 
курбан  [=  arab.  ijL>_yä] 

Opfer  (kurba  195,12,  із,  199,з),  курбапыны  (kür- 

banini  190,11),  курбан  баран  ai  (curban  baran  ay 

81). 

кул  [alle  Dialecte,  кѳл  (Kas.)] 

Sclave,  Diener,  кулуны  (kuluni  2 13,i),  кулуныіі  (ku- 

luning  215,7). 
кула  [y-t^<(,  (Uig.),  'if  (Dsch.),  kyla  (Таг.),  кула  (Alt. 
Abak.  Kir.),  кѳла  (Kas.)] 

der  Falbe  (kula  143,8). 
кулак  [x^^^-t9^;i,  (Uig.),         (Dsch,  Osm.),  кулак  alle 
übrigen  Dialecte,  nur  кѳлак  (Kas.)  | 

Ohr  (chiilag  110). 
кулаксыз  [=кулак-нсыз] 

taub  (chulacsix  1 1 7). 


кулан  алац 

bunt  (kulan  alang  143,із), 

куллук  [:=кул-*-лук] 

Dienstbarkeit,  куллук  йтарман  ich  leiste  Dienste  (chulluc 
etarraen  57).  куллук  6ilä  (culuc  birla  66),  birla  statt 
bilä  ist  durch  einen  Schriftkundigen  veranlasst. 

куллукцы  [=кул-і-лук-+-цы] 
Diener  (chulucci  103). 

кутул  (v)  (Uig.),  jj^y  (Dsch.),  кудул  (Alt. 

Abak.),  кутул  (Kir.),  кутуі  (Таг.),  кѳтѳл  (Kas.)] 
loskommen,  кутулурміін,  кутулдум,  кутулдыл,  кутул- 
мыш,  кутулйіак  (cutularraen,  cutuldum,  cutulgil, 
cutulrais,  cutulmac  24,  kuttilmak  141),  кутулыр 
(kutulir). 

кутулуш  [=ку'0^лн-ш] 
Befreiung  (kutulis  203,12). 

кутур  (v)  [j^j^y  (Osm.),  кудур  (Tel.  Schon),  кутур  (Kir.), 
кѳтѳр  (Kas.)] 

verrückt  werden,  кутуруп  турсан  (kuturuptsen  221). 
куткар  (v)  [^^-ll-^û.^^  (Uig.),  jx,jLy  (Dsch.),  ^jLj^i 
(Osm.),  куткар  (Tel.  Kir.),  кутказ  (Таг.),  кѳткар 
(Kas.)] 

befreien,  retten,  erlösen,  куткарды  (kutkardi  189,з), 

куткардыц  (kutkarding  206,io). 
куткардацы  [von  куткар] 

der  Erlöser  (kutkardaci  159,G,  160, ii,  220, з),  кут- 

кардачымыз  (kutkardarcimis  190,5). 
куткаруса  (v)  [von  куткар] 

zu  befreien  suchen  (kiitkaruv  sap  215,7). 
кутлу  [^û.ê^-(i,  (Uig.),  (Dsch.),  кѳтлѳ  (Kas.)] 

glücklich,  selig  (kutlu  209,4,  lo). 
куц  (v)  [/As  (Uig.),  (Dsch.)] 

umarmen,  куцарміш,  куцтум,  куцкул  (cuzarmen,  cuz- 

tun,  ciizdml  8),  куцту  (kuctu  165,i),  куцтуц  (kuctig 

165,6). 

kyc  (v)  [kyc  (Alt.  Abak.  Таг.),  кѳс  (Kas.)] 

erbrechen,  кусарман,  кустум  (cusarmen,  custim  62). 
кустун  (v) 

seufzen,  athmen,  ächzen,  кустунурман,  кустундум,  кус- 
тундул,  кустунмак  (custunurmen,  custundura,  cus- 
tungil,  custunmac  8). 
куш  (Uig.).  J-f  (Dsch.  Osm.),  kytii  (Alt.  Таг.),  kyc 

(Kir.  Abak.),  кѳш  (Kas.)] 


30  W.  Ra 

Vogel  (kus  144,5),  кара  куш  Adler  (charachus  129, 

kara  kus  180). 
куш  [J-fys  (Rbghusi),  куш  (Kas.),  kyc  (Kir.)] 

Höhlung,  hohl  (kous  133). 
І^убуркуЦ 

Kochtopf  (chuburcuc  94). 
кум  [кум  alle  Dialecte,  кѳм  (Kas.)] 

Sand  (cmi  120,  kiim  180). 
кума 

Liebhaberin  (kuma  araasia  181). 
кумарткы  [\5^'^^»^^=yû^  (b'ig.)] 
Talisman  (kumartki  221  zelgiret). 

K. 

Käipi  (Uig.).         (Osm.),  Käipä  (Bar.),  Kïpï  (Kas.)] 

zurück  (caira,  ceyiri,  ceyri  49),  Käipi  алырман  (cayra, 

ceyri  alurmen  49),  Käipi  каітармйн  (cheri  caytarmen 

50),  амдідйн  Käipi  (eradidan  clieri  65). 
каурут     j^^f  [Dsch.],  кукурт,  кѳкѳрт  (Kas.)]  vgl.  кібріт 

Schwefel  (chourut  96,  chouriic  107). 
KäyläK  [±l*)LX:^r(Rbgh.),  к0цнак(Таг.),  куцнак  (Leb.),  ку- 
нак (Tel.),  KöilöK  (Kir.  Tob.),  KöiHä  (Aderb.), 
(Osm.),  куімак  (Kas.),  KöräHäK  (Sag.)] 

das  Hemd  (clioulac  120). 
KäK  [^-H)  (Uig.),  кек  (Kir.),  Kä  (Tel.)] 

Hass  (kek  182). 
какір  [S.^_Jlf  (Osm.),  какір  (Kir.  Таг.),  Kägip  (Tel.)] 

rülpsen,  aufslossen,  какірді  (kekirdi  136),  KäKipiMäH 

(keriklirmen  136). 
Käq  [^-»^0  (Uig.),  Slf{Dsch.),  кец  (Kir.),  Käq  (All.  Tob 
Kir.),  КІЦ  (Kas.)] 

weit  (keng  139,  kent  179). 
кацаш  [у/ОЧ)  (Uig-),  crl^.f^  (Osch.),  кацаш  (Таг.),  кі- 
iiäm"(Kas,),  кецас  (Kir.)] 

Rath,  кацаш  барімйв  (chengas  berumen  1 3). 
Käqäm  (v)  [y/O^O  (Uig.),  S.^\^  (Osch.)] 

sich  berathe'n,  кацашіщз  (kengezzingis  168,і.з). 
KäqliK  [=кац-і-Ик] 

Breite  (chenglic  86). 
KäHäTä  [vergl.  каыйттін  (Alt.)  plötzlich] 

gleich,  sogleich  (kenetä  233). 
KäHT  (Uig.),  jsf  (Osch.)] 

Stadt  (chent  89). 


DLOFP. 

каыді  [v^^O  (Uig.),  t^J^  (Osm.),  vergl.  Käeci] 

selbst,  KäHAiMä  тутарман  ich  behalte  bei  mir  (chendima 
tutarmen  49).  Es  scheint,  als  ob  komanisch  nur  Käuci 
gebraucht  worden  ist,  da  канді  nur  ein  Mal,  кансі  (siehe 
dasselbe)  siebzehn  Mal  im  Codex  vorkommt.  Ist  dieses 
richtig,  so  ist  hier  KäuAi  nur  von  einem  der  Schriftsprache 
Kundigen  dictirt. 

кандір  [»^^^^O  (Uig.),  jj.*^  (Dsch.),  кандір  (Alt,  Abak. 
Таг.),  кендір  (Kir.),  кіндір  (Kas.)] 
Hanf  (chendir  102,  106). 

Käeci  [vergl.  канді] 

selbst  (kansil57,kensil61,2, 162,4, 167,3, 168,4,  i5, 
170,5,  kesi  197,11,  kenzi  166,із),  кйнсіві  (kensini 
170,g),  KäHcinä  (kensinä  219,i7,  220,4),  KäHci^Bi 
(kensigni  163,8),  кансімізні  (kensimisni  166,2). 

Käp  (v)  [C^O  (Uig.),  S^J'  (Osm.),  Käp  (Alt.  Таг.),  кер 
(Kir.  Kkir.),  Kip  (Kas.)] 
ausspannen,  kreuzigen,  кардііар  (ker*4er  171,6),  Käpin 
(kerip  203,8). 

KäpäK  [>-^-^0  (Uig.),  il!^r(Dsch.),  iJ^r(0sm.),  карак 
(Alt.  Таг.  Tob.  Bar.),  керак  (Kir.),  кірак  (Kas.)] 
nothig  (cherac42,  kerek  144,5,  164,1,167,5,  169,7, 
182,  kerec  170,7),  KäpäK  цакта  (karecli  cakta  142), 
карагімізда  (kerekimizda  184),  карактірбіз  (kerek- 
tirbis  169,4,  kereckirbis  169,9),  KäpäK  турур  (ke- 
rektrur  212,7),  Käpäri  дір  (keregidir  144,іб).^ 

Käpil  (v)  [Pass.  von  кар] 

aufgespannt  sein,  Käpilin  міс  (kerilipmis  212,i). 

Käpim  [каріш  (Tel.)] 

Streit,  Gezanke  (keris  229). 

KäpKi 

Axt  (cherchi  99). 

Käpx  [S.^^f  (Osch.),  карт  (Alt.),  керт  (Abak.  Kir.), 

кірт  (Kas.)] 
einkerben  (kertermê  233). 

KäpTäK 

Zimmer  (kertek  216,io),  Käpxäri  (kertegi  190,7). 
Käpd  [vergl.  кертіг  (Abak.)  wahrhaft,  кертіп  (Abak.)  ver- 
trauen, Käpcy  (Alt.),  Käpcäy  (Bar.),  карсік(ТоЬ.)  klug] 
wahr  (cherti  63,  kerti  162,ii,  163,4,  164,6,  166,3, 
kirti  167,5,  kerti  167,9,  168,8,  199,9,  205,з),  Käp- 
тідір  (kertirir  1 60,ii),  Käpxi  коціубііа,  Käpxi  коціуцдй 
(kirte  congulbile  166,3,  kerti  konglungde  162,9). 


Das  tüekische  Speachmaterial  des  Codex  Comanicus. 


31 


Käpiilä  (v)  [=кйрті-н1а] 

wahr  sein,  картіійп  (chert'lap  72,  kertlep  187,7). 
картііік  [=карті-ь1ік] 

Wahrheit,  kertilik  163,12,  kertelic  166,2). 
KäpTMä  [ungar.  körtve  (Kuun.)] 

Birne  (chertme  25). 
карца 

(schnell?)  (cerci  161,7). 
кйрсаці 

faul  (kersangi  135). 
карпіц  [vergl.  pers.         und  russ.  кирпичъ] 

Ziegel,  6ІШМІШ  карпіц  (bisDiis  clierptz  120)  gebrannter 

Ziegel. 

карман  [vergl.  Akktärmän] 
Festung,  Stadt  (kermê  197,9). 

Käl  [Käl,  КІ1,  räl  alle  Dialecte] 

kommen,  каіірман  (clielurmen  62),  Kälip  (kellir  145,2, 
148,7,8,  kelir  168,3,  keliyrir  143,i5,  keliyr  143,15, 
143,16,  keliyr  144,12),  каіірсіз  (kelirsis  169,i),  Käl- 
ДІМ  (cheldum62,  keldim  165, ii),  каіді  (keldi  159,4, 
164,13, 165,2,5),  кеідік  (geldik  161, is),  Kälril (kelgil 
184),  Käliqis  (kelingis  161,7),  Kälcä(kelsa  158,4,  lo), 
Kälräi  (kelgay  144,8),  каіган  (kelgan  148,5),  кйігандан 
біірі  (kälgädan  beri  184),  каііп  (kelip  158,ii,  170,7, 
189,14,  219,8,  216,4),  Kälräli  (chelgali  62,  kälgäli 
184),  KäbiäK  турур  (kelmektfur  212,8). 

KtälcänäH 

aussätzig  (clielapan  116,  kelepen  164,14,  keleppen 
165,5,  9,  kellepem  165,2),  каійпанні  (keleppeni 
164,15),  каіапандан  (kelepêdê  164, б),  каіапаніар 
(kelepenler    164, g),   каіапаніарга  (keleppenlergä 

164,4). 

Käli  [кеіі  (Kir.),  кіИ  (Kas.)] 
Mörserkeule  (cheli  94,  124). 

KäliH  (Uig.),  ^^^JL/(Dsch.),  KäliH  (Alt.  Bar.),  кеііы 

(Kir.  Kkir.),  кіИн  (Kas.)] 
junge  Frau,  Braut  (kelin  145,7). 
каітір  [Factit.  von  Käl] 

bringen,  каітіріман,  каітірдім,  каітір  (chelturmen, 
chelturdum,  cheltur  8),  каітірді  (keltirdi  207,8). 
каітіріш  (v)  [=ка1-нтір-ып] 

zusammen  (mit  Jemand)  bringen  (keltiristi  220). 


KäT  [^*^  (Uig.),  v£i^;.r  (Osch.),  «^«;r(Osm.),  Ксят,  кет, 
кіт  alle  Dialecte] 

fortgehen,  катарман,  каттім,  каткіі  (clietarmen,  clie- 

tum,  chetchil  50),  шішік  каткан  die  Geschwulst  hat 

abgenommen  (sisik  clietchan  84). 
KäxäH  [кадан  (Alt.),  кедан  (Abak.)  Flachs] 

Leinewand  (chetan  107). 
KäTiK  [vergl.  кетік  (Kir.)  zahnlos] 

"^unvollkommen,  mangelhaft  (cetik  141). 
каттір  (v)  [Factit.  von  кат] 

fortbringen  lassen,  кіітірган  (kätgcä  203,ii). 
кац  (v)  [>0  (Uig.),  ^^^ir(Dsch.),  кач  (Alt.),  кеч  (Kkir.), 
кеш  (Kir.),  кес  (Abak.),  кац  (Bar.  Tob.),  кіч  (Kas.)] 

übersetzen  (über  einen  Fluss),  vergeben,  кацарман,  кац- 

тім,  кацкіі  (chezarraen,  cheztuii,  cliezchil59),  кацар 

(kecer  182). 

кацй  [/ь-0  (Uig.),  £i5^(Dsch.),       (Osm.),  кац,  кача  (Таг.), 
кеш  (Kir.),  кіч  (Kas.)] 

Abend  (chezä  79,  80). 
каціктір  (v) 

verzeihen,  каціктірса  (kecik  tirse  167,io). 
кацір  [Factit.  von  кац,  (Uig.),  S-oj^sif  (Dsch.), 

кешір  (Kir.),  кацір  (Tob.),  кічір  (Kas.)J 

herüberführen,  качірііі  (kecirip  202,7). 
кацу  [vergl.  качік  (Таг.)  spät  bleiben] 

träge  (kecow  135,  keziv  220). 
Käc  [vergl.  pers.  ^j^f,  ^^(Osm.)] 

бір  Käc  ein  Mal  (164,9). 
Käc  (v)  [A^  (Uig.),  S.^f  (Dsch.),  (Osm.),  Käc 

(Alt.  Tel.  Leb.  Tan),  кес  (Kir.  Kkir.  Abak.),  кіс  (Kas.)] 

schneiden,  abschneiden,  KäcäpMäH,  кастім,  KäCMäK  (che- 

rarmen,  clieztim,  chezmac  21,  cliexarmen,  chestum 

56),  KäcKÜ  (clieschil  56,  kezerme  222),  KäcMäi 

(kesmey  203,2). 
Käcäy  [von  Käc,     *-*yO  (Uig-),  кезак  (Alt.),  кісак  (Kas.)] 

Bissen  (keseo  182). 
KäsäHä 

Grabhügel  (kesenä  222). 
KäsäpKä  [кесартка  (Kir.)] 

Heuschrecke  (kasarcka  136). 
Känäc  (кепац?)  [капац  (Bar.)] 

Käpsel  (chepas  120). 


32 


W.  Radloff. 


кабак  [KänäK  (Таг.),  кебак  (Kir.),  кібак  (Tob.  Kas.)] 

Kleie  (chebac  131). 
Kä6äH  [Kä6äH  (Bar.),  кібан  (Kas.  Tob.)] 

Heuschober  (keben  234). 
кйбіт  [кібіт  (Kas.)] 

Laden  (chebit  89). 
кабут  [=  pers.  .5^] 

blaugrau,  KäöyTjakyT  (chabut  yapcut  109),  der  Saphir. 
KäMä  (Uig.),        (Dsch.  Osm.),  кама  (Alt.),  кема 

(Kir.  Abak.),  кіма  Kas.)] 

Boot  (kerne  138,  kemä  223,  kema  146,12). 
камйц 

ungesäuert  (kemec  180). 
камір  (v)  [кймір  (Alt.),  кемір  (Kir.),  кімір  (Kas.)] 

nagen,  каміріман  (kemirrimen  139). 
камішіі  (v)  [von  KäM,  ^кам  (Kas.)  mangelhaft] 

sich  vermindern,  камішііді  (kemizzildi  169,.^). 
KÖK  [kök  (Kir.)  Himmel,  ^-«-^  (Uig.)  der  sichtbare  Himmel, 
кук  (Kas.)] 

der  Himmel  (kök  78,  160,3,  194,4,  213,5),  кокыіц 
(kökniiig  204,9,  216,8,  kokning  215,8),  кокка  (kökga 
194,2,  202,4,  kökgä  207,2,  212,2),  кокні  (kökni 
188,3,190,4,206,7,21  l,3),KöKTä  (köcte  163,14,  köctä 

171.8,  kocta  171,9),  KöKTäH  (kökdä  189,i4,  205, 12, 
kökdän  211,9),  KöKTäri  (köktage  163, 10,  köcdagi 

168.9,  kö4ägi  206,4),  KöKTäriläp  (köctagiler  166,i5, 
köktagil  204,7),  KöKläp  (kökler  204, 14),  кокіарні 
köldni  203,4). 

KÖK  [kök,  кук  alle  Dialecte] 

blau  (coc  108). 
KÖKpä  (v)  [кукра  (Bar.  Kas.),  кугра  (Abak.)] 

donnern,  KöKpäp,  кокраді,  кокрамак  (chocrar,  cho- 

cradi,  chocramac  59). 
KÖKpäy  [кокрак  (Bar.  (Kir.),  кукрак  (Kas.)] 

Oberkörper  (cugir'w  220). 
Köräp  [von  kök] 

blau  werden,  Köräpin  тір  (kogeripdir  229). 
к0гурцін  [^_/^  (Osm.),  ^^=.j^(Dsch.),  к0гурцун 
(Bar.),  KörypqKÖH  (Kkir.),  к0г0рч|н  (Alt.),  кукарчін 
(Kas.)] 

Taube,  к0гурчін1йі  (kug'cinley  200, 1). 


Köryc  [/^"^^  (Uig.),  fjSyf{Osm.),  Köryc  (Abak.),  Kögyc 
(Alt.),  купе  (Kas.)] 
Brust,  когусуц  (kögising  205,3),  к0ксуцда  (köcsugde 

17 2.4)  ,  KöKcyHä  (koksunä  215,8),  KöKci  (kovsi  183, 
kövsi  215,10),  коксун  (kövsin  208,10). 

коцуі  [Köqyl,  кущі  alle  Dialecte] 

Sinn,  Herz,  Gemüth  (congul  13, 15,25,  158,16, 159,12, 
169,9),  к0ц1у  (conglu  184),  Köqyl  6ilä  (congul  bila 
64,  66,  67,  congul  bile  160,i2,  166,3,  168, 1,  8,  10, 
cogulble  163,13),  Kö^ylei  (congulni  159,12,  conglni 
163,1),  KöijyUä  (congulde  160, 12,  14),  к0цу1дакі 
(könguldagi  198,8),  кОцІум  (conglu  235),  к0ц1уц 
(conglug  163,2),  коціуцдан  (conglungdê  162,9),  köh- 
Іуцда  (köngulingdä  19 9, 12),  к0ц1уміз  (conglumis 
169,11),  коціуці.з  öilä  (conglûgisbile  168,із),  к0цу1 
ацармын  sich  erheitern  (congul  azarmen  13),  к0цу1 
ацырдамак  (congul  acirgaraak  15)  bekümmert  sein, 
казіз  коцуібііа  (hess  congul  bila  64)  freundlich,  кіці 
К0цу1  бііа  (66)  demüthig,  кош  к0цу1  6ilä  (68)  gern, 
joMapT  Köijyl  6ilä  (68)  freigiebig,  jäiiil  Köqyl  6ilä  (68) 
gern,  jaMau  Köqyl  6ilä  (67)  ungern,  böswillig. 

HÖH  (v)  [köh,  кун  alle  Dialecte] 

einwilligen  (vergl.  к0ндур),  конармаа  (kunerraê  182, 
kunerm  212,9). 

KÖHäH  (v) 

sich  ergötzen,  к0нанмішім  (konêmizim  184). 
KÖHäl  (v)  [0"^^  CJig-))  KÖHä  (Katsch.)  graden  wegs] 

grade  thun,  татар  тііга  к0нй1ді  (tatar  tilgä  koneldi 

229). 
Köuy  [ч>^  (Uig.)] 

gerecht  (choiuj  49,  conu  66,  cönu  hele  83,  könu 

174,14,  könu  200,6). 
KÖHylyK  [=к0еу-і-1ук] 

Gerechtigkeit  (könulic  1 74, 14,  könulik  1 92, 10,  könuluk 

200.5)  ,  К0ну1укцй  (konulvkce  230). 
KöHäcy 

Quecksilber  (konessu  30,  chonasuj  94). 
к0едур  (v)  [=к0н-і-дур] 

einwilligen  machen,  in  Uebereinstimmung  bringen,  коеду- 

pyp  (ködurir  191,8). 
KöeuäK 

Hosen,  к0вцакіцні  Kïril  ziehe  die  Hosen  an  (concekugni 
kijgil  66,  chonzac  120). 


Das  TÜßKiscHE  Speachmateeial  des  Codex  Comanicüs. 


33 


Köp  [=  arab.^]  , 
Grab  (kor  224). 

Köp  (v)  [Köp  кур  alle  Dialecte] 

sehen,  KöpäpMäH  (curarmen  54,  chorarmen  61,  ko- 
rarme 160,2),  кордум  (chordun  61),  к0рдуц  (kordig 
165,7),  корду  (cördi  164,12,  kördi  164,i5,  kordi 

216.6)  ,  кордук  (kôrdu'^ol  161, ii),  кордііар  (kordilar 
162,3),  Köpril  (corgil  5  4,  chorgil  61),  к0руцуз  (körugis 
160,2,  cöriigis  164,5,  körwngis  169,1),  к0рганімдан 
(körganimde  1 57,4),  KöpMäräii  (kormägä  205,2),  kor- 
magan  215,11),  кораімадім  (koralmadira  233)  ich  ver- 
mochte nicht  zu  sehen^ich  hasste,  Köpyn  (koriip  190,12, 
körup  192,6,  202,13,  212, i),  Köpyn  турданда  (kö- 
rupfgada  203,6),  Köpä  (core  142,  körä  192,7,  köre 
206,17),  KöpMäK  (chormac  61,  cormac  63,  81). 

KöpyK  [— «-f:^-^  (Uig.),  (Osch.),  ilj/(Osm.),  kö- 

рук  (Alt.  Abak.  Kir.  Bar.  Таг.),  курік  (Kas.)] 
Blasebalg  (curuc  97). 

Köpyn  [Reflex,  von  Köp] 

erscheinen,  sich  zeigen,  zu  sehen  sein,  KöpynypMän,  kö- 
рундум,  Köpynril,  KöpyHMäK  (corunurmen,  cormi- 
dum,  corungil,  corunmac  7),  KöpynypMän  (corunur- 
men 63),  к0рунмаді  (korümadi  165, 12),  Köpyeyp 
(corunur  63,  korunir  147,i),  Köpynyp  коруемасні 
(körunur  körümesni  211,4),  к0рунді  (köriidi  159, 10, 
161,4,  162,1),  Köpyurän  (körüga  147,2. 

Köpfcä  (v)  [von  Köp,  S.*LSjj^f  [Usch.]] 

zu  sehen  wünschen,  Köpycän  (köuvsap  196,4). 

KöpyM  [=Köp-f-M] 

das  Sehen  (vergl.  коруміу). 

KöpyMly  [=KÖp-HM-l-li] 

der  zu  sehen  ist  (kö'üli  199,8). 

KöpK  [^— (Uig.),  iij^r  (Dsch.),  KöpKö  (Kir.),  корку 
(Alt.  Tel.)] 

Schönheit  (chorc  85),  коркуц  (korking  192,іб),  корку 
(körki  204,9,  209,5). 
коркіу  [=к0ркн-1у] 

schön  (chorclu  86,  115,  cörkli  164, 11,  165,4,  korkli 

165.7)  . 

KöpKcyc  [=к0ркн-сус] 

hässlich  (chorsux  86). 
KöpKcycliK  [=к0рк-нсус-н1ік] 

Hässlichkeit  (corcsixlic  86). 


к0ргуз  (v)  [Factit.  von  Köp] 

zeigen,  sehen  lassen,  коргузарман,  к0ргуздум,  кор- 
гузгіі,  к0ргузмак  (corgusarmen,  corguxdun,  cor- 
guxgil,  corguxmac  37,  corgusurmen,  corgxdum41), 
к0ргуздіШр  (corguldilar  161, 13),  коргуздіц  (korguz- 
ding  192,10,  körguzding  1 9 8 , 12),  коргузу p  (korgussur 
162,11),  KÖprysMä  (corgusma  165, 11),  Köpryayn (kör- 

guznp  206,12). 

Köpniy  [Köpniy  (Bar.),  куршіі  (Kas.)] 
der  Nachbar,  Köpniyipii  (cozugni  163,7). 

Köpnä  [Köpny  (Таг.),  корбо  (Bar.)] 
Lammfell  (corpa  132). 

Kölärä  [M>t^£)  (Uig-).  l^^/(Dsch.Osm.),  köIökö  (Kkir.), 
Kylärä  (Kas.),  köIöi^kö  (Kir.),  к0Ігшкі(Таг.),  KöläxKi 
(Abak.),  KöIöTKy  (Alt.),  KÖlöqKy  (Bar.)] 
Schatten  (colaga  125,  coläge  137). 

KÖT  [oy"(Osm.),  KöT  (Tar.Kir.Alt.),  кодан  (Ab.),  кут  (Kas.] 
der  Hintern,  коту  (koti  112,  cdi  143,18). 

KÖTypäM 

mager  (köturem  139). 

Köiyp  (KÖTäp)  (v)  [KÖTäp  (Таг.),  Köxöp  (Kir.),  к0тур,  ку- 
TÏp  die  übrigen  Dialecte] 
aufheben,  котурмакИк  (coturmechc  78),  котйріман 
(hotarimê  226),  котурір  (köt'ir  191,9),  кОтурдін 
(kötirdiug  206,8,  köt'ding  199,із),  к0тйрдіі{  (köter- 
ding 195,з),  К0ТУРДІ  (köturdll 90,17,  209,8,  216,5). 

KÖTypyl  (v)  [Pass.  von  котур] 

erhoben  sein,  котуруіміш  (coturulmis  85). 

К0Ц  (v)  [/>^  (Uig-)'  (ïisah.),  KÖ4  (Alt.  Таг.),  кош 

(Kir.),  код  (Bar.  Tob.j,  куч  (Kas.)] 
fortziehen,  nomadisiren,  кодті  (köcti  200,9). 

Könyp  (v)  [Factit.  von  к0ц,  к0чур,  Köniyp,  коцур,  кучір] 
überführen,  к0п,урду  (köcurdi  195, іб). 

Köc  Köny 

ganz  gerecht  (kös  könü  190, 13). 

KÖ3  [^'^^'i  (Uig.),  j^J^  (Dsch.  Osm.),  коз,  куз,  кос  alle  Dia- 
lecte] 

Auge  (chox  110),  козубііа  (kösibile  169,9),  Kösrä 

(közgä  210,1),  К03ІМІЗШ11  (kösimising  189,2). 
Kö3äy  [kö3ö  (Kkir.),  kösIc  (Abak.),  Kösfni  (Tel.)] 

der  Feuerhaken  (kösöv  139). 
К03СІЗ  [=к0з-і-сіз] 

bUnd  (choxsis  116). 

5 


34 


W.  Radloff. 


Kön  [^-с^  (Uig.),  v/(Dsch.),  Kön,  куп  alle  nördlichen 
Dialecte] 

viel  (сор  68, 70,72, 1 59,i5,  cöp  1 63,i4, 15,  köp  203,15, 
209,9,  kop  199,1,216,2,217,3,  cöp  159,іб),  коптан 
(cöptan  159,16,  köpden  169,5),  копка  (kopga  65). 

Könpy  [il^^j^^  (Dsch.),  ^^.^  (Osm.  Aderb.),  кобрук 
(Таг.),  кобрб  (Kkir.),  KÖ6pf  (Bar.),  кутр  (Kas.)] 
Brücke  (chopru  89). 

Kö6äläK  [Kö6äläK(Alt.Tel.),  кубаійк  (Kas.),  iJ^L^r(Dsch.), 
dLir  Kälä6äK  Sj^S  (Osm.)] 
Schmetterling  (kobelek  143,5,  222). 

KÖM  (v)  [ком,  кум  alle  Dialecte] 

begraben,  комарман,  к0мдум,  кбмгуі  (chomarmen, 
chomduu,  cliomgil  58),  комміші  (kömisi  215,io). 

KöMyl  (v)  [Pass,  von  köm] 

begraben  werden,  KöMylyn  турур  (kömvlvpfur  212,i). 

комуідрук  [комуідрук  (Kir.)] 
Brustriemen  (coniuldruc  122). 

комур  [к0мур,  кумір  alle  Dialecte] 
Kohle  (comur  97). 

Kî  [^^0  (Uig.),  KäT  (Soj.),  Käc  (Abak.),  dU/(Dsch.),  кі 
(Alt.  Kir.  Kas.  Tob.),  Käi  (Bar.)] 
anziehen,  KijäpMän,  кідім,  kï,  кігіі  (cheyarmen,  chey- 
dum,  cheydun,  cliei  14,  32),  Kïril(cheygil  32,  kijgil 
66),  кіді  (kiydi231,  keydi215,7,216,8). 

KIK  [^4>  (Uig.),  di^r(Dsch.),  KîK  (Alt.  Abak.  Kir.  Таг. 
Tob.  Kas.)] 

wild  lebendes  Thier,  wild  (cheyc  84),  kïk  тоцус  (cheyk 

tongus  128)  wildes  Schwein. 
KÎK  (?)  [von  KÏ,  vergl.  kït] 

Kleidung,  KiKKä  (keycgä  184). 
кіцір 

krumm  (kingir  140). 
Kijil  (v)  [Pass.  von  Ki] 

angekleidet  sein,  KijilMini  (chebelmis  84). 
KijiH  (v)  [Reflex,  von  kî] 

sich  ankleiden,  Kijinin  (keyinip  201,8). 
КІНДІК  [кіндік,  кіндік  alle  Dialecte] 

Nabel  (chindik  1 1 1). 
кШм  [кіИм  (Kas.),  KiläM  (Kir.),  кіИм  (Aderb.)] 

Teppich  (chilim  123). 
кір  (v)  [кір,  кір  alle  Dialecte] 

eintreten,  кірар  (kirer  145,io,  198,із),  шрарбіс  (ki- 


rirbis  163, ii)^  кірдіц  (kirding  194,2),  кірді  (kirdi 
219,18),  кірдііар  (kirdilar  162,4),  кіріп  (kirip  206,9), 
Kipä  (kyra215,9),  кіруга  (krivgä  215,4),  асіма  кірді 
es  ist  mir  eingefallen  (esima  kirdi  227). 

кір  [кір,  Kip  alle  Dialecte] 
Sehmutz  (kir  216,8). 

кірац 

Kalk  (Chirac  102,  Chirac  120,  krec  139). 
Kipäc  [^J^\ jf  (Osm.)] 

Kirsche  (chiras  125). 
кірпі  [кірпсЯ  (Таг.  Kir.),  кірбі  (Tob.  Bar.  Schor.),  кірпі 
(Kas.)] 

Igel  (kirpi  145,8,  147,7). 
кірпік  [^^_^лГ(08т.),  кібрік  (Aderb.),  кібрік(АИ.),  кірпік 
(Таг.  Kir,),  кірпік  (Kas.)] 
Wimper  (chirpich  110). 
KIT  [кіт  (Kir.)] 

Kleider,  кітіареі  (keyitlni  197,6). 
кідір  (v)  [Factit.  von  кі]_ 

anziehen,  юдірді  (keddi  191,i,  keyddi  197,5). 
кітіра  [=  arab.  1 

tragacanthae  Harz  (chitinä  95). 
КІЦІ  [^^-oV  (Uig.),  dl.str(Dsch.),  É^J^  (Osm.),  кіщг 
(Abak.),  куцу,  кічінак  (Alt.),  кіцаш  (Tob.),  кічш, 
кічі  (Kas.)] 

klein  (kiczi  66),  кіці,  кіціні,  кіцііар,  кіцііарні  (chici, 

chicinj,  chizilar,  chizilarnj  75,  chici,  chicinj  77). 
КІЗ  [kïc  (Alt.),  KÎ3  (Kir.  Kas.  Tob.),  кіча  (Aderb.)] 

Filz  (chiix  122,  coiix  123). 
кізіан  (v)  [y^trrV^J  (Uig.),  dli^r(0sm.),  кізіан  (Aderb.)] 

sich  verbergen,  кізиінміш  (kizlêmi  180). 
кіш  l/I^J  (Uig.),  Ju/{Dsch.),  КІШ  (Alt.  Tob.),  кіс  (Kir.), 
КІШ  (Kas.)] 

Zobel  (chis  98). 
кішан  Си^О  (Uig.),  0^*^^  (Dsch),  кішан  (Таг.),  кіжан 
(Alt.)] 

Fussfessel  (chisan  122). 
КІШІ  [y>V^O  (Uig.)'  u^^^^^^'  Osm,),  КІЖІ  (Alt,  Abak. 
Bar.'),  КІШІ  (Таг,  Tob.),  кісі  (Kir.),  кіші  (Kas.)] 
Mensch  (chisi  66,  105,  109,  115,116,  chizi  117, 
kisi  8,;9,  173,  181,  203,2,  206,7,  211,io,  226,  228, 
230,  kizi  164,6,  15,  166,10,  167,3,  12,  kyzi  164,9, 
165,2,  3,  4,  5,  13,  ky'si  165,3,  ksi  136),  кішінщ 


Das  tüekische  Speachmateeial  des  Codex  Comanicüs. 


35 


(kisining  185),  кішіга  (kysiga  165,6,  kyziga  166, із, 
kisiga  159,12),  КІШІНІ  (kisini  185),  кішідан  (kyziden 

164.7,  kyzidan  166,11),  кішііар  (kisiler  173,  kysiler 
141),  атлы  КІШІ  (atlu  chisi  105)  Reiter,  кам  катын 
кіші  (kam  katun  kisi  9),  jysräe  кіші  Schwimmer 
(yxganchisi  39). 

кішна  (v)  [кішна  (Таг.),  кішта  (Alt.),  кіста  (Kir.),  кішна 
(Kas.)] 

wiehern,  jbokbi  кішнаідір  (yilki  kyzineydir  134). 
КІ6І  [^f{Osm.),  кібш,  кук  (Kas.)] 

gleich,  ähnlich,  аньщ  кібі  (aninchibi  70),  тоцус  кібі 

(tongus  kibi  174),  сйніц  кібі  (sening  kibi  185). 
кібріт  [dial.  KäypyT,  siehe  dass.] 

Schwefel  (chibrit  90). 
КІМ  [уО^  (Uig-),  ^/'(Dsch.  Osm.),  кам  (Alt.),  кім  (Bar, 
Kir.  Таг.),  КІМ  (Kas.)] 

wer,  welcher  (kim  68,  158,4,  6,  lo,  із,  i7,  159,5, 

160,12,  14,  162,12,  163,4,  5,7,  12,  164,6,  165,7,  15,16, 
166,3,  167,3,  13,  168,1,  2,  6,  8,  10,  12,  169,7,  170,1, 

171.8,  186,18,15,  187,7,8,  206,4,  207,1,  208, lo, 

211,5,  212,5,   213,1,  2,  3,   214,2,  4,  5,  7,  9,  216,6, 

cym  161,14,  kym  163,6,  168, и,  kî  188,7, 190,і,з,б, 
191,10,  14,  192,7,  193,1,  3,  7,  194,1,  5,  ii,  12,  із, 
195,3,7,  196,3,8,  197,12,  198,5,6,11,  199, 12, 
200,1,  201,4,  5,  6,  9,  14,  203,3,  5,  15,  204,3,  205,7, 
2 О 6 , 1,  2 О 9 ,3, 7, 2 1 1 ,8,  kin  2 2 0 ,4) ,  кіыніц (cliiminin  6 4 , 
kimning  64, 190,11, 192,11,  kining  188, 1, 189, із,  17, 
kining  189,1,  198,7,  kining  200, 13,  204,5),  кімга 
(kigä  203,13,  204,1,  205,io),  кімні  (kini  202,6, 
kimni  189,11),  кімдіш  (kîdâ  191,2,  kimdän  208, 1), 
КІМ  КІМ  wer  es  auch  sei  (kimkim  158,8,  kiki  198, 13), 
Hä  КІМ  äcä  wer  es  auch  sei  (nekimese  158,18),  nä  кім 
(nekim  167,7),  кіміар  кім  (kîlki  202, 12). 

куі  (v)  [o.i^(Uig.),  S,^/ (Dsch.),  к0і(Таг.),куі  (Alt.  Kir. 
(Tob  ),  КѲІ  (Kas.)] 

brennen  (intr.)  (vergl.  куідур). 
куідур  (v)  [Factit.  von  куі] 

brennen,  verbrennen,  anzünden,  куідуруман,  куідурдум, 

куідур  (cüydurumen,  cüydurdum,  cüidur  6). 
куаз  [^■^è)  (Uig.)] 

Stolz  (vergl.  куазіі). 


куазіу  [=куйзн-1і] 
Stolz  (kuezlu  185). 

кукаі 

Unkraut  (kukel  135). 

куц  (v)  [vergl.  S.^^f  [Osm.]] 

schicken,  куцармйн  (cungarmen  140),  куцган  äp  Ge- 
sandter (tungug....ir  140). 

куц  [куц  (Kir.  Tob.),  кѳц  (Kas.)] 

Sclavin  (cü  105),  куці  (сішпі  114),  кундіін  тудан 
Bastard  (chunradan  touga(n)  117). 

Kyjäry  (kyjäy)  [-e)^^e)  (Uig.),  /L/(Dsch.),  ^Го/ 
(Osm.),  куза  (Abak.),  Kyjy  (Alt.),  Kyjäy  (Kir.),  KÖjäy 
(Kas.)] 

Schwiegersohn,  SchAvager,  Bräutigam  (chujegu  114,  ky- 
jov  216,10),  Kyjäym  (küjövni  190,9). 

кун  [l.^  (Uig.),  j/  (Osm.  Dsch.),  кун  (Alt.  Kir.  Tob. 
(Abak.  Bar.),  кѳн  (Kas.)] 
der  Tag  (cun78, 79, 80, 82,  kun  80, 136, 158,7, 167,8, 
kü  143,14,  160,8,224,  kwn  158,12,  161,4, 11),  кун- 
НІЦ  (kuning  200,16),  кунні  (kunni  184,  kuni  161,4), 
KyHAä(conde  65,  kundä  159,12,  212,2,  küda  200,7), 
кундан  (kûdan  158, 10),  кундаі(кГи1еу  190,8),  кун дагі 
(kundegi  65),  улу  кун  (olu  kun  78,  ulii  kunni  184, 
ulukûdan  158,10),  кунтушы,  тодуші  (contousin  82, 
kwntoguschi  161,11)  Osten,  Sonnenaufgang,  кун  баты- 
шы  (сип  batisi  82)  Sonnenuntergang,  Westen,  кун  yjakxbi 
die  Sonne  ging  unter  (kü  uyakti  224). 

кунуіа  (v)  [кунуіа  (Bar.),  кѳеаш  (Kas,),  ^J^f  (Rbghusi)] 
beneiden,  кунуіамак  (kumlamak  142). 

кунуці  [кМчі  (Tel.),  кунуцу  (Bar.)] 
neidisch  (konvci  185,  kuvnci  186). 

кунДУР  [=  pers.  ^J^] 
Weihrauch  (condroc  92). 

кура  [о j^S^  (Osm.)  =  arab,  j^f] 
Schmiedeofen  (chura  97). 

KypäK  ['— a-i^^  (Uig.),  illj^r (Dsch,  Osm,),  курок  (Alt.), 
KypäK  (Tel.),  KÖpäK  (Kas.)] 
Schaufel  (churac  102). 

куі  [=  pers,  J^] 

Blume,  куі  дарцын  (gui  darcinj  91),  куі  an  Rossen- 
wasser  (chulaf  95),  куі  an  cyi  (gulaf  syi  94),  Die 
Schreibung  gul  statt  chul  ist  durch  einen  Schriftkundigen 
veranlasst, 

5* 


36 


W.  Radloff. 


куі  (ѵ)  [tre)  (Uig.),  S.J/  (Dsch.  Osm.),  куі  (Kir.  Abak.), 
Kél  (Kas.)] 

lachen,  KyläpMäH,  куідум,  куігіі  (chularmen,  clmldum, 

clmlgil  50),  куімак  (culmac  104). 
куіку  [==ку1-нку,  куіку  (Kir.),  КѲІКѲ  (Kas.)] 

Gelächter,  куікум  (cliultchum  51). 
куітабаг  [vergl.  куіта  (Tob.),  кѳіта  (Kas.)] 

Garbe  (kultebegni  169,io). 
кут  [кут  (Alt.  Kir),  кѳт  (Kas.)] 

hüten,  КІМ  коілар  кутар  (kim  koylar  kiiter  159,5). 
куту  [кѳту  (Kas.)] 

Behütung,  Schutz,   тацрініц  куту\ѵіедйн  (kutövden 

169,5). 

кутуці  [куд|ці  (Tel.),  кѳт|ці  (Kas.)] 
der  Hirt,  кутуціга  (kutöucigä  159,4,  9). 

куц  [/j^^)  (Uig.),         (Dsch.  Osm.),  куч  (Alt.  Rir.  Таг.), 
куш  (Kir.),  куц  (Bar.  Tob.),  кѳч  (Kas.),  кѳц  (Misch.)] 
Stärke  (cun  28,  cuc  104,  kuc227,  kwc  170,9),  куцум 
(kuzun42),  куцуц(кисипд  162,io),  куц  6ilä  (kucble 

167,9). 

куца  (v)  [куча  (Kur.),  кучае  (Tel.)] 

anstrengen,  zwingen,  куцарман  (kucerme  228). 
куцан  (v)  [Reflex,  von  куца] 

sich  zwingen,  куцйБгіІ  (kucengil  141). 
куціу  [w«^t^^  (Uig.),  iJy^/  (Dsch.),  кучл^  (Alt.), 
Kymly  (Kir.),  кѳчіѳ  (Kas.)] 

stark  (chuclu  115,  kuclu  135,  kwclu  160,io,  kuzlu- 

dur  166,4). 

куцсіз  [=:куц-ьсіз] 

kraftlos,  schwach,  куцсізмізеі  (kucsismisni  191,9). 
куцра  [arab. 

armarium  (cliugira  90).  Die  Schreibweise  chugira  = 
куціра  ist  durch  einen  Schriftkundigen  veranlasst. 

куз  (Uig.),  Jyf  (Dsch.),  кус  (Alt.  Abak.),  куз  (Таг. 

Kir.),  кѳз  (Kas.)] 
Herbst,  куз  ai  (cuxaiSl),  орта  куз  ai  (ortacuxai  81), 
СОЦГЫ  куз  ai  (conchitxay  81),  кузун  (kuzim  181). 

кузан  (v)  [vergl.  кузсЧ  (Tel.),  (Uig.)] 

wünschen,  кузандім,  кузаеірман,  кузаемак  (cusanur- 
men,  cusandim,  cusamac  21),  кузаеганім  (kusen- 
ganim  137). 

кузав  [кузйн  (Tob.  Tel.),  кузон  (Alt.  Kir.)] 

Iltis,  кара  кузан  (charachusan  98,  сага  cuxan  128). 


кузанц  [von  кузйн] 

Wunsch  (küsänc  186,15),  кузанці  (kusanci  208,7), 
кузанціаріц  (kusâtFing,  kusâclering  195,4). 

кузгу  l^-Q)^^  (Uig.),  ^fj/ {Dsch.),  кузгу  (Kir.),  куска 
(Bar.),  куску  (Tob.),  кѳзгѳ  (Kas.)] 
Spiegel  (chuxgu  100). 

куба  [куба  (Tob.),  кобо  (Kkir.)] 
Panzer  (chuba  118). 

кумуш  [y/^ä^£)  (Uig.),  ^J^ß*^  [Dsch.  Osm.),  кумуш  (Tel. 
Таг.),  кумус  (Sag.  Kir.),  кѳмѳш  (Kas.)] 
Silber  (cumis  96,  kömis  145,15),  кумушніц  (kumis- 
ning  188,14),  кумушіаі  (kumusley  202,8). 

h.  X. 

(Fremde  Schriftwörter,  die  nicht  allgemeines  Eigenthum  des 
Volkes  geworden.) 

gain  [=  arab.  «_>ac] 

Verbrechen  (gaip  117). 
Ьаібат  [=  arab.  «Л-^р] 

Herrlichkeit,  Ьаібат  6ilä  (haybat  bilä  212,3). 
Ьаібатлы  [=Ьаібат-нлы] 

herrlich  (haybetli  191, із,  haibatli  209,5). 
haya  [=  arab.  Jy>] 

Luft  (liawa  78,  hava  82,  202, ii),  Wetter  ^амдурлу 

haya  (yamgurlu  hawa  82). 
Ьауалан  [S^i^  (Osm.)] 

stolz  werden,  Ьауаланыр  (hovoanlänir  222). 
hakiM  [=  arab.  ^U] 

Arzt,  hakbiM  (hakim  167, 14),  Ьакымда  (hakimga 

167,12). 

Ьалал  [=  arab.  J*)l>] 

rein,  Ьалал  одул  (ghalal  ogul  115)  rechtmässiger  Sohn 

(llalal  142,  hallal  183). 
Ьалда  [=  arab.  AiL] 

Fingerring  (ghalcha  122,  halha  233). 
Ьарам  [=  arab.  j=^] 

verboten  (haram  183). 
дазал  [=  arab.  Jjc] 

Gesang  (ghasal  (cosac)  118). 
Ьазыз  [=  arab.  Je] 

rein  (haziz  196,i),  Ьазызлар  (hazizlar  206,4). 


Das  tüekische  Speachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


37 


ЬйФта  [=  pers.  <üej»] 

die  Woche  (gafta  80). 
häM  [=  pers.  .p] 

un(iauch(ha  187,   198,8,  hâ  190,8,  194,4,8,12, 

201,10,  202,3,  205,6,  206,5). 
хороз  [=  pers.  ^J^J^^] 

Hahn  {ghor'x  130). 
хорма  [=  arab.  U^] 

Dattel  (ghorma  126). 
höKjM  [=  arab. 

Rechtsspruch,  Aussage  vor  dem  Richter  (höcku  167,ii). 
Ьокумці  [=Ь0кумн-ці] 

Advocat  (ghocumci  101). 
höpMäT  [=  arab. 

Ehre  (hormat  164,3,  217,4). 
höpMäTlä  (v)  [=liöpMäTH-lä] 

ehren,  achten,  Ьормйтіагіі  (hormatlagil  185). 


J. 


ja  [j^  (Uig.),        (Osm.),  jai  (Krm.),  ja  (.41t.),  ja  (Tel.), 
liai  (Kir.),  ча  (Sag.)] 

Rogen  (yaa  118,  ja  179),  ja  курармаы  ich  spanne  den 

Rogen  (ja  kurarm  179,  jakurarme  226). 
jai  (v)  (Uig.),  час  (Sag.),  jai  (Alt.  Таг.),  ^.l 

(Osch.),  uai  (Kir.),  jai  (Tel.),  jai,  nai  (Kas.)] 

ausbreiten,  jajapsiäH,  jaiAbiM,  jaigbM  (yayarmen,  yay- 

dum,  yaigil  25,  jäjärmen  221). 
jai  [j^Lj  (Dsch.),  jai  (Alt.  Tob.  Krm.  Aderb.  Osm.  Kas.),  uai 
(Kir.),  jai  (Tel.)] 

Sommer  (yay  83,  jai  145,4),  jajbiH  (jain  181). 
jaiлa  [^jai-1-ла] 

den  Sommer  zubringen,  jaijap  (jaylar  145,4). 
jay,  vergl.  jag  (Uig.),  ^L,  jag  (Таг.),  jy  (Alt.)] 

Fett  (jav  143,13,  u). 
jayam  (Uig.),  jo6oin  (Alt.),  i^iyac  (Kir.),  iiawam 

(Krm.),  пуаш  (Kas.)] 

friedfertig  (vergl.  jayaшлыk). 
Зауашлык  [=jayaш-^-лыk] 

Friedfertigkeit  (youaslic  31). 


jayk  [^^^  (Uig.),  jyk  (Alt.),  jayk  (Rar.),  j_,L  (Dsch.), 
ііакын  (Kas.  Kir.)] 

nah  (yaoh  69,  71). 
jaypy  [v>^^=^  (Uig.),  (Dsch.),  jaypy  (Rar.), 

iiayp  (Kir.),  jyp  (Alt.)] 

durchgeriebene  Stelle  am  Pferderücken,  манім  атымны 

jaypy  йтті  (menim  atî  javrutti  232). 
jayлay 

êphanne?  (javlov  234). 
jayлы  [=jay-l-лы] 

fett,  mit  Fett  (javli,  145,8,  9,  190, 12). 
jayx  (Uig.),  паут  (Kir.)] 

nahe  lasseü,  jayTwaga  (ioutmaga  140). 
jayÄbipa  (v)  [vergl.  jagAbipa] 

jays  [/^c^A^  (Uig.),  jays  (Kas.),  jayc  (Rar.),  ja6bic  (Kir.)] 
niedrig,  böse  (iuuz  139). 

jäk  [Ло*^  (Uig.),  jL^b  (Dsch.  Osm.),  ja4ak  (Таг. 
(Rar.  Kas.),  jäk  (Alt.  Leb.  Sag.)] 
Wange  (yaagh  101,  yaac  III). 

jakyT  [=  arab.  «O^äL] 
Rubin  (yacut  108). 

jakiiibi  [v>a/^^  (Uig-),  o***^  (Dsch.  Osm.),  jaktubi  (Alt. 
Kas.  Bar.),  ііаксы  (Kir.),  чаксы  (Abak.)] 
gut  (yacsi  64,  75, 115,  iacsi  166,8,  jäksi  231,  yaksi 
86,  161,1,  231,  iaczi  158,17,  jaksi  165,9,  168, 13, 
iaksi  166,11),  jakfflbMap  (yacsilar  75),  jakmbipakiyp 
(jaclizirachtur  167,8,  iacziraclitur  1 68,15). 

jag  [^f.  (Dsch.  Osm.),  jag  (Таг.),  iiay  (Kir.),  jy  (Alt.),  jar 
(Abak.)  vergl.  jay] 
Oel,  Feit  (yag  95),  jagbi  (jagi  143, 10),  ку1-ап  jagbi 
Rosenöl  (gulaf  yage  95),  коз  jagbi  Nussöl  (chox  yage 
95). 

jag,  auch  iiay  (v)  [^*^  (Uig.),   j^cIj  (Dsch.  Osm.),  jag 
(Таг.),  чаг  (Schor.  Abak.),  iiay  (Kir.  Kas.),  ja  (Alt.)] 
regnen,  кар  iiagap,  пагды  schneien  (kar  yayap,  yagdi 
40),  jaMgyp  jagap  (yamgur  jagar  44)  es  regnet,  jayAbi 
(jaudi  204,2). 

jagbi  [0^*^  (Uig.),         (Dsch.),  jaki  (Таг.),  пау  (Kir. 
Kas.),  jy  (Alt.),  ча  (Abak.)] 

Krieg  (yage  29). 
jagbiH  (v)  [цауна  (Kir.)] 

sich  zieren,  jagbieaAbip  (jagunadir  145,7). 


38 


W.  Кабьогг. 


jagлay 

paella  (Schüssel?)  (jaglaou  124). 
jagjbi,  jayjbi  [  JcL  (Osm.),  jJcL  (Dsch.),  паулы  (Кігі), 
jy^y  (Kas.)] 

Fett  habend,  fettig,  ölig  (jagli  210,i). 
jagÄbip  [Faclit.  von  jag,  іаудыра] 

Regen  hervorbringen  (javda  205, ii). 
jaiî  [^щ  (Alt.  Bar.),  зщ  (Kir.)] 

Sitte,  Gewohnheit  (iang  220). 
jaijak,  auch  jäk  [siehe  dass.] 

Wange  (yangac  110),  ізищъша.  (ingacua  170,io). 
jaqbi  (Uig  ),  jaijbi  (Alt,),  iiä  (Abak.),  jaqa  (Kas.)] 

neu  (yangi  87,  iangi  145,7,  161,8). 
jaqbii  [t^-^^i^  (Uig.),  jJXjL  (Osm.),  jai^bu  (Alt.  Küar. 
(Kas.)] 

sich  irren,  ]аі{ылырміш,  ^щьшьт,  ]ацылмак  (yangi- 

lurmen,  yangildum,  yangilmac  27,  jangilirmen  139), 

jaiibobip  ІДІМ  (jangilirdim  139). 
jaipaM  [цацару  (Kas.)] 

Wiederhall>  jaqлaм  дыр  (jängläm  dir  232). 
jajak4bi  [vergl.  ja] 

Bogenmacher  (yyacci  103). 
jan  (v)  [jaH  (Alt.),  iiaa  (Kir.  Kas.),  нан  (Leb.),  нан 
(Abak.)] 

zurückkehren  (vergl.  ]андыр), 
jae  (v)  [jaH  (Kas.  Таг.),  пан  (Kir.)] 

brennen,  jaныpлap  (ianirler  141),  jangai  (iangay 

lG9,ii). 
jana  [^^^  (Uig-),  jäeä  (Kas.)] 

abermals  (jana  67,  219,18,  220,2,  jenä  21 2, з). 
jana  (jaHbi)  (v) 

drohen  (ianirmen,  ianadim  38). 
jaHbiBap  [=ііаны-і-бар,  vergl.  jlyU  (Osm.),  ііануар 
(Kas.)] 

Thier,  lebendes  Wesen  (yanauar  127). 
jaHAbip  (v)  [Factit,  von  jae] 

anzünden,  jaндыpымäн,  jaHAbipAbiM,  jaeÄbip  (yandu- 

rumen,  yandurdum,  yandir  6). 
^андьір  (v)  [Factit.  von  jan] 

zurückbringen,  jaHAbipbiMäB  (jändirme  228),  jaHAbipAbi 

(jändirdi  227). 
^анц  (v)  [/J-^^  (Uig.)»  janqi  (Таг),  шавш  (Kir.)] 

unterdrücken,  басып  jani^Tbi  (basip  jancti  191,5). 


Заецык  [janqyk  (Таг.)] 

Seitentasche,  Börse  (yanzic  120). 
jap  (v)  [,>^^  (Uig.),  jap,  цар,  jap,  чар  übr.  Dialecte] 

richten  (eigentlich  spalten),  japgy  japMak  (yargu  yarmac 

51),  japgy  japapMän  (jargu  jararmen  138). 
japa  [japa,  пара  westl.  u.  südl.  Dialecte] 

Wunde,  japa  атармйн  vervpunden  (jara  etarmen  33, 

iara  166,8),  japa  іді  (iaraydi  171,4). 
japa  (v)  [^>^-^  (Uig.),    j4.ljL  (DscL),  japa  (Alt.  Leb. 

Kas.),  пара  (Kir.)] 
passen,  gefallen,  japawac  (jaramas  141). 

japay  [von  japa  =  (Uig.)] 

das  Passende,  KäpäK  japay  бармы  (kerek  jarov  barmi 
182).  . 

japayлы  [^japay-1-лы] 
passend  (jarovli  180,  226). 

japak  [=  japay] 

das  Passende,  japakHbi  (iaragne  167,12). 

japaT  [Factit.  von  japa] 

schaffen,  japaikan  der  Schöpfer  (yaratchan  17),  japai- 
мак  (yaratmac  14),  japaтaцbI  (jarataci  188,з),  ja- 
ратканныіі  (jaratkaing  195,8),  japaïkaHHbi  (jarat- 
kani  204,6),  japaTTbnj  (jarating  206,7),  japaTTi 
(jarati  211,4),  japaTbio  (iaratup  219,17). 

japam  (v)  Kom.  [=  japam  (Leb.  Alt.  Таг,),  y^^b^(Uig.), 
^«.i,)jL  (Dsch,  Osm.),  iiapac  (Kir.),  japaiii  (Kas.)] 
sich  versöhnen,  japanibipMäH,  japamTbiM,  japamMak 
(yarasirmen,  yarastim,  yarasmac  11),  japambip  (ya- 
rasur  19)  es  geziemt  sich,  japaniTbi  (yarasti  19),  ja- 
рашмыш  (yarasmis  44). 

japamrap  (v)  [Factit.  von  japam] 

versöhnen,  japamTbipgb^  (yarastirgil  1 1),  japainibi- 
рыман,  japaштыpдым,  japaniTbip,  japamibipMak 
(jarastururmen,  jarastirdum,  jarastur,  jarasturmac 
40). 

japaMcak 

passend,  treu  (jaramsak  141). 

japbi  [jap  (Alt.),  зары  (Abak.)  (Adposit.)] 
hin,  nach  (jare  72). 

japbi  [^jb  (Osm.)] 

Hülfe  (yari  77). 
japbik  [=Л=^*^  (Uig.),  ^ji  ^jl  (Dsch.),  japbik 
(Alt.  Leb.  Küär.  Kas.),  чарык  (Abak.),  царык  (Kir.)] 


Das  tüekische  Sprachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


39 


1)  hell  (yaregh  82,  yaret  82,  yaregh  88,  iarik 
161,6),  japbikTbip  (iarihf  190,8).  Die  Schreibweise 
yaregh  ist  gewiss  durch  einen  der  Dschagat.  Schriftsprache 
Kundigen  veranlasst. 

2)  Licht, Helligkeit (jarih 2 11, 6, jarigi  189,2),  japbikiaH 
(jarihtan  211,g),  заркьщда  (iarkinîda  193,io),  ja- 
рыкныц  (jarihning  196,7),  japbikbi  (jarihi  200,16, 
jariki  208,9), 

japbikibik  [=]'арык-*-лык] 

die  Helligkeit  (iarihlik  21 5,i2),  japbikibikbi  (iarikliclie 
159,9),  ^арыклыкыпа  (iarchlikine  142),  japbikjbi- 
кындан  (jariklihindê  187,з). 

japbM  (v)  [b?-^-*^  (Uig.),  jJbjb  (Dsch.Osm.),  japbij  (AU. 
(Leb.),  ліарыл  (Kir.  Kas.)] 
platzen,  sich  spalten.  Risse  bekommen,  з'арылырмае,  ja- 
рылдым,  ]'ары.іідыл,  ^арылыак  (yarilurmen,  yaril- 
clum,  yarelgil,  yarilmac  11),  japbubip  (jariler  137), 
japbMgaH  (yarilgam  85). 

japbwga  (v)  ^арлыда] 

gnädig  sein,  japлыgaicын  (iarlaigasen  158,i),  ]арлы- 
gagai  (iarlgagey  166,ij,  ^арлыдамакка  (jarylga- 
makga  188,12),  ]арлы§ады  (iarilgadi  190, 12,  193,i8), 
japbugaMakHbiq  (jaîlgamakning  198,4),  ]арлы§ап 
(jarilgap  207,10),  japлыgagыл  (iarilgagil  208,8). 

]арыл§ат  (v)  [Factit.  von  japbMga] 

Gnade  finden,  japbngaTbip  (jarilgatir  198,6). 

japbiT  (v)  [|-ûû.Y.Ai.  |uig.),  ^jjji  (Dsch.),  japbiT  (Alt. 
Leb.  Küär.j] 

erleuchten,  ]арытты  (jaruti  187,2,  iaricte  159,9). 
japbiM  (Uig.),  ^jL  (Osm.  Dsch.),  japbiM  (Alt.Leb. 

Kiiär.  Kas.),  jepiM  (Таг,)] 
die  Hälfte  (yarem  85). 
japkbiH  [japkbiH  (Bar.  Alt.)] 

Glanz,  japkbiHbiH  (jarkinin  216,9), 
japgy  [\^^^  (Uig.),  ^bji  (Dsch.),  japgy  (Bar.),  japgbi 
(Alt.  Leb.)] 

Richterspruch  (yargu  51,  52,  jargii  138),  japgyмдa 
(jargumde  141),  japgyÄa  (iarguda  167,9),  japgyjap- 
мак  (yargu  yarmac  51,  52,  jargu  jararmen  138). 
Зар^ула  (v)  [=japgy^-ia] 

richten,  ^ардулап  (jargulap  211, 10),  ]ар§улама  (jar- 
gulama  212,4). 


]ар§улан  (v)  [Pass.  von  ]ар§ула] 

gerichtet  werden  (jargulan  185). 
Іардуцы  [^japgyH-цы] 

Richter  (yarguzi  105,  yarguze  138,  iargici  166,i4, 

iergici  170,11). 
Зарлы  [japлbI  (Kas.),  (Dsch.)] 

arm  (iarle  47,  yarli  116,  iarle  141,  jarli  203,9), 

З'арлыларда  (jarlilergä  1 88,11). 
]арлы§а  l^^^t^^  (Uig.),  j-oLiJjlj  (Dsch.  Osm.)] 

gnädig  sein,  ]'арлыдамак  (yarligamac  78). 
З'арлыдат  (v)  [Fact.  von  ]арлыда  =  іарылдат] 

erbarmen  lassen. 
]арльі§аец  [von  ]арльіда] 

Gnade,  Verzeihung  (vergl.  japлыgaвцлbI). 
]арлы§аБцлы  [-— з*арльіданц-і-лы] 

gnädig  (iarligancludur  166,4),  iarlgancli  219, 15). 
Іарлылык  [=]арлы-і-лык] 

Armuth  (iarlelik  47). 
japjia  [japsia  (Khir.  Таг.  Alt.  Kas.)] 

gespaltenes  Holz,  Klotz  (jarma  231). 
З'ал  [alle  Dialecte] 

Lohn  (vergl  ^алцьі). 
І&Л  [fc^  (Uig.),  JL  (Osm.  Dsch.),  ]ал  (Alt.  Aderb.  Kas.), 
i}3lä  (Kir.)] 

Mähne,  jajbi  (jali  227). 
jaлa  (v)  [^3«^L»  (Dsch,  Osm.),  зала  (Alt.  Küär.  Bar.  Kas.), 
пала  (Kir.),  jalga  (Tub,)] 

lecken,  з'алармйн  (jalarmen  138). 
З'ала  [з"ала  (Alt.),  ^^t"  mong.] 

Verläumdung,  зала  ]абадыр  (jala  iabadir  137). 
]алац  [.іалац  (Bar.),  »Hj^L  (Dsch.)] 

entblösst,  nur  (jalang  2 15, 11). 
jaлa^îaц  [/>^0^*t*^  (Uig.),  ^Uj^L  (Dsch.),  jaлaнaц  (Bar.), 
З'алацач  (Kas.),  jalaqam  (Alt.)] 

nackt  (jakannaz  84,  (j)alaDgag  140). 
]алацацла  (v)  [=]алацац-ч-ла] 

entblössen,  ]аланацлармйн,  ^алацацладым  (jalangac- 

larmen,  jalangacladim  136). 
Залын  (v) 

Залыеырмйн  (jalinvrmen  ich  blinze  (?)  234). 
jaлbш  [зальш  (Alt.  Küär.  Kas.),  jJL  (Dsch.),  ііалын 
(Kir.)] 

Flamme  (yalen  125,  jalin  139). 


40 


W.  Radloff. 


jajgan  [j-^-^tf.^  (Uig.),  ù (Dsch.),  jaл§aн  (Tob.  Bar. 
Kas.),  ііалдан  (Kir.)] 
Lüge,  diese  Welt,  (jaglianSS)  lügenliaft,  іалдан  таеык- 
лык  lügenhaftes  Zeugniss  (jalgan  taniklik  185). 

]алданла  (v)  [=jaлgaн^-лa] 
lügen,  jaлgaнлaп  (jalganlap  65). 

^алдыз  [A^^ti.^  (Uig.),  Ji^*Jb  (Dsch.),  jaлgыз  (Kas.),  ііал- 
дыз  (Kir.),  jalgyc  (Таг.)], 
allein  (yalguxol  71,  jalgiz  189,io,  194,5,  jalguz 
211,5),  ]ал§ыз,  jaлgызыы,  ^алдызлар,  ]"ал§ызлареы, 
Залдызлардан  (yalgux,  yalguxnj,  yalgiixlar,  yalgux- 
larnj,  yalguxlardam  70). 

]алцы  [=]'алн-цы] 

Lohnarbeiter  (yalci  101,  jalci  234). 

jaлбap  (v)  [CSA5t.-i^  (Uig.),  ^.^UL  (Dscli.) ,  ^.^I^JL 
(Osm.),  ]"албар  (Kas.),  палбар  (Kir.)] 
flehen,  anflehen,  ]албарыдіан,  jaлбapдым,  ]албар§ыл, 
^албармак  (yalbariirmen,  yalbardun,  yalbargil,  yal- 
barmac  52,  yalbarmac  78,  jolbarurme  157,9),  jaл- 
барсынлар  (iarbarsenlar  158,i),  ,]албарса  (ialbarsa 
158,11),  залбарьщыз  (ialbarungis  158,15),  ]албар- 
дылар  (ialbardilar  162,5),  jaлбapмakы  6ilä  (ialbar- 
macliibile  170,5),  залбарсыи  (jalbarsin  206,2). 

jax  (v)  [^î^i^  (Uig.),  ^о^Ь  (Dsch.  Osm.),  ]ат,  jaT,  пат, 
чат  alle  Dialecte] 
liegen,  jaTbipMäH,  з'аттым,  jaTkbij(yaturmen,yattum, 
yatcliil  33,  iatirmen  134),  jaTbip  (iatir  162,2,  jatir 
145,8,  9),  jaTTbik  (jatlik  134). 

jacbi  (jacTbi?)  [^IL  (Dsch.  Osm.),  jeci  (Таг.),  jacTbiJaTCbi 
(Kas.)] 
breit,  flach  (iesse  139). 

jacTbik  [jyi~-L;  (Dsch.);  jacTyk  (Таг.),  jacTbik  (Alt.  Küär. 
Bar.  Tob.  Osm.  Kas.),  ііастык  (Kir.)] 
Kissen  (yastuc  123). 

jas  (v)  [/^^^  (Uig.)  irren,  jac  (Alt.)  vorbeigehen] 

fehlen,  nicht  treffen,  урдум-да  ]'аздь1м  (urdumda  jazdim 
134). 

jas  (v)  [/-^  (Uig.),  j9jL  (Dsch.  Osm.),  jas  (Таг.  Kas.)] 
aufbinden,  entwirren,  ja3apMäH  (jazarmeu  132). 

jas  [ja3,  jac,  jac,  час,  пас  alle  Dialecte] 

Frühling,  ІІКІ  ja3  ai  (ylias  ay  81)  der  erste  Frühlings- 
monat, соцгы  ja3ai  (songusax  ay  81)  der  zweite  Früh- 
lingsmonat, jaздa  (jaz  181). 


ja3  (v)  [^jL  (Osm.),  jas  (Kas.),  ца.з  (Kir.)] 

schreiben,  ja3apMäH  (yaxarmen  54). 
jasan  (v) 

zweifeln,  jasaHbipMäH,  jasanAbiM,  jasan,  ^азанмак  (ya- 
zanurmeii,  yazandum,  jazam,  jazämac  22). 

ja3bi  (Uig.),  jasbi  (Alt.)] 

Ebene,  V/iese  (yax  90),  jasbiebii^  (iessening  191,6), 
jasbua  (jesdä  159,4,  jazda  145,7,  8,  9). 

jasbik  [^«^*^  (Uig.),         (Dsch.),  j^iL  (Osm.),  jasbik 
(Bar.  Kas.)] 

Sünde  (yasuc  15,  78,  yasuc  158, ii,  jazikl82,  iezik 
157,8),  з'а.зыкньщ  (iazucning  139),  ]азыкны  (iazuchni 
167,7,  9,  16),  ja3bikTaH  (yaxuctan  78),  jasbik  6ilä 
(iazuclibile  168,io),  jaзыkлapньщ  (jaziklerning 
212,10),  ]азыклареы  (yaziklarni  214,7),  ]азыклар§а 
(iasiiklarga  164,5),  ja3bikbiÄ^aH  (iasikimdan  158,2, 
iazukimdan  158,i),  ]азыкьщ  (iazuchijg  167,6),  ja- 
зыкьщеы  (iazuchung°e  166,io),  jasbikbi  (iazuke 
166,10,  iazuchi  166,15,  jazuhi  207, lo),  jasbikbm  (ia- 
suchin  165,13,15,16,  167,10,  168,5,  iazucin  166, із, 
jazuhin  207,7,  9,  208,2,  iazuchyn  167,i4,  iazuchini 
168,3),  jaabikbiHAan  (iasukindan  165,7),  ja3bikbiMbi3 
(iasukumus  1 66,5),  .іазыкьшызны  (iasukimisni  1 66,3, 
jazihmizni  206,8),  з'азыкларымызны  (jaziklimisni 
209,1,  iazuclarmisme  171,io),  ja3bikbiiibi3  (iazuchu- 
gus  168,13),  ]азыкьщызны  (iazuchugsne  168,4). 

jaзыkлa  (v)  [=:jaзыk^-лa] 

sündigen,  .іазьікламыш  (jaxuclamis  15). 

jaзыkлы  [=]азык-нлы] 

sündig  (jaxuclu,  xaxuclu  117,  jazucla  157,4,  iasucle 

164.7,  165,11,  iazucle  166,9,  lo,  167,з),  jaзbIkлы- 
ньщ  (jazuklining  187,б),  jaзыkлымäн  (iezuclume 
157,2),  ,]'азыкльі  турман  (iazucluturmê  157,б). 

ja3bikcbi3  [=]азык-нсыз] 

sündlos  (iasucsuz  163,12,  iazuksus  166,2,  iazuchsus 

168.8,  jazik  siz  213,5). 
jaзыkcbIЗлыk  [=зазык-нсыз-і-лык] 

Sündlosigkeit ,    jaзbIkcbIЗЛbIkьщнbI  (jaziksislikingni 

195,15). 
ja3bM  (v)  [Pass.  von  ]аз] 

aufgehen,  sich  entwirren,  ]азьільштыр  (jazluptur  132). 
jani  [jam,  jam,  чаш,  час,  пас  alle  Dialecte] 

jung,  frisch  (yas  87,  jas  203, із). 


Das  tükkische  Зреасш 

jam  [alle  Dialecte]  , 

Lebensjahr  (yas  86),  зашыедан  (jasîndâ  203, із). 
jam  [alle  Dialecte] 

Thräne  (yas  113),  ]ашымвы  (yasimni  213,2). 
jambik  [,3<-iL  (Dsch.),  jambik  (Kkir.),  ііасык  (Kir.)] 

mager  (jassik  139). 
jambiH  (v)  [j-^^  (Uig.),  (Dsch.),  jambiH  (Kas.), 

jomyH  (Таг.),  _]ажын  (Alt.  Leb.)] 

sich  verbergen,  ]ашынмыш  (iasunmis  180),  з'ашынмас 

(iazzinmas  16  6, 12). 
jambu  [trV*^  (Uig-),  J^b  (Dsch.),  ]ашыл  (Aderb.),  jo- 
шул  (Таг.),  jämil  (Kas.)] 

grün  (yaxil  108).  .  .  . 

]ашыллык  [=г]ашыл-ь-лык] 

die  grüne  Farbe  (yassilic  86). 
jarabip  (v)  [C^-V^  (Uig.),  j-c^^L  (Dsch.),  jomyp  (Таг.), 
jambip  (Kas.),  jaffibip  (Alt.)] 

verbergen,  ]ашьірыман,  ]ашьірдьім,  jambip,  jambip- 

мак  (yasirumen,  yasirdun,  yasir,  yasirmac  7),  ja- 

шырса  (iazirsa  165, 15),  jambipbicäH  (iazzirrisen 

166,11),  jambipMa  (iazzirma  167,іб),  зашырмацыз 

(iazzirmangis  1 68,14),  jambipAbi  (iasidi  193,7),  ja- 

шырдыл  (iasirgil  193, 10). 
jambipbi  [von  jambip] 

verborgen  (yaxirj  69). 
jan  (v)  [alle  Dialecte] 

zudecken,  janapMäs,  janxbiM,  jankbu  (yaparmen,  yap- 

tim,  yapchil  15),  ашікні  janapMäe  (esich(ni)  japar- 

men  17). 
janapja  (v) 

zusammenfügen,  agaцjaпapлapмäн  (iapparlarmen  140). 
jaпkbщ  [=]ап-*-кыц] 

Decke  (yapchiz  15). 
jaöaiak  [jaбaлak  (Tob.  Kas.),  jaпkyлak  (Bar.)] 

Eule  (yabalac  129). 
^абылдрак  [^^^11^;-^^^  (Uig.),  janpak(Krm.  Osm.),  jaФ- 
g       рак  (Kas.),  цапрак  (Kir.),  jaлбыpak  (Kkir.)] 
'  Blatt  (yabuldrak  125). 
ja6yk  (jaôy)  [=  ja6y  (Alt.  Kkir.  Kas.)] 

Decke,  äjäp  jaöygbi  (ej^at  yabogi  121,  eyar  yaboci 

122). 

jaбyлы  [=:jaбy-^-лы] 

bedeckt,  mit  Decke  versehen  (jabovli  143,18). 

Mémoires  de  l'Acad.  Imp.  d.  sc.  ѴП  Serie. 


îKiAL  DES  Codex  Comanicüs.  41 

jaMa  (v)  [j4)L<)L  (Dsch.  Osm,),  jaMa  (Alt.  Таг.  Kas.),  иама 
(Kir.)] 

flicken,  JaMapMäH,  jaMaÄbiM  (iamarmen,  iamadim  52). 

jaMay  [von  jaMa  =  (Bar.  Kas.)] 
Flick  (jämow  220). 

jaMaH  [j-^ju^  (Uig.),  ù^■*^:^  (Dsch.  Osm.),  jawae  (Alt.  Bar. 
Tob.  Kas.),  ііаман  (Kir.),  чабал  (Abak.)] 
böse,  schlecht,  jaMan,  jaMaeHbi  (yaman,  yamannj  75), 
jaмaнлap  (yaraanlar  75,  yaman  68,  86,  180,  jaman 
116,  iaman  157,6,  7,  164,8,  165,8,  171, 11,  iama 
157,7),  jawaHÄaH  (iamandan  166,5,  171, 12),  jaaiaHbi- 
мызньі  (jamanimizni  206, 11),  jaMae  коцуі  6ilä  (ya- 
man congul  bila  68). 

jaмaeлы  [=:jaмaн-^-лbI] 

mit  Uebel  behaftet  (yamanli  213,6). 

jaмaeлbIk  [=заман-*-лык] 

Schlechtigkeit  (yamanlic  86,  iamanlicli  168,іб). 

jaMgyp  [СМЪ^^  C^^'L'^  (Uig.),  j^l  (Dsch. 

Osm.),  jagMbip  (Krm.),  ja^Mbip  (Alt.),  jaiibip  (Kas.), 
jawgyp  (Bar.)] 
der  Regen  (yamgur  44,  yangur  82),  jaмgыpлajын 
(yangleyin  204, 1). 

jaмgbIpлы  [=jaмgыp-t-лbI] 
regnerisch  (yamgurlu  82). 

jä  [ja — ja  entweder — oder  (Таг.),  jä  (Krm.)] 
oder  (ge  163,i),  ja  (jeh  226). 

jä  [t-i^  (Uig.),  S.^,  (Dsch.  Osm.),  jä  (Tob.  Leb.  Таг.  Küär. 
Kir.),  ji  (Abak.  Kas.  Bar.),  iiä  (Kir.)] 
essen,  jäpMäH  (jermen  138),  järäHiMAäii  (ieganimdâ 
157,5),  jäMäcä  (iemese  158, 11),  jäMäKcis  (jemasis 
213,4  jäp  (jer  145,10). 

jäK  [' — »-^  > — '  (Uig.)  Krankheit,  jäK(Chiv.Vamb.),  jäK- 
СІН  (Alt.)  Widerwillen  haben] 
Uebel,  jäKläp  алында  (iecler  allenda  170,i,  jek  187,8), 
jäKHi  (jekni  208,7). 

jäK  (v)  [jäK  (Küär.  Alt.),  jlK  (Kas.)] 
anspannen,  jeKäpMäH  (jokermen  220). 

jäK(?) 

jäKambi  (?)  das  Abendmahl  (iecesi  168,17),  jäK  ашьш 
(iecesin  168,8,  11). 
jäKliK(?)  [=jäK-i-liK] 
Uebel  (jecnik  171,12). 

6 


42 


W.  Radloff. 


jäKmäMÖä  [=  pers.  S^] 

Sonntag  (je  sanbe  80). 
jäij  (Dsch.  Osm.),  jâiî  (Alt.  Таг.  Küär,),  jeii  (Kkir.), 

neq  (Kir.),  jiii  (Kas.)] 

Aermel  (yeng  1 1 9). 
jä4  (v)  (Uig.),  SJL  (Dsch.  Osm.),  jäq  (Alt.  Таг.), 

Щ  (Kas.),  ііец  (Kir.)] 

besiegen,  jätfipMäH,  ]ацдім,  jä^ril,  jäqMäK  (yengrmen, 

yengdun,  yengil,  yengmac  61),  jä^i  (jêng^'  190,б), 

Іаціптір  (jengipf  192,іб),  іацдачі  (jendäci  206, lo). 
Ійціі  [!=Ч>-^^  (Uig.),  J^XIj  (Dsch.  Osm.),  jäqil  (Alt.),  jiiîïl 
(Kas.),  HiK  (Abak.)] 

leicht  (jengul  68,  yungul,  yungular  76, 87),  jä^ilkbi- 

лыклы  КІШІ  (jengil  kilihli  kisi  226). 
jäiiil  (v)  [Pass.  von  jäq] 

besiegt  werden  (yengilmac  61). 
]ачдір  (v)  [Factit.  von  з'ац] 

sich  besiegen  lassen,  besiegt  werden,  jäijAipin  (jenderip 

206.8)  . 

jap  [jap,  jep,  uäp,  jip  alle  Dialecte] 

das  Land  (yer  78,  89,  jer  138,  202,io,  145,5),  jäprä 
(iergä  170,8),  jäpm  (jerni  188,3,  211,з),  jäpAä 
(ierda  171,9,  159, ii,  ierde  163, is),  jäpAäH  (jerda 

144.9)  ,  jäpi  (ieri  180,  201,2,  jeri  204,i5),  jä- 
pieä  (ierina  161,8),  jäpiH  (jerinl40),  jäpTixpäMäKi 
(yer  titramachi  59)  das  Erdbeben, 

jäpcf  (?) 

unartig,  wild  (jarsöv  137). 
jäpciT  (v) 

reizen,  jäpciTipMäH  (järsitirme  224). 
jäl  [alle  Dialecte] 

Wind  (yel  82). 
jäläumi  [von  jäl] 

der  Läufer  (Traber?)  (jelemci  222). 
jälie  (Dsch.),  jäÜH  (Таг.),  jilÏH  (Kas.)] 

das  Euter,  jälei  (jelni  230). 
jäliM  [jäÜM  (AU.  Leb.  Таг.  Küär.),  jiliM  (Kas.),  ііеіім  (Kir.)] 

der  Leim  (yelin  102). 
jälni  (v)  [jälni  (Таг.),  jilni  (Kas.)] 

fächeln,  wedeln,  jälnipMäH  (jelpirmen  230). 
jäl  (v)  [jäT,  пет,  jiT  alle  Dialecte] 

erreichen,  jäTäpMäH,  jäXTlM,  jäTKÜ  (уеіагшеп,  yethim, 

yetchil  7,  31,  ietar,  ietti  42,  yetar  71),  jäTMäK  6ilä 


yetmac  bila71),  jäijiäiH  (ietmeyin  190,2),  jäTii  (jeti 

195,u),  jäTäp  (jeter  198,14),  jäiMäs  (jetmez  209,7). 
jäTi  [0^^  (Uig.),  (Dsch,),  jäTTi  (Alt,),  jlAi  (Kas.)] 

sieben  (jeti  80,  jetti  1 88,15), 
jäTKip  [i^i^^     (Uig.),  jäTTip  (Alt,  Küär.),  jäTKys  (Таг.), 
jeTKip  (Kkir.),  jiiTip  (Kas.)] 

kommen  lassen,  erreichen  lassen,  jäTKipril  (ietkirgil 

192,2,  197,4),  jäTKipÄi  (jetkirdi  196,12). 
jäTKis  (v)  vergl.  jäTKip  [jäTKys  (Таг.)] 

hinbringen  (jetkiz  210,з), 
jä3  [jäc  (Alt.  Leb.  Küär.),  jis  (Kas.),  пес  (Kir.)] 

Messing  (yes  97,  iez  181,  jez  232,  234),  jäc  тактасы 

(yex  tactasi  186)  Messingblech.  . 
jäMim  [у/^з^  (Uig.),  (^**^  (Osm.),  jäMim  (Alt.),  пеміс 
(Kif.),  jiMini  (Kas.)] 

Frucht  (yemis  28,  giemis89,  jemisl25,  202, 10,  jej- 

nis  216,7,  iemiz  172,2),  jäMimiii  (jeraissing  186,9), 

jäMlmi  (jemisi  209,6). 
jok  [jok,  uok,  jyk  alle  Dialecte] 

das  Nichtsein;  nein,  nicht  (yoc  68,  loch  141,  158,15, 

164,7,  171,3,  joh  143,12,  144,1,2,  146,12,  iwc 

158,8),  jok  äcä  (yoc  exa  68),  jokTyp  (ioctur  166,2), 

HäMä  jok  (neme  loch  163, 13). 
jokapbi  [^jLy  (Osm.),  jygapbi  (Kas.),  ijogapbi  (Kir.)] 

oben,  herauf  (iochari  160,2). 
jokлa  (v)  [jokja  (Bar.),  jygai  (Kas.),  j**^^  (Osm.)  tasten] 

vermissen,  suchen,  äpKä4  j оклад ым  (johladim  235). 
jokcyл  [J^^Ä?  (Osm.)] 

arm  (yocsul  116,  johsil  203,9). 
jogan  [jiby  (Dsch.),  jyan  (Kas,),  jöH  (Alt.)] 

dick  (yogan  87,  yogun  102). 
jogapTbiH 

von  der  Höhe  (jogartin  148,5). 
joH  (v)  ;[NC^  (Uig.),  (Dsch.  Osm.),  joH  (Alt.  Таг. 

Küär.)] 

schnitzen,  schaben,  joeapMäH  (jonarme  226). 
joHÖan 

joeöan  KäTäni  (yionban  chetan  107)  ein  Zeug  (tella 
de  Cap). 
jopaлa  (v) 

wünschen,  jopaлapмäн  (joralarmen  222). 
joл  [fc?^  (Uig.),        (Dsch.  Osm.),  joл  (Alt.  Kkir.),  ^ол 
(Kir.),  jyл  (Kas.")] 


Das  türkische  Sprachmaterial  des  Codex  Comanicus. 


43 


Weg  (jol  16,  163,10,  yol  61,  88),  jojga  (jolga  16, 
iolga  164,10, 165,2),  joлeы(jolne  141),  ]олдан(іоМап 
164,10,  15,  165,4,  ioldan  169,i),  ]ол  6ilä  (iol  bile 
163,11),  jojy4Hbi  (joluni  1 83),  jojyqa  (jolugal  98,із), 
joлyнa  (ioluna  165,іб),  ^олын  (iolin  191,15,  192,io), 
joлынцa  (iolunca  21 9, 17),  іолларьща  (jollaringa 
192,1),  ^олларьщны  (jollaringni  196, 11). 

]олу  [vergl.  ]ылу  (Tel.),  ^ылы  (Kas.)] 
warm  (io)lu  139). 

Іолук  (v)  [j^^  (Dsch.),  jolyk  (Таг.),  jojyk  (Krm.),  joлыk 
(Alt.)] 

entgegenkommen ,  золудурман,  ]олуктум,  ]олуккыл 

(yolugurmen,  yolugttun,  yolugchil  41),  joлykтy  (io- 

luchtii  164,11). 
joлдaцы  [tji^lj^^i  (Dsch.  Osm.),  joлдoш  (Alt.),  цолдас 
(Kir.),  jyлдaш  (Kas.)] 

Reisender  (joldagilar  233). 
joлцы  [v>-ot::?^  (Uig-)>         (Dsch.),  joлцы  (Ваг.),  золпу 
(Krm.),  .іулчы  (Kas.)] 

Wanderer  (Gast?)  (jôcu,  225). 
joлcyз  [=зол-*-суз] 

ohne  Weg  (jolsuz  163,9).       •  ' 
joMapx  [=  CjjL^] 

freigiebig  (jomard  115),  joaiapT  Köqyl  6ilä  (jomart 

congul  bila  68). 
joMyk  (v)  [^-^^i^  (Uig.)  versammeln,  O-i/^'L*^^  (Uig.) 
alle] 

.sich  versammeln,  joMykxbi  (jomucti  18). 
joмдap  (v)  [vergl.  das  vorhergehende] 

versammeln,  ^омдарымйн,  joмдapдым  (jomdarimen, 

jomdardim  18). 
jÖTKyp  (v)  [jöTKyp  (Alt.),  jöAyp  (Küär.),  jyTKip  (Kas.)] 

husten,  jöTKypÄiM  (jötkurdim  136). 
jöncy  (v)  [jön  (Alt.  Leb.  Küär.)  passend,  tüchtig] 

billigen,  jöncyMim  (jüpzimis  188,12). 
jönciH  (v)  [vergl.  jön  (Kkir.)  gut] 

billigen,  jönciHin  (jopsinip  195,8). 
jön  jön 

immer  fort  (jöp  jöp  ulu  bolur  133,  iöp  kuclu  bolur 
135). 

jbik  (v)  [Л^  (Uig.),  ^^^j  (Dsch.  Osm.),  jbik  (Alt.  Küär. 
(Kas.),  ііык  (Kir.)] 
umwerfen,  jbikapMäa,  jbikibi  (iycharmen,  iychte  18). 


jbikbu  (v)  [Pass.  von  jbik] 

umfallen,  jbikbMAbiM,  jbikbUbipMän,  jbikbM  (gikilur- 
raen,  gikildum,  gigil  12,  gichildim  134). 

jblgлa  (v)  [H±^  (Uig),  пыла  (Kir.),  jbua  (Kas.),  уіла 
(v)  (Kir.)] 

weinen,  jыgлapмäн,  jыgлaдым,  jbipagbw,  jbipaMak 

(yglarmen,  ygladum,  yglagil,  yglamac  43). 
jbiijbipiiak  [ьщырчак  (Alt.)]* 

Packsattel  (yengirzac  122). 
jbJP  [^'  (Osm.),  jbip  (Bar.  Aderb.),  ыр  (Soj.),  ubip  (Kir.)] 

Gesang  (yr  12),  jbipbie  (irin  188,8). 
jbipak  [A*-^^  (Uig.),  jj^  (Dsch.),  jbipak  (Kas.),  bipak, 
рак  (Alt.)] 

weit,  fern,  jbipak  атарман,  jbipak  ат  (iragirmen,  jarat 

et  8),  jbipak  (yrah  69,  irach  164, 13). 
jbipakxbiH  [von  jbipak] 

von  Weitem  (yractim  64,  irachti  164,12). 
jbipga  (v)  [^^  (Uig.),  jbipga  (Alt.)] 

zechen  (?),  jbipgagbu  (girgagil  221),  jbipga.iaAbip 

(jrgaladir  230). 
jыpлa  (v)  [=jbIp^-лa] 

singen,  jbIpлapлap  (irlarlar  159, 10),  jbIpлaп  (irlap 

202,5),  jыpлapмäн,  jbIpлaдым,  jbIpлagыл  (yrlarmen, 

yrladim,  yrlagil  12). 
jbipx  (v)  [^^^^  (Uig.),  jj^^  (Dsch.  Osm.),  jbipi  (Alt. 
Kas.),  пырх  (Kir.)] 

zerieissen,  jbipxapMän,  jbipxxbiM,  jbipxkbo,  jbipxMak 

(girtarmen,  girttum,  girtcliil,  girtmac  23),  jbipxbiq 

(jirting  140). 
jbipxbM  (v)  [Pass.  von  jbipx] 

zerreissen  (intr. ),  j ырхылд ьщ  (jirtilding  140). 
jыpцbI  [=]ыр-+-цьі] 

Sänger  (yrci  103). 
]ыл  [t^^  (Uig.),        (Dsch,  Osm.),  jbu  (Alt.  Bar.  Kas.), 
11ЫЛ  (Kir.)] 

Jahr  (gil  79),  jbIЛлap  саньі  die  Zahl  der  Jahre  (glar 
8аш81),алхы  jbM(altigiI158,5),  jb^Aa  (gilda  168,6), 
jbmapnbi  (jillâni  205,7). 
jbmn  [j^-4^  (Uig.),  û%i  (Osm.),  jbuae  (Alt.  Kkir.  Kas.), 
пылан  (Kir.)] 

Schlange  (gillan  129,  ilan  168,15,  16,  ylan  145,9), 
jbuaHHbi  (ilâni  191,4). 

6* 


44 


W.  Kadlofp. 


З'ылкы  [0''"'L^^  (Uig.),  Ji^L  (Dsch.),  іылкы  (Alt.  Kas.), 
jbugbi  (Küär.)] 

Pferde  (yilki  134). 
Іылтра  (v)  [jbMipa  (Bar.),  цылтра  (Kir.)] 

glänzen,  jылтpaды,  jbMTpaMak,  jb^ipap  (giltradi,  gil- 

tramac,  giltrar  34). 
jылтpын 

Glas  (giltrin  109).  , 
jbinap  [C^-^^  (Uig.)  =  pers.  jU] 

Moschus  (ypar  93). 
ji  (y)  (Uig.),  ^  (Dsch.),  uï  (Kir.),  jï  (Kas.)] 

sammeln,  jljapMäH,  j^iM  (yiarmen,  iydim  18),  jigai- 

быс  (gigaibis  169,9),  jïAÏ  (jiMi  234). 
jlKäy 

Kirche  (jihowi  198,3),  jiKäyrä  (gichövgä  158,  4,  lo). 
jiriT  [^'^^J^^  (Uig.),        (Dsch.),  jirlT  (Alt.),  jiriT  (Kas.)] 

Jüngling  (ygit  87,  iegit  164,ii,  165,4). 
jiriTÜK  [=jiriT4-liK] 

Jünglingsalter,  Jünglingskraft,  Muth  (yeijtlic85),  зігітИкбі 

(jigilikni  213,3). 
jîH  [nîH  (Kas.)] 

Versammlung,  санігкііБ(8епекіуп147,5)=гиз8.помощъ, 

Hülfeleistung  der  Nachbarn  bei  der  Heuernte. 
jLi  (v)  [Pass.  von  ji] 

sich  versammeln,  з'щы  (jildi  18). 
jiläK  [S.À^i  (Dsch.),  jiliK  (Alt.  Leb.),  jili4  (Küär.)] 

Mark  (jilek  36). 
jiT  (v)  [-^^  (Uig.)] 

verloren  gehen  (vergl.  jlTTip). 
jiTi  [--^i^  (Uig.)] 

scharf  (jiti  133,  134,  iti  180). 
jlTTip  (v)  [Factit.  von  jiT] 

verlieren,  ]іттірдім  (jitirdim  230). 
jisHä  [jiCHä  (Kas.)] 

Schwager  (yexna  114). 
jin  [jin,  jin,  in  alle  Dialecte] 

Faden  (yp27,97, 102,ipl00),jogyHjin(yogunipl02). 
jinäK  [jinäK  (Таг.),  ji6äK  (Alt.)] 

Seide  (ypac  107,  jibekmi  232). 
jiölT  (v)  [ji6i  (Alt.  Bar.)] 

weich  machen,  jiöiTipMäH  (jibitirmen  221). 
jy  (v)  [Jh^  (Osm.),  jy  (Таг.  Kas.),  ny  (Kir.)] 

waschen,  jyapMäe,  jyÄyM,  jy  (juuarmen,  juudum,  ju 

33),  jyAbi  (judi  209,2). 


jya  [nya  (Kir.)  grüne  Zwiebelpflanze] 

Zwiebel  (youa  127). 
jyan  [arab.  *--j1^»] 

Antwort  (joap  52),  jyan  öäpiMäH  (joap  berumen  52) 

ich  antworte. 
jyaH4a4 

träge  (jyvoancang  135). 
jyk  (v)  [Л'^^   (Uig.),    -^у^  (Dsch.),    jyk  (Alt.),  jek 
(Kas.)] 

kleben,  jykapMäH  (joharmen  220),  jyknaMbim  (jub- 
mamis  144,io). 
jykTjp  (v)  [Fact.  von  jyk] 

anhängen,  machen,  jykxypMai  (jukturmey  216,8). 

i  jygyPT 

Quark  (yugiirt  131). 
пуЬут  [=  :>^?] 

Jude,  jüdisch  (Schriftwort)  (guhut  161,7),  цуЬутлар 

(guhutlar  170,10). 
jyH  (v)  [Beflex.  von  jy] 

sich  waschen,  jynypMäe,  jynayM,  Іундыл  (iuunurmen, 

iuundim,  iuungul  10),  j увалы  (ju  unali  214,6). 
jyp  (v)  [СУ^^  (Uig.),  ^jy^y,  (Dsch.),  jygyp  (Таг.),  je- 
дѳр  (Kas.),  jypa  (Alt.)] 

kneten,  jypbiMän,  jypAbiM  (jurimen,  jurdim  136,  juur- 

dim  143,6). 
jypgan  [jypgaH  (Alt.),  jepgan  (Kas.)] 

Bettdecke  (yourgan  123,  yorgan  99). 
jypT  [-^^  (Uig.),  (Ojjj  (Dsch.  Osm.),  jypT  (Alt.  Tob.], 
jepT  (Kas.),  ііурт  (Kir.)] 

Wohnung  (yurt  35j. 
jyji,  jyлy  (v)  [t^ûi-  (Uig.),  jl^,.  (Dsch.),  jyл  (Alt.  Tob  ),  jyj 
(Таг),  jѳл  (Kas.),  пул  (Kir.)] 

ausrupfen,  ausreissen,  jyлapмäe,  jyлдyм,  ^улдыл,  jyл- 

мак  (yularmen,  yuldum,  yulgil,  yulmac  48,  yulur- 

men,  yuludum,  yulugil  49),  jyлмыш  (julumis  84), 

jyлды  ^juldi  208,4). 
ІУЛУ 

Bettung,  Erlösung  (juluv  209, i). 
jyлyцы  [=jyлy-l-цы] 

der  Erlöser  (julovci  230). 
]УЛУЧУЦ  [von  jyл] 

Basirmesser,  Instrument  zum  Ausreissen  des  Bartes  (?)  (yu- 

luguz  49,  yulunguz  100). 


Das  türkische  Sprachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


45 


улун-  (v)  [Reflex,  von  jyj] 

erretten,  ^улунданымыз  (julugnamis  206,6),  Іулун- 

данларны  (julûgâlarni  210,2). 
jyjka  (v)  [vergl.  jylgy  (Таг.)  mausern,  ,)улк  (Kkir.)] 

pflücken,  jyлkapмäн  (julkarme  224). 
Зултар  (v)  [?] 

verbessern,  .іултарыміів  (ju(lta)rimê  226). 
Іулдуз  [^^^lO^  (Uig.),  ^j^jJy.  (Osch.),  jjL  (Osm.), 
jyлтyc  (Таг.),  ііулдуз  (Kir.),  іѳялѳз  (Kas.]] 

Stern,  ]улдуз  (iuldus  78,  161,4,  ioldus  161,5,  iuldus 

161,9,  iudus  161,11,  iuldus  162,1,  juldus  145, ii, 

207,7),  з'улдузны  (iulduzni  162,3,  192,9). 
З'улдузцы  [=]улдузн-цы] 

Sterndeuter  (juldiizci  180). 
jyлмaлa  (v) 

bücken  (?)  [ich  bu],  .іулмаларміін  (julmalarmê  224). 
ІУДРУк  l^jj^^.  (Osch.),  .іудрук  (Bar.  Alt.  Leb.),  іѳдрѳк 
■  (Kas.)] 

die  Faust  (juruh  223). 
'  jycak  [jycak  (Tob.),  jecak  (Kas.)] 

Schloss  (yusxac  12,  yusac  119). 
Іусакла  (v)  [=jycak-^-лa] 

mit  einem  Schlosse  verschliessen,  jyзakлapыäe,  ]узакла- 

ДЫМ,  jyзakлa  (yusxaclarmen,yuxacladum,yuxacla  1 2). 
Іубан  (v)  [jy6aH  (Bar.)] 

scherzen,  zum  Scherze  sagen,  ausdenken,  jyöangan  cö3 

(jubangan  sös  227). 
jyji  (v)  [^û^  (Uig.),  j.*^  (Dsch.),  jyM  (Alt.  Таг.),  jeM 
(Kas.),  пум  (Kir.)] 

die  Augen  zudrücken,  ,]умармые,  jyмдyы  (iumarmeii, 

iumdum.  133). 
"Іумуртка  [biJ;,^*^  (Dsch.),  (Osm.),  ]умуртка  (Bar.), 

jewepka  (Kas.)] 

das  Ei  (ju(murt)ka  143, ii,  jumurtka  143, 12). 
]умдалак  [jyMgak  (Alt.),  иумалак  (Kir.)J 

rund,  die  Kugel  (kuylecht),  (jügalak  223). 
jyMmak  [=,)ымжак  (Alt,),  jLLo^  (Osm.),  пумсак  (Kir.)] 

weich  (ymisac,  yumsak  65,  ymisat  88). 
j^K  [wi.^  (Uig.),       (Dsch.  Osm.),  jyK  (Alt.  Таг.),  цук 
(Kir.),  jëK  (Kas.)] 

Last  (yuc  30,  102),  jyK  гушуруман  abladen  (yuc- 

tusururmen  19),  jyK  котурмакіік  das  Belasten  (jûyc 

coturmeclic  78). 


jynlä  (v)  [=jyKH-lä] 

belasten,  jyKläpMäH,  jyкläдiм,  jyKlä  (yuclarmen,  yucla- 

dun,  yucla  30). 
jyräH  [ij^yi  (Dsch,),  jyrän  (Таг.),  ііугон  (Kir.),  joräH 
(Kas.),  угон  (Alt.)] 

Zügel  (vergl.  jyräHui). 
jyгäнцi  [=jyräH-i-ai] 

Zügelmacher  (yuganci  101). 
jyrye  (v)  [vergl.  jyryu  (Irt.)] 

sich  verneigen,  jyryHyip3  (jugungis  157,i,  jwgwnwn- 

gis  159,1),  jyгyндi  (iwgundi  160,5),  jyгyндiläp 

(jwgüdilar  162,5),  jyryHyp  (jugunur  198,5). 
jyryuu  [von  jyrye] 

Verbeugung,  Verehrung,  Anbetung  (jugunc  207, 3),  jy- 

гуыціміз  (juguncimis  209, 10). 
jyryp  (v)  [^^^^  (Uig.),  S^j/ji  (D.sch.),  jyryp  (Таг. 
Küär.  Alt.),  iiyryp  (Kir.),  jërëp  (Kas.)] 

laufen,  jyrypyMäH,  ^угурдум,  jyryp,  jyrypMäK  (yu- 

gururmeu,  yugurdura,  yugur,  yugurmac  12),  jyrpyn 

(iugrup  214,7). 
jy4  [— ^^i-  (Uig.),  ^^J^.  (Osm.),  joH  (Kas.)] 

Wollhaar,  Flaumfedern  (jon  46,  yuug  106,  107),  yry 

jyijy  Eulenfeder  (ugu  yungi  106). 
jypäK  [s-j-x-y^q:^  (Uig.),  éïjj^,  (Osm.  Dsch.),  jypäK  (Leb. 
Küär.),  jypöK  (Alf.  Bar.),  nypöK  (Kir.),  jepäK  (Kas.;] 

Herz,  jypärieä  (juregina  145,2). 
jypy  (v)  [v>^-^^^  (Uig.),  S^jj^^.  (Osm.),  jyp  (Alt.),  uyp 
(Kir.),  jöp  (Kas.)] 

gehen,  jypypMäH,  jypM^,  jypyril,  jypyrün  (yurur- 

men,  jururdum,  iurgil  14,  yurdum,  yurugil,  yuru- 

gan  38,  yurudum  55,  jurga  192,i),  jypyn  (juriip 

200,3,  214,7),  jypyMärä  (yärmägä  214,8). 
jyi  [0гут.(Кіг.),  yrÏT  (Kas.)] 

Trost,  jyx  бардім  (juutberdim  140). 
jfTlä  (v)  [r=jfT-i-lä] 

trösten,  jyTläpMäH  (juutlerraeu  140). 
jyдä  (v)  [jyдä  (Таг.  Küär.),  пѳда  (Kas.)] 

müde  werden,  jyдäдiйI  (jädädim  221). 
jy3  [j^.  (Dsch.  Osm.),  jyc  (Alt.),  jy3  (Таг.),  jes  (Kas.),  uys 
(Kir.)] 

hundert  (iwx  158,12),  jys  кун  (jwskun  167,8). 
jys  [/^^^  (Uig.),       (Dsch.  Osm.),  jy3  (Таг.),  иуз,  дус 
(Kir.),  jë3  (Kas.),  jyc  (Alt.)] 


46 


W.  Eadloff. 


Antlitz,  Gesicht  (jüz  193, lo),  jysyeä  (isine  142),  jy- 
зуві,  jysyH  (juzini  205,2,  juzun  215,10),  Іузуніц 
(juzuning  187,3),  jysyq  (juzing  206, 12). 

jys  (v)  [S.^jy^  (Osm.),  jë3  (Kas.),  пуз  (Kir.),  jyc  (Alt.)] 
schwimmen,  jy3äpMäB,  ]уздум,  jysril  (juxarmen,  yu- 
xardum,  yuxgil  39),  jysräH  кіші  (yxganchisi  39) 
der  Schwimmer. 

jy3yK  (Dsch.  Osm.),  jysyK  (Bar.),  jesÖK  (Kas.),  jyc- 

тук  (Alt.)] 
Fingerring  (juzuk  179). 

JMm  [yö^^^  (Uig.),  ^jjj  (Dsch.  Osm.),  узум  (Таг. 
Aderb.),  jesGM  (Kas.)] 
Weintraube  (xuxun  126),  кзфу  ]узум  Rosine  (churii 
xuxum  126). 


H. 

нак  [=  pers.  iiü] 

Moschuspflanze  (пас  106). 
накара 

eine  Art  Trompete  (nakara  104). 
накт  [=  arab.  jüJ] 

Geld,  baares  Geld  (nagt  81,  91,  106). 
накш  [=  arab. 

Gemälde  (nacs  21). 
накшла  (v)  [=накпи-ла] 

malen,  накшларман,  накшладым,  накшла  (nacs  lär- 
men, nacs  ladum,  nacs  la  21). 
нарьшц  [=  arab.  ^Ь] 

Orange  (naine  126).  ■ 
нарыБііы  [=  j_jsjb]| 

Orangefarben  (narangi  108). 
нардан 

Granatapfel  (nardan  125). 
нал  [=  arab.  Jej] 

Hufeisen  (naal  121). 
насыц  [=  per.  ^fw*;] 

seidener  Stoif  (nasic  107). 
Hä  [уА  (Uig.),       (Dsch.  Osm,),  на  (Alt.),  не  (Kir.),  ні 
^  (Kas.),  HO  (Abak.)] 

was  (ne  70,  160,6,  165,3,  166,14),  aärä  (nega  185), 
надан  (ne  dan  169,8),  набіій  (nebule  170,з,  4),  nä  кім 


(ne  kim  167,7),  на  кіи  äcä  (nekimese  158,i8),  на 

уцун  (neuzun  70). 
Hä  [=  pers.  <ü] 

nicht  (ne  205,8,  213,4),  на— Hä  (ne— ne  162,м),  Hä 

кім  (nekim  163, 10). 
HäK  [нік  (Kas.)] 

wozu  (Glosse  zu  näMärä)  (näk  213,7,  näk  214,i). 
Häqä  [Häqä  (Aderb.),  ніча  (Kas.)] 

wieviel  (nece  141,  163,14,  neza  70,  nece  158,ii, 

162,14). 

HäniK 

wie  (necic70,  necik  144,io,  151,8,  159,3,  160,8, 14, 

163,13,14,   164,7,  8,   165,11,  166,8,   167,13,  170,7, 

11,  171,1,2,6,  11,  186,14,  193,17),  націк  кім  (nezik- 

kim  171,9). 
назік  [назік  (Tob.)  =  pers.  il>Ü] 

zart  (näzik  214,4). 
наФас  [=  arab.  ^JJù] 

Athem  (nafas  112,  naffas  113). 
HäMä  [HäMä  (Alt.  Bar.  Таг.),  нама  (Kas.)] 

irgend  Etwas  (mit  neg.  Nichts)  (nema  86,  neme  164,7, 

167,5),  HäMärä  (nä  mägä  213,7),  HäMäAä  (neme  da 

167,1,  nemede  167,11).  HäMä  jok  (neme  loch  163, 13), 

ац  HäMä  Täril  (hec  nema  tage  68),  äq  HäMä  jok 

(hec  neme  iwc  158,8). 
BäMäT  [=  arab.  л^] 

Genuss  (Schriftwort),  vergl.  HäMäTli.  ^ 
наматИ  [=і«аін-1і] 

angenehm  (naamatlu  115). 
нокта  [нокта  (Kir.  Abak.),  нукта  (Kas.)] 

Halfter  (nocta  122). 
нодут  [=  arab.  .і^]  ' 

Bohne  (noghuc  131). 
HÖKTä  [=  arab.  ikiJ] 

Punct  (nocta  79). 
Höräp  [=  pers.^/y] 

Gefährte  (noga(r)  114). 
нышан  [=:  pers.  (jiiJ] 

Zeichen  (nisan  53,  nizan  159,6, 162, 11, 163,4,  164,9). 
нышанла  (v)  [=нышан-і-ла] 

bezeichnen,  нышанларман,  нышанладым,  нышанладыл 

(nisan  lärmen,  nisan  ladin,  nisan  lagil  53). 


Das  türkische  Spkachmateeial  des  Codex  Comanicüs. 


47 


НІІ  [=  pers.  Jj] 

Indigo  (nil  91). 
нур  [=  arab.  jy] 

Licht,  ата  нуры  (ata  nuri  187,2). 


P. 

раідан  [=  pers.  jlblj] 

umsonst  (raygan  194,io). 
рауанд  [=  pers.  jsj j] 

Rhabarber  (rauand  93). 
pahiM  (ракым?)  [=  arab.  ^=>j] 

Gnade  (Schriftwort)  (rahiminga  206,ii). 
разіава  [=  pers.  «bbjlj] 

Fenchel  (raxiana  127). 
päHK  [=  pers.  S^j] 

Farbe  (rang  102),  рйцкіар  (ranglar  108). 
pä6ä  [=  arab.  Lj] 

Zinsen,  Wucher  (rebe  85). 
рыс  [рыс  (Alt.  Leb.  Abak.),  рыз  (Kir.)] 

Glück  (rox  28). 
рым  [vergL  (Alt.  Abak.  Kir.  Kas.)] 

Zauber,  glückliches  Vorzeichen  (vergl.  рымцылык). 
рымцы  [=рым-і-цы] 

Zauberer  (vergl.  рымцылык). 
рымцылык  [=рым-*-цы-і-лык] 

Zauberei,  Weissagung  (ranzilic  9). 
русы 

russisch,  русы  катан  (russi  chetan  107). 
рустан  [=  pers.  ^b^jj] 
bäuerisch  (rustan  116), 

Jl.  ■ 

лак  [=  pers.  il^] 

Lackfarbe,  рйцкі  лак  (rangi  lac  92). 
лакап  [=  arab. 

Zuname,  лакап,  лакапны,  лакапіар,  лакапларны  (la- 

hab,  lahabra,  lachlabar,  lahablarnj  75). 
лакан  [=  griech.  Xexàvy)] 

Becken,  Taufbecken  (lahan  182). 


ла]ык  [=  arab.  jj^] 

passend,  werth  (layh  209,7). 
лал  [=  arab.  JeJ] 

Rubin  (liai  108,  laal  109). 
ласт 

Hede  (last  107). 
ломбарды 

Lombardei  (lonbardi  chetanj  107). 


L. 

läijäp  [=  pers._^^l;J] 

Anker  (lenger  179). 
Ііман  [=  griech.  As[ji.y]v] 

Hafen  (limen  43). 
1ІМ0Н  [=  pers.  ^  ù^-'j 

die  Citrone  (limon  126). 

T. 

тау  (тад)  (Uig.),  ^L'  ^ІІ  (Dsch.  Osm.),  таг  (Abak.), 

Tag  (Таг.),  тау  (Kir.  Kas.),  ту  (Alt.)] 

Berg  (tav  144,13),  тауда  (tavga  189,12,  196,i2, 

203,3),  тауда  (tavda  144,i),  тауларныц  тавы  (tav- 

larning  tavi  203, i). 
таук  [✓^<^»i>f^  (Uig.),  j_jL'  (Dsch.),  таук  (Bar.  Kir.  Kas. 
Tob.),  такка  (Alt.)] 

Huhn  (taue  130,  taoli  134). 
таул  [даул  (Kir.)] 

Ungewitter  (taul  139). 
таус  [(j-jl-i»  arab.] 

Pfau  (taus  130). 
таус  (v)  [таус  (Kir.)] 

beendigen,  таусты  (tausti  139). 
так  [jLi  (Dsch.)] 

ungrade,  unpaarig  (tac  83). 
такта  [alle  Dialecte] 

Brett  (tacta  120),  санар  такта  Zahlbrett  (sanar  tacta 

90),  jä3  тактасы  Kupferblech  (yex  tactasi  106). 
Tag  [vergl.  тау] 

Berg  (tag  88,  tage  38). 


48 


W.  Radlopf. 


тадаі  [^Іі:^'  (Osch.)] 

Verwandter,  Onkel  (tagai  114). 
та§ы  [=  да§ы] 

auch  (tage  65).  .  ■ 

тары  [=та§.н-лы] 

bergig,  га§лы  jap  (tagellar  38). 
тац  [' — ^^^^  (Uig.),  vergl.  тщ  (Alt.),  Ausruf  der  Verwun- 
derung, des  Zweifels] 

Wunder,  raipap  (taglar  159,i6),  таііларын  (tanglin 

203.15)  . 

тац  [alle  Dialecte] 

Tagesanbruch,  тац  ііртй  in  aller  Frühe  (tank  ertä  79,  tang 
iirte  80),  тан  (tang  mit  der  slav.  Glosse  sara  (заря)  181). 

тацыш  [von  тац] 

Wunder  (tangis  216,6). 

тацыш  (v)  [vergl.  тац  (Alt.  Kir.  Bar.  Irt.  Kas.)] 

танышып  jaTbip  (tangisip  jatir  230  =  ligt  hiczede). 

тацла  [von  тан  =  тацда  (Kir.)] 

wählen  (eigenllich  im  Zweifel  sein,  ob  man  dies  oder  jenes 
nehmen  soll?),  тацлармйн,  тацладым,  тацла  (tanlar- 
men,  tanladum,  tanla  17),  тацлап  тыр  (tanglapf 

193.16)  . 

тацла  (v)  [i^ij'-^'o-  (Uig.),  j^LlXliL  (Dsch.),  тацда  (Alt.), 
тацна  (Bar.)] 

sich  wundern,  тацларлтн,  тацладым  (tanglarmen, 

tangladum  36),  тацларлар  (tanglaiiar  190,2). 
тацланцык  [von  тацлан] 

wunderbar  (tanglancik  219). 
тацда  [von  тац,  vergl.  тацда  (Alt.  Abak.)]  • 

morgen  (tangda  65,  tanda  80). 
Tajak  [alle  Dialecte] 

Stock  (tayjak  191,7),  та]ады  бар  (tayagibar  144,із). 
тан  (v)  [j«jl.j  (Dsch.),  тан  (Таг,  Aderb.  Kir.  Kas.)] 

sich  absagen,  leugnen,  танарман,  тандым,  тандыл  (ta- 

narmen,  tandum,  tangil  39). 
таны  (v)  [O-'*'^  (Uig-),  j<^l-J  (Osm.  Dsch.),  таны  (Alt. 
Abak.  Kir.  Kas.  Bar.)] 

kennen,  танырман,  таныдым,  таныдыл,  танымак 

(tanirmen,  tanidum,  tanigil,  tanimac  15),  таныр  кі- 

ші  (tanur  chisi  115),  таныцыз  (tanigis  169,i),  та- 

нымыш  (tanimis  216,2). 
танык  [,À^^^  (Uig.),  ^уЬ  (Dsch.),  танык  (Kir.)] 
■Zeuge  (tanuc  60),  таныкы  (tan^ke  162,із), 


таныклат  (v)  [=тавык-і-ла-+-т] 

bezeugen,  таныклатырман  (taniklatirmen  159,5). 
таныклык  [==:танык-і-лык] 

Zeugniss  (tanihlik  185),  таныклык  баріман  (tanucluc 

berumen  60)  bezeugen, 
танлаш  (v)  [=  тацлаш(?)] 

untersuchen,  танлашырман,  танлаштым,  танлаш  (tan- 

lasurmen,  tanlastin,  tanlas  24). 
тар  [alle  Dialecte] 

schmal,  eng  (tar  139). 
тарада 

ein  Graben  (?)  (taraga  136). 
таразы  [таразы  (Kir,  Kas.),  тарас  (Bar.)  = 

Wage  (taraxu  90),  таразы  дак  (tarazMek  209,8). 
тары  [тары  (Tob.  Kir.  Kas.)] 

Hirse  (d'"i  131,  tari  131). 
тардат  (v)  [^-^аі^у-жі^ч,  (Uig.),  jjLiii.^  (Dsch.),  таркат 
(Kir.),  тардат  (Schor.),  тарат  (Alt.  Kas.)] 

zerstreuen,  тардаткыл  (targatgil  187,12). 
тарлау  [\>^*tr^^  (Uig.),  X^Ü  (Dsch.  Osm.),  тарлау(ТоЬ. 
Kas.  Kir.)] 

Acker  (tarlov  180,  224,  229), 
тарт  (v)  [alle  Dialecte] 

ziehen,  тартарзіан,  тарттым,  тарткыл  (tartarmen, 

tartum  12,  tartchil  58),  тагірман  тартарым  auf  der 

Mühle  mahlen  (tegirman  tartarim  37). 
тартын  (v)  [=тарт-+-ын] 

an  sich  ziehen,  тартынырман,  тартындым,  тартындыл 

(tartinurmen,  tartindum,  tartingil  32). 

талал  [=  arab.  j'S:>] 

der  Makler,  Ausrufer  (talal  101). 
талаш  (v)  [alle  Dialecte,  Becip.  von  тала,  талаш  (Alt.  Kas. 
Bar.),  талас  (Kir.  Abak.)] 

streiten,  талашырман  (talischirmen  132),  талашман 

talaschman  141). 
тат  (v)  [^-^-^  (Uig.),  (Dsch,  Osm,),  тат  (Kir,  Таг. 

Kas.  Bar.  Tob.)] 

kosten,  татарміін,  таттым,  таткыл,  татмак  (tatarmen, 

tattin,  tatchil,  tatmac  29,  55),  татмак  (tatmac  81, 

86)  der  Geschmack,  das  Schmecken, 
татар  [^ÜÜ  (Dsch.  Osm.),  татар  (Kas.)] 

der  Tatar,  tatarisch,  татар  тііга  конаіді  (tatar  tilge 

koneldi  229),  татар  да  (tararce  160,ii). 


Das  tüekische  Speachmateeial  des  Codex  Comanicüs. 


49 


татыд  [у^^^Ъ-  (Uig.),  TäT(Alt.),  тат  (Bar. Kir,),  дат  (Krm.)] 

der  Geschmack  (tatig  86). 
татыдлы  [=татыд-і-лы] 

wohlschmeckend  (tatigli  84). 
тату  [=таты§] 

Geschmack  (tatov  135). 
татла  (v)  [=тат-ьла] 

schmecken,  татлар,  татла рлар  (tatlar,  tatlarlar  173). 
татлы  [^JjU  (Osm.),  татлы  (Kas.),  тату  (Kkir.)] 

süss,  wohlschmeckend  (tatli  65,83,  173,  193,8,  199,1, 

203,5,  tattli  213,3,4,-  214,4,  tatlo  160,io),  acpy 

татлы  (asru  tatli  173)  sehr  süss, 
таттыр  (v)  [=тат-*-тыр] 

kosten  lassen,  таттырдыл  (tatirgil  193,9),  татырдыц 

(tatirdiDg  194,4). 
тац  pers.] 

Krone  (tagz  105),  тацы  (daci  197,4),  тацыны  (dacini 

191,i),  тіганак  тацы  (tigenek  tage  171,5). 
тас  [=  pers. 

Becken  (tas  100). 
тастар  [jLö  pers.] 

das  Tischtuch  (tastar  123). 
таз  [jb  (Osch),  таз  (Kir.  Kas.  Таг.)] 

kahlköpfig  (tax  116). 
таш  [alle  Dialecte,  тас  (Kir.  Abak.)J 

Stein  (tas  89,  102,  119,  203,з),  ташлар  Gewichte 

(taslar  90),  ташта  (tasda  144,i),  таш  6ilä  (taz- 

bile  160,1). 
таш  [jf-^  (Uig.)] 

draussen  (tas  189,8). 
ташак  [jULj  (Osm.),  ташак  (Kas.),  тазак  (Abak.)J 

die  Hode  (taxac  112). 
ташаксыз 

castrirt,  Eunuch  (tasacsix  117). 
ташкары  [v>^^^^^*<0'  (öig.),  ^jUj.L  (Dsch.),  ташкері 
(Таг.),  ташкар  (Leb.),  тышкары  (Kas.  Alt.)] 

draussen  (tascari  65). 
ташла  (v)  [ташла  (Bar.  Kas.),  таста  (Kir.),  ташта  (Alt.), 
(Osm.)  steinigen] 

werfen,  ташлап  (tazlap  160,i),  ташлар  іді  (tazlaridi 

160,1). 
таштьш  [von  таш] 

heraus  (tastin  24,  65). 

Mémoires  de  l'Aead.  Ішр.  d.  sc.  ѴП  Série. 


тап 

Nachahmung  des  fallenden  Tropfens  oder  derzufallendenThür, 
тап  тап  (tap  tap  143,4,  tap  146,із). 

тап  [alle  Dialecte  ausser  südl.] 

finden,  тапарбыз  (taparbis  160,із,  164,9),  таптылар 
(taptilar  162,4),  тапкаи  (tapgâ  203, lo),  тапкаісыз 
(tapgaysis  159,7,  tapgasiz  161,8),  тапмасац  (tapma- 
sang  147,4,  5),  тапмассііп  (tapmasseu  163,2). 

тапта  (v)  [тапта  (Irt.)] 

stampfen,  таптарман  (taptarmcn  137). 

табан  [Ci^Àj  (Dsch.  Osm.),  табап  (Abak.  Kas.  Tel.),  таман 
(Kir.)] 

Sohle  (taban  99,  113),  табаиындан  (tabanindan 
171,3). 

табак  [j.J  (Dsch.  Osm.),  табак  (AU.  Kir.  Kas.  Bar.  Irt.)] 

Schüssel  (tabac  124). 
табык  [^^^^  (Uig.)] 

der  Dienst  (tabuh  217,5),  табыкны  (tabuhni  208,2). 
табын  (v)  (Uig.),  табып  (Kas.)] 

verehren,  габыыырсан  (tabunirsen  185),  табынсын 

(tabunsin  209,3),  табывмакымыз  (tabukmakinmis 

212,7),  табыымыш  (tabumis  216,i). 
табыш  (v)  [von  тап] 

erringen,  табышырман,  табыштым  (tabuschirmen, 

tabuschtim  23,  tabiisirme  226). 
табуса  (v) 

zu  finden  suchen,  табусап  (=габу~ьсалып?)  (tabuv- 
sap  215,8). 
таФ 

Tamburin  (taf  103). 
тафсылат  [=arab.  ^^^LiijiJ] 

Unterschied  (tafsanyt  184). 
там  (v)  [там  (Alt.  Kir.)] 

tröpfeln,  тама  дырдан  (tamadirgan  143,4),  тамар 

(tamar  143,i8,  14). 
там  [|«.Lj  (Dsch.),  там  (Kas.  Kir.  Таг.)] 

Dach  (tam  1 20). 
тамак  [alle  Dialecte] 

die  Kehle  (tamak  III),  тамадыи  (tamagiu  135). 
тамар  [_^Ь  (Dsch.),  тамыр  (Alt.  Abak.  Kkir.  Kas.)] 

Ader  (tamar  112),  тамар  cokap  (tamar  sohar  139). 
тамаша  [=  arab.  ^^Ü] 

Schauspiel  (tamasa  104). 

7 


50  W.  Ra: 

тамам  [=  arab.  ^Іі] 

ganz  und  gar  (tamam  13,  tamâ  193,12),  тамам  аткіі 
(taman  ätkil  137)  beendigen. 

тамук  ^«Ъ^Аз. (Uig.),  ^*L'         (Dsch.),  тамы 

(Alt.),  тамык  (Kir,),  тамук  (Kas.)] 
Hölle  (tamuc  78,  tamuh  228,  tamu  206,8),  тамук- 
ньщ  (tamuchung  1 68,12),  тамукка  (tamucka  141, 
167,2,  tarauhka  220, 1),  тамукны  (tamukni  209,9), 
тамукта  (tamuchta  167,9,  10),  тамуктадылар  {ta- 
miichdageler  166,15). 

тамка  [h^^  (Uig.),  l^->^'  (Dsch),  тамда  (Kas.  Kir.),  тац- 
Ma^(Alt.) 

Siegel  (?),  Tamga  (?)  (tamha  225). 
тамцык  [тамчы  (Kas.),  тамцы  (Tob.)] 

Tropfen  (taraizik  143,2,  tamyzik  143,з). 
Tä  (v)  [alle  Dialecte  та,  ті,  да] 

sagen  (kommt  nur  in  den  Formen  Täi  und  тйп  vor  und 

zwar  immer  als  enklitisch  und  daher  mit  erweichtem  Anlaut 

als  дап  und  даі)  dep  209,4,  dey  211,4,  dep  144,8, 

211,5,  212,10,  215,4,  6). 
TäK  [так  (Alt.  Küär.),  тек  (Kir.),  тік  (Kas.)] 

ohne  Arbeit,  unbeschäftigt,  так  туруман  (tec  turumen, 

tecturdun  60). 
так  TtäK 

häufig  (tec  tec  71). 
такші  [^-^0*^  (Uig.),  такші  (Alt.  Таг.),  тексі  (Kir.)] 

gleichmässig  (teksi  198,2). 
тага  [TäKKä  (Alt.),  тііка  (Tar.Kas.),  текіі  (Kir.),  тага  (Schor.)] 

Вок,  тага  музі  (tege  muzi  144,з). 
Täräeä  [тегана  (Kir.)] 

Becken,  Schale  (tegana  97,  124). 
тагін  (?)  [vergl.  Tärpi] 

bis  (dein  215,4). 
Täril  (?)  [S/^  (Osm.),  тугуі  (Kas.),  тагіі  (Krm.)] 

nicht,  Щ  HäMä  Täril  (hec  neraa  tage  68),  Täril  (devl 

=  (Aäyl?)  194,14,  deulSO),  TäribiäH  (dolme  165,io). 
тагірма  [TägäpäK  (Alt.),  TeräläK  (Abak.)] 

rund  (tegirma  83). 
TäripMäH  [TäripMäH  (Bar.),  тігірман  (Kas.)] 

Mühle  (tegirman  37),  TäripMäe  таргарман  mahlen  (te- 

girmen  tartarim  37). 
TäripMäHui  [— TäripMäH-t-ці] 

Müller  (tegirmanzi  37). 


DLOPF. 

Tärpi  [von  Tärip,  Tîrpâ  (Kas.)] 

bis  (an  den  Dat.  enklitisch  angeschlossen,  daher  stets  mit 
erweichtem  Anlaute  d)  (degri  161,9,  162,2,  171,3, 
deyri  146,10,  11). 
TärMä  [^^yj*^  (Uig.),  aX.j  (Dsch.)] 

jeder,  TärMä,  TärMäiii,  TärMäläpiii  (tegma,  tegmanj, 
tegmanlarnj  76). 
Tä4  [v— *.:і>4о.  (Uig.),  ^^;J  (Dsch.),  Täq  (Alt.  Таг.),  тец 
(Kir.),  тіц  (Kas.)] 
gleich  (teng  217,5). 
таціз  (Uig.),  J^^-^  (Dsch),         (Osm.),  теціз 

(Kir,),  тіщз,  діщз  (Kas.)] 
das  Meer  (tengis  88),  тацізда  jypypMäa  (tengisda 
yururmen  38),  тацізіна  (tegisinä  192,8), 
тацрі  [O-O^^'c^  (Uig.),  ^J^>  (Dsch.  Osm.),  Täijäpi  (Alt.) 
Himmel,  Tä^pi  (Kas.)] 
Gott  (tengri  77,  78,  139,  159,i5,  164,6,  165,io,  11, 

16,  167,4,  168,14,  172,2,  186,13,  192,14,  193,8,12, 

17,  195,1,  16,  197,11,  199,3,  201,8,  202,6,  203, 11, 
207,3,  209,6,  212,7,  215,5,  219,15,  220,3,4,  tengeri 

158.15,  16,  18,  159,1,  160,5,  6,  7,8,  161,1,  2,  163,3, 
5, 13, 15, 164,1,2,8, 166,3,4,tegri  192,5,  teng  158,2, 
tang  158,6),  Täqpiniq  (tengrining  142,  184,  187,4, 
205,9,  211,5,  215,6,  10,  tengrinig  159,16,  163,8, 
tengiring  163,9,  168,8,  10,  14,  tengering  159,9, 
tengirning  169,4,  tegirnig  169,11),  Täqpirä  (tengriga 

186.16,  194,5,  195,5,  199,13,  201,9,211,3,  tengriga 
159,11,  162,7,  220,4,  tengga  157,2,  8,  158, 11,  іб), 
тацріні  (tengrini  163,i,  184,  198,12,  202,5,  13, 
205,6,  215,12,  tengirni  162,9,  15,  163,4,7,  tengerin 
1 59,10),  TäiipiÄäe  (tengridän  2 1 1 ,6, 7,  tengridä  201 ,6, 
tengriden  204,2,  tengridän  147,6,  tegridan  185, 
tengden  168,6),  танріц  (tengring  196,з),  Tâiîpici 
(tengrisi  208,5,  200, 12),  тацріміз  (tengrimis  210,i). 

TäqpiliK  [=тацрі-+-1ік] 

himmlische  Angelegenheit  (tengrilik  198,9). 
TäHAäni  [=Tä4-i-Ääni] 

gleich,  Gefährte  (teng  des  206, 10),  тäqдäшкä  (teng 
dezgä  217,5). 
TäH  [=  pers.  ^j] 

Körper  (ten  1 93,i4,  2 1 5,7,  te  20 1 ,8),  Täm  (teni  1 7 1 ,4), 
таніц  (tening  201, 10),  танімізні  (tenimisni  162,7), 
TäHiiiAäH  (tenindan  162, 10),  танніц  Täei  (tenin  teni 


Das  tüekische  Sprachmatekial  des  Codex  Comanicus. 


51 


208,10),  таніні  (tenini  215,7),  тан  танбііа  (ten  ten- 

bilä  215,7),  TäH  алып  (tenalip  211,io). 
TäHli  [=TäH-+-li] 

einen  Körper  habend  (tenli  193,14). 
Täp  (Uig.),  Täp  (Alt.  Таг.),  тер  (Kir.),  тір  (Kas.)] 

Scliweiss  (ter  113),  тарі  (teri  170,б). 
TäpäK  [ii^j^  pers.,  vergl.  тарак  (Alt.)  Pappel] 

Baum,  Stamm,  Säule  (terac89,  125,  terak  103,  terek 

209,5),  TäpäK  тікарман  (terac  ticarmen  45). 
тарйц  [' — (Uig.),  Täpä4  (^'t-  Leb.),  тіран  (Kas.)] 

tief  (tereng  139). 
TäpäD,  [vergl.  oJ)[/j  pers.,  Täpä'iä  (Tob.)] 

(Fenster?)  Balkon  (tarag  =  tarag  (?)  120). 
Täpi  [0^-^^  (Uig.);        (Osch.),  Täpä  (Alt.),  Täpi  (Bar.), 
тірі  (Kas.)] 

Leder,  Haut  (teri  112),  Täpi  тон  Pelz  (teri  ton  98), 

äplKlärän  Täpi  gegorbenes  Leder  (eriklagan  teri  132). 
TäpK  [=  4Lh  arab.] 

das  Verlassen,  TäpK  атарман  (talf  etarmen  47). 
TäpK  Cj^O'^-^^  (Uig.)] 

schnell  (terc  64,  87,  terghai  69),  TäpKi;ä  (cercä 

161,7). 

TäpKlä  (v)  [=TäpK-4-lä] 

eilen,  TäpKlän  eilig  (terclap  64,  72). 
Täprä  (v)  [терга  (Kir.)] 

untersuchen,  Täpräini  (tergeim  223,  tcrgejra  226). 
Täplä  (v)  [=Täp-H-lä] 

schwitzen,  Täplän  (terlep  134). 
TäpMä  [vergl.  russ.  теремъ] 

tabernaculum,  TäpMäcinAä  (termäsida  189,9), 
Täpc  [vergl.  А^^Аз-  (Uig.),  ^^'j  (Osm.),  Täpc  (Alt.),  терс 
(Kir.),  тірс  (Kas.)] 

verquer  (ters  107,  ters  (zornig)  225),  Täpc  cösläp 

(ters  sözlär  226)  widersprechen. 
Täli  [Täli  (Alt.),  Till  (Kas.),  J,:>  [Osm.]] 

Narr  (teli  1 1 6). 
Tälöyrä  [тіібіга  (Kas.)] 

Leitseil,  Zügel  (telbuga  229). 
татік  [^— ■s-^^A^.  (Uig.),  тетік  (Kkir.  Kir.),  TâTÎK  (Таг.)] 

klug,  trefflich  (tetic  Salomo  165,14). 
тасніф  [=  arab.  ti^^j] 

Abfassung  (tesinf  etti  184). 


Täc  [jJ  (Dsch.),      (Osm.),  тез  (Kir.),  тіз  (Kas.)] 

schnell  (tex  87,  115). 
TäsräH  [^W*^  (Uig-),  S.^j^j  (Dsch.),  TäCKiH  (Tel.)] 

sich  drehen,  башы  тазганді  (basi  tesgêdi  224). 
таш  (v)  [=Tä-bni] 

zusammen.sagen,  Tämipläp  (desirler  148,7,  s). 
Täm  (v)  [alle  Dialecte] 

durchbohren,  durchlöchern,  Tämäp  (teser  145,12),  Täui- 

MäK  (texmac  122). 
ташік  [тажік  (Alt.),  ііішік  (Таг.),  тесік  (Kir.),  тішік 
(Kas.),  SJ:>  (Osm.)] 

Loch  (tesich  28). 
TänpäT  (v)  [y.c^Y.^*^  (Uig.),  S.^\^^j  (Dsch.),  S^\^^^ 
(Osm.),  Tä6päT  (Таг.),  Tä6pä  (Kas.)] 

beAvegen,  TänpäTypmäH,  TänpäTTiM,  TänpäTKÜ,  TänpäT- 

MäK  (tepraturmeii,  teprattin,  tepratchil,  tepratmac 

37). 

Tänci  [\>Vv3-*^  (Uig>),         (Osm.),  тепсі  (Abak.)] 

Teller  (tepsi  125). 
Tä6ä  [L'j  (Dsch.),  Tä6ä  (Bar.),  üj^  (Osm.)] 

Scheitel,  Wirbel  auf  dem  Kopfe  (teba  1 1 0),  TäÖäcinä 

(tebessina  171,з). 
ійФтар  [=  pers.^.i] 

Buch,  Schrift  (taftar  90). 
TäMä  [=  arab. 

Begierde  (tämä  183). 
TäMäKäp  [=  pers. 

begierig  (tämäker  183). 
TäMäH  [TäMäHä  (Alt.)] 

grobe  Nadel  (temê  181). 
тамір  [(>=Ьг*Ъ-  (Uig.),        j^J  (Dsch.),  тамір  (Al.t),  tö- 
мур  (Таг.),  темір  (Kir.),  тімір  (Kas.)] 

Eisen  (temir  28,  96),  тамірі  (temeri  166,9),  тамір 

МІК  (temir  mih  208,io)  eiserner  Nagel,  сабан  тамірі 

Pflugschar  (saban  temir  1801. 
тамірці  [=тймірн-ці] 

Schmied  (temirzi  96). 
Toi  [\>=^ъ^  (Uig.),        (Dsch),  Toi  (Kir.),  туі  (Kas.)] 

Gastmahl  (toy  17),  Toiga  (tovgo  214,9,  toyga  21 7, i), 

Toiga  ундадім  (toyga  imdadum  1 7). 
Toi  [^-^A>  (Uig.),  (Dsch.),  Toi  (Alt.  Kir.),  тос 

(Abak.),  туі  (Kas.)] 

satt  werden  (siehe  тоідыр), 

7* 


52 


W.  Radloff. 


тоідыр  (ѵ)  [=тоі-і-дыр] 

satt  machen,  тоідырыр  (toydrir  194,12),  тоідыра 

(toyda  205,12),  тоідырдыл  (toydirgil  206, 12),  тоі- 

дырды  (toydirdi  213,3). 
тоудуц 

Mörser  (touguc  94,  124). 
ток  [vergl.       (Osm.),  ток  (Kir.  Alt.)] 

voll,  satt  (vergl.  токлык). 
токлук  [г=ток-і-лык] 

Fülle,  Ueberfülle  (tokluk  225). 
токта  (v)  [токта  (Abak.  Kir.),  токто  (Alt.),  гукта  (Kas.)] 

anhalten,  токтармйн  (tolitarmê  228). 
токмак  [jL«iy  (Dsch.),  токмак  (Bar.  Таг.),  тукмак 
(Kas.)] 

Schlägel  (tocmac  100,  tokmak  145,8). 
токмацык  [von  токмак] 

kleiner  Klöpfel  (tokmacik  147,g). 


Tog  (тоу?)  [y^^  (Uig.j,   cy  (Dsch.),  ту  (Alt.  Таг. 
Kas.)] 
Fahne  (tou  118). 

Tog  (тоу?)  (v)  (Uig.),  ^J^y  (Dsch.  Osm.),  ту  (Alt. 

Kir.  Kas.)  —  vergl.  ту] 
geboren  werden,  тодарман,  тоддум,  тоддыл,  тодмак, 
тоддан  (togarnien,  tuarraen,  togdum,  toggil,  tog- 
mac,  toiigam  40),  тоудан  тоддан  (tougan  117,  tu- 
gani  189,1,  tugan  21 1,5,  217,2),  тодды,  тyды(tochde 
159,4,  tochdi  159,G,  160,9,  161, 11,  togdi  208,i, 
tuvdi  216,8),  Toggai  (tochei  161,i4),  тодуптур,  туп- 
тыр  (tuupfur  2 11, G,  tuup  turur  211,7). 

Toga  [тодо  (Leb.)] 

Schnalle  (toga  122),  Toga  тііі  Dorn  der  Schnalle  (toga 
tili  122). 

Togy  (v)  [уэу  (Dsch.),  току  (Kir.),  тукы  (Kas.)] 
weben,  6Ö3  Togyp  (bös  togur  234). 

Togyp,  auch  тоур,  тур  (v)  [Factit.  von  тод] 

gebären,  тодурдан  одлан  (togirgan  oglan  159,7),  то- 
дурмыш  (togiirmiz  161,8),  тодурды  (togurdi  207,7), 
турур  (tuiirur  186,14,  tuu'  196,8,  tuurur  217,2), 
турдум  (tuurdim  185),  турдуц  (tuurdûg  186,10,12), 
турду  (tuurdi  215,9),  турдае  (tuv''gâ  203,14),  тур- 
маданы  (tuurmaganni  215,9),  турдуцы,  турдацы 
(tuurguci  183,  tuurdaci  183,  199,4,  215,8),  туруп 
(tuvrup  189,6). 


тодуз  [ас^^  (Uig.),  jyy  (Dsch.),  тукыз  (Kas.),  тодус 
(Alt.  Abak.),  Togyc  (Kir.)] 

neun  (tog  ai  —  тодуз  ai  201,4). 
тодуш,  товуш,  туш  [von  тод] 

Aufgang  (der  Sonne),  кун  тодушы,  товушы  (kwn  to- 

guschi  161,5,  11,  tousin  82),  тушныц  (tuusning 

215,2). 
тодрам 

bolus  (tovram  182). 
logpy  [^^-^^  (Uig.),  тура  (Kas.)] 

grade  (togru  83),  барца  тодруда  allgemeiu  (barz  tou- 

rada  66). 
тодрулук  (=:тодру-і-лук] 

Gradheit,  тодрулук  6ilä  (cogrulac  bila  70). 
тодма  [von  тод] 

von  guter  Geburt  (tocma  1 1 5). 
ТОЦ  (v)  [^yX^y  (Dsch.),  ТОЦ  (Alt.  Abak.  Таг.  Kir.),  туц 
(Kas.)] 

gefrieren,  тоцарміін  (tongarmê  234). 
тоцуз  [тоцыс  (Alt.),  тоцус  Таг.),  туцыс  (Kas.),  домуз 
(Osm.)] 

Schwein  (tongus  127),  kïk  тоцуз  wildes  Schwein  (cheyc 

tongus  128),  тоцуз  кібі  (tongus  kibi  174),  тіші 

тоцуз  (tisi  tugux  128). 
тон  [alle  Dialecte] 

Rock  (ton  32),  Täpi  тон  (teri  ton  98,  119),  тонум 

(tonù  143,10). 
тонтарма 

Spange  (tontarma  138). 
ТОНЦЫ  [=тон-ьцы] 

Kürschner  (tonci  97). 
Topgai  [Topgai  (Таг.  Kir.),  турдаі  (Kas.)] 

Sperling,  kleiner  Vogel  (korgui  130). 
ТОЛ  (v)  [alle  Dialecte] 

voll  werden,  толду  (toldi  204,4),    толсун  (tolsun 

209,4). 
толу  [von  тол] 

Voll,  Fülle  (toulu  69,  tolu  172,i,  194,8). 
толтур  (v)  [Factit.  von  тол] 

füllen,  толтур ДЫ  (tolTdi  203,4),  толтурдылар  (tolfdil 

203,8). 
тоту  [=pers.  J=^] 

Papagai  (totu  130). 


Das  tüekische  Speachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


53 


тодак  [jbj^  (Osm,)] 

Lippe  (toodac  110),  тодаклары  (totaclari  198,15). 
T03  (Uig.).  jy'  (Osm.),  тозаы  (Kir.),  тузан  (Al!.)] 

Staub  (tos  89). 
топ  [топ  (Osm.  Krm.)  und  топ  (Kir.)] 

Kugel  (?),  Haufen  (?)  (kuwle  =  top  222),  топ  ai  (tob  ai 

81). 

топрак  [^А-^-^З'^^  (Uig.),  ^jij'  (Dsch.  Osm.),  тупрак 
(Kas.)] 

schwarze  Erde  (toprac  89,  toprak  208,5),  туз  топрак 

(tuz  toprak  142). 
тоба  [arab.  Äj^] 

Reue,  Schuld  (toba  234). 
тобалак  [vergl.  топалак  (Osm.)  rund,  топалац  (Kir.)  Dreh- 
krankheit] 

parkun  (tobalak  232,  234). 
тобра  [vergl.  торба  (Osm.  Aderb.)  Sack] 

pfinellus  (tobra  122). 
томбур 

Pauke  (tombur  223). 
Töä  [^^^^  (t^ig-))       (Dsch.),  Työ  (Kir.),  tö  A(lt.),  туіі 
(Kas.),  дава  (Krm.)] 

Kameel  (toua  128,  tove  144, 15). 
TöK  (v)  [' — «-^^  (Uig-)»  '^^f  (Dsch.),  tök  (Kir.),  тук 
(Kas.)] 

ausgiessen,  тбкту  (tokti  199,G,  töktu  213,i),  тогуп 

(tögup  209,1). 
Töryl  (v)  [Pass.  von  tök] 

ausgegossen  werden,  тогуіді  (toguldi  199,2). 
Tön  (v)  [^л^  (Uig.),  (Osm.)] 

.sich  wenden,  тонді  (tondi  193,5). 
Töpä  (v)  [^а^  (Uig.),  Töpä  (Alt.)] 

geboren  werden  (gebären?),  TöpiUi(törädi215,4,216,7), 

торадіц  (töräding  202,9),  торатйці  (törätäci  21G,8). 
Töpcä  [^^û^  (Uig.),  (Osm.)] 

Sitte,  Gebrauch,  Töpä  туттум  (tora  tuttum  61),  Töpärä 

(törägä  182),  Töpäniq  (töräning  195,14),  Töpäcinä 

(töräsinä  217,3). 
TöpäliK 

Gesetz  =  eyn  sete  (töre)lili  135). 
Töpäri 

Thurm  (toragi  130). 


TöpT  [^û.^^ûA3,  (Uig.),  Oj^j  (Dsch.),  торт  (Alt.  Kir.), 
дурт  (Kas.)] 

vier  (tört  167,5,  dort  147,7). 
тортунці  [von  торт] 

der  Vierte  (tortuzi  85,  tortwnci  167,7). 
TöpTKyl 

viereckig  (torchul  88). 
Tölä  (v)  l^i^^  (Uig.),  dl*dJy  (Dsch.),  Tölö  (Alt.  Kir. 
Bar.),  Tylä  (Kas.)] 

bezahlen,  TöläMäc  (tolamac78, 106),  т0іадіц  (töläding 

214,1). 

TÖ3  (тоз?)  (v)  [/^^  (Uig.),  ТОЗ  (Tel.  Kkir.)] 

warten,  dauern,  aushalten,  dulden,  тозарман,  тоздум, 
Tösril,  Tö.3MäK  (toxarmen,  toxdum,  toxgil  20,  55, 
toxdun,  toxmac  56),  коп  т0зді  (cöptösdi  159, 15, 
tostdi  160,1,  tösdi  169,9),  TÖ3äp  (töser  163,12), 
Tö3Mä  (tösina  164, 1,  tösme  169,4),  тозмаса  (tosmese 
169,4),  TÖ3Mäi  (tösmey  200, 15). 

ТОЗуМ  [von  TÖ3] 

Ausdauer  (vergl.  тозуміу). 
т0зум1у  [=т0.зум-і-1у] 

ausdauernd  (tosûlu  116). 
тозуміук  [=:т0зум-і-1ук] 

Geduld  (tozumluc  182,  tösmiluc  164,2). 
тозіук  [=т0зу1ук?] 

Ausdauer,  т0з1ікіц  (tözliking  195,7). 
Töui  [у/^^А^  (Uig.),  J^y  (Dsch.),  Т0Ш  (Alt.),  töc  (Kir.), 
туш  (Kas.)] 

Brust  (tos  III). 
TöuiäK  [^у^ъ-  (Uig.),  iiU^J  (Dsch.)  т0ж0к  (Alt.),  töcök 
(Kir.),  тушіік  (Kas.)] 

Matratze  (tosiac99, 119,  tosac  123,  tosak  138  =  eyn 

vilczbette),  тозакпі^  aja§bi  (sie)  (tosakning  ayagi  123). 
Т06ІШ  [т0б0п  (Alt.),  туман  (Kas.)] 

herab,  тобйн  тушті  (toben  tuschte  134). 
тобангі  [=Tö6än-+-ri] 

das  Untere,  щ  Tööänrici  (eng  töbcngisi  157)  der  aller 

Unterste. 

Tbupa  (v)  [ywfe^jlbj^  (Uig.),  j^'^lû.j  (Dsch.),  ^ЛГ^ 
(Osm.),  тьщла,  тьщна  (Alt.  Kir.  Kas.)] 
hören,  gehorchen,  тьщларман,  тьщладым,  тьщла,  тьщ- 
ламак  (tinglarmen,  tingladun,  tingla,  tinglamac  47). 


64 


W.  Radlopf. 


тын  [alle  Dialecte] 

Athem,  Seele,  Leben  (tin  113,  180,  192,12,  194,із, 
195,2,  199.3,200,12,  tî  212,5),  тын  ата  Beichtvater 
(tin  ata  157,4),  сан  тін  атам  (sentin  atam  158,2), 
ары  тын  der  heilige  Geist  (aretin  159,із),  тын  ацыды 
(tin  azihi  199,з),  тынлар  (tilär  206,5),  тындан  (ari- 
tindän  211,9,  216,5),  тыным  (tinî  160,7),тынындан 
каздім  (tinindan  cheztim  21). 

тын  (v)  [j-^  (Uig.).  тын  (Alt.),  тынык  (Kir.  Bar.  Kas.)] 
sich  beruhigen,  тыыарман  (tinarm  ê  226),  тынды  (tindi 
194,7). 

тынт  (v)  (?) 

herausgehen,  entspringen,  тынтыр  äcä  (tintir  ese  1 87,14). 
ТЫНЛЫ  [=:тын-*-лы] 

Seele  habend,  тынлы  ]анывар  (tinle  janawar  180). 
ТЫНЦ  [/b^*^  (Uig.j,  ТЫНЫШ  (Kir.),  ТЫНЫЧ  (Kas.)] 

Buhe  (tinc  201,1),  тынцына  (tinc(in)ä  220,2). 
гырнак  [^А^^ъ-  (Uig.),  jb/Aj  (Dsch.  Osm.),  тырнак 
(Kir.  Kas.)] 

Nagel  am  Finger  (termac  1 1 2). 
гылта  (v) 

ausdenken,  тылтадан  соз  (tiltagan  söz  227). 
тылмац  [/L.*3-fcr^  (Uig.),  тылмац  (Irt.)] 

Dolmetscher  (telmac  105,  tolraac  158,15,  tolmac 

167,16),  тылмац  6ilä  (tolmacbile  167,15,  168,з). 
ТЫМ  [тым  (Tel.)] 

ruhig,  ТЫМ  болды  (tim  boldi  59). 
тымар 

Mittel  (medela)  тымары  (tiraari  187,io). 

TÏ  (v)  [^Ч^  (Uig.),  S-Jlj  (Dsch.),  Täf  (Abak.  Таг.),  tî 
(Alt.  Kir.  Bar.  Kas.)] 
berühren,  erreichen,  TijäpMäH,  тідім,  тімйк  (tiarmen, 
tyidum,  tyimac  21,  teyarmen,  teydum,  teygil  58, 
teydun,  tegmac  63),  тіді  (teydi  199, ii,  201,7, 
204,8,  16,  207,2),  тісін  (teysin  209, lo,  210,i, 
217,5),  ТІМІШ  (teymis  216,2),  Tijän,ä  (teäce  158,17), 
тштір,  TijinTip  (teyptur  185). 

ТІК  [тік  (Tel.  Таг.)  aufrecht] 
ТІК  адац  Säule  (tic  agac  120). 

ТІК  (v)  [^-«-^^  (Uig.),  S.J^j  (Osm.),  ТІК  (Kir.),  тік(Каз.)] 

a)  nähen,  тікарман,  тіктім,  тіккіі,  тікмак  (ticharmen, 
tictim,  tichil,  tichmac  17,  ticmac  119). 

b)  pflanzen,  тарак  тікарман,  тіктім,  тікмак  (terac  ti- 
carmen,  tictim,  tich,  tichmac  45). 


тікма  [von  тік] 

festgesteckt,  Pfahl  (tiema  85),  тікмага  бадладылар 

(ticmaga  bagladilar  171,i). 
тіганак  [тіганйк  (Bar.)] 

Dornen,  тіганак  (tigenek  135,  171,5). 
ТІГІ1  (v)  [Pass.  vou  тік] 

weichen  (?),  befestigt  werden,  тігііарман,  тігіідім,  тігіі 

(figilurmen,  tigildum,  tigil  13). 
тіцйр  [=TcäK-i-jäp  (?)] 

Brachland  (tinger  229). 
Tijip  (v)  [Factit.  von  ті] 

gelangen  lassen,   Tijipril  (teyirgil  197,2),  TijipräE 

(teyirga  204,12),  тijipдiq  (teyirding  186,9),  Tijipä 

(teyira  206,12). 
TÏH         (Dsch.  Osm.),  тіц  (Alt.),  tîh  (Kir.  Kas.)] 

Eichhörnchen  (tein  97),  кара  tîh  (caratein  97). 
ТІНТ  (v)  [тінт  (Kir.)] 

suchen,  тінтір  äcä  (tintir  äsä  187,14). 
тінтуці  [von  тінт] 

Sucher  (tintuvci  139),  тінту(чі)  äp  (tintöver  139). 
Tïpâ  [Tipä  (Kas.)]  j 

Umgegend  (teyra  89). 
TipäK  [тірау  (Kir.  Bar.),  тіру  (Alt.)] 

Stütze,  TipäKi  (tireki  204,io).  ' 
тірі  [' — «-^-^^  (Uig  ),  (Dsch.),  туру  (Alt.),  тіру 

(Bar.),  тіріг  (Abak.),  тірі  (Kir.),  тірі  (Kas.)] 

lebendig  (tiri  88,  197,io),  тірііарні  (tirilerni  212,4). 
Tipil  [г=^^  (Uig.),  SJji^  (Dsch.),  Tipil  (Kir.),  тірП 
(Kas.)] 

leben,  lebendig  werden,  TipiläpsiäH,  тіріідім,  тіріігіі, 
тіріімак  (tirildurmen,  tirildum,  tirilgil,  tirilmac  50, 
tirilurmen,tiyrildun,  tiirgil,  tirilmac  63, tirilmac  86), 

тірііік  [=тірі-ь1ік] 

Leben  (tirilik  160,13,  168,9,  tirelic  207,5),  тірііікніц 
(tirilikning  168,7),  тірііікні  (tirelicni  207,8,  tirelikni 
112,11),  тіріИкіц  (tirilickin  163,з). 

тіргіз  (v)  [/^J-^^  (Uig,),  ^^^(j^^  (Dsch.),  тіргіз  (Kir.), 
тірпз  (Kas.)] 

vom  Tode  erwecken,  lebendig  machen,  TiprisMäKKä  (tir- 

gizmekgä  199, i5),  тіргізгіці  (tirgizgici  212,5). 
тірнііда  (v) 

schmatzen,  тірніідаідір  (tirpildeydir  231). 
ТІІ  [alle  Dialecte] 

Zunge,  Sprache  (til  110,  158,15,  17,  167, іб),  тііі  (tili 


Das  türkische  Sprachmateeial  des  Codex  Comanicus. 


55 


189,17,  122),  тіИеца  (tilince  160,ii),  тііщ  6ilä(tilig 
bile  167,6). 

TÜä  (v)  [alle  Dialecte] 

bitten,  wünschen,  тііармаіі,  тііадім,  TÜäril,  тііамак  (ti- 
larmen,  tiladum,  tilagil,  tilamac  60,  tilerme  158,i8, 
173,  tiPmen  168,4),  TÜäpcäH  (tilersen  162,15,  175, 
176),  Tiläp(tiler  163,9,  167,3,4,  176),  тііарбіз  (ti- 
lerbis  176),  тііарсіз  (tilersis  176),  TÜäcä  (tilese 
1 69,8,  tilesa  1 94, lo),  lilärän  (tilega  205,6),  тііаганца 
(tilegäncä  183),  ті1йі(Шеу  188,2,  194,2),  тііап  (tilep 
219,18),  тііамагін  (tilemegin  171,9),  тіійрмісаи  (ti- 
lärmäsen  175). 

TÜäK  [von  TÜä] 

Wunsch,  Wille  (tilek  183). 

ТІ1ІМ  [тііім  (Irt.)] 
Bissen  (tili  182). 

ТІІСІЗ  [=ті1-і-сіз] 
stumm  (tilsix  117). 

тітра  [alle  Dialecte] 

zittern,  тітрарман,  тітрадім,  тітрамак  (tifarmen,  tit- 
radum,  titra,  titramac  59,  titeremec  170,5),  jap  ті- 
трамакі  (уег  titramachi  59),  тітрйді  (titredi  200,i5). 

тіз  [/^ъ-  (Uig.j,  Jaj  (Osch.),  Tic  (Krib.j,  тіз  (Aderb.),  тіза 
(Alt.  Kir.j,  тіза  (Kas.)] 
Knie  (tiz  175),тізіщз  (tizinggis  142),тізіи(іігіп  1  60,5). 

TÏ3  (v)  =  ТІГІЗ  [(^ÛJ^A>  (Uig.)] 

darreichen,  тізмага  (teizmaga  161,із),  тіздііар  (teis- 
dilar  162,5). 
тізга 

stralera(?)  (tixga  121). 
ТІЗГІ  [vergl.  тіз] 

Knie  (tixgi  1 1 3). 
ТІЗГІН  [тізгіе  (Kas.)] 

Zügel  (tixgin  122). 
ТІЗСІЗ  [=тіз-і-сіз] 

knielos  (tizsis  175). 
ТІШ  [alle  Dialecte] 
^    Zahn  (tis  110,  132,  175),  тіш,  тішШр  (tis,  tislär 

173),  ФІ1  ТІШІ  (fil  tis;  92). 
ТІШІ  [O-'^'o-  (Uig.),  (Dsch.),  ^^:,  (Osm.),  тіші 

(Kas.)] 

weiblich  (tusi  109,  tisi  127),  тіші  тоцуз,  koi,  ацкі, 
мйці  (tisi  tugux,  choy,  ezclii,  mazi  128). 


тішіа  (v)  [=тіш-ь-іа] 

mit  den  Zähnen  fassen,  beissen,  тішійрман,  тішіадім,  тіш- 

lä,  тішііімак  (tislarmen,  tisladun,  tisla,  tislamac  36). 
тіш  [тіш  (Tel.  Kas.)] 

das  Passende,  das  Iiinbringen,  тіш  кыл  (teyskil  185) 

bringe  hin! 
Tîmli  [тішИ  (Kas.)] 

passend,  gehörig  (teysli  189,8). 
ТІШСІЗ  [=тіш-і-сіз] 

zahnlos  (tissis  175). 

ту 

Hirse  (tunj,  tu  131),  KÖK  ту  (coctu  131). 
ту  (v)  [=  Tog] 

geboren  werden,  aufgehen  (Sonne),  кун  тумастан  бурун 

(кип  tuvmeesden  bru  136),  туп  (turip  191,з),  ту- 

мыш  (tuvmis  192,14). 
ту  [Д=^^  (Uig.),  ^^'j  (Dsch.),  ту  (Alt.  Kir.  Kas.)] 

Fahne  (kuv?). 
туі  (v)  »^«j^j  (Dsch.),  j-cj^,:^  (Osm.),  туі  (Kkir.)] 

gewahr  werden  (tuydim  134). 

тудан  [=  arab.  ijiS':»] 

Laden  (tugan  89). 
Tyjana 

öffe